Italien: Taget2 Saldo explodiert auf -270,408 Mrd. Euro

von am 6. April 2012 in Allgemein

Was bei Querschuesse sauber herausgearbeitet wurde (siehe: Target2 – zeigt die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone), bestätigt sich nun, mit einer nicht zu schlagenden Überzeugungkraft. Die Kreditgewährung der nationalen Zentralbanken an die heimischen Bankensysteme über die LTROs führt zur Explosion der Target2 Salden. Im März 2012 explodierte der Target2 Saldo der italienische Zentralbank (Banca d’Italia), laut den heute veröffentlichten Daten, um unglaubliche 76,326 Mrd. Euro auf -270,408 Mrd. Euro! Damit geht die Zahlungsbilanzkrise der Eurozone, mündend in einer Kapitalflucht, via grenzüberschreitenden Target2-Zahlungsverkehr, in die finale Phase und entlarvt die geldpolitischen Aktionen (Liquiditätsflutung) der EZB als völlig aberwitzige Strategie, welche die Ungleichgewichte in der Eurozone zusätzlich befeuert.

Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Zentralbank seit Januar 2001 bis März 2012 im Chart. Italien hielt lange Zeit sogar relativ kräftige Forderungen, die aber seit Juli 2011 schlagartig zu Verbindlichkeiten kippten und im März 2012 auf -270,408 Mrd. Euro explodierten. Die massive Ausweitung eines negativen Target2 Saldos in Italien, in nur kurzer Zeit, dokumentiert die dramatische Brisanz der Krise in der Eurozone und deren ungebrochenen Weg in die finale Phase!

Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an, die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGBF-Staaten finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die dramatischen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann entstehen als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht). Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Diese Entwicklung ist regelrecht gefährlich und diese Daten werden den Vertrauensverlust in das Konstrukt gemeinsame Währung weiter anheizen! Rechtzeitig und ausführlich wurden die Leser bei Querschuesse über die Brisanz der Target2 Daten informiert, während andernorts sich im Relativieren der Target2 Salden-Problematik geübt wurde und so manche müßige Nebelkerze im akademischen Eifer gezündet wurde. Die Faktenlage hingegen ist erdrückend und nie zuvor war die Lage der Eurozone dramatischer!

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/Target2-Salden

Quelle Daten:  Bancaditalia.it/BANK OF ITALY BALANCE-SHEET AGGREGATES AND OFFICIAL RESERVES IN MARCH 2012

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Wenn ihr die unabhängige, kritische und zeitnahe Aufbereitung von Wirtschaftsdaten und die aufwendige visuelle Darstellung der Daten bei Querschuesse per PayPal mit einem beliebigen Betrag unterstützen möchtet bitte den Button anklicken:

Print article

37 KommentareKommentieren

  • Backtime8 - 7. April 2012

    Deutlicher Artikel um das Spiel von seiner nicht erwünschten Seite zu sehen.
    Was würde geschehen wenn die Bürger das Vertrauen verlieren und ihr Geld von den deutschen Banken auch abziehen würden?

  • Theta - 7. April 2012

    Hallo Steffen, danke für die frischen Zahlen.

    Die Erfahrung aus Argentinien, Russland, der Türkei und jüngst Griechenland zeigt, dass die Fluchtgelder, so sie erst einmal ins Ausland transferiert wurden, bis auf Weiteres im Kapitalexil bleiben. So schnell lässt sich das scheue Reh Kapital nicht wieder zurück locken.

    Drei Frage zur Kapitalflucht: Nach meinem Verständnis müsste die massive Kapitalflucht aus PT, ES und IT bei den dortigen Banken zu einer massiven Bilanzverschlechterung führen, da Depositen abfließen und durch Zentralbankkredite erstezt werden. Drohen hier bald Hilfsgesuche an den Kombirettungsschirm (ESFS/ESM) zur Abwendung einer südeuropäischen Bankenkrise? Oder ist dieses Target2-Spiel theoretisch beliebig fortsetzbar? Was sind konkret die schwerwiegensten realwirtschaftlichen Konsequenzen dieser Kapitalflucht?

    Vielen Dank!

  • SLGramann - 7. April 2012

    Hallo Theta, das sind gute Fragen, die mich auch umtreiben.

    Derzeit sehe ich die Dinge so:

    a) Auch wenn sich die Bilanzen der Südbanken verschlechtern sollten, wird dies (zunächst?) nicht in eine Liquiditätskrise des Bankensektors münden. Denn, soweit ich es verstanden habe, können sich Geschäftsbanken inzwischen unbegrenzt bei der EZB refinanzieren, ohne marktgängige Sicherheiten stellen zu müssen. Als Pfänder dienen dabei Schuldscheine, die diese Geschäftsbanken selbst ausstellen. Damit es schick aussieht, bekommt die Bank eine Haftungsgarantie ihres jeweiligen Staates. Erst im Falle einer Staatspleite bspw. Spaniens oder Italiens würde dieses Kartenhaus einstürzen. Da müsste dann vorher irgendwie wieder gerettet werden…

    b) Durch Target usw. wird im wesentlichen privates Kapital, das in den Südländern investiert ist, durch öffentlichen Kredit ersetzt. Die selbe Funktion – nur umständlicher – erfüllen EFSF und ESM. Ich glaube, dass das – abgesehen von anderen, wahrscheinlich wichtigeren Effekten – zwei langfristige realwirtschaftliche Konsequenzen haben müsste. Nämlich erstens, dass die Allokationsentscheidungen noch ineffizienter als in der Vergangenheit werden und die Länder noch mehr an wirtschaftlicher Dynamik einbüßen, als eh schon. Zweitens frage ich mich, was geschieht, wenn das private Kapital, das im Süden abgezogen wird, seinerseits wieder zur Anlage in Vermögenswerten drängt. Wann, wie und wo wird das geschehen? Welche Ungleichgewichte und Preisblasen werden mit diesem Fluchtgeld aufgebaut werden (in Deutschland?)?

    Ich glaube nämlich nicht, dass die Geschäftsbanken für lange Zeit diese riesigen Überschussreserven bei der EZB halten wollen und können, die sie derzeit in der Einlagefazilität parken.

    Irgendwann wird das durch Target und anderen Instrumente “freigelenkte” Anlagekapital in die Märkte sickern und irgendwo irgendetwas ziemlich heftig inflationieren.

    Wie gesagt, das sind nur so ein paar Gedanken von mir. Aber wer bin ich schon?

    Denn viel schlauere Leute als ich, die sowas studiert haben und auch tolle Blogs im Internet betreiben, wie Schieritz vom Herdentrieb oder kantoos oder die Journalisten von Handelsblatt bis überall + so ziemlich sämtliche Politiker von CDU, CSU, FDP, SPD und GRÜNEN + die Vertreter der Bundesbank + EZB + die Eurokraten in Brüssel werden Dir dagegen antworten, dass es hier überhaupt kein Problem gibt. Und dass es daher auch keine Konsequenzen gibt. Dass es nur einen Prof. Sinn gibt, der sich zu wichtig nimmt.

    Da kann man schon an sich und der Welt irre werden…

  • Julian Konopka - 7. April 2012

    Zum Thema Target2 und seine (nicht-)beliebige Fortsetzbarkeit existiert ein kurzer, aber erhellender Beitrag von Prof. Sinn auf Youtube (41:35-43:35). Der Beitrag ist schon etwas älter und H.W. Sinn hat seither seine Thesen weiterentwickelt, aber ich denke, am Grundproblem sollte sich nichts substantielles verändert haben.

    http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew

    Ich freue mich auf kontroverse & konstruktive Antworten!

    • POPPER - 7. April 2012

      Dieses Video zeigt wie fehlgeleitet Wirtschaftswissenschaft sein kann. Prof. Sinn ist ideologisch so fixiert, dass er sein Wissen nicht dazu nutzt, objektive Tatbestände herauszuarbeiten, sondern die Fakten einseitig interpretiert. Sinn missachtet das einfache ökonomische Prinzip der Saldenmechanik und greift nur einzelne Parameter heraus, um seine Theorie von der Nützlichkeit der Kostensenkung zu stützen. Dass gerade Deutschland mit seiner Agendapolitk und den daraus resultierenden Dumpinglöhnen zum großen Teil die Eurokrise mit verschuldet hat, bleibt unerwähnt.

      Ein exemplarischer Fall interessengelenkter Agitation. Sinn verliert kein Wort über die Leistungsbilanzüberschüsse, die ja spiegelbildlich das Ergebnis der Leistungsbilanzdefizite in den Peripherieländern sind. Für jeden Ökonomen, der an einer sachlichen Analyse interessiert ist, sind die Vorträge und Statements von Herrn Prof. Sinn in weiten Teilen schlicht eine Zumutung. Sinn ist, was man einen Populärwissenschaftler nennt, der seine vorgefassten Ansichten in die Öffentlichkeit bringen will, um Meinungsmache zu betreiben. Er rudert zwar wieder teilweise zurück oder relativiert seine Aussagen, wenn andere ihn widerlegen. Aber im Prinzip ist Sinn ein Ideenverramscher der neoklassischen Schule mit hoher Lernresistenz.

      • Johannes - 7. April 2012

        Ihr Kommentar verreißt Sinn ja ziemlich – hmmm…

        Was meinen Sie zu folgendem Artikel:

        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-die-bundesbank-fordert-von-der-ezb-bessere-sicherheiten-11667413.html

        “29.02.2012 · In der Bundesbank rumort es: Der größte Posten in der Bilanz sind Forderungen von zuletzt knapp 500 Milliarden Euro gegenüber Notenbanken finanzschwacher Länder, die über das Target-Zahlungsverkehrssystem aufgelaufen sind. Ein Brief von Bundesbankpräsident Weidmann zeugt von großer Sorge. ”

        “In einem Brief, dessen Inhalt der F.A.Z. bekannt ist, nimmt Weidmann ausdrücklich auf die wachsenden Target-Forderungen Bezug. Er schlägt eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Eurosystems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten.”

        “Der Brief zeugt von der wachsenden Unruhe in der Bundesbank, deren über das Target-Zahlungsverkehrssystem aufgelaufene Forderung mit knapp 500 Milliarden Euro der mit Abstand größte Posten in der Bilanz ist. Weidmann warnt in dem Brief an Draghi vor einem Reputationsverlust und regt eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil dieser Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Eurosystems die Verluste möglicherweise nicht tragen und die Eurostaaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, schreibt Weidmann.”

        Herr Weidmann ist wegen der Target II Salden in Sorge – Sie offenkundig nicht.

        Wissen Sie vielleicht etwas, dass Herr Weidmann – und auch Querschuss und viele andere – nicht wissen?

        • Thatwasthepension - 7. April 2012

          Popper hat schon recht mit Sinn und Kumpanen. Erst wurde glatt geleugnet das es ein Problem mit Target2 gibt. Dann, als es auch von den Mainstream-Medien aufgegriffen wurde, raffte sich der seltsame Professor zu einer Stellungnahme auf, die eher an ein “Ich bin betroffen” bei ner RTL Talkshow denn an eine qualifizierte Auseinandersetzung mit dem Thema erinnert. Man kann hier mal zurückblättern ab wann Steffen schon vor dem Target2 Irr-Sinn gewarnt hat. Ob die alle absichtlich und auf Kommando gepennt haben oder gepennt wurden, darüber kann man streiten. Fakt ist, das man jetzt definitiv nicht mehr eingreifen kann. Vor 2 Jahren wär das sogar noch möglich gewesen. Aber ein Eingreifen wär ja staatliche Regulierung und die darf es nicht geben(zumindest nicht außerhalb der Bankenrettung).

        • POPPER - 7. April 2012

          Ich denke, es geht nicht um die Frage, ob wer was nicht weiß, sondern um die Bewertung der Fakten. Wie soll denn eine Währungsunion funktionieren, wenn Private nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der Südländer zahlen. Dann geht das eben nur über das Target2 Zahlungssystem. Wenn Weidmann u.a. nach Besicherungen rufen, dann beschreiben sie etwas anderes als die Europäische Währungsunion, die ja hinsichtlich ihres Regelwerkes nicht einfach kündbar ist. Und wenn Sinn auf das amerikanische System verweist, sollte sie so fair sein und darauf hinweisen, dass die amerikanischen Sicherungen (Goldzertifikaten) im Grunde ebenso Versprechen in die Zukunft sind, die nicht viel wert sind, weil niemand weiß über wie viel echtes Gold die Vereinigten Staaten wirklich noch verfügen. Die FED besitzt nämlich seit 1934 gar kein Gold mehr, sondern hat es dem Finanzministerium übergeben und dafür Goldzertifikate erhalten. Was die heute 2012 noch wert sind weiß niemand. Also ist der Hinweis Sinns Augenwischerei. Aber er dient seiner Panikmache hinsichtlich der Target2 Salden. Im Wesentlichen ist von Sinn ein “Glaubenskrieg” initiiert worden, der völlig neben der Sache liegt.

          • Querschuss - 7. April 2012

            Hallo Popper,
            unter Bewertung der Fakten kann eine Währungsunion mit so extrem unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten nicht funktionieren. Der Target2 Saldo zeigt uns nur die Dimension der Ungleichgewichte, resultierend aus Leistungsbilanz und Kapitalbilanz an. Was früher von privaten Kapital gepuffert wurde wird nun mit Zentralbangeld vom Eurosystem gepuffert, die Dynamik des Anstieges der Salden zeigt nun den Weg in die finale Phase.

            Gruß Steffen

          • POPPER - 7. April 2012

            Hallo Steffen,

            manchmal weiß ich nicht, was du erklären willst. Die wirtschaftlichen Leistungsunterschiede sind überhaupt nicht das Problem. Das Problem sind die divergierenden Inflationsraten. Volkswirtschaften können in einer Währungsunion nicht funktionieren, wenn sich keiner an die Inflationszielrate der EZB hält, die ja wesentlicher Bestandteil der EU-Verträge (Maastricht, Lissabon) ist. Wenn man die einzelnen Grafiken, sowohl der Zinsentwicklung zu Beginn des Euro und nach 2008 genau anschaut, ist das signifikant. Ebenso die Inflationsraten einzelner Euroländer. Ableiten daraus lässt sich hieraus auch, dass Deutschland mit seiner Lohnpolitik seit zehn Jahren foul gespielt hat und den anderen ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Kostensenkungen brutal beschnitten hat. Das wäre ja noch zu goutieren, wenn der deutsche Arbeitnehmer etwas davon gehabt hätte. Jedoch durch die Wirtschaftspolitik Deutschlands wurden die Südstaaten systematisch in die Verschuldung getrieben. Tragisch ist, dass die anderen nicht damit gerechnet haben, dass Deutschland auch noch unsolidarisch ist, sodass heute niemand mehr mit den Deutschen eine Währungsunion eingehen würde, nachdem alle wissen, wie brutal wir den Weg des Neo-Merkantilismus immer noch auf die Spitze treiben und von unserem Exportwahn nicht lassen wollen. Die Gegenwehr über Target2 ist die logische Konsequenz, um diesem deutschen Irrweg entgegen zu wirken. Denn bevor der ganze “Karren” an die Wand fährt, werden die Deutschen Eurobonds zulassen müssen, um nicht den Ast auf dem sie sitzen abzusägen.Und Deutschland muss endlich damit beginnen, seine Leistungsbilanzüberschüsse endlich abzubauen.

          • Querschuss - 7. April 2012

            Hallo Popper,
            “Die wirtschaftlichen Leistungsunterschiede sind überhaupt nicht das Problem” …..”Und Deutschland muss endlich damit beginnen, seine Leistungsbilanzüberschüsse endlich abzubauen.”
            Vielleicht fällt dir was auf?

            Gruß Steffen

      • Hardy - 8. April 2012

        Hallo Popper,

        auch wenn ich den Sinn nach seinen Talkshow-Eskapaden *vor* der Krise – die u.a. ich, nicht aber er haben kommen sehen – eigentlich nicht mehr ertragen kann, muss ich ihn doch ein wenig verteidigen. Der Mann war mit 36 Prof an der LMU – ich selbst war auch an einer der großen deutschen Unis; wer dort mit unter 40 Jahren Prof wird, ist unfassbar (!) gut. So ganz doof wird er also nicht gewesen sein.

        Und auch bei der Target-Geschichte ist er allein auf weiter Flur, der Einzige, der das wahr- und ernstnimmt. Nicht einmal der ansonsten ungradlinige Bofinger steht ihm bei. Dabei ist die Auflösung ganz einfach: Sinn geht davon aus, dass die “Kontoüberzieher” entweder aus dem Euro ausscheiden, Schuldenschnitt haben oder ihre Schulden niemals mehr mit Waren ausgleichen können. Alle anderen denken, dass es irgendwie doch hinhaut. Bedauerlicherweise lehrt die Geschichte den Menschen – zumindest einige davon – dass es eigentlich nie “hinhaut”. Aus genau diesem Grunde bin ich auf seiner Seite – wenngleich es uns beiden nicht viel bringt…

        Gruß,

        Hardy

        • POPPER - 8. April 2012

          Hallo Hardy,

          dass Sinn ein gescheiter Ökonom, bestreite ich nicht. Das schützt ihn aber offensichtlich nicht vor Albernheiten und einseitiger Analyse. Im Übrigen vermisse ich von Dir, wie bei anderen ökonomische Argumente. Im Übrigen, es gibt keine “Kontoüberzieher”. Schon diese Wortwahl ist absichtsvoll, aber dennoch falsch. Und was die Geschichte über Menschen lehrt, ist kein Hinweis auf die unsägliche Panikmache in Bezug auf die Target2 Salden. Denn wie das aussehen könnte, nach einem wie auch immer gearteten Fehllauf, weiß eben keiner, auch der “sagenhaft gute” Sinn. nicht. Dass er so tut, als wüsste er mehr als andere, indem er die Zusammenhänge so anordnet, dass sie ihm scheinbar Recht geben, ist eben unwissenschaftlich.

    • Querschuss - 7. April 2012

      Hallo Julian,
      interessant, selbst Sinn meint in dem Video, die nötige interne Abwertung Griechenlands von 20% bis 30% bei Löhnen und Preisen ist unmöglich, letztlich Brüningsche Politik (siehe 7 Minute).

      Die Reallöhne, als Summe der realen Arbeitnehmerentgelte sind in Griechenland jedenfalls in Q4 2011 bereits um -26,8% zum Hoch gefallen, dies hatte brachiale Auswirkungen auf die Binnennachfrage und die Schrumpfung des BIPs. Allerdings spiegelt der Einbruch der Summe der Arbeitnehmerentgelte stark die Verdoppelung der Arbeitslosigkeit wieder. Wie hoch der Anteil durch Lohnverlust der noch Arbeitenden genau war, darüber gibt es leider keine verifizierbaren konkreten Zahlen.

      Während man mit der schrumpfenden Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte bereits die negativen wirtschaftlichen Effekte kassierte, blieben positive aus, sprich eine höhere Wertschöpfung in Folge besserer Wettbewerbsfähigkeit wurde nicht erzielt und das Exportvolumen stieg nicht so, dass es irgendeine signifikante Entlastung brachte.

      Was folgt daraus, ganz simpel, eine schrumpfende Summe der realen Arbeitnehmerentgelte allein reicht nicht aus um eine Wettbewerbsfähigkeit herzustellen, denn die anderen Preise blieben hoch. Der CPI zog selbst seit März/April 2010, der ersten „Griechenhilfe“ und seitdem steht Griechenland unter dem Diktat der Troika, wenn auch verlangsamt um weitere +3,0% bis Februar 2012 an! Seit 2000 sind bis Februar 2012 die Preise in Griechenland um +41,7% gestiegen!

      Innerhalb des Euro kann man viele Preise einfach nicht signifikant senken und damit auch keine Investitionen anlocken, was bleibt als Resümee, es gibt für Griechenland keine Möglichkeit der Lösung der Probleme innerhalb des Korsetts der gemeinsamen Währung. Dasselbe gilt wenn auch in Stufen etwas abgeschwächt für Portugal, Spanien und selbst Italien. Die Sparmaßnahmen (interne Abwertung) zur angeblichen Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit, primär eine Senkung der Summe der Arbeitnehmerentgelte, aus steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen gibt dagegen den vor allem binnenwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften wie Griechenland, Portugal und Spanien den Rest.

      Gruß Steffen

  • schnauzevoll - 7. April 2012

    Dann stimmt wohl das Gerücht von vor ein oder 2 Jahren, dass die Druckerpressen bereits eine Art D-Mark2 drucken. Bieten die sogenanten Eurobonds denn keinen Ausweg? Es wird also keine Deflation und keine Inflation geben, sondern gleich eine Währungsreform, wenn das Ruder nicht herumgerissen wird? Warum druckt die EZB nicht haufenweise Euros und vergibt die Kredite direkt an die Länder? Warum der Umweg über die Banken? Ist doch vollkommen hirnrissig. Ein Banker aus meinem Bekanntenkreis lamentiert, das würde nicht gehen, weil ein Land keine Bank ist. Häh? Dann gründe ich halt eine staatliche Kreditanstalt und schon ist das “Problem” gelöst. Einhergehend mit strengen Regulierungen muss die Krise doch zu lösen sein! Vielleicht will man das gar nicht und arbeitet an einem neuen Deutschen Reich. Oder unsere selbsternannte Elite ist wirklich schlicht und einfach zu dämlich.

    • SLGramann - 7. April 2012

      “Warum druckt die EZB nicht haufenweise Euros und vergibt die Kredite direkt an die Länder? Warum der Umweg über die Banken? Ist doch vollkommen hirnrissig.”

      Meine These ist, dass die Politik über die EZB die Interessen des Finanzkapitals zu bedienen sucht.

      Es liegt im existentiellen Interesse des Finanzkapitals eine Entwertung der Geldvermögen durch Inflation und Verfall des Außenwertes des Euro zu vermeiden.

      Wenn man nun bspw. dem ESM eine 1.) Banklizenz erteilen würde, 2.) die EZB zwingen würde, Schuldscheine des ESM unbegrenzt zu rediskontieren und 3.) den ESM dazu verpflichten würde, für (Süd)Europa eine Politik der Entwicklung un des Wachstums zu finanzieren, dann hätte das sehr sicher deutlich inflationäre Wirkung.

      Dennoch plädiere ich für so eine oder eine ähnliche Lösung und zwar deshalb, weil das Kind schon im Brunnen liegt und es sowieso keinen guten Weg mehr aus der Krise gibt. Wir kommen da nicht mehr heil raus, auch wenn das viele nicht einsehen wollen.

      Dieser deutsche Wahn, dass Austerität die Lösung sein könne, trägt vielleicht noch bis zu den nächsten Wahlen und sorgt innerhalb der CDU für Burgfrieden. Ökonomisch ist das, was Merkel und Schäuble reden (“wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”) dagegen einfach nur Unsinn und führt mittelfristig in ein totales Fiasko.

      Das Grundproblem ist ein gesamtwirtschaftlicher Schuldenstand im Euroraum, der unhaltbar ist. Unhaltbare Schuldenstände kann man im Grunde auf zwei Arten aus der Welt schaffen: Zum einen: deflationärer Zusammenbruch mit Schuldenschnitt. Das ist die schnelle und brutale Lösung, die auch die Geldvermögen radikal entwertet.
      Die Eurokraten tun alles, damit das nicht (nochmals) passiert. Ich bin sogar der Meinung, dass es richtig ist, dass man das verhindert.

      Die zweite Variante ist die reale Entwertung der Geldvermögen und der spiegelbildlichen Schulden durch eine Inflation. Obwohl ich eigentlich auch gegen die Inflation bin, denke ich, dass wir in einer so katastrophalen Situation sind, dass das der Weg sein muss.
      Wenn ich nur die Wahl zwischen Deflation und Inflation habe, dann wähle ich die Inflation.

      Wer Inflation will, muss die Austeritätspolitik aufgeben und die EZB – bspw. über den oben gezeigten Weg – zum Staatsfinanzierer machen.

      Die Geldelite will die Inflation natürlich nicht. Sie will ihre Geldvermögen nicht entwertet sehen.
      Und darum will sie auch nicht, dass die EZB die Staaten direkt finanziert.

      Sie will statt dessen, dass der Schuldendienst weiter real geleistet wird, auch wenn die Schulden und deren Lasten untragbar sind.

      Auch die Politik will die Inflation nicht, denn dann müsste sie ihren dummen Wählern eingestehen, dass der Euro-Wahn und das ganze üble finanzkapitalistische Schmarotzer-System doch nicht schadlos bleiben, sondern die sauer zusammen gekratzten Sparguthaben und lächerlichen Lebensversicherungsansprüche über die Wupper gegangen sind.

      Die – allerdings untaugliche – Lösung der Geldelite und ihrer politischen Helfer für dieses Problem heißt, dass die kleinen Leute den Gürtel enger schnallen müssen, um mehr Geld für die Bedienung von Zins und Tilgung frei zu machen. Dass ist auch das Um und Auf der Merkel´schen Strategie. Es soll unten weniger konsumiert werden, damit mehr Geld für die Bedienung der Gläubigerinteressen zur Verfügung steht, damit mehr nach oben umverteilt werden kann.
      Doch was im privaten Haushalt funktionieren kann, muss makroökonomisch natürlich scheitern , weil der Austeritätswahn in den volkswirtschaftlichen Kollaps führt.

      Deshalb wird die deutsche Austeritätspolitik eines Tages scheitern. Deshalb wird es eines Tages die umfassende Staatsfinanzierung durch die EZB geben und es wird dann ein mehr an Inflation geben.
      Und das ist die beste Möglichkeit, die wir nun noch haben – so traurig es auch ist! Aber an den Punkt haben sie und geführt, die Schranzen des Systems.

      • Bernd Rickert - 7. April 2012

        Dem Weg der Inflation stimme ich zu.
        Die hohen, gebündelten Geldvermögen werden dann jedoch in die Märkte fliessen, was zu einer unkontrollierten Inflation führen könnte. Dieses Problem ist nicht über den Weg der Finanzmärkte zu lösen.

    • Klaus - 7. April 2012

      Wenn die EZB den Staaten das Geld in der gewünschten Menge direkt überweist, dann weiß auch der letzte Depp, was da läuft: Fresh money for free, ohne Regulativ von Märkten, ohne Zinsveränderungen, ohne Bedenken über die Vertrauenswürdigkeit.

      Ich gebe zu, dass das jetzige System sich diesem schon annähert, aber bei einer so großen Offensichtlichkeit wären die Masken zu schnell gefallen. Keine Knappheit = kein Wert= evtl Ketchup-Inflation.

      Die Krise steckt tiefer als nur in der Geldsphäre. Die Konsumallokation und Investitionen stimmen nicht. Die Vermögensverteilung auch nicht.

  • Hansi - 7. April 2012

    Wozu der lange Text? In Zeiten ausserhalb eines strikten Goldstandards gab es nie Deflation über einen längeren Zeitraum. Hütchenspielerei EFSF, ESM, IMF, BIS etc., es wird ja bereits gedruckt.
    Keine Regierung in der Geschichte konnte je der Versuchung widerstehen, zu inflationieren. Auch diesmal wird es nicht anders sein, das versichere ich Ihnen.

  • Christian - 7. April 2012

    Respekt. Diese Seite hat wirklich viel Lob verdient. Sie unterstütz mich in der Krisenrecherche und bestätigt meinen seit vielen Jahren festen Glauben an den Untergang dieses Systems. Die aufbereiteten Zahlen, Grafiken und der dazu gehörende Kommentar des Schreibers sind für mich eine Bestätigung. Oftmals habe ich hier auf Querschüsse.de gelesen. Doch jetzt möchte ich mein Lob abgeben. Vielen Dank für Ihre unermütliche Arbeit und die zur Verfügung gestellten, fundierten Daten. Ein frohes Osterfest euch allen, Christian.

  • Hop Sing - 7. April 2012

    Aber wir wissen doch, dass wir uns nicht aus der Verschuldung heraus inflationieren können:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ID4xay5RITY

    Die Zinsen werden steigen und die Verschuldung somit auch.
    Was für einen (Un-) Sinn sollte das haben?
    Noch ein paar Tage Zeit geschunden?

    Sind das erwachsene Leute oder sind wir im Kindergarten?
    Zugegeben, meinerseits eine sehr naive, wenn nicht sogar dümmliche Frage.
    Hier geht es schliesslich um Menschenleben.

  • Wimajoe - 7. April 2012

    Hansis Meinung kann ich nur unterstützen! Die Weichen werden längst auf Inflation gestellt. Die EZB kann die 1 Bio. € die sie für 3 jahre an die Banken vergeben hat, doch nur unzureichend kontrollieren – und vor allem nicht sterilisieren!

    Und die Targetkredite im Süden ist auch nix anderes als Gelddrucken, wie ja von H.W. sinn und selbst von Leuten aus der Bundesbank kommuniziert wird.

    Die Unterlegung des Euro mit Werten schwindet. Das ist auch eine weiche zur Inflation! also wenn man kredite als zentralbank vergibt und minderwertige sicherheiten (südeurop. bonds mit deutschen gleichstellt!) akzeptiert, dann schwindet die Wertunterlegung einer Währung – was effektiv eine schlechtere Sterilisierungspolitik bedeutet – dies ist eine argumentationskette aus dem working paper des ifo-instituts vom juli 2011.

    Als Literaturfan halt ichs mit Goethes Zauberlehrling:
    „Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“

    Die Geister = ins System gepumpte Liquidität
    Der Zauberlehrling = die EZB (oder FED, BOE, BOJ …egal)
    Der Meister, der alles wieder in Ordnung bringt : gibts hier nicht :-)

  • hunsrückbauer - 7. April 2012

    Ich beginne meine Ernten und Vorräte zu horten. Warum soll es uns nicht ergehen wie GR, S, P? Es wird uns ergehen wie GR, S, P. S wackelt schon gewaltig. I saugt die Zitzen der EZB schon blau. Das 2. Hj. 2012 wird die Zeit der Entscheidungen sein, weltweit. USrael – IRAN, €-Land – $-Imperium – BRICS und die Schlacht wird vermutlich von den BRICS entschieden, wenn China einen großen Teil seiner $-Reserven auf den Markt wirft und RU Europa den Gashahn abdreht um die beiden großen Streithähne zur Vernunft und damit an den Verhandlungstisch zu befehlen. Bis dahin wird es noch viele Tote geben. Bis dahin wird noch viel Wohlstand zerstört werden im Namen von € und $. Stellen wir uns darauf ein. DAX und DOW wissen nicht mehr weiter, AU und AG fallen wie Steine, die FED hält ihr letztes Pulver trocken, in der Hoffnung auf einen letzten, dann zwingend erfolgreichen EInsatz bevor sie abdanken muß. Die Welt bewegt sich und mit ihr die Wellen des Wohlstandes. Beides ist nicht aufzuhalten ohne den Globus zu zerstören.

    • auch Bauer - 7. April 2012

      Moin,

      auch ich horte Ernten, Futter und Energie. Aber ich seh das nicht ganz so schwarz. Die Währungsunion € bricht zusammen. Kern-Euro wird nichts. Die D-Mark-2 kommt und wird mega stark. US Dollar wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen Weltwährung zu bleiben. Handel im weitgefassten Asiatischen Raum & BRIC wird $ nach und nach umgehen mit Rohstoffen und eigenen Währungen.
      Die D-Mark-2 wird für die Landwirtschaft viel zu stark sein. Folge: Einbruch der Exporte. D hat in allen wichtigen Sektoren (Getreide, Milch, Fleisch) einen Selbstversorgungsgrad von 125% dh ~30% Überproduktion und anschließend 60% Preisrutsch. Dann war horten der falsche Schritt.
      Nur mal so Gedankenspielerei….
      Gruß

  • Erich - 7. April 2012

    Da Problem bei einer Inflation ist, dass die Reichen ihr Geld in Realvermögen (Grund, Firmenanteile etc.) relativ inflationssicher angelegt haben. Die Kleinen können das nur sehr begrenzt (Riester etc). Letzten Endes läuft das wieder auf eine Umverteilung von unten nach oben hinaus. Auch in der Weimarer Zeit konnten die Vermögenden ihr Kapital überwiegend halten. Nur die Kleinen mussten bluten.

    Selbst eine MWSt.-Erhöhung ist sozialer als eine Inflationssteuer. Die untersten Einkommensschichten geben etwa die Hälfte ihres Einkommens für Miete aus (keine MWSt.), eine weiteres Vietel für Lebensmittel (ermäßigter Satz). Bei einer Inflation werden die Immobilienpreise irgendwann auf die Mieten durchschlagen.

    • Novosibirsk - 7. April 2012

      Ein Lebenswandel nach unten hin findet auch kaum mehr statt, wenn jemand statt 1Mrd. nur noch 500 Millionen besitzt.

      Über die Geldflut, las ich kürzlich die Banken hätten bereits Pläne einen Teil des Geldes zurückgegeben:
      http://forum.spiegel.de/f22/notkredite-der-ezb-grossbanken-wollen-milliardenhilfen-zurueckzahlen-57888.html
      Interessant fand ich hierbei auch den Kommentar von dapmr75: “Alles in allem handelt es sich um schlechte Zeichen, wenn Banken nicht wissen, was mit billigem Geld gemacht werden kann,”

  • Otto Normalverbraucher - 7. April 2012

    @ Hansi
    “In Zeiten ausserhalb eines strikten Goldstandards gab es nie Deflation über einen längeren Zeitraum.”

    Was ist mit Japan von 1993 – 2012? Seit 20 Jahren versucht die Notenbank verzweifelt, Inflation herbei zu drucken. Es funktioniert nicht! Kann es sein, dass ein bankrottes Zombiebankensystem deflationär wirkt?

    Früher, als noch Zahlungen ausfallen, Schulden geschnitten und Banken pleite gehen durften, waren solche Krisen in der Regel nach 4 Jahren überwunden. Aber heute gibt es Bankster und Lobbyisten, die ihre Casino-Verluste mit Hilfe gekaufter Politiker sozialisieren. Ein bisschen sozialverträgliche Inflation? Ha! Dieses Spiel wird mit allen Risiken und Nebenwirkungen weiter gehen, bis es keine Währung mehr gibt, die die Notenbankster entwerten können.

  • Xico - 7. April 2012

    ich verfolge die Diskussion schon seit langem und habe hier endlich auch einmal eine etwas andere Sichweise gefunden. Das Problem ist nicht Target2, die Risiken liegen in Wirklichkeit bei den erschreckend wachsenden Leistungsbilanzungleichgewichten. Diese führen dazu, dass der Norden des Kontinents in Geld ersäuft, während der Süden austrocknet. Schuld sind die andauernden Handelsungleichgewichte und die Geldflucht aus Südeuropa in den Norden.
    Es lohnt sich den Artikel aus einer schweizer Zeitschrift einmal zu lesen, da die Diskussion in Deutschland eher in die falsche Richtung läuft.

    http://baer45.schmartz.de/extern/target2.pdf

  • Wolfgang Waldner - 7. April 2012

    Wie entsteht Kapitalflucht?

    Die Voraussetzung der Kapitalflucht sind überhöhte Einkommen der Kapitalbesitzer und eine überhöhte Spartätigkeit. Die Arbeiter brauchen ihr Geld zum Leben und bauen sich vielleicht ein Haus. Die Kapitalbesitzer sollten insgesamt keine höheren Profite einstreichen, als sie für die Investitionen und ihren Lebensunterhalt benötigen.

    Wenn aber das Einkommen der Ökonomie immer stärker falsch – nach oben – verteilt wird, dann kommt es zu Problemen, die kurzfristig mit einer hohen Verschuldung des jeweiligen Staates gelöst werden.

    Langfristig sucht sich das durch überhöhte Profite angesammelte “Kapital” der Reichen aber andere Anlagen als die Staatsanleihen, vor allem dann, wenn deren Zinsen immer weiter gesenkt werden müssen. Die USA versuchen wohl, dieses “Kapital” aus dem Euroraum dann in die USA zu lenken, wo es sich mit der nächsten Finanzbetrugskrise in Luft auflösen wird.

    Die Gefahr wird sein, dass die USA es darauf anlegen, die Kapitalflucht aus dem Euroraum so wie einst die Kapitalflucht aus den lateinamerikanischen Staaten zu benutzen, Europa noch mehr in die Dienstbarkeit der USA zu bringen, es also zu lateinamerikanisieren.

    Das einzige Gegenmittel zur Abwendung dieser Gefahren ist der Abbau der überhöhten Einkommen und Geldvermögen der Reichen durch Steuern und über steigende Löhne und Sozialleistungen mit mehr Nachfrage durch Massenkaufkraft; also durch Wirtschaftswachstum.

    Frohe Ostern und vielen Dank für die tolle Arbeit von Steffen.

  • POPPER - 8. April 2012

    Hallo Steffen,

    da Du mir keine Gelegenheit gibst, direkt auf dein letztes Statement zu antworten, möchte ich hier darauf antworten.

    Ich denke, wir sind uns einig darin, dass die wirtschaftlichen Leistungsunterschiede in den Südländern nicht gleichzusetzen sind mit ihren Leistungsbilanzdefiziten.

    Beste Grüße

    POPPER

  • Bernd Klehn - 9. April 2012

    Was nun?

    Wie zu befürchten war, ist die Dicke Bertha2 (2ter Langzeittender) in Italien direkt 1zu1 in Kapitlaflucht umgemünzt worden. Die italienischen Banken hatten im März zusätzlich 76Mrd. an Zentralbankliquidität erhalten und das italienische Target2-Defizit ist promt um exakt im selben Monat um 76Mrd auf 270Mrd. gestiegen. Die Privatinvestoren haben die Zentralbankliquidität dankend entgegengenommen und als Fluchtgeld benutzt. Wie lange glaubt das Eurosystem dieses noch durchhalten zu können? Nichts hat sich entspannt, das komplette Gegenteil ist der Fall. Die Dicke Bertha ist nach hinten losgegangen.

    • POPPER - 9. April 2012

      Hallo Bernd,

      …Die Privatinvestoren haben die Zentralbankliquidität dankend entgegengenommen und als Fluchtgeld benutzt…

      Wie kommst Du zu dieser Feststellung?

      • Bernd Klehn - 9. April 2012

        Aber Popper, es ist doch kein Staatsgeld, was durch Auslandsüberweisungen, wofür man zwangsläufig Zentralbankgeld benötigt , ins Ausland geschafft wird. Ohne Zentralbankgeld keine Kapitalflucht, so einfach ist das.

        • POPPER - 10. April 2012

          Aber Bernd, woher weißt Du so genau, wo das Geld hingeflossen ist. Oder hast Du da konkrete Fakten. Es wäre doch nicht a priori schlecht, wenn die Kreditinstitute mit dem Geld Staatsanleihen kaufen? Oder dass Banken wieder vermehrt Unternehmenskredite ausleihen? Insofern bin ich mit Deinem Urteil nicht so ganz einverstanden.

          • Bernd Klehn - 10. April 2012

            Popper, die 76Mrd. im März ist der Nettokapitalexport, Privatkapital welches per Überweisungen netto nach Abzug der Kapitalzuflüsse Italien verlassen hat!!, da beist keine Maus den Faden ab.

          • Querschuss - 10. April 2012

            Hallo Popper,
            die Target2 Salden zeigen wo das Geld hingeflossen ist, ganz einfach. Der italienische negative Target2 Saldo hätte nicht so anschwellen können, wenn nur Waren und Güter via Target 2 finanziert worden wären, denn das Leistungsbilandefizit wird im März nicht mehr als 5 Mrd. Euro betragen haben. Wenn italienische Banken ausschließlich die LTRO-Liquidität nutzen würden um italienische Staatsanleihen zu kaufen, wäre der negative Target2 Saldo auch nicht angestiegen. Er ist also nur deswegen gestiegen, weil massiv Geld (aus den Bankeinlagen) von italienischen Banken weg transferiert wurde, wohl vor allem nach Deutschland.

            Gruß Steffen

  • M.R. - 9. April 2012

    So wie es aussieht, hat auch die Dicke Bertha in Portugal ihre Wirkung verfehlt.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ezb-geldspritze-portugals-banken-leihen-sich-rekordsumme/6489364.html