Griechenland: reales BIP mit -6,2% zum Vorjahresquartal

von am 15. Mai 2012 in Allgemein

Wie heute Morgen das griechische Statistikamt (Elstat) mitteilte, schrumpfte laut der ersten Schätzung, das reale BIP in Q1 2012 erneut um kräftige reale -6,2% zum Vorjahresquartal. Weiterhin liefert ELSTAT nur eine unbereinigte Datenreihe und ist anscheinend nicht in der Lage eine in sich konsistente saisonbereinigte Datenreihe zu liefern. Die Kontraktion der wirtschaftlichen Aktivität fällt auf jeden Fall weiter ungebrochen stark aus, zum Hoch in einem ersten Quartal in Q1 2008 ging es um -17,1% beim realen BIP abwärts, ein beispielloser Wahnsinn:

 

Die Entwicklung des realen BIPs in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 2001 im Chart. In Q1 2012 sank das reale BIP um -6,2%, das achte Quartal in Folge ging es bereits abwärts! Auch nominal schrumpfte das BIP ordentlich um -5,8% zum Vorjahresquartal!

Die Entwicklung des realen BIPs in Milliarden Euro im Chart seit Q1 2000 bis Q1 2012. Im 1. Quartal 2012 sank das unbereinigte reale BIP um -6,2% auf 40,761 Mrd. Euro. Beim Hoch in einem 1. Quartal in Q1 2008 betrug das reale BIP noch 49,188 Mrd. Euro, ein Einbruch von 17,01%. Das absolute Hoch wurde in Q3 2008 markiert mit realen 54,972 Mrd. Euro, wo bei dieses, unbereinigt, auf Grund saisonaler Effekte nicht 1:1 mit Q1 2012 zu vergleichen ist, aber es zeigt wie brachial und in welchem kurzem Zeitraum sich der Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität vollzog.

Mit dem schmelzenden BIP verringert sich auch stetig die Schuldentragfähigkeit des Landes, denn der Bruttoschuldenstand des Staates in der Relation zum nominalen BIP stieg dramatisch:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des griechischen Staates in der Relation zur Entwicklung des nominalen BIPs. Leistungsfähigkeit und Schuldentragfähigkeit hängen direkt miteinander zusammen, bei einem sinkenden BIP sinkt auch die Schuldentragfähigkeit, wie das explodierende Verhältnis von Bruttoschulden zum BIP eindrucksvoll dokumentiert. Nach den letzten vorliegenden Daten von Eurostat stieg in Q4 2011 das Verhältnis auf unhaltbare 165,3%.

Das reale BIP, hedonisch aufgeblasen und nicht adäquat preisbereinigt, zeigt noch nicht mal die ganze Dramatik. Wie schlimm es um die Struktur der Wirtschaft und den Zustand der Wertschöpfung steht, zeigt der Blick auf die Industrieproduktion in Griechenland, seit dem Hoch in August 2000 ging es bis März 2012 um -33,21% abwärts. Der Output der Industrieproduktion wandelt auf einem Niveau von Mitte 1978:

Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie von Januar 1975 bis März 2012 im Chart. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex sank im März 2012 um -1,03% zum Vormonat, auf 71,20 Indexpunkte. Damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie auf dem Niveau von Mitte 1978. Seit dem Allzeithoch was bezeichnenderweise im August 2000 markiert wurde, mit 106,56 Indexpunkten, brach der Industrieproduktionsindex um -33,21% ein.

Genau dort wo es darauf ankommen würde, einer völlig unterentwickelten industriellen Wertschöpfung Leben und Dynamik einzuhauchen, hat die Troika mit ihren undifferenzierten Maßnahmen nahezu ein Wirtschaftsverbrechen angerichtet, denn die Sparmaßnahmen zerstörten Teile der Industrie komplett, die von der Struktur her hauptsächlich auf den Binnenmarkt orientiert ist und dann in Folge des organisierten und aufgezwungenen Einkommens- und Konsumverzicht kollabierte. Jeder zweite griechische Arbeitnehmer im Verarbeitenden Gewerbe, arbeitete 2007 in Kleinunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, nur 21% in Großbetrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern. In Deutschland arbeiteten 53% aller Arbeitnehmer im Verarbeitenden Gewerbe in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und nur sieben von Hundert in Kleinbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern. Alleine daran wird klar, das die Struktur des Verarbeitenden Gewerbes Griechenlands mit vielen Kleintunternehmen primär auf den Binnenmarkt orientiert ist und damit die Maßnahmen der Troika zum direkten Kollaps der Firmen und der in ihnen erzielten Wertschöpfung führte.

Die negative Entwicklung der Industrie und der gesamten Volkswirtschaft wirkt sich fatal auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. Zuletzt im Februar 2012 stieg die Arbeitslosenquote auf unbereinigte 22,6%, die Jugendarbeitslosigkeit, nur saisonbereinigt angegeben, auf desaströse 53,8% und dies sind nur die offiziellen Quoten, welche noch Schönungspotential beinhalten!

In einer Schrumpfung des BIPs resultiert in der Sache der Staatsverschuldung keinerlei Fortschritt, im Gegenteil die Schrumpfung konterkariert sogar durch sinkende Steuereinnahmen auch das Sparen und generiert auf der Seite der privaten Haushalte und Unternehmen unnötig rapide ansteigende Kreditausfälle! Gerade die Verwendungsrechnung des BIPs zeigt: Konsumausgaben (private und staatliche)+Bruttoinvestitionen+Außenbeitrag (Exporte-Importe) die brachialen Bremsspuren des Spardiktats der Troika. Es geht weiter mit Vollgas in Richtung unkontrollierten Kollaps von Griechenland innerhalb der Eurozone oder in Folge der sich rapide wandelnden politischen Landschaft hin zum freiwilligen Austritt Griechenlands aus dem Euro. Genau dies sollten die Griechen schnellst möglichst tun, das Spardiktat und seine Götzendiener verlassen und die Gläubiger, leider mittlerweile fast ausschließlich die öffentlichen Hände (Steuerzahler) der Geberländer, mit den Forderungen (nahezu uneinbringbar) einfach zurücklassen.

Quelle Daten: Statistics.gr/QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 1th Quarter 2012 (Flash estimates)

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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35 KommentareKommentieren

  • M.E. - 15. Mai 2012

    Das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Griechenland und Kenia verringert sich.

  • Querschuss - 15. Mai 2012

    Hallo M.E.,
    eine Volkswirtschaft so sinnlos in die Grütze zu fahren bleibt beispiellos, wo bleiben der avisierte ausgeglichene Staatshaushalt und die ausgeglichene Leistungsbilanz, gar die Wiederherstellung der Wettbewebsfähigkeit, wozu ja angeblich die Maßnahmen dienen sollten, alles Lügen, bar jeder Datenlage, ein übles Wirtschaftsexperiment, an deren Ende ein verarmtes Griechenland und mehrere hundert Milliarden an uneinbringbarer Forderungen der Geberländer stehen wird. Im schlimmsten Fall sogar noch unkalkulierbare Dominoeffekte bei einem potentiellen freiwilligen Austritt der Griechen aus dem Euroraum. Grandiose Leistung!

    Gruß Steffen

  • M.E. - 15. Mai 2012

    Hallo Steffen,
    wir stimmen ja völlig überein.
    Aber selbst bei einer sogenannten Wachstumsstrategie wüsste ich nicht, woher das Wachstum kommen sollte.
    Mit Forschungs- und Entwicklungsausgaben (privat und staatlich) nahe der Null-Linie kann man keine Wirtschaft aufbauen.
    Und als verlängerte Werkbank gibt es für die internationalen Konzerne weit kostengünstigere Regionen.
    Das griechische Kapital flieht in breitem Strom aus Griechenland und steht ebenfalls nicht für Investitionen in Griechenland zur Verfügung.
    Die Kreditbedingungen für mögliche Start-Ups sind lausig, um mal positiv zu übertreiben.

    Ich sehe selbst für eine politisch initiierte, realwirtschaftliche Wachstumsstrategie keine Grundlage.

    • Querschuss - 15. Mai 2012

      Hallo M.E.
      es muss erst mal die Abwärtsbewegung gestoppt werden in Griechenland. In jeder rationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik würden getroffene Maßnahmen, die zu so einem Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität führen, auf dem Prüfstein kommen. Wo steht den geschrieben und festgemeißelt, dass für Forschungs- und Entwicklungsausgaben und Investitionen kein Geld da ist, für die griechischen Banken werden auch gerade 50 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung locker gemacht und niemand schreit geht nicht! Die Dynamik der desaströsen Entwicklung ist nicht primär Folge einer vermeintlich unausweichlichen Entwicklung, sondern einer verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik und damit in seiner Brisanz selbstgemacht. Der Südperipherie grundsätzlich jegliche Chance einer positiven Entwicklung in Abrede zu stellen, ist übertreiben, bzw. dann stellt sich noch deutlicher die Frage, wie können nur diese Volkswirtschaften unter dem Korsett des Euro u.a. mit Deutschland verbleiben.

      Bei einer entsprechenden Abwertung der neuen Drachme, wird man ziemlich zügig realwirtschaftliche Wachstumsmöglichkeiten sehen, alleine der Tourismus dürfte Sternstunden sehen, nachdem die Drachme um erst 30%, dann 50% und dann vielleicht auf nötige 80% gegenüber dem Euro abgewertet hat. Spätestens dann dürfte auch relawirtschaftliche Investitionen reizvoll sein, da dann ausgesprochen kostengünstig auch für Investitionen aus Ländern mit vergleichbarer harter Währung.

      Es geht nicht – gibt es nicht, nur unter einer Troika-Agenda mag dies zu treffen. Z.B. die von dir angesprochene Kapitalflucht kann man mit Kapitalverkehrskontrollen begegnen, es gibt auf alles eine Antwort, wenn man will!

      Gruß Steffen

      • Lothar - 15. Mai 2012

        Wieso sollte Europa oder andere Laender zahlen? Der Marshall Plan kam nur damit

        (a) ein loyaler Partner gegen den Sowjetblock (der schon immer ein Feind der Westallierten war) und eine Bufferzone vor Frankreich existierte

        (b) ein unkontrollierter erneuter militaerischer Aufstieg in Deutschland verhindert werden konnte.

        Wir haben doch nichtmal einen ernsthaften Marshall Plan fuer die DDR gehabt aus lauter Angst das neue Industrie dort nur Konkurrenz fuer existierende Unternehmen ist. Daher haben wir Strassen gebaut. Oststrassen haben den Weststrassen keine Umsaetze abjagen koennen.

        Und bei Pauschal Massentourismus verkennst du eines, es dient nicht zur Distribution von Geld im Land. Thailand hat das Problem auch. Die Leute schlafen in westlichen Hotelketten und essen und verbrauchen (auch Moebel etc. alles mit Abnutzung) westliche Importgueter. Das wird zu oft ueberschaetzt. Dein Vorschlag klingt wie der meines Vaters von 1990, das die doch im Osten alle gefaelligst Wuerstchenbuden aufmachen koennen – und das gerade von dir der du immer auf Industrieproduktion pocht.

        Was ist heute los mit dir? Gehen dir etwa auch die Phantasien fuer Griechenland aus?

  • Tourist - 15. Mai 2012

    Wie siehts eigentlich mit der Sparquote Griechenlands aus? Können die überhaupt noch sparen?

  • paernu - 15. Mai 2012

    Hallo Steffen

    Klingt ein bisschen als ob die Anderen am Schicksal der Griechen Schuld wären. Die meißten Probleme Griechenlands sind eigenverschuldet und historisch gewachsen. In den Problemen stecken die jetzt bald 200 Jahre (siehe hierzu auch Rogoff “Dieses mal ist alles Anders”).

    Der Euro hat die ganze Scheisse jetzt nur mal aufgedeckt, nachdem seine Einführung erstmal alles zugetüncht hatten. Viele Länder in Europa passen einfach nicht zueinander, das ist keine Abwertung dieser Länder, sondern einfach eine sachliche Beschreibung der Fakten.

    Die Einheitssoße fährt uns alle an die Wand. Verdanken tun wir das einer Generation von Politikern (Kohl, Juncker, Barroso etc.) deren gut gemeinter Wille, wirklich einer totalen Borniertheit gewichen ist.

    Gruss

    • Querschuss - 15. Mai 2012

      Hallo paernu,
      was denn nun, schreibst doch selbst, dass die Einheitssoße uns alle an die Wand fährt? Und diese Einheitssoße ist denkbar ungeeignet unterentwickelte Volkswirtschaften voranzubringen, sie verlieren unter dem Korsett des Euro immer weiter.

      Der Abfall der Industrieproduktion in Griechenland seit August 2000 um -33,02% ist sicher nicht aus historischen Gegebenheiten zu erklären und korrupt und unfähig waren die griechischen Politiker auch schon vorher und auch die reichen Reeder werden sich schon vorher den Steuerzahlungen verweigert haben bzw. hinter den Kulissen an Steuergesetzen mitgearbeitet haben die dies ermöglichen. Das beschreibt die Problemlage aber nur unzureichend. Schaue dir mal die Entwicklung der Industrieproduktion der Türkei an, dann siehst du das es auch anders geht und der Einbruch in Griechenland vielleicht auch etwas mit dem Euro und vor allem mit den Maßnahmen der Troika zu tun hat.

      Senke mal in Deutschland die realen Arbeitnehmerentgelte in wenigen Quartalen um -30%, was meinst du was du hier für eine Depression im Griechenland-Style erleben würdest.

      Gruß Steffen

  • H.K.Hammersen - 15. Mai 2012

    Wer behauptet, das sei alles nur die Schuld der Griechen, ist nicht ganz bei Trost. Ich wollte mal sehen, was passiert, wenn ein deutsches Bundesland seinen Haushalt durch Kreditorgien aufbläst. Die Politiker haben uns Jahrzehnte lang was von zusammen waschendem Europa erzählt und tatenlos zugesehen, wie die Peripherie in die Grütze gefahren wurde. Wer hat denn fleißig nach Griechenland exportiert, als GR noch Kredite erhielt. Wer hat denn die Bevölkerung in D durch den Schwachwährungseuro um die Belohnung für Lohnverzicht und Sozialreformen gebracht. Und wer hat denn die PIIGS, wider jede ökonomische Vernunft, aus politischen Gründen, in den Euro geholt. Und wer hat denn die Rettungspakete samt Sparprogrammen geschnürt, um die Banken zu retten und die PIIGS im Euro zu halten, in der Hoffnung, der Exportboom in die Euroländer könne dann ungestört weitergehen.

    Was wir jetzt sehen, ist ein Endspiel um die letzten Industriestandorte in Europa. Und erst, wenn die letzten auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen europäischen Fertigungsstandorte in D sind, werden die deutschen und Brüsseler Politiker den anderen Ländern das Verlassen der Eurozone gestatten.

    Die europäischen Politiker, die glaubten, D durch eine gemeinsame Währung zügeln zu können, haben sich schwer getäuscht. Und je länger sie ihre strauchelnden Länder mit D im Euro halten, um so schwerer und irreversibler zerstören sie die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen ihrer Völker. Sie werden zwar im finalen Zusammenbruch des Euro ihre Schulden los, aber ihre industrielle Wertschöpfung wird bis dahin auf immer zerstört sein.

  • H.K.Hammersen - 15. Mai 2012

    Nachtrag:

    Alle Krisenländer um uns herum ersticken an Schulden. Aber diejenigen Krisenländer die im Euro sind, ersticken an Krediten in deutscher Währung. Man könnte fast meine, die Einführung des Euro sei planmäßig aus diesem Grund erfolgt. Und es ist auch völlig egal, ob die Kreditorgien über Staatsverschuldung wie in GR und Italien oder über Privatverschuldung wie in Spanien oder sogar in NL erfolgte. Die Staaten sind mit extrem unterschiedlichen finanziellen Gewohnheiten in die Gemeinschaftswährung gegangen. Diese Gewohnheiten waren angepasst an ihre jeweils nationale Geldpolitik. Und sie haben diese Gewohnheiten beibehalten, ohne darüber nach zu denken, dass die Geschäftsgrundlage dieser Gewohnheiten durch den Euro hinfällig geworden ist. In D konnte sich, dank der dafür viel zu starken DM nie eine weit verbreitete Schuldenmentalität entwickeln.

    Und der Witz bei der ganzen Geschichte ist, dass ihnen ein schwacher Euro auch nichts mehr nützen wird, da er auf D genauso wirkt wie auf ihre eigenen Volkswirtschaften. Kann man ja derzeit an den Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft ablesen.

  • M.E. - 15. Mai 2012

    Was ist denn da los?
    der DAX klappt ja senkrecht nach unten weg!

    • MagnaBavaria - 15. Mai 2012

      Regierungsbildung in Athen ist gescheitert!

    • MagnaBavaria - 15. Mai 2012

      Echt heftig, innerhalb von 5 Minuten ist der DAX weiter von -0,8 % auf -1,4% eingebrochen…

      • Lothar - 15. Mai 2012

        Ja jetzt wird wieder verdient wie bei Gott in Frankreich, der Dax crasht, endlich wieder Achterbahn. Kommet her ihr Nutten und Sektflaschen. Leute die erste Runde geht auf mich.

        gezeichnet: Ein Baenker.

        • Petra Zitzl-Dumont - 15. Mai 2012

          So ein Blödsinn. Die Bänker und alle Systemlinge sind LONG, verlieren also Geld.
          Deshalb tun die Regierungen auch alles, um die Blase aufzupumpen.
          Und natürlich damit die Lebensversicherungen, Pensionen, Fonds usw. die alle mit dem Geld der Bürger arbeiten (das sie selbst in diese Investments einbezahlt haben) noch ein bißchen weiterbestehen.

      • Appaloosa - 15. Mai 2012

        Egal, geht eh Nachmittags wieder hoch. Alles nur Zockerei.

  • HaPennyBacon - 15. Mai 2012

    Mal ne Frage zum Chart mit dem saisonbereinigten Output der breit gefassten griechischen Industrie. Zwischen Juli 1997 und Janur 2000, das sind gerade mal 2 1/2 Jahre, legte der Output von knapp über 80 auf seinen bisherigen Höchstand von 106 Indexpunkte zu. Wie war das möglich? Ich meine, Griechenland war niemals so etwas wie ein 2. China und auch der Bauboom für Olympia hatte ja noch garnicht richtig begonnen. Wurde hier nur munter drauflos manipuliert oder was war da faul?

    • dank - 15. Mai 2012

      Ab wann begannen die offiziellen Vorgespräche über die Euroeinführung in Griechenland?
      Und ab wann vorher wusste es das Kapital und die Investoren?

  • Erich - 15. Mai 2012

    Auch die Defizitländer haben reiche Leute mit Kapital. Wenn die in ihrem eigenen Land schon keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten mehr sehen, dann kann man von aussen her so viel Geld rein stecken, wie man will, man steckt es letzen Endes nur in die dortige Mafia. Was helfen neue Strassen ins Nirvana, kurzfristig helfen sie den Bauarbeitern, aber langfristig helfen sie kaum der dortigen Wirtschaft.

    Auch irgendwelche Solarparks können denen nicht wirklich helfen, da sie sich selber den teuren Strom kaum leisten können. Und dass die deutschen Stromverbraucher den teuren Strom auch noch über 3000 km lange Leitungen mit subventionieren sollen, ist volkswirtschaft reiner Wahnsinn. Das wäre nicht viel anders, als dass man bei uns gleich jeglichen Strassenbau samt Sanierungen einstellt, damit auf diese Weise unsere Automobilhersteller höhere Kosten bekommen. und damit weniger wettbewerbsfähig wären. Oder ähnlichen Unsinn.

    • Lothar - 15. Mai 2012

      Die Zahlen variieren aber in Brasilien wo schon Strom ueber aehnliche Distanzen transportiert wird, sagt man das bis zu 3% Leistungsverlust pro tausend Kilometer moeglich sind.

  • paernu - 15. Mai 2012

    @Steffen
    Wollte damit lediglich sagen, die Griechen würde auch in der Scheisse sitzen, wenn es den Euro nicht gegeben hätte. Der Absturz ist jetzt nur tiefer, weil sie vorher höher geflogen sind.

    Um Dein Beispiel zu nehmen, ohne den Euro wäre ihre Gehälter nie so weit gestiegen, dass sie jetzt 30% fallen könnten.

    • mitwisser - 15. Mai 2012

      Ich bin auch der Auffassung, dass die Griechen unter anderem einen Lebensstandard annehmen müssen, der der Leistungsfähigkeit ihrer Volkswirtschaft entspricht. Nur, wenn man die objektiv bewertet, liegt man in etwa auf Höhe der Balkananrainer…..und das ist dann doch sehr bescheiden. Genau davor fürchtet sich auch das Volk. Eine Generation lang Bescheidenheit und Anstrengung zu praktizieren wird dort aber kaum zu vermitteln sein.

      • titoslavija - 15. Mai 2012

        “Nur, wenn man die objektiv bewertet, liegt man in etwa auf Höhe der Balkananrainer.”

        genau also hat den griechen es rein gar nichts gebracht nicht kommunitstisch gewesen zu sein nach dem 2.weltkrieg. deswegen sind die linke kräfte wohl auch stärker als die rechten.
        insgeheim haben sich viele griechen immer gewünscht teil des ostblocks oder so etwas wie jugoslawien gewesen zu sein. durften sie allerdings nicht weil die amis und russen beschlossen haben, dass es zum westen gehören sollte.
        naja jetzt werden sich die griechen mit unserem niveau auf dem balkan begnügen, wobei das in mancher hinsicht sogar ein fortschritt für die griechen wäre (sozialpolitik). auch wenn die übrigen staaten ihren sozialstaat wegen dem iwf und dem druck aus dem westen(vor allem usa) abbauen mussten. aber so läuft die politik der finanzelite, die übrigens in der pyramide der mächtigen über der poltischen elite liegt.

        • mitwisser - 15. Mai 2012

          Na immerhin gabs rund 20 Jahre Party, die letzten 10 davon (seit demEuro) recht ausgelassen. Zurück auf Normal wird dann doch eine recht deprimierende Vorstellung, für die dich nicht das ganz grosse Rad drehen durften und rechtzeitig ins Ausland verschoben haben, bzw. konnten. Von Tilgungen für den Exzess ganz zu schweigen, denn der fordert eine ganze Generation.

  • paernu - 15. Mai 2012

    Den muss ich jetzt noch los werden :)

    Wie merkst Du Dir die 11 88 0?

    11 Mio. Griechen erhalten
    88 Mrd. und zahlen
    0 Euro zurück.

  • mitwisser - 15. Mai 2012

    Hallo Steffen, mich würde mal wieder eine aktuelle Darstellung der Haushaltssituation in GR interessieren. Die kam früher recht regelmässig hier.

    Ansonsten bin ich mittlerweile auch etwas geläutert, was das harte sparen in GR angeht. Aber bevor hier zusätzliches Geld für Wachstum ausgegeben werden kann, muss dieser in weiten Teilen unfähige und reformresistente Staatsapparat modernisiert werden. Nur….wohin mit diesen Heerscharen von überflüssigen Beamten die mehrheitlich weder eine adaquäte Ausbildung haben noch jemals richtig gearbeitet haben? Nur ein Aspekt von vielen, aber ein durchaus sehr hinderlicher auf dem Weg zum Turnaround. Ein harter zügiger Bankrott erscheint mir doch die gangbarste Option um dort neu beginnen zu können.

  • Vivlos - 15. Mai 2012

    @HaPennyBacon

    Wachstum durch fleissiges Abwerten der Drachme, Wettbewerbsverbesserung.

  • Das Häschen - 15. Mai 2012

    Alexander Van der Bellen im Österr. Parlament ….
    http://www.youtube.com/watch?v=gXAdVbisHG4#!

  • Bandolero - 15. Mai 2012

    @mitwisser
    Das letzte Mal, dass ich was Realistisches von der griechischen Haushaltssituaton gehört habe, war der eigentlich geheime “Greek Sustainability Report” vom Februar 2012:

    http://www.tovima.gr/files/1/2012/02/21/Greek%2520Sustainability%2520Report%2520(FEBRUARY%25202012).pdf

    Siehe Seite 8 und Seite 9. Demnach betrug das Primärdefizit von 2009 etwa 10,4%/BIP, wurde 2010 gesenkt auf 5,0% und für 2011 wird mit einem Primärdefizit von nur noch etwa 2,4% vom BIP gerechnet.

    2012 soll das Primärdefizit dann runter auf 1% gehen und im Jahr 2013 soll der Primärsaldo, je nachdem wie es läuft, knapp über oder unter Null sein. Wie die Lage 2012 bisher tatsächlich ist, scheint eine Art Staatsgeheimnis zu sein. Offiziellen griechischen Daten würde ich keine zwei Zentimeter weit trauen.

    • mitwisser - 15. Mai 2012

      Was die Kreativität bei Neben- und Schattenhaushalten in GR angeht sind wir wohl d’accord. Aber bei über 160% BIP-Verschuldung das Primärdefizit heranzuziehen ist reine Schönfärberei, genauso wie der Bezug aufs BIP bei der Neuverschuldung. Einer der grossen Tricks der Deficit Spender! Denn in Wirklichkeit bedeutet jedes Prozent vom BIP ein ca. 6 bis 8-faches Defizit im eigentlichen Haushalt. Z.B. 5% BIP Miese heisst ca. 30% Unterdeckung im Haushalt. Wer kann das denn je einsparen ohne dass Blut fliesst?

      • Bandolero - 16. Mai 2012

        Die Betrachtung der Primärdefizite ist für den Fall interessant, dass Griechenland den Stop der Bedienung von Staatsschulden beschließt, etwa so wie das das aussichtsreiche Parteienbündnis Syriza fordert. Kein Primärdefizit bedeutet, ohne Bedienung von Staatsschulden sind Einnahmen und Ausgaben im Lot.

        Fraglich ist da natürlich, wie groß die negativen Auswirkungen einer solchen Staatspleite auf das BIP sind. Als erstes dürften dabei die griechsischen Banken crashen. Die sollen nach dem Willen von Syriza auch verstaatlicht werden. Die Verbindlichkeiten griechischer Banken wären damit auch Staatsschulden, deren Bedienung genau wie die der restlichen Staatsschulden verweigert würde.

        Die Menschen in Griechenland scheinen sich nun auf genau dieses Szenario vorzubereiten, siehe z.B. APA heute: Griechen heben ihr Geld von den Banken ab

        http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/3019939/griechen-heben-geld-den-banken-ab.story