Italien unter Druck

von am 21. September 2011 in Allgemein

Italien ist weiter enorm unter Druck, die Herabstufung des Kreditratings des Staates durch Standard & Poor’s hat einen guten Teil der Arbeit der EZB, um die Renditen der italienischen Staatsanleihen unten zu halten, zunichte gemacht. Heute notierte die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen wieder bei 5,758%.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen seit Januar 2000 im Dailychart. Stand der Rendite am 21.09.2011 bei 5,758%. 

Das ausstehende Volumen italienischer Staatsanleihen betrug nach Angaben des italienischen Finanzministeriums zuletzt am 31.08.2011 satte 1,586981 Billionen Euro. Alleine im September 2011 müssen 61,691 Mrd. Euro refinanziert werden, bis Jahresende inkl. September noch 121,029 Mrd. Euro. 2012 müssen sogar 200 Mrd. Euro refinanziert werden, dieses enorme Volumen wird noch ordentlich Druck erzeugen:

Zur Refinanzierung stehende italienische Staatsanleihen bis in das Jahr 2029. Quelle Grafik: Dt.tesoro.it/Quarterly_Bulletin_-_2nd_Quarter_2011_.pdf

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstands des italienischen Staates seit Q1 1990 (775,989 Mrd. Euro) im Chart. In Q1 2011 stieg die gesamte explizite (heute zahlungswirksame) Staatsverschuldung auf 1,868265 Billionen Euro.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates im Verhältnis zum nominalen BIP seit Q1 1990 (92,8%) im Chart. Zuletzt in Q1 2011 stieg das Verhältnis auf 119,7%, nach 119,0% im Vorquartal. Die Staatsverschuldung in Prozent zum nominalen BIP ist seit Jahren unverantwortlich hoch. Bei einem sich abzeichnenden schwachen Wirtschaftswachstum dürfte das Verhältnis weiter hochschnellen.

Auch die Prämien der Kreditausfallversicherungen auf italienische Staatsschulden ziehen stetig an:

Die Entwicklung der Versicherungsprämien für Protection Buyer von CDS auf italienische Staatsschulden mit 5-jähriger Laufzeit in Basispunkten. Die Basispunkte der Versicherungsprämie pro Jahr, um ein Volumen von 10 Millionen Dollar am OTC-Derivatemarkt zu versichern. Die CDS-Prämie notierte heute bei 522,973 Basispunkten, dies enstspricht einer Prämie pro Jahr von 522973 Dollar um 10 Millionen Dollar an Volumen zu versichern.

Die Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten italienischen Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe) seit Januar 1990 im Chart. Im Juli 2011 fiel der Output auf 88,50 Indexpunkten und lag damit auf dem Niveau von Februar 1994! Zum Hoch im August 2007 verliert der Output immer noch -18,73%. Die Leistungsfähigkeit der Industrie bleibt weiter schwach und die Erholung seit der Wirtschafts- und Finanzkrise, reicht nicht im Ansatz aus, um eine Entlastung in Hinblick auf die Staatsschuldenkrise zu erzielen.

Auch der italienische Aktienmarkt ist gebeutelt, insbesondere die Banktitel, denn mit den Zweifeln an der Bonität des italienischen Staates, sinkt auch das Vertrauen in die italienischen Banken, welche den Großteil der italienischen Staatsanleihen inkl. diverser anderer Schrottpapiere halten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte am Abend die langfristige Kreditwürdigkeit von 7 italienischen Banken, darunter auch für die große im Euro Stoxx Banks notierte Intesa Sanpaolo, von einem A+ Rating auf A. Bei Unicredit wurde nur der Ausblick auf negativ gesenkt, wie insgesamt bei 15 italienischen Banken. Die Herabstufungen fanden nach Börsenschluss in Europa statt und waren in den Schlusskursen von heute noch nicht eingearbeitet:

Die Entwicklung des italienischen Aktienleitindex FTSE MIB seit Januar 2004 im Dailychart. Heute sank der Index um -1,65% zum Vortag, auf 14’119,76 Indexpunkte. Seit dem Hoch am 18.05.2007 mit 44’364 Indexpunkten hat der italienische Aktienleitindex -68,17% verloren!

Die Entwicklung des Aktienkurses der italienischen Bank Unicredit seit Januar 1998 im Dailychart. Heute sank die Aktie um -2,9% zum Vortag auf 0,694 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 12,72 Mrd. Euro, zum Hoch am 09.05.2007 mit einem Aktienkurs von 5,60 Euro betrug der Börsenwert 102,28 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des Aktienkurses der italienischen Intesa Sanpaolo seit Januar 2000 im Dailychart. Heute sank die Aktie um -3,0% zum Vortag auf 0,967 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt noch bei 16,035 Mrd. Euro, zum Hoch am 07.05.2007 mit einem Aktienkurs von 6,26 Euro betrug der Börsenwert 103,805 Mrd. Euro.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die italienische Krise der Staatsfinanzen und der unterkapitalisierten Banken, gemessen an den eingegangenen Risiken in Luft auflöst, dürfte gering sein. Italiens Bunga Bunga-Patron, Zeichen einer dekadenten und den Anforderungen der Krise nicht gewachsenen Demokratie inkl. seiner Institutionen, dürfte ein weiterer ernstzunehmender Malus sein und Italien könnte die Griechenlandkrise um Längen schlagen und die virtuellen Möchtegern-Retter komplett überfordern.

Die weitere Zuspitzung der Krise in der Eurozone dokumentiert sich auch in den Handlungen der Bad Bank EZB (Europäische Zentralbank). Heute kündigte die EZB in einer Pressemitteilung an, auch die nicht an einem regulären Markt gehandelten Schuldtitel der Kreditinstitute als Sicherheiten für ihre geldpolitischen Instrumente zu akzeptieren. Eine klare Umschreibung von noch mehr Schrottanleihen hin zur EZB gegen Cash für die Banken! Damit finden auch noch die Level3 Assets der Banken ihren Weg in die Bücher der EZB. Quelle: Ecb.int/Pressmitteilung 

Nur auch diese weitere Aufweichung von Stabilitätsstandards wird nicht viel nützen, denn das Bankensystem steckt in einer Solvenzkrise und nicht in einer Liquiditätskrise.

Quelle Daten: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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