Kurze Zwischeneinschätzung

von am 23. April 2012 in Allgemein

Mit zwei LTROs (longer-term refinancing operations) der EZB in einem Bruttovolumen von knapp über 1 Billion Euro sollte die Geldpolitik gekoppelt mit einer Austeritätspolitik das Ruder in der Schuldenkrise der Eurozone herumreißen. Das vorläufige Ergebnis ist desaströs, die Geldpolitik befeuerte primär die Kapitalflucht und die Einlagefazilität des Eurosystems, der Interbankenmarkt liegt weiter darnieder und die Renditen der Staatsanleihen der Südperipherie-Staaten ziehen nach einer kurzen Verschnaufpause wieder an. Die Austeritätspolitik führte die Südperipherie direkt in die Rezession, Griechenland in eine schwere Depression und den Kern der Eurozone an den Rand einer Rezession. Die Rezession in der Südperipherie, Einkommens- und Konsumschrumpfungen, sinkende Investitionen und sinkende Wertschöpfung bringen auch die Bankbilanzen in die Bredouille, denn der Anteil der faulen Kredite steigt rapide und zusammen mit dem Einlagenschwund verdeutlicht dies, es handelt sich primär nicht um ein Liquiditätsproblem, sondern um eines der mangelnden Solvenz und des schwindenden Vertrauens.

Nach den LTROs ist wieder vor den LTROs, dies dokumentieren die erbärmlichen Aktienkurse europäischer Banken und damit deren Marktkapitalisierungen. Neue Tiefstände sind bereits wieder in unmittelbarer Sichtweite:

Die Entwicklung des europäischen Bankenindex, Euro Stoxx Banks seit Januar 1990 im Dailychart. Heute schloss der Bankenindex Europas mit -3,66% zum Vortag bei nur 87,92 Indexpunkten. Damit liegt der Bankenindex in unmittelbarer Nähe seines Tiefs vom 23.11.2011 mit 86,27 Punkten. Das Hoch hingegen wurde am 18.05.2007 mit 491,23 Indexpunkten markiert. Ein Einbruch bis heute von satten -82,1%! Der Euro Stoxx Banks spiegelt die größten 32 europäischen Banken gemäß Marktkapitalisierung wider.

Richtig übel sieht auch der spanische Aktienleitindex IBEX35 aus und dieser stellt sich damit ganz in den Kontext der spanischen Rezession, explodierenden Arbeitslosenzahlen, sinkenden Steuereinnahmen des Staates und wankenden Kreditportfolios spanischer Banken:

Die Entwicklung des spanischen Aktienleitindex IBEX35 seit Januar 1987 im Dailychart. Heute sank der Index um weitere -2,76% zum Vortag, auf  6’846,60 Indexpunkte. Seit dem Allzeithoch am 08.11.2007 mit 15’945,70 Indexpunkten hat der spanische Aktienleitindex -57,1% verloren und liegt nun ganz in der Nähe des Tiefs aus der Wirtschafts- und Finanzkrise am 09.03.2009 mit 6’817,4 Indexpunkten!

Ein weiterer kräftiger Malus, die Renditen für 1o-jährige spanische Staatsanleihen sind wieder über 6% und damit in der Todeszone. Heut schloss die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen bei 6,005%. Sollte, wo nach weiter aussieht, auch Spanien im Griechenland-Style versinken, wird es eine enorme Zuspitzung in der Eurozone geben, denn im Falle von Spanien sind die im Raume stehenden Summen und die potentielle Ansteckungsgefahr für Italien und Frankreich viel zu hoch, als das dies noch beherschbar wäre. Ihre Möglichkeiten hat die EZB bereits weitgehend ausgeschöpft und seitens der Politik verengen sich die Spielräume zusehend, denn die potentiellen Partner der Austeritätspolitik kommen Schritt für Schritt abhanden, siehe Frankreich und die Niederlande.

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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18 KommentareKommentieren

  • Frank - 25. April 2012

    Hallo Querschuss,

    ein paar Anmerkungen:

    “Die Geldpolitik befeuerte primär die Kapitalflucht”

    Nö, die Kapitalflucht findet ohnehin statt. Ohne die LTRO’s würde die Kapitalflucht aber die Gefahr von Bankenzusammenbrüchen mit sich bringen, dank den LTRO’s können die Banken in der Peripherie ihre Finanzierung sicherstellen. Man sollte übrigens auch mal hinzufügen, dass das, was wir im Moment an Kapitalflucht beobachten, ein laues Lüftchen ist im Vergleich zu dem, was bei einem Euro-Austritt Griechenlands passieren würde. Denn die Kapitalflucht wird ja wesentlich befeuert durch die Angst vor Euro-Austritt und anschließender Abwertung. Das sollte all diejenigen bedenken, die entsprechende (Austritts-)Forderungen erheben.

    “Die Austeritätspolitik führte die Südperipherie direkt in die Rezession”

    Das mag stimmen, wenngleich sich die Frage stellt, ob man bei einem Staatsdefizit von 8,5 % des BIP (Spanien in 2011) von Austeritätspolitik sprechen sollte. Vor allem aber: all diejenigen, die gegen Austeritätspolitik sind, sollen doch bitte dazusagen, woher das Geld für zusätzliche Konjunkturprogramme kommen soll. Da gibt’s aus meiner Sicht genau zwei Möglichkeiten: die Notenpresse der EZB und die Steuerzahler in NDFL. Das übersehen auch diejenigen, die über den Zusammenbruch der niederländischen Regierung frohlocken (“Merkel verliert ihre letzten Freunde”): Geert Wilders mag gegen Sparmaßnahmen in Holland sein. Ganz sicher aber ist er gegen den Transfer holländischer Steuergelder in die Peripherie. Da sind mir die RICHTIG Linken fast sympathisch: die haben wenigstens ein grundsätzlich umsetzungsfähiges Alternativkonzept (Enteignung) – Hollande, Gabriel und Co. haben keines.

    “Die Renditen für 10-jährige spanische Staatsanleihen sind wieder über 6% und damit in der Todeszone”

    Wer sagt eigentlich, dass Zinssätze von über 6% tödlich sind?

    Viele Grüße

    Frank

    • Querschuss - 25. April 2012

      Hallo Frank,
      “Nö, die Kapitalflucht findet ohnehin statt. “….Nö, fände sie nicht, in Ermangelung an Zentralbankgeld der PIIGSBF-Banken, denn die Banken können ihre Transaktionen im Auftrag der Kunden via Target2 nur mit Zentralbankgeldguthaben vollziehen. Ist es nicht da, kann auch Guthaben (Kundeneinlagen) der PIIGSBF-Banken nicht per Target2 zu den DNLF-Banken transferiert werden.

      Es dürfte einen erheblichen Unterschied ausmachen, ob LTROs verwendet werden für Kredite an die Realwirtschaft, für Kredite im Interbankenmarkt, dann würden die Target2 Salden nicht steigen, sondern sinken, dem Kauf von Staatsanleihen zur Finanzierung des jeweiligen Staates oder eben wie jetzt in der Realität, zum Verbringen der Bankeinlagen mittels Zentralbankgeld innerhalb der Eurozone an die DNLF-Banken.

      Die 8,5% Staatsdefizit des BIPs Spanien scheinen nicht auf Austerität zu weisen, ….wenn man oberflächlich draufsieht ja, aber die Austerität führt zu Einkommens-, Konsum-, Investition- und Wertschöpfungsschrumpfung und damit auch zu sinkenden Steuereinahmen des Staates, eine Spirale die sich gegenseitig befeuert, in Griechenland mit einer kumulierten realen BIP-Schrumpfung von fast 20% zum Hoch, trotzdem lag das Staatsdefizit 2011 noch bei -9,1%. Sollte es gelingen die knapp -20 Mrd. Euro Staatsdefizit von 2011 weg zu sparen dürfte das BIP um weiter 10-15% schrumpfen und natürlich auch die Steuereinnahmen.

      “…..woher das Geld für zusätzliche Konjunkturprogramme kommen soll.” Guter Witz, es waren und sind hunderte Milliarden für die Banken und Gläubiger da, da dürften wohl 12 Mrd. Euro da sein für Investitionen in Wertschöpfung. Mit 12 Mrd. Euro hätte es bereits beim nominalen BIP bereits keine Schrumpfung gegeben und wenn Griechenland jemals wieder auf die Füße kommen soll muss investiert werden, natürlich in Wertschöpfung und nicht primär in den Konsum. Ohne industrielle Basis und Jobs und Einkommen gibt es kein Entrinnen aus der Krise.

      Die volkswirtschaftlichen Schäden und Kreditausfälle die generiert werden, wenn man an der bisherigen Strategie festhält, dürften weitaus höher zu gewichten sein, als die Austerität an realen Einsparungen generiert.

      Die 6% Todeszone behaupte ich, ist nicht fundiert, es können auch 7% oder etwas darüber. Aber klar dürfte wohl sein, bei einem schrumpfenden BIP in Spanien, über 23% Arbeitslosen, dürfte das letzte sein was dieses Land braucht, eine steigende Zinslast.

      Gruß Steffen

      • micdinger - 25. April 2012

        Treffende Antwort – Danke!

  • Bernd Klehn - 25. April 2012

    Lieber Steffen,
    ohne Dicke Bertha (LTROSs) hätte die Kapitalflucht aus Spanien so lange angedauert, bis Spanien kein Zentralbankgeld mehr gehabt hätte und somit Insolvenz wäre. Privatkatipal hätte also nicht in diesem Umfang fliehen können und in Spanien wäre schon lange ein Reset unter Privatkapitalmarktverlusten erfolgt. So erfolgt die Pleite später, heftiger und die öffentliche Hände der solventen Eurostaaten tragen die Verluste anstatt Privatanleger.

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 25. April 2012

      Hallo Bernd,
      keinen Widerspruch, sondern ganz meine Sicht.

      Gruß Steffen

      • Bernd Klehn - 25. April 2012

        Lieber Steffen,
        wo liegt dann aber der Ausweg für Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien mit über 100% Nettoauslandsschulden? Es bliebt nur die Insolvenz durch Zentralbankgeldmangel oder?

        Gruß

        Bernd

        • Querschuss - 25. April 2012

          Hallo Bernd,
          Insolvenz, Austritt, drastische Abwertung oder eben alimentiertes Siechtum mit der potentiellen Gefahr des (kommenden) Zusammenbruches der gesamten Eurozone. 100% Nettoauslandsverschuldung lassen sich nicht per Austerität, Abwertung nach innen auflösen. Oder eben ein koordinierter realwirtschaftlicher Aufbau der Südperipherie, aber ich weiß dies ist unter den gegebenen Verhältnissen unrealistisch.

          Gruß Steffen

      • Frank - 25. April 2012

        Hallo Steffen,

        o.k., das scheint mir dann ein semantische Frage zu sein. Wir können uns gerne darauf einigen, dass die LTRO’s die Kapitalflucht erlaubt haben, die ohne LTRO’s aufgrund von (Zentral-)Bankinsolvenzen nicht hätte stattfinden können.

        Viele Grüße

        Frank

  • Frank - 25. April 2012

    Hallo Querschuss,

    “Guter Witz, es waren und sind hunderte Milliarden für die Banken und Gläubiger da, da dürften wohl 12 Mrd. Euro da sein für Investitionen in Wertschöpfung. Mit 12 Mrd. Euro hätte es beim nominalen BIP bereits keine Schrumpfung gegeben ”

    Woher kommen die 12 Mrd. EUR? Allein das BIP von Griechenland ist im Zuge der Krise um ca. 50 Mrd. EUR gesunken (20% von 250 Mrd. EUR). Und Griechenland ist ja nur ein kleiner Teil des Problems – Ausgangspunkt der Diskussion war Spanien. Die Wirtschaftsstruktur, die sich dort bis 2008 herausgebildet hat, basiert auf jährlichen Kapitalimporten von knapp 100 Mrd. EUR. (Der BIP-Rückgang kommt dann noch dazu.) Investitionen in Werschöpfung haben auf die Nachfrage in den PIIGSGF übrigens nur wenig Einfluss – dort werden nämlich nur wenige Investitionsgüter hergestellt. Eine Stabilisierung der Nachfrage insbesondere in Griechenland funktioniert nur über eine Ankurbelung des Konsums – ganz abgesehen davon, dass es unmöglich ist, die Verwendung von nach Griechenland transferierten Geldern wirksam zu kontrollieren – das kann noch nicht mal die griechische Regierung.

    Um den Rückgang der privaten Nachfrage in den PIIGSBF auch nur halbwegs auszugleichen, wären gewaltige Transfers von deutlich über 100 Mrd. EUR p.a. erforderlich. Diese Summe würde von Jahr zu Jahr steigen, denn ein funktionierendes System wird natürlich ausgebaut.

    Noch etwas: wie hoch ist eigentlich die Summe, die Deutschland effektiv zur Rettung seiner Banken ausgegeben hat?

    Die Frage der Kapitalflucht beschäftigt mich: warum sollte ich als Sparer nicht mein Geld von einer PIIGSBF-Bank abziehen und dann auf ein Konto bei einer NDFL-Bank einzahlen können? Weil die die PIIGSBF-Bank kein Geld mehr hat? Das meinte ich mit Bankzusammenbrüchen …

    Viele Grüße

    Frank

  • M.E. - 25. April 2012

    “Todeszonen” können von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Die Untergrenze dieser Zone hängt ganz vom kumulierten gesamtgesellschaftlichen Verschuldungsstand ab, in zweiter Linie noch vom Verschuldungsgrad gegenüber dem Ausland, der durchschnittlichen Laufzeit der Bonds und von der Staatsquote.

    Japan hätte z.B. schon Probleme mit Zinssätzen von 3,5…4,0% auf seine Staatsanleihen – da würde bei denen die Todeszone beginnen.
    Im Falle Italien könnte diese Zone tatsächlich schon bei 6% beginnen, wenn diese Zinssätze von längerer Dauer sind, während Spanien auf Grund der noch geringeren kumulativen Staatsverschuldung noch etwas höhere Zinsen aushält.

    Japan hat auf Grund seines geringen Anleihenanteils in ausländischer Hand bis auf weiteres noch den Vorteil sehr niedriger Bondzinsen, kann also seine astronomischen Schulden noch finanzieren. Aber wehe, wenn der Trend zu Außenhandelsdefiziten anhält – dann könnte es schnell eng werden.

    Kurze durchschnittliche Laufzeiten sind ein Problem, weil sich steigende Zinsen sich schneller in größere Anleihenanteile durchfressen und weil das ständige Refinanzierungsvolumen höher ist.
    Hier hat z.B. Großbritannien einen gewissen Vorteil wegen seiner immer noch sehr langen Laufzeiten, während die USA als Land mit den kürzesten durchschnittlichen Laufzeiten zukünftig ein Problem hat.
    Insgesamt gibt es überall den Trend zu immer kürzeren Laufzeiten. Nicht nur bei Staatsanleihen, sondern auch bei Bankanleihen. Das wird neben dem ansteigenden Schuldenniveau die Situation zusätzlich brisanter machen.
    Langfristige Schulden kurzfristig zu finanzieren ist immer probematisch. Das wissen wir spätestens seit dem Kollaps der DEPFA, die eigentlich ein solides Geschäftsmodell hatte und trotzdem eine wesentliche Ursache für die Insolvenz der HRE war. Die hatten die Probleme mit kurzfristigen Finanzierungen langfristiger Schulden nämlich nicht berücksichtigt.

    Und zur Staatsquote: je geringer diese ist, desto höher ist der Anteil der Zinslast an den staatlichen Gesamtausgaben. Das ist dann ein Problem, wenn eine relativ niedrige Staatsquote ideologisch festgezurrt ist, wie in den USA. Ist sie nicht ideologisch festgezurrt, ist sie hingegen ein Vorteil, weil eine Erhöhung der niedrigen Staatsquote das Neuverschuldungsproblem lösen könnte. Natürlich mit der nachteiligen Konsequenz, dass weniger BIP-Anteil für den Konsum und für Investitionen übrig bleiben. Es hat eben immer alles seine zwei Seiten.

    Man sieht – sehr komplex, dieses Thema der individuellen Todeszonen.

  • M.E. - 25. April 2012

    Korrektur zum 2. Satz: der Beginn der Todeszone hängt natürlich in erster Linie vom gesamtSTAATLICHEN Verschuldungsstand ab.

  • chris - 25. April 2012

    Was genau an Jobs und industrieller Wertschöpfung schwebt dir denn vor?
    Ist alles Theorie, auch Defaklion scheint es nicht zu schaffen gute Kalte Fusions Geräte mit der Rossi Technologie zu produzieren. Die Modelle der Konkurrenz scheinen besser zu sein.

    • Querschuss - 25. April 2012

      Hallo Chris,
      ein Totschlagargument, hätte man 1995 bei China und anderen asiatischen Ländern auch sagen können, ich bin nicht vor Ort in Griechenland, auch da dürfte es Firmen und deren Produkte geben, wo es sich lohnen kann zu investieren oder eben im Bergbau, Solarenergie, Windkraft oder Sonstiges. Griechenland pauschal jegliche Entwicklung abzusprechen ist übertrieben, sicher hingegen ist – ohne Investitionen geht nichts. Soll ja vielleicht auch eine selbsterfüllende Prophezeiung darstellen. Niemand investiert und hinteher sagen alle, siehste habe ich dich immer gesagt in Griechenland geht nichts.

      Wenn allgemeiner Konsens sein sollte, in Griechenland geht es nicht, dann kann die Schlussfolgerung nur lauten: Austritt und radikale Abwertung oder wie lange will man noch Monat für Monat uneinbringbaren Forderungen Deutschlands auftürmen und das Problem beschränkt sich ja leider nicht auf Griechenland

      Gruß Steffen

  • Querschuss - 25. April 2012

    Hallo Frank,
    ich bleibe mal bei Griechenland, weil die Daten es so eindrucksvoll hergeben.
    Griechenland: nominales BIP 2010: 227,318 Mrd. Euro/2011: 215,088 Mrd. Euro
    Differenz 2010 zu 2011: -12,230 Mrd. Euro

    Sieht man sich die Verwendungsrechnung des BIPs an, zeigt dies klar, es dürfen wenn Staatsausgaben und privater Konsum schon sinken, nicht auch noch die Investitionen sinken, das der Außenhandel so schwach ist, das der Außenbeitrag die Einbrüche unmöglich kompensieren kann, wie auch ohne vorherige Investitionen in künftige Wertschöpfung und Export. Übrigens ist der deutsche Export bei Waren und Gütern pro Kopf der Bevölkerung 7 mal höher als in Griechenland, unhaltbare Ungleichgewichte innerhalb eines gemeinsamen Währungsraumes.

    Zur Verwendungsrechnung im Detail:
    Nominales BIP 2011 (215,088 Mrd. Euro) = privater Konsum (162,320 Mrd. Euro) + staatlicher Konsumausgaben (37,535 Mrd. Euro) + Bruttoinvestitionen (31,259 Mrd. Euro) + Außenbeitrag aus Export (51,665 Mrd. Euro) – Import (67,691 Mrd. Euro)
    Wovon reden wir eigentlich, von Bruttoinvestitionen in eine unterentwickelte Volkswirtschaft von gerade mal 14,53% des nominalen BIPs, eines BIPs das sich in Kontraktion befindet. Dagegen die Bruttoinvestitionen von Deutschland 2011: 36,16% des nominalen BIPs!

    Noch kurz abschweifend, selbst die griechischen Staatsausgaben lagen 2011 im Verhältnis zum nominalen BIP niedriger als in Deutschland:
    Staatsausgaben Griechenland 2011: 17,45%
    Staatsausgaben Deutschland 2011: 19,56%
    Zurück zu meiner These, dass bei den Rettungspaketen 1 und 2 für Griechenland, primär Gläubiger und Banken-Bailouts, in Höhe von 245 Mrd. Euro 2011 durchaus mal 12 Mrd. Euro für Investitionen hätten möglich sein müssen!

    Bruttoinvestitionen Griechenland 2011: 31,259 Mrd. Euro +12,230 Mrd. Euro = 43,489 Mrd. Euro
    Damit hätte es keinen nominalen BIP-Einbruch gegeben, dieser wäre genau mit den Investitionen kompensiert worden. Selbst 43,489 Mrd. Euro Bruttoinvestitionen hätten bei einem adäquaten BIP von 2010 auch nur 19,13% des griechischen nom. BIPs entsprochen, immer noch deutlich weniger als die 36,16% des nom. BIPs von Deutschland 2011 und auch noch deutlich weniger als die Investitionen in Griechenland 2007 mit 57,231 Mrd. Euro.

    Es dürfte einleuchten das die Investitionen in eine unterentwickelte Volkswirtschaft in Prozent des BIPs nicht nur halb so hoch sein können, als die Investitionen in einer entwickelten Volkswirtschaft wie Deutschland, wenn das Ziel lauten sollte Ungleichgewichte abzubauen!

    Also nochmal wovon reden wir, es gibt innerhalb des Euro, soll die Eurozone nicht zusammenbrechen, gar keine Alternative als Investitionen und Wachstum in der Südperipherie anzuschieben, zumal diese im Falle von Griechenland trotz zusätzlicher 12 Mrd. immer noch gravierend unter dem Verhältnis zum nom. BIP von Deutschland liegen würde.

    Gruß Steffen
    Quellen:

    https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VGR/Inlandsprodukt/Tabellen/VerwendungBIP.html?nn=50694

    http://www.statistics.gr/portal/page/portal/ESYE/BUCKET/A0704/Other/A0704_SEL84_TS_QQ_01_2000_04_2011_03_P_EN.xls

  • chris - 26. April 2012

    Hallo,
    die furchtbaren Spargel Windkraft und uneffektive Solarenergie?
    Das stellen sich die Menschen immer so einfach vor.
    Und China mit Griechenland zu vergleichen naja.
    Klar ist es ein Totschlagargument, aber so richtig überzeugen tut mich das nicht, dieses
    mal schnell ein paar Solaranlagen aufbauen.
    Denke gibt bessere Alternativen.
    Warum werden wohl gute Erfindungen unter Verschluß gehalten.
    Außerdem hat Rossi schon einen Kalte Fusionsreaktor entwickelt.
    Mal sehen ob man dadurch die Energiemafia kitzeln kann.

    Die Griechen brauchen keinen Konsumquatsch genießen ihre Sonne und Strände, müssen keine Maschinen bauen die Konsolen produzieren und Ipads und Handys und so ein Kram.
    Höchstens es investiert ein anderer dort.

  • chris - 26. April 2012

    Esst mehr mediterrane Kost. Olivenöl, das gibt Wachstum.
    Bis jetzt hab ich noch nirgendwo was konkretes gelesen, wie denn das viel gepriesene Wachstum angekurbelt werden soll.
    Ketzerisch: Was kann man den Leuten unterjubeln was sie eh nicht brauchen.
    Ich denke an der Technologie scheitert es eher nicht, sondern an den dicken Lobbyisten die ihre Vormachtstellung beibehalten wollen. Dadurch kein so schneller Durchbruch bei Energie z.B.

    • Querschuss - 26. April 2012

      Hallo Chris,
      wenn man pauschal der Südperipherie, jegliche wirtschaftliche Entwicklung abspricht, wie du es tust, dann muss man konsequenter Weise auch feststellen, das diese Länder mit Deutschland in einer Währungsunion nichts zu suchen haben.

      “Die Griechen brauchen keinen Konsumquatsch genießen ihre Sonne und Strände, müssen keine Maschinen bauen die Konsolen produzieren und Ipads und Handys und so ein Kram.” Das behauptest du, wie ist denn dann die hohe Nettoauslandsverschuldung entstanden, da Griechenland über die eigene Leistungsfähigkeit hinaus konsumiert hat und leider nicht investiert! Es gibt jetzt nur zwei Möglichkeiten, den Konsum an die Leistungfähigkeit anzupassen = Austerität, Depression, Abwärtspirale, Kreditausfälle, sinkende Steuereinahmen usw.. Oder eben die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft anheben, dies sollte bei einem sehr niedrigen Exportvolumen von 1,6 Mrd. Euro im Monat, eigentlich kein großes Problem sein, bei entsprechenden Investitionen, diese Volumen zu steigern. Schließlich exportiert man pro Kopf der Bevölkerung nur ein Siebtel wie Deutschland.

      Einen detailierten Plan habe ich nicht zur Hand, wie auch, ich bin nicht in Griechenland vor Ort, habe keine detaillierte Kenntnisse und entsprechende Partner oder Einfluß vor Ort, um die Makro-Sicht auf die Mikro-Ebene konkret zu übertragen.

      Man muss nicht ins Detail gehen um pauschal festzustellen, das eine unterentwickelte Volkswirtschaft mit zweistellig rückläufigen Raten bei den Investitionen nicht flott zu machen ist.

      “Esst mehr mediterrane Kost. Olivenöl, das gibt Wachstum.” …ist angesichts der Situation und der betroffenen Menschen in Griechenland ein sehr armseliger Kommentar! Ich glaube nicht das darauf ausgerichtete Ernährung Deutscher aus Solidarität das Problem lösen würde.

      Gruß Steffen

    • dank - 27. April 2012

      So verführerisch das Thema Kalte Fusion auch ist, stehen da unabhängige Analysen der verschiedenen in den letzten 10 Jahren “vorgestellten”, eher fernpräsentierten Geräte aus. Bin sicher einer der ersten der in die Hände klatscht, wenn morgen im OnlineShop eines Discounters die ersten Geräte zu haben wären. Grundsätzlich sprech ich der Technologie nicht die Möglichkeit der Funktion ab. Aber bislang wurde unabhängig nichts belegt, geschweige denn patentiert. Da ist auch nur die Jagd nach dem großen Geld ausgebrochen. Jeden Tag steht ein Dummer auf, man muss ihn nur finden um ihm die funktionsuntüchtigen Geräte oder 24-month-run-fakes zu verkaufen…
      Die Nischen mit denen Club Med seine Wettbewerbsfähigkeit oder generell Industrie hochbringen kann, können meiner Ansicht nur die Länder / Unternehmer / Erfinder / Menschen dort selbst finden – und das werden sie müssen. Das Kapital würde dann von selbst wieder flugs den Weg dorthin aufnehmen. Von Außen initiiert wird das schwerlich zu machen sein. Dazu laufen mittlerweile viele der schlauen Köpfe aus den Ländern weg – die sehen fürs eigene Heimatland keine Zukunft; und das ist mal richtig traurig und ein Zeichen wie schlimm es steht.
      Wenn schon ein Veredeln, Entwickeln oder Herstellen von Produkten so nicht drin ist – dann vielleicht den Tourismussektor brutal verjüngen und konkurrenzlos aufrüsten und so das Geld ins Land locken?! Keinen Plan, wie auch, aber ich sitz eben nicht in den Ländern. Es hört sich alles immer so einfach an – aber bei den Entscheidungen kann nur die Selbsthilfe echte Früchte tragen.
      Mal ganz platt: Für viele in D ist das Auto oder die Technikvernarrtheit alles -> komischerweise haben auch die Industrien, die in D (noch) groß laufen, eben genau den Inhalt. Wird ein Teil der Lebensphilosophie zur Premiumindustrie? Wenns so ist, dann müssen auch die Club Meds was finden können. Und das ist schon mal gar nicht wertend gemeint. Auch in D sollte sich ein Tischler nicht als Maurer, noch umgekehrt, versuchen – da können beiden einen noch so guten Stand in ihrem echten Job haben.