Gewerbliche US-Immobilienpreise mit -49% zum Allzeithoch

von am 22. Juni 2011 in Allgemein

Die Ratingagentur Moody’s berichtete heute für den Monat April die Daten zu den gewerblichen Immobilienpreisen in den USA. Der Moody’s/REAL All Property Type Aggregate Index (CPPI), ein Preisindex, fiel im April 2011 um -3,7% zum Vormonat und um -13,0% zum Vorjahresmonat und damit auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Dezember 2000!

Die Entwicklung des CPPI seit Dezember 2000. Im Vergleich zum Hoch im Oktober 2007 brachen die Preise bis April 2011 für gewerbliche Immobilien um kräftige -49%, auf 97,9 Indexpunkte ein! Damit ist erstmals die gesamte Preisblase seit Beginn der Datenreihe eliminiert! Der Moody’s/REAL All Property Type Aggregate Index (CPPI) wird an Hand der nominalen Preise bei den tatsächlichen Gewerbeimmobilien-Transaktionen ermittelt.

Nahezu 50% aller gewerblichen Hypotheken stehen mittlerweile unter Wasser, dies bedeutet der Wert der gewerblichen Immobilie liegt unter dem Wert der noch ausstehenden Hypothek und der zunehmende Preisverfall erhöht weiter den Druck.

Die Entwicklung des ausstehenden Hypothekenvolumens seit Q1 1990 im Chart. In Q1 2011 betrug das ausstehende Hypothekenvolumen 2,2946 Billionen Dollar. Seit Q4 2000 stieg das Kreditvolumen gewerblicher Immobilien bis Q1 2011  um +1,135 Billionen Dollar und nahezu diese Kreditvolumen steht “unter Wasser”, da die getätigten Käufe in diesem Zeitraum zu viel höheren Immobilienpreisen stattfanden.

Auch wenn nur die nominale Preisentwicklung gewerblicher Immobilien in Dollar relevant ist, um einzuschätzen wie hoch die Anzahl der gefährdeten gewerblichen Hypothekenkredite im System ist, noch ein Blick, welches Desaster der gewerbliche US-Immobilienmarkt für Investoren darstellt, wenn man die Entwicklung des Moody’s/REAL All Property Type Aggregate Index im Verhältnis zur Entwicklung der Preise für eine Feinunze Gold in Dollar betrachtet:

Die Entwicklung des Moody’s/REAL All Property Type Aggregate Index im Verhältnis zu Gold seit Dezember 2000 (Dez. 2000 = 100) bis April 2011. In Gold gemessen haben die gewerblichen Immobilien seit Dezember 2000 gewaltige -83% an Wert verloren. Gemessen in Gold fand sogar nie ein relevanter Preisanstieg bei den gewerblichen Immobilien statt!

Die Entwicklung am gewerblichen Immobilienmarkt dokumentiert auch deutlich das Versagen der US-Notenbank. Trotz der immensen Liquiditätsflutung der FED gelang es nicht die Lage an den relevanten Problemfeldern der US-Wirtschaft signifikant zu verbessern. Zwar hat man das Finanz- und Bankensystem vorrübergehend stabilisiert, aber in Hinblick auf die zu Grunde liegenden Ursachen der Finanzkrise sind die Geldspritzen der FED verpufft. Weder haben sich die immobilienmärkte erholt, noch sind die Berge an faulen Krediten aus dem System verschwunden. Auch die diversen Strukturprobleme der US-Wirtschaft blieben ungelöst. Es gelang nicht das Leistungsbilanzdefizit abzubauen und im Gegenzug die industrielle Wertschöpfung anzukurbeln. Die positiven Effekte der lockeren Geldpolitik auf die Realwirtschaft und vor allem auf neue Jobs und den Einkommen waren marginal. In einem Anflug von Hilflosigkeit bekannte Voodoo-Ökonom Bernanke gestern: “Wir haben keine präzise Erkenntnis, warum diese niedrigere Wachstumsrate so beharrlich ist.”

Die FED korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2011 nach unten, auf +2,7% bis +2,9%, nach zuvor +3,1% bis 3,3%. Zu Jahresanfang betrug die Prognose der FED noch +3,4% bis 3,9%. Auch die aktuelle Prognose dürfte viel zu optimistisch sein, denn bereits in Q1 war man deutlich unter Plan und aktuell verdüstern sich etliche US-Wirtschaftsdaten, die eher auf ein kräftigeres Schwinden der Wachstumskräfte hindeuten.

Eine isolierte lockere Geldpolitik, ohne eine Ankurbelung der Wertschöpfung und von Jobs und Einkommen, dem Lösen der diversen Strukturprobleme der Wirtschaft und ohne eine kräftige Korrektur bei der Einkommens- und Vermögensverteilung, führt zu nichts, trägt aber weiter dazu bei, die Verluste aus dem Finanzmarkt-Casino zu sozialisieren und durch die innewohnende Moral Hazard Komponente, dringend notwendige Bereinigungen von Fehlentwicklungen im System zu verhindern. Das angekündigte Auslaufen von Quantitative Easing 2 und damit erst mal kein weiterer Stoff (QE3) für den Junkie, dürfte das Schwinden der Wachstumskräfte weiter beschleunigen und auch die bisherigen boomenden Anlageklassen, da liquiditätsgetrieben, wie Aktienmärkte und Rohstoffe dürften unter Druck geraten.

Quelle: Bloomberg.com/u-s commercial property index falls to record on distressed properties, Federalreserve.gov/PDF: Z1 Release (Commercial Mortgage)

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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