Industrieproduktionsdaten für DFPIGS

von am 13. März 2012 in Allgemein

Die bereits vorliegenden saisonbereinigten Daten zur breit gefassten Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) ohne Baugewerbe für Januar 2012 von Eurostat bzw. den nationalen Statistikämtern, liefern wie jeden Monat, den Beleg für die fundamentale Fehlentwicklung, der unter dem Euro versammelten Länder. Nicht nur, dass schon zu Beginn der Währungsunion die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften viel zu stark auseinanderlag, die Entwicklung lief in Folge erst richtig beschleunigt auseinander, wie die Daten zum Output der Industrieproduktion zeigen, wenn man den monatlichen Durchschnitt des Outputs des Jahres 2000 mit gleich 100 ansetzt. 

Die Entwicklung der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren – Jahr 2000=100) ohne Baugewerbe. Während Deutschland seinen Produktionsoutput um +18,36% von 2000 bis Januar 2012 steigern konnte, lag der Output in Frankreich um -8,10%, in Portugal um -18,84%, in Italien um -18,49%, in Griechenland um -28,48% und in Spanien um -17,13% unter dem Niveau des durchschnittlichen Produktionsoutputs aus dem Jahr 2000! 

Die saisonbereinigten Indizes (2000=100) der breit gefassten Industrieproduktion, ohne Baugewerbe zeigen die Entwicklung an, lassen aber keine Aussage zum absoluten Niveau des Outputs der einzelnen Länder zu, sondern der jeweilige durchschnittliche monatliche Output der Industrieproduktion des Jahres 2000 ist jeweils mit 100 Indexpunkte angesetzt.

Ordentlich abwärts ging es im Januar 2012 mit der Industrieproduktion in Italien mit -2,52% zum Vormonat, leicht abwärts ging es in Spanien, während sich der Output in Deutschland, Frankreich, Portugal und Griechenland saisonbereinigt zum Vormonat leicht erholen konnte.

Niemals lassen sich die aufgebauten Schuldenpyramiden der Südperipherie der Eurozone von 2012 mit drastisch schrumpfender industrieller Wertschöpfung auflösen. Der obige Chart zeigt deutlich, dass die Rettungspakete, die Austeritätsmaßnahmen und die Liquiditätsflutungen der EZB am entscheidenden Punkt vorbeizielen, dem Organisieren von Wertschöpfung, Jobs und den Einkommen daraus. Ohne diese Komponenten gibt es jedoch auch weiter kein Entrinnen aus der Krise.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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13 KommentareKommentieren

  • M.E. - 13. März 2012

    Man sieht: die Spannungen im Euro-Raum werden zunehmen, die Handels- und Zahlungsbilanzdefizite der Problemländer werden sich immer schneller aufakkumulieren.
    Bis auch die deutsche Sonderkonjunktur irgendwann ihr Ende findet.
    Denn klar ist: so wie bisher wird es nicht weitergehen. Zunehmende Spannungen führen irgendwann zum Erdbeben, sagen die Geologen. In der Wirtschaft ist das nicht prinzipiell anders.

    • Canpichurri - 13. März 2012

      >> Man sieht: die Spannungen im Euro-Raum werden zunehmen <<

      Dazu passt hervoragend, dass Sarkozy aus dem Schengen-Abkommen austreten will, Italien weitere Kapitalverkehrskontrollen einführt und in den Niederlanden Parteien ganz öffentlich eine Rückführung zum Gulden fordern.
      Europa in seiner heutigen Form ist am Ende, "Endgame" halt.

  • hko - 13. März 2012

    nur bald habe ich den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Spannungen in geologischen Zeitspannen sich erbeben … eigentlich sollte es schon längst gekracht haben … ist doch erstaunlich wie die Geduld der Masse das Beben verzögert.

  • M.E. - 13. März 2012

    Hallo hko,
    die Spannungen wurden zunächst mit Bergen von Geld zugeschüttet, nicht nur in der EU. Was nur dazu führt, dass sie immer gewaltiger werden und das nachfolgende Beben um so stärker.
    Einige halten das Hinausschieben des Bebens für Stabilität.

  • M.E. - 13. März 2012

    Auch das halten manche für Stabilität:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/papiere-italien-muss-anlegern-immer-weniger-zahlen/6321984.html

    Man sieht: die Verschuldungsschraube kann immer noch weitergedreht werden. Bis die Schraube irgendwann abbricht.
    Ich habe heute meinen Metapher-Tag.

    • Benedikt - 13. März 2012

      Das Litro Geld muss ja schnell angelegt werden, ansonsten muss man bei der EZB Zinsen dafür Zahlen. Die Banken müssen das Geld anlegen. Und am sichersten gibt man den Staaten das Geld. Im Falle von Problemen werden die ja gerettet. Solange das Litro Geld reicht, so lange bleiben die Zinsen niedrig. Ohne ständiges Litro Geld wird sich Italien nie wieder mit dem Euro alleine finanzieren können.

  • M.E. - 13. März 2012

    Und es gibt sogar Leute, die halten dies für Stabilität:

    http://www.onvista.de/news/politik-volkswirtschaft/artikel/13.03.2012-13:43:26-usa-einzelhandelsumsaetze-legen-deutlich-zu?newshash=d0470c9a85e856aa9dbde35a0b4db583

    Klar. Sinkende Realeinkommen, abgewertete Immobilienvermögen, drückende Schuldenlast der Bürger von 13 Billionen Dollar, steigende Energiepreise, unsichere Altersrückstellungen, immer teurere Studiengebühren für die Jüngsten…
    Aber mehr shoppen. Eine Perle der Stabilität!

    • Roland - 13. März 2012

      Der Anstieg der Konsumausgaben im Einzelhandelsbereich geht z.Zt. auf Kosten entsprechender Ausgaben im Dienstleistungs-Sektor.
      Letztlich gilt auch für die Amerikaner, dass man einen Dollar nicht mehrmals ausgeben kann.

  • Dima - 13. März 2012

    Lob!
    Ich bin immer wieder begeistert von der Grafik über den Output der Industrieproduktion der Euro-Länder mit der Basis 2000=100.
    Kein Bild zeigt das Scheitern des Euro besser als dieses Bild.

  • M.E. - 13. März 2012

    Ja, Dima,
    das ist die Stärke der Querschüsse: Sachverhalte und Entwicklungen durch Charts sichtbar zu machen.
    Mit Worten kann man es nicht so anschaulich machen, wie durch diese Graphiken.

  • Andres Müller - 13. März 2012

    Die Griechen -CDS sind “über Nacht” von 24000 auf 75 eingeschrumpft (gleich wie Deutschland). Bin ja gespannt wie lange es dauert bis sie den Stand beim Schuldenschnitt wieder erreicht haben.
    http://www.cnbc.com/id/38451750/

    Das Tollhaus Europa greift in die nächste Runde. Sehr verlockend so ein Schuldenschnitt…

  • Martin - 13. März 2012

    als ich das erstenMal die Graphik gesehen habe, dachte ich an den alten Churchil-Spruch, von den gefälschten Statistiken. Aber liegt ja keine Statistik, sondern nur eine Wiedergabe der Daten in graphischer Form vor.

    Das ist der Vorteil des Chronisten, daß es einfach ist, bei der Wahrheit zu bleiben.

    Und jetzt wird es schwer für die Systemheinis, daraus einen Schuh zu machen.

    Einen schönen Blog haben Sie da. Lese ich sehr germe!

  • Heinz - 14. März 2012

    Kurz bis mittelfristig läuft es doch prächtig für die herrschenden Klasse, insbesondere der BRD. Wir sehen ein 89/90 reloadet. Der Schuldenschnitt Griechenlands ist durch, die Gläubiger, sprich das Finanzkapital, hat kassiert und die werktätigen Massen in Griechenland in Form von Steuern, Tarfizerschlagung und sozialen Einsparungen gezahlt. Vorrausichtlich wird es so in Spanien , Portugal , Italien und letztendlich der BRD weiter gehen. Wirklichen Widerstand sprich Sturz der herrschenden Klasse sehe ich nicht. Der DAX steigt jedenfalls in den letzten Tagen enorm….Da wird schon auf die Dividende der nächsten Jahre geschielt.