EZB: SMP-Programm saugt 156,5 Mrd. Euro

von am 27. September 2011 in Allgemein

Gestern teilte die Europäische Zentralbank (EZB) die neuen wöchentlichen Daten der  fine-tuning operation des Securities Markets Programme (SMP) mit. Hinter dem SMP-Programm steht der Ankauf von Staatsanleihen aus finanzschwachen Mitgliedsländer der Eurozone (PIIGS) durch die EZB. Für die 39. Kalenderwoche 2011 stieg das von der EZB aufgesaugte Volumen an Staatsanleihen um +3,952 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 156,5 Mrd. Euro. Seit Mitte Mai 2010 kauft die EZB nun bereits potentielle Schrott(Staats)anleihen, insbesondere der Südperipherie der Eurozone auf und der Trend des aufgekauften Volumen zeigt weiter nach oben.

Die Entwicklung des aufgekauften Volumens an Staatsanleihen durch die EZB, seit der 20. Kalenderwoche 2010, dem Beginn des SMP Programms im Weeklychart. Aktuell absorbiert die EZB insgesamt ein Staatsanleihenvolumen von 156,5 Mrd. Euro, nach 152,5 Mrd. Euro in der Vorwoche und nach 61,5 Mrd. Euro in der 39. KW 2010.

Beim SMP-Programm haftet Deutschland mit seinem Kapitalanteil an der EZB in Höhe von 27,13%, bei einem Zahlungsausfall eines PIIGS-Staates, zusätzlich mit dem Anteil aus der Umlage  des ausgefallenen Staates. Die EZB ist längst zu einer Bad Bank mutiert und auch außerhalb des SMP-Programms können laut einem Artikel der FAZ die nationalen Notenbanken der Eurozone Staatsanleihen aufkaufen. Grundlage für solche Käufe von Staatsanleihen dürfte der Artikel 14 der Statuten des Eurosystems sein. Darin heißt es: “Die nationalen Zentralbanken können andere als die in dieser Satzung bezeichneten Aufgaben wahrnehmen.” Es sei denn, der EZB-Rat stelle mit zwei Dritteln Mehrheit fest, dass diese Aufgaben nicht mit den Aufgaben des Eurosystems vereinbar seien. Diese Regelung eröffne auch “die Möglichkeit, die eigene Bilanz autonom zu gestalten”, heißt es laut der FAZ aus dem Umfeld der Notenbanken.

Die EZB weitet bereits seit mehreren Monaten wieder die Bilanzsumme aus. In der abgelaufenen 38. Kalenderwoche zum 23.09.2011 erklomm die Bilanzsumme mit 2,180075 Billionen Euro ein neues Hoch:

Die Entwicklung der Total Assets der EZB seit der 53. Kalenderwoche 1998 bis zur 38. Woche des Jahres 2011 im Chart. Aus der Ausweitung der Bilanzsumme, mit einem immer größeren Anteil an gefährdeten Assets, bei nur 81,481 Mrd. Euro Eigenkapital der EZB, entsteht eine immer größere Gefahr auch für die Steuerzahler, die im Zweifel die Bad Bank der Eurozone rekapitalisieren müssen. Das Leverage Ratio (Verhältnis aus Aktiva zu Eigenkapital) der EZB entspricht mit 26,8 einer zockenden Investmentbank.

Die Summen aus den Handlungen der EZB, der nationalen Notenbanken der Eurozone und den Euro-Rettungspaketen für die auch Deutschland haften muss, wachsen unaufhörlich. Laut Prof. Sinn und seinem Ifo-Schnelldienst waren es zuletzt 465 Mrd. Euro, für die Deutschland, gemäß seines Anteils bei einem Zahlungsausfall der GIPS (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien) im schlimmsten Fall haftet:

Die maximale Haftungssumme für Deutschland aus den diversen Mechanismen der Euro-Rettung lt. Prof. Sinn. Die Summe dürfte bereits überholt sein, da die Target2 Position weiter dynamisch gewachsen ist, ebenso die Ankäufe von Staatsanleihen. Quelle Tabelle und kurzer lesenswerter Überblick: PDF Ifo-Schnelldienst: Die Rettungssummen steigen

Reloaded: Target2 – Rekord im August

Die Risiken im System steigen weiter, aber die Finanzmärkte jubeln und spekulieren darauf, dass der ESFS-Rettungsschirm mit einem Volumen von 440 Mrd. Euro am Donnerstag den Bundestag passiert und die steigenden Kurse an den Märkten reflektieren das Gerücht: “Ponzi lebt” und damit eine massive Ausweitung bzw. eine Art der Ausgestaltung des Rettungsschirms zu einem Fond mit Banklizenz, welche die potentiell möglichen Garantien und Hilfen für Staaten und Banken der Eurozone auf bis 3 Billionen Euro heraufschrauben wird? Mit der Umwandlung des ESFS in ein Konstrukt mit Banklizenz will man die 440 Mrd. Euro verachtfachen, indem man Anleihen der Südperipherie kauft, diese dann als Sicherheit bei der EZB gegen Cash hinterlegt und mit dem erhaltenen Cash weitere Staatsanleihen aufkauft. “So sehen Lösungen aus”, die selbst Taschentrickspieler vor Neid erblasen lassen!

Quelle Daten: Ecb.europa.eu/Presseinformation zu den wöchentlichen Ausweisen der SMP Programme, Bloomberg.com/Daten und Chart, Ecb.int/Pressemitteilung: Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 23. September 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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