Italien: Bruttostaatsschuldenstand auf Rekord

von am 14. Juli 2014 in Allgemein

Wie die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) heute mitteilte, stieg im Mai 2014 die Bruttoverschuldung des italienischen Staates (General Government) um +19,967 Mrd. Euro zum Vormonat und um +90,321 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat, auf 2,166341 Billionen Euro und damit erneut auf ein neues Allzeithoch. Der Bruttostaatsschuldenstand liegt nun per Monat Mai 2014 bei 138,2% des nominalen BIPs. So langsam aber sicher wird es grotesk, aber spannend!

1aDie Entwicklung der monatlichen Bruttostaatsverschuldung in Mrd. Euro seit Januar 1960 bis Mai 2014. Im Mai 2014 ging es um +19,967 Mrd. Euro zum Vormonat und um +90,321 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat aufwärts, auf 2,166341 Billionen Euro. Zum Vergrößern bitte 1x den Chart anklicken.

Bereits am Ende des Jahres 2013 lag die Bruttostaatsverschuldung bei 132,6% des nominalen BIPs, der höchste Stand seit 1924. Auch im laufenden Jahr 2014, spitzt sich die Situation weiter zu, denn im Mai 2014 dürfte die Bruttostaatsverschuldung bereits auf 138,2% des nominalen BIPs geklettert sein:

1aDie Entwicklung der italienischen Bruttostaatsschulden im Verhältnis zum nominalen BIP in Prozent seit 1861 bis 2013 im Langfristchart und für Mai 2014, vorläufig geschätzt durch Querschuesse.

Dank der EZB bricht sich die Groteske bisher Bahnen, denn trotz der ungebrochen steigenden Bruttostaatsschulden, dies bei unverändert miesen wirtschaftlichen Rahmendaten, sinkt die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, bis dato auf Monatsbasis, bis Mai 2014 stetig:

1aDie Entwicklung der Rendite von 10-jährigen italienischen Staatsanleihen in Prozent auf Monatsbasis (blau) und der italienischen Bruttostaatsschulden in Mrd. Euro (rot) von Januar 1989 bis Mai 2014 im Chart.

Zuletzt im Mai 2014 sank die Rendite der 10-jährigen auf 3,12%, während die Bruttostaatsschulden auf ein Allzeithoch stiegen. Und auch heute lag die Rendite der 10-jährigen noch darunter, mit nur  2,879%:

1aDie Entwicklung der Rendite von 10-jährigen italienischen Staatsanleihen im Dailychart bis zum 14.07.2014, mit 2,879%.

Interessant:

1aDie Entwicklung der Nettoanlageinvestitionen des italienischen Staates von 1970 bis 2013 im Jahreschart. Zuletzt 2013 waren die Nettoanlageinvestitionen sogar negativ mit -4,239 Mrd. Euro. Die Nettoanlageinvestitionen entsprechen den Bruttoanlageinvestitionen minus den Abschreibungen. Trotz steigenden Staatsschulden wird Netto nicht investiert!!

Noch schlimmer, nicht nur der Staat investiert nicht, auch die Unternehmen tun es nicht und damit in Summe auch die Gesamtvolkswirtschaft nicht:

1aDie Entwicklung der gesamten Nettoanlageinvestitionen aller Sektoren von 1960 bis 2013 in Mrd. Euro im Jahreschart. Zuletzt 2013 lagen die Nettoanlageinvestitionen bei -11,421 Mrd. Euro. Der Kapitalstock der italienischen Volkswirtschaft beginnt zu schrumpfen!

Quelle Daten: Bancaditalia.it/PDF: The Public Finances, borrowing requirement and debt, No. 37 – 2014, Ec.europa.eu/AMECO-Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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33 KommentareKommentieren

  • M.E. - 14. Juli 2014

    Respekt!
    Da geht ja die Post ab bei den Italienern.
    Fast 20 Milliarden Euro zusätzliche Schulden in einem Monat.
    Trotz Niedrigzinsen, trotz Investitionsbremse , trotz Renzi.
    Nächstes Jahr liegen die dann bei 150% Verschuldungsquote. Und in 2 Jahren werden neue Allzeitrekorde bei der Verschuldungsquote aufgestellt.

    Wer wettet dagegen?

  • Traumschau - 14. Juli 2014

    Wahnsinn! Die deutsche Exportmaschine leistet “dank” Dumpinglöhne wirklich ganze Arbeit!
    Italien (und auch Frankreich) kann leider überhaupt nichts tun.
    Warum man nicht endlich mit allen Fingern auf DE zeigt, ist mir ein Rätsel!
    LG Traumschau

    • Frank Bell - 15. Juli 2014

      @ Traumschau

      Warum mit dem Finger auf DE zeigen, wenn DE per ESM alles bezahlen wird, was da noch kommt?

      • Traumschau - 15. Juli 2014

        @Frank Bell

        Das wird sich noch heraus stellen. Tatsache ist, dass wir durch unser Lohndumping und den absurden Überschüssen Arbeitslosigkeit exportieren und den Austeritätskurs durchgedrückt haben. Die Folgen kennen wir. Das wird sich in diesen Staaten zu einer humanitären und letztlich politischen Katastrophe auswachsen. Bürgerkriege sind da nicht auszuschliessen. Da ist der ESM wirklich noch das geringste Problem. Abgesehen davon ist überhaupt nicht gesagt, dass am Schluß die Haftung greift, denn man könnte auch argumentieren, dass dieses Konstrukt rechtswiedrig ist. Wenn am Ende die Scherben von vernünftigen Leuten aufgekehrt werden, ist das durchaus möglich. Aber bis dahin wird es noch sehr viel Leid und Elend geben.
        LG Traumschau

        • curiosus_ - 15. Juli 2014

          Beste Aussichten für die Alternativen.

          • Frank Bell - 15. Juli 2014

            Fur die AfD? Die Tarnorganisation der INSM?

            Lieber nicht!

        • Rolmag - 16. Juli 2014

          “Tatsache ist, dass wir durch unser Lohndumping und den absurden Überschüssen Arbeitslosigkeit exportieren und den Austeritätskurs durchgedrückt haben”

          Eine Tatsache ist das also. Und was hat die anderen davon abgehalten, es uns nachzumachen? Ist Ihnen der Aufstieg Chinas und Indiens entgangen, mit hunderten Millionen Billigarbeitskräften die aber zunehmend gute Jobs abliefern?

          Aber anstatt sich in Effizienz zu üben und in die Zukunft zu investieren, gönnt man sich etwa in Frankreich lieber doppelt so viele Staatsangestellte wie wir. Und unsere blöde Bundesregierung macht es denn jetzt auch noch nach. Zu dumm zum Atmen, was für ein Glück für die deutsche Bundesregierung, dass Menschen im Gegensatz zu Delphinen über eine eingebaute Atemautomatik verfügen, die Natur wusste mit wem sie es zu tun hat. Soll ich jetzt noch mit Italien, Portugal, Griechenland und Spanien anfangen, hm?

          Ihr Argument hält keiner kritischen Betrachtung stand, das war mehr als einfach.

          • Traumschau - 16. Juli 2014

            Ist Ihnen vielleicht entgangen, dass China eine eigene Währung hat? Wir können hier Lohndumping betreiben wie wir wollen – wenn China sich bedroht sieht, wird die Währung abgewertet. Sie wissen doch genau, dass die künstliche Unterbewertung des Renminbi immer stark kritisiert wurde.
            Sie haben ebenfalls noch nicht verstanden, dass unsere absurden Überschüsse mit einer nationalen Währung überhaupt nicht möglich sind. Das wurde schon in der Vergangenheit versucht und ist jedesmal durch eine Aufwertung zunichte gemacht worden (=Wohlstandsgewinn). Nur deshalb kommen wir damit durch, weil wir uns auf Kosten der anderen in der WU hinter diesen verstecken und deshalb einer üppigen Aufwertung entgehen.
            Warum die Staatsdiener in FR ein Problem sein sollen, ist mir ein Rätsel. Wenn FR dadurch an Produktivität verliert, dann steigen die Löhne (immer gesamtwirtschaftlich betrachtet) eben weniger. So what? DE und FR hatten zudem seit der Euroeinführung eine gleich hohe Produktivität und eine gleiche Produktivitätsentwicklung!! Der Unterschied besteht nun darin, dass sich FR an das Inflationsziel der EZB von 1,9% gehalten hat. Das bedeutet, die Löhne sollten entsprechend des jeweils nationalen Produktivitätsfortschritts PLUS Inflationsziel steigen. DE hat dieses Ziel IMMER unterlaufen, die Südländer haben etwas überschossen. Damit sind die Preise in der WU auseinander gelaufen, was die Überschüsse DE sowie die Defizite der anderen erklärt.
            Das war einfach …

            LG Traumschau

          • Traumschau - 16. Juli 2014

            Dazu noch dieser ausführliche Beitrag, der erklärt, warum unsere “Exportüberschuss-Strategie” und der Austertitätskurs Unsinn sind:

            http://www.weitwinkelsubjektiv.com/2014/07/13/katastrophen-anatomie-1/

  • JL - 14. Juli 2014

    Schöne neue Welt. Da steigen Verschuldungen unaufhörlich und trotzdem sinken dank EZB die Renditen. Der Markt für Junk-Bonds- also Ramschanleihen- soll wohl mittlerweile 2 Billionen Dollar umfassen.
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/ramsch-anleihen-die-zwei-billionen-dollar-blase/10195988.html

    Nicht nur Italien wird nicht schlecht staunen, wenn Dank der angekündigten Zinsanhebung in den USA demnächst die Verschuldung zu unnatürlichen Minnizinsen nicht mehr möglich sein wird.

    Aber bis Oktober ist es noch weit und die Party entsprechend lang. Anschließend werden die negativen Ereignisse mal wieder für alle Schreibtischökonomen „überraschend“, „nicht erkennbar“ oder auch „unvermittelt deutlich“ Europa treffen.

    Da kann man nun versuchen die Märkte nach dem politischen Gusto formen zu wollen, aber es bleibt dabei, der Brunnen geht nicht zum Krug.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Frank Bell - 15. Juli 2014

      Bei steigenden Zinsen werden besonders die, die in Erwartung eines “Crashs” Gold und Silber gekauft haben, besonders dumm aus der Wäsche schauen. Denn dann werden Gold und Silber dramatisch an Wert fallen.

      Eine Zinsanhebung bedeutet aber auch, dass es der Wirtschaft besser geht. Damit hätte Bernanke das absolut richtige getan. Er wäre wirklich der Retter der Wirtschaft, dann ohne die üblichen Zweifel. Einfach genial.

      Die Märkte und die Markteilnehmer feiern übrigens seit Anfang 2009 eine rauschende Party, an der die Bevölkerung nicht teilnimmt, weil sie Angst vor Aktien hat. Die Angst ist in gewiser Hinsicht sogar berechtigt, denn im Gegensatz zu Warren Buffett bekommt Lieschen Müller Spekulationsverluste nicht erstattet.

      • JL - 15. Juli 2014

        Hallo Frank Bell

        Gold und Silber verhält es sich genauso wie andere Dinge auch. Der Wert eines „Dings an sich“ (Schopenhauer) ist grundsätzlich 0 und erhält nur dann einen „Wert“, wenn diesem „Ding“ ein Wert zugesprochen wird.

        Beispiel: Wenn ich jemandem am Bodensee ein Glas Wasser reiche wird dieser dies anders wertschätzen als ein Verdurstender in der Sahara. Von dem einem bekomme ich vielleicht ein müdes Lächeln und von dem anderen beispielhaft einen Sack Gold.

        Und genauso verhalten sich Investoren mit Aktien und/ oder Geldanlagen sowie Edelmetall- und Währungsgeschäften- die Renditeerwartungen und zu bedienende Verbindlichkeiten im bestehenden Marktumfeld zählen, mehr nicht.

        Dies orchestriert wiederum die FED mit der Aussicht auf mehr Gewinn durch deren angedeuteten Zinsanhebungen und versucht so die zunehmende Abneigung gegenüber den Dollar zu kompensieren. Das Kapital soll in die USA und deren Banken strömen, schließlich ist die FED ein privates Bankenkonsortium und kein Ableger der Heilsarmee. Ergo haben auch die in Aussicht gestellten Aktionen nichts mit realwirtschaftlichen Gegebenheiten oder gar tollen Arbeitsmarktdaten zu tun.
        http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/usa-ein-sich-stetig-verschlechternder-ausblick/

        Janet Yellen will also nicht die Zinsen erhöhen, sie muß.

        Die Konsequenzen für Europa und den Schwellenländern bei einem dann zu erwartenden Kapitalabfluß sind sicher wieder ein gesondertes Thema an sich und wurden bereits angedeutet.

        Mit freundlichen Grüßen
        JL

      • Gaius Julius - 16. Juli 2014

        Ein Crash ist nicht mehr abzuwenden, denn die Schulden der Staaten sind nicht rückzahlbar. Gerade steigende Zinsen würden dafür sorgen, dass die verschuldeten Staaten reihenweise in den Bankrott stützen. Ja, die Aktienmärkte feiern eine rauschende Party oder soll man besser sagen eine berauschte Party. Die Droge billiges Geld pumpt die Blase so richtig schön auf. Übrigens, das einzig wahre Geld ist Gold und Silber, denn beides hat einen seit Jahrtausenden akzeptierten Wert. Den Wert der Edelmetalle in FIAT-Geld zu messen ist eine Momentaufnahme, die nach dem Crash völlig bedeutungslos sein wird.

        • thewisemansfear - 16. Juli 2014

          Hallo Crashprophet,
          was für einen Schnitt machen die Kollegen eigentlich, an der selbsterfüllenden Prophezeiung mitzuarbeiten?
          Den “Wert” von etwas macht die Menge an Dingen aus, die ich damit erwerben kann. Mach dir mal Gedanken, was du nach einem “Crash” für nutzloses Edelmetall bekommst.
          Mal davon ab, was für Umweltsünden beim Schürfen begangen werden…

  • Marcito - 15. Juli 2014

    Katastrophal….

  • SLGramann - 15. Juli 2014

    Eine wirklich interessante Entwicklung. Der “Witz” ist eben, dass Italien und Frankreich – als echte Schwergewichte der Eurozone – die Merkelsche “Krisenbewältigungsstrategie” noch gar nicht umgesetzt haben – nämlich “sparen, bis zum Untergang”. Genau das zeigen ja diese Zahlen.

    Klar ist, dass diese Entwicklung so nicht unbegrenzt weiter gehen kann. Innerhalb des Eurogebildes und innerhalb der deutschen Vorgaben, kann “der Süden” aber aus seinen Problemen nicht herauswachsen. Also wird man irgendwann auf Sparkurs gehen müssen. Ist ja dann die einzig verbleibende Alternative.
    Spätestens dann wird die Eurozone endgültig im Morast der Deflation versinken.
    Daran wird sie am Ende politisch zerbrechen.
    Deutschland ist gerade dabei, sich zu Tode zu siegen. Mal wieder!! Und wie immer haben wir dabei beste Laune und wenn es dann schiefgegangen sein wird, wird wieder keiner verstehen, wie das passieren konnte und wo der Fehler lag. Auch diesbezüglich gilt: Alles wie gehabt und historisch gewohnt in Schland.

    • Frank Bell - 15. Juli 2014

      Eine Aktien-”Deflation” führt NICHT dazu, dass die Preise für Lebensmittel, Strom, Mieten, etc. sinken!

      Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher werden keine Deflation erleben, sondern eine Inflation.

      Aber wir haben zum Glück Hartz IV verschäft – im Schatten der WM – so dass das angebliche Schmarotzertum – unter Beifall der restlichen Deutschen – endlich ein Ende hat.

  • Rolmag - 15. Juli 2014

    Tja anstatt die Chance zu nutzen und sich zu sanieren, solange Deutschland noch zahlen kann und will und für den Wert des Euro einsteht, machen diese Kaputten mit aller Macht genau da weiter, wo sie vor der Krise waren.

    Wenn das scheitert gibt es anstatt eines Beinbruches einen glatten Genickbruch, da kommen die nicht mehr lebendig heraus.

    Vielleicht sieht die Eurozone in ein zwei Generationen so aus wie jetzt Afrika.

    • Frank Bell - 15. Juli 2014

      Meinst du das mit Afrika wegen der vielen Flüchtlinge, die Deutschland aufnehmen muss? Na ja, als Weltmeister könne wir ja ruhig ein wenig abgeben.

  • Benedikt - 15. Juli 2014

    Das ganze Geld dürfte für die Italienische Bürokratie drauf gehen, da bleibt für Investitionen nichts mehr übrig. Da die Privatwirtschaft auch nichts mehr Investiert, dürften dort auch keine Gewinne mehr erwirtschaftet werden. Wo nichts ist, kann man auch nichts besteuern. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern, da Investitionen erst langfristig Profit bringen. Der Abstieg oder Schuldenanstieg wird daher so weiter gehen. Da ist auch die Frage, welche Reformen da greifen sollen?? Die Löhne können ja auch nicht auf Rumänisches Niveau heruntergesenkt werden. Für Produktivität Fortschritte müsste man Investieren, wofür aber das Geld fehlt. Für eine höhere Neuverschuldung müssten die Zinsen weiter sinken, was auch unwahrscheinlich ist. Wie weiter?

  • dank - 15. Juli 2014

    Dank Dir Steffen!
    Das ist ja mal eine richtig gute Nachricht, wenn sich die Dynamik nun endlich beschleunigt!
    Sah ja so aus, als würde das alles viel zu lange dauern, als dass dies eine Generation beobachten und so richtig live miterleben könnte. Das ist ja alles wirklich so prima – endlich die Chance doch für einen echten Endzeitthriller gecastet zu werden, ach was “gecastet”, da sind automatisch alle mit an Bord. Wie schön.

    Absolut OT, aber weil das Töten einfach effizienter werden muss:
    http://www.n-tv.de/politik/US-Militaer-will-Gewehrkugeln-im-Flug-steuern-article13213296.html
    Erinnert das noch jemanden an die Magic-Bullet-Theorie? ;-)

  • Frilton Miedman - 15. Juli 2014

    Ab 150% Bruttostaatschulden, also in zwei bis vier Jahren, bekommt die EU ein Glaubwürdigkeitsproblem in Bezug auf Italien.
    Merkel kommt mit dem Aussitzen als Taktik nicht weiter.
    Für mich inzwischen gut vorstellbar, dass Merkel, Draghi und Hollande die Atombombe zünden und Italien, Spanien, Portugal, Griechenland rauswerfen aus dem Euro.

    Warum sollte man groß in old Europe investieren? Bestehende Anlagen werden weiter gefahren, aber ansonsten spielt die Musik inzwischen in Asien.
    Ich gucke mich an meinem Schreibtisch um, alle meine Consumer-Produkte kommen aus Asien. Sogar die Kaffeetasse aus Thailand. Krank, das alles.

    Ponziworld bringt das big picture auf den Punkt. Für mich, wie gesagt, einer der, wenn nicht der beste Ökonomie-Blogger des Webs.


    Third World wage slaves produce the goods. Over-leveraged Western consumers borrow from the wage slaves (via recurring trade deficits) to buy the goods, billionaires capture the arbitrage profits between rich and poor which they then lend to sovereign governments to service non-amortizing debts. Central Banks provide 0% liquidity to paper over the latent insolvency. All while policy-makers and the dunces at large pretend that this can go on indefinitely.

    http://ponziworld.blogspot.de/2013/12/the-end-of-status-quo-aka-mass.html

  • Delta120 - 15. Juli 2014

    Da Deutschland praktisch mit seiner wirtschaftlichen Art zu arbeiten und seinem politischen Ansatz in der Eurozone nun praktisch alleine dasteht, was soll’s. Jeder macht halt weiter wie er will, denn auf den anderen wird eh keine Rücksicht genommen. Da sagen sich Italien, Frankreich u.s.w. auch – ohne uns kann Deutschland gar nichts.

  • Frank Bell - 15. Juli 2014

    Ist eigentlich jemandem die unsägliche Propaganda der INSM in den Tageszeitungen zur Rente mit 63, verbrämt als redaktioneller Beitrag, aufgefallen?

    Hier eine schöne Replik:

    http://www.jungewelt.de/2014/06-07/054.php?print=1

    Es sind gerade einmal 12.306 Personen, die dieses Jahr diese neue Rente mit 63 in Anspruch nehmen können!

  • ehemaliger Zentralschwabe - 15. Juli 2014

    @Benedikt

    “Für Produktivität Fortschritte müsste man Investieren, wofür aber das Geld fehlt.”

    Ich glaube nicht, dass das Geld fehlt. Oder wie soll man das verstehen:
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/cfo/vermoegensverwaltung-cfos-haben-anlageprobleme-13039890.html

    Oder als Porsche vor einigen Jahren VW übernehmen wollte, weil die nicht wussten wohin mit der Kohle. Da kann mir keiner Erzählen es wäre kein Geld für Investitionen da.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gescheiterte-vw-uebernahme-ein-uebermuetiger-plan-1.1884104

  • mitwisser - 15. Juli 2014

    Die Spanier geben ja ähnlich Gas bei der Neuverschuldung. Man könnte glatt meinen, die Südperipherie des Euro hätte sich abgesprochen.

    Wo die Mrd. im Detail in Italien versickern, würde mich aber schon sehr interessieren.

    • Moep - 15. Juli 2014

      Vermutlich in den Zinsen der Altschulden? :)

  • Benedikt - 15. Juli 2014

    In Deutschland sind die Zinsen für den Staat und die Unternehmen noch einmal niedriger als in Italien. Außerdem kommen Schuldner einfacher an ihr Geld. In Spanien oder Italien dürfte die Schuldner schwieriger an Kredite kommen. Das trägt sicherlich auch entscheidend zum Deutschen Erfolg bei. Ob die DE Erfolgsgeschichte so weiter gehen kann, ist mehr als fraglich. Das mit den immer nur Export steigen wird nicht mehr lange funktionieren. Und sobald der Export schwächelt versucht man mit Steuer- und Abgabenerhöhungen und Lohnsenkungen den Privaten Konsum weiter zu minimieren. Aus dem Auslands Investitionswahn dürften auch Mrd. schwere Verluste noch in den Büchern stecken. Kommt eine Kriese, wird das richtig teuer für die DE Wirtschaft. Aus Buchgewinnen werden da sehr schnell reale Verluste.

  • paernu - 16. Juli 2014

    Natürlich ist das Geschäftsmodell von Deutschland etwas einseitig. Aber hier entsteht gerade so der Eindruck, wenn ich einige Diskussionsbeiträge lese, als wenn Deutschland die Schuld an der Misere von Italien tragen würde.

    Hallo, das Verschuldungsproblem hat Italien doch schon länger, das gab es schon lange bevor es den Euro gab. Zeigt doch die zweite Grafik von oben ganz gut. Die haben einfach noch einmal einen Aufschub vor dem Bankrott durch die Euroeinführung bekommen, da damals ihre Zinsen massiv gesunken sind. Wer kann sich nicht an das politische Chaos in Italien in den 80er und 90er Jahren erinnern? Andauernde Regierungswechsel.

    Die wesentlichen Ursachen liegen in Italien selber, mangelnde Identifikation mit dem Staatswesen, korrupte Strukturen, mangelhafte Infrastruktur etc.

    Und jetzt bunkern italienische Banken Geld, was sie günstig von der EZB bekommen über den Kauf von italienischen Staatsanleihen, statt es an Unternehmen und Privatpersonen zu vergeben.

    Klar nützen deutsche Unternehmen die Situation um italienische Wettberwerber aus dem Markt zu drängen, das ist nun einmal so in Marktwirtschaften. Würden die Italiener auch nicht anders machen, bzw. tun sie ja auch wenn sie die Chance haben siehe Fiat.

    Das Grundproblem bleibt der Euro und das damit verbundene Korsett, das Abwertungen nur über die Löhne und Preise möglich macht.

    • thewisemansfear - 16. Juli 2014

      Das Grundproblem ist eben nicht “der Euro”, sondern eine Politik, die die vorhandenen Steuerungsmechanismen in einer Währungsunion nicht nutzt. Es sind immer Menschen verantwortlich, “das System” ist bestenfalls eine Ausrede.
      Mit derselben Logik ließe sich auch gegen die Wiedervereinigung argumentieren, aber innerdeutsch ist die gemeinsame Währung erwünscht?! und Transferzahlungen sind nach wie vor aktuell.
      Wenn die Politik so blauäugig gewesen sein sollte und die nach der Einführung zur Verfügung stehenden Ausgleichsmechanismen als solche nicht ernst genommen hat, dann sollten die Verantwortlichen langsam ein Einsehen haben. Sonst werden sie irgendwann von der Realität eingeholt.

      • Walter - 17. Juli 2014

        Als Ingenieur kann ich dem nicht gerade zustimmen. Es gibt Systeme die sich automatisch selbst regeln, oder eben auch nicht.
        Persönlich bin ich zwar für den Euro und stimme auch der Meinung zu, dass die Politik momentan gewaltige Fehler macht, aber an einem System das zumindest einige automatische Ausgleichsmöglichkeiten bietet ist schon was dran.
        Ich würde nicht darauf zählen immer und überall fähige Politiker im Amt zu haben.

  • paernu - 16. Juli 2014

    Was sollen denn das für Steuerungsmechanismen sein? Etwa die europäischen Infrastrukturhilfsfonds oder die direkten und indirekten Hilfen der EZB?

    Der Glaube das ein bürokratisches Monster wie die EU effizient mit Steuerinstrumenten umgehen kann, finde ich faszinierend. Die Politik steuert doch nicht nach Bedarf, die steuert dahin wo es Wählerstimmen gibt. Und auf der anderen Seite werden Instrumente nicht angewandt, die Wählerstimmen kosten.

    Auch ich habe den Glauben das der Markt alles regelt, mittlerweile relativiert. Aber den Glauben das der Staat bzw. die Politik das besser kann, den kann ich beim besten Willen nicht annehmen, dafür sind die Erfahrungen einfach zu schlecht.

    Ist doch schon auffällig das mit der Einführung des Euros sich die Probleme exponentiell verschärft haben.

    Die Menschen sind verantwortlich? Wow, da glauben Sie ja an einen rationalen Menschen, den homo oeconomius!

    • thewisemansfear - 16. Juli 2014

      Die Löhne haben Sie doch selbst ins Spiel gebracht, irgendwie müssen die Ungleichgewichte im Außenhandel ja wieder ausgeglichen werden – im besten Fall gar nicht erst entstehen. Komischerweise kommt dieses Mittel in den Südländern ja zum Einsatz (senken), nur in die andere Richtung ist der Weg ideologisch versperrt.
      Keynes Idee einer International Clearing Union (ICU) wäre auch eine brauchbare die Lösung, nur hat sich die USA mit ihrer “Lösung” damals in Bretton Woods durchgesetzt. In einen zweistufigen Geldsystem hat die Weltreservewährung nur auf der oberen Ebene eine Rolle zu spielen, sie darf nicht gleichzeitig von einem Land auf der unteren Ebene zum Einsatz kommen. Der Konflikt ist vorprogrammiert.

      Ja, Menschen sind verantwortlich. Sonst wären wir alles unmündige und schicksalsergebene Lemminge, dann könnte man den Laden gleich ganz zu machen. Das hat mit Rationalität erst mal nichts zu tun.