GIIPS: Staatsausgaben nominal und real

von am 13. Februar 2015 in Allgemein

Im Zuge des Regierungswechsels in Griechenland und des neuerlichen “in den Fokus Rückens” des Landes in die öffentliche Debatte in Deutschland und Europa klingt ja nun auch gerne wieder die alte Parole an, “die Griechen” hätten halt einfach immer noch nicht fleißig genug gespart und deswegen sei das Land nach wie vor ein Sanierungsfall. Direkte Vergleiche wie gut es doch im tapfer sparenden und reformierenden Spanien und Portugal laufe, klingen diesmal zwar nicht mehr offen durch, doch hat man dies in der Vergangenheit nicht allzu selten gehört (u.a. von Otmar Issing). Nichtsdestotrotz wird in den gängigen Medien immer wieder das Bild transportiert Griechenland sei ganz besonders reform- und sparunwillig. Hierzu mal drei Charts zur Entwicklung der Staatsausgaben in den Krisenländern – Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien (GIIPS) – im Vergleich zu Deutschland und der Eurozone als Ganzes:

index_staatsausgaben_nominal

index_staatsausgaben_real_hcpi

index_staatsausgaben_real_bip-deflator

Man sieht: “Die Griechen” (im Sinne von: der griechische Staat) unternehmen mit die stärksten Sparversuche überhaupt. Nominal lagen die Ausgaben des Gesamtstaates in Griechenland im Jahr 2013 -14,6% unter dem Niveau von 2009; Euroland ingesamt: +4,6%; Deutschland: +6,7%. In keinem anderen Land, auch nicht im “Musterschüler” Irland sind die Ausgaben der öffentlichen Hand so drastisch zurückgegangen. Bei den um den Index der Verbraucherpreise (HCPI – Harmonized Consumer Price Index) bereinigten realen Ausgaben beträgt der Rückgang sogar -21,0%; Euroland: -3,6%, Deutschland: -0,8%. Lediglich, wenn man den Deflator des Bruttoinlandsproduktes zur Preisbereinigung heranzieht, landet Griechenland auf Platz 2 der “Sparer-Hitliste” mit -11,6% gegenüber 2009; hier hat Irland mit -13,6% die Nase vorne; Euroland: -0,5%; Deutschland: +1,5%.

Jedwede Behauptung, es liefe in Griechenland deshalb schlechter als in anderen Krisenländern – eine These, die ohnehin sehr heroisch ist, wie hier im Blog an anderer Stelle zu genüge gezeigt, aber sei das mal dahingestellt – weil die Staatsausgaben nicht eifrig genug gekürzt worden seien, entbehrt schlichtweg jeder empirischen Grundlage. Man sieht in den Charts auch sehr eindeutig, dass die Ausgaben der öffentlichen Hand in Griechenland vor der Krise keineswegs schneller gestiegen sind als in anderen Krisenländern.

Nachtrag zur Erläuterung HCPI und BIP-Deflator: Der Deflator des Bruttoinlandsproduktes misst die Entwicklung von Preisen von im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen. Er unterscheidet sich vom Index er Verbraucherpreise in zweierlei Hinsicht: Zum einen erfasst er auch die Preisentwicklung von im Inland hergestellten Investitionsgütern, zum anderen sind in einer offenen Volkswirtschaft die im Inland hergestellten Konsumgüter nicht identisch mit den im Inland konsumierten Konsumgütern. In Deutschland zum Beispiel werden zwar Ananas konsumiert, aber nicht hergestellt. Die Preise von Ananas fließen damit zwar in den HCPI ein, nicht aber in den BIP-Deflator. Umgekehrt werden hierzulande wesentlich mehr Autos (langlebige Konsumgüter) hergestellt als verkauft (zumindest wenn man sich auf deutsche Marken beschränkt); Autos fallen dementsprechend im BIP-Deflator stärker ins Gewicht als im HCPI.

Quelle: Eurostat Datenbank

Gastbeitrag von Sebastian
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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31 KommentareKommentieren

  • MFK - 13. Februar 2015

    Naja, in Griechenland läuft es schlechter als in anderen Ländern, weil Griechenland am Kapitalmarkt keine neuen Kredite zu annehmbaren Zinsen mehr bekommt. Deshalb muss Griechenland mit dem Geld auskommen das eingenommen wird. Der Primärüberschuss in Höhe von 4,5%, der immer vorgerechnet wird, dürfte bereits jetzt Makulatur sein. Wie die FT diese Woche vorrechnet, fehlen bereits jetzt € 37,8 Mrd. Dass es derzeit in Griechenland besonders schlecht läuft, zeigt sich an dem Abzug von Einlagen bei den Banken. ELA musste gerade auf € 65 Mrd. aufgestockt werden. Auch Forderungen nach neuen Staatsausgaben verstehe ich nicht wirklich. 1 EURO neue Verschuldung erzeugt nur noch kanpp 10% zusätzliches Wachstum und das liegt an fehlender Produktivität, Innovation, Bevölkerungsschwund. Zusätzliche konsumptive Verschuldung ändert hieran überhaupt nichts.

  • Christoph - 13. Februar 2015

    @ MFK: Das ist ja der Gag, dass am Ende mit 1 EURO Staatsverschuldung sogar null Wachstum erzeugt wird und dann als Argument gut verwendet werden kann. Hat man die Konjunktur erstmal abgewürgt und wird dem System nicht mehr vertraut, dann verschieben, wie sie ja richtig schreiben, die Haushalte ihre Gelder (in die sogenannte “Vorsichtskasse”) bzw. tilgen offene (eingefrorene) Kredite. Beides ist freilich null nachfragewirksam! Heinrich Rittershausen (1956) zur Depression in den 1930ern: „Umgekehrt bedeutet die Tilgung einer Bankschuld eine Sterilisierung von Kredit. Auch hier liegt wieder einer der Fälle vor, auf welche die Banken und die staatliche Wirtschaftspolitik nur sehr wenig Einfluß nehmen können: so war die Stagnation der 30er Jahre in Deutschland und anderen Ländern besonders dadurch gekennzeichnet, daß die Versuche der Banken und der staatlichen Stellen, den Kredit auszudehnen, jahrelang an der Neigung der Kundschaft scheiterten, vorhandene Schulden zurückzuzahlen. Es kam immer wieder durch die deflationären Wirkungen von Tilgungen zu einer Kompensation und damit Vernichtung jener aktiven Effekte, welche eingeleitet worden waren.“ (Bankpolitik, S. 32)

  • Sachse - 13. Februar 2015

    @Sebastian

    Könnte Sie bitte den Unterschied zwischen HCPI und dem BIP-Deflator kurz erläutern.
    Vielen Dank !

    • RedMoe - 13. Februar 2015

      @Sachse,

      hab’s im Beitrag noch hinzugefügt. ;)

  • Sound-Money - 13. Februar 2015

    Man könnte auch sagen, die Griechen haben die Staatsausgaben seit 1996 mehr als verdoppelt, während sie in Deutschland nur um 30% stiegen.

    • RedMoe - 13. Februar 2015

      @Sound-Money

      Man könnte auch sagen, dass in Griechenland die Wirtschaftsleistung in dieser Zeit viel stärker gestiegen sind, weshalb Griechenland auch niemals eine absurd hohe Staatsausgabenquote hatte. Diese lag vor der Krise bei ca. 45%, was für ein (west)europäisches Land ein stinknormaler Wert ist. Bezogen auf das Volumen des Staatshaushaltes war immer die Einnahmenseite das Problem (denn die Einnahmenquote lag deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, was angesichts der Steuermoral dort auch kein Wunder ist), niemals die Ausgabenseite.

      Griechenland hat sicher ein haufen Mist gebaut, aber das ewige Gezeter, der Staat hätte generell im Übermaß mit Geld um sich geschmissen, ist halt einfach völlig der Realität enthoben. Außer natürlich man ist generell der Meinung eine Staatsausgabenquote von 45% sei zu viel. Kann man gerne so sehen, aber Griechenland ist in der Beziehung halt kein Ausreißer gewesen, sondern lag vollkommen im Mittelfeld.

      • Sound-Money - 14. Februar 2015

        Man könnte aber die “Wirtschaftsleistung” der Griechen oder andere PIFGIBS anzweifeln. Ob es Sinn macht dien Bau von Flughäfen/Immobilien die keiner je nutzen wird (Spanien) oder Straßen (Portugal) oder kreditfinanzierten Konsum (Griechenland) mit in die “Wirtschaftsleistung” hineinzurechnen? Dann vergleicht man Quotienten mit normalen Ländern, wo es eben nicht plötzlich historisch billiges Geld (3% statt 20% Zins) gab.

        Ich will den Griechen ja nicht reinreden. Die sollen machen was sie wollen – nur eben mit Geld das sie selbst erwirtschaften. Wenn das jemand anders sieht, kann er ja gerne privat Gläubiger Griechenlands werden und den Griechen auch Ratschläge geben..

  • JL - 14. Februar 2015

    Hallo RedMoe

    Griechenland ist irgendwo knapp unter 180% vom BIP verschuldet.

    Die Kernfrage ist dabei: Warum hat jemand Schulden?

    Schulden können nun mal nur entstehen, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Paßt man seine Ausgaben nicht den Einnahmen an, bekommt man letztendlich ein Problem- das weis jede schwäbische Hausfrau und nicht nur die.

    Die griechischen Probleme begannen- im Gegensatz zur heutigen überwiegenden Meinung- bereits Anfang der 1980- er Jahre.

    Hierzu zuerst ein Chart von „Querschüsse“:
    http://www.querschuesse.de/griechenland-update-zur-wirtschaftlichen-lage/

    „Vergleich: Bruttostaatschulden zum nom BIP im Vergleich zur Südperipherie“

    Erkennbar ist hier ein erheblicher „Aufschwung“ der Schuldenstände seit etwa 1981- das ist ein Faktum. Nachfolgend hierzu noch ein Zitat von Wikipedia:

    „…Bereits seit 1961 bestand ein Assoziierungsabkommen mit der EWG, aufgrund der zwischenzeitlichen Junta begannen die eigentlichen Beitrittsverhandlungen erst am 27. Juli 1976, so dass Griechenland zum 1. Januar 1981 als 10. Mitglied in die EWG aufgenommen wurde.[57] Das Land profitierte von Wirtschafts- und Strukturhilfen, musste im Gegenzug auch hohe Importzölle fallen lassen, die bisher heimische Produzenten vor ausländischem Wettbewerb schützten…“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Griechenland

    Die Wirtschaft hat man also schon damals ans „Messer“ geliefert, die Politik hingegen hat weiterhin Wohltaten spendiert und später sogar die Schulden anderer in die eigenen Bücher geschrieben und übernommen.

    Ergo: Die griechische Tragödie ist nichts anderes als das Ergebnis einer Aneinanderreihung vorheriger und langjähriger politischer Fehlentscheidungen, einhergehend mit fehlenden staatlicher Konsolidierungen. Nun sollte man aber die Griechen nicht gleich an den Pranger stellen, allen anderen europäischen Staaten geht es genauso.

    Natürlich mehr oder weniger, macht aber nichts, das Ergebnis ist letztlich immer gleich.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Georg Trappe - 14. Februar 2015

    Das Dumme ist, einer muss “Fehlentscheidungen” treffen, damit ein anderer grandios da steht.
    Und wenn die Kernfrage lautet: Warum hat jemand Schulden? Dann ist die Antwort genauso banal.
    Denn haette keiner Schulden, dann gaebe es kein Geld in dieser Welt und der Versuch Einnahmen und Ausgaben in Einklang zubringen, haette sich so eruebrigt.

    • JL - 14. Februar 2015

      Hallo Georg Trappe

      Stimmt. Und weil es das liebe Geld so will, werden zum Schluß alle „Fehlentscheidungen“ treffen müssen.

      Also: Das Ergebnis ist letztlich immer gleich.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • Stepe - 14. Februar 2015

        Hallo
        ist das wirklich so? Wie war es als es noch Gold als Währung gab?
        Sicher ist es für heute, bei dem Papiergeld wie oben beschrieben richtig, so ein Geldschein hat ja als Papier kaum einen Wert, ein Krügerrand hat ja an sich einen Wert, durch das Gold.

        Gruß

        • JL - 15. Februar 2015

          Hallo Stepe

          Das System wertfreien Geldes gibt es seit 1971 mit der Aufkündigung der Bretton Woods Verträge durch Nixon, ganz klar. Seitdem kann man Drucken wie es einem notwendig erscheint und vom „Markt“ auch weitgehend toleriert wird.

          Vor Bretton Woods- und diversen Aussetzungen des Goldstandards in den 1920/ 1930 Jahren vereinbarte man eine Golddeckung von 40% der umlaufenden Geldsumme. Unternehmen zum Beispiel horteten ihre Gewinne gern in Gold und nicht bei Banken- schließlich konnten/ durften diese zu jener Zeit ja noch Pleite gehen.

          Gold, oder auch Silber, war also eine Art Parallelwährung gegenüber dem staatlichen Geldmonopol und unterband oder beschränkte damit weitgehend Notenbankexzesse. Setzte man die Goldbindung aus, kam es zu Währungseinbrüchen und damit zu Inflationen (Hyperinflation/ Weimarer Republik/ Reparationszahlungen).

          Soweit so gut.

          Wenn aber der Staat, wie etwa das antike Rom, die Geldhoheit über Gold- und Silbermünzen besitzt, kann und wird der Wert des Geldes auch zwangsläufig entwertet- auch wieder durch den Staat selbst, wenn er ein Finanzierungsproblem hat. Damals wurde der Materialwert einer Münze reduziert, also Inflation durch Reduzierung des Materialwertes von Münzen geschaffen.

          Es ist halt nicht alles Gold was glänzt.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

          • Christoph - 15. Februar 2015

            @Stepe, @ JL:
            Wenn ihr mich fragt, Goldstandard ist keine gute Idee: Für einen Überschussstaat (Zahlungsbilanz) macht es keinen Unterschied, da kann so oder so Kredit (Goldforderungen, – verbindichkeiten) ausgeweitet werden und schützte insofern die USA unter Golddeckung auch weder vor einem Spekulationsboom, noch vor dem folgenden Crash 1929. Für die Defizitstaaten macht es auch keinen Unterschied, solange Goldkredit aus den Überschusssektoren und -Staaten gewährt wird – damit diese weiterhin (aus der Verschuldung eines Defizitstaates) Überschüsse erzielen können, werden in der nächsten Runde wieder an den Defizitstaat Goldforderungen geliehen und aus dem Verleih werden wiederum Überschüsse erzielt. Man kann sich das durchaus auch physisch mit nur einem Barren vorstellen (bis der nächste Kredit eben ausbleibt – es ist immer das gleiche “Spiel”). Der Unterschied ist, dass gegenüber dem Publikum noch viel plausibler die Notwendigkeit rigider Austeritätspolitik argumentiert und die Wirtschaft noch gnadenloser abgewürgt werden kann – wie eben in den USA 1930-1933, 1937-38 (trotz mehr als ausreichender Goldreserven). Der sogenannte Goldautomatismus (David Hume) funktioniert in der Praxis nicht, wie der deutsche Liquiditätstheoretiker Otto Veit (Grundriss der Währungspolitik) rückblickend schreibt – das verlangt nun aber nach einem eigenen Artikel. Danke für die Inspiration :-) Liebe Grüße Euch!
            Christoph

          • Stepe - 15. Februar 2015

            Hallo JL
            danke für deine Antwort.
            Mir ist Bretton Woods geläufig, es ging mir im wesentlichen darum deutlich zu machen das heute ziemlich Werte frei gehandelt wird wenn es um Geld geht. Fast alles der unterliegt Hoffnung auf Profit. Es scheint mir so das durch Schulden und somit dem heutigen Geld alles entgrenzt ist. Wie das Geld vergeben wird, Ukraine (ihre schreibt hier sehr gut wie Pleite die sind) Draghi drückt Milliarden in den Markt indem er alt Papier kauft. Ich weis das sie es machen, mir kommt es nur so Irreal vor.
            Zu den Goldstücken, ja da wurde einiges “getürkt”.

            Gruß

            • JL - 15. Februar 2015

              Hallo Stepe, Hallo Christoph

              Hierzu meine Meinung.

              Jede Art von Geldsystem ist keine gute Idee, auch wenn sie theoretisch funktionieren sollte. Der Grund hierfür ist die wohl größte anzunehmende Unbekannte- der Staat einschließlich Zentralbanken. Sofern Geld- wie auch immer geartet (Goldstandart/kein Goldstandart)- durch Staatsmonopol oder durch Zentralbanken ausgereicht/ beeinflußt wird, wird es immer auch zu Geldmanipulationen im eigenen Interesse kommen. Nachfolgend dazu zwei Beispiele:
              http://www.propagandafront.de/184490/80-jahre-monster-crash-der-21-september-1931.html

              http://www.propagandafront.de/193490/papiergeld-crash-im-wohlfahrtsstaat-geschichte-mahnt-burger-zu-auserster-vorsicht.html

              Da grundsätzlich nicht anzunehmen ist, daß Staat und Notenbank quasi über Nacht diesbezüglich „geläutert“ werden, kann nur ein neues multinational entwickeltes Geldwesen- möglichst mit einem breit aufgestellten Warenkorb an Realwerten ein vernünftiger Lösungsansatz sein. Wenn dieser Standard dann auch noch vorrangig für den Zahlungsverkehr internationaler Warenströme genutzt würde, hätten es nationale Regierungen und Zentralbanken ziemlich schwer ihre bisherigen Geldmanipulationen fortzuführen. Zudem würde sich die Gewichtung des nationalen BIP ändern, da der Schwerpunkt auf reale Wertzuwächse (Produktion) Vorrang vor Dienstleistungen (Finanzgeschäfte) haben würde. Es würde zugleich auch den Status verschiedener rohstoffexportierender Länder verbessern, die bisher in trauter neoliberaler Eintracht immer noch als finanzpolitische Kolonialgebiete betrachtet werden. Und der Euro wäre dann auch hinfällig.

              Nochmals, dies ist nur meine Meinung, aber wer hätte sich vor fünf Jahren schon eine eurasische Konkurenz zum IWF vorstellen können.

              Mit freundlichen Grüßen

              JL

      • Georg Trappe - 15. Februar 2015

        @JL
        Wenn das so stimmt, dann kann man auch die Frage stellen, wie entwickelt sich ein Wirtschaftssystem, in dem Geld im Zuge der Kreditvergabe erzeugt wird und jeder in einem wettbewerblichen Umfeld versucht, mindestens eine schwarze Null, besser noch einen ordentlichen monetaeren Ueberschuss von 25% bezogen aufs Eigenkapital hinzubekommen?
        Und ich denke, wenn man die Geschichte der deuschen wirtschaftlichen Entwicklung seit der Waehrungsreform 1948 im Licht dieser Frage betrachtet, dann blickt man auf die Antwort.
        Zunaechst sieht man die Chance sowie die absolute Notwendigkeit realwirtschaftliche Strukturen zur Versorgung der Bevoelkerung zu errichten. Unternehmer nehmen Kredite auf und organisieren Arbeit in ihren Unternehmen so, das bedarfsgerechte Produkte entstehen. Sie koennen die Preise dabei so gestalten, dass sie ihre Kredite bedienen koennen und sie ihre Unternehmen wachsen lassen koennen. Die Idee es so zu machen funktioniert und findet weitere Verbreitung. Die Wirtschaft blueht auf, die Banken spielen mit und die Arbeitnehmer erleben nachvollziehbar die Erfuellung des Versprechens vom “Wohlstand fuer Alle”. Breite Schichten privater Haushalte koennen sogar sparen oder gelten zumindest als kreditwuerdig um groessere Anschaffungen wie z.B. ein Auto oder gar ein Haus zu finanzieren. Staat und Ausland spielen eine eher untergeordnete Rolle, wobei in Bezug auf das Ausland schon klar ist, dass man als rohstoffarmes Land durch Exporte dafuer sorgen muss, dass man entsprechende Einnahmen hat. Man schreibt dies sogar gesetzlich fest. Man will sich dort nicht uebermaessig verschiulden aber auch dem Ausland nicht uebermaessige Kredite gewaehren.
        Man ist vorrangig mit der Wohlstandssteigerung im eigenen Land beschaeftigt. Dabei wachsen BIP und Bankbilanzen = Schulden = Geldmenge im Einklang. Doch dann Ende der 60er Anfang der 70er machen sich Saettigungseffekte bemerkbar. Viele haben schon ein Auto, einen Fernseher, Waschmaschine etc. und der Druck auf die Unternehmensmargen waechst. Kostensenkungsmassnahmen werden ergriffen, die Arbeitslosigkeit beginnt zu steigen und in der Politik werden Lambsdorff Papiere geschrieben. Denn nur noch ein “ausuferender” Sozialstaat mit rapider wachsender Verschuldung kann die Sache am laufen halten, in dem er ueber wachsende Sozialetats, die Haushalte ueber Wasser haelt, die es nicht mehr schaffen eine schwarze Null oder gar Erparnisse zu erwirtschaften. Natuerlich stoesst auch diese “Loesung” an ihre Grenzen, was in der Folge dazu fuehrt, das zunehmend das Ausland die Rolle uebernehmen muss, fuer monetaeren Nachschub beim allgemeinen Streben nach Ueberschuessen und schwarzen Nullen zu sorgen. Da kommen der Euro und entwicklungsbeduerftige Club Med Laender gerade recht. Die brutale Ausdifferenzierung zwischen denen, die es schaffen Geld anzuhaeufen und denen die dabei zwangslaeufig auf der anderen Seite der Gleichung landen, erreicht damit endgueltig auch die Ebene der Volkswirtschaften. Das was zuvor schon auf auf der Ebene der Unternehmen und Individuen zu beobachten war, das Anhaeufen von Cash in den Haenden weniger auf der einen Seite und das hoffnungslos Ertrinken in Schulden vieler auf der anderen Seite, manifestiert sich nun auch immer deutlicher auf der Ebene der Volkswirtschaften. Was als segensreiche, wohlstandsfoerdernde Geschichte begann wird zu einem Albtraum, in dem unbesonnene und falsch beratene Politik Gefahr laeuft ganze Voelker gegeneinander aufzuhetzen.
        Warum?
        Fortsetzung folgt…..

        • Georg Trappe - 16. Februar 2015

          Warum also zeichnet sich 70 Jahre nach der letzten Katastrophe etwas ab, das dem was der letzten Katastrophe vorher ging, vedaechtig aehnlich ist?
          -
          Die Emergenz von materiellem Wohlstand beruht auf drei ganz grundlegenden Gegenbenheiten:
          1. Menschen sind in der Lage ihrer Umgebung, in die ihre Existenz eingebettet ist,Ueberschuesse abzuringen. Und zwar erhebliche. Jeder benoetigt mindestens 2500 kcal pro Tag um sein Ueberleben zu sichern. Dank gruener Revolution und Technologien wie Verbrennungsmaschinen steht denjenigen, die darueber verfuegen inzwischen ein Vielfaches zur Verfuegung.
          2. Menschen setzen diese Ueberschuesse in einem allgemeinen Streben nach “Mehr” zur Erhoehung ihrer Produktivitaet gaenzlich oder in erheblichen Teilen wieder ein, um ihre Produktivtaet weiter zu erhoehen. Sie investieren in ihre Produktivitaet.
          3. Dadurch entsteht eine multiplikativ wirkende Mitkopplung, die auf einen exponentiellen Wachstumspfad fuehrt (solange die Umgebung mitspielt und die Resourcen dazu hergibt).
          Dabei schlaegt nun ein vierter Punkt mit gravierenden Auswirkungen zu:
          4. Der Erfolg der Investitionen streut ueber Zeit und Population. Das Wachstum ist nicht homogen sondern stochastischen Effekten ausgeliefert, weil Wirtschaften / Investieren immer in Bezug auf eine unsichere Zukunft erfolgt

          Und das reicht aus, um stetig steigende Konzentration bei den Dingen auszuloesen, auf das sich das Erfolgsrezept Investition bezieht. Geld gehoert dazu.

          Der stochastisch multiplikative Prozess der durch dieses Verhalten und durch diese Gegebenheiten ausgeloest wird, produziert eine immer rechtschiefer werdende lognormal Verteilung der Dinge, auf die sich das Verhalten bezieht. Es bedarf noch nicht einmal sytematischer Bevorzugung von “Mitspielern” durch Herkunft, Ausbildung, Vitamin B, etc. sondern eine rein zufaellige Zuweisung der ueber Zeit und Population streuenden Renditen ist ausreichend. Und je weiter diese Renditen streuen, um so schneller steigt die Konzentration an.
          Das Ganze ist relativ einfach auf jedem PC nachvollziehbar.
          Die Wirkung ist mindestens seit Pareto bekannt.
          Die Ursache ist seit den 30er als Gibrats rule of proportionate growth bekannt.
          Eine aeusserst elegante analytische Herleitung hat 2011 eine Forschergruppe um Fargione aus den USA geliefert:
          http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/12/das-fargione-integral-warum.html
          -
          Es bedarf also keinerlei ideologisch begruendeter Erklaerungen, warum im vorliegend Setup der Geldkreislauf und damit der Wirtschaftskreislauf nicht dauerhaft funktionieren will und warum Bankbilanzen = Geldberge = Schuldenberge schier endlos wachsen muessen, wenn die Sache nicht an einem Infarkt zugrunde gehen soll. Leider ist es aber so, dass das “bubble up for ever” auch nicht funktioniert, weil die Sache durch die voranschreitenden Konzentrationsprozesse extrem volatil wird. Denn der Erfolg des Gesamtsystems wird zunehmend vom Erfolg einiger weniger sehr grosser Spieler abhaengig:
          http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html
          -
          Die klassischen Bilder vom Geld- und Wirtschaftskreislauf, wie auch die zentralen Gleichgewichtstheorien der sog. Wirtschaftswissenschaften, stehen dieser Sichtweise, die meiner Meinung nach eine erhebliche Erklaerungsreichweite hat, im Weg.
          Wenn Geld nicht im Kreis laeuft, sondern den Berg hinauf fliesst, wie der Volksmund sagt, dann sind Gleichgewichte bestenfalls Wunschdenken. Wenn wirtschaftliches Wachstum immer von Konzentrationsprozessen begleitet ist, weil es unmoeglicherweise absolut homogen sein kann, dann ist nach genuegend langer Zeit die extrem riskante Abhaengigkeit von wenigen “too big to fail” Playern die logisch zwingende Folge. Wenn Geld- und Schuldenberge immer weiter wachsen muessen, um einen Infarkt zu vermeiden, dann ist nicht nur die Abkopplung des Geld=Schuldenmengenwachstums vom BIP zwingend sondern auch der Shift von einer realwirtschaftlich orientierten Spielanordnung hin zu einer finanzwirtschaftlichen Spielanordnung.
          Denn die “Versicherungsillusion”, also der Glaube sich durch finanzielle “Vorsorge” gegen die Folgen von sich immer mehr klumpenden Risiken absichern zu koennen, ist mindestens so tief in das Beusstsein eingebrannt, wie der Glaube daran, das das “Erfolgsrezept” ewig funktionieren koennte.

          Viele Gruesse

          Georg Trappe

          • thewisemansfear - 16. Februar 2015

            *****
            Das müssten man jetzt nur mal den Geldsystem”reformern” beibringen. Die sehen zwar dass sich die Konzentrationsprozesse z.B. durch Zins oder Geldschöpfungsprivileg verstärken, sind damit aber eben *nicht* bei der Ursache angelangt.

            • Georg Trappe - 17. Februar 2015

              Hallo thewisemansfear,

              das Geldsystem steht nicht ganz zu unrecht immer wieder im Fokus der Diskussion. Allerdings oft aus den falschen Gruenden. Z.B. die Behauptung das Geldsystem muesse zwangslaeufig zusammenbrechen, weil die Banken bei der Geldschoepfung den Zins nicht mitschoepfen wuerden, ist blanker Unfug.
              Ich sehe es inzwischen so: Das Geldsystem ist das zentrale Fuehrungs- und Lenkungsinstrument. Wenn die Masse der Menschen verinnerlicht hat, dass es gilt mindestens eine schwarze Null, besser noch einen ordentichen moneteren Ueberschuss zu erwirtschaften, weil sonst existenzielle Schwierigkeiten drohen, dann ist ein grosser Teil des Koordintionsproblems geloest. Dann kann eine Koalition aus Staat,Banken und Unternehmern loslegen und mit dem frisch geschoepften Geld Arbeitskraft einkaufen und bestimmen, was damit geschieht. Den Menschen ist es dann ersteinmal egal, was und wieviel davon Unternehmer, Banken, Staat davon einbehalten und wofuer sie es verwenden, solange die eigenen Beduerfnisse dbei befriedigt werden. Und so ist es dann moeglich diese Arbeitskraft entweder in massive Kriegsvorbereitungen oder in den Aufbau einer Konsumwirtschaft nach amerikanischem Vorbild zu lenken. Wenn die grobe Richtung mal festgelegt ist entwickelt der Setup durch die selbstverstaerkende Mitkopplung und das allgemeine Gewinnstreben ganz offensichtlich eine Eigendynamik, die schon an Magie grenzt. Ein besiegtes Deutschland legt dann entweder ganz Europa in Schutt und Asche oder vollbringt ein Wirtschaftswunder. Nur hat das Ganze ein paar “Seiteneffekte”, die diese Entwicklung, auch dann wenn sie in friedliche Bahnen gelenkt wurde, die zunehmend destruktiv wirken. Und da scheint es entweder nicht verstanden zu sein, wie es dazu kommt, oder aber es wird ignoriert, weil es aus der Perspektive der oberen Etagen bedauerliche Seiteneffekte sind, die man aber in Kauf nimmt, weil man das zentrale Fuehrungs- und Lenkungsinstrument fuer bewaehrt haelt und nicht aus den Haenden geben will bzw. riskanten Modifikationen unterwerfen will.
              Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass im Innern der Ringburg durchaus Aengste vor Mistgabeln und dem naechsten Pol Phot herrschen. Aber aus der Perspektive betrachtet geht es wohl eher darum diese Bedrohungen mit bewaehrten Mitteln unter Kontrolle zu bringen. Und da scheinen grenzenlose Ueberwachung und Militarisierung die Mittel der Wahl zu sein.

          • JL - 16. Februar 2015

            Hallo Georg Trappe

            Respekt, da haben Sie sich echt viel Mühe gegeben.

            Das vermutlich beste Beispiel um die Unmöglichkeit eines grenzenlosen Wachstums aufzuzeigen ist das Beispiel des Jakobspfennigs bei unterstellten 5% Zinsen zuzüglich Zinseszinsen. Genau deshalb fährt man regelmäßg und immer wieder etwa alle 70 Jahre fiskalisch gegen die Wand.

            Natürlich kann man mit Markterweiterungen oder Manipulationen, monetären Stützungen, Ausverkauf von Ländern, aber auch gnadenlosen Raubbau zu Lasten anderer einzig und allein zur Renditesicherung oder deren Optimierung Zeit schinden, nur irgendwann ist immer Schicht im Schacht.

            Sie sehen also, daß unsere Standpunkte nicht so weit auseinander liegen.

            In Ihren zwei Kommentaren ist aber eines durchaus bemerkenswert. Hier fehlen Einlassungen zu Beschränkungen von Unternehmen seitens des Staates oder der Staaten im Allgemeinen.

            Einlassungen hierzu könnten Sie- auch beim besten Willen- letztlich nicht abgeben, schlicht weil es Unternehmensbegrenzungen nicht gibt.

            Und genau deshalb fließt Wasser bergauf, Sie schrieben es bereits.

            Mit freundlichen Grüßen

            JL

            • Georg Trappe - 17. Februar 2015

              Hallo JL,

              ja es ist eine Anstrengung sich solche etwas tiefer gehenden Sichtweisen zu erschliessen. Ich betrachte es als eine Art Sport.

              Das Verwunderliche an der seit 2007/2008 herrschenden Krise ist ja, dass es die inneren Widersprueche / Widerstaende sind, die den Traum vom ewigen Wachstum ins Wanken gebracht haben. Die Grenzen, die durch endliche natuerliche Resourcen gezogen sind, spielen zwar eine Rolle, aber waren nicht ausloesend fuer das Desaster. Vielmehr hat ein Ben Bernanke offenbar nicht vorhergesehen, was er dem amerikanischen Geschaeftsmodell antut, wenn er die Zinsen drastisch anhebt. Das dadurch der ameikanische Exportschlager triple A rated Hypothekenschrott, der zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits unabdingbar war, ausfallen wuerde, war ihm wohl nicht klar.
              Und so etwas erweckt natuerlich Interesse bei Leuten wie mir, die sich einen Sport daraus machen, solche “Fehlleistungen” zum Anlass zu nehmen, zu fragen was hat der gute Mann bzw. seine Zunft denn sonst noch so alles nicht ganz durchschaut. Und es ist wirklich erschreckend, was dabei zu Tage kommt. Meiner Meinung nach ist das Theoriegebaeude, auf dessen Grundlage Leute wie Bernanke oder auch Draghi offenbar agieren, mehr als morsch. Soetwas kann nicht dauerhaft funktionieren.
              -
              Zum unbegrenzten Unternehmenswachstum gaebe es natuerlich auch einiges zu sagn. Einmal aus einer Innensicht, nachdem ich mehr als 2 Jahrzehnte fuer ein Unternehmen gearbeitet habe, das sich waehrend dieser Zeit zu einem der beruehmten Global Player entwickelt hat und aus einer Aussensicht, die mit grosser Sorge wahrnimmt, dass das Wohl und Wehe des Gesamtgebildes von immer weniger immer groesser werdenden Konzernen dieser Art abhaengig wird.
              Das wuerde den Rahmen aber sprengen. Es waere in vielen Dingen auch eine Wiederholung dessen, was SLE aus seiner Perspektive schon zu dem Thema hier geschrieben hat.

              Viele Gruesse

              Georg Trappe

  • Bernd Klehn - 14. Februar 2015

    Diese Analyse zeigt nur, dass die Staatsquoten der Krisenländer, absehen von Italien, das ich auch noch nicht zu den Krisenländern zählen würde, zwischen 1996 und 2009 sehr kräftig gestiegen sind und nach 2009 nur sehr teilweise zurückgeführt wurden, während sie in Italien und Deutschland konstant blieb. Nur was sagt uns dieses? Dänemark hat eine höhere Staatsquote als alle anderen hier aufgeführten Länder, ist aber wettbewerbsfähig. Entscheidender ist, dass zwischen 1996 und 2009 die Wettbewerbsfähigkeit in Griechenland, Spanien und Portugal einbrach und diese somit Nettoauslandsschulden von 100% anhäuften. Allerdings fällt es Griechenland, am schwersten den Export anzukurbeln und hat deswegen die schlechteste Schuldentragfähigkeitsquote.

    • RedMoe - 14. Februar 2015

      Die Charts zeigen keine Staatsquoten, sondern Indizes der absoluten Staatsausgaben.

  • Bernd Klehn - 15. Februar 2015

    Danke, ich korrigiere:

    Diese Analyse zeigt nur, dass die preisbereinigten Staatsausgaben der Krisenländer, absehen von Italien, das ich auch noch nicht zu den Krisenländern zählen würde, zwischen 1996 und 2009 sehr kräftig gestiegen sind und nach 2009 nur sehr teilweise zurückgeführt wurden, während sie in Italien und Deutschland konstant blieben.

    Der Rest der Aussage bleibt gleich.

    Gruß

    Bernd

  • Holly01 - 17. Februar 2015

    Hallo,
    nach meiner Meinung schauen Sie alle nur auf die eine Seite der Medallie.
    Die Geldschöpfung wird mit Eigentum abgesichert.
    Die Betrachtung des Eigentums und seiner Entwicklung im Zusammenspiel mit den Bedürfnissen des Geldsystems.
    Eigentum ist bei den Sachwerten endlich.
    Die Beurteilung vom Wert des Eigentums muss ja zumindest realitätsbezug haben.
    Die Verwertung von Eigentum, als Basis für Vorfinanzierung über den Weg der Kreditvergabe “erzwingt” Wachstum.
    Das Geldsystem ist weder authark noch gesellschaftlich verankert. Die gesamte Geldschöpfung ist mit unserem Rechtsempfinden überhaupt nicht zu vereinbaren.
    Die Probleme die sich daraus ergeben sind primär gesellschaftliche, aber es begrenzt natürlich die Möglichkeiten der Geldschöpfung.

    • Georg Trappe - 18. Februar 2015

      Hallo Holly01,
      man kann unmoeglich alle Facetten der Problematik in einem Fuenfzeiler zusammenfassen.
      Es sei denn man liefert eine Stichwortsammlung ohne weitere Erklaerungen ab.
      -
      Aber da Sie es schon ansprechen.
      Das Thema Werttheorie ist ein sehr duerftig bestelltes Feld. Und ich denke es ist nicht der schlechteste Ansatz da weniger auf das zurueck zugreifen was die sog. Wirtschaftswissenschaften zu bieten haben sondern zu fragen wie eine Bank vorgeht, wenn sie im Zuge der Kreditvergabe Geld schoepft und dabei den Beleihungswert z.B. einer Immobilie ermittelt. Der Kreditauschuss der Bank, also das Entscheidungsgremium, das entscheidet og Geld geschoepft wird oder nicht, beauftragt einen vereidigten Sachverstaendigen, der auf der Basis von zwei methoden den Wert schaetzt.
      1. Aufgrund von Vergleichen mit aehnlichen Immobilien in der Region
      2. Aufgrund einer Schaetzung des moeglichen Ertrags der Immobilie durch Vermietung, Verpachtung oder betrieblce Nutzung.
      Beides laeuft auf eine Prognose hinaus, die die Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren sucht.
      Das kann funktionieren, mss aber nicht. Welche Spielraeume der Kreditausschuss dann hat, die Risiken und Unsicherheiten einer solchen Schaetzung zu puffern, verdeutlicht die Tatsache, dass es in den 60er 70ern ueblich war eine erste Hypothek, also eine durch vorrangige im Grundbuch eingetragene Zugriffsrechte besicherte Schuld, maximal mit 60% des Schaetzwertes zu vergeben.
      In den Zeiten, die der Subprime Krise voran gingen, haben Banken in den USA 100% und mehr vergeben und dabei zukuenftige Wertsteigerungen mit in die Beleihungsbasis einbezogen.
      Noch witziger wird das, wenn Banken Kredite fuer Aktien- oder Wertpapierkaeufe vergeben. Denn da ist kein vereidigter Sachverstaendiger mehr noetig, sondern nur der “Markt”, der u.a. durch kreditfinanzierte Spekulanten (was auch Banken, die Eigenschaeft betreiben, sein koennen) gebildet wird. Selbstreferentiell, mitgekoppelt, losgeloest von Lebensbezuegen koennte man das nennen. Entsprechend sicher sind die “Sicherheiten”.
      -
      “Die Verwertung von Eigentum, als Basis für Vorfinanzierung über den Weg der Kreditvergabe “erzwingt” Wachstum.”
      Warum?
      Der per Geld ermoeglichtete Zugriff auf Arbeitskraft kann zu Wachstum fuehern, muss aber nicht.
      Wenn alles in Truemmern liegt, ist es wahrscheinlicher als in Zeiten in denen bereits eine ausgereifte Wirtschaftsstruktur besteht. Im ersten Fall kann es keine Kanibalisierungseffekte geben, im zweiten Fall schon.
      Und es soll Faelle geben, da liegt zwar alles in Truemmern und da wird Geld rein gepumt ohne Ende und es kommt trotzdem kein Wirtschaftswachstum auf die Beine.

  • Holly01 - 18. Februar 2015

    Hallo Hr. Trappe,
    ““Die Verwertung von Eigentum, als Basis für Vorfinanzierung über den Weg der Kreditvergabe “erzwingt” Wachstum.”
    Warum?”

    Das liegt ganz einfach an der Zinskurve. Da der Schuldendienst steigt muss das Volumen steigen muss das Sicherheitenvolumen steigen.

    Die unterschiedliche wirkweise von Krediten hatte ich auch lange nicht einordnen können, aber thewisemansfear hat mir einen guten Hinweis gegeben, nämlich der auf den Zusammenhang Konsumkredit zu Investitionskredit.
    Der Konsumkredit ist in der Tendenz kein Wachstumsfaktor und wirkt lamgfristig eher deflationär, während der Investitiondkredit zu Wachstum führen kann und in der Tendenz eher inflationär wirkt.
    Konsumkredite sind eine Vorwegnahme erwarteten Einkommens zu jetztigem Preisstand, der Zins geht zu Lasten zukünftiger Einkommen.
    Der Investinionskredit erzeugt tendenziell Arbeit und damit Einkommen und im Zweitrundeneffekt eher Preiserhöhungen.

    Es ist also kein Wunder, wenn in einer Situation ausbleibender Investititionen und ausschliesslich auf Konsum (und wenn auch Assets konsumiert werden) ausgerichteter Kreditvergabe eine deflationäres Gesamtbild entsteht.

    Das Bewertungssystem der Sicherheiten, seine Willkür und seine Bevorzugung der 0,1% hatte ich bereits einmal thematisiert.
    Das alles ist ein irrationaler und egoistischer Hebel, um Eigentum zu einer Bereicherungsmaschine zu machen und Arbeit=Armut zu setzen, mehr ist das nicht. Die Begründung dafür ist vielwortiger Quatsch und Nebelschleier.
    DAS ist der eigentliche Machtfaktor der Geldschöpfung und der finite Egoismus ist das Zerstörunsgwerk, welches zum immer wiederführenden Zusammenbruch und Abschöpfung der Werte durch die 0,1% führt.
    Genau darum funktioniert kein Geldschöpfungssystem.

    • thewisemansfear - 18. Februar 2015

      Inflation/Deflation hängt sehr stark von den Einkommenserwartungen ab. Denn die bestimmen die Sparquote und wirken sich auf Kreditentscheidungen aus. In einem sich eintrübenden Umfeld wird sich niemand (vernünftiges) nen Kredit ans Bein nageln, bei dem er/sie nicht sicher sein kann, den in x Jahren überhaupt noch bedienen zu können.
      Sind die Erwartungen zu positiv (siehe Antwort von Georg Trappe), läuft das längerfristig auf Überschwang hinaus.
      Die gewünschte “Stabilität” von knapp unter 2% hinzubekommen ist also gar nicht soo einfach, da das System immer nach oben oder unten auszubrechen versucht. Nach oben hin hat die BuBa immer sehr schnell auf die Bremse getreten (Leitzinserhöhung), sobald die Erwartungshaltung über das Ziel hinaus zu schießen drohte. Jetzt in der anderen Richtung muss irgendwer wieder Geld in die Hand nehmen oder man landet in einer Rezession. Da in wenigen Händen so viel Geld/Kapital unterwegs ist und händeringend nach Anlagemöglichkeiten sucht, sollte man diese Menschen einfach von ihrem Leiden erlösen, es wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Kein Anlagedruck und gleichzeitig Handlungsspielraum für die öffentliche Hand. Dass es wirksame Kontrollen geben muss, dass es dort nicht sinnentleert verjubelt wird, setze ich dabei voraus… Will sagen, da ist klar noch einiges an Wunschdenken mit bei.

      • Holly01 - 19. Februar 2015

        Hallo thewisemansfear,
        ich bring das noch einmal auf den Punkt.
        In einer 20-80 Gesellschaft stellen 80% der Bevölkerung keinen Markt mehr dar. Diese 80% werden zu einem dauerhaften Kostenfaktor reduziert, den die 20% so niedrig wie möglich zu halten versuchen.
        Wir haben also eine 100% Infrastruktur aus den 70er Jahren, der steht eine Erwartungshaltung gegenüber, bei der 20% der Bevölkerung ihre Bedürfnisse mit einem Vielfachen dessen was in den 70gern an Volume vorhanden war befriedigen, aber ebend auch wichtige Säulen der Vergangenheit wegbrechen.
        Ohne Massenmarkt ist der Bedarf an Logistik viel kleiner.
        Ohne Massenmobilität ist der ÖPNV und sind die Verkehrwege überdimensioniert.
        Ohne öffentliches Gesundheitswesen (wird in den EU-Verträgen ja bereits als “Privatsache” bezeichnet, bei der der Staat kein Faktor sein soll) ist klar überdimensioniert.
        Die Nahrunsgmittelbranche orientiert sich bereits massiv um, da gilt der gleiche Geschäftsgrundsatz wie früher in der Hardwareentwicklung: es gibt nicht das man nicht noch billiger und schlechter hinbekommen könnte.
        usw usf
        Für das Geldwesen bedeutet das aber auch ganz klare Verschiebungen. Die Armut der 80% ist nicht mehr als Kreditfähigkeit vorhanden. Anders gesagt, die 80% fallen als Kreditnehmer praktisch weg.
        Keine Schuldner oder weniger Schuldner = weniger Vermögen, denn die Summe ist immer Null.
        Das ist ja noch lustig für die 20%, aber die Industrie fällt mit dem Ende der Gewinnmitnahme aus dem “Altgeschäft” als Volumen natürlich ebenfalls aus.
        Diese Industrie ohne Kundschaft wird selbstverständlich verschwinden. Der Finanzmarkt wird also nicht nur die 80% kompensieren müssen, sondern auch die gigantische industrielle Struktur die als Verschuldungsmobile und Volumenproduzent zur Verfügung stand.
        UND .. das ist ein sektorales Problem in einem Land. Das ist eine Entwicklung im gesamten Hegemonialbereich bzw. Dollarhegemonialbereich der USA.

        Infrastrukturprojekte ohne Absatz sind Geldverschleuderung, daher ist das Verhalten der Bundesregierung sogar wirtschftlich nachvollziehbar.
        Investitionsverweigerung ist in Anbetracht der Situation nur logisch.
        Die Auslagerung aller veralteten und abgeschriebenen Produktionsbereiche in Standorte ohne diese Doktrien ist nur logisch, was sollten deise Anlagen auch innerhalb der Dollarhegemonie, das wären Abschreibungsobjekte.

        Das Hauptproblem ist aber das der Vermögens- und der Sicherheitenkrise die sich daraus ergibt.
        Die Zahl derer die Sicherheiten in Form von Vermögen überhaupt noch bereit stellen kann sinkt dramatisch.
        Das Volumen sinkt dramatisch.
        Die Anzahl der Schuldner sinkt reziprog zum Abschreibunsgbedarf. Kein solventner Schuldner = kein besichertes Vermögen = Abschreibunszwang.

        Und genau das ist unsere Situation. Die Macher dieser 20-80 Gesellschaft haben das Geldsystem nicht verstanden. Das sind Soziologen und Militaristen. Die meinen, man habe reiche Menschen die finanzieren das im eigenen Interesse.
        Nun ist der Reichtum der 0,1% aber ein sehr relativer Wert. Mehr zu haben als alle anderen ist ja schön und wenn 80% nichts haben ist das auch nicht so schwer zu erreichen, aber die 20% wollen ja für ihr Werk ein abgehobenes Leben führen und das wurde ihnen ja auch versprochen.
        Das ist wie der Landadel und der Rest der Population. Aber da hat es gerade einmal zu 1% abgehobenem Leben gereicht. 20% ist eine ganze Menge und die Technologie und der daraus resultierende Aufwand sind heute extrem viel höher.
        Es läuft also über eine Salamitaktik darauf hinaus eine 80-20 dann eine 90-10 und am Ende eine 95-5 Gesellschaft zu erzwingen, wobei das Endprodukt eine militaristische Welt sein wird, in der das Militär alles Eigentum an sich gebracht hat.
        Das ist auch nur logisch, wer die Macht hat macht was er will. Die Geheimdienste zeigen das bereits eindrucksvoll.
        Die Parlamente haben schon seit jahrzehnten nichts mehr zu melden, da haben die global player das Wort und die Medien sind reine Befehlsempfänger.

        Willkommen in der Diktatur der Republik. Cäsar läßt grüßen …….

  • Holly01 - 19. Februar 2015

    Ja ich weiss das man über Kriege Volumen schaffen kann.
    Ja ich weiss das man über das Bewertungssystem vieles drehen kann. Der DAX ist ja ein beeindruckendes Besipiel und der DOW erst recht.
    Man kann auch vieles laufen lassen und sich schön lügen.
    Aber Gewinn machen ist keine Buchhaltung, sondern ein wirtschaftlicher Vorgang. Diesen Vorgang kann man hypen, drehen, verbiegen und beschönigen, aber am Ende steht da eine Zahl und diese Zahl wird im Verhältniss zum Volumen dramatisch kleiner.
    Da ändert es auch nichts über Kolonialismus und Enteignung anderer die eigene Basis zu stützen. Das erhöht letztendlichnur den Vorleistungsaufwand gegenüber der Kolonialisierung über Handel und Industrie ….

  • Holly01 - 19. Februar 2015

    Es gab vor ein paar Jahren mal ein paar Artikel zu einem Buch, in dem dei Kolonialzeit der Briten, Franzosen und Deutschen verglichen wurde.
    Die Kolonien der Deutschen haben relativ am wenigsten ins Machtzentrum exportiert, aber die Kosten der Deutschen waren so viel geringer, daß dieses Konzept insgesamt sehr viel besser dastand. Gleichzeitig waren die deutschen Kolonien dazu in der lage selbst einen gewissen Reichtum zu erzeugen und sich zu entwickeln.
    In der Summe stehen dei deutschen Kolonien bis heute besser da als ihre Leidensgenossen unter britscher oder französischen Knute.
    Schade das es in Deutschland kein funktionierendes Rechtswesen mehr gibt. Das ist nur noch ein Machtinstrument zur Steuerung der Gesellschaft, quasi eine Rumpffunktion als Dienstleister, sehr schade.