Leiharbeit im September auf Rekord
Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gab gestern die Zahl der deutschen Leiharbeitnehmer für den Monat September 2010 bekannt. Die Daten beruhen auf die an das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Auftrag gegebene Fortschreibung der amtlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Leiharbeitnehmer stieg im September um +3,1% bzw. um +28’000 zum Vormonat und um +39% zum Vorjahresmonat bzw. um +258’886 auf 921’000!
Die Entwicklung der Zahl der Leiharbeitnehmer bis Dezember 2009 laut der Zeitreihe der Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Fortschreibung der Daten durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bis September 2010. Quelle Daten bis Dezember 2009: Arbeitsagentur.de/Statistik, Fortschreibung bis September 2010: Bza.de
BZA-Präsident Volker Enkerts meinte zu den Zahlen: „Zeitarbeit ist eine tragende Säule des Aufschwungs auf dem Arbeitsmarkt und der Konjunkturentwicklung geworden.”
Damit wird ein weiteres Mal deutlich, welche Qualität sich hinter dem Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt verbirgt. Zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Leiharbeitnehmer um +258’886, wir erinnern uns im September 2010 war die Arbeitslosigkeit um -315’105 im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Alleine 82,2% des Abbaus der Arbeitslosigkeit in Deutschland ging also auf das Konto der zunehmenden Leiharbeit, von den Effekten aus statistischen Beschönigungen auf die sinkende Arbeitslosenzahl mal ganz abgesehen. Der Aufschwung generiert ein “Arbeitsmarktwunder”, bestehend aus befristeten und schlecht bezahlten Jobs. Drei Viertel der Leiharbeitnehmer sind bei den Mitgliedern des BZA beschäftigt, für die Mitgliedsunternehmen gilt ein Tarifvertrag, abgeschlossen mit dem DGB. Seit dem 1. Juli 2010 beträgt der Bruttostundenlohn der Entgeltgruppe 1 West 7,60 Euro. Für den Osten gelten 6,65 Euro Bruttostundenlohn. Beim drohenden Einbruch der deutschen Exporte in den nächsten Monaten werden die Leiharbeitnehmerjobs genauso schnell wieder verschwinden, wie sie in den letzten Monaten entstanden sind.
Deshalb ein “Toll”, an die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik welche zu dem “grandiosen” Aufschwung im Niedriglohnsektor führte und gleichzeitig über den massiven Export von Waren und Güter, die Arbeitslosigkeit in die Defizitländer exportierte. Auch ein “Toll” an den DGB für den Tarifvertrag mit dem BZA und ein weiteres “Toll” dafür, dass sich auch “Dank” der Gewerkschaften die durchschnittlichen “Reallöhne” aller Arbeitnehmer in Deutschland auf dem Niveau wie vor 19 Jahren bewegen.
Der hohe Anteil der Leiharbeit beim Jobwachstum und die geübte Lohnzurückhaltung in der Breite, waren und sind die tragenden Mittel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Da es in der Südschiene Europas genau andersrum zu ging und sich damit unhaltbare Ungleichgewichte im gemeinsamen Währungsraum aufbauten, wird nun auch offen von der EZB thematisiert, wobei der deutsche Anteil am Entstehen des Ungleichgewichtes ausgespart wird: “Unter dem Schutzschirm des Euro hätten sich in den vergangenen Jahren große Ungleichgewichte in den Mitgliedsländern aufgebaut”, sagte Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), auf der Konferenz des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) in Berlin. So seien die Löhne in Randstaaten der Euro-Zone, beispielsweise in Griechenland, geradezu explodiert. Nun müsse rasch gegengesteuert werden. “Wenn nicht rechtzeitig reagiert wird, müssen wir einen hohen Preis bezahlen”
Die prozentuale Entwicklung der nominalen Lohnstückkosten ausgewählter Länder aus der Eurozone und weiterer entwickelter Volkswirtschaften von Q1 2000 bis Q2 2010.
Die prozentuale Entwicklung der nominalen Arbeitnehmerentgelte ausgewählter Länder aus der Eurozone und weiterer entwickelter Volkswirtschaften von Q1 2000 bis Q2 2010.
Die prozentuale Entwicklung der privaten Konsumausgaben ausgewählter Länder aus der Eurozone und weiterer entwickelter Volkswirtschaften von Q1 2000 bis Q2 2010.
Die Entwicklung der realen Konsumausgaben der privaten Haushalte (blau), des realen Exportvolumens (rot) und der realen Arbeitnehmerentgelte von Q1 2000 bis Q2 2010 (Jahr 2000=100) in Deutschland.
Quelle Daten: Bza.de/Pressemitteilung, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank
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