Griechenland: Bankeinlagen schwinden weiter

von am 29. März 2012 in Allgemein

Wie die griechische Zentralbank (Bank of Greece) mitteilte sind die Bankeinlagen der privaten Haushalte und der Unternehmen bei den griechischen Banken weiter geschrumpft. Im Februar 2012 sanken die Einlagen um -4,576 Mrd. Euro, nach -5,269 Mrd. Euro im Vormonat. Der zurückgetretene griechische Finanzminister Evangelos Venizelos rief noch am 21.02.2012, im Anschluss an den Beschluss zum zweiten “Rettungspaket” für Griechenland in Höhe von 130 Mrd. Euro durch die Eurogruppe, die Griechen dazu auf: “Bringen Sie Ihr Geld aus dem Ausland zurück, holen Sie es aus den Matratzen!”

Die Entwicklung der Kundeneinlagen bei den griechischen Banken seit Januar 2009 im Chart. Im Februar 2012 betrugen die Einlagen noch 164,381 Mrd. Euro. Seit dem Hoch bei den Einlagen im September 2009 mit 237,824 Mrd. Euro betrug der Kapitalabzug -73,443 Mrd. Euro. Dies entsprach 30,9% der Einlagen.

Die schrumpfenden Kundeneinlagen der privaten Haushalte und der Unternehmen bei den griechischen Banken sind ein Baustein von vielen, welche die Krise in Griechenland anzeigen. Dabei muss es sich zu diesem Zeitpunkt nicht mal mehr primär um Kapitalflucht handeln, sondern viele private Haushalte werden von Teilen des Ersparten leben müssen um die weggebrochenen Einkommen wenigstens eine zeitlang kompensieren zu können.

Reloaded: Griechenland: Auftragseingang der Industrie -14,7%, Griechenland: PKW-Neuzulassungen im Februar mit -45,2%, Griechenland: realwirtschaftliches Armageddon, Griechische Jugendarbeitslosigkeit bei 51,1% im Dezember, Griechenland: Depression pur beim Konsum

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/XLS Einlagen

Kontakt: info.querschuss.@yahoo.de

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16 KommentareKommentieren

  • M.E. - 29. März 2012

    Ein Land blutet aus. Menschlich, finanziell, realwirtschaftlich und bezüglich seiner zukünftigen Chancen.

  • Eric B. - 29. März 2012

    Und trotzdem behauptet der Chef der EU-Task Force, es gehe aufwärts. Dieses Jahr will er sogar 2 Mrd. Steuerschulden eintreiben…dabei wird das Geld massiv abgezogen! http://lostineurope.posterous.com/reichenbergs-milliarden-wette

  • Karsten - 30. März 2012

    Es ist echt grausam bei diesem Wahnsinn zuzuschauen, ohne die eigene Wut auf unsere unfähige Bundesregierung und Opposition lauthals herauszubrüllen.

    http://www.facebook.com/Fiskalpakt

    • Guenni7 - 30. März 2012

      Was hat denn unsere Regierung damit zu tun, wenn griechische Politiker ihr Land seit Einführung des Euros so unverantwortlich hoch verschulden??

      Und was soll denn die Alternative zum jetzigen Vorgehen sein? Geld verschenken damit es den armen Griechen besser geht??

      Die Griechen werden durch ein Tal der Tränen gehen müssen. So wie Sie vorher einige Jahre bestens gelebt haben.

      • Hko - 30. März 2012

        Die deutsche Regierung hat deswegen was damit zu tun, da sie darauf gedrängt hat den Griechen U-Boote zu verkaufen um deutsche Arbeitsplätze zu erhalten, oder Hafenanlagen auszubauen oder, oder oder …. Anstatt den deutschen Arbeitern Urlaub zu gönnen, jetzt wird halt die Zeche nachträglich ausgeglichen :-) selber Schuld eben!

      • Mischa - 30. März 2012

        Also Sie machen es sich da aber sehr einfach. Wie bereits ein Vorposter deutliche gemacht hat, ist die Bundesregierung bezüglich Export von Militärschlager mehr oder minder auch ein Verursacher der griechischen Tragödie (Auf die Abnahme der U-Boote hat die dt. Regierung explizit drauf bestanden !). Ebenso dürfte die deutsche Sozial- und Lohnpolitik, flankiert durch von einer sehr starken “Interessenspolitik” aus BDI und BDA, auch maßgeblich Anteil an der ökonomischen Situation in der südlichen Peripherie Europas haben. Also nicht nur bezogen auf GR. Schließlich ist die Situation in Portugal oder Spanien auch nicht aussichtsreicher. Und die letzten, die etwas dafür etwas können, sind die einfachen Bewohner dieser Länder…!

      • Ratlos - 30. März 2012

        Hätten die Griechen in Drachmen bezahlt, wäre es für die deutsche Industrie ein schlechtes Geschäft gewesen – ergo: sie hätten weniger exportiert – ergo-ergo: unser Wohlstand wäre zwar langsamer gewachsen, dafür aber umso nachhaltiger. Übrigens: die griechische Refinanzierung erfolgte u.a. über die deutschen Banken – die dafür ja auch kräftig Provisionen kassiert haben.

  • Lucy Sky - 30. März 2012

    @Guenni7
    Kommt diese Weisheit aus der Bildzeitung?
    Alternativen:
    -GR (besser schon vor 2 Jahren) zurueck zur Drachme, die dann abwerten, daraus folgt Aufschwung der Wirtschaft
    -Das gesamte Parlament (wie auch den ganzen korrupten Beamtenapparat) austauschen
    -Die zur Verantwortung ziehen, die die Geldmassen hinterzogen und ins Ausland verfrachtet haben.
    -…
    “Was hat denn unsere Regierung…?”
    Die – um die Antwort kurz zu machen – hoert auf die Banken, die ihr sagt, dass sie gerettet werden wollen (genau das passiert naemlich, GR sol ja gar nicht gerettet werden), und veranlasst das dann. Der Grieche muss bluten und der Michel buergt fuer die Kredite.
    Es gibt so viele Artikel ueber das Thema, da ist lesen besser als hier nach Alternativen zu fragen.
    Gut waere es auch, sich mal mit verschiedenen Griechen zu unterhalten!
    Schoenen Tag noch.
    Ach ja, dieses “Tal der Traenen” wird auch noch andere Laender erreichen!

  • Hko - 30. März 2012

    Mich wundert nur, dass überhaupt noch private Einlagen auf den Banken sind, bald werden ein paar Banktempel leer stehen, ob Kirchen oder Diskos draus werden?

    • ö.ä. - 30. März 2012

      Soweit ich weiß, hat die griechische Regierung drei Banken die Lizenz entzogen, um die Einlagen zu sichern. Ich weiß leider nicht mehr, wo ich das vor 2 oder 3 Tagen las.

  • Wolf Larsen - 30. März 2012

    OFF TOPIC:

    Interessant, dass die Einzelhandelsumsätze der BRD im Februar erneut “unerwartet” gesunken sind. Obwohl doch das Regierungspropagandainstrument “GFK Index” das absolut gegenteilige versprach und wiederum ein “Konsumwunder” heraufbeschworen wurde, das ja die “Konjunktur” retten soll.

    Niedriglöhne, enthemmt gierige brd-Unternehmer und straflagerähnliche Zustände in brd-Firmen führen zwar zu mehr Kundschaft bei Tafeln und Notaufnahmestationen der Kliniken und bei Beerdigungsinstituten (während das räudige deutsche Unternehmerpack einen Ferrari nach dem anderen und eine Villa nach der anderen kauft), aber eben nicht in normalen Geschäften.

  • hunsrückbauer - 30. März 2012

    man beobachte die USA. Dort enstehen per Gesetz neue GULAG´s. In Europa wird GR per Austeritätsmaßnahmen der neue GULAG.

    • dank - 30. März 2012

      Das heißt jetzt anders:
      FEMA | Federal Emergency Management Agency – CAMPS
      Gedacht für Seuchen und Katastrophen und als “geschlossene Gastfreundschafts-Zentren” (Neusprech @ its best!) – Entschuldigung: Versorgungs-/Auffang-/Anhalte-/Halte-/Flüchtlingslager
      Ein Schelm wer böses dabei denkt.

      Konservative Schätzungen:
      Kapazitäten ~ 10 Millionen Personen
      Anzahl ~500 Stück
      Fertigstellung ~2012/2013

      In Griechenland sollen mit 250 Mio. Euro Hilfe aus dem EU Fonds ebenfalls Auffang-/Anhaltelager entstehen, offiziell zum “Auffangen” von durchreisenden illegalen Flüchtigen.
      Lager sind immer menschenunwürdig.

      Wird bereits auf einigen anderen Blogs ausgiebig aufgezeigt und diskutiert. –>
      Kleiner Tipp nebenbei: https://www.ixquick.com/deu/protect-privacy.html

  • Georg Trappe: - 31. März 2012

    Hier ein Artikel der sich ebenfalls mit Deposits in Euroland, also Konten mit Haben befasst. Die Interpretation erscheint mir noch etwas konfus und ausgegoren, aber die Zahlen und ihre Entwicklung in den letzten Jahren sind beachtenswert. Bin sicher Querschuesse / Steffen koennte aus dem Rohdatensatz (z.B. durch Skalierung und sinnvolle Bezugsgroessen) mehr rausholen;-).

    http://rwer.wordpress.com/2012/03/30/money-circulation-on-the-eurozone-banks-deposits-under-the-lens/

    Ein gutes Wochenende wuenscht
    Georg Trappe

    • Georg Trappe: - 31. März 2012

      @Querschuesse / (Off Topic)
      Wenn ich die Grafik mit der Ueberschrift Progression Annuelle / Anual growth rates of deposits im RWER Artikel anschaue, dann beginnt auch dort eine massiver Anstieg in 2003. Ich denke diese beschleunigte Bilanzausweitung der Geschaeftsbanken (vermutlich deutsche) duerfte etwas mit dem ursaechlichen Problem zu tun haben. Denn zu diesem Zeitpunkt beginnt auch die dramatische Divergenz der Entwicklungen zwischen z.B. Deutschland und den sog. PIIGS.
      In den USA verkuendet im Oktober 2002 Bush das Minority Home Ownership Programm. Gleichzeitig laeuft die Bildung der “Koalition der Willigen” und die Vorbereitung fuer den Irakkrieg. Dieser beginnt im Maerz 2003.

  • Georg Trappe: - 31. März 2012

    Sorry, sollte natuerlich unausgegoren heissen.