Japan mit kräftigem Exporteinbruch

von am 20. Februar 2012 in Allgemein

Heute Morgen veröffentlichte das japanische Finanzministerium die Außenhandelsdaten für den Monat Januar 2012. Das Exportvolumen bei Waren und Gütern schwächte sich beschleunigt zum Vorjahresmonat ab und sank um -9,3%, auf nur noch 4,510220 Billionen Yen, das Importvolumen stieg dagegen um +9,8% auf 5,985225 Billionen Yen. Das Handelsbilanzdefizit stieg auf -1,475005 Billionen an. Damit wird der Trend hin zum Defizit aus 2011, nicht nur nahtlos fortgesetzt sondern auch noch verstärkt. Im Gesamtjahr 2011 hatte Japan das erste Mal seit 1980 wieder ein Handelsbilanzdefizit erzielt, es betrug -2,493 Billionen Yen (ca. -32 Mrd. Dollar). Mit dem steigenden Handelsbilanzdefizit verschärft sich die Situation Japans deutlich, da es den Status der Innenfinanzierung der enormen Staatsschulden zunehmend aufhebt.

Im Chart die prozentuale Entwicklung des unbereinigten Exportvolumen Japans bei Waren und Gütern im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Januar 1985. Im Januar 2012 sanken die Exporte um -9,3% zum Vorjahresmonat, nach -8,0% im Dezember.

Die Exporte nach China brachen im Januar 2012 um -20,1% zum Vorjahresmonat ein, was sicher auch das chinesische Neujahrsfest reflektiert, aber trotzdem eine bedenkliche Rate darstellt. Richtig negativ zur Sache ging bei den Exporten nach Spanien mit -32,3% zum Vorjahresmonat und nach Italien mit satten -34,3%, was die hier vertretene These, dass der organisierte Niedergang der Südperipherie in der Eurozone, auf die wirtschaftliche Aktivität in der ganzen Welt negativ zurückkoppelt klar bestätigt!

Die Entwicklung des japanischen unbereinigten Exportvolumens bei Waren und Gütern in Billionen Yen seit Januar 1979 im Chart. Das Exportvolumen sank im Januar 2012 auf schlappe 4,510220 Billionen Yen. Zum Allzeithoch beim Exportvolumen im März 2008 mit 7,681691 betrug der Einbruch signifikante -41,29%.

Die Entwicklung von Importvolumen (blau) und Exportvolumen (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 1979 im Chart.

Zum Vorjahresmonat stiegen die Importe im Januar 2012 um +9,8% (nach +8,1% im Dezember) auf ein Volumen von 5,985225 Billionen Yen. Das Hoch bei den Importen wurde im Juli 2008 mit 7,542817 Billionen Yen markiert, ein Einbruch bis Januar 2012 von -20,65%. Die Importe von mineralischen Brennstoffen zogen um +23,6% zum Vorjahresmonat, auf ein Volumen von 2,076 Billionen Yen an, dies entsprach knapp 34,7% des gesamten Importvolumens Japans bei Waren und Gütern im Januar 2012. Darunter auch die Rohölimporte mit einem Anstieg von +12,7% zum Vorjahresmonat auf 1,038 Billionen Yen. 

Die japanische Handelsbilanz bei Waren und Gütern seit Januar 1979 im Chart. Im Januar 2012 wurde ein Defizit in Höhe von -1,475 Billionen Yen erzielt, nach -205,062 Mrd. Yen im Vormonat.

Die Ausweitung des Handelsbilanzdefizites war enorm und scheint eine generelle Trendwende beim bisherigen Exportmeister Japan anzuzeigen. Dieses sich ausweitende Handelsbilanzdefizit verschlechtert Japans Position zunehmend, denn es gilt nun nicht nur das enorme Staatshaushaltsdefizit zu finanzieren, was zunehmend die bisher dominierende Finanzierung des Staatshaushaltes aus dem Inland erschweren dürfte, dass einzige Pfand was Japan angesichts der hoffnungslosen Staatsfinanzen in der Hand hatte. Die Notwendigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen nimmt zu und dies ist ein klarer manifester Rückschlag im nahezu hoffnungslosen Unterfangen die Staatsschulden abzubauen:

Die Entwicklung der Bruttostaatsschulden Japans seit 1950 im Chart. Zuletzt für November 2011 berichtete das japanische Finanzministerium eine Bruttostaatsverschuldung von 969,395 Billionen Yen (12,26 Billionen Dollar)!

Quelle Daten: Customs.go.jp/Datenbank Außenhandel, Stat.go.jp/Japan Monthly Statistics

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

Print article

31 KommentareKommentieren

  • M.E. - 20. Februar 2012 Antworten

    Die Verschuldung Japans ist untilgbar, ja sogar nicht mal annähernd auf heutigem Niveau zu stabilisieren.
    Die japanische Gesellschaft (und nicht nur die – aber die besonders) ist total abhängig von weiterer Verschuldung geworden, und zwar von immer höheren Dosen des süßen Gifts.
    Japan ist neben Großbritannien mein Favorit bei der Auswahl des ersten Großdominosteins, der fallen wird und die anderen mitreißen wird.
    Gegen diese beiden Spitzenaspiranten ist z.B. Italien – den gesamtgesellschaftlichen Verschuldungsgrad betrachtet – geradezu ein Hort der Stabilität.

    Und jetzt auch noch die steigende Abhängigkeit von ausländischem Kapital. Dieses nun benötigte ausländisches Kapital ist sehr viel unduldsamer gegenüber einer Überschuldungssituation als die nationalbewussten Japaner.

    • Querschuss - 20. Februar 2012 Antworten

      Hallo M.E.,
      die Aussichten verschlechtern sich, keine Frage, gerade durch das Handelsbilanzdefizit, aber noch halten Ausländer einen verschwindend geringen Anteil an japanischen Staatsanleihen, noch ist Japan einer der größten Gläubiger der Welt, zehren sozusagen von den aufgebauten Überschüssen vergangener Jahrzehnte. Das NIIP (Net international investment position) ist immer noch kräftig positiv, aber ganz klar die Lage verschlechtert sich deutlich. Der Vergleich zu Italien hinkt, denn die haben ein kräftig negatives NIIP. Das NIIP bildet natürlich nur den theoretischen Status Quo ab, sozusagen aussen vor gelassen, was die Vermögenswerte im Ausland bei richtigen Krisen und zwangsweiser Auflösung dann wirklich wert sind.

      Gruß Steffen

    • gilga - 20. Februar 2012 Antworten

      Und damit bist Du in feiner Gesellschaft mit Leuten wie Kyle Bass…

  • Veronikamars - 20. Februar 2012 Antworten

    Wann wird Japan das “Grischenland”?

    Yen statt Yuan (letzte Zeile)

  • M.E. - 20. Februar 2012 Antworten

    Übrigens: sollte sich der Ölpreis in diesem Jahr, wie ich vermute, in einer Range zwischen 130 und 150 Dollar einpegeln, auch ohne Iran-Krieg (!), dann wird dies vor allem das fast völlig bodenschatzlose Japan sehr stark negativ betreffen. Und den Außenhandelssaldo vermutlich noch mehr in negatives Terrain ziehen. Denn Japan muss aktuell zur Sicherung seiner abgeschotteten Stromversorgung sehr viel mehr Öl importieren, weil ein großes Volumen an Atomstrom fehlt.

  • georg - 20. Februar 2012 Antworten

    ja fasst völlig bodenschatzlos ist auch deutschland.. aber der wohfühlpresse wird schon was einfallen zb öl aus devonischem schiefer hört sich doch toll an
    gruss georg

  • Roland - 20. Februar 2012 Antworten

    Die Staatsverschuldung Japans ist immer noch zu 90 % Binnen-Finanzierung und damit kein Problem.
    Es gibt auch noch 100erte von Milliarden Auslandsvermögen, die repatriiert werden können.

    Richtig ist aber:
    Japan wird zunehmend ein weiteres Senkblei für die Weltwirtschaft.

    Die Herrschenden wissen, dass es kritisch wird und bauen deshalb an allen Fronten vor.
    Aus genau diesem Grunde wird jetzt hierzulande der Occupy-Gegner, Sozialisten-Fresser und Kapitalismus- und US-Kriege Beschöniger GAUCK ins Schloss Belevue inthronisiert.
    Er soll von dort aus zur Verblödung des Volkes kräftig beitragen.

  • Achim Hase - 20. Februar 2012 Antworten

    Vielleicht führt das Handelsbilanzdefizit jetzt endlich zu einer signifikanten Abwertung des Yens? Damit wäre Japan sehr geholfen.

  • Benedikt - 20. Februar 2012 Antworten

    Japan kann im Gegensatz zu Eurozone seine Finanz- und Wirtschaftspolitik steuern. Sobald es Probleme gibt, können die schnell und wirksam reagieren. Die Eurozone hat dagegen schon seine Optionen weitgehend verbraucht. Ich denke die Eurozone wird der erste Dominostein sein, die anderen werden sich ein wenig länger über Wasser halten können.

  • thomas - 20. Februar 2012 Antworten

    wie gewohnt eine superanalyse von steffen,aber leider ist auch er vom wahrheitsgehalt der
    japanischen “rohdaten” abhängig.und da behaupte ich,das die japanischen daten noch sehr geschönt werden.am samstag hab ich mir bei mediamarkt in hamburg einen neuen dvd brenner für pc gekauft.hab mir also einen samsung gekauft.samsung ist koreanisch,aber der brenner ist made in china.!
    hab mir dann mal die zeit und mühe gemacht den laden nach japanischen produkten zu durchsuchen.fehlanzeige.
    nix made in japan.nada!
    ich hab bestimmt dutzende verpackungen in der hand gehabt,wenn nicht hunderte(hab mir wirklich zeit gelassen) alles made in china oder taiwan.etwas made in kora entdeckt,aber nichts aus japan.
    und wie steffen mehrfach schon gezeigt hat,geht es der autobranche auch nicht wirklich gut.
    was in gottes namen exportieren die japaner also in solch großer menge,das eine solche verschuldung rechtfertigt?
    dazu sollte man sich mit der japanischen mentalität befassen,wo zb.arbeitslose trotzdem morgens mit aktentasche das haus verlassen und so tun,als ginge man zur arbeit.
    ich denke,das japans daten noch mehr gelogen sind als die berühmten us daten zum arbeitsmarkt in usa.
    gruß eines volksschülers aus hamburg

  • pitpat - 20. Februar 2012 Antworten

    von meiner alltäglichen Betriebspraxis mit Japanern (im technischen Bereich) lerne ich:

    - Generierung eigener(persönlicher) Bewertungen
    - Übernahme von Verantwortung für Vorschläge oder Richtungsempfehlungen
    - Initiative zu wertschöpfenden Prozessen

    GÄNZLICH ENTFÄLLT

    Hingegen wird alles doppelt und dreifach wiederholt erfragt , ob es denn wirklich so sei, damit bloß keine (sachlicher) Fehler unterläuft
    Fragestellungen , die zeigen , daß Basics nicht einmal im Ansatz verstanden wurden, obwohl 2Tage vorher freudig und zustimmend genickt wurde,
    Fragen in übergeordneten Zusammenhängen gar nicht gestellt werden (können)

    Unabhängig davon:
    J A P A N E X I S T I E R T N IC H T M E HR !!!

    ….

  • Frank Bell - 20. Februar 2012 Antworten

    Welch eine komische Krise, in der der DOW JONES ein Vier-Jahres-Hoch erreicht…

  • Vivlos - 20. Februar 2012 Antworten

    @Frank Bell

    Investieren in Sachwerte.

    • Frank Bell - 20. Februar 2012 Antworten

      Ganz ehrlich: Für mich kommt diese Hausse gänzlich unerwartet. Egal wie ich es drehe und wende. Der Verlauf der Börsen passt so ganz und gar nicht zu all den Prognosen, schlechten Wirtschaftsdaten, zum BDI usw. Irgendwie habe ich da einfach nicht mehr den Durchblick.

      • Querschuss - 20. Februar 2012 Antworten

        Hallo Frank,
        hatten wir doch bereits mehrmals, die Finanzmärkte wurden mit Liquidität geflutet, zu einem marginalen Zinssatz von1% konnten sich Banken und damit auch Finanzmarktakteure mit unlimitierten Kredit zuschaufeln. Nirgendwo gibt es einen Zinssatz der adäquat Preissteigerungen ausgleicht, negativer Realzins, also geht die Kohle in den Aktienmarkt, in den Ölmarkt und sogar anscheinend in Staatsanleihen der Südperipherie (Spanien, Italien), was ich zugegeben, bei dem miesen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung nicht erwartet hätte.

        Dieser Blog ist denkbar ungeeignet für Daytrading-Aktivitäten bzw. für Anregungen gar richtige Zeitpunkte zum Spekulieren.

        Wenn es nicht ganz DICKE kommt treibt die Liquidität weiter die Märkte und davon ist genug vorhanden, Ende Februar durch LTRO2 noch viel mehr. Realwirtschaft und Finanzmärkte sind eh entkoppelt, das braucht man sich nur den Anstieg der nominalen Derivate-Wetten von 601,046 Mrd. Dollar Ende 2010 auf 707,569 Mrd. Dollar zum 1. Hj. 2011 ansehen.
        http://www.bis.org/publ/otc_hy1111.pdf

        Gruß Steffen

        • Frank Bell - 20. Februar 2012 Antworten

          Hallo Steffen,

          tut mir leid, ich will den Blog nicht kaputt machen, aber die extreme Entkopplung von Börse und Realwirtschaft verstehe ich einfach nicht. Denn an der Börse wird ja quasi gehandelt, was die Firmen an Erfolg vorzuweisen haben. Deswegen auch die hohen Dividenden, denn die gibt es nur, wenn die Firmen Gewinne machen.

          Der Vergleich mit 1929, der hier erwähnt wurde, hinkt gewaltig. Bernanke hat ja genau das Gegenteil getan, die Märkte mit Liquidität geflutet, damit sich nicht erneut eine Weltwirtschaftskrise ausbreitet.

          Aus heutiger Sicht muß man sagen, daß Bernanke recht behalten hat. Hätte nie gedacht, daß er so erfolgreich sein wird.

          • Querschuss - 20. Februar 2012

            Hallo Frank Bell,
            welcher Vergleich mit 1929?

            Gruß Steffen

          • mutzel6 - 20. Februar 2012

            Hallo Frank,

            “den Blog kaputt machen” wird Dir nicht gelingen, egal wie sehr Du Dich anstrengst :-)

            “an der Börse wird quasi gehandelt, was die Firmen an Erfolg vorzuweisen haben” ist falsch. Die an der Börse ermittelten Kurse spiegeln einerseits den Glauben der Anleger wieder, andererseits das Vorhandensein von Geld.

            Ein paar Beispiele dazu (nur ganz kurz angerissen):
            Die dot-com-Blase entstand nicht, weil Internetfirmen gewaltige Gewinne erwirtschafteten, sondern weil Anleger dachten, dass das passiert und steigende Kurse weiter steigende Kurse nachzogen.
            In der Finanzkrise 2008 brachen die Kurse in allen Sektoren brachial ein. Aber nicht, weil auf einen Schlag alle Firmen Gewinnwarnungen herausgegegeben haben.
            Der Goldpreis steigt nicht, weil Gold plötzlich knapp wird, sondern weil der Preis von einigen “gemacht” wird und andere ihr Geld in Sicherheit bringen wollen.

            Das ließe sich endlos fortführen … soll aber nur verdeutlichen, dass Börsekurse nicht das Geringste mit Unternehmens-Bilanzen zu tun haben müssen. Nach meiner Erfahrung gehe ich so weit zu behaupten, dass harte Zahlen/Werte weniger die Kurse beeinflussen als Meinungsmache in der Presse. Ein überraschend gutes Quartalsergebnis kann einen 10% Kursanstieg auslösen, ein Artikel irgendeines Bild-Schmierfinken schnell 20% Verlust.

            Aktuell ist’s sicher so wie Steffen sagt: es ist viel Geld vorhanden, was irgendwo untergebracht werden muss. Deshalb steigen die Kurse. Nicht umsonst redet man nicht von “Investition” (in ein Unternehmen dessen Basis entsprechend gut ist, dass man sein Geld dort anlegen möchte) sondern von Spekulation.

          • zf - 20. Februar 2012

            Ich würde es auch nicht mit 1929 USA vergleichen, sondern eher mit 1919 bis 1923 Weimarer Republik

            1919 stand der Reichsaktienindex bei 465.-
            1923 bei 55.340.000.000.-

            Ja, er ist gestiegen, trotzdem wurden fast 80% der Kaufkraft vernichtet.
            Heute sind wir in einer ähnlichen Situation.
            Es muß der Aktienindex steigen, bei den Geldmengen die geschaffen werden.
            Gruß Zf

        • micdinger - 20. Februar 2012 Antworten

          Ich hatte schon vor zwei Jahren damit gerechnet, dass wir den DAX nochmal bei 8200 sehen werden. Habe aber gedacht dass es schneller geht, die Entwicklung der letzten 12 Monate hat mich auch überrascht. Sollt der DAX das nochmal schaffen, dann wars das aber für die nächsten zehn Jahre. Jedenfalls richte ich mich persönlich darauf ein.

          http://www.markt-daten.de/charts/inflationsbereinigt/index.htm#tag3

  • M.E. - 20. Februar 2012 Antworten

    Richtig, Frank,
    die Börsen signalisieren: alles in Butter. Wie im Sommer 1929. Sa signalisierten die Börsen auch eine glänzende Zukunft.

    Denn wie heißt es? An der Börse wird die Zukunft gehandelt.
    Keine Ahnung, wer auf eine solch abenteuerliche These gekommen ist.

    • Argonaut - 20. Februar 2012 Antworten

      lol, ich vertrete lieber die These:

      “Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt ……..

  • Historiker - 20. Februar 2012 Antworten

    @Frank

    Schonmal die Dividenden-Ausschüttung für dieses Jahr angesehen? Selbst wenn du jetzt bei Daimler einsteigst hast du noch 5 Prozent. Die oberen 10.000 kassieren in den folgenden Wochen also richtig.

  • Bubblegum - 20. Februar 2012 Antworten

    @ Frank Bell

    tut mir leid, ich will den Blog nicht kaputt machen, aber die extreme Entkopplung von Börse und Realwirtschaft verstehe ich einfach nicht. Denn an der Börse wird ja quasi gehandelt, was die Firmen an Erfolg vorzuweisen haben. Deswegen auch die hohen Dividenden, denn die gibt es nur, wenn die Firmen Gewinne machen.

    Der Vergleich mit 1929, der hier erwähnt wurde, hinkt gewaltig. Bernanke hat ja genau das Gegenteil getan, die Märkte mit Liquidität geflutet, damit sich nicht erneut eine Weltwirtschaftskrise ausbreitet.

    Aus heutiger Sicht muß man sagen, daß Bernanke recht behalten hat. Hätte nie gedacht, daß er so erfolgreich sein wird.

    Nein, das Phänomen, starker Anstieg der Aktienkurse in den USA hatten wir auch nach 1929.
    Bis 1932 waren mehr als 70% der Kursverluste wieder aufgeholt. Aber erst 1940- da befand
    sich Europa bereits 1 Jahr im Krieg- erreichte die US-Wirtschaft das Produktionsniveau von 1928!
    Und Roosevelts New Deal war letztendlich ein riesen Flop trotz des damaligen Deficit Sprending. Denn ab 1936 war die Industrieproduktion wieder stark rückläufig! Ob das Geld
    aus der Staatskasse kommt oder über die Notenbank nach Bernanke Manier verteilt spielt
    keine wirkliche Rolle, die Effekte blieben und bleiben marginal, weil in beiden Fällen
    das Problem eine gerechten Verteilung des Erarbeiteten nicht angegangen wurde bzw. wird.

    Viele Grüße Bubblegum

    • Ert - 20. Februar 2012 Antworten

      Denn an der Börse wird ja quasi gehandelt, was die Firmen an Erfolg vorzuweisen haben.

      Nein, das ist Vergangenheit – die Börse bewertet die Zukunft! Die des Unternehmens in der zukünftigen Welt!

      Deswegen auch die hohen Dividenden, denn die gibt es nur, wenn die Firmen Gewinne machen.

      Apple gibt keine Dividende, was sagt uns das?

      Die Telekom hat in 2010 angekündigt bis 2012 mindestens 70cent Dividende auszuschütten? Wie geht das, wenn man noch nicht weiß, wie viel Kohle man einnimmt – aber dutzende von Milliarden Schulden hat?

      ;-)

  • M.E. - 20. Februar 2012 Antworten

    “Der Vergleich mit 1929, der hier erwähnt wurde, hinkt gewaltig.”

    Hallo Bubblegum,
    ich habe nicht behauptet, dass die heutige Situation mit der von 1929 vergleichbar ist.
    Damals gab es noch eine rein westliche Dominanz, eine intakte physische Wertschöpfungsgrundlage ohne Aussicht, dass sich das ändern würde und es gab noch bei Weitem nicht dieses Maß an Virtualisierung und Globalisierung des Weltfinanzsystems.

    Mit dem Hinweis wollte ich nur klar machen, wie vorrausschauend Aktienmärkte sind. Bzw. nicht sind.

  • Bubblegum - 20. Februar 2012 Antworten

    “ich habe nicht behauptet, dass die heutige Situation mit der von 1929 vergleichbar ist.
    Damals gab es noch eine rein westliche Dominanz, eine intakte physische Wertschöpfungsgrundlage ohne Aussicht, dass sich das ändern würde und es gab noch bei Weitem nicht dieses Maß an Virtualisierung und Globalisierung des Weltfinanzsystems.”

    Bei so viel gepflegtem Halbwissen schüttele ich nur noch verzweifelt den Kopf!

    Schon einmal von den folgenden Fakten gehört:

    1. Der Versailler Diktatfrieden legte Deutschland eine Reparationverpflichtung auf,
    die dem Gegenwert von 81.000 Tonnen Gold entsprach, während die bis 1918 weltweit
    geförderte Goldmenge ca. 40.000 Tonnen ausmachte.

    Und da schreiben Sie von geringer Virtualisierung und Globalisiereung

    2. Diese Reparationen waren nicht nur für Deutschland eine enorme Last, sondern kamen
    für die Kreigsgewinner einem Danaergeschenk gleich.
    Schon die reine Abwicklungstechnik überforderte alle Staaten, führte zur Gründung der
    BIZ, den Konferenzen über den Dawes- und den Youngplan, dem Abwerungswettlauf der
    Industrieländer innerhalb des Goldstandardsystems bis schließlich dieses System 1936
    endgültig den Geist aufgab, als Frankreich als letztes Industrieland seine Währungsbindung
    an das Gold aufgab. Und da schreiben sie von geringerer Globalisierung!

    3. Japan war spätestens 1932 mit dem Einfall in China globaler Player in Asien!
    Die USA antworteten auf dieses Auftauchen dieses Konkurrenten 1938 mit einem totalen
    Ölembargo, die Antwort der Japaner war Pearl Harbour. Und da schreiben Sie von rein
    westlicher Dominanz!

    Es wäre übrigens mal interessant, einen Vergleich herzustellen mit dem Embargo, das Japan
    damals traf und dem Iran – Embargo heute. Wenn die Zeitungsmeldungen der letzten Tage stimmen, dann laufen die Kriegsvorbereitungen der USA und Israels gegen den Iran planmäßig und auf vollen Touren!

    Viele Grüße Bubblegum

  • Kistrof - 20. Februar 2012 Antworten

    Die Situation in Japan halte ich für hochspannend weil dieses Land den anderen OECD-Ländern in vielerlei Hinsicht um viele Jahre voraussläuft. Viele Ökonomen sehen ein “Japan-Szenario” auch für uns als immer wahrscheinlicher an.

    Es gibt viele Paralellen (Exportorientierung, Verschuldung, Blasen, demographische Entwicklung, Rohstoffabhängigkeit,…) aber auch viele Unterschiede (Korporatismus, kulturelle Abgeschlossenheit, …). Japan kann bei aller Fragwürdigkeit einer Prognose durchaus einen Eindruck vermitteln wohin die Reise gehen könnte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Wahrheitsgehalt fällt mir ein:
    – Geldpolititk allein kann eine Krise sehr lange hinauszögern aber nicht lösen
    – auch die Innovationskraft eines Landes ist endlich (wer einst hochinnovativ war kann heute Mittelmass sein)
    – demographische, soziale und kulturelle Faktoren sind wichtige Standortfaktoren

    Ich persönlich halte gerade letzteres für beachtenswert. Mag sein, dass ich versuche mir selber Mut zu machen, aber in Deutschland wird wenigstens noch geschimpft, diskutiert, manchmal eine Regierung abgewählt und der Atomaustieg versucht.

  • M.E. - 20. Februar 2012 Antworten

    Hallo Bubblegum,
    bei so viel gepflegten Ignorierens dessen, was ich geschrieben habe, habe ich absolut kein Interesse an einem Diskurs.
    Ich schrieb nichts über Versaille, nichts über Reparationen, nichts über Embargos, nichts über Japan (ordne ich, obwohl nicht geographisch korrekt, ohnehin “dem Westen” zu)
    Ich schrieb über die Laune an den Börsen im Sommer 1929 und leitete daraus Schlüsse zur Weitsicht von Börsen ab.

    Viel Spaß noch beim verzweifelten Kopfschütteln.

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen