Ifo Geschäftsklimaindex signalisiert erneut guter Stimmung

von am 26. März 2012 in Allgemein

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im März 2012, den fünften Monat in Folge leicht angestiegen. Er notierte im März, laut den heute veröffentlichten Daten bei 109,8 Indexpunkten, nach 109,7 Indexpunkten im Februar und nach 114,7 Punkten im Vorjahresmonat. Damit läuft die gemessene Stimmung und die realwirtschaftliche Lage durchaus etwas auseinander und die befragten Unternehmen zeigen eine gewisse Ignoranz gegenüber den harten belastbaren Wirtschaftsdaten. In Q4 2011 war zuletzt das saisonbereinigte reale BIP um -0,2% zum Vorquartal gesunken, der Output der Industrieproduktion stagnierte bestenfalls und lag unter den Hochs von Mitte 2011, der Auftragseingang war im Januar 2012 rückläufig und auch der Export lag zuletzt im Januar 2012 deutlich unter dem Allzeithoch aus März 2011.

Noch fragwürdiger, nun ruft auch noch das ifo Institut das deutsche Konsumwunder aus, bereits zigmal von der Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) und von den Mainstreammedien beschwört, aber bisher nie eingetreten: “Der Geschäftsklimaindikator im Einzelhandel ist stark gestiegen. Die Einzelhändler berichten von einer deutlich verbesserten Geschäftssituation und sind auch hinsichtlich der Entwicklung in den kommenden sechs Monaten zuversichtlicher.” …..Da darf man aber mal gespannt bleiben, denn zuletzt im Januar 2012 sanken die deutschen saisonbereinigten realen Einzelhandelsumsätze bereits den vierten Monat in Folge und lagen um -3,3% unter dem durchschnittlichen Niveau des Jahres 2000 und sogar um -3,5% unter dem Niveau des Jahres 1994, dem Beginn der Datenreihe. Dieser erbärmliche Fakt ist selbstverständlich kein Grund, nicht erneut ein verbales Konsumfeuerwerk der bei den Stimmungsindikatoren abzufeuern. Nur manche Märchen werden eben auch nicht wahrer, je öfters man sie wiederholt.

Die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex im Chart seit Januar 1991.

Die aktuelle Geschäftslage der 7000 befragten Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe, dem Groß- und Einzelhandel blieb im März 2012 stabil bei 117,4 Indexpunkten, während die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate auf 102,7 Indexpunkte stiegen, nach 102,4 Indexpunkten im Vormonat.

Beim ifo-Geschäftsklimaindex handelt sich ausschließlich um einen Stimmungsindikator, der aus den Antworten der befragten Unternehmen ermittelt wird. Die 7000 befragten Unternehmen geben Auskunft zur gegenwärtigen Geschäftslage und beurteilen ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate an Hand ziemlich simpler Abfragen. Sie können ihre aktuelle Lage mit “gut”, “befriedigend” oder “schlecht” und ihre Geschäftserwartungen mit “günstiger”, “gleich bleibend” oder “ungünstiger” bewerten.

Zur Methodik gibt das ifo-Institut u.a. an: “Die Fragen, wie die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen und wie sich die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten in konjunktureller Hinsicht verändern wird, sind dabei bewusst unscharf formuliert. Den Unternehmen wird selbst überlassen, anhand welcher Kriterien sie ihre Geschäftslage bewerten. Durch diese Art der Fragestellung wird ein hohes Maß an Flexibilität erreicht, da die Unternehmen die für sie relevanten Faktoren wählen können. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse hängt von Position und Funktion der ausfüllenden Person ab. Die Interpretation, was unter Geschäftslage und Geschäftsentwicklung zu verstehen ist, wird dabei bewusst den Befragungsteilnehmern überlassen.”

Aus der Art der Befragung, ergibt sich wohl auch ein Stück weit das Ergebnis, einer Stimmung die mit der Realität divergiert.

Der Präsident des ifo Instituts Hans-Werner Sinn meint zu den Daten auch etwas verhalten: “Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im März nur leicht gestiegen. Der Anstieg der Erwartungen ist schwächer geworden, und die Geschäftslage hat sich nicht weiter verbessert. Der Schwung lässt etwas nach.”

Quelle Daten: Cesifo-group.de/Pressemitteilung ifo Geschäftsklima März 2012, Lange Zeitreihen für das ifo Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands und seine beiden Komponenten Geschäftslage und -erwartungen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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10 KommentareKommentieren

  • Keine Ahnung - 26. März 2012

    Der Ifo-Index ist ein unwichtiger Index für Bewertungen nur wichtig für die öffentlichen Nachrichten,eine gute Stimmungslage verbreiten.
    Ein Stimmungsindex der sich nach Befragungen richtet aber keine wirklichen Daten liefern kann,also unbrauchbar.Wenn eine ganze Woche schlechtes Wetter im Lande ist, werden auch andere Umfragewerte herauskommen.

  • Jo - 26. März 2012

    Absolut lächerlich diese Ifo- unf Gfk-Propagandamitteilungen zur Zementierung des Neoliberalismus á la “es geht uns doch allen soooo gut!”. Ich möchte auch gar nicht wissen wieviel dort hinter verschlossener Tür an den Zahlen gedreht wird.
    Noch lächerlicher allerdings all die, die meinen mit diesen Daten in Wirtschaftsdebatten argumentieren zu können.

    • Wolf Larsen - 27. März 2012

      Wenn man die Erfebnisse des GFK Index einmal ausführlich durcharbeitet (in den Medien pickt man sich zur Volksverdummung die Rosinen aus), bemerkt man, wie unsinnig die Aussagen dort sind, die sich teils selbst widersprechen und hochgradig subjektiv wirken.

  • Thatwasthepension - 26. März 2012

    Das mit dem Einzelhandel könnte sogar fast stimmen, aber nur wenn man ein wenig Sarkasmus mit reinnimmt. Mein Bruder sagt, er macht jetzt viel bessere Geschäfte weil gleich 2 Konkurrenten in seiner Nähe aufgegeben haben. Ich glaube, wenn ich mich hier in der Gegend umsehe, dann dürfte das mit dem Konzentrationsprozess im Einzelhandel überall voran schreiten. Klar das die Befragten Unternehmen besser dastehen wenn die Konkurrenz das Handtuch wirft.

  • hko - 26. März 2012

    nun ich denke es handeln immer mehr Sachbearbeiter wie ich – man hat ja schliesslich Arbeit zu erledigen -

    Werde ich im Büro von irgendwelchen Meinungsforschungsinstituten angerufen erzähle ich denen das Blaue vom Himmel, gerade wie es mir in den Sinn kommt – manchmal merken sie es, dass ich sie verarsche, doch meistens ist am anderen Ende der Telefonleitung auch bloss ein Sachbearbeiter und schreibt brav auf was für einen Stuss ich von mir gebe — so funktionieren diese Umfragen !! Am Liebsten habe ich das detaillierte Ausfüllen der Einfuhrstatistiken in denen zu unterscheiden ist, ob zum Verzehr geeignete Nudeln mit 80% Weizenanteil oder 60% igen bzw eventuell auch mit Rosinen bespickte aufzuführen sind ……..

  • Frank Bell - 26. März 2012

    Auch der BDI steigt weiterhin an.

  • lesefuchs - 26. März 2012

    Ich habe 30 Jahre DDR hinter mir und das was jetzt mit den Medien und der aktuellen Wirtschaft abläuft kommt mir sehr, sehr bekannt vor. Nur das der DDR Bürger weitaus mehr zwischen den Zeilen lesen konnte und kritischer war als der BILD gesteuerte und satte Bundesbürger. Der Absturz wird nur heute tiefer, da die Wohlstandsleiter höher ist!

  • Georg Trappe: - 27. März 2012

    Fuer alle noch ein Hinweis auf ifo / Sinn und die Zustaende in der deutschen Wirtschaftsberichterstattung.

    http://www.dullien.net/pdfs/Beitrag%20Kromphardt.pdf

  • keine Ahnung - 27. März 2012

    Der Kapitalismus ist ~zweihundert Jahre alt,und hat mehrere große wirtschaftliche Depressionen hinter sich gebracht mit jeweils fast den gleichen Anfangsymptomen.
    Was letzten Endes alle betreffen wird ,ist der Abbau von Wohlstand auf allen Ebenen(Staatlichen,privaten Sektor) ,um neue konjunkturelle Anreize zu schaffen mit neuen Technologien.Die schweren Jahre kommen erst noch für alle, bisher werden “nur” Staaten gerettet in vier fünf Jahren beginnt die Entschuldung via Inflation aufgrund der enormen Geldmengen die und Einzelverschuldung de Länder.
    In der Zeit werden die neoliberalen (angelsächsischen) noch in den Ländern ihr Ungemach weiter vorantreiben,bis auch sie den Rückzug antreten und wir wieder besseren gemäßigteren Zeiten entgegen steuern bis dahin werden noch ~zehn Jahre vergehen.In guten Zeiten wird Wohlstand aufgebaut in schlechten Zeiten abgebaut.Untereinander sollte man sich gegenüber dem anderen auch ruhig verhalten er kann meistens nichts für die Entscheidungen von Politik und Wirtschaft.

  • Wolf Larsen - 27. März 2012

    DEieser Index geht eigentlich völlig konträr zu dem, was die Leute auf der Strasse so aussagen.
    Und zu dem, was der MARKIT Index jüngst ausdrückte.
    Woran liegt das? Es müssten einmal die Verwebungen des Ifo-Instituts mit der BRD-Wirtschaft und der Politik beleuchtet werden.
    Ich wette, da gibt es unangenehme Verbindungen.

    Ich weiss selber von immer mehr Menschen, die von ihrem Lohn nicht leben können. Das ist ja keine Einbildung.
    Wenn die “positive” Stimmung dennoch steigt, geht es auf die Unternehmer zurück, die ihre Angestellten wie Dreck behandeln und damit immer mehr verdienen.
    Gibt es denn nichts, was diesen Teufelskreis zerbricht?
    Sind die Deutschen so dumme Waschlappen??