Geldpolitik und Vermögensverteilung

von am 15. Oktober 2015 in Allgemein

Historisch niedrige Zinsen und die lockere Geldpolitik (Quantitative Easing) kurbeln primär den Wealth Effect (Vermögenseffekt) an und genau dies ist von den Zentralbanken auch beabsichtigt. Auch wenn die Aktienmärkte aktuell etwas schwächeln, die Steigerung der Vermögenswerte, über Immobilien, Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte seit der Wirtschafts- und Finanzkrise entwickelte sich im Gleichklang zur lockeren Geldpolitik. Über steigende Vermögenswerte wurde in der Rückkopplung auch ein positiver Effekt auf die Realwirtschaft, via Nachfrage und Konsum erzielt. Allerdings einer der in keiner Relation zum geldpolitischen Einsatz steht und einer der die unfassbare Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung befeuert. Dies machen die aktualisierten Datenauswertungen zur Vermögensverteilung in den USA des Berkeley-Ökonomen Emmanuel Saez mehr als deutlich. In den USA besitzen nun die obersten 0,1% der privaten Haushalte soviel wie die “untersten” 90% der Bevölkerung.

Die Null-Zins-Politik und eine Flutung des Bankensystems mit Zentralbankgeld sowie der Aufkauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken haben in den letzten Jahren die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung maximiert. Die Geldpolitik dient primär einer Oligarchie, einer deren vorderstes Interesse ist – Vermögen zu akkumulieren – immer mehr, in immer weniger Händen, koste es was es wolle, egal zu welchen politischen, sozialen und gesellschaftlichen Preis.

S187Die Entwicklung des Anteils am Gesamtvermögen der “untersten” 90% der privaten Haushalte in den USA (blau) und der obersten 0,1% der privaten Haushalte (rot) seit 1917 im Chart. Am äußeren Rand, im Jahr 2012 (aktualisierte Daten aus  August 2015, die Daten sind immer auf Grund der Breite der auszuwertenden Daten nachlaufend), besitzen die obersten 0,1% nun 22,0% des Gesamtvermögens und die untersten 90% der privaten Haushalte 22,8%. Der Trend ist deutlich, die Vermutung liegt nahe, dass 2015 die obersten 0,1% die untersten 90% der privaten Haushalte überholt haben.

Die Top 10% der privaten Haushalte akkumulieren 77,2% des Vermögens, die obersten 5% noch satte 64,6% und das oberste 1% “ordentliche” 41,8%. Was für ein krankes System, abseits einer Demokratie, eine Oligarchie – …noch im demokratischen Mäntelchen.

Auf die obersten 10% der privaten Haushalte fallen 96,7% aller Kapitalerträge, darunter Veräußerungsgewinne, bei den obersten 0,1% sind es 42,3%, aber bei den untersten 90% nur 3,3%! Die obersten 0,1% konnten seit Anfang der 80er ihren Anteil um das 2,7-fache steigern, der Anteil der untersten 90% hat sich gefünftelt! Klarer kann man kaum zeigen, wem der Finanzkapitalismus des 21. Jahrhundert dient.

In die selbe Kerbe schlägt der aktuelle Global Wealth Report der Credit Suisse, 0,7% der Weltbevölkerung (34 Millionen) besitzen 45,2% des Geld- und Sachvermögens der Welt, die “untersten” 71% (7,4 Mrd. Menschen) nur 3,3%:

S188Die weltweite Vermögenspyramide laut dem Gobal Wealth Report 2015 der Credit Suisse.

Um die Vermögensblase weniger am Leben zu halten und auszuweiten muss zwingend mehr Kredit ins System. Denn zumindest dem Geldvermögen stehen adäquate Geldschulden entgegen und da die obersten Prozent der Haushalte hohe Sparraten haben, muss Kredit her, welcher sich auch in seiner Dynamik, vom Wirtschaftswachstum entkoppelt:

S189Die Entwicklung des nominalen BIPs (blau) und der Summe aller Kredite und Schuldverschreibungen (rot) in den USA. Zuletzt in Q2 2015 standen 17,914 Billionen Dollar, saisonbereinigt auf das Jahr hochgerechnet, an nominalen BIP, einer Schuldenlast von 62,149 Mrd. Dollar gegenüber. Zum Vorjahresquartal mussten 2,06 Dollar neue Schulden eingesetzt werden um 1 Dollar Wachstum zu generieren.

Wann auch immer der Zenit dieser aberwitzigen Fehlentwicklungen einsetzt, bis dahin muss zwingend immer mehr Kredit ins System und die Oligarchen dieser Welt werden bis dahin immer mehr Vermögen akkumulieren!

Quellen: Eml.berkeley.edu/Saez/Zucman 2015 Excel-ZIP DateiPublications.credit-suisse.com/Global Wealth
Report 2015
Research.stlouisfed.org/Economic Research Federal Reserve Bank of St. Louis/ Datenbank Fred2/

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

 

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5 KommentareKommentieren

  • M.E. - 15. Oktober 2015

    Da passt ja diese heutige Meldung:

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-hat-die-meisten-Milliardaere-article16144741.html

    • Querschuss - 15. Oktober 2015

      Hallo M.E.,
      wie ich schon seit Jahren schreibe, Kapitalismus ist Kredit, die ganze Dynamik des Systems beruht auf Kredit, die Kreditexpansion bestimmt das Wachstum, ohne aggregiertes Nettokreditwachstum gibt es kein Wirtschaftswachstum. Der Volkswirtschaft mit der größten Kreditausweitung, häuft auch einen immensen Vermögenszuwachs an und überflügelt andere. Solange große Teile der Kredite in Investitionen fließen erscheint die Nummer sogar lange Zeit “nachhaltig”. Erst wenn der Finanzkredit überhand nimmt wird es kritisch und/oder alle volkswirtschaftlichen Sektoren überschuldet sind.

      Gruß Steffen

  • Holly01 - 17. Oktober 2015

    Es ist nur logisch, dass das Geld aus der Notenbank nicht in der realen Wirtschaft ankommt. Es ist eine Geldmengenkrise und die Wirtschaft ist “gesättigt”.
    Geschäfte mit Geld aus Geld bringen mehr Rendite, als jedes Geschäft mit realen Menschen oder realen Gütern.
    Da spielt das Kapital doch lieber gleich mit sich selbst …

    Ich bin gespannt, wann der erste Notenbanker ganz offiziell gelyncht wird, weil er/sie verkündet hat, man muss nun anfangen endlich die Geldmengen radikal zu verkürzen.
    Die sollten endlich die Schuldner aus den Verträgen raus lassen und die Kosten auf die Geldschöpfungskosten reduzieren.
    Was bleibt sind solvente Kunden und Zinsverluste. Keiner muss ruiniert werden und keiner stirbt den langsamen Tod der Abschreibungsverluste.
    Geld ist ein Mittel zum Zweck und wenn es zu viel davon gibt und es zudem falsch verteilt ist, dann muss man gigantische Mengen vernichten.

    Statt TTIP sollte die UN ein weltweites Abkommen schliessen, das alle Vertäge auf eine Laufzeit 6 Monate verkürzt.
    Ja dann müsste man pachten neu aushandeln. Aber nach 6 Monaten wäre der Derivatespuk vorbei und das große Netting würde am Ende zeigen, das alle Pleite sind.
    Dann fängt man noch mal alle Nominalverluste mit Geldschöpfung auf und schreibt das auf das göttliche Konto ab.
    Selbst die 0,01% müssen doch so langsam kapieren, das ihnen immer noch alle Güter, Politiker und Länder gehören, es wäre nur Geldvolumen weg.
    Dann kann man mit Kredit auch wieder wirtschaften, weil de Zinslast gebrochen wäre und ein Gewinn pro geschöpfte Geldeinheit überhaupt erst wieder möglich würde.
    Sooo schwer ist das doch nun wirklich nicht zu kapieren ….

  • bilbo - 30. Oktober 2015

    @steffen….Kapitalismus ist Kredit….das stimmt so nicht….
    In aller erster Linie ist Kaptialismus, die Macht sich das Recht ,die Kontrolle und die Politik zu kaufen. Das ist Kapitalismus. Der Kredit ist nur ein Mittel zum Zweck!

    Stellen sie sich folgende Fragen:

    Wie kommt es das 0,1 % einer Bevölkerung 90% dessen besitzen wie die restlichen 99,9%?

    Und geht das von heute auf Morgen? Was hat die Geschichte damit zu tun?

    Was machen reiche Familien und Clans seit Jahrunderten mit ihrem Geld?

    Wer kontrolliert das Bankenwesen? Und wer profitiert, wirklich davon?

    Warum ist das römische Reich untergegangen? Und was hat davon überlebt…bis heute?

    Und welche Funktionen haben “Kommunismus,Sozialismus”, Religion,Kapitalismus in den Bevölkerungen….

    Und schlußendlich fragen sie sich was Prostitution ist…..dann erkennen sie das wahre Wesen….

    • Querschuss - 30. Oktober 2015

      na dann vielleicht besser so formuliert, der Kredit ist die Triebkraft der wirtschaftlichen Entwicklung, der unvergleichbaren dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung, die es so nur im kapitalistischen System gibt. Kommt der Kredit zum Erliegen kommt auch die wirtschaftliche Dynamik zum Erliegen, enstehen u.a. keine neuen Geldschulden können andere kein zusätzliches Geldvermögen anhäufen, …Kredit ist nur Mittel zum Zweck, unterschätzt die Bedeutung des Kredits, ohne den Kredit gäbe es weder das stürmische Wachstum der letzten Jahrzehnte, noch die wahnwitzige ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung, Ungleichheit schon, aber eben nicht in diesem Ausmaß und keine solche Akkumulation von Kapital in wenigen Händen.

      Gruß Steffen