Italien: negativer Target2 Saldo auf Rekord

von am 7. März 2012 in Allgemein

Heute berichtete die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) die Daten zur Zentralbankbilanz für den Monat Februar 2012. Im Februar schossen die Target2 Verbindlichkeiten (Passiva) der italienischen Zentralbank auf -194,082 Mrd. Euro, ein neues Rekordniveau, nach -180,130 Mrd. Euro im Vormonat und nach +19,634 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Diese Daten der Februar-Bilanz reflektieren noch nicht die LTRO2-Injektion, aber ganz klar die Kapitalflucht aus Italien ging auch vor LTRO2 ungebrochen weiter. Flüchtige Bankeinlagen bei den Banken werden durch Zentralbankgeld ersetzt.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Zentralbank seit Januar 2001 bis Februar 2012 im Chart. Italien hielt lange Zeit sogar relativ kräftige Forderungen, die aber seit Juli 2011 schlagartig zu Verbindlichkeiten kippten und im Februar 2012  -194,082 Mrd. Euro erreichten. Die massive Ausweitung eines negativen Target2 Saldos in Italien, in nur kurzer Zeit, dokumentiert die Brisanz der Krise in der Eurozone und deren anhaltenden Weg in die finale Phase!

Der Target2 Saldo Italiens zeigt auch ganz klar, das unter dem Technokraten Monti bisher die negative Entwicklung keineswegs gewendet wurde, denn diese Daten stehen ganz klar für eine ungebremste Zahlungsbilanzkrise Italiens.

Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an, die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGBF inkl. Belgiens und Frankreichs finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quelle Daten:  Bancaditalia.it/BANK OF ITALY BALANCE-SHEET AGGREGATES AND OFFICIAL RESERVES IN FEBRUARY 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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7 KommentareKommentieren

  • dank - 7. März 2012

    Vielen Dank, Steffen!

    Wieder das Geld einiger Lebensversicherungen etc pp in der Schwebe… um nicht zu sagen WEG.
    Die Leute können dann nach Süd/Westland fahren und da ein Blatt Papier abholen auf dem steht “dumm gelaufen” und im Lebensabend von diesem leben.

    Bernd Klehn hatte mit seiner Einschätzung bislang recht – bin sehr auf die anderen Länder mit ihren Zahlen gespannt.

    Die Spannung von DO auf FR wird sehr sehr interessant.
    CDS – to be or not to be.
    Wobei die Entscheidung wird einfach vertagt – sagen wir auf 13.07.2033?

  • Andres Müller - 7. März 2012

    “aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht).”

    Da wäre es interessant zu wissen wie hoch der Anteil Kaptalflucht an diesem Negativ-Kuchen nun ist.

  • Reffke - 8. März 2012

    Draghi-komisch oder: Draghionische Maßnahmen ;)

  • Mark - 8. März 2012

    Immerhin scheinen die Zuwachsraten abgeschwächt. Das Kapital, das “flüchten” wollte hat dies frühzeitig und schnell getan. Das waren wohl institutionelle Anleger, die große Anlagebeträge bewegen (50 Mrd. Euro Abfluß pro Monat). War wir jetzt sehen ist möglicherweise die verzögerte Reaktion von mittleren und kleinen Anlegern, wohlhabende Italiener, die sich denken, dass ihr Geld im Ausland besser aufgehoben ist.

    • Bernd Klehn - 8. März 2012

      @Mark

      Die Zuwachsraten verlagern sich. Bei Griechenland, Irland und Portugal ist das Ende der Fahenstange erreicht, die Länder können trotz ELAs nicht mehr Zenralbankgeld schöpfen. Im Augenblick ist in Italien und Frankreich etwas Ruhe an der Front eingekehrt, aber in Spanien sehen wir riesige Zuwäche. Sehen wir mal Anfang April, was der Langzeittender mit seinen zusätzlichen 300Mrd. Zentralbankliquidität bewirkt hat.

  • Michael - 8. März 2012

    Ja, die “vertrauen” eben auch der Deutschen Bundesbank. Nur zu logisch. Nur mein Vertrauen in die Deutsche Bundesbank verläuft eher umgekehrt proportional zu diesen Target2-Salden. Ohne die Bundesbankiers damit in Mißkredit bringen zu wollen, die EZB und den Euro schon.

  • Sebastian - 14. März 2012

    Hallo,

    kannst du vielleicht den Link posten unter denen mann die gesamte Zeitreihe der Targetsalden findet. Ich habe bei vielen Nationalbanken so eine CSV datei bzw eine Exeldatei gefunden, aber leider nicht. hab mich bei Italien durch die einzelnen Monatsberichte geklickt. Die hören dann in 2008 auf.

    Das wäre super…besten Dank
    Sebastian