FTSE Athex Bank mit neuem Tief
Gerade haben die 4 größten griechischen Banken zur Rekapitalisierung 18 Mrd. Euro aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF erhalten, schon markiert der griechische Bankenindex ein neues Tief. Heute ging es erneut an der Athener Aktienbörse um -6,33% zum Vortag für den FTSE Athex Banks abwärts, auf 180,44 Indexpunkte. Ebenfalls heute verwiesen bereits die Daten des griechischen Statistikamtes ELSTAT zu den realen Einzelhandelsumsätzen für März 2012 mit -16,2% zum Vorjahresmonat auf einen ungebremsten Niedergang. Denn im Zuge der wirtschaftlichen Kontraktion sinken nicht nur Einkommen, Konsum, Investition und Wertschöpfung, sondern auch die Kreditausfälle schießen in die Höhe und die Qualität der Schuldner aller Bereiche der Volkswirtschaft sinkt in Richtung Null. Der Niedergang ist allumfassend, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die meisten Wirtschaftssubjekte ihren Verbindlichkeiten überhaupt noch nachkommen können bzw. die Wirtschaft schlussendlich kollabiert.
Solange diese brachiale wirtschaftliche Kontraktion nicht gebremst wird, eine beispiellose Depression, wir auch jedes frische Eigenkapital für die Banken in den Kreditausfällen verdampfen. Weiter bleibt die Bekämpfung der griechischen fundamentalen Probleme, primär eine Strategie von Versagern, die prozyklisch den wirtschaftlichen Abschwung befeuern und gleichzeitig im Bankensystem und für Gläubiger-Bailouts dutzende Milliarden im Vierteljahrestakt verbrennen, ohne einer Lösung der zu Grunde liegenden Probleme auch nur einen Schritt näher zu kommen, im Gegenteil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nimmt weiter ab.
Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie von Januar 1975 bis März 2012 im Chart. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im März 2012 um -0,9% zum Vormonat, auf 71,22 Indexpunkte. Damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie auf dem Niveau von Mitte 1978. Seit dem Allzeithoch was bezeichnenderweise im August 2000 markiert wurde, mit 106,56 Indexpunkten, brach der Industrieproduktionsindex um -33,16% ein.
Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex sank heute um -6,33% auf 180,44 Indexpunkte. Zum letzten Hoch am 06.11.2007 mit 7758,07 Indexpunkten verlor der FTSE ATHEX Banks satte -97,67%.
Die erbärmlichen Aktienkurse der 9 größten griechischen Banken, der prozentuale Einbruch zum Vortag und die Marktkapitalisierung in Euro in der aktuellen Tabelle.
Die größte griechische Bank, die National Bank of Greece S.A., Kürzel ETE hatte aus dem EFSF 6,9 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung erhalten, heute brach die Aktie um -12,93% ein und die Marktkapitalisierung rutschte erstmals unter 1 Mrd. Euro auf nur noch 965,651 Millionen Euro. Gerade zu “köstlich” und Beleg für ein Narrenhaus, die Entwicklung der TT Helenic Postbank, mit dem Kürzel TT, sie war mal Top-Privatisierungskandidat im Zuge des ersten “Griechenland-Rettungspakets”. Die TT Hellenic Postbank ist zu 34% in Staatsbesitz und die Marktkapitalisierung dieser Bank schrumpfte auf jetzt schlappe 34,847 Millionen Euro, im Zuge der gewählten ruinösen Maßnahmen zur angeblichen Wiederherstellung von Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der griechischen Wirtschaft! Eines der vielen Glanzstücke der Low Performer (“Griechen-Retter”), die im Nachhinein die Absurdität der avisierten 50 Mrd. Euro Privatisierungserlöse aus dem ersten Griechenland “Rettungspaket” dokumentiert! Denn ganz klar, wählt man eine Schocktherapie die zu einem starken BIP-Einbruch führt, schmelzen die “Vermögenswerte” wie Schnee in der Sonne und sind unverkäuflich, auf Grund der miesen wirtschaftlichen Aussichten.
Die Marktkapitalisierung der neun größten Banken im FTSE ATHEX Banks in Griechenland liegt bei nur noch 2,555 Mrd. Euro, dies bei Total Assets der griechischen Banken in Höhe von noch 429,390 Mrd. Euro im April 2012. Nicht nur unfähige und korrupte griechische Politiker müssten zur Verantwortung gezogen werden, sondern auch die Strategen die das Maximieren der volkswirtschaftlichen Schäden vor allem zu Lasten der Steuerzahler der anderen Länder der Eurozone zu verantworten haben! Diese sinnentleerte Schocktherapie wird mitnichten zur Wettbewerbsfähigkeit führen, sondern zum kompletten Zahlungsausfall und zum Kollaps der Wirtschaft innerhalb der Eurozone bzw. zum Austritt Griechenlands aus dem Euroraum.
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

paernu - 31. Mai 2012
… man sitzt da, schaut auf den Kursschirm und Steffen´s Analyse und sagt: “Das gibt es doch garnicht, so unglaublich ist das alles.”
…. dann kommt so etwas
http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-ezb-will-blitzrettung-maroder-banken/70044654.html
… dann kommt mal ausnahmsweise eine gute Nachricht für die “Linken” hier im Blog
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:global-wealth-report-vermoegen-der-millionaere-schmilzt-langsam-ab/70044664.html
Der Unterhaltungswert ist besser als im Kino. Ist nur langfristig ein bisschen teuerer.
Freiberufler - 31. Mai 2012
Folker Hellmeyer halluziniert weiter:
“Bei Griechenland wird endlich auch einmal der Erfolg der Strukturreformen thematisiert. Damit standen wir ja bisher sehr alleine. Wir danken der EU-Kommission, diese Einlassungen kommen spät, hoffentlich nicht zu spät. Fakten sprechen aber schußendlich für sich selbst.”
http://www.goldseiten.de/artikel/138978–EZB-dementiert-den-gestrigen-Paukenschlag—der-Schaden-ist-aber-angerichtet-.html
M.E. - 1. Juni 2012
Es sieht ganz so aus, als würde sich an der Null-Linie ein stabiler Boden ausbilden.
Bernd Rickert - 1. Juni 2012
Ständig wird die freie Marktwirtschaft und die freie Entfaltung.ihrer selbstheilenden Kräfte beschwört. Der Zugang zu den freien Märkten ist jedoch beschränkt.
Wenn faule Kredite am Markt im Wert fallen, warum darf der Kreditnehmer seinen Kredit nicht zum Marktpreis zurückkaufen und wird dagegen in die Zwangsvollstreckung geschickt?
dank - 1. Juni 2012
Hallo Bernd Rickert,
“Wenn faule Kredite am Markt im Wert fallen, warum darf der Kreditnehmer seinen Kredit nicht zum Marktpreis zurückkaufen und wird dagegen in die Zwangsvollstreckung geschickt?”
Na, da wird doch nicht jemand das Kreditsystem samt Zinseszinszinszinszins… in Frage stellen…
Gute Frage – “vielleicht”, weil dann der Kreditgeber die Saftpresse nicht weiter nutzen kann?
Grüße&
dank
MFK - 1. Juni 2012
Natürlich darf der Schuldner seine eigenen begebenen Anleihen im Markt zurückkaufen. Dafür braucht man aber Liquidität und man muss es verdeckt machen, sonst steigen die Kurse nämlich wieder. Wir haben das z.B. für polnische Schuldner Ende der 80iger/Anfang der 90iger Jahre gemacht.
Bernd Rickert - 1. Juni 2012
Ich meinte jetzt eher Hypotheken und sonstige Schulden, die Inkassogesellschaften billig angeboten werden.
Bei Hypotheken sollten doch eigentlich die Kreditinstitute Liquidität bereitstellen, da es sich um ein sicheres, unwiderlegbar gutes Geschäft handelt. Bei steigenden Immobilienpreisen wird zusätzlicher Kredit gewährt, bei fallenden Immobilienpreisen ist die Hypothese mindestens den Martwert der Immobilie wert. Es sind ja nicht nur die Bankbilanzen aufgeblasen, sondern auch die Kreditvolumen auf Seite der Kreditnehmer. Diesen wird jedoch keine Entlastung via Umschuldung, sprich Wertberichtigung des Kredites auf Schuldnerseite angeboten, sondern die Zwangsvollstreckung. Die Kreditforderungen bleiben auch nach der Zwangsvollstreckung (Wertberichtigung) bestehen.
Bernd Rickert - 1. Juni 2012
Die Kreditanstalten haben doch die Funktion bei sicheren, guten Geschäften Liquidität zur Verfügung zu stellen. Es sind ja nicht nur die Bankbilanzen aufgeblasen, sondern auch die Kreditvolumen auf der Schuldnerseite. Der vernünftige und marktwirtschliche Ansatz ist doch die Wertberichtigung der Kredite nach aktuellem Marktpreis auf beiden Seiten. Die Wertberichtigung der Immobilie erfolgt über die Zwangsvollstreckung, die Kreditforderung bleibt jedoch erhalten.
Zudem wird das Kreditvolumen bei steigenden Preisen aufgeblasen, bei fallenden Preisen jedoch nur intern bei den Finanzinstituten bereinigt, bzw. abgeschrieben.
MFK - 2. Juni 2012
Das ist in der Tat eine berechtigte Frage mit einer fast schon zwingenden Antwort. Zwingend deshalb, weil die derzeitige Verfahrensweise es eigentlich für alle Beteiligten nur noch schlimmer macht. Warum es dennoch anders gehandhabt wird? Ich weiß es auch nicht. Vielleicht gibt es schlicht zu wenig Personal bei den Banken für eine intelligente Umschuldung?
Bernd Rickert - 1. Juni 2012
Dieses Seiteladen wird immer schlimmer. Manchmal geht ein Eintrag verloren, bzw. ist nach dem Reload nicht sichtbar. Dann versuch ich’s nochmal und Stunden später kommen die ganzen Doppel raus
The EXE - 1. Juni 2012
Schluss ist erst bei 0 und das ist wohl nicht weit weg.
Aber bald kommt das Verbot zum Verkaufen von Aktien und der Zwang nur noch Aktien zu kaufen die unter 2€ Kosten und kurz vor dem aus stehen.
Ich sehe es schon als Innovation der Innovation
Es ist doch nur noch ein Witz was hier von allen Seiten geboten wird.
Michael - 1. Juni 2012
Entweder Griechenland wählt die Anarchisten, oder nicht. Wenn ja gibt es keine Alternative zur Drachme. Jede weitere Milliarde, die dort reinfließt fehlt für die Spanier, Italiener und auch Franzosen. Entweder Troika – Diktat oder Griechenland wird untragbar. Egal, ob der Rest runtergeratet wird, oder nicht. Manchmal sind bittere Entscheidungen nötig. Die Griechenland betreffende ist tatsächlich alternativlos. Schuldner, die sich weigern zu ihren Schulden zu stehen, würden, falls das Schule macht, das gesamte Geldsystem zum Zusammenbruch bringen. Das besteht nämlich ausschließlich darin, dass die Gläubiger den Schuldnern glauben, die Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen. Griechenland hat seinen Investoren einen haircut verpasst. Nicht wie behauptet 50%, sondern 85%. Es sollte also kein Problem sein, 100% abzuschreiben und den Griechen die Drachme und die nationale Katastrophe aufzubürden.
Was ist eine “Währung” wert, in der Staatsanleihen ausfallen können ? Das ist leicht zu beantworten. NICHTS. Der Ausfall von Staatsanleihen ist DER Supergau für das “Geld”.
Querschuss - 1. Juni 2012
Hallo Michael,
“Entweder Troika – Diktat oder Griechenland wird untragbar”. Griechenland ist wohl eher durch die bisherige Strategie der Troika untragbar geworden, seit ihrem Wirken geht es steil abwärts. Selbst die abgeschwächten Austeritätsmaßnahmen für Spanien zeigen fatale Folgen und generieren Potential zu einem Kollaps. Überschuldete Länder ohne Rücksicht auf Beschäftigung und Wachstum mit Sparmaßnahmen sanieren zu wollen ist absurd und führt genau dazu was wir jetzt sehen, explodierende Kreditausfälle, Kapitalflucht, sinkende Vermögenswerte, Vertrauensverlust, Arbeitslosigkeit, Armut usw. In einer Schuldenkrise sind das A und O die Einkommen, diese gilt es zu halten bzw. zu stabilisieren, um die Abwärtsspirale zu verhindern und nicht mit aufoktroyierten Einkommensschrumpfungen zu befeuern.
Gruß Steffen
Michael - 1. Juni 2012
Hallo Steffen, ich denke, das siehst du FALSCH. Das heutige “GELD” beruht nur auf “Vertrauen” und “Glauben”. Sollte das ausfallen, wie bei den “Griechen” wäre es wertlos. Die haben die “Wahl”, Troika oder Drachme. Wir brauchen jeden einzelnen Pfennig, um Spanien und andere zu “retten”. Sozialismus ist in diesem Geldsystem niemals tragbar.
Querschuss - 1. Juni 2012
Hallo Michael,
Vertrauen so wie du es darstellst ist zu abstrakt, denn es ist ganz konkret, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Schuldners seine Schulden zurückzuzahlen und genau die geht verloren, siehst doch wie ein Land nach dem anderen in der Südperipherie in Folge dieser sinnentleerten Strategie in Richtung Griechenland abschmiert, wie hier dokumentiert und vorhergesagt.
So wie ein Privatmann kein Vertrauen in die Rückzahlung eines Kredites von einen gerade arbeitslos gewordenen hat, so haben die Kapitalmärkte keines in Volkswirtschaften die in ihrer Leistungsfähigkeit abschmieren und in diesem Prozeß Stück für Stück an Schuldentragfähigkeit verlieren.
Wenn Spanien mit den selben Mitteln gerettet wird wie Griechenland, wird auch das Ergebnis ähnlich sein und auf nichts anderes deuten alle jüngsten Wirtschaftsdaten und die Daten zum Bankensektor hin. Ich denke du liegst falsch. Mir wollten hier schon vor über zwei Jahren diverse Kommentartoren Geschichten erzählen von richtigen und alternativlosen Maßnahmen für Griechenland, die in eine Wiederherstellung von Wettbewerbsfähigkeit münden, nichts da, die Abwärtsspirale hat sich bis heute ungebrochen weiter gedreht. Bisher gibt mir die Entwicklung mehr als Recht, wer immer noch glaubt die Strategie der Troika der Abwertung nach innen löst die Probleme ist ein Narr, dass Gegenteil ist richtig, sie befeuert den Niedergang. Eine andere Interpretation lassen die Wirtschaftsdaten nicht zu. Sollte sich dies ändern bin ich gerne bereit dieser Strategie zu huldigen, nur ich sehe weniger Grund als vor über zwei Jahren dies zu tun. Ökonomische Entwicklungen lassen sich nicht beliebig interpretieren, dass Ergebnis zählt.
“Sozialismus ist in diesem Geldsystem niemals tragbar.” …Welchen meinst du, den der die Gewinne aus den Kreditexzessen und dem spekulativen Kasino privatisierte und die Verluste daraus sozialisierte? Da bin ich bei dir, nur bin ich mir nicht sicher ob für diesen Charakter des System der Begriff Sozialismus der Richtige ist.
Gruß Steffen