Food Stamps mit neuem Rekord

von am 1. Juli 2011 in Allgemein

Laut den heutigen offiziellen Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im April 2011, auf 44,648 Millionen, nach 44,587 Millionen im Vormonat. Die Dynamik des Anstiegs lässt zwar nach, trotzdem werfen diese Daten ein bezeichnendes Licht auf die miese Qualität der bisherigen wirtschaftlichen Erholung. Bereits den 30. Monat in Folge stieg die Zahl der Lebensmittelmarken-Bezieher, sicher auch als Folge der schwachen Entwicklung am US-Arbeitsmarkt, der nur einen Stellenaufbau unterhalb des Zuwachses der arbeitsfähigen Bevölkerung generierte und somit auch keine positive Auswirkungen auf die Zahl derjenigen hatte, die in Armut leben und auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen sind.

Der Anstieg der Lebensmittelmarken-Bezieher auf Monatsbasis. 44,647861 Millionen US-Bürger bezogen im April 2011 die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 133,27 Dollar pro Person im Monat, auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).

Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher um +60’586 an und im Vergleich zum Vorjahresmonat um +4,217353 Millionen! Seit Januar 2006 ist die Zahl der Food Stamps Bezieher um +18,13 Millionen gestiegen! Aktuell beziehen 14,31% der Gesamtbevölkerung der USA und sogar 18% aller privaten Haushalte staatliche Lebensmittelhilfen!

Im April 2011 betrugen die Kosten für das SNAP-Programm, ohne den Verwaltungsaufwand,  5,95 Mrd. Dollar. Im Gesamtjahr 2011 könnten die Kosten für die Food Stamps 72 Mrd. Dollar erreichen, 2010 betrugen die Ausgaben der staatlichen Armutsversorgung für Lebensmittel 64,705 Mrd. Dollar! 2009 waren es 50,359 Mrd. Dollar und 2008 “nur” 34,608 Mrd. Dollar.

Die Dunkelziffer der Bedürftigen könnte noch weitaus höher liegen. Denn um in den “Genuss” der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik (U-3 komplett und bei der breiter gefassten Arbeitslosenrate U-6 nach einem Monat) auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP, innerhalb eines 36 Monatszeitraumes beziehen. Nahezu 76% der Lebensmittelmarken gehen an Familien mit Kindern, davon 61% an Kinder mit nur einem Elternteil.

Als Voraussetzung für die Bedürftigkeit wird die Armutsgrenze herangezogen. Diese ist bei SNAP für einen 1 Personenhaushalt aktuell mit 903 Dollar Nettoeinkommen (622 Euro) je Monat und für einen 4 Personenhaushalt mit 1838 Dollar Netto definiert! Die beziehbaren Lebensmittel der Armen sind stark reglementiert. Bier, Wein, Alkohol, Zigaretten, Tabak, Tiernahrung, Kosmetikprodukte, Medikamente, Vitamine, Restaurants, selbst Fast Food-Lokale sind vom Bezug ausgeschlossen.
 
Die immer weiter ansteigende Zahl der Food Stamps Bezieher, steht auch für eine extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung. Die Konzentration von Vermögen und Einkommen in immer weniger Händen ist ein starkes Hindernis für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Diese glasklare, jahrzehntelange Fehlentwicklung scheint sich sogar als Erkenntnis bei US-Notenbank-Mitgliedern durchzusetzen. Sarah Bloom Raskin, Mitglied des Board of Governors of the Federal Reserve, sagte am Mittwoch während einer Veranstaltung der New America Foundation: “Die finanzielle Ungleichheit, aus stagnierenden Einkommen für die meisten Amerikaner und das schnelle Wachstum des Wohlstands für die reichsten 1 Prozent behindern die Konjunkturerholung in den USA. Diese Ungleichheit ist destabilisierend und untergräbt die Fähigkeit der Wirtschaft, nachhaltig und effizient zu wachsen.”
 

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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