EZB mit einer Bilanzsumme von 2,393 Billionen Euro

von am 23. November 2011 in Allgemein

Gestern veröffentlichte die EZB ihren konsolidierten Ausweis des Eurosystems zum 18. November 2011. Nicht wirklich überraschend wuchs die Bilanzsumme nicht nur weiter, sondern die Dynamik erhöhte sich. Die Total Assets der EZB stiegen auf 2,393350 Billionen Euro, ein Anstieg zur Vorwoche von +49,803 Mrd. Euro. Dieser Anstieg dokumentiert vor allem den weiter zunehmenden Stress im europäischen Bankensystem. Der Anstieg ging mit +36,247 Mrd. Euro auf das Konto der Forderungen der EZB in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet (Pos. 5,0 im Wochenausweis) und auf die Wertpapiere in Euro von Ansässigen im Euro-Währungsgebiet (Pos. 7.0 im Wochenausweis), darunter die SMP-Programme, der Aufkauf von Staatsanleihen.

Die Entwicklung der Total Assets der EZB seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW46 2011. In der KW46 stiegen die Total Assets um +49,803 Mrd. Euro zur Vorwoche auf 2,393350 Billionen Euro.

Über die Refinanzierungsgeschäfte der EZB können sich die Geschäftsbanken unabhängig von den Kundeneinlagen zusätzliches Zentralbankgeld gegen “notenbankfähige Sicherheiten” beschaffen:

Die Entwicklung der Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW46 2011 im Chart. In der KW46 2011 betrugen die Forderungen 625,489 Mrd. Euro, ein Anstieg zur Vorwoche von +36,247 Mrd. Euro.

Unter der Position 5.0 Im Wochenausweis des Eurosystems befinden sich vor allem die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) und längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (Basistender). Mit dem Hintergrund, dass diese Positionen nicht mehr über den Lehman-Pleite Level gestiegen sind, wird behauptet, dass deshalb die Risiken aus der Geldschöpfung insgesamt nicht gestiegen sind. Eine veritable Fehleinschätzung, denn die EZB hat weitere Instrumente an Bord genommen bzw. bestehende ausgeweitet, die zwar den Refinanzierungsgeschäften nicht gleich sind, aber ähnliche Wirkungen haben:

Die Entwicklung der Position 7.0 im Wochenausweis, Wertpapiere in Euro von Ansässigen im Euro-Währungsgebiet, seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW46 2011 im Chart. In der KW46 stieg das Volumen um +9,337 Mrd. Euro zur Vorwoche auf 590,575 Mrd. Euro, ein klares Allzeithoch.

Unter dem Aktiva-Posten 7.0 verbergen sich unter Unterpunkt 7.1 u.a. die aufgesaugten Milliarden an Staatsanleihen der PIIGS aus dem SMP-Programm:

Die Entwicklung der Wertpapiere die zum geldpolitischer Zwecke (7.1) angekauft wurden von der Kalenderwoche 27 2009 bis zur KW46 2011. In der KW46 stieg das Volumen auf 254,365 Mrd. Euro um +8,300 Mrd. Euro zur Vorwoche an.

Die Entwicklung der Sonstigen Wertpapiere (7.2) von der Kalenderwoche 27 2009 bis zur KW46 2011 in Chart. In der 46 KW 2011 stieg das Volumen um +1,037 Mrd. Euro zur Vorwoche auf 336,210 Mrd. Euro.

Ein regelrechtes Feuerwerk zündete sich in den letzten Wochen unter 6.0 im Wochenausweis, den Sonstige Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet:

Die Entwicklung der Sonstigen Forderungen in Euro an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet (6.0) von der Kalenderwoche 27 2009 bis zur KW46 2011 in Chart. In der KW46 2011 stieg das Volumen um moderatere +1,659 Mrd. Euro auf  90,656 Mrd. Euro. Leider befindet sich unter den Forderungen aus 6.0 vieles an Möglichkeiten, so dass man den Anstieg von außen nicht näher zuordnen kann. (Zu 6.0 gehören: Girokonten, Termineinlagen, Sichteinlagen, einschließlich Konten für Zahlungsverkehrszwecke und zur Reservehaltung: von anderen Banken, Zentralbanken, internationalen/supranationalen Institutionen, einschließlich der Europäischen Kommission; Girokonten anderer Einleger. Repo-Geschäfte in Verbindung mit gleichzeitigen Reverse-Repo-Geschäften im Rahmen der Verwaltung von Wertpapieren in Euro.)

Der Anstieg der Total Assets in der KW46 um +49,803 Mrd. Euro zur Vorwoche auf 2,393350 Billionen Euro und damit auf ein neues Allzeithoch dokumentiert die dramatische Lage des europäischen Bankensystems. Die EZB muss immer höhere Summen temporär für die Banken bereitstellen, gegen “notenbankfähige Sicherheiten” in der Praxis nahezu für jeden Kreditschrott, bzw. durch direkte Aufkäufe von “Wertpapieren”, um damit die Bilanzen der Banken entlasten. Ohne die EZB wäre die Eurozone in der heutigen Konstellation und das europäische Bankensystem bereits kollabiert. Im Sinne eines maximalen Zeitschindens sind die Maßnahmen sogar nicht ausreichend und müssten weiter intensiviert werden, wobei die geldpolitischen Maßnahmen der EZB keinen relevanten Beitrag zur Problemlösung darstellen, wie die Wirtschaftsdaten der Südperipherie eindeutig belegen. Die zu Grunde liegenden Probleme können alleine durch Geldpolitik nicht gelöst werden.

Quelle Daten: Ecb.int/Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 18. November 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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24 KommentareKommentieren

  • philipp johannes - 23. November 2011

    “”Die zu Grunde liegenden Probleme können alleine durch Geldpolitik nicht gelöst werden””

    bitte ganz fett und ganz groß schreiben.

    per pressemitteilung an die propagandamedien senden.

    per flyer abwerfen über der eurozone.

    die ezb druckt doch schon geld heißt dein artikel nämlich im klartext !

    • Querschuss - 23. November 2011

      Hallo Pessimist,
      auch Deutschland holt das selbst mitorganisierte Desaster eben ein, war nur eine Frage der Zeit und im schlimmsten Fall ist dies erst der Anfang.

      Gruß Steffen

      • Bernd Klehn - 23. November 2011

        Ein Zinsniveau von 2% für 10 jährige Anleihen bei ca. 3% Inflation ist nicht ewig durchhaltbar. 5% ist die richtige Größenordung. Jetzt erzwingen Auslandsinvestoren selbst bei absolut gesunden Volkswirtschaften dieses Zinsniveau. Mal sehen, wann die ungesunden Volkswirtschaften USA und UK folgen.

  • philipp johannes - 23. November 2011

    pessimist war schneller.
    hab es geade gelesen und wollte es verlinken.

    die bonds steigen auf breiter front in der ganzen zone.
    http://www.pigbonds.info

    • Appaloosa - 23. November 2011

      Sieht ja zur Zeit richtig übel aus bei pigbonds.info. Mal sehen, was die ECB macht.

  • M.E. - 23. November 2011

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Situation im Euro-Raum weiter stark eskaliert bis Jahresende. Ich rechne in wenigen Wochen mit endgültig unbezahlbaren Zinsen für Spanien, Italien und Belgien, mit sehr schmerzhaften Zinsen für Frankreich (nahe 5%) und mit der Vertreibung Deutschlands aus dem Niedristzinsparadies nahe der 2 Prozent.
    Grund: der europäische Bankenmarkt ist ausgetrocknet und die Banken mit hektischen Bemühungen beschäftigt, ihre dünne Eigenkapitalbasis zu verbessern, zumal diese weiter erodiert durch die Eurostaaten-Zinskrise. Und auch wenn die Banken kein Eigenkapital für Investments in Staatsanleihen vorhalten müssen (ein Unding!), so werden sie trotzdem ihre Bondengagaments stark zurückfahren und als Käufer weitgehend ausfallen.
    Versicherungen dürfen in die Euro-Problemstaaten (also GIIPS plus Belgien) ohnehin nicht mehr investieren auf Grund ihrer internen Risiko-Vorgaben. Von dieser Seite also wohl Komplett-Ausfall der Nachfrage.
    US-Fonds und britische Anleger fliehen gerade in breitem Strom aus dem Euro-Raum mit Rückgängen von fast 10% pro Monat. Also auch von daher nur Verkäufe und praktisch keine Neukäufe mehr.
    Und natürlich kann man auch von Seiten der Schwellenländer eine Nachfrage nach europäischen Problemanleihen bei weiterer Eskalation vergessen.
    Eine selbstverstärkende Rückkopplung.
    Bald wird wohl nur noch die EZB als Käufer für GIIPS plus Belgien in Frage kommen. Also die Anleihenkäufe um den Faktor 5 bis 10 erhöhen.
    Bei dieser Faktenlage kann man selbst bei einem Umschwenken der Bundesregierung das Thema Eurobonds vergessen. Denn unter 5% werden die bei weiterer Zuspitzung nicht mehr auf den Markt zu bringen sein. Damit ist das Thema auch erledigt. Der “Markt mit riesiger Liquidität”, den Barroso in völliger Verkennung der Situation für Euro-Bonds vorraussagt, ist vollkommen unrealistisch.

    Bis Weihnachten wird es spannend.

    • Bernd Klehn - 23. November 2011

      Solange der Trick von USA und UK klappt, werden trotzdem vorher alle nach einer ähnlichen Lösung suchen. Ist ja auch nur zu verlockend, hohe Geldmenge, niedrige Zinsen, hohe Bonität, hohe Leistungsbilanzdefizite, niedrige Nettoauslandsschulden. Geht doch alles zusammen. Warum sollte es der Eurozone nicht auch gelingen? Es lässt sich doch mit Geldpolitik alles machen. Hierbei wird verwechselt, dass die Situation in USA und UK auf reinster Fehlallokation des Kapitals beruht und nicht auf einer monetären Gesetzmäßigkeit. Das ausländische Kapital wird der Eurozone aber den selben Gefallen nicht tun

    • M.M. - 24. November 2011

      ja, der Barroso.
      Seit drei Jahren keinen einzigen Bankster in ganz Europa verhaftet, aber jetzt mit den Bonds gehts plötzlich alles ganz fix. So eine Caisse Communale, ohne Boden hätte ich auch gerne.

  • VORSICHT!!! - 23. November 2011

    Eine Bekannte berichtet, dass in München zur Zeit die Preise für Immos extrem steigen.
    Leute, das funktioniert doch immer nach dem gleichen Prinzip. Von den Kommentatoren hier, traue ich jedem zu, dass er den Braten riecht.

    Aber es geht um mehr. Ich betrachte mittlerweile jede Form der temporären übersteigerten Kreditvergabe als einen Finanzangriff von gewissen Banken. Ich bin der Meinung:
    Die Eurokrise ist ein Angriff auf Europa und insbesondere auf Deutschland.

    Daher rate ich: Warnt eure Mitmenschen davor, in einer solch aufgeheizten Stimmung sich einen Kredit ans Bein zu binden (wegen angeblicher Hyperinflation). Eine Hyperinflation ist nur bei unbezahlbarer Außenverpflichtung angezeigt. Die gibt es im Euro nicht.

    Jeder Einzelne von uns hat ein Interesse, dass es nicht zu einer Immokrise kommt wie in USA oder Spanien. Gerade in Spanien ist ja erkennbar, dass allein eine Immobubble reicht, um ein Land in erhebliche Schwierigkeiten zu bringen.

    Denn für die Schulden stehen wir alle gerade. Wehren wir uns gegen die Banken, indem wir unsere Mitmenschen vor Blasen warnen. Verstärken wir die Arbeit von Steffen, indem wir Freunde und Bekannte auf – ja – Kreditbombardements mit anschließendem Jammertal hinweisen.

    noch mal kurz:

    WARNT EURE MITMENSCHEN VOR DEN BANKEN.

    WARNT EURE MITMENSCHEN SICH VOR DEM ENDE DER EUROKRISE ZU VERSCHULDEN, SO LANGE DIE PANIK NICHT ABGEEBBT IST.

    DIE EUROKRISE IST EIN ANGRIFF AUF EUROPA UND INSBESONDERE DEUTSCHLAND.

    Danke.

  • M.E. - 23. November 2011

    Ja, das ist das Bittere: dass das Kapital nun wieder in breitem Strom in die US- und UK-Bonds fließt, obwohl dort die Verschuldungssituation und auch gerade das Neuverschuldungstempo besorgniserregend ist. Und in den USA dazu noch eine handlungsunfähige Regierung und ein lähmendes Macht-Patt vorhanden sind.
    Ungerechterweise profitieren die Verschuldungsmeister von Niedrigstzinsen und verstärken wieder ihre hegemoniale Position über den Weltfinanzmarkt.
    Die gegenwärtig einzige Alternative zur anglo-amerikanischen Dominanz zerbröselt gerade.
    Schade.

  • ö.ä. - 23. November 2011

    Bin schon gespannt, was danach kommt:

    http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-front-gegen-eurobonds-broeckelt/60133344.html

  • lenin - 23. November 2011

    Hallo zusammen,
    irgendwie fehlt mir der Durchblick. Was ist schlimm daran, dass die EZB die Bonds kauft? Die EZB gibt es und die EZB nimmt es. Die Staatsanleihen landen bei der EZB – die Staaten zahlen nicht, die EZB erlässt ihnen die Schulden und die Staaten sind ihre Schulden los, der private Bereich verliert nichts. Oder nicht??

    • Jan - 23. November 2011

      Hallo,
      die EZB wäre selbst pleite wenn sie die gehaltenen PIIGS-Anleihen abschreiben muss. Die Verluste durch die Abschreibungen würden ihr Eigenkapital auffressen.
      Dann wiederum müssten die Länder nachschießen -> das ist ein Teufelskreis

      • Estefan - 24. November 2011

        Warum der EZB Abschreibungen in beliebiger Höhe Probleme bereiten sollten, wenn sie doch einfach das Geld drucken kann, verstehe ich im Grunde auch nicht.

        Ich vermute, auch wenn die EZB die Schulden von den Staaten aufkauft, wird sie auf einer Rückzahlung bestehen müssen, nicht weil ihr das Abschreiben schadet, sondern um das einmal erzeugte Geld wieder aus dem Umlauf zu nehmen? Aber sicher bin ich mir da nicht, warum die Spieler an den “Märkten” was machen wird mir immer unklarer…

        (Aber Dank an die Querschüsse, da werden immer mal wieder einzelne Aspekte beleuchtet.)

        • Bernd Klehn - 24. November 2011

          Wenn die EZB Staatsanleihen bestimmter Länder aufkauft und dann abschreibt, hat sie diesen Ländern nachträglich Waren geschenkt und anderen nicht.

          Zum Geldsystem generell:

          Das Geldsystem ist geteilt zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken, weil der Staat sich selber nicht über den Weg traut. Geld kommt nur über die Geschäftsbanken zu uns. Diese sind für Bonititäsprüfungen und Kapitalallokation zuständig. Bei Bedarf (hohe Inflation) könnte das Geld von den Zentralbanken wieder eingesammelt werden. Ein anderes Geldsystem wäre das Geld an die Büger oder den Staat zu verschenken und auf die Möglichkeit des Einsammels zu verzichten. In neuster Zeit bewegen wir uns auch in diese Richtung. Die FED und die Bank of England befinden sich schon lange auf diesem Weg. Nur in Europa droht das Geld an bestimmte Nationen verschenkt zu werden und an andere nicht. Target2, EZB-Staatsanleihenaufkäufe.

  • Roki - 24. November 2011

    Hi,

    Warnen meine Mitmenschen vor Bankkrediten ??? Ist das das wirklicher Problem??

    Die Realität ist, daß die Banken keine Kredite vergeben.

    Ein schuldenfreies Handwerkbetrieb, hat Probleme einen 15.000 Euro Kredit von einer Volksbank. zu bekommen.

    Ich bin gerade dabei meine jahrelange Ersparnisse von der Bank abzuheben.
    ( In Schritten von 30.000 Euro) Bringt das was???

    Meine Frage:

    Haben wir in nahen Zukunft Geldmangel oder eine Geldflut ?? Das EZB Geld gelangt doch nicht zum Verbrauche, oder?

    • wonko - 27. November 2011

      Inflation oder Deflation?

      Da das Geld nicht an der “Basis”, beim Endverbraucher ankommt – dazu bedürfte es Lohnsteigerungen, Rentenerhöhung, mehr Lohnersatzleistungen – wird es wohl kaum zu einer Lohn-Preis-Spirale kommen. Klarere Trend zur Gegenbewegung, s.Griechenland. Ohne Moos nix los – die Preise sinken.

      Allerdings: irgendwo landet das Geld ja trotzdem, häuft sich an, und sucht nach Anlagemöglichkeiten. Und wenn die von Haircuts gefährdeten Staatsanleihen immer uninteressanter werden, und auslaufende Anleihen nicht mehr dort re-investiert werden,
      verbleiben an sicheren Anlagen immer weniger Möglichkeiten.
      Nicht einmal die Unternehmen wissen mehr etwas mit dem Geld anzufangen:
      Im Angesicht des “ohne-Moos-nix-los-Szenarios” machen Investitionen und Erweiterungen für Produkte, die dann keiner kauft, keinen Sinn. Die Unternehmen schütten die Gewinne einfach aus.
      Entsprechend fallen Aktien als sichere Anlageform auch tendenziell flach.
      Was bleibt, sind die “sicheren Häfen”.
      Bei diesen steigen die Preise,
      dort gibt es “Inflation”.

  • lenin - 24. November 2011

    Was passiert denn, wenn die Anleihen zurückgezahlt werden? Ist das dann Eigenkapital der EZB oder “verschwindet” das Geld wieder, sprich wird geschreddert? Wie sieht das in der Bilanz aus? Ist doch seltsam, da Schulden ja noch nie wirklich getilgt wurden. Vor allem, wo ist der echte Schaden, sollten die Kredite nicht bezahlt werden.

  • M.E. - 24. November 2011

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele an ein finanzielles Perpetuum mobile glauben, an einen folgenlosen free lunch.
    Natürlich müssen Bilanzverluste der EZB – oder im schlimmeren und wahrscheinlichen Falle das komplette Aufzehren des Eigenkapitals der EZB – von den Staaten und damit ihren Steuer-Bürgern ausgeglichen werden.

    Sonst könnte man sich ja permenent verschulden ohne jegliche Folgen. Erstaunlich, dass daran überhaupt jemand glaubt.

    • wonko - 27. November 2011

      ohne Folgen ist ein “free lunch” sicherlich nicht.
      Auf Dauer macht es fett und träge – und tendenziell anhängig von den Schlanken und Fitten, welche gewohnt sind zu leisten und zu liefern.
      Wobei die Türe auch hier in beide Richtungen schwingt:
      was die einen nicht mehr abnehmen können, können die anderen nicht mehr liefern…

      Im Augenblick funktioniert dieser “Kreislauf” per anschreiben-lassen, d.h.: kreditfinanziert.
      das absehbare Resultat ist nun Realität: Überschuldung.

      Anstatt per Kredit müsste gleich per Steuer finanziert werden, dann gäbe es dieses Überschuldungsproblem nicht.
      – das Geld kommt von der selben Quelle, von welcher bis dato die Kredite kommen.
      und durch die Besitzverhältnisse (von Eigentum, Arbeitsplatz, Kioskbude an der Ecke usw.)
      landet das Geld am Ende sowieso wieder dort.

      … und wenn “Arbeitsplatz” und “Kioskbude” wegfallen,
      weil sich jene sagen: “ich will doch nicht als Quelle dienen” – und geben das Geld lieber gleich wieder aus: dann hat man genau das erreicht, was man will …

  • VORSICHT - 24. November 2011

    @ Roki

    Wo wollen Sie denn mit dem Papiergeld hin?
    Das bringt nichts.

    Die Gefahr für Deutschland ist weder Hyperinflation noch Deflation.
    Eine Immopreisbubble ist grundsätzlich immer ein Problem.
    Wie wir sehen, sind die Banken ja offenbar mächtig genug,
    den Staat zu zwingen, für die Abschreibungen gerade zu stehen.
    Das zahlen dann wieder wir alle.

    An Geld herrscht kein Mangel.
    Wenn Sie wissen wollen, warum es keine Krise gibt,
    dann Fragen Sie “Gibt koi Krise net.”-germanasti.
    Der sagt das schon seit Jahren – und hat recht.

    (Ich bin nicht germanasti)

    • wonko - 27. November 2011

      “Wenn Sie wissen wollen, warum es keine Krise gibt,” …

      … dann werfe ich mal einen Blick auf die Charts zu Griechenland,
      schau mit Target2 an, und noch die Exponentialkurven zu den expoldierenden Staatsverschuldungen, und überlege mir: was wird wohl passieren, wenn die Kreditfinanzierung mangels Sicherheiten nicht mehr aufrechterhalten werden kann?

      …und dann werfe ich noch einen Blick auf die Definition von “Krise”:

      Die Krise … bezeichnet eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation. …. Dass es sich hierbei um einen Wendepunkt handelt, kann jedoch oft erst konstatiert werden, nachdem die Krise abgewendet oder beendet wurde.[3] Nimmt die Entwicklung einen dauerhaft negativen Verlauf, so spricht man von einer Katastrophe (wörtlich in etwa „Niedergang“).
      http://de.wikipedia.org/wiki/Krise

      so betrachtet scheint es wirklich keine Krise zu geben – sondern per Definition (bisher leider nur) einen Niedergang.

  • Vorsicht - 28. November 2011

    @ wonko

    und nun werfen Sie noch einen finalen Blick auf die Nachrichten von heute,
    die da lauten …

    Frau Merkel ist eingeknickt und läßt EZB unbegrenzt Geld drucken
    und
    IWF dementiert 600 Mrd. Kredit an Italien

    und Sie wissen …

    Euroland ist eine Schuldenunion mit gesamtschuldnerischer Haftung
    in der Deutschland zahlt.

    Folglich gibt es keine Krise (Wendepunkte) mehr (in Zukunft), sondern das Elend wird nachhaltig.

    Vielen Dank an Frau Merkel.

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