Frankreich – Analyse

von am 20. Mai 2012 in Allgemein

Ein Grundpfeiler der französischen Wirtschaft ist der private Konsum, ganz im Gegensatz zu Deutschland zeichnet z.B. der reale Umsatz im Einzelhandel in Frankreich eine stetige Entwicklung nach oben und diese ist unterlegt durch einen stetigen Anstieg der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte (Kaufkraft) und von einem kräftigen Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte. Die Staatsverschuldung Frankreichs betrug in Q4 2011 bereits fortgeschrittene 85,8% des nominalen BIPs bzw. 1,7173 Billionen Euro. Stellt sich also die Frage, ob ein Abweichen von einer potentiellen Austeritäts-Agenda hin zu mehr Wachstum und Investitionen noch eine reale Option ist bzw. ob bereits das Ender der Fahnenstange beim Verschuldungsgrad erreicht ist.

 

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen (preisbereinigten) Einzelhandelsumsätze (2000=100) von Frankreich (rot) und von Deutschland (blau). Vom durchschnittlichen realen Umsatz des Jahres 2000=100 bis März 2012 stiegen die realen saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze in Frankreich um +36,90%, in  Deutschland dagegen sanken sie im gleichen Zeitraum um -2,43%! Zum Vergrößern die Charts bitte 1x anklicken!

Die Entwicklung der Summe aller realen (preisbereinigt um die nationalen Verbraucherpreisindizes (VPIs)) saisonbereinigten Arbeitnehmerentgelte in Frankreich (rot) und in Deutschland (blau) seit dem Jahr 2000 (2000=100) bis Q4 2011. Bis Q4 2011 steigen die realen Arbeitnehmerentgelte in Frankreich um +18,07%, in Deutschland dagegen sanken sie um -0,54%.

Die Arbeitnehmerentgelte sind die Gesamtbruttosumme aller Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Angestellten, Beamten, inkl. aller in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehenden, inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeber.

Frankreich hatte in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu Deutschland auch einen veritablen Anstieg bei den Immobilienpreisen zu verzeichnen, wie der offizielle Immobilienpreisindex des französischen Statistikkamt INSEE zeigt:

Die Entwicklung des offiziellen saisonbereinigten Immobilienpreisindex (Q1 2010=100) seit Q1 1996 bis Q4 2011. Seit 1996 sind die durchschnittlichen landesweiten Immobilienpreise in Frankreich um +158,25% gestiegen und seit dem Jahr 2000 um +118,61%.

Der Anstieg der Immobilienpreise in Frankreich ist vor allem kreditgetrieben:

Die Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens des französischen Bankensystems an die privaten Haushalte. Zuletzt im März 2012 betrug das ausstehende Kreditvolumen 1,090518 Billionen Euro. Noch 2000 betrug das durchschnittliche monatliche ausstehende Volumen nur 470,064 Mrd. Euro! Von den 1,090518 Billionen Euro an ausstehenden Kreditvolumen waren im März 2012 immerhin 851,310 Mrd. Euro Hypothekendarlehen.

Bemerkenswert an diesen Daten, trotz des rasanten Anstiegs der Verschuldung der privaten Haushalte, liegt diese in der Relation zum nominalen BIP noch knapp niedriger als in Deutschland, denn während in Frankreich die Verschuldung der privaten Haushalte im März 2012 54,5% des nominalen BIPs von 2011 entsprach, waren es in Deutschland 55,6%.

Das ausstehende Kreditvolumen der französischen Banken an den gesamten Privatsektor (Private Haushalte und Unternehmen) betrug im März 2012 2,033856 Billionen Euro. Gefährlich, die sich hier bereits abzeichnende Kreditkontraktion:

Die Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumens der französischen Banken an private Haushalte und Unternehmen in Prozent zum Vorjahresmonat seit Januar 1981 im Chart. Die Kreditexpansion an den Privatsektor verlief in Schüben, nun geht es wieder in Richtung Kreditkontraktion, das ausstehende Kreditvolumen wuchs im März 2012 nur noch um +2,66% zum Vorjahresmonat.

Auch die Verschuldung des gesamten Privatsektors in Frankreich mit 101,6%, liegt in der Relation zum nominalen BIP nur ein wenig höher als in Deutschland mit 94,4%.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des französischen Staates in Mrd. Euro seit Q1 1996 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 stieg die Bruttostaatsverschuldung auf 1,7173 Billionen Euro. Dies entsprach 85,8% des nominalen BIPs. In Deutschland betrug in Q4 2011 die Bruttostaatsverschuldung 2,0885 Billionen Euro bzw. 81,2% des nominalen BIPs.

Wie die bisherigen Daten zeigen sind die absoluten Verschuldungsgrade, ob von den privaten Haushalten, dem gesamten Privatsektor oder des Staates kein anderes Problem als in Deutschland.

Die Entwicklung des realen BIPs in Prozent zum Vorquartal seit Q1 1990 bis Q1 2012. In Q1 2012 lag das reale BIP unverändert mit +/-0% zum Vorquartal, nach nur +0,1% in Q4 2011.

Das reale BIP-Wachstum, selbst unter der Berücksichtigung von hedonischer Überzeichnung und nicht adäquater Preisbereinigung kommt bereits zum Erliegen. Hier liegt auch das eigentliche Problem in Frankreich, die nicht ausreichende Wertschöpfung, vor allem bei der Produktion von Waren und Gütern und in Folge das hohe Leistungsbilanzdefizit:

Die Entwicklung der französischen Leistungsbilanz seit Januar 1997 im Chart. Innerhalb des Euro-Korsetts verliert auch Frankreich Stück für Stück an Wettbewerbsfähigkeit, was sich im wachsenden Leistungsbilanzdefizit ausdrückt. Im Jahr 2011 betrug das kumulierte Leistungsbilanzdefizit -43,050 Mrd. Euro. In den ersten 3 Monaten 2012 sind es bereits kumuliert -10,007 Mrd. Euro, ein Anstieg von +6,9% zum Vorjahreszeitraum.

Die Leistungsbilanz bildet sich aus den Teilbilanzen, der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz und der Übertragungsbilanz ab.

Das primäre Problem Frankreichs ist das Leistungsbilanzdefizit, die zu geringe industrielle Wertschöpfung, die sinkende Wettbewerbsfähigkeit, das zu magere Exportvolumen und die latente Immobilienblase. Auf der Habenseite steht dagegen eine bessere Partizipation der Arbeitnehmer und ein stabiler und stetig wachsender privater Konsum, sprich eine gute Binnennachfrage. Die potentielle Abkehr von der Merkozy-Sparagenda generiert deutlich mehr Chancen als die Beibehaltung. Denn ein Abwürgen des Konsums würde die Lage Frankreichs zügig verschlechtern, da letztlich nur Folge der durch die Spar-Agenda sinkenden Einkommen! Schrumpfende Einkommen und sinkender Konsum, führen in der Rückkopplung zu einer beschleunigten sinkenden Wirtschaftsleistung und zu dramatisch steigende Kreditausfällen. Gerade in Anbetracht der potentiellen französischen Immobilienblase ist eine Sicherung der Einkommen das A und O, ansonsten drohen Verhältnisse wie in der Südperipherie, insbesondere wie in Spanien und diese desaströse Fehler müssen nicht wirklich wiederholt werden. Sicher schindet eine Aufhebung der Sparpolitik primär Zeit, aber eben auch Zeit die zu Grunde liegenden Ursachen der Eurokrise anzugehen, aus der Perspektive Frankreichs, eine Anhebung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und in Folge ein Schrumpfen des Handelsbilanzdefizits. Und es macht eben einen erheblichen Unterschied aus, ob Defizite durch eine BIP-Kontraktion und damit durch eine Wirtschaftskrise, mit den damit verbundenen Kollateralschäden gesenkt werden oder eben durch eine Anhebung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Letztlich gilt es auch Realitäten zu akzeptieren und aus ihnen das Bestmöglichste zu machen. Um Frankreich auf die maximal 60% Bruttoschuldenstand des Staates, wie sie im Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP, kurz: Euro-Stabilitätspakt) vorgesehen sind zu drücken, müsste die Staatsverschuldung um -500 Mrd. Euro abgebaut werden, in Deutschland übrigens -540 Mrd. Euro. Diese Option/Versuch würde eine Depression vom Allerfeinsten auslösen. Deshalb gibt es letztlich für Frankreich nur eine reale Option, die Schuldentragfähigkeit mittels Wirtschaftswachstum und höherer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Alles andere endet unvermittelt im Griechenland-Style und wäre der sofortige Todesstoß für die Eurozone!

Quelle Daten: Banque-france.fr/Portal, Banque-france.fr/Datenbank,Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank, Eurostat.ec.europa.eu/PDF: Öffentliches Defizit im Euroraum, Insee.fr/Statistikamt Portal

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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52 KommentareKommentieren

  • Michael S. - 21. Mai 2012

    Hallo Steffen,

    super Artikel (wie immer)!

    “Das primäre Problem Frankreichs ist das Leistungsbilanzdefizit, die zu geringe industrielle Wertschöpfung, die sinkende Wettbewerbsfähigkeit, das zu magere Exportvolumen und die latente Immobilienblase”

    !!!!! Absolut richtig !!!!

    “Auch die Verschuldung des gesamten Privatsektors in Frankreich mit 101,6%, liegt in der Relation zum nominalen BIP nur ein wenig höher als in Deutschland mit 94,4%.”

    Hab bei deinen Quellen dazu nichts gefunden (wahrscheinlich zu blöd), vorallem weil ich da andere Nummern im Kopf habe. Von wo hast du diese Zahlen?

    Gruß Michael S.

  • Ulrich - 21. Mai 2012

    Also wieder einmal echt super, was du hier recherchiert hast.

    “Alles andere endet unvermittelt im Griechenland-Style und wäre der sofortige Todesstoß für die Eurozone!”.

    Aber ist das Problem nicht dass nicht jeder Schuldeneuro gleichzeit soviel BIP-Wachstum bringt, dass sich in der Relation die Schuldenquote bessert? Also es bleibt spannend.

    • Querschuss - 21. Mai 2012

      Hallo Ulrich,
      “Aber ist das Problem nicht dass nicht jeder Schuldeneuro gleichzeit soviel BIP-Wachstum bringt, dass sich in der Relation die Schuldenquote bessert?” ….Ja das ist ein Problem, mir ging es nur darum zu zeigen, dass Hollande durchaus eine Chance hat, für die Abkehr vom Merkozy-Kurs, da der Verschuldungsgrad diesen noch zu lässt, diesmal müssen aber auch wirklich die zu Grunde liegenden Probleme angegangen werden. Viele Versuche gibt es nicht mehr, ja es bleibt spannend.

      Gruß Steffen

  • Georg Trappe: - 21. Mai 2012

    Ausgezeichneter Artikel! Sehr gute Aufbereitung und Gegenueberstellung der Daten, die verdeutlicht, wie die Polarisierung durch das destabilisierende Fettaugensyndrom wirkt.
    Vielen Dank dafuer.
    Entweder man exportweltmeistert, friert die Binnennachfrage ein=Arbeitslosigkeit, Lohnstagnation und indirekte Verschuldung der Betroffenen=kreditfinanzierte Stuetze auf minimalem Niveau und wird so zum Nettokreditgeber nach aussen (Deutschland) oder man verschuldet sich Private und Staat, verliert an Wettbewerbsfaehigkeit, degeneriert die Realwirtschaft und folgt dem amerikanischen Beispiel (Frankreich). Die Rasierklinge, die diese beiden Lager teilt, wird mit voranschreitender Konzentration der Real- und Geldvermoegen immer schaerfer. Jeder Versuch eines Mittelweges wird zur Blutgraetsche.
    Das primaere, ursaechliche Problembuendel besteht aus stetig voranschreitender Hyperproduktivitaet und Konzentration der Mittel.
    Mit Waenhrungsgemauschel, Geld- und Zinspolitik loest man das nicht. Weder auf globaler Ebene (Weltleitwaehrung US$) noch auf europaeischer Ebene (Euro) noch auf der Ebene einer Volkswirtschaft mit eigener Waehrung. Fortschreitende Ungleichheit = lokale Entropiesenkung eines offenen Systems, das durch einen Energiestrom aus dem Gleichgewicht getrieben wird, kann nicht durch Gleichgewichtstheorien verstanden und kuriert werden.
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/wirtschaft-eine-dissipative-struktur_19.html
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

  • jo - 21. Mai 2012

    Defizite abbauen:

    a) Infaltion -> nur mit steigenden Einkommen möglich -> noch groesserer Verlust an industrieller Wertschöpfung

    b) Sparen -> ohne Ankurbelung der Wirtschaft sind die Folgen bekannt, siehe Griechenland

    c) Wachstum -> irgendwie mag ich daran nicht glauben, was kann Frankreich besser als es die Deutschen oder Chinesen (nur als Bsp) nicht bereits koennten?

    d) Staatliche Regulierung um eigene Industrie zu foerdern? Hat sich in der Vergangenheit häufig bewährt…

    Ein ‘Re-set’ der Schulden/Vermögen scheint auf den ersten Blick nicht schlecht zu sein solange auch die wirklich Vermögenden daran beteiligt werden. Sonst werden die reichsten 1% bald den Mittelstand aussagen und wir hätten mittelalterliche Zustände (ein paar Adelige mit Vermögen, ein paar wohlhabende Kaufleute, ein paar Handwerker und dann die vielen Tagelöhner mit Aussicht auf Belohung im Jenseits)

  • ö.ä. - 21. Mai 2012

    Droht bald ein “kleines Lehmann II” ausgehend von Frankreich:

    http://www.zerohedge.com/news/mortgage-crisis-hits-france-front-and-center-are-french-bank-nationalizations-imminent
    ?

  • Otto Normalverbraucher - 21. Mai 2012

    “Letztlich gilt es auch Realitäten zu akzeptieren und aus ihnen das Bestmöglichste zu machen.”

    Dass das Land am Abgrund steht, interessiert in Frankreich niemanden. Es sind die unregulierten Finanzmärkte, Ratinggangster, unfairer Wettbewerb (von wem wohl), fehlende Solidarität – aber ganz gewiss nicht eine eigene Wettbewerbsschwäche oder gar zu hohe Schulden, nein!
    Die Franzosen wollen alle Probleme einfach weg inflationieren, weg regulieren oder besteuern und im Übrigen soll alles so bleiben wie es ist. Also immer feste drauflos wirtschaften. Ich wage die Prognose, dass das nicht gut gehen kann.

    • Wolfgang Waldner - 21. Mai 2012

      Wo siehst dann Du das Problem?

      Die Banken und das Finanzkasino müssen reguliert werden, also vor allem müssen diese Spekulationen, die zur Finanzkrise geführt haben, einfach verboten werden.

      Zweitens sind die Schulden der Staaten und auch die Schulden der Haushalte nichts als die Geldvermögen der Reichen, das Ergebnis von dreißig Jahren neoliberaler Politik mit Lohndumping und Sozialabbau und Umverteilung von Arm nach Reich.

      Also besteuern und inflationieren, bis die wahnsinnigen Geldvermögen der Reichen weg sind und damit auch die drückenden Schulden der Staaten.

      So einfach ist das und muss nur gegen unsere vom Kapital gekauften Politiker durchgesetzt werden.

      • jo - 21. Mai 2012

        In der Inflation nach dem 1. WK wurden die kleinen und mittleren Sparer enteignet, die Reichen mit ihren diversifizierten Anlagen in Sachgütern waren hinterher noch reicher.
        Und glaube mir, im gegenwärtigen System werden die ganz Reichen auch nur symbolisch zur Kasse gebeten werden koennen.

        Was besteuert und weginlfationiert wird sind unsere Rentenansprüche (Staatsschulden = Lebensversicherungen) , selbst bei abbezahlten Eigenheimbesitzern werden dann die Abgaben so gross werden dass der Besitz nicht gehalten werden kann. Verkaufen (an wen wohl) und ‘guenstig’ zurückmieten.

      • Otto Normalverbraucher - 21. Mai 2012

        Wolfgang, wo ich das Problem sehe?

        Das Problem ist, dass in Frankreich alle Anzeichen der Krise hartnäckig ignoriert werden. Pflaster drauf (Eurobonds) und gut ist.
        Frankreich ist nicht wettbewerbsfähig, fährt in jeder Bilanz Defizite, dass es kracht, meldet aber gleichzeitig Führungsansprüche an. Zu strukturellen Reformen oder der Erkenntnis von deren Notwendigkeit, fehlt jede Bereitschaft. Kopf in den Sand und Gas gegeben! “Ist mir doch egal, wo der Staat mein Geld her bekommt.”

  • Benedikt - 21. Mai 2012

    Hollande hat ein Ministerium für Reindustrialisierung geschaffen, damit ein linker Politiker sein eigenes Ministerium bekommt. Mit Innovationen sollen in FR sicherlich nicht die Industriejobs erhalten bzw. geschaffen werden. Das soll sicherlich der Staat mit Subventionen und Protektionismus erledigen. Den Freihandel in Europa wird es so auch nicht mehr so lange geben. Da wird es hier eine große Protektionismus Welle geben. Die große Deutsche Exportparty wird sich so nicht wiederholen. Das wird nicht nur Deutschland hart treffen. In vielen Osteueropäischen Ländern wurde ein Autowerk nach den anderen hochgezogen.

    Das Ende der Deutschen Exportparty können die Deutschen Linken feiern. Allerdings verschwindet mit dem Ende der Party auch erstmal der Deutsche Wohlstand und Sozialstaat. Die Konsequenz will man in Deutschland auch nicht wahrhaben.

    • Querschuss - 21. Mai 2012

      Hallo Benedikt,
      als wenn das Anhäufen von uneinbringbaren Forderungen Deutschlands eine Alternative wäre bzw. noch lange anhalten würde, zumal die bisherige Austeritäts-Agenda nur dafür sorgt, im Zuge des wirtschaftlichen Abschwunges, dass der Zahlungsausfall in den Ländern der Südperipherie auch eintritt. Wenn ein Reindustriealisierungs-Ministerium in Frankreich nur dazu führt das ein Politiker einen Posten bekommt, dann gebe ich dir Recht, sollte aber eine Reindusdutriealisierung stattfinden, war der Fokus darauf im Kern richtig. Dies sollte man vielleicht erst mal abwarten, bevor man seine pauschalen Ergüsse über “linke Politik” ablässt, als wenn die Merkozy-Agenda eine bessere Alternative wäre und den Wohlstand erhalten könnte. Das Gegenteil ist der Fall, die Südperipherie ist mittels Austerität an den Rand des Kollapses gedrängt worden und der französische Wähler war vielleicht so schlau dies nicht als prickelnde Verheißung zu empfinden.

      Gruß Steffen

    • SLE - 21. Mai 2012

      Apropos Protektionismus: Damit haben andere, nämlich vor allem die USA längst begonnen – man erinnere sich nur an den Ärger, den Toyota dort hatte und hier das jüngste Beispiel:

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarbranche-usa-verhaengen-strafzoelle-fuer-anbieter-aus-china-a-833775.html

      Importzölle sind nicht per se schlecht. Sie werden aber gerne von denen schlecht geredet, die vom Freihandel massiv profitieren. Jetzt gehören die USA nicht mehr zu den Gewinnern und schon hagelt es protektionistische Maßnahmen. Das ist wirklich schlecht. Länder wie Griechenland hingegen hätten mit Importzöllen die Chance, ihre schwache Wirtschaft zu entwickeln. Das wäre gut.

      Grüße
      SLE

  • Bernd Rickert - 21. Mai 2012

    Das primäre Problem scheint mir die verfehlte Entwicklung der Immobilienpreise.
    Hier wäre es interessant, ob die Grundstückspreise so stark gestiegen sind, dass man in der Tat besser Gsells Freilandmodell aufgreift, dass auch in der Schweiz wieder Eingang in die Diskussion gefunden hat.
    Bei den absoleten Baulöwenbürgermeistern sind fehlende oder unterdrückte Innovationen im Bausektor, die die Kosten senken und die Produktivität erhöhen eine naheliegende These.

    Falls Immobilien schlichtweg als reine Spekulationsobjekte zur Wucherung des Kreditfinanzierungsgeschäfts missbraucht werden, sind die Kreditgeber selbst Schuld und gehören gegebenenfalls in den Konkurs geschickt. Das Geschäftsmodell der Banken einem Kreditnehmer erst das Blaue vom Himmel zu versprechen, dann seine Kreditlinie zu kürzen oder Zinsen zu erhöhen um billig die zwangsversteigerte Immobilie zu ergaunern und zum Marktpreis weiter zu verkaufen kann man in Einzelfällen spielen. Im Großen geht die Rechnung nicht auf, da die Marktpreise insgesamt verfallen.

    Wieso sind denn die deutschen privaten Haushalte so hoch verschuldet? Deutschlands Wohnbevölkerung kommt doch sowieso zu kurz. Deutschland passt nicht in die Eurozone, solange es sich weiter mit Schwellenländern misst, statt in seiner Liga zu spielen.

  • M.E. - 21. Mai 2012

    Bravo! Eine sehr schöne differenzierte Analyse.
    Natürlich ist Frankreich um Klassen besser bezüglich seiner Privatverschuldung, als zum Beispiel Großbritannien.
    Und es ist vor der Staats-Neuverschuldungsdynamik um Klassen besser als zum Beispiel die USA oder Spanien.
    Und es ist von der kumulierten Staatsverschuldung her um Klassen besser als zum Beispiel Japan.
    Dass trotzdem auch Frankreich als Problemland angesehen werden kann, zeigt nur, wie total aussichtslos die Situation der als Vergleichsbeispiele angeführten Länder gelten kann.

    Bei Frankreich macht es halt die Mischung: zunehmender Verlust der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, strukturelles Handels-/Leistungsbilanzdefizit, Deindustrialisierung, nicht absehbare Verminderung des zu hohen Budgetdefizits, die nicht mal begonnende Korrektur der Immobilienpreise in den Ballungszentren…
    Und das sind ja die Fakten aus der (Sarkosy-)Vergangenheit. Sarkosy war also garnicht der “Sparer”, als der er relativ zu Hollande galt. Auf so viel mehr Aufschuldung kann Hollande gegenüber Sarkozy garnicht setzen. Gegenüber seiner “Merkosy-Strategie” gegenüber den Südstaaten hat Sarkozy im Inland durchaus einen Kurs des stetigen Verschuldungsaufbaus und damit einer “Wachstumsstrategie” gefahren. Freilich ohne letztlich Wachstum zu generieren. Denn die Wachstumsernte zusätzlicher Verschuldung fällt immer kläglicher aus. Nicht nur in Frankreich, sondern auch zum Beispiel in den USA oder Japan. Gerade Japan widerlegt die Theorie, dass durch stürmische Aufschuldung schuldenbremsendes Wachstum zu generierenen wäre.
    Aus den Schulden mittels wachstumstreibender ständiger Neuverschuldung herauswachsen zu wollen ist genau so illusorisch, wie durch eine stringente Sparpolitik die Schuldenmisere überwinden zu wollen.

    Der Aufschuldungszyklus ist fast an seinem Ende angekommen, in mittlerweile fast allen OECD-Staaten. Eine weitgehende Entschuldung und Vermögenseindampfung ist völlig unausweichlich. Je eher, desto besser. Wobei der Zeitpunkt, an dem das noch mit halbwegs managebaren Konsequenzen möglich gewesen wäre, längst verstrichen ist.
    Die Grunderkenntnis, dass ein Zinssystem notwendigerweise immer wieder eine Kontraktion braucht, um weiterfunktionieren zu können, ist einfach nicht vorhanden.
    So ist der Weg versperrt, dass diese Kontraktionen jerweils rechtzeitig und halbwegs gesteuert über die Bühne gehen können.
    Wir bevorzugen die harte Tour: global, crashmäßig, ungesteuert und viel umfassender, als es bei rechtzeiger Kontraktion nötig wäre.

  • klaus - 21. Mai 2012

    Suendenboecke des G8-Gipfels.

    Griechenland / Heute fordert sogar Merkel-FußballTröster
    entweder Exit oder Austerität
    Frankreich / entweder 57 Mrd Transaktionssteuer zum Wachstum der EuroZone
    oder man zieht sich aus dem Wehrgeschäft der Nato 2012 zurück.

    Alles Andere läuft wie bisher.

    Merkel hat wohl um G8 – Hilfe zur Wahl gebeten.

    Und sie hat sogar im eigenen Land mit Versagern gebrochen.
    Maximale Kraft für die Alternativlosigkeit ist wohl angesagt.

    Wenn doch jemand mal so lieb wäre,
    wenigstens den Sarazin aus dem Fernsehen zu lassen.

    *Seufz*

  • hunsrückbauer - 21. Mai 2012

    Ergänzung zu SLE, US-Markt
    das Land der großen Tyranei propagiert zwar gerne den uneingeschränkten Markt, hält selbst jedoch wenig davon. GATT und WHO sind aus der Sicht des Imperiums nur Dioden, onewaytickets, der Rest ist Lug und Betrug. Die Amis sind Patrioten, wenn es um die heimischen Unternehmen geht, egal wo und wie sie produzieren, Ausnahme OPEL, heißt ja auch nicht GM-Europe!
    Das Versicherungsgewerbe in den USA ist vollständig reguliert. Der Import von Produkten ist zwar liberal, doch aufgrund des US-Haftungsrechtes eher ein Kamikaze-Deal, Ausnahme China, denn da gibt´s keine jur. Zugriffsmöglichkeiten.
    Ansonsten ist das Land des großen Imperators lediglich eine $-Quelle und ein schwarzes Loch für Güter und Dienstleistungen, wohl gemerkt stets nur oneway.

  • Bubblegum - 21. Mai 2012

    @Jo

    “In der Inflation nach dem 1. WK wurden die kleinen und mittleren Sparer enteignet, die Reichen mit ihren diversifizierten Anlagen in Sachgütern waren hinterher noch reicher.
    Und glaube mir, im gegenwärtigen System werden die ganz Reichen auch nur symbolisch zur Kasse gebeten werden koennen.”

    Würden sie nicht den marktradikalen Unsinn der Neoliberalen unreflektiert nachplappern,
    dann wären Sie mit Sicherheit zu eigenständigem Denken fähig!
    Als Einstieg dazu empfehle ich Ihnen: Holtfrerich, Deutsche Inflation von 1914-1923.
    Diese mit Statistiken nur so gespickte Diss. entlarvt die obige Aussage als Hohlgeschwätz
    der Blockparteien des Reichstages. 1000 mal mit Inbrunst vorgetragen aber immer noch absoluter Nonsens! Einzig und allein dazu da, im Auftrag unserer amerikanischen Besatzungsmacht den Leuten die Spardiktate zu verkaufen! Damit die Wallstreet-Banker ihre
    Finanzrisiken aus ihren dubiosen Geschäften in Grenzen halten können!
    Auch ohne Holtfrerich hätte ein einfaches googlen zu den Bergarbeiterstreiks im Ruhrgebiet
    1905 und 1912, in Frankreich in GB usw. Sie zur Einsicht gebracht, dass das einfache Volk gar
    keine Ersparnisse bilden konnte, die eine Inflation vernichten hätte können!
    In Schwierigkeiten kamen schon in der Hochphase der Inflation 1923 die Ruhrindustriellen( Stinnes,Haniel, Kirdorf, Flick, Thyssen etc.), gerettet hat sie nur die korrupte Vernetzung mit
    den Entscheidungsträgern der Weimarer Republik!

    “Was besteuert und weginlfationiert wird sind unsere Rentenansprüche (Staatsschulden = Lebensversicherungen) , selbst bei abbezahlten Eigenheimbesitzern werden dann die Abgaben so gross werden dass der Besitz nicht gehalten werden kann.”

    Die sind doch schon weg! Die holländischen privaten Rentenfonds in die jeder, der in den
    Niederlanden beschäftigt ist, zwangsweise einzahlen muss, verloren 2009 ca. 44% an Wert!

    Auch die Behauptung Staatsschulden gleich Lebensversicherungen läßt mich nur noch verzweifelt den Kopf schütteln! Noch nie davon gehört, dass Versicherungen entsprechend den
    gesetzlichen Vorgaben das Vermögen der Versicherten zu streuen haben und Staatsanleihen
    nur einen kleinen Teil des Portfolios ausmachen? Immobilien und Aktien als weitere Bestandteile des Versichertenvermögens pflegen aber in einer Inflationsphase an Nominalwert zu gewinnen!

    Mich wundert auch, dass sie die Aussage Steffens über den rasanten Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte in Frankreich bei der Argumentation gegen die Inflation
    einfach außer acht lassen! Denn für diese bedeutet Inflation eine Entlastung ihrer Kreditverspflichtungen, sofern sie Arbeit haben und die Löhne als nachlaufender Konjunkturindikator wenigstens teilweise an die Preisentwicklung angepaßt werden! Aber das passte dann wohl nicht in Ihre Argumentationskette!
    Damit wir uns nicht mißverstehen: Ich rede hier nicht der Inflation das Wort und preise sie als
    Allheilmittel an. Aber G.Trappe hat schon Recht mit seinem Hinweis: Wenn über die Besteuerung das Fettaugensyndrom und seine Negativfolgen nicht bekämpft wird, weil unsere
    US-Marionettenpolitiker sich dies nicht trauen, dann ist eine gewisse Inflationierung und damit
    eine Forderungsentwertung eine mögliche Hintertür, eine gewisse Vermögensumverteilung
    herzustellen!

    Viele Grüße Bubblegum

  • Ulrich - 21. Mai 2012

    @hunsrückbauer: Denke in den USA wird sich in dieser Hinsicht einiges ändern. Es wird, meiner Meinung nach, jetzt eine Politik gefahen mit der wieder mehr Industrie und Produktion aufgebaut wird. Dieser Konsum auf Pump und mit $-Vermehrung ist auf Dauer zu ungesund und führt zu zu großen Verwerfungen, auch in den USA.

  • M.E. - 21. Mai 2012

    Hallo Ulrich,
    da wird sich wohl nichts ändern an der Deindustrialisierung.
    Obama palavert ja schon seit 3 Jahren davon, dass er die Exportkraft der USA steigern will.
    Und mit welchem Ergebnis? Das Handelsbilanzdefizit wird wieder größer.

    Politische Absichtserklärungen mögen sich ja toll anhören. Einem Realitätscheck halten sie in aller Regel nicht stand.
    Und ja: die Verwerfungen und Deformierungen in der Wirtschaft sind heute schon da. Und die werden von Jahr zu Jahr größer. Nicht nur in den USA.
    Die Glanzzeiten des Westens sind vorbei. Und werden noch vorbeier sein, wenn erst die Ressourcen- und Energiekrise in die Wertschöpfungsketten reinbrettert und den Ressourcenhöchstverbrauchsstatus insbesondere der USA als nicht aufrechtzuerhalten entlarvt.

  • nachtigall - 21. Mai 2012

    Frankreich hat lang- und wahrscheinlich sogar mittelfristig bessere Chancen als Deutschland. Der Grund liegt schlichtweg bei den ueber 2.0 Kindern pro Frau gegenueber den unter 1.4 Kindern pro Frau in Deutschland.

    - Ein guter Teil der jetzigen deutschen wirtschaftlichen Dominanz in der Eurozone kommt daher, dass ein Grossteil der Babyboomer noch arbeitet, aber noch relativ wenig Aufwand fuer die Pflege/Betreung von Jung (65 Jahre) ausgegeben wird.

    - eine vergreisende Republik muss nicht nur mehr Alte betreuen, sie wird auch weniger agil und kann weniger auf Aenderungen reagieren

    Deutschlands einziger Vorteil: die Deindustrialisierung ist noch nicht so fortgeschritten wie in mehreren anderen westlichen Demokratien (wie USA, GB, F…).

    • Roland - 21. Mai 2012

      @ nachtigall

      Nach dieser biologistischen Theorie müsste Bangladesh die größten Entwicklungschancen der Welt haben.
      Oder bleiben wir in der Nähe, wie wäre es mit Tunesien ?

      Noch nie den Satz gehört :
      Produktivität schlägt Demographie ?

      Regt zum nachdenken an.

      • NN - 23. Mai 2012

        Sorry fuer die spaete Antwort.

        > Produktivität schlägt Demographie ?

        Anspielung auf China (wegen Demokratie)?

        Produktivitaet erfordert Einsatz von Energie. Und die wird teurer werden.

        > Oder bleiben wir in der Nähe, wie wäre es mit Tunesien ?

        Ich bin kein Tunesien-Spezialist. Aber Frankreich ist nicht sooo verschieden von Deutschland. Klar, die Mentalitaet ist etwas anders, manche Dinge laufen anders. Aber im Grunde ist es nicht so verschieden von Deutschland.

        Meine These war folgende:

        Die Defizite (Produktivitaet etc.), die Frankreich gegenueber Deutschland zur Zeit hat, macht es mittel- oder langfristig wieder wett. Primaer wegen der demographischen Entwicklung.

    • dank - 21. Mai 2012

      So fix sehe ich das nicht. Nur theoretisch angenommen – es würde alles die nächsten 40 Jahre so weiterlaufen – (einschließlich der Automatisierung; Spezialisierung und Konsolidierung in und an Unternehmen) wie die letzten 40 Jahre In welchen Jobs arbeiten diese über 2.0 Kinder aus F oder auch theoretisch aus D, oder aus S oder GR?!
      Wenns ums Abzahlen geht, mag das ja noch plausibel sein, da viele Kinder mehr zahlen – aber das bedeutet auch, dass diese
      a) einen Job brauchen, von dem sie
      b) leben können und
      c) davon noch brav Steuern zahlen und
      d) mit dem sie wieder rum die Bevölkerung am Laufen halten können.
      Es würden in Zukunft immer weniger Menschen arbeiten müssen, wenn die Entwicklung linear so weiterverlaufen könnte. Immer weniger produzieren immer mehr.

      Im Augenblick gibts zu dem ganzen eine Zeitraffervorschau: Jugendarbeitslosigkeit in EU – ganz klar aus anderen Gründen.
      Da fallen dann die über 2.0 Kinder durchaus auch mal negativ auf die Füße.
      Zum Thema “Automatisierung & Industriekarriere vs. Familie” scheint es im Hinblick auf die Demographie eh ein Huhn? Ei? Huhn? Ei? – Spiel zu werden. Was folgt auf was und warum?
      Vielleicht denk ich das auch was zu kompliziert. Wobei zuvor fällt uns eh PeakEverything auf die Hühneraugen…

      • NN - 23. Mai 2012

        Es wird nicht so weiterlaufen.

        Energie wird teurer, wenn nicht irgendeine bis jetzt unbekannte Technologie entwickelt wird. D.h. die Produktivitaet kann nicht beliebig gesteigert werden.

  • jo - 21. Mai 2012

    bubblegum,

    war es nicht so dass die Reichsregierung die Löhne/Gehälter im Ruhrgebiet einfach weiterzahlte während der französisichen Besetzung?
    war es auch nicht so dass dadurch die ganzen inländischen Kriegsanleihen weginflationiert waren? Die Kriegsanleihen wurden durch das Bürgertum (Gold gab ich für Eisen) gekauft da die damaligen Arbeiter in den städtischen Mietskasernen am Rande der Armut waren. Ob es besser gewesen wäre 1929ff einfach Geld zu drucken wie anno 1922ff? Ich weiss es nicht, wenn es die braune Machtübernahme und WK2 verhindert hätte, eindeutig ja.
    Welche Lehren wir daraus zeihen sollten? Welche Massnahmen wir hier jetzt machen können?

    Zu Frankreich:
    In diesem Land sprechen ziemlich alle Migranten französisch, dennoch haben die nach meiner persönlichen Meinung ein grösseres Problem mit dieser Bevölkerungsgruppe als wir, die meinen dass eine sprachliche Integration die Probleme lösen wird.
    Ich will auch nicht wissen ob die diese Bevölkerungsgruppe auch nicht überproportional mehr Kinder bekommt als die autochone Bevölkerung.
    Die Babyboomer werden immer länger arbeiten muessen, wir sind ja europaweit in dieser Richtung unterwegs.

    Was die Inflation dort angeht, ja, Frankreich hatte wohl Lohnsteigerungen und Inflation (sowie wie wir in den 70ger-80ger teils 90ger Jahren), aber die hinken uns einfach ein paar Jahre hinterher. Die Inflation, insbesondere die höheren Lebenshaltungskosten(Energie-Nahrung-Miete), Steuern und Abgaben werden stärker steigen als die Löhne und dann möchte ich sehen wieviel Spass die Franzosen an den kreditfinanzierten kurzlebigen Konsumgütern haben werden, die Angst im Nacken bei Arbeitsplatzverlust die Hypothek nicht mehr bedienen zu können.

    Zuerst wurden die Ex-Ostblock-Länder rasiert, dann Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und jetzt holt Frankreich die sogenannten Refomen nach, Skandinavien hat noch eine Schonfrist.

    Wir werden alle den Gürtel enger schnallen damit die Rentier’s weiter Renten beziehen können, so ist unser System, die Neo-liberalen fangen jetzt erst mit der zweiten Halbzeit ihres Spieles an

    (Der Blog ist super,)

  • Bubblegum - 21. Mai 2012

    @Jo

    “war es nicht so dass die Reichsregierung die Löhne/Gehälter im Ruhrgebiet einfach weiterzahlte während der französisichen Besetzung?”

    Ja die unselige Reichsregierung unter Cuno einem sog. “Experten” besorgte diesen Unfug, was
    den Ruhrbaronen aber nichts nutzte, weil die französichen und Belgischen Besatzer die Eisen-und Stahllieferungen aus den Lagerbeständen requirierten, die Entschädigung aber
    in Form wertloser Reichsmark erfolgte und die Banken begannen ihre Kredite zu kündigen!

    “Wir werden alle den Gürtel enger schnallen damit die Rentier’s weiter Renten beziehen können, so ist unser System, die Neo-liberalen fangen jetzt erst mit der zweiten Halbzeit ihres Spieles an.”

    In diesem Punkt stimme ich Ihnen zu!

  • Jörg - 21. Mai 2012

    Also, der Konsum in Frankreich kann nicht wirklich nachhaltig sein – wenn die industrielle Wertschöpfung schwach ist. Um die industrielle Wertschöpfung zu erhöhen, ist in vielfältigster Weise in Kaptitalgüter zu investieren… nur, wie soll das bei einem starken Konsum möglich sein? Es muss doch klar sein, dass nur eine Reduktion des Konsums – also Sparen – Investitionsmittel für die Industrie frei werden lässt. Ein Abschwung ist unvermeidlich – er ist nicht negativ zu sehen – er bildet die Grundlage für den Aufbau einer nachhaltigen industriellen Wertschöpfung! Anderes ist keynesianischer Unsinn.

    • Querschuss - 21. Mai 2012

      Hallo Jörg,
      “Ein Abschwung ist unvermeidlich – er ist nicht negativ zu sehen – er bildet die Grundlage für den Aufbau einer nachhaltigen industriellen Wertschöpfung! Anderes ist keynesianischer Unsinn” …. Dies wurde von den Sparmaßnahmen in Griechenland auch behauptet, übrigens war dies auch postuliertes Ziel in Portugal und Spanien, die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit mittels der Austerität, im Kern undifferenziertes Sparen zu Lasten der Masseneinkommen mit all den negativen Auswirkungen. Dieser Unsinn ist dokumentiert und real sichtbar, mir ein Rätsel, wie man trotzdem bar jeder Realität solche Sprüche posten kann. Du verkennst das die Reduktion des Konsums, zuvorderst Folge der Einkommensschrumpfungen sind und demzufolge die Reduktion des Konsums auch nicht zu mehr Sparen und schon gar nicht zu Investitionen in der Südperipherie führten.

      Gruß Steffen

      • Jörg - 22. Mai 2012

        Hallo Steffen,

        “..Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit mittels der Austerität, im Kern undifferenziertes Sparen zu Lasten der Masseneinkommen mit all den negativen Auswirkungen. Dieser Unsinn ist dokumentiert und real sichtbar, mir ein Rätsel, wie man trotzdem bar jeder Realität solche Sprüche posten kann.”

        Es ist mir vollkommen klar, dass die Bevölkerung unter den Austeritätsmassnahmen leidet.

        Die Einkommensschrumpfung entspringt aber Fehlentwicklungen der Vergangenheit und ist nicht direkt der Austerität anzulasten – die Einkommen haben sich ja in diesen Ländern rel. unabhängig von der Produktivität entwickelt -durch billige Kredite und EU-Hilfe entstand eine Scheinkonjunktur, die den Konsum anregte. Erst durch den Boykott der Geldgeber ist die tatsächliche Einkommenssituation sichbar geworden.

        Ich bleibe dabei:
        Nur Sparen schafft die Grundlage für Wohlstand: Konsumreduktion, um mit der Zeit Mittel zurückzulegen, wodurch Resourcen( wie Zeit, Material) frei werden zur Schaffung von Kapitalgütern, die die Produktivität erhöhen.
        Eine Abfolge, die nur so denkbar ist – deshalb ist eine schmerzhafte Einschränkung des Lebensstandards unumgängich, um wieder eine wirtschaftliche Basis zu schaffen.

        Ein Zeit schinden durch Aufheben der Austerität schafft die Resourcen nicht, um die Produktivität anspringen zu lassen. Woher sollen diese Resourcen kommen?? Selbst wenn sie – von aussen- vorhanden wären, sind Fehlentwicklungen vorprogrammiert . So hat Griechenland das x-fache der Kosten des Marshallplans erhalten.Was wurde daraus? Sie gründeten Importfirmen und die eigene produktive Basis wurde weiter gemindert.

        Du meinst, dass man Rezessionen/Depressionen vermeiden muss. Das ist aber nicht möglich, sie sind unserem Wirtschaftssystem inherent – weil es keine vollständige Marktwirtschaft ist. In Rezessionen wird fehlallokiertes Kapital der Boomphase (das kann ich näher erläutern) bereinigt und es ist nicht möglich diesen Vorgang aufzuhalten; man kann ihn nur verzögern – mit der Wirkung, dass die Rezession noch stärker wird.

        Grüße, Jörg

        • Querschuss - 22. Mai 2012

          Hallo Jörg,
          schöne Theorie, in der Praxis bar jeder Realität, wo wird denn in Griechenland oder Spanien der Konsum zurückgefahren um zu Sparen und zu Investieren. Der Rückgang des Konsums ist direkte Folge der Einkommensschrumpfungen, für Sparen und Investieren wie in deiner Theorie-Welt bleibt dort kein Platz.

          Mir ein völliges Rätsel wie man immer noch die Austeritätsfahne hochhalten kann, obwohl diese nachweislich ein völliges Desaster anrichtet. Ich meine nicht das man Rezessionen aufhalten muss, ich meine aber das man unterentwickelte Volkswirtchaften nicht gesundsparen kann, sondern das Sparen, auch noch undifferenziert, den Niedergang dieser schwachen Volkswirtschaften vom Zeitablauf nur maximiert, ohne ein zu Grunde liegendes Problem dabei zu lösen!

          Nicht nur in Griechenland schrumpft mit dem Konsum auch die Produktion, so die Industrieproduktion auf ein Niveau von Mitte 1978, in Spanien auf ein Niveau von Mitte 1994. Selbst die Zementproduktion in Griechenland, auch wichtiges Exportgut schrumpfte 2011 mit 5,8 Millionen Tonnen auf ein Niveau wie zuletzt 1971! So ein ökonomischer Wahnsinn soll zielführend sein?

          Du argumentierst primär in der Theorie, aber weit abseits der Realität!

          Gruß Steffen

          • Jörg - 22. Mai 2012

            Hallo Steffen,

            Deine Antwort ist ausweichend. Du kannst nicht ökonomische Gesetzmässigkeiten als Theorie bezeichnen und mit diesem Trick Ihnen den Status von Hypothesen zuordnen.

            Sie gelten mit NOTWENDIGKEIT!

            Ja, man kann gegen die Gesetze eine zeitlang weitermachen und sie in der Praxis ignorieren..und auf diese Weise nicht das Gesundsparen als das Allheilrezept sehen – sondern das Gesundverschulden.

            Aber die ökonomische Gesetze werden die Praxis nicht ignorieren!

            Ja. Austerität ist zielführend – und ich verstehe, dass das nicht sofort einsichtig ist; es ist schmerzhaft und tragisch – alles richtig. Die Produktionszahlen werden bei diesen Massnahmen noch weiter einbrechen; aber es ist die einzige Möglichkeit.

            Ein Beispiel gelungener Austerität:
            Neuseeland hatte nach 5 harten Jahren einen sprunghaften Aufschwung.

            Gruss, Jörg

  • klaus - 21. Mai 2012

    SPAREN ?

    Alles will SPAREN. Welche Art darf es denn sein?

    Der Konsumverzicht des kleinen Mannes?
    Der Konsumverzicht der Kommunen auf Baumaßnahmen?
    Der Konsumverzicht eines Bundeslandes im Polizei oder Bildungsbereich/Sozialbereich?
    Der Konsumverzicht eines Euro-Staates wie Frankreich im Rüstungsbereich, -
    also mit der früheren Beendigung des Nato-Auftrags in Afghanistan?

    Welche Art des Sparen führt zu welcher Art von Schwächung beim Sozialprodukt?
    Welche Art führt zum Zusammenbruch der Logistik?
    Oder wird nur die Rüstungsindustrie gefördert, damit die
    terroristische Gefahr gebannt und zugleich die Gewinne maximiert
    werden?

    Ich jedenfalls sehe Hollande auf einem sehr guten Weg.
    Ist es nicht ausgerechnet die Rüstungsindustrie und ihre
    schnellen Profite, der gleiche Ansatz eines weiteren
    kalten Krieges gegen vermeintlichen Terrorismus,
    der uns seit 9/11 den Wohlstand raubte.
    Solche Hexenjagd muß schließlich finanziert werden.

    An sich hat der Terrorismus all seine Ziele erreicht.
    Aus Paranoia vor Anschlägen, kann man dem Bürger
    Geld ohne Kontrolle fordern. Jeden Preis.

    Nein, das Geld wird nicht zu einem Nutzwert in Bezug gesetzt.

    Demnächst sterben mehr EIGENE Leute im Land durch
    die Terrorismusbekämpfung, als durch Terrorismus selbst.

    Wer den Polizeistaat/Rüstungsstaat will, bezahlt dafür mit
    Brot als Opportunitätskosten.
    Statt Brot darf man auch Operation,Bildung,Lebensqualität einsetzen.
    Es wird spartanischer werden !

    So einfach ist das.

    Gruß klaus

  • dicke Bertha - 22. Mai 2012

    Wenn die Einkommen alle gleich verteilt sind, ist der Verschuldungsgrad 10%, 100%, 1000%, 10000% piepegal.

    Hollande versucht auch Wachstum zu gegenrieren, indem er höhere Einkommen höher besteuert und das Geld in den Wirtschaftskreislauf zurückführt.

    Welche ökonomische Theorie von wem entwickelt sagt bei hoher Arbeitslosigkeit eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität voraus.

    Und warum sind solche Theorien TABU in deutschen Medien?

    Jede Steigerung des Aussenbeitrags ist ein Wohlstandsverlust.

    Ein Sinken des Aussenbeitrags ist ein Wohlstandsgewinn.

    Der Aussenbeitrag kann erst dann sinken wenn die EInkommen anders verteilt werden.

    PS: Innovationen

    Wettbewerb schafft keine Innovationen, denn Wettbewerb kann nur in Bereichen stattfinden, die allen bekannt sind.

    Eine Senkung des Wechselkurses schafft keine neuen Innovationen.
    Sondern verteilt letztlich nur um.

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Hallo Steffen, hallo Jörg,
    WEDER sparen noch weiteres Aufschulden zum Zewcke der Generierung von Wachstum hilft jetzt noch.
    Dass sparen nichts hilft zeigen insbesondere Griechenland und Spanien, wo durch dadurch hervorgerufener tiefer Rezession die Staatseinnahmen wegbrechen und das Defizit eher weiter steigt als sinkt.
    Und das erhöhte Neuverschuldung auch nicht in der Lage ist, halbwegs effektiv Wachstum zu erzeugen, zeigen insbesondere Japan, aber auch die USA.

    Auch mir fällt es nicht leicht, die Aussichtslosigkeit der Überschuldungssituation in der Mehrheit der OECD-Staaten anzuerkennen. Auch ich bin prinzpiell so gepolt, dass ich für jedes Problem eine Lösung sehen möchte.

    Natürlich gibt es diese Lösung, wie ich schon schrieb: Eindampfung der Schulden und Guthaben/Vermögen je nach Land um 60 bis 80%, im Falle Griechenland eher 90%.
    Bei den Reichsten sogar ergänzt durch eine Limitierung des privaten Besitzes an Realwerten (Landbesitz, Wasserrechte, Rohstoffe usw.)
    Das ist natürlich eine sehr radikale Lösung mit einer sehr großen Anzahl beträchtlicher Nebenwirkungen auch negativer Art, aber die Vermögens-/Schuldeneindampfung wird ohnehin kommen, ob es der Einzelne will oder nicht.
    Und ohne die Limitierung physischen Reichtums ist für die Zukunft keine gerechtere Gesellschaft zu erreichen.
    Im kommenden Zeitalter erodierender Wertschöpfung und brachial einbrechenden Gesamtreichtums MUSS aber eine größere Verteilungsgerechtigkeit erreicht werden, um das Abgleiten in endgültig sozialdarwinistische Zustände zu verhindern.
    Ich meine natürlich nicht völlige Gleichheit. Natürlich müssen sich höhere Ausbildung, ein höherer Verantwortungsgrad, Engagement oder besonders harte körperliche Arbeit lohnen.
    Aber die Einkommen dürfen nicht um das Mehrhundertfache auseinanderdriften. Und Erzielung von Kapitaleinkommen darf nur noch, wenn überhaupt, in sehr geringem Maße möglich sein.

    Mir ist klar, dass es dazu eines kompletten Umbaus der Wirtschaft und des Finanzswesens bedarf. Mir ist ebenfalls klar, dass ein solch hohes Maß an Produktivität wie heute nicht erreichbar ist. Das wird im Zeitalter nach Peak anything ohnehin nicht weiter fortbestehen können.
    Und eines darf keinesfalls geschehen: das Abgleiten in zentralbürokratische Zustände und die Errichtung eines politischen Willkürsystems.
    Dann kämen wir vom Regen in die Traufe.
    Mir ist völlig klar, dass die Vergesellschaftung (zum Beispiel auf genossenschaftlicher Basis) von Großproduktionsmitteln und des Finanzwesens ohne zentralbürokratische Fehlentwicklungen nicht einfach sein wird.
    Aber wir werden innerhalb der nächsten Jahrzehnte ohnehin in sehr viel einfacher strukturierte Gesellschaften transformiert werden. Durch die Realität des fortschreitenden Wertschöpfungsverfalls.
    Wir müssen nur das Beste daraus machen. Treibenlassen auf Basis eines längerfristig unhaltbaren Status Quo würde uns in eine immer ausweglosere Situation bringen und einen Zivilisationskollaps innerhalb der nächsten 3 bsi 4 Jahrzehnte bewirken.
    Wir müssen lernen, langfristiger und jenseits eingefahrener Bahnen und Denkschulen zu denken.

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo M.E.,
      auch du interpretierst mein Plädoyer gegen undifferenzierte Sparmaßnahmen, die nicht nur die Arbeitnehmer, die binnenorientierte Industrie, sondern auch den Mittelstand, Einzelhändler und Selbständige mit in den Abgrund reißt, falsch. Denn dieses heißt im Umkehrschluss nicht hirnloses Aufschulden, gar für Konsum und Immobilien, sondern ohne Investitionen in die unterentwickelten Bereiche der Volkswirtschaft, die eindeutig zu benennen sind, gibt es dort keine Zukunft. Es soll ja Leute geben, die meinen das man mit zweistellig sinkenden Investitionen Volkswirtschaften fit machen kann, wie wäre es für den Anfang damit das man diese negative zweistellige Rate, wenigstens auf eine niedrige einstellige Rate bringt. Denn Investitionen in die unterentwickelten Bereiche muss es mit einem Euro oder ohne den Euro geben, sonst geht nichts. In den anderen Punkten stimme ich dir zu.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Hallo Steffen,
    natürlich sind Investitionen in Ausbildung, Forschung und Entwicklung, ressourcensparende Technologien, nachhaltige Landwirtschaft und sinnvolle Investitionen in wichtige Bereiche der Infrastruktur sinnvoll.
    Finanziert im Falle Griechenland natürlich durch andere EU-Länder (also natürlich auch auf unsere Kosten.).
    Sonst ist das Land in nicht ferner Zukunft endgültig auf Entwicklungsland-Niveau.
    Leider deutet nichts auf eine solche fokussierte und sinnvolle Investitionstrategie hin.
    Wenn der umfassende Crash erst einmal unmittelbar bevorsteht oder im Gange ist, wird selbst bei vorhandenem Willen eine solche Strategie zur Sicherung/Erneuerung der ideellen und physischen Wertschöpfungsbasis in Griechenland garnicht mehr realisierbar sein.
    Das hätte also längst begonnen werden müssen. Aber auch die anderen Länder, die nicht so tief im Morast stecken, werden zunehmend handlungsunfähig, wenn sich die Überschuldungssituation weiter zuspitzt. Griechenland selber liegt ohnehin in Agonie und ist völlig unfähig, ein solches Programm aufzulegen, ist also zwingend auf äußere Hilfe angewiesen.

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo M.E.,
      “natürlich sind Investitionen in Ausbildung, Forschung und Entwicklung, ressourcensparende Technologien, nachhaltige Landwirtschaft und sinnvolle Investitionen in wichtige Bereiche der Infrastruktur sinnvoll.” …Sollte man annehmen das dies für sinnvoll gehalten wird. Mich regen nur Leute auf, die meinen das die Konsumreduktion in der Südperipherie Mittel ist um Investitionen anzukurbeln. Das ist mitnichten der Fall, wie hier in diversen Charts im Blog zu den Bruttoanlageinvestitionen dokumentiert, denn aus der Konsumreduktion selbst erfolgt kaum Ersparnis und damit potentielle Investition, sondern die Konsumkontraktion ist Folge des Einkommensschwund. Schwindende Einkommen, Konsum, Produktion und Investitionen verlaufen Hand in Hand, alles ausführlich hier dokumentiert, insofern ist es für mich nicht nachvollziehbar, wenn Mitleser bar jeder Datenlage das Gegenteil behaupten.

      Gruß Steffen

  • Ro - 22. Mai 2012

    Steffen,

    Überkapazitäten weltweit, in fast allen diversen Industrieproduktionen. Ist dies nicht Fakt? Ist es nicht ausschließlich ein Verdrängungswettbewerb, ein globaler Wettlauf, wer wird Erster, wer bleibt erster?

    Fakt ist doch, dass wir uns seit Jahrzehnten in einem Aufschuldungsprozess bewegen. Es immer ein Aufschuldungsprozess ist denn ohne Schulden (vom ersten cent an) kein zinsbasiertes Papiergeldsystem!

    Sind wir uns hier uneinig?

    Fakt ist doch ebenfalls dass egal was hier Hollande noch treiben kann, es endlich an der Zeit wäre, über die wahre Fehleinschätzung zu reden. Dem Wachstumsdogma an sich, welches uns fortwährend in der gleichen Schleife belässt. Wieder und wieder ein neuer Durchgang des Schuldzyklus, auf welchen wir „hereinfallen“.

    Es ist interessant wie uns dogmatisch in jeder medialen Diskussionsrunde eingetrichtert wird, dass Wachstum ja unabdingbar sei und man darüber gar nicht zu diskutieren bräuchte. Ist dies nicht auffällig in jeder Diskussion, von links, nach grün, nach rot, nach rechts?

    Diese Krise ist eine Umverteilungskrise wie immer in der Geschichte der Menschen. Früher geführt mit Waffengewalt und Pistolen, heute mit der Finanztechnik und der Politik. Diese Krise wäre lösbar, sofort mit der Auflösung von Guthaben jenseits der Summe X auf jedem privatem Konto und versus der Streichung der Schulden privat wie Staat auf der anderen Seite. Im Grunde ein einfacher Vorgang:

    Siehe:

    „Mit einem abenteuerlichen aber ernstgemeinten Vorschlag will die
    Boston Consulting Group die Schuldenkrise lösen: durch Enteignung der
    privaten Sparvermögen. – Aus der Theorie könnte bald Wirklichkeit
    werden, denn die Regierung heuerte nun einen Top-Berater der BCG in
    die Dienste des Finanzministeriums.“

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/150553

    Dies wäre der einzige Schritt in die erste Stufe einer „Gesundung“. Das dies den Haltern von Vermögen naturgemäß nicht schmeckt ist verständlich. Mir schmeckt dies ebenso nicht.

    Dies wäre trotzdem der einzige Lösungsansatz welcher funktionieren würde, weil wir die Zeitachse Aufschuldungsprozess schlagartig zurückdrehen und Zeit gewinnen würden endlich nach zu denken um weitere Schritte einzuleiten um von jetzigen Aufschuldungssystem im Ressourcen-Verbrauchswettbewerb weg zu kommen . Es wird nur noch über diesen einen größeren schmerzhaften Prozess gehen können. Viel zu lange wurde politisch verordnet gewartet und verhindert. Vermögen über 500.000 Euro oder noch weiter, würde es im Grunde auch das Leben nicht unmöglich machen.

    Die breite Masse jedoch aus ihrer Überschuldung heraus nehmen. Außer man setzt weiter auf diesen Irrsinn Wachstum als zweiten Weg! Was aufgrund der Endlichkeit global in Masse und Land UND Ressourcenverbrauch, der billigen Umwandlungsenergie eben nicht auf Dauer gehen kann. Nur politisch, von Wahltermin zu Wahltermin geht dies, Schleife um Schleife – noch, weil es für uns alle bequem ist. Keine Frage.

    Der zweite Schritt wäre ein Überdenken des Wachstumsdogmas an sich, des Geldsystems an sich. Politisch nicht gewollt, dies ist mir klar. Verteilungsspielräume werden geringer, Wahlgeschenke ebenso. NUR dies wird – wenn nicht angegane – einen teuren Preis haben, Steffen.

    Die Konsequenz aus einem noch zu erreichenden Lernprozess von vielen Tausend Jahren Aufschuldens sind unabdingbar, um eine anbahnende Katastrophe zu vermeiden. Stichwort: Verteilungskampf ante portas, wenn nichts wirklich Befreiendes geschieht und man am jetzigen politischen Prozess weiter herum doktert.

    Vielleicht für Dich in Summe des Vorschlags zu utopisch, für die Bevölkerung so oder so. Mag sein, aber nochmals, Frankreich kann seine private Verschuldung nicht weiter und weiter ausdehnen. Die meisten OECD Staaten können es nicht ewig treiben, darüber sind wir uns sicher auch einig.

    Griechenland kann keine Wachstumsimpulse aufbauen durch weitere Überkapazitäten weltweit, welche Fakt sind durch die Automatisierungsprozess weltweit über Jahrzehnte initiiert!

    Sollen sie Autos bauen, wir haben genug welche schon auf Schuld, im Vorgriff geordert werden!? Sollen sie Kühlschränke bauen? Navigationsgeräte… sollen sie einfacherer Tätigkeiten aufnehmen… in einer quasi „Binnenwährung“ Euro!? Mit diesen Produktivitätskennzahlen ein vergeblicher Kampf, da hilft auch Hollands Wachstumsbeschiss nur noch als Zeitverlängerung.

    Wir werden um eine grundlegende Neuausrichtung in der Gesellschaft nicht umhinkommen. Alles andere ist lieb und nett, aber nicht ziel führend als Lösung die diesen Namen verdient.

    „Jeder Umsturz, jede Revolution beginnt mit Schulden, welche die Gesellschaft nicht mehr bezahlen kann. David Graebers großes Buch zeigt uns, wo wir stehen. Eine Befreigung.“

    Frank Schirrmacher über David Grabers Buch: „Schulden, die ersten 5000 Jahre“.
    Lesenwert wie ich finde.

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Rolf,
      “Überkapazitäten weltweit, in fast allen diversen Industrieproduktionen.” Ja und nein, nicht nur in einer Währungsunion ist ein Streben nach Gleichgewicht zielführend, denn wirtschaftliche Ungleichgewichte münden immer in Verschuldungskrisen, da die Defizitländer ihre Defizite nun mal per Kredit finanzieren müssen. Wenn man also Überkapizitäten ausmacht, dann trifft das auf die Südperipherie nicht zu, die sind gnadenlos unterentwickelt.

      Nur in der EU27, lag die Zahl derer die armutsgefährdet sind bzw. von sozialer Ausgrenzung bedroht sind im Jahr 2010 bei 115 Millionen Menschen, heute dürften es noch mehr sein, weltweit partizipieren in Ermangelung an Jobs und ungleicher Einkommens- und Vermögensverteilung noch ungleich mehr nicht am wirtschaftlichen Fortschritt. Daraus stellt sich für mich die Frage vielleicht sind die ausgemachten Überkapazitäten nur die andere Seite der schwachen Nachfrage, selbst in Deutschland müssen sich nahezu 10 Millionen in prekären Beschäftigungsverhältnissen plagen und können nur am untersten Rand der Möglichkeiten konsumieren.

      Vielleicht wäre mehr Differenzierung angebracht, im Falle von z.B. Griechenland von Wachstumsdogma und Endlichkeit der Ressourcen zu argumentieren, geht an der Realität vorbei, bei einem Output der Industrieproduktion von Mitte 1977. Ich glaube nicht das die Menschen in Griechenland das dort verwirklichte “Anti-Wachstums-Dogma” prickelnd und anziehend finden.

      Eine Welt ohne Wachstum, Kredit, Zins und mit ressourcenschonender Umgang ist mit einem Kapitalismus und erst recht mit einem Finanzkapitalismus der heutigen Ausprägung unvereinbar. Wer dies fordert muss alles umkrempeln, dies weltweit. Dürfte nach derzeitiger Lage und so wie Masse der Menschen tickt ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen sein.

      Du sprichst pauschal Griechenland jegliche Entwicklungsmöglichkeit ab, die Chinesen und andere asiatische Volkswirtschaften haben auch irgendwann angefangen Autos und Kühlschränke zu bauen und verkaufen diese auch erfolgreich! Ein Volkswirtschaft ohne Produktion ist eine tote Volkswirtschaft und wird nie eine ausgeglichene Leistungsbilanz oder Staatshaushalt erzielen.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Nimm´s gelassen, Steffen,
    jeder hat auch ein Recht auf eine realitätsferne Meinung.
    Ich selber habe im Laufe meines Lebens ebenfalls gelegentlich von diesem Recht Gebrauch gemacht.

    O.T.
    Habe übrigens einen schönen Spruch gehört:
    “Wenn die Sonne der politischen Weisheit sehr niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!”

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Mein letzter Beitrag war nicht auf den Beitrag von Ro bezogen. Der erschien erst, als ich meinen Beitrag schon abgesendet hatte.

  • Ro - 22. Mai 2012

    Steffen – alles gut und Recht was Du schreibst in Bezug auf meinen Kommentar im Statement.

    Hier der Kern:

    Zitat: “Eine Welt ohne Wachstum, Kredit, Zins und mit ressourcenschonender Umgang ist mit einem Kapitalismus und erst recht mit einem Finanzkapitalismus der heutigen Ausprägung unvereinbar. Wer dies fordert muss alles umkrempeln, dies weltweit.”

    Dies ist selbstverständlich zwingend in der Konsequenz. Und natürlich ist der Kapitalismus nicht unendlich fortführbar. Nochmals, sollen die Griechen all die Produkte herstellen, welche wir schon länsgsten, weltweit, China mit eingeschlossen, im Überfluss produzieren.

    Nur ein Beispiel aus einer Branche die ich gut kenne:

    Weltweite Kapazitäten KFZ, Stand heute ca. 95 Millionen Fahrzeuge p.a., davon verkauft ca. 65 Millionen in der Spitze. Die exakten Daten müsste ich erörtern. Spielt nicht die entscheidende Rolle. Von den 65 Millionen p.a. verkauften KFZ sind geschätzt 2/3 auf Schuld. Dies die Spitze des Produktivitätsirrsinns. Nenne mir doch mal ein wirklich konkretes Geschäftsmodell für Griechenland für Wachstum welches Deiner Ansicht nach “differenziert” wirken kann?

    Griechenland und viele Länder hinzu werden dazu gezwungen – politisch und aus Gier = verständlich – einen, sprich “unseren”, aus meiner Sicht heraus, falschen Weg zu gehen. Der Euro, die Gleichschaltung, das Werkzeug.

    Ein Zinsbasiertes Papiergeldsystem ist IMMER und ohne Ausnahme ein Aufschuldungsthema.

    Chinesen und derer ähnlich agierenden Billiglohnländer verkaufen nur diese “Kühlschänke und sonstigen Produkte” weil sie a.) vollkommen sozialistisch verordnet zu unglaublich ausbeuterischen Bedingungen, seitens Lohn und Ressorucenverbrauch UND Umwelt, ihre Produkte auf den Markt schleudern. Und b.) sich die Welt eben Zug um Zug weiter verschuldet. Verschulden muss, denn ohne Schulden einfach nichts läuft.

    Ich würde die Diskussion gerne lös lösen von einseitiger Argumentation. Wachstum und Reichtum in Geld und Produkten zu messen ist die einfachste Betrachtungsweise. Davon müssen wir wegkommen, ansonsten keine weitere Entwicklung sondern Endlosschleife. ob dies nun der “Hollandeweg” ist mit Pseudowachstum für alle, oder mehr und der Zug langsamer gegen die Wand fährt und mit höherer Fallhöhe oder schneller via Turbokapitalismus mit höherer Geschwindigkeit sind nur noch Marginalien in der reinen Zeitachse. Steffen.

    Ob das schlussendlich den Griechen, den Franzosen, den Deutschen, auch den Chinesen oder uns gefällt, gar mir, steht auf einem völlig anderen Blatt. Was wäre Deuschland als reiner Nettoimporteuer von Energie und Rohstoffen ohne diese…

    Gruß Ro

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Rolf,
      “Nochmals, sollen die Griechen all die Produkte herstellen, welche wir schon länsgsten, weltweit, China mit eingeschlossen, im Überfluss produzieren.”
      ……Du forderst im Kern, anhand von Griechenland, das man dauerhaft deindustriealisierte Zonen akzeptieren und als gegeben nehmen muss, nur diese Zonen können dann auch nur per dauerhaften Transfer existieren!

      Spitzen wir doch mal zu, was wäre denn die Alternative, Deutschland produziert für die ganze Welt die Autos und finanziert wird es via Target2, denn durch den Globo, weltweites Zahlungsmittel können alle Zentralbanken des Weltsystems bei der Buba das nötige Geld zur Finanzierung der Defizite aus den Importüberhängen besorgen?
      Schöne Welt, nur wird sie funktionieren?

      Was will ich damit sagen, wer wirtschaftliche Krisen vermeiden möchte, muss eben auch für ein Streben nach außenwirtschaftlichen Gleichgewicht sorgen und nicht die Ungleichgewichte weiter befeuern.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Nochmal hallo Steffen,
    zu Deiner Antwort auf Ro:
    natürlich hast Du recht, dass das zumindest annähernd globale Umkrempeln der Wirtschaft und der Gesellschaft weg vom wachstumsabhängigen Finanzkapitalismus heutiger Prägung auf freiwilliger Grundlage völlig illusorisch ist. Die Menschheit lebt im Jetzt – wer will es ihr verdenken.
    Wir müssen also zunächst nach Lösungen suchen, die halbwegs kompatibel zur heutigen Ordnung des Finanzsystems sind, so kritisch wir dieses System auch sehen. Sonst bewegen wir uns auf Luftschlossniveau.

    ABER: dieses System wird vorraussichtlich in diesem Jahrzehnt weitgehend seine Funktionsfähigkeit verlieren und in den beiden Jahrzehnten danach (20er und 30er Jahre) sogar durch sukzessiven Verlust seiner physischen Basis, aus der jegliches weitere Wachstum zu generieren wäre, völlig obsolet werden.
    Da also eine Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft auf freiwilliger Grundlage und auf Basis anthizipierender Analyse nicht realistisch ist, werden wir vermutlich in ein strukturelles Vakuum stürzen innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte, mit allen unwägbaren Konsequenzen.
    Sich darauf vorzubereiten ist eigentlich nur im persönlichen und familiären Umkreis möglich.
    Wir wissen ja, wie schnell die Zeit vergeht. Und alleine die Aussicht, in ca. 20 Jahren in einer nahzu komplett anderen Welt zu leben – wirtschaftlich und gesellschaftlich betrachtet – erscheint auch mir mitunter wie eine Halluzination. Aber leider wird es mit größter Wahrscheinlichkeit sehr real sein.
    Deshalb habe ich auch immer wieder Probleme, bei der Lösungssuche für die nahe Zukunft mich zwar zunächst auf Basis des heutigen Status Quo bewegen zu müssen, aber gleichzeitig anzuerkennen, dass dieser nicht mehr von langer Dauer sein wird.
    Eine intellektuelle Herausforderung, der ein Mensch mit seiner erfahrungsbasierten Denkprägung kaum gewachsen sein kann.

  • Ro - 22. Mai 2012

    ME – alles vollkommen klar. So ist das nun Mal. Trotz allem würde ich sehr gerne noch ein funktionierendes wirtschaftliches Modell seitens Steffen und der gesamten politischen Kaste erhalten. Warum kommt er nicht der Marshallplan für die Südschiene? Was soll Griechenland – unter dem Euro, mit auskommenden Löhnen – produzieren? Wie soll eine Jugendarbeitslosigkeit seitens Frankreich – unter 24 Jahren – von über 30 % eingedämmt werden? Wie seitens der gesamten Eurozone, wo nur Deutschland (noch) eine einstellige Jungendarbeitslosigkeit aufweist!?

    Wer soll denn noch mehr Schulden schultern bei privaten Konsumenten, um die Produkte einer gleichgeschalteten Wirtschaftszone – erfolgreich gen deutschem Vorbild – zu kaufen? Selbstverständlich wäre es gut in der politischen Agenda hier die Einkommen umzuverteilen (Hollandeweg mit 75% Steuern ab 1 Million)… nur wäre es eine Lösung… ich bin der Ansicht, es würde uns maximal 5 oder 10 Jahre weiter bringen im Irrsinn. Dies ist weiter gedacht auf Generationen, unsere Kinder, ein vollkommen falscher Weg.

    Ebenso erweitert für Spanien, Portugal, Irland, Frankreich und Co. Sollen diese alle unserem, dem deutschen “Erfolgsweg” folgen? Sollen alle diese Produktivitätsfortschritte – welche zum erwirtschaften des Zinses zwingend notwendig sind – unabdingbar weiter und weiter verfolgt werden? Gut, nehmen wir einmal an Deutschland gibt seine Exporterfolge – ausgleichend ab – Griechenland wäre fähig die deutschen Produktivitätskennzahlen zu bringen. Egal wie lange es dauert, einfach mal angenommen.

    Was wäre die Folge – die Summenbetrachtung unabdingbaren Aufschuldens, müssten trotzdem weiter steigen.

    Mir ist vollkommen klar dass ich hier auf einem einsamen Weg in Diskussion gehe. Trotz allem, es bleibt meine gewonnene Überzeugung, nicht die anderen müssen uns folgen, sondern wir alle müssen radikaler in unseren Denkstrukturen weiter forschen.

    Wir sind uns sicher alle einig. Die Austeritätspolitik kann nicht funktionieren, nicht für alle gleichzeitig. Nicht für eine Nation welche wirtschaftlich schon im Abschwung ist.
    Aus der Sicht eines zinsbasierten Papiergeldsystems nicht machbar, hier muss immer ein Teil X Geld ausgeben was aus dem Nichts heraus geschöpft wird.

    Es können nicht alle sparen, ein Teil muss zwingend konsumieren, um den Schuldzyklus am laufen zu halten. Ist es nicht so? Ist es nicht so, dass wir einem Aufschuldungszwang unterliegen, global gesehen, egal wer nun die Speerspitze darin bildet!? Ohne dieses mehr und mehr an aufschulden bricht das System zusammen. Unter den sozialistischen Aguren unter Hollandes Führung eben eine Zeiteinheit später. Während dieser Zeit leben wir nach wie vor in der Illusion alles wird irgendwie so weitergehen. Wird es so aber nicht.

    Ich bin vollkommen einig mit Steffen und anderen hier auf dem Blog, dass ein absolutes Ungleichgewicht von Einkommen und Vermögen existent ist. Diese Vermögen sind nun mal die Schulden auf der anderen Seite. Hier kann getrickst werden wie man will, es wird den Aufschuldungszwang nicht brechen. Es wird einzig und alleine wertvolle Energieeinheiten – welche noch vorhanden sind, nach 150 Jahren Ausbeutung in der ersten Hälfte – weiter und weiter verschwenden.
    Ehrlich gesagt ist mir das „herum doktern“ politisch nicht einmal unrecht, solange muss man sich der unbequemen Wahrheit nicht stellen. Nicht desto trotz sie wird eingefordert, systemisch.

    Unser Zinssystem fordert ein höher, schneller, weiter in allem. Auch der Produktivität.
    Das kann nicht gut gehen. Das derzeitige argumentieren ist aus meiner Sicht heraus nur ein festhalten seitens der Argumentation und nutz der Politik ihr Vereinheitlichungssystem EU und erweitert voranzutreiben. Den Menschen nutzt es auf eine Sicht über 10 Jahren vermutlich nicht. Das wird sich zeigen.

    Es wäre aus meiner Sicht sehr interessant eine Umfrage zu lesen:

    Griechenland vor 20 Jahren – wie gut haben sich die Menschen gefühlt, ohne Handy, Flatscreen und neuen Strasse und Co.? U

    Und dieselbe Umfrage heute M.E im Euroverbund, im wirtschaftlichen Kettenbriefsystem. Wie denkst du wäre das Ergebnis?

    M.E. – wir sind Opfer wir sind Täter.

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=127501

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Rolf,
      bin jetzt beleidigt, nicht nur in einem Atemzug, sondern als Gleichsetzung: “……seitens Steffen und der gesamten politischen Kaste erhalten.”

      Gruß Steffen

  • Ro - 22. Mai 2012

    Steffen – da siehst Du mal wieder wie man mit Worten schmerzen kannt, OHNE das dies die Absicht war. Du weisst dass ich Dich und Deine Arbeit mehr als schätze. Also, streiche diesen – von mir sicher nicht so verstanden wissen wollenden Part einfach;) Wie immer bleibt unser beider sicher nicht immer gleicher Meinung eine Randerscheinung, ein Sandlorn im Sandkastenspiel Wirtschaft, Finanzen und Gesellschaft. Das Ding fährt gegen die Wand, meine Sicht seit Jahren, welche ich auch hier vertrete. Die politische Agenda – weltweit – wird immer und immer wieder VOR die Menschen gestellt. Machterhalt und Ausdehnung – ohne Pulver und Kanonen. Vereinheitlichung, Gleichschaltung um Zug um Zug den unbequemen Wahrheiten aus dem Weg zu gehen…

    Röttgen: “Zitat: “Bedauerlicherweise entscheidet nicht alleine die CDU darüber, sondern die Wähler entscheiden darüber.”

    DIESE Aussage ist kein Zufall sondern so denkt DIESE Kaste wirklich.

    ==> nochmals, ich zähle Dich selbstverständlich NICHT dazu. Sorry.

    Verheugen: “EU ist notwendig geworden, damit Deutschland nicht zur Gefahr für andere wird”
    “Deutsche hätten das vergessen”
    “Deutschland wird von den anderen EU-Staaten als egoistisch gesehen”
    “Deutschland muss etwas von der Solidarität zurückgeben, die es jahrzehntelang erfahren hat”.

    hier im Video als Quelle damit mir niemand vorwirft ich sei einseitig und zitiere Zusammenhangslos:

    http://www.youtube.com/watch?v=aLW-dAwZeNc

    ich könnte hier weitere zigfache Zitate aufführen von links, nach grün, nach gelb und nach rot und schwarz.

    peace – wir, wenn nicht wir, wir müssen zusammenhalten. Alle weiter lernen bis sich das größere Bild weiter zeigt. Meine tiefste Überzeugung.

    • Querschuss - 22. Mai 2012

      Hallo Rolf,
      das war mir schon klar, kleiner Spaß.

      Gruß Steffen

  • M.E. - 22. Mai 2012

    Ich habe mich übrigens kürzlich mit einem Firmenchef aus unserer Region unterhalten, der mit ca 170 Mitarbeitern schon zu den größeren Arbeitgebern hier gehört (Metallbau und Klima-/Energietechnik).
    Er hat mir gesagt, dass seine Firma schon ausgearbeitete Notfallpläne in der Schublade hat, wie die Firma bei einem kompletten Strukturausfall des Finanzsystems auf Basis von schnell zu einem Netzwerk gegenseitiger Hilfe für alle Mitarbeiter umgebaut werden kann.

    Ein vorrausschauender, verantwortungsbewusster Mann.

  • Ro - 22. Mai 2012

    Ja ein wirklich vorausschauender und verantwortungsbewusster Mann M.E. Nur wie viele Unternehmen, gar Privatpersonen agieren so? Wie viel Unternehmen sind schuldfrei?In meinem Umfeld und den Verbänden ist immer noch das Wachstumsdogma und ein großes Maß an kognitiver Dissonanz in realer Anschauung. Kann ich gut nach vollziehen warum es so ist und bis zum Finale wohl (leider) bleiben wird.