Griechenland: Außenhandel schwächelt auf niedrigem Niveau

von am 21. April 2012 in Allgemein

Gestern berichtete die griechische Zentralbank (Bank of Greece) die Daten zum Außenhandel und zur Leistungsbilanz für den Monat Februar 2012. Isoliert und oberflächlich betrachtet kann man eine Verbesserung beim Leistungsbilanzdefizit feststellen, aber die Daten zeigen auch ganz klar, dass diese Verbesserung beim Defizit nicht aus wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit resultiert, sondern vordergründig aus wirtschaftlicher Kontraktion, in Form von Importschrumpfung.

Die Entwicklung des unbereinigten griechischen Exportvolumens bei Waren und Gütern seit Januar 2000 im Chart. Im Februar 2012 stieg zwar das Exportvolumen um +19,49% zum Vorjahresmonat, aber nur auf schlappe 1,465 Mrd. Euro, nach 1,744 Mrd. Euro im Vormonat und nach 1,226 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Zum Vormonat ging es unbereinigt kräftig abwärts, um -15,99%

Aus einem Exportvolumen von  knapp 1,5 Mrd. Euro im Februar 2012 lässt sich auch weiterhin niemals die Schuldnerposition Griechenlands auch nur ansatzweise verbessern. Eine Explosion der Wertschöpfung und der Exporte wäre nötig um nachhaltig Verbesserungen zu erzielen, nur wie soll dies bei gleichzeitig weiter zweistellig schrumpfenden Bruttoanlageinvestitionen in die griechische Wirtschaft bewerkstelligt werden? Wie niedrig das Volumen des griechischen Exportes ist, zeigt weiter eindrucksvoll der Vergleich mit Deutschland. Pro Kopf der Bevölkerung war in Deutschland im Februar 2012 das Exportvolumen 7-mal so hoch wie in Griechenland! Solche Ungleichgewichte innerhalb eines Währungsraumes sind irrsinnig und langfristig immer zum Scheitern verurteilt.

Die Entwicklung des griechischen Importvolumens (blau) und des Exportvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 2000 bis Februar 2012 im Chart.

Die Importe sanken im Februar 2012 um -9,52% zum Vorjahresmonat auf 3,248 Mrd. Euro, nach 4,081 Mrd. Euro und nach 3,590 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Zum Vormonat ging es unbereinigt kräftig abwärts, um -20,41%.

Zu beachten gilt, dass es sich bei den monatlichen Export- und Importvolumen um eine nominale Betrachtung handelt, das Außenhandelsvolumen spiegelt also auch die Preissteigerungen ab, real hat es fast überhaupt kein relevantes Wachstum beim Export gegeben, sondern nur eine Schrumpfung der realen Importe:

Die Entwicklung des realen Export (rot)- und Importvolumen (blau) aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) je Quartal seit Q1 2000 bis Q4 2011.

Zurück zu den nominalen Außenhandelsdaten. Das Handelsbilanzdefizit sank im Februar 2012 in Folge der starken Importschrumpfung auf -1,784 Mrd. Euro, nach -2,338 Mrd. Euro im Vormonat und nach -2,364 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Allerdings dürfte ein weiteres Schrumpfen der Importrechnung nur noch bedingt möglich sein, denn durchschnittlich 1,6 Mrd. Euro gehen monatlich nur auf die Ölimporte zurück und die könnten nur wie bisher, durch gnadenlose wirtschaftliche Kontraktion verringert werden, der wirtschaftliche Schaden daraus wäre aber wesentlich höher zu gewichten als der potentielle Gewinn durch die Importschrumpfung aus Sicht der Handelsbilanz.

Auch das Leistungsbilanzdefizit verbesserte sich im Februar 2012: 

Die monatliche griechische Leistungsbilanz seit Januar 2000 bis Februar 2012 im Chart. Im Februar 2012 betrug das Leistungsbilanzdefizit -1,099 Mrd. Euro, nach -1,492 Mrd. Euro im Vormonat und nach -1,880 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

In den ersten beiden Monaten 2012 schrumpfte das kumulierte Leistungsbilanzdefizit um -44,13% auf -2,591 Mrd. Euro, nach -4,638 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Zwar hatte sich bereits das Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 verbessert auf -21,070 Mrd. Euro, nach -22,976 Mrd. Euro 2010, nach -25,819 Mrd. Euro 2009 und nach -34,798 Mrd. Euro 2008 dem Rekorddefizit, allerdings ging diese Erholung, gerne als Folge von Reformen verklärt, mit einer brutalen wirtschaftlichen Kontraktion einher. So sank zuletzt 2011 das reale BIP um -6,9% zum Vorjahr und in Q4 2011 um -7,5% zum Vorjahresquartal! Die Schrumpfung des Leistungsbilanzdefizits spiegelt primär die Kontraktion beim Konsum wider, insbesondere die Importschrumpfung, ist aber keinerlei Beleg für eine bessere Leistungsfähig- oder Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft Griechenlands. Ein Blick auf die BIP-Schrumpfung, auf die Arbeitslosenquote von aktuell 21,8%, auf den Einbruch der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte in Q4 2011 zum Hoch aus Q4 2009 von -26,8%, auf den Einbruch von -32,55% beim Output der Industrieproduktion zum Hoch und z.B. auf den Einbruch der realen Einzelhandelsumsätze von -33,2% zum Hoch zeigen, was primär die Schrumpfung des Leistungsbilanzdefizits anzeigt, eine gnadenlose wirtschaftliche Depression.

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/XLS Balance of Payments Data

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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