Griechenland: reale Einzelhandelsumsätze mit -16,2%
Heute berichtete das griechische Statistikamt ELSTAT erneut von sinkenden realen Einzelhandelsumsätzen, diesmal für den Monat März 2012. Um weitere beschleunigte -16,2% zum Vorjahresmonat sanken im März 2012 die realen (preisbereinigten) Umsätze (Februar: -13,0%, Januar: -10,3%, Dezember: -12,6% und November: -8,9%). Selbst nominal ging es um kräftige -15,1% zum Vorjahresmonat abwärts. Wahnsinn pur, auch diese Daten reihen sich ein, in die Belege eines organisierten Abschwungs, seit über zwei Jahren hier im Blog ausführlich dokumentiert, der in einem Zusammenbruch Griechenlands innerhalb der Eurozone oder in einem Austritt aus dem Euro-Raum enden wird!
Die realen Umsätze im Einzelhandel und seiner Subsektoren im März 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die gesamten unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze sanken um -16,2% zum Vorjahresmonat, darunter die realen Umsätze von Motorkraftstoffen an den Tankstellen um -25,0% und der reale Umsatz bei Lebensmittel, Getränken und Tabak um beschämende -25,4% zum Vorjahresmonat. Das sind Daten einer unglaublichen Depression, einer sinnentleerten Rosskur!
Die Entwicklung der unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze jeweils im März von 2000 bis 2012 (2005=100), laut der Datenreihe des Statistikamtes ELSTAT. Der März 2012 war mit 69,6 Indexpunkten der schwächste März seit 2000. Zum Hoch im März 2008 mit 112,9 Indexpunkten betrug der Einbruch brachiale reale -38,4%.
Die Kontraktion des unbereinigten realen Umsatzes von Motorkraftstoffen, jeweils März des Jahres von 2000 bis 2012, laut der Datenreihe des Statistikamtes ELSTAT. Im März 2012 wurde gegenüber dem Vorjahresmonat um -25,0% weniger Kraftstoff an den Tankstellen umgesetzt, der März 2012 war mit 55,7 Indexpunkten nicht nur der schwächste März seit dem Beginn der Datenreihe, sondern der schwächste Monat überhaupt!
Die größte Schande, der Rückgang beim realen Umsatz von Lebensmitteln, Getränken und Tabak, denn diese Daten liefern einen untrüglichen Hinweis dafür, dass hunderttausende Griechen in Armut und Elend versinken, was sich in einem kräftigen Rückgang beim Umsatz von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak widerspiegelt:
Der Einbruch des unbereinigten realen Umsatzes von Lebensmittel, Getränken und Tabak, jeweils März des Jahres 1996 bis 2012, laut der Datenreihe des Statistikamtes ELSTAT. Im März 2012 wurde gegenüber dem Vorjahresmonat um -25,4% weniger umgesetzt, beschämende -39,12% zum Hoch im März 2005! Der März 2012 ist nicht nur der schwächste März seit 1996, sondern auch der schwächste Monat überhaupt in der Datenreihe von ELSTAT.
Der Einbruch des unbereinigten realen Umsatzes von Lebensmittel, Getränken und Tabak, in der monatlichen Datenreihe von Januar 1995 bis März 2012, laut der Datenreihe des Statistikamtes ELSTAT. Im März 2012 notierte der unbereinigte Index bei 59,5Indexpunkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Januar 1995! Das ist für Friedenszeiten eine beispiellose Depression in Punkto Lebensmittel, Getränke und Tabak!
Ein Blick auf die gesamten unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze:
Der Entwicklung des unbereinigten gesamten realen Einzelhandelsumsatzes ohne Kfz-Handel von Januar 1995 bis März 2012 im Chart, laut der Datenreihe des Statistikamtes ELSTAT. Zum Vorjahresmonat ging es um -16,2%, auf 69,6 Indexpunkte abwärts.
So stellen sich die saisonbereinigten Daten zu den realen Einzelhandelsumsätzen laut Eurostat dar:
Im Chart der Index der realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel seit Januar 1995 bis März 2012. Im März 2012 sank der saisonbereinigte Index um -4,7% zum Vormonat, auf 73,65 Indexpunkte. Zum Allzeithoch im März 2008 mit 118,41 Indexpunkten sind die realen Einzelhandelsumsätze um kräftige -37,89% eingebrochen.
Der Einbruch in dieser Geschwindigkeit ist volkwirtschaftlicher Irrsinn und weist daraufhin, dass selbst wenn Anpassungen unumgänglich sind, diese in dieser Form und Geschwindigkeit eine Volkswirtschaft zerstören, zumal eine Unterentwickelte, deren falsches Standbein der private Konsum war. Es verarmen nicht nur Teile der Bevölkerung in unglaublicher Geschwindigkeit, wie gerade der brutale Absturz beim Umsatz von Lebensmitteln, Getränken und Tabak nahelegt, sondern auch hunderttausende Kleinunternehmen, Einzelhändler und Selbstständige werden in den Ruin getrieben.
Reloaded: Griechenland: reales BIP mit -6,2% zum Vorjahresquartal, Griechenland: Jugendarbeitslosigkeit steigt auf 53,8%, Griechenland: Industrieproduktion mit -8,5% zum Vorjahresmonat, Griechenland: -56,8% bei den PKW-Neuzulassungen
Zur umfangreichen Dokumentation der Entwicklung Griechenlands anhand der offiziellen Wirtschaftsdaten: Querschuesse.de/Griechenland
Quelle Daten: Statistics.gr/Statistics.gr/INDEX IN RETAIL TRADE March 2012, Statistics.gr/Portal Daten
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Erich - 31. Mai 2012
Das ist wirklich wahnsinnig, und das gleiche ist nun wohl auch für Spanien und Portugal vorgesehen. Da hilft nur noch der Austritt aus dem Eurogebiet, gleichzeitig mit einem vernünftigen Schuldenerlass, und einer tatsächliche Hilfe für die ersten Jahre danach.
Die 50 Mrd Mrd Euro, die wir Steuerzahler 2011 für Griechenland spendiert hatten (zur Ablöse von Krediten privater Gläubiger, und zur Finanzierung der Kapitalflucht reicher Griechen), hätte man wahrlich besser anlegen können. Aber innerhalb des Eurosystems geht das wohl nicht. Dann doch lieber ein baldiges Ende dieses Wahnsinnsprojekts.
Auch wenn wir erhebliche Summen aufwenden müssen, um das zu beenden. Es wird ja von Monat zu Monat immer mehr Geld, das wir verlieren, ohne dass für diese Länder auch nur die geringste Besserung zu sehen ist.
Andreas Z - 31. Mai 2012
Bedauerlichcherweise geht der Irrsinn ungebremst weiter. EURO und EU-Zentralisierungswahn als wesentliche Auslöser der Krise stehen nicht zur Disposition. Im Gegenteil: Seitens Merkel, Schäuble und Co soll mit noch mehr EU die Krise gelöst werden. Hier können nur die Wähler helfen, um dem EURO-Wahn ein Ende zu setzen…… Wer die Bundestagsparteien oder auch Piraten wählt, soll sich bitte später nicht beschweren, dass seine Ersparnisse verschwunden sind.
Mike - 31. Mai 2012
Aus all den Charts geht doch hervor, dass wir eine Vermögens- und eine Schuldenblase haben. Das ganze zu reduzieren wird nur mit Vermögensverlusten gehen.
dank - 31. Mai 2012
Aber selbst ohne Schulden- und Vermögensblase bleiben die gesellschaftlichen Ungleichgewichte zu hoch. Zusätzlich sind aber auch in den “Industrienationen” viele Absatzmärkte zusammengebrochen oder gerade dabei gen Boden zu streben. Die einen sind konsumsatt und die anderen könnes sich nicht leisten hemmungslos zu komsumieren und wieder andere können es einfach nicht WEITER machen. (Ökologische Probleme und Recourcenendlichkeit ganz außen vor gelassen)
titoslavija - 31. Mai 2012
mich würde interessieren, wann die griechen zuletzt weniger zu essen hatten.
ergo sum - 31. Mai 2012
Die Einzelhandelsverluste erklären sich wohl teilweise durch den fehlenden Tourismus. Die Tageszeitungen zeigen Fotos von menschenleeren Stränden.
Mark - 31. Mai 2012
> Die Tageszeitungen zeigen Fotos von menschenleeren Stränden.
Naja, nun muss man ehrlicherweise dazu sagen, dass Mai in Griechenland noch voll zur Vorsaison zählt und somit ohnehin der Tourismus erst anläuft. Da würde ich leere Strände erwarten.
Allerdings haben verschiedene Verbände und Firmen in der Branche schon dargelegt, dass die Buchungen für den Sommer 2012 bei 50% (so der griechische Hotel-Verband) liegen, bei Buchungen aus Deutschland werden 30% Rückgang gemeldet, jeweils zum Vorjahreszeitraum. Sollte das so eintreten, wird spätestens das dem Land das Rückgrat brechen.
Dazu trägt sicher auch bei, dass die Berichterstattung aus Griechenland nicht gerade die Urlaubsstimmung hebt. Und natürlich, dass die Reisen immer noch keine wirklichen “Schnäppchen” sind. Die Türkei scheint da wesentlich besser aufgestellt.
Das Häschen - 31. Mai 2012
Die leeren Stände werden dazu beitragen. Griechenland ist im Mai noch nicht so die große Freude, jetzt schon gar nicht. Aber wenn du die Daten anschaust, eine Grafik referenziert den März, den hat der Querschuss exakt gewählt als Referenzmonat, da sperrt noch keiner auf, erst ab April und alle anderen Trends gehen steil bergauf und verfallen ohne mit der Wimper zu zucken ab 2009, bis auf die beiden Ausreißer die du zurecht bemerkt hast.
Griechenland ist Hauptsaisen ab Mitte Juni bis so September. Möglw. fliege ich heuer hin, aber die werden mich auslachen, selbst werden sie möglw. eine Drachme auf Goldstandard basierend haben im Minimum oder besser und wenn wir mit den EUROs antanzen, die lachen uns aus, den Tabak in die 500 EUR Schein, ok. erst in 2013, die 10 EUR Scheine wutzeln… Was man auf den Fotos am Stand sieht, die sog. leeren Liegen, sind die neuen Gewänder die sich die Touristen aus Europa noch leisten können seit der EURO Einführung, die lernen alle schwimmen.
Der Bruno längst im sich’ren Land,
Der Hannes A, dann lernen wir
Schwimmen, treib’n tan ma eh.
- Der Hannes Androsch Finanzminister und der Bruno Kreiskey mit dem Mallorca Paket (Umsatzsteuererhöhung von 18 auf 20 %)
Selbst bei uns auf der Insel der Glückseeligen … Assets steigen ganz ordentlich …
http://www.orf.at/stories/2123121/2123109/
Ich erinnere nur an die Poltik der EU, Sanktionen gegen Österreich in 2000 …
Das Häschen - 31. Mai 2012
Eines muss man zu .at wissen, die Gemeinden haben noch viel Grund den sie auf Baugrund umwidmen und davon leben einige … aus Abgaben könnte sie dich nicht finanzieren.
Das Häschen - 31. Mai 2012
Danke, Querschuß!
Das Papier, das Papier … es ist immer wieder erschreckend.
>wie gerade der brutale Absturz beim Umsatz von Lebensmitteln, Getränken und Tabak nahelegt,
>sondern auch hunderttausende Kleinunternehmen, Einzelhändler und Selbstständige werden in
>den Ruin getrieben.
Das scheint der Sinn dahinter zu sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Mir kommt vor – pure Spekulation möglw. kennt sich der Querschuss besser aus. Ist es mögl. dass man versucht eine Volkswirtschaft auf den ‘Last Well Known State’ zurückzufahren, sprich wie wenn man bei einem Computer das letzte Backup einer funktionierenden Software zurückspielt? Dann Holladoro Spanien …
Erich - 31. Mai 2012
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das der Sinn dahinter ist, es ist eher der fehlende Sinn dafür, was da tatsächlich passiert. Die Politiker sehen nur die Mrd. Euro, die da verpulvert werden, und haben kaum ein Vorstellung davon, was da wirklich passiert. Dass die Effizienz der eingesetzten Mittel so miserabel ist, liegt am Eurosystem. Man will zum Beispiel verhindern, dass die bankrotten griechischen Banken den Laden dicht machen, und gibt ihnen neues Geld, etwa über EFSF oder Target2, was unsere Steuergelder sind. Dieses Geld geht dann aber sofort wieder per Kapitalflucht ins Ausland, wo es etwa bei uns die Immobilien verteuert. Die Banken sind natürlich deshalb genauso bankrott wie vorher, weil das ja nur Kredite sind. Eine wirkliche Hilfe ist das nicht, und das Geld ist weg.
Eigentlich hilft da nur noch ein Reset.
Das Häschen - 31. Mai 2012
Danke. Das mit der Kapitalflucht ist mir klar … traurig. Ich hoffe es sieht keiner einen Sinn darin! War allein eine Vermutung, da zu mir ein Kollege schon vor 1,5 Jahren sagte im Frühjahr 2012 sei das Griechenlandproblem ‘ausgestanden’. Deswegen meine Vermutung … das nicht alles so zufällig passiert.
M.E. - 31. Mai 2012
Mal über den großen Teich geblickt:
Chicago-Einkaufsmanagerindex auf tiefstem Stand sein September 2009 (also zur Zeit der letzten Rezession), 2. US-BIP-Schätzung mit Korrektur nach unten (1,9% SAAR), Anträge auf Arbeitslosenhilfe mit steigender Tendenz…
Schwellenländer: Indien mit geringstem Wachstum seit 9 Jahren, Brasilien mit stark zurückgehendem Wachstum, China zwar schwer einzuschätzen, aber wohl auch mit deutlich zurückgehender Dynamik.
Die generelle Tendenz – nicht nur in der Euro-Zone – zeigt eindeutig nach unten.
M.E. - 31. Mai 2012
Ergänzung: hier eine aktuelle Meldung aus Brasilien:
Brasilia (www.aktiencheck.de) – Die Industrieproduktion in Brasilien hat sich im April 2012 reduziert, teilte die Statistikbehörde IBGE am Donnerstag mit.
Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Ausbringung um 2,9 Prozent zurück, nach einem Minus von 1,9 Prozent im März. Hierbei handelt es sich um den achten Rückgang in Folge.
Auf Monatssicht schrumpfte der Output um 0,2 Prozent, hieß es weiter.
Der Industriesektor macht rund ein Drittel des gesamten brasilianischen Bruttoinlandsprodukts aus, deshalb gilt die Industrieproduktion als wichtiges Signal für die weitere Wirtschaftsentwicklung. (31.05.2012/ac/n/m)
Michael - 31. Mai 2012
Seit mehr als 10 Jahren ist die Wirtschaft doch nur noch ein einziges Lügengebäude. Wenn das Kartenhaus dann mal irgendwo zusammenklappt, schreien diejenigen, die es verzapft haben dann entsetzt auf. Statt dass sie mal darüber nachdenken, was für ein geisteskranker Schwachsinn die Agenda-Politik war. Wie unrealistisch ein €/CHF von 1,66 sein mußte. Oder ein allgemein “starker” Euro. Der konnte real bestehend aus 60% Weichwährung und 40 % Hartwährung nie härter als zu seiner Einführung sein. Jetzt schlägt das Pendel eben in die Gegenrichtung aus. Was die Griechen anbetrifft, sie handeln total normal. Wenn ihnen vorgeworfen wurde, dass sie über ihre Verhältnisse lebten, ist es gut und richtig, wenn sie das ändern. Aus dem Euro müssen sie nicht, es sei denn, sie wählen die Anarchisten von SYRIZA. Aber auch das ist ihre Wahl. Da müssen wir nicht mit unseren “Weisheiten” reinreden.
Es war doch schon 2009 klar, dass man mit allerlei Konjunkturhilfen nur Strohfeuer anzündet. Auch beim “deutschen Wirtschaftswunder” bin ich persönlich sehr skeptisch. Der größte Mist, der jetzt der gesamten Eurozone auf die Füße fällt, war die Agenda von Rot-Grün. Hätten wir gleich gesagt, ihr neoliberalen Rindviecher könnt machen, was ihr wollt, wir leben hier in der Eurozone, wäre der T€uro nicht derartig stark geworden und 75% der heutigen Probleme wären nicht entstanden. Eine Lösung hieße Agenda rückabwickeln. Spannung in der Eurozone abbauen.
Wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass wir keineswegs Besserdeutsche sind. Wir waren die Blödis, die sich die vergangenen 10 Jahre in unglaublichem Maße verarschen ließen. Jetzt sollen wir die Zeche für die Party zahlen. Das geht einfacher. Wir veranstalten selbst eine Sause.
Ausser Rand und Band - 31. Mai 2012
Göttliche und Heilige Schutz für Griechenland….
Hoffentlich werden die sich von der Klauen der Finanzmaffia befreien können.
Salusa
M.E. - 31. Mai 2012
Hallo Ausser Rand,
NIEMAND wird sich aus den Klauen der Finanzmafia befreien können. Schon garkein Land, das nahezu Null wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit hat und ein solches Schuldengebirrge aufgetürmt hat. Und das eine nationale Finanzoligarchie hat, der das Schicksal des Landes weitestgehend egal ist. Sonst würden die griechischen Milliardäre und Multimillionäre ihr Heimatland ja retten. Kapital kennt leider keinen Patriotismus. Das gilt nicht nur für Griechenland.
Einzige Chance bestünde darin, dass die Finanzmafia durch einen Komplettzusammenbruch des internationalen Finanzsystems stark an Wirkungskraft verliert. Nur werden die Lebensbedingungen der Mehrheit der Menschen nach einem solchen Zusammenbruch keineswegs leichter sein.