Griechenland am Rande des Zusammenbruchs

von am 2. September 2011 in Allgemein

Querschuesse ist eines der wenigen Informationsquellen bei der konsequent, da absehbar, auf das sich seit vielen Monaten anbahnende Desaster in Griechenland anhand detaillierter, offizieller Wirtschaftsdaten hingewiesen wurde. Dabei wurde auf die hoffnungslose Situation unter dem Korsett des Euro und die unsäglichen Austeritätsmaßnahmen verwiesen, die zusätzlich die Wirtschaft abwürgten und auch folgerichtig der Niedergang der griechischen Ökonomie zum Schaden aller in der Eurozone prognostiziert. Auch heute beschleunigt sich das Desaster weiter, dass eindeutig struktureller und systemischer Natur ist. Die mangelnde wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat nicht nur zur Überschuldung des Staates geführt, sondern aller Bereiche der Gesellschaft und als Sargnagel, zur hoffnungslosen Situation der griechischen Banken, die in einem Meer an faulen Krediten ertrinken.

Die Aktienkurse der griechischen Banken hatten auch heute mit massiven Abschlägen zu kämpfen. Der griechische Bankenindex FTSE ATHEX Banks sank heute um weitere -5,8%. Hier die aktuellen Tabelle mit der Kursentwicklung der 9 größten griechischen Banken, die den Bankenindex abbilden:

Die heutigen Aktienkurse der  griechischen 9 größten Banken, der prozentuale Anstieg zum Vortag und die Marktkapitalisierung in Euro.

Die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken im FTSE ATHEX Banks Index sank heute erneut kräftig auf 6,932 Mrd. Euro und der niedrige Stand zeigt weiter die potentielle Insolvenz des griechischen Bankensystems an. Noch beim letzten Hoch am 06.11.2007 betrug die Marktkapitalisierung voluminöse 99,83 Mrd. Euro!

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex hat mit dem heutigen Indexstand von 538,66 Punkten, nur seit Ende Juli 2011 kräftige -36,66% verloren, zum Vorjahr -68,15% und zum letzten Hoch am  06.11.2007  mit 7758,07 Indexpunkten satte -93,06%.

Die aussichtslose Situation dokumentiert auch die Entwicklung des Aktienkurses der TT Hellenic Postbank, die zu 34% in Staatsbesitz ist und einer der Top-Privatisierungskandidaten darstellt und mittlerweile wohl nicht mal mehr verschenkt werden kann:

Die Entwicklung des Aktienkurses der griechischen TT Hellenic Postbank seit Juni 2006 im Dailychart. Heute sank die Aktie im Schlusskurs um -10,16% zum Vortag, auf armselige 1,15 Euro. Allein seit Ende Juli 2011 hat die Aktie -53,63% verloren, zum Vorjahr sogar -75,84%. Zum Hoch am 06.02.2007 mit einem Aktienkurs von 21,38 Euro betrug der Verlust unfassbare -94,62%!  

Der Status Quo in der Eurozone ist nicht haltbar, nur Narren handeln gegen jede ökonomische Vernunft und Realität und verteidigen den Euro, in der heutigen Konstellation. Immer noch wird die Benennung der Realität nicht toleriert, so nahm die Chefin des unabhängigen griechischen Parlamentssauschusses, Stella-Savva Balfousia ihren Hut, in Folge der scharfen Kritik des Finanzminister Evangelos Venizelos. Dabei hatte die Expertenkommission des Parlaments nur das Offensichtliche in ihrem Bericht bekundet: “Die Verschuldung sei außer Kontrolle geraten”. Heute haben die Kontrolleure der Troika (EU, EZB und IWF) ihre Überprüfung der Sparmaßnahmen vor Ort für 10 Tage ausgesetzt und sind aus Griechenland abgereist! Athen soll in der Zeit angeblich den Haushalt 2012 ausarbeiten, danach wollen die Vertreter der Troika das Ergebnis begutachteten. Die Troika reitet immer noch das hohe Roß, dabei war sie es, die auf die Rezession Griechenlands mit flächendeckende Sparmaßnahmen draufsattelte und damit die Wirtschaft unnötig weiter abwürgte und dies führte zwangsläufig dazu, das die Sparmaßnahmen von den sinkenden Steuereinnahmen im Zuge der schwachen wirtschaftlichen Aktivität zunichte gemacht wurden und die Situation sich damit unverantwortlicher Weise weiter zugespitzte.

Ausdruck eines bevorstehenden Kollaps ist auch die Explosion der Rendite bei den griechischen Staatsanleihen, insbesondere jener mit kurzen Laufzeiten, den Vogel schießt die 1-jährige Staatsanleihe ab, wo bereits völlig aberwitzige 72,054% Rendite erzielt werden. Zwar mögen Relativierer einwenden, dass dies für die weitere Refinanzierung griechischer Anleihen nicht relevant ist, was auch stimmt, da sich Griechenland nicht am privaten Kapitalmarkt refinanzieren muss, nur die explodierende Rendite der noch gehandelten Anleihen, zeigt die Einschätzung des Marktes, wie auch die Aktienkurse des Bankensektors eine klare Sprache sprechen.

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Heute klettert die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe auf 47,202% und damit auf ein neues Allzeithoch.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Heute kletterte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe auf 18,280%.

Das Versagen der Griechenland-Strategie ist brachial, war aber punktgenau vorhersehbar. Jetzt gilt es die Versager schnellstmöglich zu stoppen und die Devise kann nur noch lauten, dass Euro-Experiment mit Griechenland unverzüglich zu beenden um einen Maximalschaden auch für Deutschland noch abzuwenden!

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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