ifo Geschäftsklimaindex gibt weiter nach

von am 21. Oktober 2011 in Allgemein

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist auch im Oktober 2011, den vierten Monat in Folge, weiter zurückgegangen. Er notierte im Oktober, laut den heute veröffentlichten Daten, bei 106,4 Indexpunkten, nach 107,4 Indexpunkten im Vormonat und nach 112,0 Punkten im Vorjahresmonat. Der Rückgang zum Vormonat war allerdings mit -1,0 Punkt moderat und weiterhin liegt der ifo Geschäftsklimaindex noch relativ im komfortablen Bereich, wie auch der Chart verdeutlicht:


Die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex im Chart seit Januar 1991.

Auch die aktuelle Geschäftslage der 7000 befragten Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe, dem Groß- und Einzelhandel verschlechterte sich im Oktober 2011, ebenfalls den 4. Monat in Folge, der Index der aktuellen Geschäftsbeurteilung sank auf 116,7 Indexpunkte, nach 117,9 Punkten im Vormonat. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sanken im Oktober 2011 bereits den 8. Monat in Folge, auf 97,0 Indexpunkten und damit auf den tiefsten Stand seit Juli 2009.

Beim ifo-Geschäftsklimaindex handelt sich ausschließlich um einen Stimmungsindikator, der aus den Antworten der befragten Unternehmen ermittelt wird. Die 7000 befragten Unternehmen geben Auskunft zur gegenwärtigen Geschäftslage und beurteilen ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate an Hand ziemlich simpler Abfragen. Sie können ihre aktuelle Lage mit “gut”, “befriedigend” oder “schlecht” und ihre Geschäftserwartungen mit “günstiger”, “gleich bleibend” oder “ungünstiger” bewerten.

Zur Methodik gibt das ifo-Institut u.a. an: “Die Fragen, wie die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen und wie sich die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten in konjunktureller Hinsicht verändern wird, sind dabei bewusst unscharf formuliert. Den Unternehmen wird selbst überlassen, anhand welcher Kriterien sie ihre Geschäftslage bewerten. Durch diese Art der Fragestellung wird ein hohes Maß an Flexibilität erreicht, da die Unternehmen die für sie relevanten Faktoren wählen können. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse hängt von Position und Funktion der ausfüllenden Person ab. Die Interpretation, was unter Geschäftslage und Geschäftsentwicklung zu verstehen ist, wird dabei bewusst den Befragungsteilnehmern überlassen.”

Der Präsident des ifo Instituts Hans-Werner Sinn schätzt die Lage in der Pressemitteilung so ein: “Die Geschäftslage der Unternehmen ist nicht mehr ganz so hervorragend wie in den vergangenen Monaten. Bezüglich der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr sind die Unternehmen skeptischer als bislang. Angesichts der internationalen Turbulenzen schlägt sich die deutsche Wirtschaft derzeit vergleichsweise gut.”

Quelle Daten: Cesifo-group.de/Pressemitteilung ifo Geschäftsklima Oktober 2011, Lange Zeitreihen für das ifo Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands und seine beiden Komponenten Geschäftslage und -erwartungen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • M.E. - 21. Oktober 2011 Antworten

    Die Entwicklung des Geschäftslimaindexes könnte man NOCH als Normalisierung nach einem ausgeprägten Maximum interpretieren. Aber wenn man die Dynamik bzw. die Nicht-Dynamik wichtiger Zielländer unserer Exporte ansieht, ist es nicht verwegen, ein weiteres Sinken des Indexes vorrauszusagen.
    In den USA hat es immerhin gestern einige erstaunlich positive Entwicklungen einiger Indizes gegeben. Aber das Neuverschuldungstempo dort ist gewaltig. Das Durchstoßen sowohl der 15-Billionen-Verschuldungsgrenze als auch der 100%-Marke steht wahrscheinlich schon innerhalb der nächsten 3 Wochen bevor. Das wird die Aufmerksamkeit wieder auf die völlig unhaltbare Situation der US-Verschuldung richten.
    Außerdem sind zentrale Teile des Obama-Jobprogramms, darunter die höchst sinnvolle Reichensteuer, sogar schon im demokratisch dominierten Senat gescheitert. Egal, was man von dem Programm insgesamt hält – es zeigt die völlige Handlungsunfähigkeit der US-Politik mindestens bis zum Amtsantritt eines neuen Präsidenten Anfang 2013. Sollte sich also die Situation in den USA in den nächsten 15 Monaten verschärfen, wird es keine handlungsfähige Legislative geben, die wirkungsvoll reagieren könnte.
    Natürlich müssen wir Europäer auf dem Gebiet ganz ruhig sein. Das Agieren der Regierungen und Euro-Institutionen erinnert an einen Hühnerstall. Im November ist mit dem Offanbarungseid Griechenlands zu rechnen. 50 plus, heißt ja schon die Devise. Ich denke, es wird auf einen Schnitt von 60% hinauslaufen. Aber der wirtschaftlich-gesellschaftliche Kollaps des Landes wird damit nicht beendet.
    Der Schuldenschnitt wird den Druck auf die anderen Südschienenländer weiter erhöhen, wobei besonders Italien immer mehr in den Fokus rücken wird. Wenn das Land nun endgültig in die Rezession abrutscht, werden zukünftige Herabstufungen keinesfalls nur eine Stufe betragen. Und mit der bevorstehenden Herabstufung Frankreichs – ich vermute durch alle 3 Agenturen – wird die Situation weiter angeheizt. Natürlich ist auch die zweit- oder dritthöchste Bewertung noch kein Beinbruch, aber jede Abstufung vermindert das Vertrauen in die gesamte Euro-Zone.

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