Frankreich ist immer noch der Konsummotor der Eurozone

von am 6. März 2012 in Allgemein

Wie Eurostat gestern mit den monatlichen Daten zu den saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätzen in der Eurozone berichtete, stiegen im Januar 2012 die realen Einzelhandelsumsätze in Frankreich um durchaus kräftige und unerwartete +2,1% zum Vormonat an. In Deutschland waren dagegen im Januar die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,6% zum Vormonat gesunken. Damit öffnet sich die Schere beim privaten Konsum zwischen Frankreich und Deutschland, gemessen an den realen Einzelhandelsumsätzen deutlich weiter.

Die Entwicklung der saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze (2000=100) seit Januar 2000 bis Januar 2012 im Chart. Während in Frankreich seit 2000 bis Januar 2012 die realen Einzelhandelsumsätze um +36,53% stiegen, sanken sie im selben Zeitraum in Deutschland um -3,26%.

Diese anhaltende bemerkenswerte Divergenz beim Konsum ist zu einem großen Teil der unterschiedlichen Entwicklung der Masseneinkommen, den Arbeitnehmerentgelten geschuldet:

 Die Entwicklung der Summe der saisonbereinigten nominalen Arbeitnehmerentgelte seit Q1 2000 bis Q3 2011 aus der VGR (2000=100). Die Daten für Frankreich liegen nur bis Q3 2011 vor. Während in Deutschland (blau) die Summe der saisonbereinigten nominalen Arbeitnehmerentgelte von 2000 bis Q3 2011 um +18,47% stieg und damit knapp unterhalb des Anstieges der Verbraucherpreise lag, zogen in Frankreich die nominalen Arbeitnehmerentgelte um +42,61% an!

Real stellen sich die Daten so dar:

Die Entwicklung der Summe der saisonbereinigten realen (verbraucherpreisbereinigten) Arbeitnehmerentgelte seit Q1 2000 bis Q3 2011 (2000=100). Während in Deutschland (blau) die Summe der saisonbereinigten realen Arbeitnehmerentgelte von 2000 bis Q3 2011 um -1,09% sank, zogen in Frankreich die realen Arbeitnehmerentgelte um +17,84% an!

Weiterhin bleibt es bemerkenswert und kaum nachvollziehbar, wie sich solche Divergenzen in den Entwicklungen innerhalb einer Währungsgemeinschaft aufbauen können, ohne dass steuernd eingegriffen wird. Diese Daten zeigen auch klar, die miese Partizipation der deutschen Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg Deutschland, denn der schwache Konsum ist Folge einer schwachen Realeinkommensentwicklung. Oder auch anders betrachtet, die miese Partizipation der deutschen Arbeitnehmer ist eine der Grundlagen des Exporterfolges! Letztlich ist diese Divergenz beim Konsum und den Arbeitnehmerentgelten auf der anderen Seite auch die Divergenz bei Industrieproduktion, Exportvolumen und Leistungsbilanz.

Frankreich ist der letzte Konsummotor in der Eurozone, käme nach der Konsumkontraktion der Südperipherie auch noch eine Frankreichs dazu, würde sich die Abwärtsrisiken enorm erhöhen, denn ganz klar, dass deutsche Modell von Lohn- und Konsumzurückhaltung und Exporterfolg ist nicht auf die ganze Eurozone übertragbar, ohne in einer Depression zu enden. Denn die Waren- und Güterüberschüsse Deutschlands bedingen Abnehmer, die per Defizit konsumieren. Exportüberschüsse zu erzielen und gleichzeitig ausgeglichene Leistungsbilanz- und Staatshaushalte Anderer zu fordern ist ein Widerspruch in sich. Gerade in einer Währungsgemeinschaft müsste das Streben zum Gleichgewicht auf der Agenda stehen und dafür müssen Defizitländer und Überschussländer einen Beitrag leisten. Im Falle von Deutschland liegt der Fall klar auf der Hand, die Löhne müssten deutlich rauf, um den anderen die Anpassungen zu erleichtern und um in der Eurozone nicht unnötig weiter rezessive Tendenzen zu befeuern. Wenn der Konsummotor Frankreich, auf gemäß seinen Verhältnissen reduziert werden sollte, muss Deutschland die Funktion übernehmen und endlich gemäß seinen Verhältnissen Einkommenssteigerungen zulassen und entsprechend konsumieren. Auch Deutschland darf auf Dauer seine Produktivitätsfortschritte und seinen Produktionsoutput von 2012 nicht mit einem Konsum von vor 2000 beantworten.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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20 KommentareKommentieren

  • sunwalker - 6. März 2012

    “Auch Deutschland darf auf Dauer seine Produktivitätsfortschritte und seinen Produktionsoutput von 2012 nicht mit einem Konsum von vor 2000 beantworten.”

    Wenn ich mich und meine Umgebung mal genauer unter die Lupe nehme, dann fällt mir so spontan nichts ein, was ich oder andere noch unbedingt kaufen müssten, auch wenn ich wesentlich mehr Geld zur Verfügung hätte. Und ich denke das geht vielleicht einigen anderen auch so?!

    Aber heißt Löhne rauf, entprechend dem Niveau der anderen Länder, nicht auch ein massives Anspringen der Inflation? Kann es sein, dass man auch genau das Thema spielen wird und so eine Entschuldung in Deutschland einleiten wird? Natürlich immer mit dem Hinweis: “Geniesst doch die hohen Löhne (die starkeRest/Neu – Währung) und meckert nicht über die Inflation!”
    Die Deutschen sind ja so was von negativ?! ;-)

    • Robert - 6. März 2012

      Wir müssen in Deutschland überhaupt erst mal das Inflationsziel von 2% erreichen, was in den Verträgen für die Währungsunion festgelegt wurde. Damit sollte ein Auseinanderlaufen der Wettbewerbsfähigkeiten ursprünglich verhindert werden, da keine Wechselkursanpassungen innerhalb der Währungsunion möglich sind.
      Mit Lohnsteigerungen ist die breite Masse gemeint, die nicht im Exportsektor arbeitet. Diese haben real verloren. Unser “sozialdemokratischer” Exkanzler Schröder rühmt sich ja dafür einen Niedriglohnsektor geschaffen zu haben.

  • sunwalker - 6. März 2012

    Das einzige was vielleicht bei Lohnerhöhungen in Angriff genommen werden sollte, das wäre der Abbau des Billiglohnsektors, was auch die Sozialkassen entlasten könnte, was dann evtl. wieder zu Steuersenkungen führen könnte. Eine Spirale nach oben quasi.
    Doch wird man den Mut haben, das gegen die” herrschenden Kreise ” und Vorurteile durchzusetzen? Oder wird man erst den Druck der Straße brauchen?

  • Jo - 6. März 2012

    Wenn ich mich nicht täusche und man in den obersten Chart das Inflationsziel einrechnet müsste man sehen, dass Frankreich nahezu perfekt die Vorgaben erfüllt hat. Während Deutschland – das gemeinsam festgelegte Ziel – deutlich verfehlt.

  • dank - 6. März 2012

    “…denn ganz klar, dass deutsche Modell von Lohn- und Konsumzurückhaltung und Exporterfolg ist nicht auf die ganze Eurozone übertragbar…”

    Wird aber leider so verkauft, als ob jedes Land das Modell kopieren könnte und alles damit gut wird. Ist es nicht und wird es nicht. Und klein Napoleon lobt das Makel auch immer wieder dafür und würde es am liebsten sofort auch einführen. Derweilen hats der Gasableser durchgewunken.

    & Wehe, wehe den Gewerkschaften, wenn sie dieses Jahr wieder den Schwanz einziehen…
    Schluß mit Lohnverzicht.

  • Frank Bell - 6. März 2012

    1. Von steigenden Löhnen haben die Arbeitslosen nichts!

    2. Diese Zahlen sollten denen, die immer wieder “wir haben unsere Verhältnisse gelebt” wie ein Mantra wiederholen, zu denken geben.

    3. Der BDI steigt, und ab 1. April verdoppeln sich die Preise für Containerfracht (laut Handelsblatt).

    • Roland - 6. März 2012

      ad 3)
      Die Reedereien haben bis zu 10 % ihrer Kapazitäten aus dem Markt genommen, um die Preise zu stabilisieren.
      Das wirkt jetzt erstmal.

  • LukeSkywalker - 6. März 2012

    In DE waechst – mit rueckschlaegen – die Industrieproduktion waehrend der Konsum und Entgelte stagnieren, ueberall sonst isses andersrum.
    Die Schuldenberge des Club med und die zweifelhaften Forderungen der AAA Laender wachsen. Die ungleichgewichte werden in wahrheit immer noch groesser. Alle Rettungspakete verzoegern nur die unausweichlichen Abschreibungen – und verschieben sie von dt. Banken auf dt. Steuerzahler.

    Die einzige Hoffnung ist dass die Suedeuropaer endlich ihre Wachstumbremsen radikal bekaempfen:
    Korruption, Buerokratie, Klientelpolitik, Kleinkriminalitaet, Mafia, Demographie, Infrastruktur, Bildung, schlechte Englishkenntnisse

  • Alsterpirat - 6. März 2012

    Tja, in Frankreich gibt’s eben einen Mindestlohn (aktuell rd. 9 € pro Stunde oder rd. 1.400 € pro Monat), es wird – gemessen am Einkommen – fast doppelt soviel wie in Deutschland für (durchaus feine) Lebensmittel und Essen außer Haus ausgegeben und – mit Blick auf den noch immer anhaltenden Kinderboom – auch weitaus mehr für die Bedarfe des Nachwuchses. Außerdem lässt der sich revolutionäre Franzose auch nicht wort- und klanglos wie der Michel auf der anderen Rheinseite lange und mühsam erkämpfte soziale Errungenschaften wie etwa eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit oder ein Renteneintrittsalter mit 60 bzw. 62 von den verantwortlichen Politikern im Auftrage der globalen Finanzjongleure wegnehmen – da sind die Straßen aber schnell voll und/oder blockiert !! Im Mutterland des “Neuen Europa” gibt es eben nach wie vor neben ‘ner Menge Sinn für savoir vivre eben noch ‘ne entscheidende Portion an herz- und bauchbestimmter Solidarität, Unerschrockenheit und Entschlossenheit, von der sich kopfbestimmte und obrigkeitshörige Gefilde in Europa gerade jetzt mal wieder ‘ne dicke Scheibe abschneiden können…!!

  • der-oekonomiker - 6. März 2012

    Da können wir doch nur froh sein, dass Frankreich immer noch Deutschlands bester Kunde ist. So lange denen nichts besseres als Konsum einfällt: liefern, liefern, liefern. Auswirkungen auf die Leistungsbilanz: Schwamm drüber. Die Milliarden Privatvermögen aus den PIIGS-Staaten, die mittlerweile die deutschen Banken-Türme füllen, müssen ja irgendwo hin. The same procedure…

  • lenin - 6. März 2012

    ist es nicht so, daß wenn die Südländer an Wettbewerbsfähigkeit zulegen, Deutschland relativ gesehen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren muss? Steigen wir dann von der Lokomotive ins Bremserhäuschen auf dem letzten Wagen um? Verringerung des Exportes ist doch der Todesstoß für unser derzeitiges Wirtschaftsmodell. Ausgeglichene Leistungs- und Handelsbilanzen der Anderen heisst für Deutschland Export runter, Import rauf – wie soll das gehen?

  • Freiberufler - 6. März 2012

    Mein persönlicher Eindruck: Die Franzosen konsumieren auf Pump sorglos in den Tag hinein. Der Staat wird’s schon richten und die Finanzmärkte in die Schranken weisen. Krise? Haben die aneren. In den Zeitungen fand die letzten Sommer bestenfalls auf Seite 2 statt und wurde als “griechische Krise” bezeichnet.

  • M.E. - 6. März 2012

    Nun sollte man ja meinen, dass der steigende Konsum dem französichen Staat zu sprudelnden Steuereinnahmen verhilft.
    Schon eigenartig, dass die Neuverschuldungsquote einfach nicht unter 5% absinken will.
    Frankreich könnte innerhalb der nächsten 2 Jahren vor einem bösen Erwachen stehen. Dann auch mit stark einbrechendem Konsum.
    Aber gut – damit wären sie ja dann nicht alleine.

  • Anton - 6. März 2012

    @ Frank Bell

    “Von steigenden Löhnen haben die Arbeitslosen nichts!”

    Wohl wahr.

    Wir brauchen trotzdem Lohnerhöhungen im mehr als beschämendem Niedriglohnsektor.

    Damit JEDER Mensch sich von seiner Vollzeitarbeit eine auch im Winter warme Wohnung, ordentliches Essen, Weiterbildung in Eigeninitiative, nach eigenen Vorstellungen und daher auch auf eigene Kosten (was den derzeit dargebotenen Bildungssektor nur verbessern kann) leisten kann. Plus etwas motivierendes Extra, z. B. die neue, qualitativ höherwertige Waschmaschine, den PC, idR. bildende Reisen, nach Ansparen auch ein Auto – ohne Inanspruchnahme von weiteren bei ihm Schulden erzeugenden Krediten!!!

    Dazu, – endlich!, – angemessene Lohngleichheit für Frauen, besonders in der BRD Finanz GmbH.

    Plus deutliche Arbeitszeitverkürzung für ALLE. Damit die Arbeitenden nicht vorzeitig ausgebrannt werden, während man Millionen, die Arbeiten wollen, vom Arbeitsmarkt ausschließt.

    So erreicht man dann vermutlich auch eine länger mögliche, besser verteilte Lebensarbeitszeit? Wenn nämlich die Resource Mensch nicht von ihrem 20. / 30. Lebensjahr bis 45 max. 50 nur noch kurzfristig denkend “kostenoptimiert” und vorzeitig verschlissen wird. Um danach in eine, für die Allgemeinheit möglichst billige Hoffnungslosigkeit außerhalb der aktiven Bevölkerung entlassen zu werden. Was m. M. einer frühzeitigem Demenz durchaus förderlich sein könnte?

    Plus für Alle auch wieder Chancen, durch EIGENE Leistung statt nur noch durch die Gnade einer familiär entsprechenden Geburt und / oder Beziehungsgeflechte nach oben zu kommen.

    Und schon sähen Arbeitsmarkt und Binnenkonsum “etwas” anders aus -. würde ich ‘mal vermuten.

    • Frank Bell - 6. März 2012

      Hallo Anton, das mit der Lohngleichheit für Frauen gibt es längst. Mir ist nun wirklich keine Frau bekannt, die für die gleiche Arbeit weniger bekommt als ein Mann. Bei TVöD und BAT geht es gar nicht anders, bei Beamten auch nicht, und auch in der freien Wirtschaft ist es so.

      Das Frauen weniger verdienen, liegt eher daran, dass sie überproportional im Einzelhandel arbeiten (Lidl, Aldi, Schlecker, dm) oder in so Berufen wie Friseuse, Blumenverkäuferin usw.

      Den Rest sehe ich auch so. Eine kürzere Arbeitszeit wird nicht kommen, denn die jetzige Mittelschicht wird gegen die Unterschicht ausgespielt. (Angst vor dem Absturz in Arbeitslosigkeit und Hartz IV. Über 50 ist schluss, aus.)

      Und was Vitamin B und Geburt betrifft: Dazu müsste ein Grossteil der Herrschenden und Entscheidungsträger erst einmal weg.

    • Alsterpirat - 6. März 2012

      D’accord – was der citoyen francaise inzwischen mehrheitlich verstanden haben und bei der kommenden Wahl Ende April auch per Stimmzettel ausdrücken dürfte, ist ziemlich deckungsgleich mit einem tiefsitzenden, historisch verankerten Gespür in diesem Land dafür, wann die Grenzen des Erträglichen für den “Durchschnittsbürger” erreicht sind und er/sie sich nicht mehr einer abstrakten, lebensfernen, ja menschenfeindlichen “Ordnung”, die der Bereicherung weniger dienen, unterwirft, sondern diese “Ordnung” einfach ändern wird, und zwar selbst dann, wenn Jahre zuvor ein anderes Paradigma im Vordergrund gestanden haben sollte…

      Und anders als im Falle Griechenland wird es trotz aller perfiden Ausgrenzungsmanöver wohl glücklicherweise keinem Bundeshosenanzug gelingen, das französische Wahlvolk von seinem legitmen Recht, sich auf diesem Wege u.a. Gehör gegen die Übermacht “der Märkte” zu verschaffen, abzuhalten ;-) !

      Während man nach wie vor hierzulande mehrheitlich mit der Schulter zuckt, “den Märkten” eine allmächtige, unabänderliche, geradezu schicksalshafte Steuerungs- und Ordungsfunktion zuschreibt und sämtliche Ansprüche (selbst die an die politische Streitkultur) zurückschraubt, nimmt man jenseits des Rheins diese Herausforderung mit sehr viel Lust und Engagement an und verändert das Ordnungssystem einfach – oder wären etwa hier mit ‘ner sofortigen Einführung einer Finanztransaktionssteuer oder einem 75%igen Spitzensteuersatz größere Wählerschichten zu begeistern…?

      Wie bereits die nackten Konsumzahlen über viele Jahre zeigen, scheinen die Bedürfnisse des Menschen in Frankreich schon immer eine größere Rolle zu spielen als die Bedürfnisse “der Märkte”…- sehr gut so :-) !!

  • Frank Bell - 6. März 2012

    Die Finanztransaktionssteuer wird doch von den Banken auf den Kunden umgelegt werden, von daher sehe ich dieso Steuer eher kritisch.

    Und was den Spitzensteuersatz angeht: Es ist ja nicht nur der niedrige Spitzensteuersatz, der so ärgerlich ist, sondern auch, dass er bereits bei 52.552 beginnt. Gut, es ist eine hübsche Summe, aber die Verhältnismässigkeit ist schon komisch.

  • WillieEsco - 7. März 2012

    Die Niederländer haben sogar eine Mindestrente von 1100€ im Monat und der Michel kriegt nichtmal nen Mindestlohn gebacken.

    Weiter ist das Lohndumping hier in D so fortgeschritten, dass wir selbst Milch nach Frankreich exportieren. Eine Schande aus wirtschaftspolitischer Sicht.

  • Ed Barner - 7. März 2012

    Die die Leiharbeiter von Werkunternehmen die wiederum bei Daimler (im Werk Untertürkheim) arbeiten liegen bei einem Stundenlohn von knapp unter 8€ (7,98). Sie arbeiten dort lt. eigener Aussage nicht für den üblen Stundenlohn, sondern für die Hoffnung dort ggf. mal eine Anstellung zu finden. Der Stundenlohn für die Stammbelegschaft liegt bei knapp über 20€.
    Dazu schüttet Daimler für die Stammbelegschaft dieses Jahr 4.100 Euro Gewinnbeteiligung aus. Ich kritisiere das nicht, aber der Leiharbeiter bekommt eben mal später im Alter seine Grundsicherung, während sich die Stammbelegschaft neben der Rente noch über eine nicht zu verachtende Daimler-Betriebsrente freut.
    Diesen Mechanismus sehen wir global: Den marktwirtschaftlich orientierten Systeme reicht eine kleine, konsumfreudige Minderheit. Das funktioniert jetzt noch, so wie man in Deutschland seit über 10 Jahren die Rentner abzockt ( Rentenzahlbetrag weit, weit unter 1000€ ), aber auch das wird irgendwann nicht mehr funktionieren – nämlich dann, wenn es bei denen nichts mehr zu holen gibt. Bereits jetzt steigen die Zahl für Grundsicherung im Alter sprunghaft.
    Die Ungleichgewichtige die der Export-Weltmeister “produziert” werden auch im Inland zum Desaster führen.

  • Alsterpirat - 7. März 2012

    @ Frank Bell

    Na, Großinvestor, was…;-) ? Einmalig 0,01 bis 0,1 % Finanztransaktionssteuer auf ‘n Anlagevermögen in Höhe von – sagen wir mal – 50.000 €, macht doch immerhin stattliche 5 bis 50 € aus…- also irgend etwas zwischen ‘ner Schachtel Zigis und etwa ‘ner halben Tankfüllung Benzin…;-) Zum Vergleich: viele Fondsgesellschaften verlangen allein Ausgabeaufschläge zwischen 1 und 5 %, viele TERs liegen zusätzlich bei über 1 % p.a….- und das will erstmal “erwirtschaftet” werden…!!

    Zu den Steuersätzen: nahezu alle Staaten mit ‘nem hohen und verlässlichen Steueranteil am BIP, etwa die skandinavischen (40 % +), erfahren derzeit nicht nur einmal mehr, wie sich finanzpolitische Stabilität nicht nur ganz unmittelbar auf die jeweiligen Staatshaushalte und das Wirtschaftswachstum auswirkt, sondern dass es obendrein auch noch möglich ist, nach wie vor weltweit vorbildhafte Sozialsysteme unverändert aufrecht erhalten zu können – schlicht und einfach dadurch, dass der Staat, zusätzlich durch einen parteienübergreifenden Konsens gestützt, seine Grunddaseinsaufgaben (u.a. Kitas, PISA-starke Bildungseinrichtungen, Bibliotheken, Sportstätten etc. pp) voll wahrnehmen kann und damit den gesellschaftlichen Konsens wiederum stützt…

    In jeder Hinsicht lohnt sich daher für uns mehr als ein Blick nach Norden – und mit Bezug auf die aktuelle Schuldenkrise, die sich auch schnell zu ‘ner Währungskrise auswachsen kann, kann ich nur doppelt unterstreichen: bevor Skandinaviens Wirtschafts-, Steuer- und Gesellschaftsmodelle untergegangen sein werden, werden wir hierzulande bereits dreimal untergegangen sein…!!