Heiße Träume!

von am 22. August 2011 in Allgemein

Laut dem Monatsbericht des deutschen Bundesministeriums der Finanzen für August 2011, soll gemäß der neuesten Schätzung, dass Maastricht-Defizit des deutschen Staates 2011 nur bei -1,5% des nominalen BIPs liegen und bereits ab 2014 soll der gesamtstaatliche Haushalt ausgeglichen sein. Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern stiegen im 1. Halbjahr 2011 um +9,3% bzw. um +21,836 Mrd. Euro zum Vorjahreszeitraum auf 256,857 Mrd. Euro. Klingt alles sehr solide und gut, nur interpoliert man den Status Quo linear weiter, der davon ausgeht dass es keine Wachstumsschwäche geben wird, dass keine der übernommenen Garantien aus den Rettungspaketen fällig wird. Aber selbst das aktuelle Datenmaterial spiegelt in einigen Details die Probleme  des deutschen Wirtschaftswunders abseits der positiven Headline gut wieder:

So zeigt sich ein weiteres Mal, dass es ein deutsches Konsumwunder nicht gibt und dieses “Wunder” nur Produkt einer Aufschwungs-Propaganda war und ist. Die Einnahmen aus der Umsatzsteuer stiegen im Juni 2011 nominal auf 11,146 Mrd. Euro und lagen damit zwar um +2,5% über dem Niveau des Vorjahresmonats, aber im gesamten 2. Quartal 2011 sanken die Einnahmen aus der Umsatzsteuer  um -6,9% zum Vorquartal und um -2,06% zum Vorjahresquartal!

Die Entwicklung der Einnahmen aus der Umsatzsteuer gemäß den Quartalsdaten seit Q1 2000 bis Q2 2011. Im 2. Quartal 2011 sanken die Umsatzsteuereinahmen um -6,9% zum Vorquartal auf 33,082 Mrd. Euro. Dies war das schwächste Quartal seit Q3 2008 und dahinter steckt alles andere als ein Konsumwunder!

Bei der Entwicklung der Daten zum Umsatzsteueraufkommen über den längeren Zeitraum muss man die Erhöhung der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) zum 1. Januar 2007 von 16% auf 19% beachten und das die gesamte Datenreihe die nominale Umsatzsteuereinnahmen reflektiert, also auch die Effekte aus den Preissteigerungen enthalten.

Noch interessanter wird es wenn man die Saisoneffekte, wie das Jahresende (Weihnachten), mit Hilfe eines 4-Quartalsdurchschnittes glättet:

Die Entwicklung des nominalen Umsatzsteueraufkommens seit Q1 2000 bis Q2 2011 als gleitender 4-Quartalsdurchschnitt. Würde man nun noch die Mehrwertsteuererhöhung seit Anfang 2007 herausrechnen, ringt einem der deutsche Konsumboom nur noch ein müdes Gähnen ab.

Noch schöner wird der “deutsche Konsumerfolg”, wenn man das Umsatzsteueraufkommen als gleitender 4-Quartalsdurchschnitt auch noch um die offizielle Preissteigerung der Verbraucherpreise bereinigt:

Die Entwicklung des realen Umsatzsteueraufkommens seit Q1 2000 bis Q2 2011 als gleitender 4-Quartalsdurchschnitt. In Q2 2011 liegt das reale und geglättete Umsatzsteueraufkommen mit nur +2,45% über dem Niveau von Q1 2000, nimmt man noch die Mehrwertsteuererhöhung heraus, offenbart sich statt eines Konsumbooms, ein Null-Event bzw. eine dauerhafte Stagnation.

Selbst am Beschäftigungshoch gehen vom Konsum keine relevanten positiven Signale aus.

Nicht wirklich besser sieht es letztlich beim Lohnsteueraufkommen aus, wenn auch dort wenigstens die Headline stimmt, im Juni 2011 stieg das nominale Lohnsteueraufkommen um +10,9% zum Vorjahresmonat und dies reflektiert auch das Beschäftigungshoch, aber in der langen Reihe seit Q1 2000 wird die miese Qualität vieler neuer Jobs und der abgeführten Lohnsteuer sichtbar:

Das nominale Lohnsteueraufkommen in Mrd. Euro seit Q1 2000 bis Q2 2011 im Chart. In Q2 2011 stieg das nom. Lohnsteueraufkommen um +5,13% zum Vorquartal und um +12,14% zum Vorjahresquartal auf 34,144 Mrd. Euro.

Wie traurig die Entwicklung beim Lohnsteueraufkommen trotz der festhaltenswerten Aufwärtsbewegung im 2. Quartal 2011 ist, zeigt der gleitende 4-Quartalsdurchschnitt um die saisonalen Effekte zu glätten:

Die Entwicklung des nominalen Lohnsteueraufkommens seit Q1 2000 bis Q2 2011 in Mrd. Euro als gleitender 4-Quartalsdurchschnitt. Im gleitenden 4-Quartalsdurchschnitt liegt man auch in Q2 2011 noch deutlich unter dem Hoch beim Lohnsteueraufkommen aus Q4 2008 und auch knapp -1% unter dem Niveau aus Q1 2000.

Den gleitenden 4-Quartalsdurchschnitt dann noch um den Anstieg der Verbraucherpreise bereinigt macht deutlich, dass selbst am Beschäftigungshoch das Lohnsteueraufkommen real weniger als eine Nullnummer darstellt:

Die Entwicklung des realen Lohnsteueraufkommens seit Q1 2000 bis Q2 2011 als gleitender 4-Quartalsdurchschnitt. Der Aufschwung ist damit als nicht selbsttragender, weltwirtschaftlicher Schönwetterevent auch an Hand der wichtigen Steuereinnahmen des Staates enttarnt.

Wir halten fest, die Bundeskanzlerin Merkel meint : “Ich sehe nichts, was auf eine Rezession in Deutschland hindeutet” und die gleiche Message bemüht der Finanzminister Schäuble, indem auch er für Deutschland keine Anzeichen einer Rezession sieht. Selbstredend sieht das Querschuesse, als kritischer Wirtschaftsblog anders und hält es für unzulässig die bisherige Situation linear bei den Steuereinnahmen fortzurechnen und hält ebenfalls die Vorstellung eines ausgeglichenen Staatshaushalts bis 2014 für eine Farce und außerhalb der Realitäten.

Quelle Daten: Bundesfinanzministerium.de/Monatsbericht BMF August 2011, Bundesbank.de/Monatsbericht August 2011 der Bundesbank

 Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article