Griechenland: eine befeuerte Abwärtsspirale

von am 22. September 2011 in Allgemein

Die Troika aus IWF, EU und EZB setzt ihren zerstörerischen Kurs in Griechenlands fort. Obwohl alle Wirtschaftsdaten eindeutig belegen, dass die bisherige Strategie der Austeritätsmaßnahmen gescheitert ist, wird mitten in der wirtschaftlichen Depression mit weiteren Sparmaßnahmen draufgesattelt. Beschämend die Einschätzung deutscher Medien dazu, wie z.B. bei SPON, die diese Sparmaßnahmen und deren Vollstreckung mit Reformen gleichsetzen und die betroffene Bevölkerung mit Bewahrern.

Die Gruselliste der Sparmaßnahmen, gemessen an der schon bisher eingetretenen Kontraktion der gesamtwirtschaftlichen Aktivität ist heftig und radikal, der Einkommenssteuerfreibetrag sinkt für Alle auf 5’000 Euro jährlich, dies macht für jeden Steuerzahler eine Einbuße von weiteren -300 Euro im Jahr aus. Der Steuerfreibetrag war erst im Juli 2011 rückwirkend zu Anfang 2011 von 12’000 Euro auf 8’000 Euro gesenkt worden. Alle Renten oberhalb von 1’200 Euro im Monat sollen ab 01.11.2011 um -20% gekürzt werden, die Frührenten für unter 55-jährige von oberhalb von 1’000 Euro im Monat um rabiate -40%. 30’000 Beamte sollen nach offiziellen Angaben entlassen werden und für ein Jahr in einer Reserve, zu 60% ihrer Bruttobezügen landen, wobei die Vorbereitung der Entlassung von insgesamt 70’000 Staatsangestellten in Arbeit sein soll. Auch die Einführung einer Sondersteuer auf Heizöl, mit der der Preis von Heizöl an den Dieselkraftstoff gekoppelt wird, dürfte die Bürger weiter schröpfen, bei einem Liter Heizöl von mindestens ca. 1,40 Euro in der kommenden Heizsaison, nach 0,90 Cent in der letzten.

Die griechischen Bürger haben bereits eine Anhebung der Mehrwertsteuer von 19% auf 23% hinter sich, eine rabiate Kürzung der realen Arbeitnehmerentgelte und diverse Steuererhöhungen, inklusive einer Solidaritätssteuer von gestaffelt 1% bis 4% der Einkommen und einer gestaffelten Sonderabgabe “Lafka” von 3% bis zu 10% auf die Rentenbezüge. Die jetzt zusätzlich neu beschlossenen Sparmaßnahmen dürften den Kollaps der griechischen Ökonomie weiter beschleunigen. Die Strategie der Troika, federführend auch von Deutschland, ist eine absolute Katastrophe, der Euro bringt den Ländern Europas laut Postulat vielleicht Frieden, aber Griechenland früher oder später den Bürgerkrieg! Der Niedergang Griechenlands und die daraus resultierende Ansteckungsgefahr, werden den gesamten Euro-Raum in den Abgrund ziehen. Hier im Blog wurde schon x-mal darauf hingewiesen, dass die Leistungsfähigkeit der griechischen Wirtschaft, Zins und Tilgung der aufgebauten Schuldenpyramide nicht hergibt, das alle Rettungspakete den Griechen nicht helfen, sondern den Gläubigern! Niemals lässt sich das Problem der im Raum stehenden 354 Mrd. Euro Staatsschulden mit Sparen lösen! Im kommenden Winter dürfte die offizielle Arbeitslosenquote auf über 20% springen und die Jugendarbeitslosigkeit jenseits der 50% landen. Der soziale Absturz in Griechenland ist gewaltig. Die Arbeitslosen erhalten nur 12 Monate jeweils 465 Euro, danach geht der Gang ins Nichts, ohne Abfederungen!

Die Wirtschaft befindet sich in einem beispiellosen Abschwung, so sank zuletzt das unbereinigte reale BIP in Q2 2011 um -7,3% zum Vorjahresquartal, zum Hoch im Jahr 2008 beläuft sich die Kontraktion des realen BIP bereits um -16%!:

Das reale Bruttoinlandsprodukt Griechenlands in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 2001. Mit -7,3% in Q2 2011 ging es weiter abwärts auf 40,736 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2011 sank das reale BIP um -7,72% zum Vorjahreszeitraum, ein Desaster pur!

Die Entwicklung der realen Summe aller Arbeitnehmerentgelte im Vergleich zum Vorjahresquartal seit Q1 2001 im Chart. In Q2 2011 geht es zum fünften Mal in Folge abwärts, diesmal um -13,4% zum Vorjahresquartal.

Die Situation Griechenlands ist weiter ausweglos unter den herrschenden Prämissen!

Eine umfangreiche Dokumentation der griechischen Wirtschaftsdaten findet ihr hier: Griechenland-Artikel

Quelle Daten: Protothema.gr/”Bomben auf Renten und Gehälter”, Statistics.gr/PressReleases/QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 2nd Quarter 2011 (Provisional), Statistics.gr/Portal lange Reihe unbereinigte Daten Q1 2000-Q2 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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