Nachschlag zum goldenen Herbst
Nachdem gestern hier bereits ein realistischeres und kritisches Bild zum Goldenen Konjunktur-Herbst? gezeichnet wurde, nun noch ein weiterer deutlicher Hinweis auf die Qualität der beschworenen Einkommenszuwächse der Arbeitnehmer. Im Monatsbericht November 2010 der Bundesbank ist das Lohnsteueraufkommen für das 3. Quartal 2010 mit 30,4 Mrd. Euro beziffert worden. Trotz Jobwunder und angeblichen Lohnsteigerungen sanken die staatlichen Einnahmen aus der Lohnsteuer um -5,3% zum Vorjahresquartal! Ein weiterer Fall von wahrgenommener kognitiver Dissonanz aus der gelebten Realität, an Hand belastbarer Wirtschaftdaten und der Propaganda u.a. mit den Stimmungsindikatoren von Ifo, Gfk und Co in den Medien.
Das Steueraufkommen laut Bundesbank im 3. Quartal 2010. Bei der Lohnsteuer ging es im breiten Zeitraum Q1 bis Q3 2010 sogar um -5,5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum abwärts. Auch insgesamt spiegelt das gesamte Steueraufkommen mit einer Steigerung von +1,1 Mrd. Euro bzw. um +1% zum Vorjahresquartal, auf 116,7 Mrd. Euro, nur bedingt die Jubelstimmung wider. Quelle Daten und Tabelle: Bundesbank.de/Monatsbericht/November 2010 PDF Seite 69
Deutschland bleibt sich weiter treu und verharrt in der Voodoo-Matrix, es exportiert seine Waren und Güter in der Realität gegen zum Teil wertlose Schuldscheine und schafft es in der medialen, virtuellen Welt die Löhne bei sinkenden Lohnsteueraufkommen zu steigern. Chapeau, das ist wirklich XXL!
Die Lohnsteuereinnahmen je Quartal seit Q1 2000. Die Daten sind vom Statistischen Bundesamt bis Q1 2010, Quelle: Genesis.destatis.de/Datenbank Code: 71211-0001 und von der Bundesbank für Q2 und Q3 2010. Der “Aufschwung” beim Lohnsteuereinkommen von 35 Millionen Arbeitnehmern ist deutlich sichtbar!
Deutlich wird, wie bereits bei den Realeinkommen der Arbeitnehmer im gestrigen Artikel dargestellt, dass auch die Entwicklung des Lohnsteueraufkommens weniger als eine Nullnummer seit Q1 2010 ist. Um den Trend noch besser zu verdeutlichen, wegen den Ausreißern im 4. Quartal (Weihnachtsgeldzahlungen), hier noch an Hand der Originaldaten der errechnete gleitende 4 Quartalsdurchschnitt:
XXL und Qualität vieler Jobs in Aktion!
Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) spukt ebenfalls einen Saison- und kalenderbereinigten Datensatz zur Lohnsteuer aus. Zwar differieren die Summen, da der Datensatz nur aus den nominalen Bruttolöhnen und -gehältern hergeleitet ist, aber der Chartverlauf ähnelt dem Chart mit den gleitenden 4 Quartalsdurchschnitten:
Boom, Du bist entlarvt! Quelle Daten: Destatis.de/Datenbank, Code: 81000-0008
Eine ernst zu nehmende Berichterstattung zu volkswirtschaftlichen Themen findet kaum noch statt. Wirtschaftsforschungs- und seine “Meinungs”-Institute, die Politik und große Teile der Medien betreiben plumpe Propaganda und pfeifen auf Wahrhaftigkeit, wie man an der mangelnden Datenkonsistenz erkennt. Ein Trauerspiel – aber vielleicht bekommen die Deutschen ja auch nur die Medien und Beglückungsinstitute, ob bei Wirtschaftsforschung, Banken und anderem, die sie verdienen.
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