Griechenlands Staatsschulden in Q1 2011 bei 354,54 Mrd. Euro

von am 20. Mai 2011 in Allgemein

Das griechische Dilemma verdeutlichen einmal mehr die heutigen Daten des griechischen Finanzministeriums, zum weiteren Anstieg des Bruttoschuldenstandes der Zentralregierung in Athen (Outstanding Central Government Debt), für das 1. Quartal 2011, auf 354,540.91 Mrd. Euro. Die Unfähigkeit einer adäquaten Problemlösung für Griechenland wird durch diese Daten weiter herausgearbeitet, Monat für Monat steigen die Verbindlichkeiten und immer offensichtlicher wird, dass der gelebte Erhalt des Status Quo keine wirkliche Option ist.

Der aktuelle Bruttoschuldenstand des Central Governments in Q1 2011 laut griechischen Finanzministerium. Um weitere +14,255 Mrd. Euro ist der Bruttoschuldenstand des Staates 1. Quartal 2011 im Vergleich zum Vorquartal angestiegen. Dies war immerhin der zweithöchste jemals verzeichnete Anstieg in einem 1. Quartal. Im Q1 2010 betrug der Anstieg 11,859 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes der Zentralregierung Griechenlands seit Q1 2000 bis Q1 2011 in Mrd. Euro.

Zum Vorjahresquartal stieg der Bruttoschuldenstand um +44,157 Mrd. Euro bzw. um +14,23%! Gleichzeitig schrumpfte das erwirtschaftete unbereinigte nominale BIP auf 51,812 Mrd. Euro im 1. Quartal 2011, um kräftige -4,9% zum Vorjahresquartal bzw. um -2,697 Mrd. Euro, trotz Preissteigerungen auf breiter Front! Die anhaltenden Unsicherheiten um eine drohende Umschuldung ließen heute die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen weiter ansteigen.

Im Chart von Bloomberg die Explosion der Rendite der griechischen 10-jährigen Staatsanleihen in den letzten 5 Jahre auf die heutigen 16,57%.

Der Spread, die Zinsdifferenz der 10-jährigen griechischen Staatsanleihen zur Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen (mit 3,06%) stieg auf unglaubliche 13,51%. Dies ist für Staatsanleihen unterschiedlicher Mitglieder einer Währungsunion eine absurd hohe Zinsdifferenz und zugleich Beleg für die “Qualität” des Gesamtkonstruktes!

Auch wenn man die Leistung der Ratingagenturen in den vergangenen Jahren nur mitleidig belächeln kann, die Herabstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands machen es nicht einfacher. So senkte heute die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands um weitere 3 Stufen von ”BB+” auf “B+”. Dies ist ein noch tieferer Ramschstatus und entspricht einer hoch spekulativen Anlage mit zu erwartenden Kreditausfällen. Auch die Versicherungsprämien für Protection Buyer von Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsschulden sind heute angezogen. Die Kreditausfallversicherung mit 5-jähriger Laufzeit auf griechische Staatsschulden zog heute auf 1’335 Basispunkte an (bisheriger Rekord bei 1’375 Punkten am 09.05.2011), dies entsprach einer Versicherungsprämie von 1,335 Millionen Euro pro Jahr, um ein Volumen von 10 Millionen Euro zu versichern!

Weder eine sanfte Umstrukturierung (Reprofiling) der Schulden oder der heute von der Deutschen Bundesbank und ihrem neuen Chef Weidmann geforderte kompromisslose Sparkurs der Griechen beinhalten Handlungsoptionen die zu einer Lösung des Problems führen. Die unumstößliche bittere Wahrheit ist, Griechenland ist gemessen an der Leistungsfähigkeit seiner Wirtschaft hoffnungslos überschuldet, ein rechtzeitiges Gegensteuern wurde seit Jahren konsequent versäumt und die Austeritätsmaßnahmen der Troika haben dieser schwachen Ökonomie den letzten K.o. Schlag versetzt. Avanti Dilettanti! Die Legitimation in der griechischen Bevölkerung für den eingeschlagenen Weg erodiert immer mehr, laut dem führenden griechischen Meinungsforschungsinstitut Public Issue gaben im Mai 2011 bereits 83% aller befragten Griechen an, dass sich Griechenland in die falsche Richtung entwickelt, im Januar waren es “nur” 69%. Die Erosion des Vertrauens in das politische System schreitet voran, beeindruckende 87% der Bevölkerung sind mit den beiden größten Parteien, der regierenden PASOK und der oppositionellen ND (Nea Dimokratia) unzufrieden. 

Zur gelebten Realität in der Eurozone gehören auch die deutschen Exportüberschüsse, denn sie sind das Pendant zu den Defiziten in den Handels- und Leistungsbilanzen der Länder der Südperipherie und diese dauerhaften Ungleichgewichte aus dem Handel mussten zwangsläufig in einer Schuldenkrise enden.

Die bisherige Geschehnisse zeigen deutlich, dass bei Querschuesse bereits vor einem Jahr die Entwicklungen und Ursachen klar analysiert wurden, umso bezeichnender das weitere 12 Monate Zeit verschwendet wurden, für einen hilflosen Stabilisierungsversuch des unhaltbaren Status Quo. Reloaded: Griechenlands unlösbares Dilemma (09.05.2010), Griechenland – irreparabel (30.04.2010)

Eine umfangreiche Dokumentation der griechischen Wirtschaftsdaten unter: Querschuesse.de/Griechenland-Artikel

Quelle Daten: Minfin.gr/PDF Public Debt (Central Government) Q1 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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