Griechenland gerettet – Wahnsinn ohne Ende!

von am 21. Februar 2012 in Allgemein

Die permanente Rettungszone feiert einen weiteren Sieg, das nächste Rettungspaket von 130 Mrd. Euro für Griechenland ist durch, wie zu erwarten war, die falsche Strategie der Troika in Bezug auf Griechenland bleibt am Leben und das griechische Drama innerhalb der Eurozone geht in die Verlängerung. Die Beteiligung der privaten Gläubiger erfolgt etwas höher als erwartet, sie verzichten auf 53,5% der Forderungen, alles in allem kommen -107 Mrd. Euro von der Schuldenuhr runter. Allerdings müssen die einzelnen Gläubiger dem Schuldenschnitt noch zustimmen, die Umsetzung des Forderungsverzichts und die Umwandlung des “Restes” der Forderungen von 93 Mrd. Euro in neue langlaufende Anleihen ist ein zeitraubende Angelegenheit.

Ein den Finanzministern der Eurozone vorgelegtes streng vertrauliches Papier (Preliminary Debt Sustainability Analysis) der Troika (IWF, EU, und EZB) vom 15.02.2012 verdeutlicht die Dramatik und die Hoffnungslosigkeit der Situation. Selbst in diesem Bericht, wird im optimistischen Baseline Szenario nur mit einem Absenken der Bruttostaatsschulden auf 129% des nominalen BIPs bis 2020 gerechnet. Im negativeren Alternative Scenario (Downsideszenario) sinkt allerdings bis 2020 der Bruttoschuldenstand nur auf 159% des nominalen BIPs, aber zuvor in 2015 klettert er noch auf 178%! Diese Rettung ist schon jetzt reine Makulatur, kleinste externe Schocks werden die Verlautbarungen in Luft auflösen lassen und zum Ziel einer relevanten Schuldenverringerung werden sie nicht führen. In dem Papier der Troika wird der Finanzierungsbedarf Griechenlands bis 2020 mit gewaltigen 245 Mrd. Euro angegeben. Allein 50 Mrd. Euro werden als Rekapitalisierung für die griechischen Banken benötigt. Die Troika stellt in dem Papier fest, dass sich die makroökonomischen Aussichten in Griechenland wesentlich verschlechtert hätten! Daran wurde seitens der Troika auch hart gearbeitet, denn mit dem rigiden Spardiktat tat sie alles, um die griechische Wirtschaft in die Depression zu bringen, was einem realistischen Weg zu einer Schuldenabsenkung klar konterkariert.

Selbst im Downsize-Szenario mit noch 159% Staatschulden im Verhältnis zum BIP 2020 geht man von BIP-Wachstumsraten von +1,3 bis +2,3% ab dem Jahr 2014 aus. Quelle komplettes Dokument der Troika: Preliminary Debt Sustainability Analysis vom 15.02.2012 Zerohedge.com/news/presenting-full-greek-sustainability-analysis 

Erst gestern lieferte die griechische Notenbank mit den Daten für Dezember 2011 zur Leistungsbilanz und zum Außenhandel, einen von dutzenden hier im Blog dokumentierten Belegen, dass das Grundproblem der mangelnden Leistungsfähigkeit der Wirtschaft weiter ungelöst ist und die Troika seit 2 Jahren am Problem in Griechenland vorbei laboriert. Im Dezember 2011 sanken die Exporte von Waren und Güter um -12,3% zum Vorjahresmonat:

Die Entwicklung des unbereinigten griechischen Exportvolumens seit Januar 2000 im Chart. Im Dezember 2011 sank das Exportvolumen um -12,3% zum Vorjahresmonat auf schlappe 1,639 Mrd. Euro, nach 1,869 Mrd. Euro im Dezember 2010. Im Dezember 2011 sinkt der Export bereits den dritten Monat in Folge zum Vormonat.

Aus einem durchschnittlichen Exportvolumen von monatlich rund 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2011 lässt sich niemals die Schuldnerposition Griechenlands auch nur ansatzweise verbessern. Eine Explosion der Wertschöpfung und der Exporte wäre nötig um nachhaltig Verbesserungen zu erzielen, nur wie soll dies bei zweistellig schrumpfenden Bruttoanlageinvestitionen in die griechische Wirtschaft bewerkstelligt werden? Eine Quadratur des Kreises. Das Handelsbilanzdefizit 2011 lag trotz Importschrumpfung immer noch bei -27,221 Mrd. Euro. Ein Offenbarungseid! Wie niedrig das Volumen des griechisches Exportes ist, zeigt der Vergleich mit Deutschland. Pro Kopf der Bevölkerung war in Deutschland 2011 das Exportvolumen 7,3-mal so hoch wie in Griechenland! Solche Ungleichgewichte innerhalb eines Währungsraumes sind irrsinnig und zum Scheitern verurteilt.

Die Entwicklung des griechischen Importvolumens (blau) und des Exportvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 2000 im Chart. Die Importe im Dezember 2011 stiegen im Gegensatz zu den Exporten sogar, um +8,1% zum Vorjahresmonat auf 3,595 Mrd. Euro.

Das Handelsbilanzdefizit weitete sich im Dezember 2011 aus, auf -1,956 Mrd. Euro, nach -1,457 Mrd. Euro im Dezember 2010. Zur Wahrheit gehört allerdings auch das ein Schrumpfen der Importrechnung nur bedingt möglich ist, denn durchschnittlich 1,6 Mrd. Euro gehen nur auf die Ölimporte und die könnten nur wie bisher, durch gnadenlose wirtschaftliche Kontraktion verringert werden, der wirtschaftliche Schaden daraus ist und wäre aber wesentlich höher zu gewichten als der potentielle Gewinn durch die Importschrumpfung aus Sicht der Handelsbilanz.

Auch das Leistungsbilanzdefizit verharrte 2011 auf enormen Niveau, es betrug -21,070 Mrd. Euro, nach -22,976 Mrd. Euro 2010:

Die monatliche griechische Leistungsbilanz seit Januar 2000 bis Dezember 2011 im Chart. Im Dezember 2011 betrug das Leistungsbilanzdefizit -2,172 Mrd. Euro, nach -2,303 Mrd. Euro im Vormonat und nach -1,819 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Zwar hat sich das Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 mit -21,070 Mrd. Euro, zum Allzeithoch im Jahr 2008, mit -34,798 Mrd. Euro deutlich verringert, nur selbst eine reale BIP-Schrumpfung von -6,8% zum Vorjahr, im Jahr 2011, brachte nur eine marginale Leistungsbilanzdefizitreduzierung um -1,906 Mrd. Euro zum Vorjahr (von -22,976 Mrd. Euro 2010).

Trotz brachialer realer BIP-Schrumpfung, 20,9% Arbeitslosenquote, Einkommens- und Konsumschrumpfungen auch 2011 werden weiter signifikante Defizite eingefahren, ein Leistungsbilanzdefizit von -21,070 Mrd. Euro und ein Staatshaushaltsdefizit von -28,712 Mrd. Euro. Es galt auch 2011 ein Zwillingsdefizit von -49,782 Mrd. Euro zu finanzieren, unfassbare 23,13% des nominalen BIPs in Höhe von nur noch 215,249 Mrd. Euro.

Die Strategie der Troika, des Sparens bei den Masseneinkommen, die diktierten Einkommensreduktionen, der dadurch ausgelösten Schrumpfung bei Konsum, Investitionen und Wertschöpfung ist ein Rohrkrepierer, denn mit dem dramatisch sinkenden BIP, sinkt auch die Schuldentragfähigkeit und nicht einmal neue Defizite wurden bisher messbar verhindert sondern auch 2011 mit 23,13% des nominalen BIPs generiert. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, vor allem die eh schon unterentwickelte Industrielle sinkt dagegen dramatisch weiter:

Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie (Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Verarbeitendes Gewerbe) von Januar 1995 bis Dezember 2011 im Chart. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im Dezember 2011 um -2,41% zum Vormonat, auf 71,61 Indexpunkte. Damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie weit unter dem durchschnittlichen Niveau von 1995 (um -13,03%), dem Beginn der Datenreihe. Seit dem letzten Hoch im Januar 2007 brach der Industrieproduktionsindex um -32,01% ein.

Das griechische Drama wird im Korsett des Euro-Raumes mit in einem unkontrollierten Zusammenbruch Griechenlands enden bzw. in einer Überforderung der Geberländer aus der Eurozone durch den Transfer, denn die verherrende Strategie der Troika (Gläubigerpartei) wird ja, wenn auch etwas abgeschwächt ebenso in Portugal, Spanien und Italien angewendet und erwirkt Rezession, Arbeitslosigkeit, soziale Verwerfungen und maximiert die Schäden Monat für Monat weiter. Gerade im Falle Griechenland ist klar, die Abwertung nach innen, zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, primär eine Absenkung der Löhne löst das Problem nicht, schafft aber weitere. Nötig wäre eine umfassende Senkung aller Kosten und Preise, die jedoch gibt es nur mit einem Austritt aus der Eurozone und einer Außenabwertung der eigenen nationalen Währung, garniert mit einem Schuldenschnitt der den Namen verdient und einen echten Neuanfang erlaubt.

Reloaded: Wiedervorlage: Währungsunion der Narren, Griechische reale BIP mit -7% in Q4 2011, Zeugnis der Depression, Schande pur!, Griechische Arbeitslosenquote schnellt im November auf 20,9%, Griechische Steuereinnahmen brechen weg!

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/Portal

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40 KommentareKommentieren

  • Eric B. - 21. Februar 2012

    Profitieren werden Banken, Versicherungen und Hedgefonds in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Bei einer Pleite hätten sie alles verloren, nun müssen sie nur auf etwas mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten – der Marktwert der griechischen Anleihen wäre noch niedriger gewesen.

    Die privaten Gläubiger, die laut Schäuble mithaften sollen, werden von diesem Deal in Wahrheit massiv begünstigt. Zudem können sie sicher sein, dass das Geld aus Griechenland beständig weiter fließt – egal, wie die im April geplanten Wahlen in Athen ausgehen.
    http://lostineurope.posterous.com/wir-retten-die-falschen

  • T.o.J. - 21. Februar 2012

    Griechenland ist wohl “gelaufen” da kommt wohl nur noch der Bankrott des Landes in Frage!
    Was wird bei uns in den nächsten 2-3 Jahren passieren wenn die Länder unserer Exporte (in Europa wie auchIinternational) “wegbrechen” ???
    Darauf ist keiner vorbereitet…und wie könnte man sich besten darauf vorbereiten??

    Kann es sein das alles auf Aufstände und Revolutionen, auch in Europa , deutet?

    • gilga - 21. Februar 2012

      Ich würde eher damit rechnen, dass diese Länder (mit Absicht?!) vor die Wand gefahren werden. Übrig bleiben ein paar Staaten die noch nennenswert konkurrenzfähige Industrie haben. Die Hoffnung ist wohl, dass die sinkende Nachfrage aus den betroffenen europ. Ländern durch die steigende Nachfrage aus den BRICS zumindest soweit ausgeglichen werden kann, dass in den Staaten mit halbwegs konkurrenzfähiger Industrie nicht gleich alles zusammenbricht.

      Ob diese Rechnung aufgeht? ich wage es zu bezweifeln. Aber wahrscheinlich ist dies der einzige Strohalm an den man sich in Berlin noch klammert…

  • Weltenbrand - 21. Februar 2012

    @ Querschüsse

    “Das griechische Drama wird im Korsett des Euro-Raumes mit in einem unkontrollierten Zusammenbruch Griechenlands enden…”

    Griechenland wird auch außerhalb des Euroraumes zusammenbrechen, denn selbst dann befindet sich Griechenland ja noch immer auf dem “Weltmarkt”. Wie soll denn das immer wieder halluzinierte “Wachstum” angesichts schon ohnehin bestehender astronomischer globaler “Überkapazitäten” zustandekommen??? Und selbst wenn diese “Überkapazitäten” dorthin verlagert würden, so bestände ja noch immer das Problem der “Konkurrenzfähigkeit” mit den “Lohnveredlungs-El Dorados”, China & Co..

    Nein, Griechenland wird so oder so zusammenbrechen. Es ist nur ein weiterer “Drop Out” innerhalb der konkurrenzinduzierten “Produktivitäts-Reise nach Jerusalem” und erfährt nun wie schon viele davor den finalen und totalen Deindustrialisierungsschub, um dann ebenso im Anomiesumpf zu enden. Akropolis adieu!

    P.S. Für die gesamte Verwertungsveranstaltung gilt: Jetzt bricht zusammen, was zusammengehört.

    • Querschuss - 21. Februar 2012

      Hallo Weltenbrand,
      bis du dir sicher, dass das Problem astronomische globale Überkapazitäten sind, nur in der EU27 waren bereits 2010 115 Millionen Personen bzw. 23,4% der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, offizielle Zahlen von Eurostat. In den USA und anderen selbst entwickelten Staaten sieht es nicht besser aus. Von den vielen hunderten Millionen an Armen in den Entwicklungsländern ganz zu schweigen. Das Problem ist eher nicht primär das der Überkapazitäten, sondern mangelnder Nachfrage auf Grund zu geringer Partizpation der Massen am wirtschaftlichen Fortschritt und enormen Verwerfungen bei Einkommens- und Vermögensverteilung, sowie eines Systems, wo selbst bei enormer Produktivität alles weiter auf dem Faktor Erwerbsarbeit beruht, aber es an adäquater Arbeit in Folge der Produktivitätsschübe mangelt.

      Gruß Steffen

      • Russe - 21. Februar 2012

        Querschuss – 21. Februar 2012 Antworten
        bis du dir sicher, dass das Problem astronomische globale Überkapazitäten sind, nur in der EU27 waren bereits 2010 115 Millionen Personen bzw. 23,4% der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht
        __

        Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun, Steffen.

        • Querschuss - 21. Februar 2012

          Hallo Russe,
          schwache Nachfrage hat nichts damit zu tun, sicher Russe? Hat in Griechenland der Einkommens- und Konsumschwund auch nichts mit dem Schwund beim Output der Produktion zu tun? Sind Konsum und Produktion zwei voneinander losgelöste unabhängige Dinge?

          Gruß Steffen

          • Russe - 21. Februar 2012

            Die “astronomische globale” Überkapazitäten, die im Irrglauben an den unendlichen Wachstum aufgebaut wurden, haben nichts damit zu tun, dass breite Schichten der Bevölkerung aus dem “Konsumrad” austeigen.

            • Querschuss - 21. Februar 2012

              Hallo Russe,
              die Überkapazitäten stellen sich nur als solche dar, da breite Schichten der Bevölkerung das Konsumrad mangels Einkommen verlassen mussten, die stiegen in der Mehrheit gewiß nicht freiwillig aus, sondern mussten aussteigen, so wie gerade in Griechenland.

              Gruß Steffen

      • Weltenbrand - 21. Februar 2012

        @ Steffen

        Keine Frage – in der Tat sind die “Überkapazitäten” nicht Ursache, sondern nur ein Symptom.
        Genau so aber ist die “mangelnde Nachfrage” in Bezug auf die “Kaufkraft” nur ein Symptom. Und wenn überhaupt von “mangelnder Nachfrage” als URSACHE die Rede sein kann, dann in Hinblick auf die “Basisware” “Arbeitskraft” als einzig werrtschöpfender Teil des Kapitals. All die von Dir erwähnten Millionen, ja gar Milliarden Menschen werden für den Produktionsprozess der “Waren” einfach nicht mehr benötigt – sie sind in liberaler Lesart “überflüssig”, nur “Kostenfaktoren”.
        Der “Kapitalismus” alias “Marktwirtschaft” ist nun mal nicht, wie es sich die VWL immer noch zusammenphantasiert eine “friedliche Kreislauftauschveranstaltung”, sondern eben ein AKKUMULATIONSPROZESS, eine “Verwertungsveranstaltung”. Und der “Sinn” dieser Veranstaltung ist nicht die “Schaffung von Arbeitsplätzen” oder gar die “Versorgung mit Gütern”, sondern die Verwertung des Werts alias die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Nicht umsonst formuliert es Marx schon im ersten Kapitel des ‘Kapitals’ im direkten Widerspruch zu Adam Smiths’ ‘Wealth of Natiopns’ folgendermaßen: “Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine “ungeheure Warensammlung”…” Es ERSCHEINT aber eben nur so, tatsächlich hat es mensch jedoch nicht mit einer konkreten “Güterproduktion”, also “stofflichem Reichtum”, sondern eben mit der “Produktion von Waren”. also “abstraktem Reichtum” zu tun.
        Schon in ‘Lohnarbeit und Kapital’ merkt Marx hinsichtlich der auf dem “Markt” “herrschenden” “Konkurrenz” treffend an: „…; dieser Krieg hat das eigentümliche, daß die Schlachten in ihm gewonnen werden weniger durch Anwerben als durch Abdanken der Arbeiterarmee. Die Feldherren, die Kapitalisten, wetteifern untereinander, wer am meisten Industrie-Soldaten entlassen kann.“
        Schon aus dem bisher Erwähnten erschließt sich die banale Erkenntnis, dass diese Veranstaltung schon mal gar nicht auf eine “gerechte Verteilung” von “Gütern” abzielt.

        Die von Dir anvisierte keynesianische Regulation, die als “Lösung” für die in der klassischen Krisentheorie erwähnte “Realisationskrise ” dienen soll, erliegt dabei aber eben dieser Verwechselung von stofflichem und abstrakten Reichtum. Denn das angeblich nur “fehlende” oder gar “falsch verteilte” “Geld” ist ja eben die Realabstraktion jenes “Tausch-werts der Waren”.

        Dieser “Tausch-wert” jedoch ist keine überhistorische “feste Größe”, sondern bemisst sich am gegebenen durchschnittlichen gesamtgesellschaftlichen Produktivitätsniveau, d.h., es macht sozusagen keinen Sinn, mit einer Postkutsche bei einem Formel 1-Rennen anzutreten.
        Der “Wert” der “Waren” wird also durch die in ihnen vergegenständlichte menschliche Arbeitszeit festgelegt – und wenn zur Herstellung eines PKW aktuell durchschnittlich 18 Stunden aufzuwenden sind, so wird jemand, der für ein vergleichbares Modell das Doppelte oder Dreifache dieser Zeit braucht, am Markt trotzdem nur besagte 18 Stunden realisieren können, was nichts anders bedeutet, als dass der Bankrott vorprogrammiert ist.
        Und genau dieser Produktivitätswettlauf läßt am Markt nicht nur ein Unternehmen nach dem anderen kollabieren, nein, ganze Natinalökonomien verschwinden von der Bildfläche.
        So hat dieser Prozess auch den Zusammenbruch der nachholenden Modernisierung des staatskapitalistischen Ostblocks verursacht – diese konnten am Weltmarkt eben nicht mehr mithalten. Seit Erreichen der maximalen Ausdehnung des kapitalistischen Weltsystems in der Hochphase in den 60er Jahren des fordistischen Nachkriegsbooms, hat die unwiderrufliche “Reise nach Jerusalem” begonnen – und seit Mitte der 80er Jahre hat die “Krise” (de facto der voranschreitende Zusammenbruch) begonnen, die Zentren der kapitalistischen Produktionsweise sukzessive zu zersetzen. Griechenland & Co. sind nun nur noch weitere Etappen. Genauso wenig ist auch nur ansatzweise irgendeine neue “Lange Konjunkturwelle”, ein neuer “Kondratjew-Zyklus” auszumachen (also das “Einsaugen” von zuvor “ausgespieener” Arbeitskraft in neuen, beschäftigungsintensiven Produktionsbereichen). Ganz im Gegenteil: Die Produktivkraftentwicklung schreitet weiter pausenlos voran. Selbst im als “neue Supermacht” halluzinierten “El-Dorado-China” wurden durch das Wegbrechen der alten staatskapitalistischen Industrien mehr Arbeitskräfte “freigesetzt” als durch die zwecks “Lohnveredlung” initiierten Produktionsverlagerungen neu enstanden (zumal ja dann auch an den voherigen Standorten dementsprechend viele Menschen den Arschtritt bekamen).

        Durch dieses fortschreitende “Überflüssigmachen” aber wird der innere Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise historisch reif – ein System das auf der ewigen Anhäufung von Arbeitszeitmengen beruht, diese Arbeitszeit jedoch gleichzeitig fortwährend überflüssig macht. Durch die mikroelektronische Revolution ist die nun mögliche Produktivkraft endgültig den “Märkten” enteilt. Wie einst schon Engels im dritten Band des Kapitals anmerkte (`Das Kapital`, Bd. III, S.453): „Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann jener kaum in Jahren absorbieren. … Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerühmte Freiheit der Konkurrenz (alias “Marktwirtschaft“) ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen:“

        Somit stellt sich selbstredend auch wieder, wie von Dir angedeutet: die soziale Frage -(`Das Kapital`, Bd. III, S. 274) : „Eine Entwicklung der Produktivkräfte, welche die absolute Anzahl der Arbeiter verminderte, d.h., in der Tat die ganze Nation (heute eben: die Menschheit) befähigte, in einem geringern Zeitteil ihre Gesamtproduktion zu vollziehen, würde Revolution herbeiführen, weil sie die Mehrzahl der Bevölkerung außer Kurs setzen würde.“ sowie (Kommunistisches Manifest): ” Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.”

        Das Problem der sozialen Frage ist dabei ein dreiteiliges: Zum einen gilt es eine analytische Deutungshoheit herzustellen, also dieses Wissen “mainstraemfähig” zu machen, zum anderen transnationale Foren zu entwickeln, in denen die Grundlagen für ein menschliches Zusammenleben jenseits der “politischen Ökonomie” global ausgearbeitet werden können. Last but not least ist das durchsetzende Moment entscheidend, wobei sich dann postwendend die Frage stellt, ob nicht die Waffen der Kritik auch durch die Kritik der Waffen unterlegt sein sollte – denn eins ist klar: “Das Kapital, das so »gute Gründe« hat, die Leiden der es umgebenden Arbeitergeneration zu leugnen, wird in seiner praktischen Bewegung durch die Aussicht auf zukünftige Verfaulung der Menschheit und schließlich doch unaufhaltsame Entvölkerung so wenig und so viel bestimmt als durch den möglichen Fall der Erde in die Sonne. In jeder Aktienschwindelei weiß jeder, daß das Unwetter einmal einschlagen muß, aber jeder hofft, daß es das Haupt seines Nächsten trifft, nachdem er selbst den Goldregen aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat. Après moi le déluge! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation. Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird.”

        • Querschuss - 21. Februar 2012

          Hallo Weltenbrand,
          dafür das Marx Kritik am Kapitalismus schon vor 130 Jahren radikal war und eigentlich die von dir beschriebenen Folgen, als Quintessenz schon seit vielen Jahrzehnten unausweichlich waren, hat es aber noch lange funktioniert, hat den Realsozialismus überlebt und auch heute ist es keine zwangsläufig endende Veranstaltung sondern das Ergebnis handelnder Menschen und Mehrheiten, dies beinhaltet auch immer noch potentielle mögliche Korrekturen, Regulierungen und Anpassungen im System oder eben vielleicht auch nicht. Das Ende des heutigen Systems, im radikalsten Fall, ist aber nicht das Ende der Geschichte und auch dieses Ende kann sich noch Jahre gar Jahrzehnte hinziehen, trotz Marx und “der unwiderrufliche Reise nach Jerusalem” eines Weltenbrands. Solche absoluten Gewißheiten sind nicht meine Sache.

          Gruß Steffen

          • Weltenbrand - 21. Februar 2012

            @ Steffen

            Auch hier wieder Zustimmung – auch wenn der Zusammenbruch systemisch unausweichlich ist, so kann mensch diesen Verlauf durchaus beeinflussen: Es ist ja eben kein “Naturgesetz”. Selbstredend muss sich für eine Umverteilung auch innerhalb des Systems eingesetzt werden – und den immer weiter um sich greifenden “Zumutungen” muss konsequent ein Riegel vorgeschoben werden. Doch auch da ist fraglich, ob es ohne eine möglichst breitangelegte Aufklärungsarbeit und sogar drastische Widerstandsgestikabgehen kann – gerade angesichts der angeblichen “Alternativlosigkeit”.

            Gruß

            Olaf

        • Weltenbrand - 21. Februar 2012

          @ Steffen

          P.S. War vielleicht ein wenig lang – ist aber auch ein komplexer Zusammenhang.
          Für mich waren diesbezüglich die theoretisch-analytischen Arbeiten der ‘Krisis’-Gruppe um Norbert Trenkle und Ernst Lohoff sowie der ‘Exit’-Autoren Robert Kurz und Claus Peter Ortlieb enorm wichtig, die sich bereits seit den 80er Jahren von den altmarxistischen Diskursen verabschiedet hatten (damals und bis 2004 noch gemeinsam unter dem Dach der Krisis-Gruppe arbeitend) und konsequent die Marxsche Zusammenbruchstheorie weiterverfolgten.

          Als gute Einstiegslektüre anbei ein paar Links

          http://www.krisis.org/2012/die-krise-kurz-erklaert

          http://www.heise.de/tp/artikel/29/29184/1.html

          http://www.heise.de/tp/artikel/29/29235/1.html

          http://www.heise.de/tp/artikel/29/29356/1.html

          http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=1&posnr=548

          http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

          http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=3&posnr=382&backtext1=text1.php

          http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=3&posnr=378&backtext1=text1.php

          Ansonsten auch nochmal einen ausgesprochenen Dank für Deine wirklich weitreichende empirische Arbeit – Friedrich Engels (der ja auch die Hauptarbeit in Sachen Empirie geleistet hat) würde das sicher auch so sehen.

          Mit herzlichem Gruß

          Olaf

      • Eastboy - 22. Februar 2012

        @ Steffen

        Ich mag Paul Krugman nicht besonders,da er ja auch einer von diesen “Keynesianern” ist. Aber selbst er mußte bei seiner Analyse der Krise von 2007/08 zugeben das wir kein Produktionsproblem haben sondern ein Konsumproblem. “wir konsumieren einfach zu wenig”
        waren seine Worte. Ich stehe da erkenntnismäßig auf deiner Seite

        Gruß Kay

  • Systemfrager - 21. Februar 2012

    Endlich ist die Einigung da, Griechenland bekommt neue Milliarden. Das ist eine gigantische Leistung. Hut ab! Ein Beweis, dass da Expreten am Werk waren. Richtige Genies! Und sie haben es in weniger als 3 Jahren geschafft. Einfach gigantisch! Eine Leistung, die nicht die größten Optimisen für möglich halten konnten.

    PS
    Ende 2008 hatte Griechenland gemäß offiziellen Daten der EU-Kommission ein BIP von 233 Milliarden Euro bei 263 Milliarden Euro Schulden, 2009 begann Papandreou mit dem IWF zu verhandeln und nun sehen wir Ende 2011 ein auf 218 Milliarden Euro gesunkenes BIP, aber auf 355 Milliarden Euro angestiegene Schulden. Statt einer Verschuldungsquote von 113 Prozent war Griechenland am Ende 2011 bereits bei 163 Prozent. Na, bravo!

    • Frank Bell - 21. Februar 2012

      Der Papandreou-Clan ist meiner Meinung nach aber (mit) verantwortlich für das Desaster. Dieser Clan macht seit Jahrzehnten Politik für die eigene Geldbörse und gegen die Bevölkerung. Leider ist das Volk so dumm, es nicht zu merken.

      • killing fields - 21. Februar 2012

        Hallo,
        “Leider ist das Volk so dumm, es nicht zu merken.”
        Seit 2004 ist der EU Kommision bekannt das Griechenland seine Zahlen frisiert.
        Wenn schon dann sind wir alle dumm!

        • Lazarus09 - 21. Februar 2012

          Papadamos und war einer der Bänker, die damals als Griechenland mit von Goldman Sachs getürkten Zahlen, den Griechenland-Beitritt als Ökonom der griechischen Nationalbank mit in die Wege leitete !
          Immer wieder Goldman Sucks…

          Volk zu dumm ..? ……den Schuh kann sich der teutsche Michel auch anziehen..

          • Ert - 21. Februar 2012

            Ist das alles was wir nun sehen nicht die ganze Zeit der Plan gewesen? Sir James Goldsmith hat das doch schon 1994 vorausgesehen und beschrieben was die Eliten gerade machen: http://www.youtube.com/watch?v=4PQrz8F0dBI

            Die Frage ist nur, wie kann man denen, die an der Macht Sitzen, die Gesetze machen, die Richter berufen, die Staatsanwälte weisen, die Dokumente verschwinden oder Beweise auftauchen lassen können an den Karren gehen?

            Ich denke das sich erst noch viel mehr Wut und Verzweiflung aufstauen muss um was zu ändern. Obs dann allerdings in die richtige Richtung geht? Die, die das Machtspiel, das Täuschen, die Politik, die Rhetorik beherrschen und die Massen manipulieren können – werden schon dafür sorgen…..

            So gesehen weht in Deutschland momentan ja kaum ein laues Lüftchen….

          • Ert - 21. Februar 2012

            P.S.: Das Goldsmith-Video ist wirklich sehenswert – insb. die US Ministeriumstante. Die glaubt den Unsinn den Sie erzählt – der heute immer noch erzählt wird – wohl wirklich (Ert: “She is totally brainwashed”). Ein Wahnsinn wie der Goldsmith so ruhig bleiben kann, wenn man gegen eine Lügenwand redet.

          • Lazarus09 - 22. Februar 2012

            Ert

            Ist das alles was wir nun sehen nicht die ganze Zeit der Plan gewesen?

            Die Zustände wurden Stück für Stück beiregiert ( so wie man den Frosch kocht ) … also das was wir heute erleben ist in jeder Facette das Ergebnis politischer Entscheidungen .. man hätte es ja auch anders machen können oder korrigieren ..hat man aber nicht ;-) .. sowas nennt man Plan oder Agenda !

            666

  • Andres Müller - 21. Februar 2012

    Die Rettungsmethode bei Griechenland unterscheidet sich ja nicht grundlegend von den bisher bekannt gewordenen Methoden um die Zombiebanken zu retten. Zombiebanken vergeben Kedite an Zombiekonzerne und um die Sache am Rollen zu halten wird auf Halde produziert. Es ist klar dass sich dadurch das Finanzsystem immer mehr der Bürger als tragende Stütze der Wirtschaft entledigt. Dick Marty hat in seinem Bericht in Bezug auf die geheimen CIA Transporte von einer Schatten Sicherheitspolitik berichtet -die hinter dem Rücken der Wähler betrieben wird. Genauso scheint sich eine Schattenökonomie gebildet zu haben, deren Logik sich vor den Menschen verbirgt. In Europa findet sich zum Beispiel die Bruegel Denkfabrik, in welcher solche Netzwerke gebildet werden. Aus diesen ging zum Beispiel Monti, Draghi,Papademos und viele weiteren neuen Politiker hervor, sie sind dabei die Macht in der EU zu übernehmen. Waren die CIA Transporte geplant -und wenn ja von wem -wer gab die Befehle dazu.. Hier wirkten transatlantische Denkschmieden mit -Beziehungsnetze die sich zum Zeitpunkt des Lehman Kollaps gerade bewährt hatten. Sie sind es die im Hintergrund -ohne dass die meisten Menschen dies begreifen- genauso für die Bankenrettung am werkeln wie an der angeblichen Rettung Griechenlands. Es wirkt das geheime Sicherheitsdispositiv des Westens -und das Ergebnis ähnelt einer Angka http://de.wikipedia.org/wiki/Angka

    Mit Begriffen wie Zitronensozialismus ist nicht mehr ganz hinzukommen was geschieht, es scheint sich ein Gläubiger-Kommunismus aufzubauen -also ein zu meinem Erstaunen ein Linksextremismus der von rechtsbürgerlichen Neoliberalen gebacken wird.

    • Andres Müller - 21. Februar 2012

      Und noch eine zynische Bemerkung hinzugefügt -und der Gauck begreift es nicht was geschieht und warum er gewählt wird.

  • 321 - 21. Februar 2012

    Das “Negativ”-Szenario der EU hat die Rezession für 2011 schon mal um 0,7% zu schwach eingeschätzt. Da kann sich ja gedacht werden, wie realistisch die anderen Zahlen sind

  • hko - 21. Februar 2012

    war nicht vor ca 2 Jahren der grosse Aufruf in Deutschland griechische zweijährige Anleihen zu kaufen um den temporären Verfall Griechenlands zu stoppen, und haben sich nicht damals deutsche Politiker aller Couleur gemeldet, dass sie das erste Mal im Leben Anleihen gekauft hätten … ?
    Erst wenn diese Anleihen zu 100% mit Zinseszins zurückgezahlt sind, erst dann wird Griechenland endgültig fallen gelassen. Die Politiker sind doch nicht doof und schneiden sich ins eigene Fleisch.

  • hko - 21. Februar 2012

    warum es unter anderem auch in Griechenland nicht vorwärts gehen kann, kann man aus der Werbung deutscher Steuer- und Unternehmensberater entnehmen …

    Hier ein Satz um dem deutschen Mittelstand den Standort Dubai schmackhaft zu machen, da kann kein Griechenland mit halten.

    … Hinzu kommt die Steuerfreiheit von erwirtschafteten Gewinnen. Durch die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten besteht ein “Wohlfühlklima” für entsandtes europäisches Personal. Geschickte und günstige Arbeitskräfte für die Produktion aus dem indischen Raum und den Philippinen sind bei völliger Sozialversicherungsfreiheit bei Bedarf vorhanden

    …. mit Freiheit für alle, für die einen so, für die anderen so…

  • Ogdan Ücgür - 21. Februar 2012

    Ich will mich nicht mehr mit Griechenland beschäftigen. Jeder normale Mensch würde doch sein Engagement im Ausland jetzt soweit wie möglich reduzieren und versuchen sich auf die eigenen Probleme zu konzentrieren.

    Die Griechen erhalten über die normalen EU Instrumente Strukturhilfefonds, Koheränzfonds etc. seit Jahren Milliarden von Euro (von 1993 – 2013 über 100 Mrd an rückzahlungslosen Nettoüberweisungen). Wenn das nicht reicht, müssen sich die Griechen was überlegen!

    Ich will mich jedenfalls nicht damit beschäftigen. Griechenland ist ein souveränes Land und kann und muß sich alleine und in eigener Verantwortung um seine Probleme kümmern.

    Über eine fondsgebundene Lebensversicherung bin ich leider auch in Griechenland engagiert – seinerzeit wurde die mir verkauft als “nur mit sicheren Anlagen in europäischen Staatsanleihen” investiert – jetzt habe ich schon ca. 2000 Euro verloren. OK, das war der Teil meiner Rente, den ich abschreiben muß, demnächst wahrscheinlich noch ein wenig mehr … Zum Glück bin ich sonst fast komplett raus aus den PIIGS.

    Irgendwann reichts aber. Jetzt sind die Griechen am Zug. Irgendwann müssen alle einsehen, daß nur die Griechen durch eigene Arbeit und Leistung ihre Situation verbessern können.

  • Frank - 21. Februar 2012

    Der anerkannte schweizer Finanzmarktanalyst Felix Zulauf sieht noch sehr große Risiken wegen Griechenland.

    http://www.zuam.ch/publications/2012_de/zulauf_nzz_2012.pdf

    • Andres Müller - 21. Februar 2012

      Das grösste Risiko für die Griechen war ihre Gutgläubigkeit gegenüber den Gläubigern

      Ein genialer und eindrücklicher Kommentar von Herrn Werner Vontobel auf der Bilanz sollte von keinem verpasst werden der meint alles besser zu wissen als ein Grieche:

      “Merkel schlägt Reichskanzler Brüning”

      http://www.cash.ch/news/kolumne/merkel_schlaegt_reichskanzler_bruening-1136945-567

      Daraus sollte man sich das hinter die Ohren schreiben:

      “Welcher Abgrund? Vergleicht man in den Statistiken der OECD die wirtschaftspolitische Leistungen Griechenlands von 2000 bis 2008 mit denjenigen des “Lehrmeisters” Deutschland, schneiden die Griechen fast durchwegs besser ab: Sie haben mehr Jobs geschaffen, die Investitionen schneller gesteigert, das BIP dreimal so schnell erhöht, und anders als in Deutschland hatten auch die Arbeitnehmer etwas davon. Die griechischen Reallöhne stiegen jährlich um 2,6 die deutschen bloss um 0,1 Prozent.

      Doch genau das war das Problem. Weil die Griechen anders als Deutschland oder Holland kein Lohndumping betrieben, stieg die Inflation um durchschnittlich 3,2 Prozent, im EU-Raum aber nur um 2,1 und in Deutschland gar nur um 1,2 Prozent. Dieser Unterschied musste in einer Währungsunion zwangläufig zu einem Leistungsbilanzdefizit führen, das 2008 fast 14 Prozent des BIP erreichte.”

      • Andres Müller - 21. Februar 2012

        Sorry, der Kommentar befindet sich auf Cash, nicht auf der Bilanz. Hinzufügen möchte ich noch: Das Problem der niedrigen Lohnkosten, bzw. dem Wettbewerb um niedrige Kosten führt natürlich in eine Wachstumskrise, der Mechanismus wirkt ja auch im globalen Kontext. Das ist ein typisches Problem des Kaptalismus, von Marx vor Generationen erkannt, in der sozialen Marktwirtschaft in den 50ern diskutiert und über den Aufbau der Sozialwerke entschärft -und nun durch Globalisierung und neoliberale Idioten wieder zum Problem gemacht.

        • Weltenbrand - 21. Februar 2012

          @ Andres Müller

          “Das ist ein typisches Problem des Kaptalismus, von Marx vor Generationen erkannt, in der sozialen Marktwirtschaft in den 50ern diskutiert und über den Aufbau der Sozialwerke entschärft -und nun durch Globalisierung und neoliberale Idioten wieder zum Problem gemacht.” – Genau das Marxsche “Herabsenken des Lohnes unter seinen Wert” – in neoliberalen Neusprech unter “Lohnveredlung” firmierend – “natürlich” “alternativlos”.
          Schon Marx kommentierte bissig eine schon damals ablaufende “Lohnzurückhaltungsdebatte” , wonach “es nicht kontinentaleuropäische Löhne sein sollten, nein, sondern chinesische”.

  • Michael - 21. Februar 2012

    Im Prinzip ist es doch so, dass nur die Griechen IHR Problem selbst lösen könnten. Da ist nix mit “Rettung”. Wenn die nicht wollen, das haben sie jetzt zwei Jahre bewiesen, dann bleibt ihnen nur die Drachme. Das ist nicht böse gemeint, bei den Iberern und Italienern sieht es nicht viel besser aus, aber dort ist es nicht hoffnungslos. Tut mir wirklich leid, aber ich erkenne keine Chance mehr, weil die Griechen sich nicht helfen lassen wollen. Dass Medizin bitter ist, wissen die Menschen nicht erst seit gestern. Letztlich ist der T€uro, so, wie er heute funktioniert, totaler Unfug. Neben der Tatsache, dass die “Maastricht-Kriterien” nicht mal als Witz taugen. Das träfe aber so ziemlich für alle nennenswerten Währungen der Jetztzeit zu. Da muss was umdefiniert werden. Das ändert nicht die Fakten, wohl aber ihre Interpretation.

  • Vivlos - 22. Februar 2012

    @Andres Müller

    Sorry, aber Werner Vontobel hat entweder keine Ahnung von Griechenland, oder kann sich nicht vorstellen,
    das man mitten in Europa einen schwarzafrikanischen Staat hat.
    Arbeitsplätze, Lohnsteigerungen, etc., alles Schuldenfinanziert.

  • Russe - 22. Februar 2012

    Querschuss – 21. Februar 2012

    die Überkapazitäten stellen sich nur als solche dar, da breite Schichten der Bevölkerung das Konsumrad mangels Einkommen verlassen mussten
    __

    Die Überkapazitäten wurden aufgebaut, da die Industrie den “credit bubble” folgen muss.

    • Querschuss - 22. Februar 2012

      Hallo Russe,
      mal von China abgesehen halte ich deine These für grundlegend verkehrt, die Kreditexpansion spiegelt sich nicht in industrieller Wertschöpfung wieder, sondern war und ist meist eine Fehlleitung in spekulative und unproduktive Bereiche bzw. floss im Westen in den Konsum und ersetzte Einkommen, was nicht lange gut geht, auf Grund der aufgebauten Überschuldung auch der privaten Haushalte.

      Gruß Steffen

  • Vandermonde - 22. Februar 2012

    Man liest überall, dass die unterschiedliche Entwicklung der Lohnquoten eine Mitursache der divergierenden Leistungsbilanzdefizite sind.

    Kann vielleicht jemand näher erklären, warum die Löhne in Griechenland vergleichsweise stark angestiegen sind? Gibt es dafür ökonomische und damit mehr oder weniger zwangsläufige Gründe (e.g. Zinsätze o.ä) oder ist das nur politisch, durch die vor dem Beitritt entstandenen politischen Machtverhältnisse und Usancen, zu erklären?

    Irgendwo habe ich auch gelesen, dass die Lohnstiege gar nicht so gravierend waren, wenn man eine Zielinflationsrate von 2% heranzieht, die ja durch Maastricht vorgegeben ist, während Deutschland diese Zielinflationsrate deutlich unterboten hat (keine Ahnung, ob das stimmt).

    • Kriesenspass - 22. Februar 2012

      Hallo Vandermonde, schau mal hier:

      Welche Verantwortung kommt der Lohnpolitik bei der Lösung der Euro-Krise zu?
      http://www.nachdenkseiten.de/?p=11454

      • Vandermonde - 23. Februar 2012

        Danke für den Link – ist sehr interessant…

        Aber der Text beantwortet meine Frage nicht wirklich, da er sich vor allem auf die Gründe der Lohnentwicklung in Deutschland konzentriert.

        Einen Link den ich gerade dazu gefunden habe, ist folgender:
        http://diealternative.org/verteilungsgerechtigkeit/2011/07/lohnentwicklung-in-europa-i-wirtschaftliche-rahmenbedingung-der-lohnpolitik/

        dort heißt es:
        “Kollektivvertragsverhandlungen orientieren sich hinsichtlich der Lohnsteigerung traditionell an der Inflation [..] Auch hinsichtlich der Inflation war die Entwicklung innerhalb der EU keineswegs einheitlich. Während Griechenland (4,7 %), Rumänien (6,1 %), Ungarn (6 %) und Großbritannien (3,3 %) Inflationsraten deutlich über dem EU-Schnitt aufwiesen, waren in Irland (- 1,6 %) und Lettland (- 1,2 %) sogar deflationäre Entwicklungen zu beobachten.”

        Das würde dann bedeuten, dass die griechsichen Gewerkschaften Lohnsteigerungen deutlich unter der Inflation hätten akzeptieren müssen. Vielleicht ist das als Erklärung schon ausreichend?

  • Kartoffel - 22. Februar 2012

    Ich verstehe nicht wie eine DEUTSCHE Lebensversicherung wegen Griechenland Probleme bekommt. Die haben ihr Geld in Deutschen Staatsanleihen und diese sind in den letzten Jahren massiv an Wert gestiegen. Auf gradezu idiotische Höhen. Ich weiß, die aktuelle Rendite ist großer mist, aber die Garantierendiete sollte noch die nächsten 5 Jahre drinn sein. Vielleicht handelt es sich stattdessen um einen Fond. Inrenta von DWS ist z.B. verbreitet und sitzt nach deren Werbung zu 85% auf Griechenanleihen und in der Realität zu hohen Anteilen auf (Ami-)Schrottimobilien.
    @123
    Danke fpr den Hinweiß das die EUdioten 0,7% unter worst case liegen.
    Da kann man so schön fagen, gabs eine Naturkatastrophe? China-Crash? Lehman-Crash? Also irgendwas “neues”.
    Kartoffel

  • Toni - 24. Februar 2012

    Hab ich mir ausgeliehen, um zu verdeutlichen, wohin die Reise geht.

    Vielen Dank!
    Ich bin selbst Grieche, der noch vor 5,5 Jahren in Deutschland gelebt hat. Am Anfang habe ich selber geglaubt, dass Griechenland undankbar war, und umsonst demonstriert, obwohl man uns Hilfspakete schickt. Aber man sollte nicht alles glauben, was einige (vor allem deutsche) schmuddelBlaetter zum Thema Griechenlandkrise schreiben. Natuerlich sind die Leute hier nicht faul und zum Thema arbeiten, kann ich sagen, dass sie viel laenger arbeiten als die meisten in Europa. Teilweise natuerlich schwarz, aber sie machen es nur um zu ueberleben. Glauben Sie mir, ich kann es sehr gut vergleichen, schliesslich habe ich lange genug in Deutschland gearbeitet, mit vernuenftigen Verhaeltnissen. Hier muss ich viel mehr arbeiten, fuer weniger Geld. Ich fordere jeden auf, der das hier liest, dass er mit 600 euro mal einen Monat auskommt und das bei den unglaublichen Preisen, die in Griechenland im Moment herrschen, teurer als in Deutschland.
    Erstens: das neue Sparpaket setzt voraus, dass die Loehne auf ca. 440 gekuerzt werden, um den Betrieben zum Aufschwung zu verhelfen. Welchen Aufschwung bitteschoen? Damit die Arbeitgeber noch mehr verdienen und die Arbeitnehmer verhungern. Ich denke, jeder von Ihnen, der in deutschsprachigen Laendern schon einmal Arbeitslosengeld erhalten hat, in der Hoehe von ca. 750 Euro,weiss, dass man damit nicht leben kann. Stellen Sie sich die Verhaeltnisse hier vor.
    Zweitens: Die Preise wurden so erhoeht (Lebensmittel und Gueter, die jeder Mensch noetig hat, z.B. kostet das Benzin mittlerweile ueber 1,70 euro/pro Liter), und trotz dessen haben die Menschen hier alles nur aufs allernoetigste reduziert, so dass die Einnahmen fuer das Land nicht so hoch sind wie erwartet. Dadurch setzen sie neue Steuern auf und drohen mit Strom abdrehen und soweiter, wenn diese nicht beglichen werden. Man sollte schon verstehen, dass wenn der Konsum gesunken ist, dass sich die Leute nix mehr leisten koennen und sie nicht noch weiter ausnehmen.
    Drittens und entscheidendes: Die Milliardenhilfe geht nicht zu gute der (faulen) Griechen, sondern um Staatsschulden gegenueber Glaeubigern zu tilgen, sie werden nicht in eine Volkswirtschaft investiert, um tatsaechlichen Aufschwung zu foerdern. Die Griechen selbst haben nix davon, im Gegenteil, sie werden noch mehr ausgenommen.
    Ich moechte jeden einzelnen Deutschen und anderen Europaern darum bitten, Verstaendnis fuer die Reaktionen der Griechen zu zeigen, ich denke, nachdem was ich oben erlaeutert habe, ist es verstaendlich. Beachten Sie nicht diese Bilder, die Frau Merkel als Hitler verherrlichen, das sind Einzelfaelle, die einige Zeitungen natuerlich ganz gross machen (die wollen ja auch Blaetter verkaufen), das ist das wichtigste fuer Sie, nicht die Wahrheit. Ich finde es traurig, ich habe 27 Jahre in Deutschland gelebt und genoss eine auslaenderfreundliche Umgebung. Es tut mir weh, wenn ich heute Deutschland besuche und weil ich Grieche bin, teilweise als ein nichtsnutziger Betrueger und Faulpelz abgestempelt werde (gluecklicherweise nur selten). Beruecksichtigen Sie, dass das Machenschaften von geldgierigen Industriellen und korrupten Politikern sind und dass das griechische Volk im Moment die Opfer und Versuchskaninchen sind. Wie wuerden Sie sich fuehlen, wenn einige maechtige Menschen ueber alles entscheiden und Ihre Heimat langsam aber sicher zerstoeren wuerden und Sie koennen nur tatenlos zusehen.
    Ich moechte mich fuer den Beitrag im Spiegel bedanken und bei jedem der das hier liest.

    Toni

    p.s. jeglicher Kommentar überflüssig!