Konsumboom?

von am 28. September 2010 in Allgemein

Fast täglich grüßt das Murmeltier bzw. der deutsche Aufschwung. Heute wird mal wieder der der Gfk-Konsumklimaindex als Beleg zelebriert. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt den Index an Hand ihrer monatlichen Umfrage bei 2000 Konsumenten, die für September eine spürbare Verbesserung ihrer Verbraucherstimmung signalisieren. Die Konjunktur- und Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung der Konsumenten steigen an.

 Der Gesamtindikator des Gfk-Konsumklimaindex prognostiziert nach revidierten 4,3 Punkten im September für Oktober einen Wert von 4,9 Indexpunkten. Dieser Indikator misst nicht die real getätigten Ausgaben der Verbraucher, sondern liefert ausschließlich ein Stimmungsbild auf der Basis der 2000 Befragten! Dies ist ein kleiner aber signifikanter Unterschied.

Die Entwicklung des Konsumklimaindex seit Januar 2006.

Die Gfk übertreibt allerdings in ihrer Headline der Pressemitteilung etwas: “Konsumklima auf Drei-Jahres-Hoch”, denn mit 4,9 Indexpunkten liegt der Gesamtindex noch knapp unter dem Stand von Mai 2008 mit 5,0 Punkten. Was machen aus dieser Meldung die Speerspitzen des Aufschwungs-Journalismus (Spon): “Konsumboom: Deutsche shoppen die Krise weg” und gleich darunter: “Die Bundesbürger blicken optimistisch in die Zukunft – und kaufen wieder fleißig ein.” Die Zeit verfällt ebenfalls diesem empirischen Tiefgang: Für die Verbraucher ist die Krise vorbei und “Sie shoppen so gern wie vor der Krise.”

Diese Sichtweise reflektiert nicht bzw. verkennt komplett den existierenden Fragebogen der Gfk, denn aus keiner der gestellten Fragen und deren Beantwortung bei der Erhebung des Konsumklimaindex, ließe sich ableiten: “Bundesbürger…kaufen wieder fleißig ein.”

Die Fragen der Gfk an die 2000 Konsumenten:

  • Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushaltes in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?
  • Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?
  • Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Verbraucherpreise in den kommenden zwölf Monaten im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten entwickeln?
  • Glauben Sie, dass es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit günstig ist, größere Anschaffungen (Möbel, elektrische/elektronische Geräte usw.) zu tätigen?
  • Glauben Sie, dass es in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage derzeit ratsam ist, zu sparen?

Es werden also nur Erwartungen und Glaubensbekenntnisse abgefragt, diese verdeutlichen klar, dass es sich nur um einen reinen Stimmungsindikator handelt.

In der PDF zu den Erhebungsmethoden wie auch in der aktuellen Pressemitteilung, weist die Gfk daraufhin, dass ein Konsumklimaindex von 4,9, wie für Oktober 2010 ermittelt, in etwa einem Anstieg des realen privaten Verbrauch von +0,5% zum Vorjahresmonat entspricht! Wie kann man eine +0,5%-ige Steigerung der realen privaten Konsumausgaben als Boom bezeichnen?

Die wahre Geschichte der realen privaten Konsumausgaben in Deutschland ist leider fast so traurig, wie die der noch schlechteren realen Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer. Reloaded: “Reallöhne auf dem Niveau wie vor 19 Jahren”

Im 2. Quartal 2010 stiegen die realen saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben um +0,56% zum Vorquartal und sanken um -0,71% zum Vorjahresquartal. Seit dem Jahr 2000 bis Q2 2010 stieg der preis- saison- und kalenderbereinigte Kettenindex (2000 = 100) der privaten Konsumausgaben des Statistischen Bundesamtes um “sagenhafte” +3,23%! Selbst nominal ging es bei den saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben nur um +12,33% seit Q1 2000 aufwärts, auf 358,76 Mrd. Euro im 2. Quartal 2010. Quelle Daten: Genesis.destatis.de/Datenbank

Mit dieser nominalen Steigerungsrate liegt Deutschland auch im internationalen Vergleich weit abgeschlagen hinten:

Die Steigerungsrate der bereinigten nominalen privaten Konsumausgaben von Q1 2000 bis Q2 2010 für Deutschland und einigen ausgewählten Volkswirtschaften laut den Daten von Eurostat. Quelle: Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

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