Griechenland: Industrieproduktion im Februar mit neuem Tief

von am 10. April 2012 in Allgemein

Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete für den Februar 2012 von einem Einbruch des unbereinigten Outputs der breit gefassten Industrieproduktion von -8,3% zum Vorjahresmonat. Besonders brisant, gerade das vergleichsweise stark unterentwickelte Verarbeitende Gewerbe in Griechenland, brach selbst zum schwachen Niveau des Vorjahresmonats um weitere -10,6% ein. Es bleibt weiterhin unglaublich, über welchen langen Zeitraum die verfehlte Strategie der Troika (IWF, EU und EZB) völlig kontraproduktive Ergebnisse einfahren kann, ohne dass diese Strategie wirklich kritisch hinterfragt bzw. geändert wird.

Gerade wenn man als Hauptursache der griechischen Misere, die mangelnde wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Wirtschaft diagnostiziert, ist noch weniger Leistungskraft, insbesondere bei der industriellen Wertschöpfung keine Antwort und ein nicht akzeptables Ergebnis. Beim Subindex Bergbau ging es im Februar 2012 um -11,5% abwärts, beim Verarbeitenden Gewerbe um -10,6%, der Output der Energieversorger sank um -1,8% und der Output der Wasserversorger sank um -1,4%, jeweils zum Vorjahresmonat. Insgesamt sank der unbereinigte Index der Industrieproduktion um -8,3% zum Vorjahresmonat.

Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie von Januar 1995 bis Februar 2012 im Chart, laut den Daten von Eurostat. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im Februar 2012 um -2,3% zum Vormonat, auf 71,88 Indexpunkte. Damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau von 1995 (-12,2%), dem Beginn der Datenreihe. Seit dem Allzeithoch was bezeichnenderweise im August 2000 markiert wurde, mit 106,56 Indexpunkten, brach der Industrieproduktionsindex um -32,55% ein.

Diese Daten bleiben eine Bankrotterklärung der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Eurozone, die im Endergebnis weniger statt notwendigerweise mehr wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gebracht hat!

Quelle Daten: Statistics.gr/PDF Pressmitteiliung Industrieproduktion Februar 2012

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18 KommentareKommentieren

  • Harald E - 11. April 2012

    “…Es bleibt weiterhin unglaublich, über welchen langen Zeitraum die verfehlte Strategie der Troika (IWF, EU und EZB) völlig kontraproduktive Ergebnisse einfahren kann, ohne dass diese Strategie wirklich kritisch hinterfragt bzw. geändert wird…”

    Absicht.

    Bleibt nur die Frage nach dem Motiv.

  • OmO - 11. April 2012

    Die Absicht liegt doch auf der Hand: Man möchte Griechenland davon überzeugen, sich “freiwillig” aus dem Euroraum zu verabschieden.

  • Rene - 11. April 2012

    Ich glaube nicht, dass es das Ziel ist Griechenland aus dem Euroraum zu drängen. Dann verliert man nämlich auch die Kontrolle über das Land.
    Man kann die “Vereinten Nationen von Europa” nur Gründen, wenn die einzelnen Nationalstaaten geschwächt werden und sie die Kontrolle über ihre Haushalte und Wirtschaftspolitik an Europa abgeben. Wenn es das Ziel ist alle Staaten in die Handlungsunfähigkeit zu treiben und ihnen dann auf EU Ebene zu sagen, was sie machen sollen, dann machen unsere Politiker eigentlich einen “super Job”…

  • Georg Trappe: - 11. April 2012

    Die meisten Menschen in Europa koenen sich nicht vorstellen, welche radikalen Absichten und Ziele der Neoliberalismus verfolgt, welch menschenverachtendes Weltbild dahinter steckt und was es fuer sie und ihre Kinder bedeutet, wenn man diesen Zielen per verordneter Austerity naeher kommen wird.
    Passend zum Thema ein Artikel von Michael Hudson:
    http://michael-hudson.com/2012/04/debts-that-cant-be-paid-wont-be/
    Das pdf ist etwas laenglich, aber lesenswert.

    • Andreas Z - 11. April 2012

      Das Ergebnis beruht nicht auf neoliberaler Wirtschaftspolitik, ganz im Gegentei, wir haben es mit einer völlig verfehlten Politik des Staatsintervenismus zu tun. Dabei spielen die Banken als Geldgeber natürlich ein wichtige Rolle. (Kartell aus Regierungen und Banken) Wir haben es mit einem Totalversgen des quasi EU-Sozialismus zu tun.

  • topperhopper - 11. April 2012

    Ich glaube, dahinter steckt weder die Absicht, GR so schwach zu machen, dass es endlich austritt, noch die Absicht alle zu schwächen, so dass endlich die USE gegründet werden können. Hinter all dem steckt kein Masterplan – aber dieser Reflex ist wohl so alt wie die Menschheit.

    Die Summe der Fehlentscheidungen in den letzten Jahrzehnten führt dazu, dass wir jetzt versuchen, uns irgendwie weiterzutasten (inkl. neuer Fehlentscheidungen…).

    • Quotenossi - 11. April 2012

      Ich sags gleich vornweg: der Begriff Verschwörungstheoretiker kommt bei mir nicht vor.
      Jedoch, wer glaubt, daß hier kein Plan dahintersteckt, der wirds glauben, wenns soweit ist…

    • titoslavija - 11. April 2012

      wenn man zum ausbeuten eines landes einen plan benötigt, gab es einen.

  • Kurt Erich Mest - 11. April 2012

    Mit den Begründungen für die Austerndiät ist das so ähnlich wie mit denen für den Afghanistan-Krieg: Wenn sich eine als haltlos erweist, dann muss eben eine andere her. Dass Griechenland seine Staatsschulden nicht weg- sondern hochspart (durch Nachfrageausfall – Rezession – Steuerausfälle und Sozialkosten), müssten sie schon langsam kapiert haben. Seit diesem Jahr bekennen sich Schäuble und Konsorten zu einer neuen Begründung und tun so, als sei sie das von Anfang an gewesen: Sie wollen in Griechenland eine Währungsabwertung ohne Währungsabwertung schaffen, und das soll so laufen: Die um sich greifende Armut und Arbeitslosigkeit, die sinkenden Löhne sollen zu fallenden Preisen führen – streng nach dem neoklassischem Dogma, dass jede Wirtschaft von einem schönen Gleichgewicht ins nächste rutscht. Die billigeren Erzeugnisse können sich die Griechen dann wieder leisten, und sie sind international wettbewerbsfähig. Die Troika bekennt sich nun also zu einer http://de.wikipedia.org/wiki/Deflationspolitik. Das Problem damit ist allerdings: Die Preise sinken überhaupt nicht, sie steigen und verschlimmern den Kaufkraftverlust der Griechen. Sie werden sich also bald was neues überlegen müssen.

  • M.E. - 11. April 2012

    Auch Spaniens Indurstrieproduktion sinkt immer schneller.
    Kalenderbereinigt schon um 5,1% zum Vorjahreszeitraum.

    http://www.onvista.de/news/marktberichte/artikel/11.04.2012-10:52:01-spaniens-industrieproduktion-sinkt-schneller?newshash=92d7cab12af2340955328b4e5a910161

    • MagnaBavaria - 11. April 2012

      Spanien wird in zwei Jahren dort sein, wo Griechenland heute ist.

  • Sochard - 11. April 2012

    Die Boschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube …

    Wie wären sie die massiven Fehlentwicklungen in Griechenland angegangen?

    Dieser Staat hatte von Anfang an auf Grund seiner gewaltigen Mängel nichts in der EU verloren, von der Euromitgliedschaft möchte ich gar nicht sprechen. Ohne gewaltigen Druck wäre das Land niemals zu solchen einschneidenden Schritten fähig gewesen, kein Land wäre das, aber was wäre die Alternative, nach Lehman noch eines draufzusetzen um das Ganze völlig aus dem Ruder laufen zu lassen?

    Ich weiss keine Antwort und ich gestehe auch zu, dass der eingeschlagene Weg mehr als fraglich war, doch ich musste auch nicht 17 Regierungen unter einen Hut bringen oder um die Zustimmungvon zig. Millionen Wähler buhlen, nicht in Zeiten wie diesen!

    Ich denke, dass der Fall Griechenlands niemals ein positives Ende nehmen konnte, denn niemand war in der Lage ohne “Wenn und Aber” zu helfen. Mein Eindruck war, dass ganze war ein Versuch das europäischen Finanzsystem zu stabilisieren in dem man die Vorraussetzung zu einer geregelten Insolvenz geschaffen hat ….

  • Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt - 11. April 2012

    Man haette Griechenland schon helfen koennen. Natuerlich hat es ein endemisches Korruptionsproblem. Aber wenn Korruption ein Problem fuer eine Volkwirtschaft waere, dann wuerden nicht Brasilien, Indien, China, Suedafrika wachsen, sondern nur Schweden und die Schweiz. Ansonsten sah die Lage in Griechenland gar nicht so duester aus. Der Staat war zwar hochverschuldet, allerdings gab es seit Einfuerhung des Europs keine nennenswerte Erhoehung der Schuldenquote. Die Privathaushalte und Unternehmen standen bei der Verschulden zudem viel, viel besser da als zum Beispiel in Spanien, Portugal oder auch UK und US. Haette jemand von Anfang an Griechenlands Schulden garantiert, dann waere der Staat nie so abgeschmiert. Langfristige Konsolidierung haette gelingen koennen. Der Absturz war keine Naturnotwendigkeit, sondern klare Folge der katastrophalen Rettungspolitik, die Griechenlands Wirtschaft voellig ruiniert hat. Selbst den Wettbewerbsnachteil, den man nun versucht nach unten zu begleichen, haette man mittelfristig ueber eine moderate Lohnentwicklung wettgemacht. Jetzt ist es dafuer zu spaet.

    • titoslavija - 11. April 2012

      ihr kommentar ist eine aneinanderkettung purer wahrheiten und lässt erahnen, dass alles um griechenland pure absicht ist, ach wer es noch nicht weiß in griechenland wurde 1974 öl gefunden….sehr viel erdöl sogar….zufall….wer das gauben will, soll es glauben, der rest sollte lieber endlich der realität ins auge blicken.

    • Sochard - 12. April 2012

      Ich bezweifle, dass uns das Verständnis für diese Zusammenhänge gefehlt hat, ich denke der Politik fehlt es an Visionären wie Kohl/Chirac, die durch ihre Überzeugungskraft die Wähler und Gruppierungen vereinten, um solche Probleme zufriedenstellend zu lösen.

  • titoslavija - 11. April 2012

    “Es wurde bisher grundsätzlich immer nur die Wahrheit verboten.”

    Friedr. Nietzsche

    dieses zitat ist selbst in der weiten welt des internats ein exot. aber wahrscheinlich einer der besten sätze der menschheitsgeschichte. um die welt zu verstehen muss man nietsche lesen:

    Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.