Griechenland: hoffnungslose Bankenkrise in Folge exzessiver Finanzierung

von am 26. September 2011 in Allgemein

Die griechische Staatsschuldenkrise ist nicht nur ein Problem der aufgebauten Schuldenpyramide, sondern vor allem eines der mangelnden realen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, die eine Bedienung und Tilgung der Schulden nicht mehr ermöglicht. Das bei der Erreichung dieses Zustandes, die Einführung des Euro als Katalysator fungierte, bleibt eine nüchterne Feststellung, denn seit der Euromitgliedschaft hat Griechenland permanent an Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Die prozentuale Entwicklung der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren) Jahr 2000=100. Während Deutschland seinen Produktionsoutput um +22,99% von 2000 bis Juli 2011 steigern konnte, lag der Output in Frankreich um -4,73%, in Portugal um -18,65%, in Italien um -15,34%, in Griechenland um -23,89% und in Spanien um -15,37% unter dem Niveau des durchschnittlichen Produktionsoutputs aus dem Jahr 2000! Die Situation der industriellen Wertschöpfung in Griechenland, ist noch viel schlimmer als dieser Chart vermuten lässt, denn dieser zeigt nur die prozentuale Entwicklung seit dem Jahr 2000 an (2000=100), aber trifft keine Aussage über das niedrige absolute Niveau des Outputs der Industrie.

Dies ist alles bisher nichts Neues, sondern dutzende Male im Blog ausgeführt und dokumentiert, ebenso dass die geringe Marktkapitalisierung der griechischen Banken de facto eine Insolvenz des griechischen Bankensystems anzeigt. Wenige Banken in Griechenland vereinen über 95% der Bilanzsumme aller griechischen Finanzinstitute. Per Schlusskursen von heute betrug die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken nur noch schlappe 5,707 Mrd. Euro und dies bei einer Bilanzsumme aller griechischen Finanzinstitute von 651,004 Mrd. Euro. Die hier immer aufgestellte Behauptung das nicht nur der Staat, sondern auch das gesamte griechische Bankensystem insolvent ist, lässt sich leicht anhand der Daten von der griechischen Zentralbank belegen:

Die Entwicklung der Total Assets (Vermögenswerte) der griechischen Monetary Financial Institutions (MFIs) seit März 1998 im Chart. Die Assets (Forderungen) der griechischen Finanzinstitute sind von 183,480 Mrd. Euro auf 651,004 Mrd. Euro im Juli 2011 gestiegen. Diese exzessive Ausweitung und mehr als Verdreifachung der Bilanzsumme der griechischen Banken seit März 1998, ging einher, ohne das die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft anstieg.

Das Eigenkapital aller griechischen Banken betrug im Juli 2011 nur 47,303 Mrd. Euro, um die potentiellen Verluste aus vergebenen Krediten, Derivaten, Staatsanleihen u.a. Finanzanlagen (alles Assets) abfedern zu können. Nicht nur bei einem Staatsbankrott sind die griechischen Banken platt, es reicht schon ein moderater Schuldenschnitt, denn griechische Banken, weisen trotz Auslagerungen von griechischen Staatsanleihen zur EZB, immer noch ein Volumen von 76,965 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen aus! Darüber hinaus dürfte sich aus dem vergebenen Kreditvolumen auch an Private und Unternehmen, auf Grund der miesen wirtschaftlichen Lage, ein enormes Abschreibungspotential bei einer ehrlichen Bilanzierung ergeben.

Die Entwicklung des gesamten ausstehenden Volumen bei vergebenen Krediten und Darlehen seit Januar 2003, von 145,295 Mrd. Euro bis Juli 2011 mit 331,207 Mrd. Euro. Mehr als eine Verdoppelung seit Januar 2003!

Noch deutlicher macht die Fehlentwicklung der folgende Chart mit den Daten des Volumen der ausstehenden Kredite und Darlehen nur an private Haushalte, mit weit zurückgehenden Daten:

Die Entwicklung des Volumens der ausstehenden Kredite an private Haushalte in Mrd. Euro seit Januar 1980 bis Juli 2011 im Chart. Im Juli 2011 lag das vergebene Kreditvolumen bei 115,951 Mrd. Euro (davon 79,936 Mrd. Euro private Hypothekenkredite). Bei Einführung des Euro als Bargeld im Januar 2002 lag das Volumen aller Kredite an Private noch bei 24,143 Mrd. Euro. Damit ist eindeutig dokumentiert, das sich die Exzesse seit Euro-Einführung enorm beschleunigten bzw. überhaupt erst stattfanden.

Die Last aus 354 Mrd. Euro Staatsschulden und von 651 Mrd. an Forderungen der griechischen Banken gilt es von der Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft zu tragen, die dem eines etwas erweiterten Agrarstaates entspricht. Ein völlig aussichtsloses Unterfangen und die chronische Verlängerung dieser absurden Aufgabe ist sicher dem geschuldet, dass über die EZB, Target2, und über die Verbindlichkeiten aller griechischen Banken nur gegenüber den Banken der Eurozone (allein 126,146 Mrd. Euro im Juli 2011), alle relevanten Institutionen der Eurozone in diesem Ponzi Scheme involviert sind.

Die Troika will nun neben der Rettung des griechischen Staates durch Sparen auch die griechischen Banken retten. Mit Garantien in Milliardenhöhe aus den Strukturfonds der EU soll die Kreditlücke gemindert werden, die im Zuge der maroden Bilanzen entstanden ist und die Kreditvergabe an die Wirtschaft stagnieren lässt. Der deutsche Chefs der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach meinte laut Handelsblatt: “Es ist für Griechenlands Wirtschaft ein großes Problem, dass die Realwirtschaft keinen Zugang zu Darlehen bekommt.” Die Fage bleibt, ob sich dieses Problem wirklich so darstellt oder ob nicht eh durch die drastische Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität und der Binnennachfrage, die Unternehmen sich hüten werden zu investieren und somit auch nur bedingt ein Kreditbedarf besteht. Auch ein: “Der Bankensektor war sehr solide, hat aber unter der Krise der Staatsfinanzen schwer gelitten. Er ist nicht in der Lage, das so nötige Wachstum zu finanzieren und mitzutragen.“ ,…trifft es nicht wirklich, denn wie die obigen Charts zeigen, stand die Kreditvergabe überhaupt nicht in Realtion zur erzielten Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Die Kredite verschwanden unproduktiv größtenteils in Konsum, den spekulativen Aktivitäten der Banken und der Finanzierung des Staates. Eine wirkliche Rettung der griechischen Banken dürfte allerdings die Fähigkeiten der EU-Strukturfonds weit mehr als überfordern.

Es stellt sich allerdings die Frage, wo waren die EU-Institutionen während des Aufbaus der griechischen Kreditpyramide, eine Aufsicht, Kontrolle und Regulierung? Die Eurozone und ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik ist in erster Linie eine Geschichte des Versagens!

Die Eurozone möchte den Staat sanieren und die Banken und zur gleichen Zeit ziehen Teile griechischen Privathaushalte und Unternehmen den Stecker und ziehen ihre Spareinlagen von den Banken ab und auch diese Kapitalflucht wird über diverse Mechanismen, die die griechischen Banken stützen, von der Eurozone erst ermöglicht.

Die Entwicklung der Einlagen der privaten Haushalte und Unternehmen seit Januar 2009 im Chart. Während in der Finanz- und Wirtschaftskrise die Einlagen bis Ende 2009 stiegen, dokumentiert sich in der Finanzkrise 2.0 eine Kapitalflucht. Seit dem Hoch im Dezember 2009 mit Einlagen von 237,531 Mrd. Euro wurden bis Juli 2011 -50,316 Mrd. Euro abgezogen! Immerhin -21,2% der Einlagen und im Juli 2011 betrug die Summe der Einlagen privaten Haushalte und Unternehmen noch 187,217 Mrd. Euro, es war der siebte Monat in Folge mit einem Rückgang bei den Einlagen.

Noch ein kurzer Blick auf die National Bank of Greece S.A., die größte griechische Geschäftsbank mit Total Assets von 119,205 Mrd. Euro in der Bilanz und damit von etwas mehr als einem Sechstel aller Assets der griechischen Finanzinstitute. Laut Geschäftsbericht zum 1. Halbjahr 2011 betrug das Eigenkapital noch 9,009 Mrd. Euro, aber unter den Forderungen (Aktiva) befinden sich alleine 14,203 Mrd. Euro an Staatsanleihen und 75,317 Mrd. Euro an Forderungen aus Konsumentenkrediten, Hypothekendarlehen und Unternehmensdarlehen. Festhaltenswert, bereits jetzt hat sich die National Bank of Greece S.A. nach eigenen Angaben Liquidität in Höhe von 25,1 Mrd. Euro bei der EZB gezogen, dies entspricht 21% der Bilanzsumme der größten griechischen Bank. Darüber wird unter anderem die Kapitalflucht von -6,256 Mrd. Euro bzw. von -12% in Q2 2011 zu Q1 2011 der Griechen bei der National Bank of Greece S.A. ermöglicht. Die Einlagen griechischer Kunden sanken auf 44,571 Mrd. Euro, nach 50,827 Mrd. Euro im Vorquartal.

Die Entwicklung des Aktienkurses der National Bank of Greece S.A., der größten griechischen Geschäftsbank, seit Januar 2003 im Dailychart. Per heutigem Schlusskurs sank die Aktie um weitere -6,52% zum Vortag, auf nur noch 2,58 Euro und damit auf ein neues Tief. Zum Vorjahr hat die Aktie bereits -74,58% verloren! Zum Hoch am 31.10.2007 mit einem Aktienkurs von 47,98 Euro betrug der Einbruch fulminante -94,62%! Selbst die Marktkapitalisierung der größten griechischen Bank ist auf nur noch 2,466 Mrd. Euro abgeschmolzen, beim Hoch waren es 45,860 Mrd. Euro!

Der Aktienkursentwicklung des TOP-Privatisierungskandidaten TT Hellenic Postbank:

Die Entwicklung des Aktienkurses der griechischen TT Hellenic Postbank seit Juni 2006 im Dailychart. Per heutigem Schlusskurs sank die Aktie um -14,13% zum Vortag, auf armselige 0,79 Euro. Allein seit Jahresanfang 2011 hat die Aktie -81,75% verloren. Zum Hoch am 06.02.2007 mit einem Aktienkurs von 21,38 Euro betrug der Verlust brachiale -96,3%!  

Bei der aktuellen Marktkapitalisierung der TT Hellenic Postbank von nur noch schlappen 230,417 Millionen Euro würde die Privatisierung des 34% Staatsanteils 78,342 Millionen Euro einspielen, wahrlich “ein großer Schritt” hin zur Sanierung der Staatsfinanzen.

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks, der die Aktienkurse der 9 größten griechischen Banken abbildet seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex brach auch heute per Schlusskurs ein, um -6,27% zum Vortag und notiert bei nur noch 443,48 Indexpunkten. Von der Erholung der Aktien in Deutschland und in anderen Teilen Europas, auch in Folge eines Ifo-Geschäftsklimaindex, der weniger als erwartet fiel, lässt sich bisher der Bankenindex Griechenlands nicht positiv inspirieren. Zum Vorjahr verlor der FTSE Athex Banks -71,88% und zum letzten Hoch am 06.11.2007 mit 7758,07 Indexpunkten satte -94,28%.

Alle hier präsentierten Daten zeigen eine große Portion an Hoffnungslosigkeit für eine Auflösung der Griechenlandkrise. Die Illusion von Rettung ist “TINA” (There Is No Alternative) nicht zu nehmen, in der Realität wird es aber sogar immer schwerer, wenigstens noch Zeit zu schinden für den Erhalt des Status Quo.

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/Statistisches Portal, Nbg.gr/Geschäftsbericht 1. Halbjahr 2011 NBG-Group, Nbg.gr/Q2 2011 Presentation NBG-Group

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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