Update Griechenland

von am 15. Juni 2011 in Allgemein

Nach ständig desaströsen Wirtschaftsdaten, auch als Folge der Austeritätsmaßnahmen, anhaltenden Protesten der Bevölkerung und einer sich anbahnenden handfesten Regierungskrise nimmt die organisierte Abwärtsspirale weiter an Fahrt auf. Die Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen zog heute auf ein neues Hoch mit 28,022%! Die Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen erklomm ebenfalls ein neues Hoch mit 17,726%!

Die Entwicklung der Rendite 2-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen seit Januar 2002 im Dailychart.

Die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps oder CDS) auf griechische Staatsschulden explodierten auch heute kräftig weiter um +182,86 bps zum Vortag. Die Versicherungsprämien für Protection Buyer von CDS auf griechische Staatsschulden mit 5-jähriger Laufzeit, schossen auf ein neues Rekordhoch, mit unglaublichen 1’938 Basispunkten, dies entsprach einer Versicherungsprämie von 1,938 Millionen Euro pro Jahr, um ein Volumen von 10 Millionen Euro zu versichern, laut den Daten der CMA. Die aktuelle CDS-Prämie entspricht einer kumulativen Ausfallwahrscheinlichkeit (CPD in %) von beachtlichen 76,87%!

Die CDS Prämien der Länder die vom Derivatemarkt für Kreditausfallversicherungen mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit gepreist werden. Gleich 3 Mitglieder der Eurozone liegen über bzw. in der Nähe des Levels von Venezuela, Pakistan und Argentinien!

Die Entwicklung des griechischen Aktienleitindex seit Januar 1991 im Dailychart. Der Athex Composite umfasst die größten und umsatzstärksten 42 Unternehmen Griechenlands und schloss heute bei nur noch 1242,05 Indexpunkten, auf dem tiefsten Stand seit Anfang 1997. Das Allzeithoch wurde am 13.10.1999 mit 6155,21 Punkten markiert. Die Marktkapitalisierung aller im Leitindex gelisteten 42 Unternehmen beträgt nur noch 39,27 Mrd. Euro.

Das griechische Finanzministerium teilte gestern die provisorischen Daten zum gesamten Staatshaushalt (General Government) für Januar bis Mai 2011 mit. Die Steuereinnahmen brachen um -7,2% zum Vorjahreszeitraum ein, auf 18,358 Mrd. Euro, während gleichzeitig die Ausgaben um +6,4% auf 27,592 Mrd. Euro anstiegen.

Das Staatsdefizit stieg in den ersten 5 Monaten 2011 um +12,9% auf 10,275 Mrd. Euro an, nach 9,100 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Eigentlich war im Budget 2011 ein Schrumpfen des Defizits von -3,9% avisiert. Dies ist genauso Makulatur wie die angepeilten +8,5% bei den Steuereinnahmen für das Jahr 2011, stattdessen waren es -7,2% in den ersten 5 Monaten 2011.

Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) bereits am 13.06.2011 das langfristige Kreditrating griechischer Staatsschulden auf CCC herabstufte und damit auf die niedrigste Bonitätsnote von Staatsanleihen weltweit, senkte S&P heute konsequenter Weise auch das langfristige Kreditrating für 4 wichtige griechische Banken, die National Bank of Greece SA, die EFG Eurobank Ergasias SA, die Alpha Bank AE  und die Piraeus Bank SA auf CCC herab. Ein CCC-Rating steht für extrem spekulativen Ramsch und ist nur noch 4 Stufen über einem D (Default - Zahlungsausfall). Der Ausblick für alle 4 Banken ist negativ, denn laut S&P hat sich das Ausfallrisiko innerhalb der nächsten 12 Monate deutlich erhöht, vor allem wird ein weiterer Abfluss von Spareinlagen befürchtet und der hohe Anteil dieser Banken an griechischen Staatsanleihen moniert.

Die Entwicklung der saisonbereinigten breit gefassten Industrieproduktionsindizes (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren) von Januar 2000 bis April 2011 im Chart. Der Output der griechischen Industrie lag mit 75,94 Indexpunkten im April 2011 um -28,66% unter dem Hoch von August 2000 und sogar um -7,6% unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau des Jahres 1995.

Im Chart die saisonbereinigten Inlandsaufträge der griechischen Industrie von Januar 2000 bis März 2011. Im März 2011 sanken die saisonbereinigten Inlandsaufträge um -7,3% zum Vormonat auf 62,92 Indexpunkte. Zum Hoch im Juni 2008 betrug der Einbruch -47%!

Reloaded: Depression pur!, Griechenlands Arbeitlosenquote auf Rekord mit 16,2%, Griechische reale Einzelhandelsumsätze mit -17,5% im März, Griechenlands Staatsschulden in Q1 2011 bei 354,54 Mrd. Euro, Fakten zur Griechenland-Debatte 

Die wirtschaftliche Situation in Griechenland ist nahezu hoffnungslos, Griechenland kann mit Rettungspaketen in der bisherigen Form nicht gerettet werden. Im Gegenteil, die an die Rettungspakete gekoppelten Sparmaßnahmen haben eine beispiellose Abwärtsspirale ausgelöst, statt Wachstumskräfte und Wertschöpfung zu aktivieren wurde wirtschaftliche Kontraktion organisiert. Die Märkte, ablesbar an den Renditen  für griechische Staatsanleihen, den Prämien für CDS und den gebeutelten Aktienmarkt, preisen die Pleite Griechenlands bereits komplett ein. Ein Festhalten am Euro ist gleichbedeutend mit einer dauerhaften Transferunion, denn unter dem Korsett des Euro ist eine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands unmöglich!

Quellen Daten: Cmavision.com/Market-Data, Bloomberg.com, Minfin.gr/PDF State Budget Januar-Mai 2011, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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