Griechisches Endgame mit Ansage

von am 25. August 2011 in Allgemein

Wie die griechische Finanzzeitung “Imerisia” berichtete, hat die griechische Notenbank die Notkreditlinie (Emergency Liquidity Assistance, ELA) aktiviert. Alle griechischen Banken haben zugesagt teilzunehmen, um an Liquidität zu kommen, berichtete Imerisia ohne Angabe von Quellen. Die Zentralbank in Athen und auch die Europäische Zentralbank (EZB) wollten den Bericht nicht kommentieren.

Sehr wahrscheinlich ist das gesamte griechische Bankensystem längst bankrott und die Wenigsten sind sich der akuten Lage bewusst. Das Desaster der Banken ist Folge immenser angehäufter fauler Kredite und des Abzuges von Einlagen der Sparer. Sieht man sich die Kurse der Bankaktien an, wird deutlich welche Abwärtsdynamik entstanden ist:

Die Entwicklung des Aktienkurses der griechischen TT Hellenic Postbank seit Juni 2006 im Dailychart. Heute sank die Aktie im Schlusskurs um weitere -6,6% zum Vortag, nach -9,7% gestern,  auf 1,13 Euro. Allein seit Ende Juli 2011 hat die Aktie -54,4% verloren, zum Vorjahr sogar -74,3%.

Auch die größte griechische Geschäftsbank hat einen desaströsen Kursverlauf:

Die Entwicklung des Aktienkurses der National Bank of Greece S.A. seit Januar 2000 im Dailychart. Heute sank die Aktie im Schlusskurs um weitere -4,75% zum Vortag auf nur noch 3,01 Euro. Allein seit Ende Juli 2011 hat die Aktie -36,4% verloren, zum Vorjahr sogar -69,1%.

Im FTSE ATHEX Banks Index sind die 9 größten griechischen Banken gelistet:

Die Aktienkurse der griechischen 9 größten Banken, die prozentuale Veränderung zum Vortag und die Marktkapitalisierung in Euro in der aktuellen Tabelle von heute.

Der FTSE ATHEX Banks Index sank heute um weitere -4,17% auf nur noch 551,67 Indexpunkte. Seit Ende Juli 2011 hat der Bankenindex -35,13% verloren und zum Vorjahr -66,73%! Beim letzten Hoch am 06.11.2007 notierte der Index bei 7’758,07 Punkte, ein Einbruch von unglaublichen -92,9%:

Die Entwicklung des FTSE ATHEX Banks seit Januar 2006 im Chart.

Die Marktkapitalisierung der 9 größten griechischen Banken im FTSE ATHEX Banks Index, betrug heute nur noch 7,099 Mrd. Euro, beim letzten Hoch am 06.11.2007 lag die Marktkapitalisierung noch bei 99,83 Mrd. Euro! Die aktuelle Marktkapitalisierung im Einzelnen, die National Bank of Greece S.A. (ETE): 2,878 Mrd. Euro, Alpha Bank A.E. (ALPHA): 1,069 Mrd. Euro, Bank of Cyprus Public Company LTD (BOC): 1,034 Mrd. Euro, EFG Eurobank Ergasias S.A. (EUROB): 0,763 Mrd. Euro, Piraeus Bank S.A. (TPEIR): 0,686 Mrd. Euro, Marfin Popular Bank Public Co LDT (MARFB): 0,467 Mrd. Euro, TT Hellenic Postbank S.A. (TT): 0,161 Mrd. Euro, Attica Bank S.A. (TATT): 0,024 Mrd. Euro, Proton Bank S.A. (PRO): 0,018 Mrd. Euro.

Ob Realwirtschaft oder Bankensystem, Griechenland liegt am Boden und die Austeritätsmaßnahmen der Troika haben die Exekution vollendet. Auch heute zogen die Renditen der griechischen Staatsanleihen weiter an:

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart. Heute klettert die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe per Schlusskurs auf unglaubliche 45,884%, ein neues Allzeithoch.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit April 1998 im Dailychart. Heute klettert die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe per Schlusskurs auf 18,278%, ein neues Allzeithoch.

Auch die CDS-Versicherungsprämien auf griechische Staatsschulden ziehen wieder an:

Die Versicherungsprämien für Protection Buyer von Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsschulden mit 5-jähriger Laufzeit in Basispunkten. Die Basispunkte der Versicherungsprämie pro Jahr, um ein Volumen von 10 Millionen Dollar am OTC-Derivatemarkt zu versichern. Heute lag die Prämie bei 2,297243 Basispunkten.

Weiterhin bleibt es ein Rätsel, wie bei diesen Zuständen die Währungsunion noch glorifiziert werden kann, obwohl die Griechen ja nur die Spitze des Eisbergs sind, denn genaugenommen sieht es in Portugal, Spanien und Italien nicht so viel besser aus und auch Frankreich mit seinem Staats- und Leistungsbilanzdefizit kann eigentlich keinen wirklichen Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone leisten, sondern ist ein potentieller Krisenbeschleunigungsherd, wenn das AAA-Rating abhandenkommt. Diese desaströse Lage herrscht bereits jetzt, obwohl eine Schrumpfung der Wirtschaft europaweit noch bevorsteht und dies die Situation nochmals deutlich zuspitzen wird und damit die bisherige Strategie zur Rettung des Euro als Scharlatanerie entlarven wird.

Sehr “beeindruckend” bleibt, wie weit in Deutschland die Alternativlosigkeit ausgeprägt ist, die Bundeskanzlerin sicher als ein Bollwerk der Austeriät, aber wenigstens noch mit Zögern bei den Eurobonds, wird vom Parteienspektrum der Opposition im Bundestag auch noch überflügelt, die unisono unverantwortlich nach Eurobonds rufen und damit den Maximalschaden auch für Deutschland fordern. Die unterschiedliche Leistungkraft der Volkswirtschaften in der Eurozone, die Fehlentwicklungen im Banken- und Finanzsektor und die angehäuften faulen Kredite im System, inkl. bei der EZB, sind  einfach zu groß, um noch bewältigt und in einem weiteren Zeitgewinn abgetragen werden zu können. Jetzt gilt es unverzüglich Schäden zu begrenzen und eine koordinierte Ausstiegstrategie zu entwickeln!

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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