Finanzmärkte im Taumel

von am 10. September 2011 in Allgemein

Das die Staatsschuldenkrise auch eine maskierte Bankenkrise ist, nimmt immer offensichtlichere Dimensionen an. Die Erkenntnis, dass es sich um eine systemische Krise handelt, greift um sich und adäquat dieser Erkenntnis sinkt das Vertrauen der Marktakteure ins Banken- und Finanzsystem und in die Handlungsfähigkeit der Staaten und Notenbanken. Die sehr hohe Risikoaversion äußerte sich auch am letzten Handelstag dieser Woche, in einem kräftigen Abverkauf von Aktien, insbesondere von Bankaktien.


Die Entwicklung des deutschen Aktienleitindex DAX im Dailychart seit Januar 1980. Am Freitag sank der DAX um -4,04% zum Vortag auf 5’189,93 Indexpunkte. Seit dem 26.07.2011 ging es fast in einem Rutsch bis gestern um satte -29,38% abwärts.

Noch wesentlich dramatischer geht es bei den Bankaktien zur Sache und dies europaweit:

Die Entwicklung des europäischen Bankenindex, Euro Stoxx Banks seit Januar 1990 im Dailychart. Am Freitag sank der Bankenindex Europas um -6,83% zum Vortag, auf 96,62 Indexpunkte. Der Euro Stoxx Banks spiegelt die größten 32 europäischen Banken gemäß Marktkapitalisierung wider und die enthaltenen Banken sind nach der Marktkapitalisierung vom 31.12.1991 gewichtet. Seit Jahresbeginn hat der Euro Stoxx Banks um -39,94% nachgegeben. Zum Hoch am 18.05.2007 mit 491,23 Indexpunkten hat der Euro Stoxx Banks bis gestern -80,33% verloren!

Die Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Bank seit Januar 1992 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie im Schlusskurs um -7,25% zum Vortag auf 23,08 Euro . Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 21,03 Mrd. Euro, zum Hoch am 11.05.2007 mit einem Aktienkurs von 101,95 Euro betrug der Börsenwert 111,92 Mrd. Euro. Die Aktie ist seit dem Hoch um -77,36% eingebrochen! 

Die Entwicklung des Aktienkurses der deutschen Commerzbank seit Januar 1992 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie im Schlusskurs um -8,69% zum Vortag auf 1,67 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 8,54 Mrd. Euro. Seit dem Hoch am 22.03.2000 mit einem Aktienkurs von 35,97 Euro ist die Aktie um satte -95,96% abgestürzt.

Ein besonders kritischer Kandidat ist die Societe Generale:

Die Entwicklung des Aktienkurses der französischen Societe Generale seit Januar 1988 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie im Schlusskurs um -10,58% zum Vortag auf 17,45 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 13,538 Mrd. Euro, zum Hoch am 04.05.2007 mit einem Aktienkurs von 158,42 Euro betrug der Börsenwert 122,942 Mrd. Euro.

 
Die Entwicklung des Aktienkurses der Credit Agricole seit Januar 2002 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie im Schlusskurs um -7,77% zum Vortag auf 5,403 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 13,496 Mrd. Euro, zum Hoch am 05.10.2006 mit einem Aktienkurs von 36,04 Euro betrug der Börsenwert 90,1 Mrd. Euro.

Auch besonders kritisch:

Die Entwicklung des Aktienkurses der italienischen Unicredit seit Januar 1998 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie um -8,22% zum Vortag auf 0,77 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 14,11 Mrd. Euro, zum Hoch am 09.05.2007 mit einem Aktienkurs von 5,60 Euro betrug der Börsenwert 102,28 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des Aktienkurses der italienischen Intesa Sanpaolo seit Januar 2000 im Dailychart. Am Freitag sank die Aktie um -8,09% zum Vortag auf 0,9595 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 15,011 Mrd. Euro, zum Hoch am 07.05.2007 mit einem Aktienkurs von 6,26 Euro betrug der Börsenwert 103,805 Mrd. Euro.

Der gesamte italienische Aktienmarkt ist stark angeschlagen, wie der Blick auf den Leitindex FTSE MIB zeigt: 

Die Entwicklung des italienischen Aktienleitindex FTSE MIB seit Januar 2004 im Dailychart. Am Freitag sank der Index um -4,93% zum Vortag, auf 14’020,18 Indexpunkte. Seit dem Hoch am 18.05.2007 mit 44’364 Indexpunkten hat der italienische Aktienleitindex -68,4% verloren!

Etliche große europäische Banktitel markierten gestern neue Tiefs und dies ist Beleg für die Systemkrise, denn nicht nur in Griechenland kommt es bereits zum Abzug von Einlagen bei den Banken. Die bisherige Strategie in Folge der Finanzkrise der Regierungen und der Notenbanken ist gescheitert und mündet nach einem gewissen Zeitgewinn in die Finanzkrise 2.0! Heute ist es allerdings kaum vorstellbar, dass neue Bailouts und starke Konjunkturprogramme noch mal angeschoben werden können um weitere Zeit zu schinden! Insofern dürfte das Ankündigen einer “starken Antwort” auf die Abschwächung der Weltwirtschaft und der Finanzmarktprobleme beim G-7 Treffen in Marseille nicht mehr als der klägliche Versuch einer Beruhigungspille darstellen. In der Realität sind der Politik  die Finanzmärkte seit langem entglitten und angestrebte Haushaltsdisziplin bei gleichzeitigem Wachstum ist ein Widerspruch in sich. Austeritätsmaßnahmen ernsthaft angegangen, sind der direkte Weg in die Rezession. Kreditexpansion war die Triebkraft des Systems, die Dimension der dabei entstandenen Verwerfungen kann man nicht mit Sparen bereinigen!

An den Märkten kommen immer öfters Gerüchte zum Tragen, die einen Zahlungsausfall bzw. den Austritt Griechenlands aus dem Euro kolportieren. Laut der griechischen Zeitung Ekathimerini besteht die akute Gefahr, dass wenn Griechenland nicht die 6. Tranche von 8 Mrd. Euro, aus dem Rettungspaket sofort erhält, bereits für Oktober nicht mehr die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst ausgezahlt werden können. Griechenland ist hoffnungslos am Ende und nur die Rückkehr zur eigenen Währung, verknüpft mit einer kräftigen Abwertung der Währung von über -60%, gekoppelt mit einem kräftigen Schuldenschnitt können noch Abhilfe leisten.

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex konnte gegen den allgemeinen Trend weitere Abschläge vermeiden, er stieg am Freitag um +2,66% auf 544,13 Indexpunkten. Zum letzten Hoch am  06.11.2007  mit 7758,07 Indexpunkten betrug der Einbruch aber bereits satte -92,98%. Die gemeinsame Marktkapitalisierung der neun größten im FTSE ATHEX Banks notierten Banken betrug gestern nur noch 7,002 Mrd. Euro!

Ein klares Signal für den bevorstehenden Zusammenbruch Griechenlands liefern weiter die Renditen der griechischen Staatsanleihen, insbesondere jener mit kurzen Laufzeiten, bei der 1-jährige Staatsanleihe wurde per Schlusskurs am Freitag eine Rendite von 97,964% Rendite erzielt.

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Am Freitag klettert die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe auf 56,976%. 

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Am Freitag kletterte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe auf 20,555%.

Die Entwicklung des Goldpreises in Euro seit Januar 1990 im Dailychart. Am Freitag stieg der Goldpreis in Euro auf ein neues Allzeithoch und schloss bei 1’356,50 Euro je Feinunze. Zum Vorjahr stieg der Goldpreis in Euro um +38,52%.

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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