Irland: Situation spitzt sich zu

von am 25. April 2012 in Allgemein

Auch die irische Wirtschaft kühlte sich wieder ab, gleichzeitig sinken die Immobilienpreise weiter und das Staatshaushaltsdefizit schwoll auch 2011 an. Zuletzt im Februar 2012 sank das irische Außenhandelsvolumen bei Waren und Gütern, ebenso der Output der Industrieproduktion. Das unbereinigte Exportvolumen von Waren und Gütern sank um -3,8% zum Vorjahresmonat auf 7,386 Mrd. Euro, nach 7,698 Mrd. Euro im Vormonat und nach 7,679 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Die Entwicklung des irischen Importvolumens (blau) und des Exportvolumens (rot) in Mrd. Euro seit Januar 1990 bis Februar 2012 im Chart.

Das Importvolumen betrug im Februar 2012 3,871 Mrd. Euro, nach 4,465 Mrd. Euro im Vormonat und nach 4,297 Mrd. Euro im Vorjahresmonat (-9,9%). Der Exportüberschuss betrug im Februar +3,515 Mrd. Euro, nach +3,223 Mrd. Euro im Vormonat und nach +3,381 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Die Entwicklung der irischen Handelsbilanz seit Januar 1990 bis Februar 2012 im Chart. Im Handel von Waren und Gütern mit der Welt erzielt Irland chronische Überschüsse.

Die Entwicklung der irischen Leistungsbilanz seit Q1 1995 bis Q4 2011 im Chart. In Q4 2011 erzielte Irland ein Leistungsbilanzüberschuss von +796 Millionen Euro. Die Leistungsbilanz Irlands sieht bei weitem nicht so positiv aus wie die Handelsbilanz, da in den anderen Teilbilanzen wie der aus den Dienstleistungen, der Bilanz aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie der Bilanz aus den laufenden Übertragungen Defizite anfallen.

Auch die Industrieproduktion kühlt sich ab:

Die Entwicklung des saisonbereinigten breit gefassten irischen Industrieproduktionsindex (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) seit Januar 1990 bis Februar 2012 im Chart. Im Februar 2012 sank der saisonbereinigte Industrieproduktionsindex um -3,24% zum Vormonat.

Irlands Problem ist primär eines der geplatzten Immobilienblase und des völlig überschuldeten privaten Sektors und der hoffnungslos aufgeblasenen Bilanzen der Banken.

Mit dem Platzen der Immobilienblase wurden die Bankbilanzen zum Moloch fragwürdiger Assets.

Die Entwicklung der irischen Wohnimmobilienpreise als Index laut dem irischen Statistikamt (Central Statistics Office). Der National CSO Residential Property Price Index ist im Februar 2012 im Vergleich zum Hoch aus September 2007 um kräftige -49% gefallen. Die Immobilienpreise in Dublin um -57,16%!

Im Zuge der anhaltenden Banken-Stützungen schoss die Bruttostaatsverschuldung im 4. Quartal 2011 auf 169,263 Mrd. Euro und damit auf 108,2% des nominalen BIPs:

Die Entwicklung der Bruttostaatsschulden Irlands seit Q1 2000 bis Q4 2011 im Chart.

Noch schlimmer, auch die Neuverschuldung des Staates verharrt 2011 auf sehr hohem Niveau:

Satte -13,1% des nominalen BIPs betrug 2011 das Staatsdefizit Irlands, nach fulminanten -31,2% im irischen Banken-Bailout-Jahr 2010.

Auch die Nettoauslandsverschuldung Irlands ist weiter unhaltbar hoch:

Die Entwicklung der Nettoauslandsverschuldung (Net International Investment Position / NIIP) in Mrd. Euro auf Quartalsbasis seit Q4 2003 bis Q4 2011. In Q4 2011 betrug die Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der Volkswirtschaft immer noch -159,461 Mrd. Euro und damit 101,9% des nominalen BIPs

Die geballten Daten sehen auch für Irland nicht gut aus. Bereits die aktuell leicht nachlassende wirtschaftliche Aktivität dürfte einen Konsolidierungskurs zusätzlich belasten, vor allem die weiter purzelnden Immobilienpreise. Die Verluste im Bankensektor aus der geplatzten Immobilienblase sind einfach zu hoch und grundsätzlich sind Länder mit Nettoauslandsschulden von nahezu oder über 100% des nominalen BIPs, dazu gehören auch Portugal, Griechenland und Spanien, in einer relativ aussichtslosen Situation, erst Recht unter dem Korsett des Euro. Substanziell ist es nicht einmal in Irland vorangegangen, selbst bei vergleichbar noch guter wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, noch hoffnungsloser sieht es in der Südperipherie der Eurozone aus.

Quelle Daten: Cso.ie/Datenbank, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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10 KommentareKommentieren

  • dank - 25. April 2012

    Danke, Steffen.
    Da wurde in den Medien vor ca. 4 Woche ja wieder schön geredet ohne Gleichen.
    War schon verwunderlich, dass es in Irland klappt – und hätte gefreut, wenn es denn wirklich so wäre. Eigentlich aber einleuchtend, wenn ein Teil der Importe der USA (Software, Dienstleistungen, etc) in die Eurozone über Irland einläuft (oder hab ich da was falsch verstanden?!). Club Med runter -> Irland in Gefahr.
    Aber eigentlich war das schon ein Indiz, das es eng wird, hatte nur gedacht – nachdem der Schnitt in GR stattfand, dass nun auch die Iren das ihre wollen:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-rettungsfonds-irland-will-seine-banken-unter-den-rettungsschirm-schicken-1.1339826

    Zu Grafik “saisonbereinigten breit gefassten irischen Industrieproduktionsindex” fällt mir nur ein: “Hurra,”, sprach die Regierung in Irland, “gleich sind wir übern Berg”.

  • peterb - 26. April 2012

    Was obiger Artikel zeigt, wird auch woanders so gesehen:

    “Die Geier kreisen über dem europäischen Wrack

    “Die Bilder sind drastisch, die Sprache derb, die Wetten grausam: Amerikanische Investment-Legenden geben auf Europa keinen Pfifferling mehr.

    Barton Biggs vergleicht Europa mit einem “Schiffswrack” und wettet gegen deutsche wie französische Indizes. George Soros sagt der Eurozone eine Implosion wie in der Sowjetunion vorher. Und Hedgefonds-Legende John Paulson, der mit seiner Spekulation gegen den US-Immobilienmarkt reich wurde, wettet jetzt im großen Stil gegen europäische Staatsanleihen.”

    Kommentarlos:
    http://blog.markusgaertner.com/2012/04/26/die-geier-kreisen-uber-dem-europaischen-wrack/

  • Bernd Klehn - 26. April 2012

    Lieber Sreffen,
    wie wir uns schon bei den USA einig waren, ist die Nettoneuverschuldung bei hoher Kapitalverquickung nur sehr ungenau zu ermitteln. Dieses trifft insbesondere für Irland als ehemalige Geldwaschanlage der Eurozone mit 1500% External Debts zu. Irland hat sich nie als Geldwaschanlagenstandort im Gegensatz zu Luxemburg, Schweiz, UK, USA einen gefallen getan. Das Land ist immer von den anderen auf diesem Gebiet über den Tisch gezogen worden. Der schwerste Fehler war aber die Bankenrettung. Irland hätte die Banken schließen sollen. Den Schaden hätten in diesem Fall die ausländischen Investoren aus UK, USA und Deutschland anstatt des irischen Staates übernehmen müssen.

    Gruß

    Bernd

  • schnauzevoll - 26. April 2012

    Ich bin auf den Zahlensalat um 11:00 Uhr gespannt. Meine Prognose: Durchgehend rot! ;) Italiens Verbrauchervertrauen ging schon Richtung Hölle. Mich würde wundern, wer in der EU – ausser Deutschland – seine wirtschaftliche Zukunft rosig sieht. Obwohl, Ökonomen haben da ja eigensinnige Denkstrukturen.

    • Ro - 26. April 2012

      es war doch leider immer so – bis zur letzten Stunde, Minute wird die Lüge in den großen Dingen aufrechterhalten.

      Mich persönlich wundert viel mehr wie ruhig und gelassen die Bürger hier im Land, aber auch in den Südländern noch sind! Der Großteil begreift immer noch nicht was hier folgen wird.

      Die Statistikdeutung, besser der Betrug dessen verfehlt somit seine Wirkung offensichtlich nicht. Die Blockparteien verkaufen ihre Wähler für einen puren reinen Machterhalt und die Masse kapiert es immer noch nicht. Die Tsunamiwelle baut sich unaufhörlich weiter auf.

      • SLE - 26. April 2012

        Never underestimate the power of denial!

        Gruß
        SLE

  • lebowski - 27. April 2012

    @Ro
    “Der Großteil begreift immer noch nicht was hier folgen wird.”

    Ja, was folgt denn dann? Eine Frage, die einen beschäftigen sollte. Kriegen wir alle aufgeschwollene Bäuche vom Hunger?
    Besteigen wir demnächst alle Nußschalen und versuchen damit, nach Afrika zu entkommen?
    (Kein Witz: Portugiesen wandern mittlerweile nach Mosambique aus )

  • Ro - 27. April 2012

    was folgt !

    Illusionssparvermögen der Bundesbürger ,über Jahrezehnte aufgebaut und erweitert der ganzen “Vermögenshalter” und in Folge die weiteren Ansprüche aller, durch Riester, Rentenund Co, etc. etc. werden durch eine zwanghafte Auflösung der Schuldbilanz im Prozentsatz X entwertet.

    Das passiert.

    Ausführender: Staat.

    Mittel: Diverse, kann sich ein jeder seinen Reim drauf machen. Alle “Mittel” sind schon zigfach in der Agenda Staatsgeschichte verzeichnet. Das passiert.

    Das dies alles nicht den Weltuntergang markiert ist wohl einvernehmlich klar. Das es für die Masse jedoch ein herbes Aufwachen wird, mittlerweile sicher ebenfalls. Dies war gemeint und dies passiert.

    Aus meiner Sicht heraus ist dies auch gut so, denn Peak Diverse wird uns das eh vermitteln und eine Lernfähigkeit im Vorfeld spreche ich uns Menschen schlichtweg ab. Wir alle leben vollkommen über unsere Verhältnisse. Wollen dies jedoch nicht einsehen. Der, die andere(n) sollen es richten.

    Alles zigfach beschrieben und sicher auch mittlerweile Konsens. Lösung: Keine welche zu vermitteln wäre, keine welche gefallen würde.

    Ergebnis: Weiter in der Endlosschleife. Weiter in dies nächste Runde.

  • flom - 27. April 2012

    Interessant ist doch, dass Irland immer eine überschüssige Handelsbilanz und (lange) eine defizitäre Leistungsbilanz hatte. Hauptgrund ist nicht die Dienstleistungsbilanz, sondern der negative Saldo der Kapitaleinkommen.

    Irland war ja immer die verlängerte Werkbank für andere Staaten, hat zwar viel produziert, aber die Gewinne schön ins Ausland an die Konzerne transferiert – deshalb die negative Leistungsbilanz.

    Wenn man jetzt versucht, aus Griechenland etc. durch Ausverkauf der Industrie und Infrastruktur an deutsche Konzerne ähnliche verlängerte Werkbänke zu machen, wird das an deren problematischer defizitärer Leistungsbilanz nix ändern.