Italien: Geschäftsklima sinkt “unerwartet”

von am 28. Februar 2012 in Allgemein

Gestern berichtete das italienische Statistikamt ISTAT die Daten zum Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe für den Monat Februar 2012. Der Index (Confidence Climate) der die Stimmung der Unternehmen im Manufacturing widerspiegelt, sank auf dem tiefsten Stand seit November 2009. Die italienischen Unternehmen geraten selbst stimmungstechnisch in die Rezession. Indexstände über 100 stehen für überwiegend optimistische Antworten, Indexstände von unter 100 für pessimistische Antworten der befragten Unternehmen.

Die Entwicklung des italienischen Geschäftsklimaindex für das Verarbeitenden Gewerbe seit Januar 2000 bis Februar 2012 im Chart. Im Februar sank die Stimmung der befragten Unternehmen auf ein 27 Monatstief mit 91,5 Indexpunkten, nach 92,1 Indexpunkten im Vormonat und nach 103,0 Indexpunkten im Vorjahresmonat.

Auch in Italien liegt das von der Technokraten-Regierung beschlossene Sparpaket in Höhe von 20 Mrd. Euro, aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, wie Mehltau auf der Konjunktur. Gerade italienische Banken haben sich zwar bei der EZB mit Liquidität vollgesaugt und zogen beim LTRO1 satte 116 Mrd. Euro der insgesamt 490 Mrd. Euro, zu einem Zinssatz von nur 1%, bei einer Laufzeit von 3 Jahren. Dies entsprach einer zusätzlichen Nettoliquidität für das italienische Bankensystem von +60 Mrd. Euro. Die italienischen Banken kaufen in Folge sogar wieder italienische Staatsanleihen, aber die Kreditvergabe an die Wirtschaft und die privaten Haushalte schwächelt:

Die Entwicklung der Kreditvergabe der italienischen Geschäftsbanken im Vergleich zum Vorjahresmonat im Chart aus dem Statistical Bulletin der italienischen Zentralbank. Quelle: Bancaditalia.it/Statistical Bulletin Nr. 8 vom 08.02.2012

Im Dezember 2011 lag das ausstehende Kreditvolumen an die Wirtschaft, nichtfinanzielle Unternehmen (Non-Financial Corporations), zwar noch um +3,1% über dem Vorjahresmonat, nur die Wachstumsrate sinkt seit Monaten und zum Vormonat November kam es sogar zu einem brachialen Einbruch, von im historischen Vergleich ungewöhnlichen -21,291 Mrd. Euro, auf insgesamt noch ausstehende 893,971 Mrd. Euro. Dies veranlasste den italienischen Notenbank-Chef Ignazio Visco dazu, auf dem 18. Kongress der ASSIOM FOREX (the Financial Markets Association of Italy) in Parma, davor zu warnen, dass die italienische Wirtschaft aufgrund fehlender Kredite “verkümmern” könnte. Die italienische Zentralbank erwartet im Jahr 2012 eine Schrumpfung des realen BIPs von -1,5%. In diese Richtung und schlimmer weisen bereits alle hier im Blog dokumentierten Wirtschaftsdaten der letzten 2 Monate! Auch in Italien ist die Strategie zur Abwendung der Schuldenkrise primär eine Versagerstrategie.

Reloaded:
Italien: nominale Einzelhandelsumsätze im Dezember 2011, Italien: klarer Fall von Rezession, Italiens Industrieproduktion: zweitschwächster Dezember seit Beginn der Datenreihe 1990, Italien: schwächste PKW-Neuzulassungen in einem Januar seit über 2 Jahrzehnten, Weiterhin ein mieser Arbeitsmarkt in der Südperipherie, Italienisches Verbrauchervertrauen auf 19-Jahrestief

Quelle Daten: Istat.it/en/Pressemitteilung Geschäftsklimaindex Februar 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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14 KommentareKommentieren

  • Andres Müller - 28. Februar 2012

    Lieber Querschüsse, ich möchte mich für diesen interessanten Bericht über Italien bedanken, er ist kurz aber aufschlussreich. Ich hätte noch eine Frage im Zusammenhang mit Griechenland, eben meldete das Handelsblatt dass die sogenannte CDS Versicherung wohl nicht bezahlen würde für den Schaden.
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/athener-schuldenschnitt-ausfallversicherungen-fuer-griechen-bonds-sind-wohl-sinnlos/6263942.html

    Gibt es schon Anzeichen wie sich das auf Italienische und spanische Bonds auswirken wird? Wenn ja schon die Versicherung bei Hellas nichts bezahlt, da würde doch auch bei einem Bankrott Italiens kaum etwas ausgeschüttet, oder? Und wenn ich die Zahlen so vor mir sehe, da wird Italien wohl einer der nächsten Kandidaten für den dubiosen Rettungsschirm ESM.
    Ich stelle fest:
    1. Demokratie wird ausgehebelt
    2. Versicherungen werden ausgehebelt
    alles zu Gunsten der Banken.

    • Querschuss - 28. Februar 2012

      Hallo Andreas,
      schwierig zu beantworten, theoretisch müsste dies den Hunger auf Staatsanleihen aus Italien und Spanien dämpfen.

      Gruß Steffen

    • Ert - 28. Februar 2012

      Das die ISDA meint das der Default kein Default ist – weil er kein Default sei, das kann dem System noch teuer zu stehen kommen.

      Wozu eine Versicherung die nicht bezahlt – oder wenn Sie bezahlen müsste nicht bezahlen kann, weil sie gar keine Rücklagen hat um zu bezahlen?

      ……

      • Querschuss - 28. Februar 2012

        Hallo Ert,
        Derivate sind eben Dreck und schützen, nützen nur in der “optimalen Welt” und nicht in der systemischen Krise. Sie sind Teil eines gigantischen Kreditrisikenverschiebebahnhofs, der erst die Akteure motivierte immense Kreditpyramiden aufzubauen, da man sich vermeintlich ja absichern kann, an deren Ende aber die pure Wahrheit steht, dass sich Risiken eben nicht verschieben lassen, sondern das sich Haftung für die eingegangenen Risiken in der Endkonsequenz nicht umgehen lässt. Deshalb der veritable, wohl leider erfolgreiche Versuch, die Verluste aus dem Kasino zu sozialisieren.

        Gruß Steffen

        • Andres Müller - 28. Februar 2012

          Danke für die Antworten. Was mir nicht in den Kopf geht ist -die CDS Papiere der Griechen sind heute wieder mal um über 20% auf ein Rekordhoch von 20239.0996 gestiegen -das ist doch sehr eigenartig für ein Papier das eigentlich gar nichts Wert ist -am KÖpf kratz ….

          http://www.cnbc.com/id/38451750/

      • Achim Hase - 29. Februar 2012

        Ist doch toll, einfacher kann man das unsinnige, schädliche Instrument CDS doch gar nicht vernichten. Wer kann denn in Zukunft noch seine bilanziellen Risiken mit CDS hedgen?

  • Roland - 28. Februar 2012

    Ebenso “unerwartet” gingen in den USA im Dezember die Auftragseingänge langlebiger Güter deutlich zurück und ganz “unerwartet” sinken auch die Häuserpreise (Case/Shiller) weiter.

    Dabei steigen die Stimmungs-Indikatoren weiter an.

    Es gibt Welten, die passen nicht mehr ganz zusammen.

  • M.E. - 28. Februar 2012

    Naja, Roland,
    das musst Du verstehen.
    Wenn schon in den Bankrott, dann wenigstens mit guter Stimmung!

  • Christian - 28. Februar 2012

    Das Bild der bis zuletzt spielenden Bordkapelle auf der Titanic passt halt immer wieder.

    Heute hieß es im Radio auch die Deutschen würden wieder mehr Konsumieren (mal wieder) mit der Begründung die Bevölkerung “erwarte höhere Löhne”….

    Das MiniWahr hat gesprochen :D

    • Lazarus09 - 28. Februar 2012

      Thoughtcrime does not entail death. Thoughtcrime IS death.

      Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.
      Bitte achten Sie auf weitere Berichterstattung des Ministeriums für Wahrheit.

      Es ödet an ….

      666

      • dank - 28. Februar 2012

        Minifluss veröffentlichte heute Zahlen, dass die Erzeugung von Gebrauchsgütern und Lebensmitteln zwischen 2009 und 2011 um 43% angestiegen ist, liebe Brüder und Schwestern. Dies beinhaltete eine Mehrbeschäftigung von 134% in den Fabriken der Fleischherstellung. Wir sind damit der Vollbeschäftigung in unseren Fabriken nahe. Dank des unermüdlichen und ausdauernden Produzierens unserer Mitbrüder und Mitschwestern im Nahrungsmittelszeig unserer erfolgreichen Industrie rückt ein hungern immer ferner, sodass wir stolz ein weiteres Wort aus Neusprech 10.2 entfernen dürfen und es fort ab “Unsatt” anstatt “Hunger” heißt.
        Des weiteren erfolgt ein Ersatz von “arm” durch “unreich”.
        Damit begegnen im großen Krieg gegen den finanziellen Raubbau an unseren Arbeitern mit erhobenen Haupt.
        Weitere Zahlen:
        Produktion Automobilbau +24%
        Produktion Panzer + 47%
        ÜBERRASCHEND darf ich Euch ebenso ein Plus von 109% bei der Produktion von heißer Luft bekannt geben.
        Unser Sieg ist Nahe. 2 + 2 = 5

        **
        Fühlte mich bei der Überschrift an ein paar der letzten Artikel in den Mainstreams erinnert – zu schee. Das Sinken des Geschäftsklimas ist so überraschend und unerwartet wie die Schwerkraft jeden Morgen – aber macht das den Qualitätsmedien mal klar…
        Danke Steffen – sehr erfrischend.
        Doppelplusgute Grüße
        dank

  • Systemfrager - 28. Februar 2012

    Ja,
    Brüning hat damals Deutschland, Merkel die ganze EU zugrunde gerichtet

    • Lazarus09 - 28. Februar 2012

      Vielleicht nur weil’s besser klingt sollte man wenigstens am Rande erwähnen das Brüning & Merkel nur Marionetten des Kapitals waren/sind !

      Es sind die Besitzenden HINTER den Sockenpuppen deren nicht gebrauchte Überliquidität nach immer absurderen obszöneren Renditen schreit das man es schon in derivaten Wetten verschwinden lassen muss …. das kommt dabei heraus wenn man Geld “arbeiten” lässt .

      666

  • Roland - 28. Februar 2012

    Neues vom Welthandel.
    Maersk-Möller (240 Schiffe) nimmt 9% seiner Kapazität, also mehr als 20 Schiffe aus den Linien wg. Nachfrageschwäche.

    Und Monat für Monat werden weltweit die 2007 und 2008 bestellten Riesen-Pötte aus den Werften zu Wasser gelassen.

    Der Laie staunt.