Griechische Industrieproduktion mit -11,7% zum Vorjahresmonat

von am 11. Oktober 2011 in Allgemein

Das griechische Statistikamt (ELSTAT) berichtete gestern die Daten zur breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energie- und Wasserversorgung und das Verarbeitende Gewerbe) für den Monat August 2011. Und diese Daten belegen zum wiederholten Male den desaströsen Weg der unter der Maßgabe der Troika (IWF, EU und EZB) mit den Austeritätsmaßnahmen in Griechenland eingeschlagen wurde. Im August 2011 sank der Output der Industrieproduktion um kräftige -11,7% zum Vorjahresmonat. Saisonbereinigt ging es um -1,4% zum Vormonat abwärts!

Der saisonbereinigte Output der breit gefassten griechischen Industrie von Januar 1995 bis August 2011 im Chart, laut den Daten von Eurostat. ELSTAT berichtet nur die Daten als arbeitstäglich bereinigte Indizes. Der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex fiel im August 2011 um weitere -1,4% zum Vormonat auf 77,37 Indexpunkte und damit lag der Output der breit gefassten griechischen Industrie um -26,43% unter dem letzten Hoch von Januar 2007. Noch gravierender, der Output lag unter dem Stand des Jahres 1995 (Durchschnitt Jan.-Dez. 1995: 82,23 Indexpunkte).

Das Verarbeitende Gewerbe brach um -11,0% zum Vorjahresmonat ein, der Output im Bergbau um -5,0%, der Output der Wasserversorger um -2,3% und der Output der Energieversorger um satte -16,7%. Gerade der Output der Energieversorger reflektiert den brachialen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität:


Die Entwicklung des Outputs der Energieversorger seit Januar 2000 bis August 2011 im Chart. Im August 2011 sank unbereinigt der Output um -16,7% zum Vorjahresmonat und saisonbereinigt um -3,8% zum Vormonat auf 74,4 Indexpunkte. Zum Hoch im Juni 2008 sank der Output der Energieerzeugung um -29,7%!

Die bisherige Entwicklung wirft ein bezeichnendes Licht auf die Inkompetenz der Verantwortlichen in der EU und damit federführend aus Deutschland und dem IWF. Die von diesen Institutionen aufgezwungenen Austeritätsmaßnahmen haben zur beschleunigten Abwärtsspirale, selbst bei der extrem unterentwickelten industriellen Produktion, in Griechenland beigetragen. Dabei galt es gerade die geringe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der griechischen Industrie als Hauptproblemfeld zu beackern und eine Steigerung des Outputs der Industrie zu erzielen. Totalversagen zeigen diese aktuellen Daten in Bezug auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Eurokraten an, nach über eineinhalb Jahren an Austeritätsmaßnahmen und 2 Rettungspaketen für Griechenland.

Klar ist, dass Griechenland im aktuellen Zustand unrettbar ist und weder die Staatsschulden noch die über die Leistungsbilanzdefizite aufgebaute Auslandsverschuldung wird abtragen können, sondern innerhalb des Euro am dauerhaften Tropf einer Transferunion hängen wird. Das heutige grüne Licht der Troika für die Auszahlung von 8 Mrd. Euro, aus der nächsten Hilfstranche des 2. Rettungspakets, weist genau in die Richtung eines dauerhaften Transfers. Denn niemals kann man mit einem Output der Industrie, auf einem Niveau von unterhalb des Jahres 1995, die aufgebauten Schuldentürme bis 2011 bedienen oder gar abtragen. Jeder weitere Monat, unter der Austeritätsagenda, würgt die wirtschaftliche Aktivität weiter ab und macht noch klarer, dass die Kredite an Griechenland definitiv uneinbringliche Forderungen sind. Wenn man die Zahlungsfähigkeit des Staates wirklich sichern will, muss man Wachstum, Wertschöpfung, Jobs, Einkommen und damit auch Steuereinnahmen organisieren, das Gegenteil passiert und der angerichtete Schaden wird maximiert! Irgendwie schwer nachvollziehbar die Strategie der Troika, denn die Daten von Eurostat liegen auch den Verantwortlichen vor und diese Daten sprechen eine klare Sprache.

Und das Problem sind mitnichten nur die Staatsschulden und eine darbende Realwirtschaft, sondern auch ein bankrottes griechisches Bankensystem. Heute sorgte der griechische Bankenindex FTSE ATHEX Banks für Furore. Um weitere -13,2% ging es abwärts:

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks, der die Aktienkurse der 9 größten griechischen Banken abbildet seit Januar 2006 im Chart. Der griechische Bankenindex brach heute per Schlusskurs um -13,2% zum Vortag ein und notiert bei nur noch 308,38 Indexpunkten.  Zum Vorjahr verlor der FTSE Athex Banks -81,1% und zum letzten Hoch am 06.11.2007 mit 7758,07 Indexpunkten satte -96,03%. Minus 81,1% zum Vorjahr, Chapeau Troika!

Die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken im FTSE ATHEX Banks Index sank auf unglaublich niedrige 3,969 Mrd. Euro und der niedrige Stand zeigt die de facto Insolvenz des griechischen Bankensystems an. Noch beim letzten Hoch am 06.11.2007 betrug die Marktkapitalisierung voluminöse 99,83 Mrd. Euro! Die Bilanzsumme der griechischen Finanzinstitute betrug zuletzt im Juli 2011 651,004 Mrd. Euro. Das gesamte ausstehende Volumen vergebener Krediten und Darlehen lag im Juli 2011 bei 331,207 Mrd. Euro. Dies entsprach mehr als einer Verdoppelung des Volumens nur seit Januar 2003!

Die Entwicklung des Aktienkurses der National Bank of Greece S.A., der größten griechischen Geschäftsbank, seit Januar 2003 im Dailychart. Per heutigem Schlusskurs sank die Aktie um weitere -15,8% zum Vortag, auf nur noch 1,60 Euro und damit auf ein neues Tief. Zum Vorjahr hat die Aktie bereits -80,1% verloren! Zum Hoch am 31.10.2007 mit einem Aktienkurs von 47,98 Euro betrug der Einbruch fulminante -96,7%! Selbst die Marktkapitalisierung der größten griechischen Bank ist auf nur noch 1,529 Mrd. Euro abgeschmolzen, beim Hoch waren es 45,860 Mrd. Euro! Die Bilanzsumme der National Bank of Greece S.A. beträgt 119,205 Mrd. Euro und damit etwas mehr als ein Sechstel aller griechischen Finanzinstitute.

Die Entwicklung des Aktienkurses der griechischen TT Hellenic Postbank seit Juni 2006 im Dailychart. Per heutigem Schlusskurs sank die Aktie um -28,02% zum Vortag, auf 0,357 Euro. Allein seit Jahresanfang 2011 hat die Aktie -88,5% verloren. Zum Hoch am 06.02.2007 mit einem Aktienkurs von 21,38 Euro betrug der Verlust brachiale -98,33%! 

Der Top-Privatisierungskandidat TT Hellenic Postbank hat eine aktuelle Marktkapitalisierung von nur noch schlappen 101,554 Millionen Euro. Die Privatisierung des 34% Staatsanteils würde momentan lächerliche 34,53 Millionen Euro einspielen. Vor diesem Hintergrund ist es geradezu ein Skandal, dass auch heute wieder die Troika auf die fehlenden Privatisierungserlöse Griechenlands hinweist. Wer eine Depression organisiert, darf sich nicht darüber wundern, dass Staatsbeteiligungen de facto unverkäuflich sind bzw. niemand nennenswerte Summen bietet. Misst man die Troika an den Ergebnissen in der Realwirtschaft, dem Zustand des Bankensektors und dem Verfehlen der Staatshaushaltsdefizitziele, offenbart sich ein beschämendes Ergebnis!

Jeder Funken Optimismus in Bezug auf Griechenland entbehrt unter der aktuellen Agenda jeder Grundlage!

Quelle Daten: Statistics.gr/PDF: PRODUCTION INDEX IN INDUSTRY/ August 2011, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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