Griechenlands BIP mit -6,6% zum Vorjahresmonat

von am 15. Februar 2011 in Allgemein

Wie es an Hand diverser Analysen in den Querschuessen zu den Wirtschaftsdaten Griechenlands bereits absehbar war, schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt auch im 4. Quartal 2010 weiter, laut der Kurzmitteilung des griechischen Statistikamtes (ELSTAT) um eine saisonbereinigte Rate von -1,4% zum Vorquartal. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es bereits das neunte Quartal in Folge abwärts, diesmal um kräftige -6,6%!

Das reale Bruttoinlandsprodukt Griechenlands in Prozent zum Vorjahresmonat seit Q1 2005. Die Talfahrt hat sich in Q4 2010 weiter beschleunigt um -6,6% zum Vorjahresmonat auf 42,006 Mrd. Euro, auch das 3. Quartal wurde auf -5,7% kräftig abwärts revidiert, nach ursprünglich gemeldeten -4,6%.

“Der Außenhandel habe sich verbessert, konnte aber den beträchtlichen Rückgang der Konsumausgaben nur zum Teil kompensieren”, erklärte die Statistikbehörde.

Detaillierte Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung liegen noch nicht vor. Bereits vor der deutlichen Abwärtsrevision des BIPs schrumpfte im 3. Quartal 2010 die Summe der realen Arbeitnehmerentgelte um beispiellose -11,02% zum Vorjahresquartal. Im 4. Quartal 2010 wird die Schrumpfung noch stärker ausgefallen sein. Dies wäre die erste Schulden- und Wirtschaftskrise in der Geschichte, die mit rasant schrumpfenden Einkommen und einer Erosion der Wertschöpfung gelöst würde. Der positive Effekt aus dem Außenhandel im BIP resultiert auf einem kräftig gesunkenen Importvolumen, ins BIP fließt nur die Differenz aus Exporte – Importe ein.

Griechenland hat sich in die Sackgasse manövriert, indem es die Sparvorgaben des IWFs und der EU umsetzte um die 110 Mrd. Euro des Rettungspaketes zu erhalten. Nur das Rettungspaket rettet Banken bzw. die Halter griechischer Staatsanleihen aber nicht die griechische Wirtschaft. Dazu müsste vor allem die völlig unterentwickelte industrielle Wertschöpfung angekurbelt werden, dies erfordert allerdings Investitionen und keinen de facto Bailout für Staatsanleihenhalter. Die ganze Strategie zur “Lösung” der Probleme in Griechenland ist ein Desaster und von Inkompetenz in ökonomischen Zusammenhängen gekennzeichnet! Griechenland müsste um seine Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen 30-40% seine Währung abwerten, dies ist auf Grund des Euro nicht möglich und durch Lohnsenkungen in den gleichen Größenordnungen nicht möglich, ohne Griechenland sozial zu zerreißen und die Binnenwirtschaft abzuwürgen!

Das nominale BIP 2010 belief sich gemäß der 1. Schätzung auf 229,396 Mrd. Euro (knapp -6 Mrd. Euro zu 2009), nur der Bruttoschuldenstand des Staates lag gemäß den letzten Daten für September 2010 bereits bei 336,807 Mrd. Euro (+39 Mrd. Euro zum Vorjahresquartal) bzw. bei 146% des nom. BIPs. Sehr wahrscheinlich wird mit den Daten zum Bruttoschuldenstand für Dezember 2010 bereits die 150%-Marke gerissen.

Die sinkenden Arbeitnehmerentgelte korrelieren nicht nur mit den Lohnkürzungen, sondern vor allem auch mit den ansteigenden Arbeitslosenzahlen. Im November 2010 (ELSTAT veröffentlicht monatliche Daten vergleichsweise spät) stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 692’600 bzw. auf eine Quote von 13,9% nach 10,6% im November 2009.

Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit erklimmt besorgniserregende Höhen und liegt nun bald so hoch wie in Spanien, mit inakzeptablen 35,6% im November 2011, wohlbemerkt die offizielle Jugendarbeitslosigkeitsquote!

Wer noch einen Blick auf weitere Wirtschaftsdaten aus Griechenland werfen möchte, bitte folgende Querschuesse anklicken: Entspannung? – ein Blick auf Griechenland!Anspruch und RealitätDie wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone läuft weiter auseinanderGriechenland – den Abgrund fest im Visier


Quellen Daten: Statistics.gr/Pressemitteilung BIP Q4 2010Statistics.gr/Pressemitteilung Arbeitslosenquote November 2010

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