Fusion potentieller Insolvenzmassen

von am 29. August 2011 in Allgemein

Am letzten Freitag berichtete Querschuesse unter “Aufwachen! – FTSE ATHEX Banks mit weiteren -5,22%“, das der griechische Bankensektor de facto bankrott ist und dies der beispiellose Absturz der Bankaktien in Griechenland dokumentiert. Heute suggerieren die Voodoo-Finanzmärkte eine Wende, was ist passiert? Griechische Bankaktien schossen wie Phoenix aus der Asche nach oben, Auslöser war ein alter ausgeprägter Reflex von Anlegern (vor allem Spekulanten), durch eine angekündigte Fusion. Die EFG Eurobank Ergasias S.A. (EUROB) und die Alpha Bank A.E. (ALPHA) und damit die zweit- und drittgrößte griechische Bank, gemessen an der Bilanzsumme, fusionierten zum größten griechischen Finanzinstitut, zur größten Bank Südeuropas und damit zu einer der 25-größten Banken der Eurozone. Angetrieben von dieser Meldung und den negativen Realzinsen nicht nur in Europa, stürmte die renditehungrige Finanzmarktmeute auf griechische Bankaktien (Pennystocks) und trieb die Kurse nach oben.

Die heutigen Aktienkurse der  griechischen 9 größten Banken, der prozentuale Anstieg zum Vortag und die Marktkapitalisierung in Euro in der aktuellen Tabelle.

Die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken im FTSE ATHEX Banks Index stieg heute kräftig auf 8,688 Mrd. Euro, nach 6,730 Mrd. Euro am Freitag. Allerdings beim letzten Hoch am 06.11.2007 betrug die Marktkapitalisierung noch voluminöse 99,83 Mrd. Euro!

Der FTSE ATHEX Banks stürmte heute um +29,12%, im Vergleich zum letzten Handelstag am Freitag nach oben, auf 675,17 Indexpunkte, aber zur Realität gehört auch, dass trotz dieses Anstiegs der griechische Bankenindex immer noch um brachiale -91,3%, zum Hoch am 06.11.2007 mit damals 7758,07 Indexpunkten, eingebrochen ist. Sehr schön dokumentiert dies der Chart des FTSE ATHEX Banks:

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart. Das kleine Aufwärtshäkchen am Ende ist der Anstieg von heute mit +29,12% von 522,89 Indexpunkte am Freitag auf 675,17 Indexpunkte heute. Trotz der kräftigen heutigen Erholung hat der Bankindex seit Ende Juli 2011 immer noch -20,1% verloren, zum Vorjahr -59,43% und zum letzten Hoch am  06.11.2007  mit 7758,07 Indexpunkten satte -91,3%.

Diese Fusion der Alpha Bank und der Eurobank ist ein Witz und mitnichten eine Lösung der griechischen Bankenkrise. Es ist sicher ein Schritt in Richtung too big to fail und damit zu alternativlosen Rettungsmaßnahmen durch die EU und die EZB, aber nicht wie Marktteilnehmer vermuten, zu einem Zugang des griechischen Bankensystems an den Interbankenmarkt. Die Nachrichtenagentur Reuters spekuliert in Bezug auf die Markterwartungen, dass das Zusammengehen von Alpha und Eurobank als Zeichen gilt, dass die Finanzinstitute sich selbst zu helfen wissen und keine Staatshilfen benötigen und das deswegen keine Rettungsfonds für die Banken nötig werden. Das ist natürlich eine sehr optimistische Sicht, nur weil zwei marode Bankbilanzen zu einer zusammengezimmert werden, ist natürlich kein fauler Kredit verschwunden.

Die EFG Eurobank Ergasias S.A. war bereits durch EU-weiten Stresstest gefallen und bringt in die Fusion Assets in Höhe von 81,921 Mrd. Euro ein und die Alpha Bank bringt Aktiva von 63,444 Mrd. Euro ein, dies sind zusammen Aktiva in Höhe 145,365 Mrd. Euro. Die Eurobank hat unter ihren “Vermögenswerten” ein Kreditportfolio von 52,7 Mrd. Euro, darunter Konsumentenkredite (7,5 Mrd. Euro), Hypotheken (13,8 Mrd. Euro), kleine Businesskunden (8,2 Mrd. Euro) und Kredite an mittlere und große Unternehmen (23,3 Mrd. Euro). Neben dem Kreditportfolio an Private und Unternehmen von 52,7 Mrd. Euro dürften sich unter der Aktiva-Position Investment Securities griechische Staatsanleihen in Höhe von 15,793 Mrd. Euro befinden. Von dem Staatsanleihenportfolio wurden im 1. Halbjahr 2011 -830 Millionen Euro abgeschrieben, was wesentlich zum Verlust im 1. Halbjahr von -581 Millionen Euro beitrug. Bezeichnend ist auch, die Eurobank hatte im 1. Halbjahr einen Abzug von Spareinlagen von kräftigen -8,6 Mrd. Euro, auf nur noch 34,9 Mrd. Euro zu verzeichnen.

Auch die Alpha Bank hatte im 1. Halbjahr 2011 -6,173 Mrd. Euro Schwund bei den Spareinlagen zu verzeichnen, die Deposits sanken auf 33,484 Mrd. Euro. Unter den “Vermögenswerten” befanden sich Kredite an Private und Unternehmen in Höhe von 47,963 Mrd. Euro und Securities (griechische Staatsanleihen) in Höhe von 8,089 Mrd. Euro. Im 1. Halbjahr 2011 schrieb die Alpha Bank -538,6 Millionen Euro aus dem griechischen Staatsanleihenportfolio ab, dies trug wesentlich zum Verlust von -524,6 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2011 bei.

Die Alpha Bank selbst, gibt im Geschäftsbericht für Ende Juni 2011, den Anteil an Non Performance Loans im Kreditportfolio an Private und Unternehmen, also notleidende Kredite die sich bereits mit Zahlungen im Verzug befinden, mit 10,3% an. Bei der Eurobank betrug der Anteil der Non Performance Loans 10,1%.

Passend zur Fusion der maroden griechischen Banken die offiziellen Statements der Systembewahrer, so z.B. vom griechische Finanzminister: “Diese Initiative zeigt, dass die heutige Krise eine Chance für strukturelle Veränderungen bieten kann, die den Finanzsektor und die Realwirtschaft stützen.”  

Aus der Fusion soll laut der beiden beteiligten Banken nicht nur ein Netz von 1’300 Filialen entstehen, sondern in den nächsten 3 Jahren sollen vor Steuern Synergien in Höhe von 650 Millionen Euro pro Jahr realisiert werden. Allerdings erwartet man bereits weitere dann fusionierte -1,2 Mrd. Euro Verluste aus dem geplanten Tausch von griechischen Staatsanleihen im Rahmen des zweiten Hilfspakets für Griechenland. Bis Ende 2012 soll das Eigenkapital um 3,9 Mrd. Euro aufgestockt werden, dabei wird die Katar Investment Authority (QIA), die bereits 5% an der Alpha Bank hält eine entscheidende Rolle spielen, denn sie wird den Anteil an der fusionierten Bank auf  17% aufstocken, dies entspricht 1,25 Mrd. Euro an neuem Kapital.  

Somit geht das Endspiel in Griechenland in eine kleine Verlängerung, ohne das sich fundamental wirklich etwas zum Besseren gewendet hat, sieht man mal davon ab, das Katar etwas Kapital opfert um weitere Verluste zu puffern. Bei einer ehrlichen Bilanzierung, ohne die künstlich geschaffenen Möglichkeiten zur Refinanzierung und dem Abladen von faulen Krediten bei der EZB, wäre das griechische Bankensystem längst insolvent. Eine Wirtschaftsform welche sich nicht mehr dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlt bzw. dieses mit dem Wohl des Finanzkapitals gleichsetzt, generiert keine Nachhaltigkeit sondern maximal Zeitgewinn unter in Kaufnahme immer größeren Kollateralschäden und genau dies kann man sehr anschaulich in Griechenland beobachten.

Im Zuge der Fusion der potentiellen griechischen Pleitegeier zogen europaweit die Bankentitel an, auch der Euro Stoxx Banks beendete erst mal seine Negativserie und konnte um +3,17% ansteigen, kaum erkennbar im Langfristchart:

Die Entwicklung des europäischen Bankenindex, Euro Stoxx Banks seit Januar 1990 im Dailychart. Heute stieg der Bankenindex Europas um +3,17% zum Vortag, auf 111,70 Indexpunkte. Der Euro Stoxx Banks spiegelt die größten 32 europäischen Banken gemäß Marktkapitalisierung wider und die enthaltenen Banken sind nach der Marktkapitalisierung vom 31.12.1991 gewichtet. Seit Ende Juli 2011 hat der Euro Stoxx Banks immer noch -22,07% verloren, zum Vorjahr -37,99% und zum Hoch am  18.05.2007 mit 491,23 Indexpunkten satte -77,26%.

Von der Bankenfusion ließ sich selbst einmal der griechische Aktienleitindex mitreißen, der ebenfalls eine beispiellose Talfahrt hinter sich hat:

Die Entwicklung des griechischen Aktienleitindex seit Januar 1987 im Dailychart. Heute ging es um +14,7% aufwärts auf 1006,59 Indexpunkte, kaum sichtbar im Langfristchart. Zum Hoch am 17.09.1999 mit einem Indexstand von 6355,04 brach der ATHEX Composite immer noch um -84,16% ein. Die Marktkapitalisierung aller im Leitindex gelisteten 42 größten griechischen Unternehmen stieg auf 31,220 Mrd. Euro. Zum Hoch am 17.09.1999 betrug sie 197,105 Mrd. Euro.

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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