Japan 2011 mit dem erstem Handlsbilanzdefizit seit 1980

von am 25. Januar 2012 in Allgemein

Heute Morgen veröffentlichte das japanische Finanzministerium die Außenhandelsdaten für das Gesamtjahr 2011 und den Monat Dezember 2011. Das Exportvolumen bei Waren und Gütern sank 2011 um -2,7% auf 65,555 Billionen Yen, das Importvolumen stieg dagegen um +12% auf 68,047 Billionen Yen. Das Handelsbilanzdefizit betrug 2011 -2,493 Billionen Yen (ca. -32 Mrd. Dollar). Das letzte Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern erzielte Japan im Jahr 1980 mit -2,613 Billionen Yen. Der Einbruch der Exporte reflektiert die Erdbeben- und Reaktorkatastrophe und die Überschwemmungen in Thailand, deren Industrie als Zulieferer den japanischen Endprodukten und damit dem Export ebenfalls schwer zusetzte.

Aber die Daten spiegeln auch zunehmend die weltweite sinkende wirtschaftliche Aktivität wider, denn im Dezember 2011 sanken die Exporte mit einer beschleunigten Rate von -8% zum Vorjahresmonat.

Im Chart die prozentuale Entwicklung des unbereinigten Exportvolumen Japans bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Januar 1985. Im Dezember 2011 sanken die Exporte um -8,0% zum Vorjahresmonat, nach -4,5% im November.

Die Exporte nach China brachen im Dezember 2011 um -16,2% zum Vorjahresmonat ein und diese bedenkliche Rate wurde nur noch von Italien mit -22,9% und Spanien mit -25,3%  übertroffen!

Im monatlichen Exportdatenchart sieht das Volumen bei den Exporten im Dezember 2011 noch moderat aus, zum Vormonat ging es sogar aufwärts, aber der Dezember ist für Japan traditionell ein starker Exportmonat, die Brisanz in den Daten liegt im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die Entwicklung des japanischen unbereinigten Exportvolumens bei Waren und Gütern in Billionen Yen seit Januar 1979 im Chart. Das Exportvolumen stieg im Dezember 2011, im Vergleich zum Vormonat auf 5,623691 Billionen Yen, nach 5,196594 Billionen Yen und fiel nach 6,11120 Billionen Yen im Vorjahresmonat. Zum Allzeithoch beim Exportvolumen im März 2008 mit 7,681691 beträgt der Einbruch relevante -26,79%.

Auch der Wert des Volumens japanischer Kfz-Exporte, von PKWs, Bussen und LKWs war zum Vorjahresmonat schwächelte und sank um -4,2% auf 820,997 Mrd. Yen. Vor allem ist man deutlich vom alten Rekordhoch beim Kfz-Exportvolumen entfernt, dies lag im März 2008 bei 1,343512 Billionen Yen!

Das monatliche Exportvolumen in Billionen Yen nur von PKWs seit Januar 2008 im Chart. Im Dezember 2011 sank das Exportvolumen um -6,94% zum Vorjahresmonat auf 686,834 Mrd. Yen, nach 63,6581 Mrd. Yen im November 2011 und nach 738,061 Mrd. Yen im Dezember 2010. Zum Hoch im März 2008 betrug das Exportvolumen von PKWs satte 1,167308 Billionen Yen.

Die Entwicklung von Importvolumen (blau) und Exportvolumen (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 1979 im Chart.

Zum Vorjahresmonat stiegen die Importe im Dezember 2011 um +8,1% (nach +11,4% im November und nach +17,9% im Oktober) auf ein Volumen von 5,828753 Billionen Yen. Das Hoch bei den Importen wurde im Juli 2008 mit 7,5426 Billionen Yen markiert, ein Einbruch bis Dezember 2011 von -22,72%. Die Importe von mineralischen Brennstoffen zogen um +35,8% zum Vorjahresmonat, auf ein Volumen von 2,087 Billionen Yen an, dies entsprach knapp 36% des gesamten Importvolumens Japans bei Waren und Gütern im Dezember 2011. Darunter auch die Rohölimporte mit einem Anstieg von +19,0% zum Vorjahresmonat auf 1,105 Billionen Yen. Etwas mehr, als der gesamte Anstieg beim Importvolumen bei Waren und Güter, ging nur auf den Beitrag, den das steigende Importvolumen von mineralischen Brennstoffen liefert, die Kombination aus leicht gestiegenen Importvolumen und vor allem steigenden Preisen für die Einfuhr von mineralischen Brennstoffen.

Die japanische Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 1979 im Chart. Im Dezember 2011 wurde ein Defizit in Höhe von -205,062 Mrd. Yen erzielt, nach -687,606 Mrd. Yen im Vormonat und von +719,558 Mrd. Yen im Vorjahresmonat.

Durch ein Handelsbilanzdefizit verschlechtert sich Japans Position zunehmend, denn es gilt nun nicht nur das enorme Staatshaushaltsdefizit zu finanzieren, was zunehmend die bisher dominierende Finanzierung des Staatshaushaltes aus dem Inland erschweren dürfte, dass einzige Pfand was Japan angesichts der hoffnungslosen Staatsfinanzen in der Hand hatte. Die Notwendigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen nimmt zu und dies ist ein weiterer Rückschlag im nahezu hoffnungslosen Unterfangen die Staatsschulden abzubauen:

Die Entwicklung der Bruttostaatsschulden Japans seit 1950 im Chart. Zuletzt für Oktober 2011 berichtete das japanische Finanzministerium eine Bruttostaatsverschuldung von 955,766 Billionen Yuan (12,24 Billionen Dollar)!

Quelle Daten: Customs.go.jp/Datenbank Außenhandel, Stat.go.jp/Japan Monthly Statistics

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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13 KommentareKommentieren

  • jo - 25. Januar 2012

    Bitter für die japanischen Renter bzw für diejenigen die bald in Rente gehen, man hat ihre Beiträge zur laufenden Finanzierung missbraucht. Solange auf die Rückzahlung der Kredite verzichtet werdne kan nist alles in Ordnung (bei den 0% Zinsen kann das noch lange lange weitergehen).

    Wird bei uns bzw im Rest der industrieliasierten Welt’* nicht anderst sein, sobald die starken Jahrgänge in grosser Zahl ihren Lebensabend erreichen wird man feststellen dass die Kassen leer sind.

    * In china ist es anderstm da es kein nennenswertes staatliches soziales Netz gibt, bin aber gespannt ob die Masse dort über eine andere ‘Enteignung/Besteuerung’ ihre bescheidenen Vermögen zu Gunsten der ‘Elite’ verlieren werden.

  • Benedikt - 25. Januar 2012

    Japan konnte sich nur durch die ständigen sehr hohen Exportübeschüsse in der höhe verschulden. Wenn Japan jetzt eine längere Zeit ein Handelsdefizit hat, wird irgendwann der Yen stark abwerten. Durch die Abwertung gibt es eine hohe Inflation, die einen guten Teil der Kaufkraft vernichtet.

  • Bernd Klehn - 25. Januar 2012

    Gut, dass sich die japanischen Leistungsbilanzüberschüsse allmählich auflösen. hoffentlich ist dieses von Dauer. Dieses müsste zur Folge haben, dass die japanische Gesellschaft umgebaut wird. Langfristige Abwertung des Yen, Rückholung von Auslandsvermögen, Aufbau eines Sozialsystems, Abbau der Staatsverschuldung. Hoffentlich kommt es so, dieses wäre ein positiver Beitrag für die Weltwirtschaft. Insgesamt mache ich mir um Japan keine Sorge, die Jungs sind zäh und Leistungsfähig genug.

  • M.E. - 25. Januar 2012

    500% gesamtgesellschaftliche Verschuldung, deutlich über 200% Staatsverschuldung…
    Das ist etwa die 15. Ebene eines Kartenhauses, dass dort errichtet wurde.
    Dazu der zunehemnde Wohlstandstransfer, einerseits innerhalb der Gesellschaft (wie in allen OECD-Ländern) von unten nach oben, als auch international von den frühindustrialisierten, rohstoffimportierenden Ländern in die rohstoffexportierenden Länder und in die immer noch relativ boomenden Schwellenländer.

    Da darf aber wirklich kein Windhauch das Riesenkartenhaus berühren. Dummerweise ist eine heftige weltwirtschaftliche Brise angekündigt. Und das nur wenig geöffnete Fenster, das die größtenteils binnenverschuldeten Japaner bisher etwas von den Winden internationaler Finanzturbulenzen abschirmte, wird sich durch die negative Handelsbilanz weiter öffnen.

    Na immerhin, die Japaner hatten dank Fleiß und Bildungsbeflissenheit 40 wirklich goldene Jahre, und dank Extremaufschuldung weitere 22 ganz passable Jahre. Da nehmen sie sich nicht viel gegenüber den meisten anderen OECD-Staaten, nur dass sie noch etwas ungezügelter vom süßen Giftcocktail zunehmender Verschuldung genascht haben, als die meisten anderen Länder.

    • Bernd Klehn - 25. Januar 2012

      @ M.E.

      Wenn du Recht hast, würde Folgendes passieren. Ruckartige Abwertung des Yen, ruckartige Rückholung des Auslandsvermögens. Größtenteils in US-Treachery angelegt. Damit Zinsexplosion in den USA. Dieses ist bisher selbst nach der Atomkatastrophe ausgeblieben.

    • Michael S. - 26. Januar 2012

      Die Bombe für das weltweite Finanzsytem tickt in Europa und nicht in Japan. Nach der Explosion wird das Kapital in Dollar, Franken, Pfund und Yen flüchten, bis sich herausstellt dass die ersten drei Währungsräume mit dem Euro zu eng verwoben sind und die dortigen Regierungen noch massivere Bankenrettungspakete realisieren müssen. Also wird Japan der Beste unter allen schlechten Fluchträumen werden. Wenn es Chaos gibt wird der Yen aufwerten!

  • M.E. - 25. Januar 2012

    A propos Wohlstandstransfer von den rohstoffimportierenden in die rohstoffexportierenden Länder:

    http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,811228,00.html

    Wenn dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis. Trifft allerdings in unterschiedlicher Spezifik für die ganze Menschheit zu.

  • M.E. - 25. Januar 2012

    Hallo Bernd,
    die 3-fach-Katastrophe (Erdbeben, Tsunami, Atom-GAU) ist ja bis auf Weiteres mit zusätzlicher Verschuldung zugeschüttet worden, was ja in der Situation tatsächlich “alternativlos” war.

    Aber Du sprichst genau die Folgen an, wenn der japanische Superverschuldungssprengsatz hochgeht: Rückholung riesiger Vermögen aus dem Ausland, dort wiederum Zündung der Zinsbombe (um mal beim mir nicht sehr sympathischen bellizistischen Vokabular zu bleiben)

    Letzten Endes ist es ganz egal, welcher der von mir genannten 4 Bewerber um um die Initialzündung des Finanzwirtschaftscrashs auslöst: es wird in Windeseile auch alle anderen bedeutenden überschuldeten Länder (nicht nur im Sinne von Staatsverschuldung) treffen.

    Und wir werden höchst wahrscheinlich einen sehr schnellen weitgehenden Zusammenbruch der Globalisierung im Finanzwesen erleben. Was natürlich die auf maximale internationale Arbeitsteilung geeichte Realwirtschaft in eine Schockstarre versetzt.

    So, und jetzt bete ich, dass ich total unrecht hebe…

  • Catweazle - 25. Januar 2012

    Ab April wird in Japan vorerst kein einziges Atomkraftwerk in Betrieb sein. Die welche noch laufen werden dann wegen Inspektion abgeschaltet. Blöd nur wenn gerade jetzt einer der Hauptlieferanten für Öl boykottiert werden soll oder muss. Das kostet dem Japaner teuer, wie man so schön Neu-Deutsch sagt.
    http://www.heise.de/tp/blogs/2/151283

  • Roland - 25. Januar 2012

    Die japanische Staatsverschuldung ist, wie hier berichtet, im wesentlichen eine Binnenverschuldung – und überhaupt KEIN Problem.
    Warum?
    Nicht nur die immer wieder bemühten Pensionskassen sind Gläubiger, sondern insbesonders vor allem die Konglomerate und Milliardäre.

    Eine Tages wird die Konsensgesellschaft Japan eben einen Schuldenschnitt machen müssen und die “Japan AG” zur Kasse bitten.
    Es sei denn die Oberschicht riskiert, Ihre Untertanen zu Samurai zu machen.

  • M.E. - 25. Januar 2012

    Hallo Roland,
    bei der starken Fokussierung der japanischen Pensionskassen sowie der riesigen japanischen Postbank auf einheimische Staatsanleihen wäre eine finanzielle Schieflage des Staates schon ein sehr ernstes Problem. Insbesondere, wenn man sich den Altersaufbau der japanischen Gesellschaft anschaut.
    Alleine das Einfrieren der Verschuldung auf dem heutigen Stand würde die auf immer weitere Verschuldung geeichte Realwirtschaft schon sehr beuteln.

    Aber eines ist wohl richtig: die relativ homogene japanische Gesellschaft hält noch manches aus, was andere Gesellschaften schon längst nicht mehr aushalten. Deshalb konnte der Verschuldungsexzess ja so lange aufrecht erhalten werden.

    Irgendwann gibt es für alles ein Ende.

  • Kistrof - 25. Januar 2012

    Ich zitiere mal Wolfgang Münchau aus einem leider kostenpflichtigen Artikel in der FTD. Da kriegt man eine schöne Vorstellung welche Dimension die Verschuldung hat:
    http://www.ftd.de/politik/international/:kolumne-wolfgang-muenchau-die-lehre-vom-ende-der-krise/60159145.html

    “Koo hat die Idee einer Balance-Sheet Recession entwickelt, um zu erklären, warum nach dem Platzen von Japans Megablase Anfang der 90er-Jahre die Staatsschulden derart in die Höhe geschossen sind. Er rechnet vor, dass das japanische Bruttoinlandsprodukt um ungefähr 70 Prozent gefallen wäre, wenn der Staat ebenfalls gespart hätte (nicht auf 70 Prozent, sondern um 70 Prozent!).”

  • Holly01 - 26. Januar 2012

    Zitat : “Das letzte Handelsbilanzdefizit bei Waren und Gütern erzielte Japan im Jahr 1980 mit -2,613 Billionen Yuan.”.
    Natürlich ein vertipper und die Aussage bleibt eindeutig, aber macht das lieber schön, so liest es sich schräg.