Griechische reales BIP in Q2 abwärtsrevidiert auf -7,3%
Laut der heutigen 2. Schätzung des griechischen Statistikamtes (ELSTAT) sank das unbereinigte reale BIP im 2. Quartal 2011 abwärtsrevidiert um -7,3% zum Vorjahresquartal (ursprünglich -6,9%), nach -8,1% in Q1 2011! Selbst nominal sank das BIP kräftiger als zunächst angenommen, um abwärtrevidierte -5,5% zum Vorjahresquartal (ursprünglich -5,1%), nach -6,0 in Q1 2011.
Das reale Bruttoinlandsprodukt Griechenlands in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 2001. Mit -7,3% in Q2 2011 ging es weiter abwärts auf 40,736 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2011 sank das reale BIP um -7,72% zum Vorjahreszeitraum, ein Desaster pur!
Vor allem der Einbruch der Konsumausgaben schlug laut ELSTAT auch in Q2 2011 zu Buche:
Die Entwicklung der realen Konsumausgaben der privaten Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal seit Q1 2011 im Chart. In Q2 2011 sanken die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte um -6,14% zum Vorjahresquartal, nach -7,9% in Q1 2011.
Die realen Staatsausgaben sanken um -9,74% zum Vorjahresquartal, nach -6,87% in Q1 2011. Der Außenbeitrag (Abbau des Handelsbilanzdefizits), konnte einen Teil der sinkenden Konsumausgaben ausgleichen, denn während die realen Exporte um -1,4% zum Vorjahresquartal sanken, brachen die Importe um -7,6% ein! In das BIP fließt in der Verwendungsrechnung die Differenz aus Exporte minus Importe ein.
Das reale BIP seit Q1 2000 im Chart, an Hand der unbereinigten Originaldaten. In Q2 2011 lag das unbereinigte reale BIP bei 40,736Mrd. Euro, nach 37,697 Mrd. Euro im Vorquartal und nach 43,962 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.
Wieder war ELSTAT nicht in der Lage saisonbereinigte Daten zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es aber die lange Reihe ab Q1 2000 mit den unbereinigten Originaldaten. Die unbereinigte Summe aller Arbeitnehmerentgelte sank in Q2 nominal um -9,71% auf nur noch 19,006 Mrd. Euro. Damit betrug der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am nominalen BIP beeindruckend niedrige 34,24%! Real (verbraucherpreisbereinigt) sanken die Arbeitnehmerentgelte mit der Rekordrate von -13,4% zum Vorjahresquartal:
Die Entwicklung der realen Summe aller Arbeitnehmerentgelte im Vergleich zum Vorjahresquartal seit Q1 2001 im Chart. In Q2 2011 gehts zum fünften Mal in Folge abwärts, diesmal um -13,4% zum Vorjahresquartal.
Wie krank das griechische gesellschaftliche Konstrukt ist, verdeutlicht dass die Unternehmens- und Vermögenseinkommen in Q2 2011 noch satte 31,065 Mrd. Euro betrugen (nominal -1,39% zum Vorjahresquartal) und damit fulminant die Einkünfte aller Arbeitnehmer mit 19,006 Mrd. Euro überstiegen (nominal -9,72% zum Vorjahresquartal). In Anbetracht der Tatsache, dass sich diese enormen Einkünfte auf wenige Unternehmen und Milliardäre konzentrieren, denn viele kleine und mittelständische Unternehmen befinden sich im Überlebenskampf, sind diese Daten Beleg für eine enorme ungleiche Verteilung der zunehmend schrumpfenden Leistungskraft Griechenlands, wobei die Lasten der Sparmaßnahmen, durch die Vorgaben der Troika und dem fehlenden Gestaltungswillen des sozialdemokratischen Regierung (BrüningII) auf Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre abgewälzt wird!
Die Situation Griechenlands ist weiter ausweglos unter den herrschenden Prämissen! Ausdruck des griechischen Kollaps ist auch die Explosion der Rendite bei den griechischen Staatsanleihen, insbesondere jener mit kurzen Laufzeiten, den Vogel schießt weiter die 1-jährige Staatsanleihe ab, die (aktuell 12:00 Uhr) unglaubliche 95,009% Rendite erzielt und den Zahlungsausfall, trotz gestrigen deutschen BVG-Urteil zur Abweisung der Klage gegen die Rettungsschirme (TINA, There Is No Alternative), stoisch einpreist!
Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Heute (12:00 Uhr) klettert die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe auf 55,252% und damit auf ein neues Allzeithoch.
Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Heute kletterte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe auf 20,100% und damit auf ein neues Allzeithoch. Mal etwas Abseits des eigentlichen Themas, als Erinnerung und Verweis in Richtung Kompetenz, Anfang Mai 2010 rief das Handelsblatt auf: “Wir kaufen griechische Staatsanleihen!”, zu diesem Zeitpunkt stand die Rendite der 10-jährigen bei 8%, dementsprechend gestalten sich die bisherigen Kursverluste der Anleihen!
Die aktuelle technische Reaktion der Aktienmärkte auf die bisherigen Verluste und der Anstieg der Kurse der Banken dürfte ein Dead Cat Bounce bleiben. Eine Systemkrise in diesem Ausmaß lässt sich nicht durch virtuelle Bürgschaften und Garantien lösen, wofür im Gegenzug, die bereits fast toten Pferde durch Austeritätsmaßnahmen angepeitscht werden. Dies ist eine äußerst inkompetente und traurige Veranstaltung zugleich.
Quelle: Statistics.gr/PressReleases/QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 2nd Quarter 2011 (Provisional), Statistics.gr/Portal lange Reihe unbereinigte Daten Q1 2000-Q2 2011
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
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M.E. - 8. September 2011
Na bitte,
man kann sich bei den Griechen doch auf etwas verlassen!
Auf die Abwärtsrevisionen einmal gemeldeter Zahlen.
Ich plädiere für eine starke Erhöhung der Bonitätsstufe. So viel Verlässlichkeit muss belohnt werden.
Ro - 8. September 2011
Zitat Steffen : “Wie krank das griechische gesellschaftliche Konstrukt ist….. ” etc.
Ergänzung aus der sehr intensiven UND hervorragenden REde von G. Gysi gestern im Bundestag:
wo er tituliert dass die reichsten 2.000 Familien in Griechenland rund 80 % !!! des Vermögens des Landes besitzen.
hier: http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?legislativePeriod=17&conference=123&agendaItemNumber=3&speechNumber=4&action=search&instance=m187&categorie=Plenarsitzung&mask=search&destination=search&contentArea=commom&isLinkCallPlenar=1
Anmerkung: Ich möchte hier nicht G.Gysi hervorheben, denn er ist Teil des Systems und die Linke die er vertritt wird ebenfalls keine Lösung sein, denn auch sie fröhnt noch immer dem falschen, systemischen Geldsystem welches eben KEINEN dauerhaften Frieden bringt wie uns Frau Merkel immer wieder zu erklären versucht. All dies folgt dem Prinzip Macht und dessen Erhalt etc.etc sprich Staat, mehr Staat = komplett falscher Weg. ABER (leider) ist er mit einer der einzigen welcher noch den Mumm hat überhaupt ein paar Klarheiten im Bundestag auszusprechen. (Was sich selbstverständlich in jeder politschen Farbe IMMER ändert sobald in Regierungsverantwortung – wieder Macht / Erhalt / Ausbau etc. – die ewige Schleife bis dato ungebrochen. Einziger Ausweg der EU-liten und Globalvertreter – eben NOCH grössere Systemeinheiten, wie wenn eine Wirtschaftsregierung EU ein Schuldenchaos (Fehler im Geldsystem, bewußt, Aufschuldungszwang etc.) lösen könnte. No way out Herr Schäuble, eine gezielte Irreführung.
2.000 Familien 80 % ! – hier muss selbst den gesottensten Konservativen langsam klar werden welch ein Irrweg hier unterstützt wird. HIER muss umgedacht werden liebe Leute. Die soziale Zeitbombe tickt! Sehr laut!
http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf
http://www.deweles.de/files/armageddon.pdf
Querschuss - 8. September 2011
Hallo Rolf,
ja die Faktenlage zu den Fehlentwicklungen zu Lasten des Systems ist erdrückend und beschämend!
Übrigens um ca. 12:00 Uhr schrieb ich, die Erholung der Aktienmärkte dürfte ein Dead Cat Bounce bleiben und schwupps schon verkaufen die Leser …. (kleiner Scherz). Und Gold was ja kein Zahlungsmittel ist, aber im Zweifel besser als Papiergeld, da nicht beliebig vermehrbar und damit eines der wenigen Anlagen, die vor dem Betrug durch die Notenbanken schützen, der schleichenden Geldentwertung durch die Druckerpressen, mit der die Verluste aus dem Finanzmarktcasino sozialisiert werden, zieht wieder deutlich an. Diesen simplen Zusammenhang zu verstehen und nicht mit Goldbug zu diffamieren, fällt allerdings manchem schwer.
Gruß Steffen
M.E. - 8. September 2011
Ja, der Dax hyperventiliert heute wieder.
Zwischen Optimismus (ach, liebe EZB, beglücke uns doch mit Zinssenkungen) bis zum Pessimismus diurch Meldungen von der Realitätsfront (Mist, die EZB macht ja doch nichts! Mist, die US-AL-Anträge gehen wieder hoch. Mist, die Griechen stürzen noch mehr ab.) war es nur ein kurzer zeitlicher Abstand.
Und nun warten alle wie gebannt auf Obama und seine Job-Märchen. Wenn er das Märchen richtig gekonnt vorträgt, dann belohnt ihn eventuell auch die Börse. Für 3 bis 4 Stunden. Bevor dann die nächsten Einschläge von der Realitätsfront kommen.
MagnaBavaria - 8. September 2011
In Spanien rumort es auch schon:
http://www.heise.de/tp/blogs/8/150432
henne - 8. September 2011
Deutsche und französische Handelsbilanz – Chart des Tages
http://dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=232118
madlene - 8. September 2011
Eurokläger Peter Gauweiler: Griechenland zurück zur Drachme!
http://goo.gl/DkBeh
wieso wird griechenland nicht rausgeworden????
Ro - 8. September 2011
weil´s oben zum Kommentar 2 noch passt:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article12529393/Die-Maer-vom-Euro-als-Friedensstifter-fuer-Europa.html
ergänzend, eben WEIL Merkel und Co. immer wieder den erreichten Frieden DURCH die Währung Euro so betont EBEN mit diesem spielen sie auf niedrigster Art und Weise. EBEN DIESEN Frieden gefährden SIE, indem sie an etwas festhalten was nicht haltbar ist – Stichwort Euro als Gleichmacher. Der Euro ist ein rein politisches Projekt / Konstrukt was Jahrhunderte von diversen europäischen Kulturen in eine “Binnenwährung” eine Gleichschaltung hinein zwängt – per Dekret so schnell es eben die Politik gerade noch umgesetzt bekommt – ohne Volkes Meinung wirklich zu berücksichtigen.
Schaun mer mal Frau Merkel, WO der Frieden bleibt wenn 4/5 der Bundesbürger und der anderen Bürger in Europa baldigst feststellen, dass Schuldentwertung per Systemzwang = Geldentwertung per Systemzwang bedeutet. Diese noch vorhanden Illusionsgeldvermögen und Lebensversicherungen aka Papier sich über mehrere Nächte und Wellen in Luft auflösen.
Ro - 8. September 2011
auch diesen Link kann man nur zustimmen:
“Jetzt kommen die Verfassungsrichter vor Gericht!”
Eine Klägergruppe von über 55 deutschen Unternehmern mit dem Namen „Europolis“ bringt das Bundesverfassungsgericht vor Gericht und ruft den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an, weil sich auf nationaler und europäischer Ebene eine „Erosion des Rechts“ vollziehe. Die Klägergruppe wirft dem höchsten deutschen Gericht, das eigentlich unsere Verfassung schützen soll, vor, die Demokratie zu schädigen und einem Staatsstreich von Merkel und Sarkozy in die Hände zu spielen.
http://www.goldseitenblog.com/heiko_schrang/index.php/Bankenkrise-Schrang/jetzt-kommen-die-verfassungsrichter-vor
Ich kann die Unternehmer verstehen denn sie bemerken langsam dass auch sie die Strafzettel in Folge bald bezahlen müssen welche fortwährend von Frau Merkel eingefahren werden. Das wird ein böses erwachen liebe Unternehmerschaft und werte Mittelständler. Ein manch ein viel beschäftigter Wachstumsfreund dieser Kaste und Tunnelblicker sowie nicht aktiv dagegen angehender Selfmadman wird dies wohl bald bemerken.
Russe - 8. September 2011
@madlene
wieso wird griechenland nicht rausgeworden????
__
Die VTler würden wg. Gasvorkommen sagen.
Hartes Sparprogramm für weitere Hilfen
Die griechische Regierung hat am Montagabend erste Details des geplanten neuen Sparprogramms veröffentlicht. Damit das hoch verschuldete Land die Milliardenhilfen von EU und IWF auch weiterhin ausgezahlt bekommt, will Athen noch in diesem Jahr mehrere Milliarden Euro durch Privatisierungen lukrieren. So sollen nicht nur die Anteile an den größten Häfen des Landes „sofort“ veräußert werden, sondern auch zahlreiche Flughäfen, Erdgasvorkommen, das staatliche Glücksspielunternehmen und die Mautrechte der Autobahnen. Ob diese Maßnahmen der EU und dem IWF ausreichen, ist zunächst noch unklar.
http://news.orf.at/stories/2059920/
Appaloosa - 9. September 2011
@M.E: Apropo Obama und Jobmärchen:
Wenn man vom Teufel spricht..
http://www.welt.de/wirtschaft/article13594298/450-Milliarden-Dollar-Barack-Obamas-Ruck-Rede.html