Italien: schwächste PKW-Neuzulassungen in einem April seit 1990

von am 3. Mai 2012 in Allgemein

Auch die Daten vom italienischen Ministerium für Infrastruktur und Transport (MIT) zu den PKW-Neuzulassungen für den Monat April 2012 zeigen den desaströsen Weg, den auch Italien im Zuge der Bewältigung der Schuldenkrise eingeschlagen hat. Unter dem Technokraten Monti und seinen vermeintlichen Reformen, die im Einklang zur Strategie der Troika stehen, verbirgt sich eine Kontraktion der Einkommen und des Konsums, welche die realwirtschaftliche Situation unnötig weiter zuspitzt. Im April 2012 schrumpften die PKW-Neuzulassungen in Italien zwar um “moderatere” -17,99% zum Vorjahresmonat (-26,72% im März), diese etwas niedrigere Rate ist allerdings auch dem bereits schwachen Vorjahresmonat geschuldet.

Insgesamt wurde nur 129’663 PKWs neu zugelassen. Die Daten für April 2012 sind die schwächsten aus einem April seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1990! Die schwachen PKW-Neuzulassungen in Italien fügen sich nahtlos ein, in das Bild eines sich weiter eintrübenden privaten Konsums, spiegelbildlich der Entwicklung in den anderen Ländern der Südperipherie der Eurozone.

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen jeweils aus April seit 1990 bis 2012 im Chart. Im April 2012 brachen die PKW-Neuzulassungen um -17,99% zum Vorjahresmonat ein, auf 129’663 neu zugelassene PKWs, nach 157’309 im Vorjahresmonat. Zum Hoch im April 1992 mit 256’950 PKWs betrug der Einbruch unglaubliche -49,54%.

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen seit Januar 1990 bis April 2012 im Chart. Im April 2012 sanken die Neuzulassungen um -17,99% zum Vorjahresmonat auf noch 129’663 PKWs. Der langfristige monatliche Durchschnitt von 1990 bis 2007, der auch den saisonal sehr schwachen August enthält, lag bei 183’185 PKWs. Im April 2012 lag man um -29,2% unter diesem Mittelwert vor der Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise.

In Italien verloren auch deutsche Hersteller kräftig an Absatz, so sanken die Neuzulassungen von Audi in Italien um -22,98%, bei BMW um -10,94%, bei Mercedes um -18,19%, bei Opel um -27,22%, bei Volkswagen um -19,78%, jeweils zum Vorjahresmonat. Sogar Porsche konnte sich diesmal dem Abwärtstrend nicht entziehen und schrumpfte mit -20,32% bei den PKW-Neuzulassungen zum Vorjahresmonat. Kumuliert man die PKW-Neuzulassungen aller deutscher Hersteller in Italien für April 2012, wurden 29’818 PKWs neu zugelassen, nach 37’850 PKWs im Vorjahresmonat. Damit ist der Einbruch der Neuzulassungen deutscher Hersteller mit -21,22% sogar über dem Einbruch aller PKW-Neuzulassungen in Italien mit -17,99%.

Quelle Daten: Mit.gov.it/DATI STATISTICI DELLE IMMATRICOLAZIONI DI AUTOVETTURE DEL MESE DI APRILE 2012

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23 KommentareKommentieren

  • Roland - 3. Mai 2012

    Monti als “Technokraten” zu bezeichnen, ist eine beschönigende Verharmlosung.

    Dieser Typ ist Berater von Goldmann Sachs. Damit regiert das Finanzkapital in Italien ohne Umweg über ihre politischen Marionetten nunmehr ganz direkt.

    • lazarus09 - 3. Mai 2012

      Fehlt nur noch das jemand behauptet Goldman Sucks haette den Griechischen Finanzhaushalt geschoent und Schulden verschleiert das die in den Euro passen .. wo kommen wir denn da hin ..

    • Bernd Rickert - 3. Mai 2012

      Montis Wachstumsprogramm hat zwei Schwerpunkte.

      Das Autobahnprojekt in Süditalien ist seit Jahren eine Tributzahlung an die Mafia.
      Das Eisenbahntunnelprojekt ist ökonomischer Unsinn und bei den Anwohnergemeinden höchst umstritten.
      Das war’s dann auch schon.

    • Bernd Rickert - 3. Mai 2012

      Montis Wachstumsprogramm hat zwei Schwerpunkte.

      Das Autobahnprojekt in Süditalien ist seit Jahrzehnten eine Tributzahlung an die Mafia.
      Das Eisenbahntunnelprojekt im Norden ist ökonomischer Unsinn und bei den Anwohnergemeinden höchst umstritten.
      Das war’s dann auch schon.
      Monti ist ein Machterhaltungstechnokrat, der weiß, wann er klein beigeben muss und wo er Druck ausüben kann. Er passt zu 100% in das Karriereschema “unten treten – oben lecken”.

  • Habnix - 3. Mai 2012

    Das wird ein noch ein schöner Showdown der Wirtschaft geben, Weltweit würde ich meinen.

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Die Euro-Südländer gehen den Deutschen um wenige Jahre voran, den Chinesen im vermutlich 1 Jahrzehnt.

    Diese abstürzenden Charts nicht nur bei den PKW-Verkäufen, werden in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten der Regelfall.
    Die Party der letzten Jahrzehnte war ganz nett. Hätte man sich glatt dran gewöhnen können.

    Wenn es auf Grund dieser bevorstehenden gewaltigen Kontraktion der Wirtschaft in den Ländern ohne Rohstoffreichtum nicht gelingt, halbwegs Verteilungsgerechtigkeit herzustellen, dann wird es richtig turbulent.

    • Frank Bell - 3. Mai 2012

      “Verteilungsgerechtigkeit herzustellen”?

      Das kannst du dir abschminken, die etablierten Parteien haben die Menschen durch Hartz IV fest in den Griff bekommen. Bei der Wahl in NRW fliegt der letzte Widerständler dagegen, die Linken, heraus. Das hat die Kraft ganz toll eingefädelt.

      Und die meisten juckt es nicht, die überlegen, was die als nächstes konsumieren – und schimpfen gleichzeitig auf die da unten, weil die angeblich viel verdienen, ohne zu arbeiten.

  • MagnaBavaria - 3. Mai 2012

    Was mich derzeit wundert, dass der Konsum noch so “gut” (ist ne relative Größe), trotz der anhaltend hohen Energiepreise ist.

  • M.E. - 3. Mai 2012

    Ja, Frank Bell,
    wie gesagt: dann wird´s halt turbulent.
    Denn dann geht es Menschen zunehmend an die existenziellen Grundlagen, während sich wenige noch einen hohen Lebensstandard leisten können.
    Das hält auch das geduldigste Volk auf Dauer nicht aus.

  • snozin - 3. Mai 2012

    Was eigentlich wäre gut an einer dauerhaft steigenden Zahl von PKW-Neuzulassungen? Dass wir mehr Garagen bräuchten? Oder mehr Fahrräder, mit denen wir zu der Straße gelangen, wo das Auto abgestellt ist? Falls wir noch wissen, welches Auto, und wo das ungefähr war…

    • HaPennyBacon - 3. Mai 2012

      “Falls wir noch wissen, welches Auto, und wo das ungefähr war…”
      Dafür gibt es doch sicherlich ne Smartphone-App oder etwa nicht?

  • titoslavija - 3. Mai 2012

    Monti wird in Europa für seine arbeit außerordentlich getlobt, sogar von der merkel, die nicht mal wusste was die ikb ist. Wieso fragt man such, na warum wohl schließlich gehört er Ja zum establishment des kapitals, Dan sollte merkel lieber auf knien gehen.

  • lazarus09 - 3. Mai 2012

    Das konnte ja wirklich keiner vorraussehen , das Menschen ohne Einkommen keine Kunden werden . Maschinen kaufen eben keine Autos und haben auch ansonsten wenig Konsumbedarf ;-)

    Aber was red’ ich … lasst uns die Experten hoeren ;-)

  • MagnaBavaria - 3. Mai 2012

    Off-Topic:

    selten so gelacht: SPON

    “Blogger verschlafen die Euro-Krise”

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,830749,00.html

    • lazarus09 - 3. Mai 2012

      Wer liest den SPON .. da kommt einem doch die Grueze hoch :-D

  • langlode44 - 3. Mai 2012

    Nein, ich sag nix mehr zur Massenautomobilität, aber Mutter Natur, die sagt jetzt schon Danke…

  • Das Häschen - 3. Mai 2012

    Autos sind für manche die größte Investition und ich wage im Falle von Auto durchaus den Term Investition zu bemühen. Das Haus ist die größte für den Normalbürger. Es ist durchaus verständlich, dass große Investitionen geschoben werden, das ist soweit nicht überraschend.

    Ich habe beschlossen mein Auto bis zur bitteren Neige zu fahren, das war früher auch nicht anders, aber auf Fahrrad und Heimbüro umzusteigen. In einer beachtlichen Anzahl von U.S. und U.K. Unternehmen bringen die Mitarbeiter bereits die Computer selbst mit. Sollte uns ähnliches blühen, dann gute Nacht, …

    • ergo sum - 3. Mai 2012

      Genau so ist es, die Anschaffung eines Neuwagens ist das erste, was man bleiben lässt, wenn die Zeiten unsicher werden. Siehe Kuba, wo es überhaupt nur noch alte Wagen gibt.

    • Hallowach - 3. Mai 2012

      Ich werd es genauso machen…. Das Auto fahr ich so lange bis nicht mehr geht. Und dann mach ich ne Zeitreise und werd versuchen ohne eigenen PKW auszukommen. Ganz so wie früher. Ganz ohne Not. Auf freiwilliger Basis. Den Burschen werd ichs zeigen. Nix MwSt auf Autokauf. Nix mehr mit Abgaben auf Sprit. Keine Steuern, keine Versicherungsprämien. Keine Werkstattkosten….

      • Das Häschen - 3. Mai 2012

        Schön wäre es, ginge es für viele andere auch. Wer ein Auto benötigt soll es haben und ich denke nicht, dass viele werden umsteigen, außer es entstünde ein zwingender Grund. Wenn jemand denkt, mein Auto ist Verschwendung, es macht wohl Sinn drüber nachzudenken und Individualmobilität sinnvoll zu diversifizieren. Man soll das machen, das prinzipiell gescheit ist in Summe. Autos sind schon da gefahren zu werden. Je weniger fahren, desto geringer wird der Anreiz sich die Steuereinnahmen dort zu holen, möglw. schafft man wieder ‘steuern’ und nicht nur ‘abgeben’.

        In Österreich wird mehr in Bahn und Öffis investiert. Wir haben keine Autoindustrie, die Autoimporte wird es derweil soweit nicht betreffen. Sonst wäre da keine Option.

        Es wird schon nicht so wild werden, solange die Menschen netto am Monatsende noch etwas am Konto haben, das auf die Seite gelegt wird und dann investiert wird. Das ist die Aufgabe der Politik das zu gewährleisten, sonst wird der Bürger Konsumverzicht üben aus Notwehr, das wäre dann die verständlichste aber ungünstigste Verhaltensänderung. Aber ohne ordentliche Gehälter geht das nicht, da sinkt die Investionsfreude in sinnvolle In Deutschland habe ich den Eindruck, es ist schon zuwenig in der Breite für letztgenanntes. Ohne Zahlen kann ich nur meinen Eindruck wiedergeben.

  • Ausser Rand und Band - 3. Mai 2012

    an Hallowach
    1000 Punkte für Dich
    ich mache es auch so !
    Zeige den Schwein wo es hinführt !
    Dreckpack von Polit und Bankster !

  • The EXE - 3. Mai 2012

    @ Ausser Rand und Band

    Es ist leider nicht jedem möglich ohne Auto zu Leben.
    Von da her ist es auf dauer keine Lösung zumal wen die Steuereinnahmen von KFZ und Mineralöl fehlen werden sei zwangsweise von wo anders kommen müssen.
    Oder es werden im Namen der Bürger (kommt ja von Bürgen xD) mehr Schulden gemacht und somit wieder den Banken die Zinsen gegeben die man eh nur mit Kredit zahlt.

    Daten sind wie zu erwarten schlecht der vllt. Crack Up Boom ist halt nicht von dauer.
    Die Aktienmärkte in den Ländern liegen ja schon am Boden ist nur die frage der Zeit bis es die Deutschen trift.
    Wer als Exportmeister kein Export mehr hat wird sich auch schnell Wundern.
    Es wird dann wieder Plötzlich und Unerwartet kommen wie das immer so ist.

  • Andres Müller - 3. Mai 2012

    Ganz abgesehen von der Wirtschaft und Thema Mario Monti und Co. :

    Den Italienern ist dringend zu empfehlen bei ihrem PKW -Bestand zugunsten des ÖV abzuspecken.

    Würden alle Nationen auf der Welt diese Fahrzeugdichte pro Einwohner aufweisen (die nur von wenigen Ministaaten wie Liechtenstein und Monaco übertroffen wird), so würden die Rohstoffe der Welt niemals ausreichen.

    Im Jahr 2008 hatten pro 1000 Einwohner 605 ein PkW, natürlich gibts dort auch massenweise Moped und Mtorfahrräder. Berücksicht man die Einwohnerzahl einer Nation und die PKW -Dichte, so wäre Italien das Autoverrückteste Land der Welt.