Gefahr im Verzug!
Die Rohstoffhausse nimmt bedrohliche Ausmaße an und sollte sie anhalten, dürfte sie das Weltwirtschaftswachstum im Verlauf des Jahres 2011 abwürgen. Neben der Nachfrage, gestiegenen geopolitischen Risiken (Libyen, Nordafrika), geht sie zu einem guten Teil auch auf eine anhaltende Geldentwertung. Das Edelmetall Silber, ein Rohstoff der eine relevante industrielle Nachfrage hat und gleichzeitig eine gewisse Geldfunktion aus seiner Historie betrachtet aufweist erklimmt fast täglich neue Hochs.
Der Silber Spot Preis je Feinunze in Dollar seit Januar 1985 im Chart. Heute Morgen erklimmt Silber mit 36,50 Dollar je Feinunze ein neues Hoch und notiert auf dem höchsten Stand seit 31 Jahren.
Der Preisanstieg zieht sich durch alle Rohstoffklassen, so auch durch die Agrarrohstoffe, hierbei ragt die Baumwolle hervor:
Die Entwicklung des Baumwolle Future in US-Cent. Der ICE-Future (Endloskontrakt) seit Januar 1960 im Chart. Heute Morgen markiert der Baumwolle Future mit 219,70 Cent je Pfund Baumwolle (0,45 kg) ein neues Allzeithoch. Kann eine solche Preisexplosion in einem so kurzen Zeitfenster ausschließlich ein Resultat von Angebot und Nachfrage sein?
Auch das Master Domino Öl notiert weiter im sehr kritischen Bereich für eine weitere positive Entwicklung der Weltwirtschaft, hier sicher auch zu einem guten Teil der Situation in Nordafrika geschuldet:
Der Brent Oil Future im Chart seit Januar 1985. Heute Morgen liegt der Future bei 117,28 Dollar je Barrel.
Die Preisexplosion bei Rohstoffen auf breiter Front:
Der CRB Spot Index mit den Monatsdaten seit Januar 1948 bestehend aus 22 Rohstoffen, wie Kupfer, Blei, Stahl, Zinn, Zink, Jute, Baumwolle, bedruckte Stoffe, Wolloberseite, Kolophonium, Häute, Schweine, Schmalz, Rinder, Talg, Butter, Sojaöl, Gummi, Kakao, Mais, Weizen (Kansas City), Weizen (Minneapolis) und Zucker. Zuletzt am Freitag, schloss der CRB Spot Index auf einem neuen Allzeithoch mit 572,98 Punkten und der Abstand zum alten Preishoch aus 2008 vergrößert sich zügig!
Besonders gravierend die Entwicklung bei den Agrarrohstoffen, sie treibt Millionen Menschen in den unterentwickelten Ländern in den Hunger und Millionen in den entwickelten Ländern an die Armutsschwelle. Der CRB Foodstuff Subindex bestehend aus Mais, Weizen (Kansas City), Weizen (Minneapolis), Zucker, Sojabohnenöl, Butter, Schmalz, Schweinen und Rindern. Am Freitag schloss der Index mit 504,77 Punkten auf einem neuen Allzeithoch! Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der CRB Foodstuff Subindex um +46,62%. Zum letzten Hoch am 08. Juni 2008 stieg der Foodstuff Subindex um +14,2%. Um +181,4% liegen im März 2011 die Preise im CRB Foodstuff Subindex über dem langfristigen Durchschnitt von 1948 bis 2007!
Die Entwicklung des nominalen monatlichen FAO Food Price Index seit Januar 1990 im Chart. Im Februar 2011 ging es um +2,2% zum Vormonat aufwärts und um +34,2% zum Vorjahresmonat! Die Food and Agriculture Organization of the United Nations ermittelt den FAO Food Price Index aus 5 Sub-Indizes (für Getreide, Pflanzenöle und -fette, Milchprodukte, Zucker und Fleisch), welche insgesamt 55 einzelne Nahrungsmittel abbilden.
Die durchaus verbreiteten Versuche, auch einiger Blogger, solche für die gesamte Stabilität der Welt gefährliche Preisentwicklungen nicht auch der Geldpolitik der Notenbanken zuzuschreiben sind schwer nachvollziehbar, da sie ganz offensichtliche Zusammenhänge ignorieren. Angesichts der Rohstoffhausse und dem aggressiven Anstieg in bestimmten weiteren Assetklassen, sind die Leitzinsen von 0-0,25% in den USA, von 0-0,1% in Japan, von 0,25% in der Schweiz und von 0,5% in Großbritannien unverantwortlich und Treibsätze für weitere auch spekulativ getriebene Preisanstiege. Denn niedrige oder gar negative Realzinsen stehen eindeutig für eine expansiv ausgerichtete Geldpolitik, in deren Folge auch die Risikoaversion des spekulativen Kapitals sinkt und es nach renditeträchtiger Anlage drängt.
Für die Definition von Realzinsen gibt es verschiedene Ansätze, so können die Realzinsätze aus dem Leitzins z.B. der US-Notenbank abgezogen vom Anstieg der Verbraucherpreise (CPI) hergeleitet werden oder von den Renditen der T-Bills mit 3-monatiger Laufzeit (kurzfristige amerikanische Staatsanleihen, klassische Geldmarktpapiere) - dem CPI oder auch von den Renditen auf 10-jährige US-Staatsanleihen – dem CPI. Je nachdem welche Methode man verwendet kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Wenn man allerdings die sonst bei den Amerikanern statistisch beliebte, auf das Jahr hochgerechnete (annualisierte) Rate des CPI nimmt, ist der Fall mit einem CPI von -4,8% im Januar ganz klar. Seriöser Weise wird hier jetzt der CPI im Vergleich zum Vorjahresmonat herangezogen. In den USA betrug im Januar 2011 der Leitzins (Effektive Federal Funds Rate) 0,17%, abzüglich eines Consumer Price Index von 1,6%, ergibt sich eine negative Realverzinsung von -1,43%. In Großbritannien betrug im Januar 2011 der negative Realzins sogar -3,5% (Leitzins 0,5% – CPI zum Vorjahresmonat von 4%). In der Eurozone betrug der negative Realzins -1,4% im Februar 2011 (Leitzins 1% – VPI 2,4%).
Die Entwicklung der US-Realzinsen seit Januar 1980, gemessen an den Renditen für 3-monatigen T-Bills abzüglich der Steigerung des CPIs zum Vorjahresmonat, wohlbemerkt des offiziellen und relevant geschönten CPIs! Es besteht generell eine hohe Korrelation zwischen Leitzins, Renditen für US-Staatsanleihen (vor allem bei Kurzläufern) und Hypothekenzinsen.
Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank war in Folge der geplatzten DotCom-Blase und des 11.September bestimmend für niedrige Marktzinsen und damit Voraussetzung für die gigantische Fehlallokation von Kapital am Immobilienmarkt (Immobilienblase). Die Realzinsen weisen auch eine sehr deutliche Korrelation zum Gold auf. Seit dem Verlassen des Goldfensters durch Präsident Nixon, führten negative Realzinsen bis 1980 zu einer Explosion des Goldpreises, während Notenbankchef Volcker dem “Spuk” ein hartes Ende bereitete, mit kräftig positiven Realzinsen. Eindeutig auch der Verlauf beim CRB-Index und beim Rohöl, die Preisspitzen Mitte 2008 fielen zusammen mit dem “Hoch” bei den negativen Realzinsen, die Korrektur der Preise in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise mit positiven Realzinsen und das erneute Emporklimmen, mit der unverantwortlichen Geldpolitik von historisch niedrigen Zinsen und Quantitative Easing I und II (Aufkauf von Vermögenswerten durch die Notenbank) im Zuge der “Rettung” des Banken- und Finanzsystem, in Hinblick auf die Preissteigerungen bei Rohstoffen. Per Saldo sind aktuell die Risiken, welche die Geldpolitik generiert höher zu gewichten als der Nutzen. Statt nachhaltiger realwirtschaftlicher Nachfragestimuli dürfte die aktuelle Geldpolitik zu einem Nachfrageschock durch Realeinkommensverluste auf Grund der gestiegenen Preise führen.
In diesem gesamten Kontext spielt natürlich auch die “Überschussliquidität” eine Rolle, die durch die fixen Bandbreiten bei den Wechselkursen einiger Schwellenländer, insbesondere durch China entstand. Denn die Schwellenländer importieren dadurch de facto einen Teil der lockeren Geldpolitik der westlichen Notenbanken. Auch die Ungleichgewichte im Welthandel führen auf der einen Seite zu enormen Überschüssen die nach Anlage suchen und zu einem enormen Kreditbedarf der Defizitländer zur Finanzierung ihres Defizits. In einer globalisierten Welt sind leider auch die Ursachen für Fehlentwicklungen vielseitig und extrem komplex.
Nicht zu vernachlässigen dürfte auch das grassierende Moral Hazard-Problem sein, denn die Verursacher der Krise sind die Gewinner, welche mit aggressiven Spekulationen in allen Anlageklassen immense Gewinne einfahren. Nicht zufällig fällt die lockere Geldpolitik z.B. zusammen mit einem kräftigen Anstieg beim verwalteten Volumen von Hedgefonds Ende 2010, in Höhe von 2,47 Billionen Dollar, nach Angaben des Researchspezialisten HedgeFund.net. Dazu passte auch die Meldung, das die 10 größten Hedgefonds im 2. Halbjahr 2010 gewaltige 28 Mrd. Dollar Gewinn einfuhren.
Hedgefonds tummeln sich wie auch viele Indexfonds auf den Terminmärkten und treiben dort mit einem kräftigen Hebel auf ihren Einsatz Preise diverser Anlageklassen, darunter auch Agrarrohstoffe. Ein klassisches Horten von Agrarrohstoffen um die Preise anzutreiben ist heute nicht zwingend nötig, diese Funktion übernimmt der Terminmarkt, der den Handel als reines “Geld”-Geschäft attraktiv macht. Die Funktion von Terminkontrakten als Absicherung für Produzenten ist deutlich in den Hintergrund getreten. Indexfonds sind fast dauerhaft auf der Long-Seite und rollen ihre Positionen in die nächsten Kontrakte. Der Terminmarkt löst eine Arbitrage zum Spotmarkt aus und zusammen mit einer stetig steigenden Nachfrage durch den weltweiten Bevölkerungswachstum, schlechteren Ernten durch Wetterunbilden und dem Biosprit-Wahn, der in direkter Konkurrenz zu den Ackerflächen für Nahrungsmitteln steht, ist dies der Stoff der sich gegenseitig verstärkenden Faktoren einer gefährlichen Hausse!
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Quellen Daten: Crbtrader.com/crbdata, Eoddata.com
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