“Occupy Wall Street” oder: “Was gut ist für JP Morgan, ist gut für Amerika?”

von am 6. Oktober 2011 in Allgemein

In Europa hat die Schieflage der belgisch-französischen Großbank Dexia die Politiker alarmiert. Die Aktienmärkte sind nach wochenlanger Talfahrt in eine Phase starker Volatilität eingeschwenkt und drohen, noch weiter einzubrechen. Negative Entwick-lungstendenzen gibt es wahrlich genug, in Europa, in den USA. Zu rechnen ist aber ebenso mit krisenverschärfenden Entwicklungen andernorts, die bisher kaum oder gar nicht als solche wahrgenommen werden – in China zum Beispiel.

Schauen wir zunächst einmal exemplarisch auf die USA, so hat man trotzdem nicht den Eindruck, als wären die Abgeordneten, die ohnehin schon seit geraumer Zeit den Kontakt zu den Bürgern, die sie wählten, verloren haben, wieder in der Realität angekommen.

Eher wie ein schwaches Glimmen im Dunkeln wirkt – zumindest vorerst – die aus den Leidtragenden in der US-Bevölkerung scheinbar völlig ungeplant erwachsende Protestbewegung „Occupy Wall Street“ (1). Seit etwa drei Wochen zieht dieser bunt zusammen gewürfelte, aber wachsende Haufen gegen verantwortungslose Banker und Politiker auf die Straßen großer US-Städte und vor Großbanken, um gegen deren unheilige Allianz zu protestieren. Es ist ein Protest gegen diese Allianz aus Politik und „Big Business“, auf deren Treiben die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich sowie die voranschreitende Verarmung und der Niedergang des amerikanischen Mittelstandes zurückgeht – auch wenn die Mainstream-Medien den Anschein erwecken wollen, als sei nicht klar, worum es den Demonstranten eigentlich gehe.

Aber auch der selbstkritische, offensichtlich vor allem als Weckruf an den US-Kongress gerichtete Hinweis Ben Bernankes, Geldpolitik sei zwar ein mächtiges Mittel, könne aber kein Patentrezept sein – Wachstums- und Arbeitsmarktpolitik liege in der Verantwortung aller politischen Institutionen (2), zeigt, dass die US-Abge-ordneten noch immer nicht in der Realität angekommen sind. Ihre reale Welt, das ist das Innere des Capitols.

Der Kongress kreist um sich selbst – nein, man muss es weiter fassen und Abgeordnete von Parlamenten in den Industriestaaten einschließen: die Politik kreist um sich selbst.

Wir hatten das schon – hier in Deutschland. Erinnern wir uns: Die Frankfurter Zeitung brachte es in der Ausgabe vom 15.09.1930 zum Ausgang der Reichstagswahlen vom 14.09.1930, die den Nationalsozialisten massive Stimmengewinne brachte, wie folgt auf den Punkt:

„ … Ein solcher Umsturz-Wille ist, wir dürfen uns wahrhaftig nicht in Illusionen wiegen, bei einem Teil sicherlich vorhanden. Der andere Teil hat lediglich Protest gewollt. Protest – auch darüber dürfen wir uns keine Illusionen machen, und am allerwenigsten dürfen das diejenigen Parlamentarier und sonstige Parteistellen, die es zunächst angeht – gegen die Methoden des Regierens oder Nichtregierens, des entschlußlosen parlamentarischen Parlamentierens der letztvergangenen Jahre, die jedem anderen mißfallen haben als den Parlamentariern, die sie betrieben. Protest gegen die wirtschaftliche Not, die furchtbar ist und die viele, zum Teil aus ehrlicher Verzweiflung zum anderen bloß aus dem Ärger über diese oder jene Einzelmaßnahme, einfach in die Stimmung treibt: die Partei, für die sie bisher gestimmt hatten, habe ihnen nicht geholfen, also versuche man es nun einmal mit der anderen Tonart. …“

Wörtlich aus dem Leitartikel der Frankfurter Zeitung vom 15.09.1930, Nr. 688, zitiert nach W. Conze, „Der Nationalsozialismus“, Teil I, Stuttgart, 6. Aufl. 1972, RZ 54, S. 38-39.

So steht es in den Geschichtsbüchern geschrieben – als Mahnung, die in Ver-gessenheit geraten ist und nicht nur bei uns, sondern in den Industriestaaten und ganz besonders auch in den USA. Es passt auf „Occupy Wall Street“ und ebenso auf Bernankes Aufruf.

Die Abgeordneten sind noch immer nicht in der Realität angekommen.

Es bedeutet, dass sie sich nach wie vor einzig und allein und mit ganzer Kraft für den Erhalt des bisherigen, aber mit so viel negativen Folgen und insgesamt zum Kollaps tendierenden Systems der Wirtschaft, dessen Kern gerade die Allianz aus „Big Business“ und Politik ist, einsetzt. Wofür diese Politik, dieses System steht, das war schon in den achtziger Jahren vollkommen klar zu erkennen und Lee Iaccoca, der berühmte und von angehenden Managern als Idol verehrte Chef vom damals glanzvollen US-Automobilkonzern Chrysler, hat dies einmal auf ein kurze und prägnante Formel gebracht: „Was gut ist für Chrysler, ist gut für Amerika.“

Und das ist auch aktuell die noch immer gültige Botschaft, die in beliebiger Form abgewandelt werden kann, in dem man an die Stelle von Chrysler etwa die „Bank of America“, „JP Morgan“, „General Electric“, „Intel“ oder „Siemens“, „Daimler“, die „Deutsche Bank“ oder „Société Général“ usw. setzt.

Sie ist von der Realität längst wiederlegt – was keine Rolle spielt, bei Politikern, die nur in ihrer eigenen Realität leben und entscheiden.

Und weil sich die Finanzmarktkrise erneut verschärft und wieder einmal an erster Stelle die Großbanken bedroht, sind es auch wieder die Großbanken, die die Politik retten will – auf Kosten und zu Lasten der Allgemeinheit. Und niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass es dabei bleiben wird. Wenn die Realwirtschaft mit Verzögerung ebenfalls wieder in den Abwärtssog gerät, dann werden es die Großunternehmen oder „National Champions“ sein, die die Politik mit viel Geld zu retten versuchen wird.

Die Abgeordneten werden erst dann in der Realität angekommen sein, wenn sie sich eingestehen, dass dieses System der Wirtschaft gar nicht erhalten werden kann, weil es im heutigen, fortgeschrittenen Entwicklungsstadium ohne staatliche Hilfe nicht mehr lebensfähig ist und, was schwerer wiegt, mit dem Ziel einer prosperierenden Gesamtwirtschaft und Gesellschaft nicht mehr in Einklang zu bringen ist – im Gegenteil.

Die Abgeordneten werden erst dann in der Realität angekommen sein, wenn sie beginnen, aktiv und zielgerichtet die Weichen für ein anderes, weniger auf das „Big Business“ gestütztes Wirtschafts- und Finanzmarkt-System zu stellen, das nicht weniger, sondern mehr „marktwirtschaftlich“ ist. Es ist ja geradezu absurd, wenn Abgeordnete das bestehende wirtschaftliche System als „die Marktwirtschaft“ verteidigen und alles andere – pointiert ausgedrückt – als „Sozialismus“ verteufeln. Wenn man ihnen in den Parlamenten und in Talk Shows zuhört, hat man nicht den Eindruck, dass sie überhaupt noch wissen, was „marktwirtschaftlich“ ist und was nicht.

Denn eine „Marktwirtschaft“, die allein vom Wettbewerb unter den Marktakteuren gesteuert wir, gibt es nicht oder nur in wirtschaftsliberalen Theorien. Gerade das ist ja die zentrale Lehre, die jeder für sich aus der Finanzmarktkrise längst gezogen haben müsste. Denn dass es nach einer langen, Dekaden währenden Phase der Deregu-lierung und Liberalisierung zur Finanzmarktkrise gekommen ist, beweist, dass „der Markt“ offensichtlich nicht über „Selbstregulierungskräfte“ verfügt. Und die erfolglosen, um nicht zu sagen zwangsläufig desaströs verlaufenden Versuche, Schuldenstaaten gesund zu sparen – was erneut nichts anderes ist, als die Befolgung dieser wirtschaftsliberalen, aber falschen Doktrin von den Selbstregulierungs- und Selbstheilungskräften des Marktes – sind erneut der Beleg dafür, dass sie nicht oder zumindest nicht prinzipiell existieren: In einer Wirtschaft, die von großen Ungleich-gewichten im Kräfteverhältnis der Marktakteure geprägt ist, mit jeweils wenigen großen Playern, führt Wirtschaftsliberalismus nicht zu einer stabilen, prosperierenden Wirtschaft, sondern zu einer Verschärfung der Ungleichgewichte und zunehmender Instabilität.

Das hätte schon unmittelbar nach der Lehman-Pleite erkannt werden können und als Anlass für einen Kurswechsel der Politik genommen werden müssen. Doch nichts dergleichen ist geschehen. Im Gegenteil, die verantwortlichen Politiker in den Industriestaaten agieren bis heute nach dem Motto: Jetzt erst recht!

Vielleicht lässt sich Schlimmeres nicht mehr verhindern, aber immerhin könnte das Schlimmste vielleicht immer noch verhindert werden – allerdings nicht mit (einer undifferenzierten) Konjunkturstimulierung, denn die adressiert ebenso wie der Wirtschaftsliberalismus nicht die Wirtschafts- und Finanzmarktstrukturen. Weil jedoch so lange nichts unternommen wurde und die größten Konzerne in vielen Sektoren in den vergangenen Krisenjahren noch größer, noch dominanter und unter volkswirt-schaftlichen Gesichtspunkten noch gefährlicher geworden sind, wird es mithin wohl unumgänglich sein, einige der wankenden Riesen zu entflechten und zu zerlegen. Zugleich muss der Fokus der Politik auf den Mittelstand gerichtet werden – in der Wirtschaft und vor allem auch in der Gesellschaft. Es mag sein, dass es für viele immer noch zu früh ist, das zu sehen. Aber das ist es wohl, was uns der Protest „Occupy Wall Street“ oder anders gewendet vielleicht auch die „Stimme des Volkes“ sagen will.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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56 KommentareKommentieren

  • Russe - 6. Oktober 2011 Antworten

    >>Der andere Teil hat lediglich Protest gewollt<<

    Dieser Teil nach Lenin sind "nützliche Idioten". :-) Einfach Chips und Bier holen und abwarten bis sich allerlei "Revolutionäre" gegenseitig abgeschlachtet haben. Die Schlange beißt sich ja nicht umsonst in den eigenen Schwanz.

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    Wenn wir eine ökonomische Systemkrise haben und die haben wir meines Erachtens, dann ist die Ohnmacht der Agierenden nur die Folge DIESER Krise!
    Jegliche Versuche einzelne Gurppen, Banker oder Politiker, in Ihrem vermeintlichen Fehlverhalten über zu betonen, führt in die falsche analytische Richtung und suggeriert das der Schlamassel, indem wir stecken, nur die Folge wäre von Leuten, die 1. zu blöd sind, die Lage zu checken oder 2. zu raffgierig seien.
    So ein Ansatz lässt den Kapitalismus, genannt Marktwirtschaft (meint Gewinne erwirtschaften) in seinen GRUNDZÜGEN zumindest in einem guten Licht stehen!
    Das führt dazu, dass die Leute sagen: Der Kapitalismus hätte keine Systemkrise, sondern wäre von anderen Störungen ins Trudeln gekommen. Also das Zauberwort heisst dann: Refromen, Reformen, Reformen!

    Diese Argumentation gleicht den Anhängern der wirtschaftsliberalen Marktgläubigen, wie die Faust aufs Auge!

    Kurz: Der Kapitalismus als strukturelles Ordnungsprinzip von Produktions- und Konsumtätigkeit selbst IST das Problem!
    Sein Werkzeug sind die Preise zur Herstellung der Produktions- und Konsumtätigkeit und die haben noch NIE irgendwas sinnvolles wiedergespiegelt! Weder ermitteln die Preise die tatsächliche Bedürfnislage der Menschen (z.B. Hungerkatastrophen), noch regulieren sie einen sinnvollen Umgang mit Resourcen und anderen Produktionsmengen (Siehe.: M.E.)! IMMER ist irgendwas zuviel eingepreist (z.B.: Luxusgüter), garnicht eingepreist (z.B.: Umweltschäden) oder spekulativ eingepreist (dafür muss ich in diesem Blog und seinen Lesern keine Beispiele nennen)! UNd wenn die Preise nie das tun, was sie eigentlich tun sollen, nämlich Angebot und Nachfrage in ein wohlfahrtsförderndes, ökologisch gesundes und nachhaltiges Verhältnis zu bringen, dann muss man dem Kapitalismus das Erreichen dieses Verhältnisses schlicht und einfach mal LAUT UND DEUTLICH absprechen!

    Gruss Tourist

  • SLGramann - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Herr Eichner, weitestgehend Zustimmung zu Ihrem Artikel. Aus meiner Sicht sind allerdings die Großkonzerne der Realwirtschaft nicht das schlimmste Problem – insbesondere in einer globalisierten Welt ist die Konkurrenz im Großen und Ganzen meiner Meinung nach doch recht hoch geblieben.

    Das Politikversagen liegt für mich darin, dass man durch Fehlregulierung, Dummheit und Korruption die Finanzwirtschaft zur Herrscherin der Welt und auch zur Beherrscherin der Realwirtschaft, der Völker und der Politik hat werden lassen – wo sie doch nur Dienerin sein sollte.

    Aufgabe einer zukunftsfähigen Politik wäre es, die Finanzwirtschaft zu bändigen. Die Finanzwirtschaft muss – in jeder Hinsicht – schrumpfen, damit die Völker leben können. Die Politik – teils verhetzt, teils korrumpiert – sieht das genau andersherum. Solange sich das nicht ändert, geht die Reise in den Abgrund weiter. Und weil eine Veränderung konkrete Interessen bedroht, wird sie nicht kommen, bevor das Kind nicht im Brunnen liegt.

    Leider sind wir nicht fähig, aus der Geschichte zu lernen, wenn das erfordert, dass die Mächtigen von heute auf einige Privilegien verzichten. Der Mensch: egomanisch und kurzsichtig…

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    @ SLGramann

    genau solche Standpuntke habe ich gerade kritsiert. Die “böse” Finanzindustrie muss weg und dann kann der gute Kapaitlaismus ja weiter gedeihen in Form der REALwirtschaft! Ums mal zynisch zu sagen; Banken, samt ihres Derivatemülls produzieren zumindest kein CO2. Und materielle Ressourcen und deren Verbrauch zur Herstellung von Sachgütern findet immer noch in der Realwirtschaft statt!
    Mann muss sich sogar wundern, dass trotz der gedämpften Wirtschaftsleistung durch die Finanzoligarchie (DANKE LIEBE FINANZINDUSTRIE!!!) die ökologischen und sozialen Schäden durch die Realwirtschaft zunhemen!
    Ich sags ja: es nützt nix einzlenen Gruppen zu brandmarken, das Streben nach der + macherei ist grundsätzlich das Problem…

    “Der Mensch: egomanisch und kurzsichtig…” das trifft gerade, so finde ich, auf ihren letzten Kommentar zu bzgl. zu meinem Kommentar^^!

    Gruss Tourist

  • Bruno - 6. Oktober 2011 Antworten

    Warum läßt man nicht den Markt wirken? Wenn sich Großbanken verzocken, müssen sie eben Pleite gehen, ja sie wären es längst. Es ist zweifelhaft, ob sie wirklich zu groß zum Pleite gehen sind, ich halte das für eine bewußt aufgebaute Drohkulisse.
    Man kann nicht von Marktwirtschaft faseln und gleichzeitig mit Rettungsfonds Sozialismus spielen. Vielleicht entscheidet sich mal jemand.
    Im Moment spielen alle mit Geld, was es überhaupt nicht gibt. Es ist die Produktion von Morgen, die wir heute verzocken.
    Man wollte 15 Prozent Zinsen auf grichische Staatsanleihen, für das Risiko. Also lasst sie es auch tragen. Banken und Spekulanten produzieren nichts, aber auch gar nichts, was irgendwer benötigt.
    Außerdem ist es ein Irrglaube, dass man da noch etwas “reformieren” kann. Das Perd wird geritten, bis es tot umfällt.
    Rettungsfonds und Schirme sind der Versuch Feuerwehren zu kaufen, ohne den Brandstifter zu behelligen. Selbst dem Dümmsten dämmert irgendwan, dass es billiger ist die Brandstifter wegzusperren. Noch aber meinen die Brandstifter, dass ihnen das nicht passieren kann.

  • Russe - 6. Oktober 2011 Antworten

    >>Der Mensch: egomanisch und kurzsichtig…<<

    Die jahrelange Propaganda sitzt tief. Der Mensch im Allgemein ist weder egomanisch noch kurzsichtig. Die "Elite" schon. Sagt dir der Begriff Machtkomplex was?

  • SLE - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Tourist,

    nein, die Leute sind nicht zu blöd, sondern sie sind lediglich einer Denkroutine verfallen – genau wie Du auch -, nämlich dem Sing-Sang der Mainstream-Ökonomen. Deren Lehren definieren – vielen dürfte das nicht einmal mehr bewusst sein – die Denkschemata und viele sind immer nur in der Lage, alles aus dieser Perspektive zu betrachten und zu erklären. “Reformen, Reformen, Reformen” ist so ein Satz.

    Meine Rede ist, dass der Markt eben NICHT alles macht und machen kann – es gibt keine reine Marktwirtschaft, denn Märkte sind nicht prinzipiell selbstregulierend und welchen Entwicklungen zugelassen werden, etwa auch in Bezug auf Ressourcen und Energie, bedarf insofern immer auch einer Wertung seitens derjenigen, die eine funktionierende Marktwirtschaft sicher zu stellen haben.

    Ich argumentiere also keineswegs wie die Mainstream-Ökonomen und das tue ich auch, aber nicht nur, deswegen, weil ich ein anderes Verständnis von der Funktionsweise von Märkten habe. Ich dachte, ich hätte das in unserer letzten Diskussion erklärt.

    Viele Grüße
    SLE

  • SLE - 6. Oktober 2011 Antworten

    @ SLGramann

    Dass die Konkurrenz insgesamt recht hoch geblieben ist, dass sehe ich differenzierter. Wir haben insgesamt Phasen sehr scharfen Preis- und Kostenwettbewerbs, den nur die kapitalkräftigsten/sprich größten Unternehmen wirklich effektiv betreiben und gewinnen können (Stichwort: Größenvorteile). Daneben gibt es aber über weite Strecken unter den großen Oligopolisten eine Politik des “leben und leben lassen”. Für den Rest der Wirtschaft sieht es dagegen anders aus.

    Ansonsten stimme ich mit Ihnen überein, dass der Finanzsektor die Realwirtschaft nicht nur dominiert, sondern sie beschädigt. Deswegen ist es absolut erforderlich, dass er zurückgedrängt und auch verkleinert wird. Soweit ich weiß, sehen das mittlerweile viele so. Aber es wohl auch schon so, wie Sie sagen: Diejenigen, die etwas daran ändern können, tun es aus vielerlei Gründen nicht.

    Grüße
    SLE

  • klaus - 6. Oktober 2011 Antworten

    Moin, Moin

    Es wird ernster.

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steuerzahlerbund-zerreisst-merkels-banken-rettungsplan/4691642.html?p4691642=2

    Ist die HypoVereinsBank als Tochter der italienischen UniCredit bald auch dabei.

    Wenn die HVB zurückgestuft wird, wird es wohl heftig.

    Blöd nur, das das unliebsame Prekariat mit 20 Mio Bürgern keine
    Reserven hat und zur Rettung nicht unmittelbar beitragen kann.
    3 Mio zittern ums Schwarzgeld im Ausland und 17 Mio Bürger
    dürften hauptsächlich gradstehen.
    So sieht es wohl im Moment aus.

    Wird aber besser, wenn die FDP den Mindestlohn bringt.
    Oder schlechter, wenn die FDP unter 1 Prozent kommt.
    Dann fordert die noch 1000 Euro Grundsicherung.

    Dann wird es brenzlig. ;)

    Grüße

    Klaus

  • Stjepan - 6. Oktober 2011 Antworten

    Bitte genau nachschauen wer die Occupy Wall Street unterstützt:

    http://www.movements.org/pages/sponsors

    Wenn Soros das Urgestein des Bösen der Finanzgurus hier mitspielt zeigt das schön auf in welche Richtung und von WEM diese Protestaktion gesteuert wird.

    Nichts ausser heisse Luft ;)

  • bauagent - 6. Oktober 2011 Antworten

    ……..derweil kaufen die Griechen ein paar hundert Panzer in den USA. Es wird immer verrückter.

    Seite ist in griechisch, also google-Übersetzer verwenden:

    http://www.hellenicdefence.gr/eidiseis/e2011/110929c.html

  • Russe - 6. Oktober 2011 Antworten

    @bauagent
    _

    Mit Krediten von D. deutsche Panzer und mit Krediten von den USA amerikanische. Alles logisch. Verstehe nicht was dich so wundert. :-) Außerdem wenn Kreditoren kommen, braucht man schon viel Panzer.

  • Goldman - 6. Oktober 2011 Antworten

    Was issen der Unterschied zwischen “Occupy Wall Street” und “Tea-Party” ? Warum stempelt man die neue “Protestbewegung” als “Anti-American” ab? Ach…stimmt, hier gehts ja gegen die Unternehmen…die schaffen ja die Arbeitsplätze im Lande…und man darf ihnen keine Steuern auflegen…herrje…manchmal wünscht man sich einfach einen riesen Knall..

  • Joe der Leiharbeiter - 6. Oktober 2011 Antworten

    Die Realwirtschaft ist ohne Finanzindustrie tot. Ist das so schwer zu verstehn? Der Kollaps der Finanzindustrie wird also auch zum Kollaps der Realwirtschaft führen und nicht zu ihrer Befreiung.

  • lebowski - 6. Oktober 2011 Antworten

    @Joe der Leiharbeiter
    Yep! Das ist auch meine Meinung.
    Der Output einer hyperproduktiven Wirtschaft kann alleine durch Löhne und Gehälter nicht abgefrühstückt werden.

    Und die Politiker scheinen das zu ahnen oder intuitiv zu wissen. Sonst hätte schon längst jemand die Macht der Finanzmärkte beschnitten.

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo SLE,

    Ich geh auch mal aufs DU über, da Du das auch machst. Du schreibst:
    “”nein, die Leute sind nicht zu blöd, sondern sie sind lediglich einer Denkroutine verfallen – genau wie Du auch -, nämlich dem Sing-Sang der Mainstream-Ökonomen. Deren Lehren definieren – vielen dürfte das nicht einmal mehr bewusst sein – die Denkschemata und viele sind immer nur in der Lage, alles aus dieser Perspektive zu betrachten und zu erklären. “Reformen, Reformen, Reformen” ist so ein Satz.”

    Versteh ich ehrlich gesagt nicht! Welche Perspektive habe ich denn? Entweder du hast nicht verstanden, was ich oben schrieb oder sie ignorieren es^^! Denn ich habe noch keinen Mainstream Ökonomen von der Abschaffung des Kapitalismus bzw. von der Abschaffung der Marktwirtschaft reden hören^^.

    Du schreibst:
    “bedarf insofern immer auch einer Wertung seitens derjenigen, die eine funktionierende Marktwirtschaft sicher zu stellen haben.”

    Es bedarf keiner “Wertung”, es badarf der Abschaffung der Marktwirtschaft und nicht ein neuer Ersatzglaube an eine irgendwie gewährleistete utopistische Funktionsfähigkeit des Marktes durch eine Obrigkeit!

    Wieso gehen sie überhaupt davon aus, dass die Marktwirtschaft funktionieren würde, falls sie voller “Wertungen” ist?

    Ich seh da keinen Unterschied zu Marktintervenisten! Ob ich das Wertung oder Reform nenne, läuft auf das gleiche hinaus! Beides setzt einen Zustand voraus, indem der vermeintliche Segen des Marktes in Gang gesetzt werden kann. In deinem Fall brauchen wir eine vernünftige wirtschaftspolitsche Einheit, die den evolutionären Wettbewerbszustand zu einem Dauerzustand macht! Und somit gehst du indirekt eben davon aus, dass der Markt in einen Zustand gebracht werden kann, indem er eben das besagte wohlfahrtsfördernde Verhältnis von Angebot und Nachfrage enfaltet! Ich denke, mit dieser unausgesprochenden Hintergrundannahme eines segensreichen Marktzustandes bist du eher als Mainstream zu bezeichnen! Es gibt KEINEN segensreichen Marktzustand, egal welche Wettbewerbsform vorherrscht bzw. mit Biegen und Brechen durch eine wertende “Elite” hergestellt wird! Denn auch bei einer “funktionierenden” Marktwirtschaft (was auch immer das sein soll^^) werden Angebot und Nachfrage durch Preise und Arbeitskraft vermittelt! Und wie es um die bestellt ist , habe ich ja angeudet! Und wenn Preise nichts “korrekt” wiederspiegeln bzgl. Menge und Verbrauch, dann kann ich GRUNDSÄTZLICH keine funktionierende Marktwirtschaft herstellen! Denn auch in der “bewerteten” Marktwirtschaft bedarf es Preise!

    Es sei denn du willst die Preise abschaffen, dann schaffste aber auch die Marktwirtschafrt ab. Habe ich bei dir nicht rausgelesen, dass du das willst. Eher willst du ne neue Wertungselite, die alles schon richtig macht mit dem Markt^^! Und auf beides kann getrost verzichtet werden, da es nur alter Wein in neuen Schleuchen ist!
    Gruss Tourist

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    hups da waren noch ein paar Sies drin, sorry, Du^^

  • Ede Wolf - 6. Oktober 2011 Antworten

    @Russe

    “Die jahrelange Propaganda sitzt tief. Der Mensch im Allgemein ist weder egomanisch noch kurzsichtig. Die “Elite” schon. Sagt dir der Begriff Machtkomplex was?”

    Der Mensch im Allgemeinen ist nicht kurzsichtig und nicht egomanisch?

    Könntest Du diese Behauptung bitte erklären?

    Wenn ich mir Menschen im Allgemeinen so ansehe, dann seh ich nur das!
    Der Mensch hat schon immer auf seinen eigenen Vorteil geschaut. Das ist völlig natürlich. Er sieht sich und seine Familie als das Beste und Wichtigste an.
    Der Nationalstaat hat sich dieses Gefühl und diese Eigenschaft zunutze gemacht, um den Regional/Nationalstolz und die Identifizierung mit seinen als gleich angesehenen Mitmenschen zu konditionieren.
    Er hat also den individuellen Egoismus auf eine größere Einheit verschoben.

    Kurzsichtig ist der Mensch ebenso. Er ist nur auf die Befriedigung seiner Bedürfnisse aus und eine möglichst angenehmse und sein Ego unterstreichende Lebensweise.
    Durch diese Fixierung auf sein Ego und die kurzfristige Befriedigung seiner egoistischen Gefühle, hat er ein System erschaffen, das in höchstem Maße kurzsichtig ist und energieverschwendend bis an die Grenzen des Absurden.
    Er hat ein Faible für riesige spritschluckende LKWs aka SUVs. Jjegliches Verhalten, zerstört, unterdrückt und begrenzt anderes Leben und auch das menschliche.
    Nur mal als Beispiel:
    Rasenmähen auf einem fahrbaren Rasenmäher. Rasenmähen an sich ist schon krankhaft neurotisch, lebens- und lebensraumzerstörend und extrem kurzfristig und egoistisch, doch dann auch noch das Rasenmähen mit einer grotesken Energieverschwendung zu verbinden grenzt schon an Vorsatz.
    Auch dieses Verhalten wird als höchst tugendhaft angesehen.

    @Tourist
    Spitzenkommentar!

  • Bubblegum - 6. Oktober 2011 Antworten

    @Joe

    “Die Realwirtschaft ist ohne Finanzindustrie tot. Ist das so schwer zu verstehn? Der Kollaps der Finanzindustrie wird also auch zum Kollaps der Realwirtschaft führen und nicht zu ihrer Befreiung.”

    Über diese Argumentation kann ich nur verständnislos den Kopf schütteln!

    Umgekehrt wird ein Schuh draus! Ohne die Ersparnisse der Völker und den Kreditbedarf der Realwirtschaft gäbe es überhaupt keine Banken mehr! Es ist eine abartige Frechheit, dass diejenigen,die das Privileg besitzen, Giralgeld schöpfen zu dürfen und damit quasi eine Lizenz zum Gelddrucken haben, sich auch noch als systemrelvant bezeichnen, von den Steuerzahlern dieser Welt verlangen, ihnen den finanziellen A… zu retten haben!

    Ich denke, im Gefolge dieser nun seit 2007 andauernden Bankenkrise werden die Banken dieser
    Welt wieder auf die Position zurückgewiesen die sie im Mittelalter hatten: simple Münzwechsler ohne jede Systemrelevanz!
    Im Zeitalter von Web 2.0 und Bitcoin werden Firmen und Menschen über das Internet Kredit- und
    Ersparnisströme koordinieren ohne die Zwischenschaltung von Kreditinstituten!
    Ist für alle Beteiligten billiger! Viel Mittelständler in Deutschland finanzieren wieder verstärkt über
    Schuldscheindarlehen ihre Investitionen!
    Die Zentralbanken werden über die nutzlosen Filialen der Banken die Geldversorgung der Realwirtschaft sicherstellen, so wie das die Fürsten im Mittelalter auch taten!
    Der Hemmschuh des aktuellen Bankensystems, das praktisch für lau ZB Geld abgreift und damit
    seine Bilanzen saniert oder Spekulationsblasen anzettelt, statt diese Mittel der Realwirtschaft für Investionen verfügbar zu machen, wird wegfallen!
    Und das ist auch gut so!
    Es ist doch kein Zufall, dass ausgehend von den Bankstern der Wallstreet Anfang der 90ger
    die sinnvollen Regeln des Glass-Steagall-Acts von 1932 geschliffen wurden, das Wort Finanz-
    industrie aufkam und der Derivatemarkt mit immer neuen Spielarten des organisierten und legalisierten Betrugs entstand! Schon damals war den führenden Bankstern klar, dass es für sie
    eigentlich keine Daseinsberechtigung im Wirtschaftsleben mehr gab und ihnen das Schicksal der
    Dinosaurier drohte. Deswegen auch die intensive Lobbyarbeit in Washington um die Beschränkungen, die aus den bitteren Erfahrungen der WWK 29 gewachsen waren außer Kraft
    zu setzen.
    Prompt folgte das Dotcom Desaster!
    Und es ist das katastrophale Versagen der Schröder- Fischer Regierung diesen Unfug auch in Deutschland zugelassen zu haben. Aber mit Schröder(Jurist) und Eichel (Deutschlehrer) hatten
    die Vertreter der amerikanischen Besatzungsmacht auch ein extrem leichtes Spiel! Für die gilt:
    ” Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!”
    Für die Merkel-Chaoten gilt dies ebenfalls!
    Viele Grüße Bubblegum

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    @ Bubblegum

    Joe hat recht! Der einfache Grund, warum die Finanzindustrie fortlaufend Finanzporudkte als Analgeobjekt spekualtiv auflädt, liegt schlicht daran, dass die Realwirtschaft als Anlageobjekt nix hergibt! Jedes größere Unternehmen hat mittlerweile auf der Verwendungsseite seines Kapitals nicht nur sein Anlagevermögen und sein Umlaufvermögen aufgeführt, sondern das schöne Aktivkonto “Finanzanlagevermögen”. Das liegt daran, da die Realwirtschaft nunmal alleine nicht genug abwirft!

    Wenn die Finanzdecke jetzt weggezogen wird, werden wir sehen, dass wir nachwievor in einer Überproduktionskrise stecken! Unter Überpüroduktion versteh ich ganz klar die Situation, wo die Unternehmen mehr produzieren als sie an Löhne und Gehälter auszahlen, damit die Angestellten den Massenproduzierten Schrott auch abkaufen können!

    Wenn die Marktwirtschaft funktionieren würde, müsste als kleinste elemantare Gleichung, ein Unternehmen, soviel Kohle auszahlen, damit die Arbeiter des gleichen Unternehmens den ganzen Rotz abkaufen können, den SIE hergestellt haben! Welches Unternehmen volkswirtschaftlich betrachtet, erfüllt auf der GAAAAANZEN WELT diese logische Grundgleichung? Ich sags: K-E-I-N-E-S! Wenn kein Unternehmen auf der ganzen Welt nicht genug Kohle auschuettet an seine Belgschaft, um den selbst hergestellten Rotz zu kaufen, wie kann dann die Marktwirtschaft überhaupt laufen? Damit dieser marktwirtschaftliche Eiertanz nun weiterläuft, gibts nur eine Möglichkeit, damit der massenproduzierte Rotz – masssenproduziert, eben zur Senkung der Stückkosten – abgekauft werden kann. Das Zauberwort heisst dann: Kaufkraftbildung, nicht durch Lohn bzw. Gehalt, sondern durch Verschuldung und wer vergibt in der Marktwirtschaft Kredite?

    Joe hat recht.

  • Joe der Leiharbeiter - 6. Oktober 2011 Antworten

    Re: Bubblegum.

    Die Frage ist halt meiner Meinung, ob alles ok wäre, wenn es die Finanzspekulationen der letzten Jahrzehnte nicht gegeben hätte. Ich glaube nicht. Ohne sie wären wir schon viel eher in eine Depression geschlittert, vielleicht schon Anfang der 90er. Freilich würde die Welt jetzt anders aussehn. Aber ob’s unbedingt eine bessere wäre… ich weiss nicht.

    Jedenfalls hat die Deregulierung der Finanzmärkte unseren Lebensstandard weitgehend intakt über die Jahrzehnte gerettet.

    Solange es Kapitalismus gibt, wird es auch den Kasinokapitalismus geben. Das ist keine logische, sondern eine empirische Aussage.

  • Querschuss - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Joe,
    sehe ich komplett anders! Die Finanzindustrie, das inzenierte Casino, die Fehlleitung von Kapital hin zu spekulativer Verwendung, das Aufblasen der Bilanzen, ohne Schöpfung eines realen Wertes, die Verschiebung der Kreditrisiken usw., wirken in der Summe repressiv auf die Realwirtschaft, erst recht wenn man die im Finanzsektor aufgebauten Verwerfungen durch Sparen in der realen Welt wieder versucht hereinzuholen. Eine degenerierte Marktwirtschaft und den darin dominierenden Finanzsektor als Voraussetzung für die Realwirtschaft zu sehen geht ganz konform mit TINA und Murksels Systemrelevanz-Denke, ist aber sachlich völlig abwegig.

    “Jedenfalls hat die Deregulierung der Finanzmärkte unseren Lebensstandard weitgehend intakt über die Jahrzehnte gerettet.” Seit Jahren steigt die Zahl der Armen und Hilfsbedürftigen in den USA, ich glaube auch nicht das in der Endkonsequenz die Immobilienblase in den USA Lebensstandard gesichert hat. Du argumentierst aus der Sicht eines Durchschnitt-Deutschen, dessen Land, als einer der wenigen, aus einer weiteren Fehlentwicklung den Ungleichgewichten im Welthandel, durch den Exporterfolg und den erzielten Jobs daraus zu Lasten anderer Länder profitiert hat. Selbst das stimmt nur halb denn auch dieser “Lebenstandard” erfüllte sich nicht für Alle in Deutschland, denn die Nichtteilhabe am Produktivitätsfortschritt, der ausgeprägte Billiglohnsektor waren der Preis für die hohe Wettbewerbsfähigkeit.

    Ein Casino, eine exzessive Ausbildung des Finanzsektor als Voraussetzung zu sehen, um den Lebenstandard über Jahrzehnte zu sichern, ist eine bizarre Sichtweise. Sie hat den Lebenstandard für eine bestimmte Gruppe gesichert, ging aber zu Lasten von vielen Millionen und vor allem einer nachhaltigen positiven wirtschaftlichen Entwicklung.

    @lebowski,
    “Der Output einer hyperproduktiven Wirtschaft kann alleine durch Löhne und Gehälter nicht abgefrühstückt werden.” Aber eben auch nicht mit den Boni-Exzessen und den Milliarden Einkommen einer weniger Hedgefond-Manager. Die Nachfrage wäre potentiell sehr wohl da, erst recht bei einer besseren Einkommens- und Vermögensverteilung, siehe Hartzler, Food Stamps-Bezieher usw., selbst in den entwickelten Industrienationen leben hunderte Millionen am unteren Rand eines Niveaus, wo Konsum überhaupt stattfindet. Wenige Profiteure des Casinos können die Nachfrage dieser Millionen nicht ersetzen, dies gilt es zu begreifen in der Politik.

    Gruß Steffen

  • SLE - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Tourist,

    “Es bedarf keiner “Wertung”, es badarf der Abschaffung der Marktwirtschaft und nicht ein neuer Ersatzglaube an eine irgendwie gewährleistete utopistische Funktionsfähigkeit des Marktes durch eine Obrigkeit!”

    Wenn Du der Ansicht bist, dass es keiner Wertung bedarf, dann befindest Du Dich in bester Gesellschaft mit der neoklassischen Lehre, denn deren Theorien nehmen für sich in Anspruch werturteilsfrei zu sein und deswegen sehen diese Ökonomen die Wirtschaftswissenschaftle auch als exakte Wissenschaft an. Es ist die Frage, ob sie es wirklich sind. Ich denke, ähnlich wie seinerzeit die Vertreter der sogenannten deutsche historischen Schule, sie sind es nicht!

    “Ersatzglaube an eine irgendwie gewährleistete utopistische Funktionsfähigkeit durch eine Obrigkeit” – das ist eine ziemlich heftige und unhaltbare, weil mit unzulässigen Wertungen befrachtete, Aussage. Du unterstellst mir da einfach einiges.

    Ich “glaube” nicht, sondern ich habe eine Theorie bzw. einen Erklärungsansatz für das Marktgeschehen. Diejenigen, die einen solchen oder anderen m. E. zweifellos nie fehlerfreien ökonomischen Erklärungsansatz als unumstößliche Wahrheit ansehen und befolgt sehen wollen, sind diejenigen die “glauben”. Sie erheben eine unvollkommene Theorie zur Religion – z.B. Wirtschaftsliberalismus. Das tue ich jedoch nicht.

    Eine Utopie ist zudem ein Entwurf, der für unrealsierbar gehalten wird. Ein Erklärungsansatz für etwas bereits Bestehendes kann keine Utopie sein und wenn er bestehende Marktprozesse nicht verstehen hilft, dann ist er gescheitert. Dass ich den “Staat” mitberücksichtige, entspricht schlicht der historischen Realität der Marktwirtwchaft und lässt sich auch nicht anders machen in einem Ansatz, der Märkte nicht als Selbstregulierungssysteme oder Automaten auffasst.

    “Wieso gehen sie überhaupt davon aus, dass die Marktwirtschaft funktionieren würde, falls sie voller “Wertungen” ist?”

    Weil eine Marktwirtschaft ohne Wertungen nicht real ist (sie ist es nur in der abstrakten ökonomischen Modelltheorie) und niemand behaupten kann, die Marktwirtschaft hätte nie funktioniert. Sie funktioniert nicht immer und nicht immer gleich gut – was auch eine Frage der Erwartungen ist. Nimmt man zum Beispiel das deutsche Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit, das der Grund für den weltweit guten Rufe des Modells der “Sozialen Marktwirtschaft” ist, so wird wahrscheinlich niemand behaupten wollen, zu dieser Zeit hätte die Marktwirtschaft nicht funktioniert. Nur sind wir heute leider weit davon entfernt. Deswegen meine Gegenfrage: Wieso sollte es prinzipiell nicht möglich sein, dies wieder zu erreichen?

    Du möchtest die Marktwirtschaft also abschaffen. Was aber möchtest Du denn dann?

    Grüße
    SLE

  • Bubblegum - 6. Oktober 2011 Antworten

    @Joe

    “Die Frage ist halt meiner Meinung, ob alles ok wäre, wenn es die Finanzspekulationen der letzten Jahrzehnte nicht gegeben hätte. Ich glaube nicht. Ohne sie wären wir schon viel eher in eine Depression geschlittert, vielleicht schon Anfang der 90er.”

    Nein in die Rezession schliddern wir immer deshalb, weil die Verteilung der Wertschöpfung nicht
    funtioniert! Es ensteht der sog. Wippeneffekt.
    Der Gewinn, den die Reichen zusätzlich von der Masse der anderen abschöpfen reicht irgendwann nicht mehr aus, um durch Konsumsteigerung den Nachfrageausfall der breiten Masse auszugleichen.
    Das folgt aus der Grenznutzenlehre, die mein Enkel inzwischen in der Oberstufe der Höheren
    Handelsschule lernt!
    Unser Planet ist bis auf die Energiezufuhr ein endliches System! Und wie in der Physik der Energieerhaltungssatz ein unverrückbares Gesetz ist, so gilt in der Wirtschaft das Nullsummenprinzip d.h. der Gewinn des Einen ist immer der Verlust des Anderen,
    oder geht zu Lasten der Umwelt! Was wir heute zu Steigerung unseres Wohlstandes nutzen, steht
    nachfolgenden Generationen nicht mehr zur Verfügung bzw. muss von diesen mit unvergleichlich
    mehr Aufwand recycelt werden als deren Produktion unsere Generation ursprünglich gekostet hat!

    Viele Grüße
    Bubblegum

  • Z - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo,
    was ist Kapitalismus? Meiner Meinung ist Kapitalismus der Schutz von Eigentumsrechten und der Zugang zu einem freien Markt (Transaktionen finden freiwillig statt). Ich weiss nicht was daran schlecht sein soll. Natuerlich kommt es in unserem herrschenden Sytem zu Fehlreaktionen auf dem Markt. Wobei diese sicherlich nicht dem Markt zuzuschreiben sind, sondern durch Interventionen von Staaten, Zentralbanken usw. zustandekommt.

    Wie soll die Allokation von Ressourcen funktionieren, wenn nicht ueber den Markt und damit durch Leistungsrechnung? Durch ein Zentralkomitee?? Das waere reinster Sozialismus und schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt…

    Wenn man die Banken nicht mehr retten wuerde, bricht vermutlich der Zahlungsverkehr zusammen, was wiederum einen Kollaps der Realwirtschaft zur folge haette. Daher muesste man freiwillig von unserem Fractional-Reserve-Banking System abkehren. Plaene wuerde es ja einige geben (Mises, Rothbard, de Soto ).. Leider kann ich mir nicht vorstellen, dass dies in naechster Zeit passiert :( ( . Also wird es wohl unfreiwillig passieren :( ( .

    Beste Gruesse
    Z

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    Hallo, ich habe schonverstanden, wo der Wind herweht bei dir, SLE^^!

    Du nicht von emprischen Auschnitten auf einen allgemeingültigen “segensreichen” Marktzsutand schließen! Selbst wenn du induktiv das rausgefischt hast und jetzt deduktiv in die Wipo verfrachten willst!

    Es ist aus historischer Sicht kein gültiger Induktionsschluss! Denn die einzige Frage ist doch,warum bestimmte Zeiperioden für deinen induktiven Schluss des funktionierenden MArktes brauchbar sind und welche nicht!^^

    Und da haperts bei deinen Schluessen! du unterliegst den klassischen Induktionsproblemchen! Der einzige Grund, warum du bestimmte Perioden der Marktgeschcihte als “gleich” bewerten kannst, also wo du sagen kannst, die Marktwirtschaft sei erfolgreich, setzt voraus, dass du schon eine nichthistorische Defintion von Erfolg in petto hast! Und mit solch einer Definiton bist du bereits nicht mehr auf emprischen Boden^^!

    Du selbst kannst sogar den “Erfolg” soweit schon unhistorisch konstituieren mit objektiven Begriffen und zwar namentlich durch; evolutionären Wettbewerb!

    Und dieser ist nichts weiter als eine objektivierte Defintion! Ich wette mit dir , dass du jede Periode, die du dir vorgenommen hast und von der du sagen kannst , die war “erfolgreich”, Merkmale aufweist , die nicht mit anderen Perioden zusammenpassen.

    Diese Mekrmale hast du, musst du rein logisch unter den Tisch fallen lassen. du bist eben eine Wiwi und kein Historiker^^.

    Zweitens gilt das mit Sicherheit für alle anderen Störvaribalen ebenso. Die Umweltverschmutzung bspw. zu Zeiten des Wirtschaftswunders wurde schon als Folge des Systemsfehlers der Marktwirtschaft rückwirkend und projezierend, empirisch beschrieben!
    Hast du also die ökologischen Misstände zu der Zeit als Erfolgsindikator mit einfließen lassen, wenn du diese persiode als erfolgreich bezeichnest! Mit Sicherheit nicht, sonst würdest du das Wirtschaftswunder nicht als Wunder bezeichnen!

    Drittens: Übrigens ohne mächtiges Investionskapital aus Amiland wäre das soweiso nix geworden mit dem Wirtschaftswunderland! Da war überhaupt nix selbsttragend von!

    Die kontinuierlichen steigenden Verschuldungsgerade aller Sekoren hast du die als Erfolgsindikatoren mit berücksichtigt? Oder doch ausgeblendet! Eher letzteres, da sie innerhalb jeder Periode eben immer neue Höchststände erreichen!

    Kurz: Ich werfe dir vor, dass du vom emprischen Material zu sehr abstrahierst und zu redundant vorgehst, NUR um die Marktwirtschaft a posteriori zu retten!

    Aus all solchen historischen Randbedinungen in der Marktgeschichte auf einen objektiven funktionierenden Zustand der Marktwirtschaft zu schließen ist schon, gelinde gesagt, mutig!

    Gruss Tourist

    Frage an Steffen: Was ist denn eine gesunde und nicht degenerierende Marktwirtschaft? Wenn eine Marktwirtschaft insgesamt einen nicht degenierenden Zusand einehmen kann, – das vermutet ja SLE, dann gilt das auch für ihre kleinsten Beziehungseinheiten zwischen Unternehmen und Haushalten! Wie säe diese kleinste Beziehung denn “gesund” oder nehmen wir den Begriff von SLE, “erfolgreich” aus?

    2. Ich finde garnicht, dass due Joe widersprichst, sondern eher zustimmst! Du schreibst, dass es schon lange vor der Finanzkrise den Leuten immer schlechter ging! Das ist doch, was Joe sagt. Finanzkapital hält den Leichnam noch künstlich am Leben! Nur Finanzkapital allein ist überhaupt nicht lebensfähig! Seine Rede!

    • Querschuss - 6. Oktober 2011 Antworten

      Hallo Tourist,
      nee, Joe schreibt: “Die Realwirtschaft ist ohne Finanzindustrie tot”…Du “Nur Finanzkapital allein ist überhaupt nicht lebensfähig!” Erkennst du den Ùnterschied. Ich meine das die Dominanz des Finanzsektor repressiv auf die Realwirtschaft wirkt. Was degeneriert ist, müsste doch klar sein, das Gegenteil dessen wofür ein Bankensystem nötig ist (Kreditversorgung der Realwirtschaft). Reduziert man das Bankenwesen darauf bzw drängt die Fehlleitung des Kapitals hin zur spekulativen Verwendung zurück entfällt auch weitgehend mein degeneriert. Ansonsten halte ich es mit SLE, nur weil das System aus den Fugen geraten ist, wegen klar zu lokalisierenden Fehlentwicklungen und Verwerfungen ist nicht gleich jede Form einer Marktwirtschaft und schon gar nicht einer Sozialen zu verwerfen. Du beantwortest auch nicht die Frage, was anstelle treten soll. Ich befürchte es wäre keine wirkliche Alternative, da keine in Sicht, da erscheint mir ein Ringen um eine Korrektur des aktuellen Wirtschaftssystems realistischer und zielführender.

      Gruß Steffen

  • Bubblegum - 6. Oktober 2011 Antworten

    @ Z

    “Wenn man die Banken nicht mehr retten wuerde, bricht vermutlich der Zahlungsverkehr zusammen, was wiederum einen Kollaps der Realwirtschaft zur folge haette.”

    Schauen Sie sich bitte mal den Film Sein und Haben an. Lief vor einiger Zeit zwischen 24 und 1 Uhr
    in der Nacht auf 3 SAT und auch auf Phönix.
    Danach werden Sie nicht mehr so mutig die o.g. These vertreten

    Viele Grüße

    Bubblegum

  • Tourist - 6. Oktober 2011 Antworten

    4. Zeile bei meinem letzten Kommentar; Der Satz beginnt mit : Du kannst nicht…sorry, ich gerate immer in ein sprechschreibdeutsch!

  • zykliker - 7. Oktober 2011 Antworten

    Interessante Diskussion zwischen der Fraktion, die die Marktwirtschaft “reparieren” und erhalten will, und der anderen Seite, die die Fehlentwicklungen als so systemimmanent betrachtet, dass sie das Ganze gleich wegwerfen und durch etwas anderes ersetzt sehen möchte, aber noch nicht gesagt hat, wodurch.

    Ich habe für beide Seiten Verständnis, möchte aber doch folgendes Grundsätzliches zu bedenken geben:

    Wo Menschen agieren, gibt es das Ideale nur in der Theorie, die Praxis muß Kompromisse eingehen. Die “Ideale Marktwirtschaft” spielt ihre Überlegenheit auf der Entstehungsseite des BIP aus; ein mehr dirigistisches Modell kann eher bei der BIP-Verteilung besser sein. Die Optimierungsaufgabe könnte darin bestehen, das Anreizsystem des Marktes dadurch zu erhalten, dass rigoros für Wettbewerb gesorgt wird.

    Der Mensch ist ein durch und durch korruptes Wesen; die Kumpanei zwischen den politischen und den wirtschaftlichen Machthabern sorgt regelmäßig für zu wenig anstatt ausreichend Wettbewerb. In einem weniger marktwirtschaftlichen System richtet die Korruption kaum weniger Schaden an. Die politische Kultur müsste also rechtzeitig für eine Zerschlagung zu großer wirtschaftlicher Einheiten sorgen.

    Dilemma: Wettbewerb fördert die Leistungen zum Nutzen aller; aber: jeder Wettbewerb bringt Gewinner und Verlierer hervor. Wer richtet die Verlierer wieder auf, und wer schützt den Markt vor der Raffgier der Gewinner? Die wichtigste Systemeigenschaft, die in letzter Konsequenz vor ihrem eigenen Erfolg geschützt werden muß; sind die korrupten Politiker dazu in der Lage? Wird der Wettbewerb aber auf ein reines Denkmodell reduziert – etwa analog irgendwelchen Gleichgewichtsträumereien – welchen konkreten Nutzen hat der Mensch davon?

    In der zeitlichen Abfolge kann eine zyklische Entwicklung, nicht nur in der wirtschaftlichen Aktivität, sondern auch im geistig-moralischen Zustand der Gesellschaften beobachtet werden: Beispiel: Der Satz “Was gut ist für General Motors, ist auch gut für Amerika” war, als er ausgesprochen wurde, nicht völlig falsch. Die Firma hat produziert, Menschen beschäftigt, Gewinne gemacht und Steuern gezahlt. Auf die Gegenwart der Finanzindustrie angewendet mit der Hybris eines dekadenten Armlochs, das angeblich Gottes Werk verrichtet, ist der Begriff “degeneriert” fast noch verharmlost.

    Zu guter Letzt: Die Marktwirtschaft ist kein System, das “auf Knopfdruck” irgendwann willkürlich von interessierter Seite “erfunden” und implementiert wurde. Sie ist das Ergebnis der Befreiung des Gewerbetreibenden aus der Knechtschaft des Feudalismus im Zuge der Aufklärung, die kapitalistischen Großkaufleute des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance als Vorbild. Aber: Jeder Erfolg trägt den Keim der Dekadenz in sich, “man erstickt an seinem eigenen Erfolg.” Eine Gesellschaft, die das verstanden hat, wird vielleicht ein wenig immun dagegen.

  • franz - 7. Oktober 2011 Antworten

    um gottes willen, ist euch schlaumeiern eigentlich klar, was das problem der ewigen suche nach nachschuldnern mit sich bringt: um die 50.000 sinnlosen toten pro tag!
    wenn ich dann lese, dass das system doch ganz gut funzt weil es den wohlstand bei “uns” gemehrt hat, muss man doch schon wieder zuschlagen dürfen!
    hat man euch volks/betriebs/ökonom wissenschaftlern zu begin das herz entfernt, oder wie kann man sich bloss auf so kleingeistiger ebene bewegen????

  • Lothar - 7. Oktober 2011 Antworten

    Wird der Bank of America da gerade das Licht ausgeknippst ?
    Wann und wem müssen die eine Unterschreitung der Eigenkapitalregeln melden?

    http://www.collapsenet.com/free-resources/collapsenet-public-access/must-see-videos/item/4162-breaking-news-bank-of-america-having-digital-bank-run-website-down-6-days

  • Systemfrager - 7. Oktober 2011 Antworten

    @ SLE

    Dass ich den “Staat” mitberücksichtige, entspricht schlicht der historischen Realität der Marktwirtschaft und lässt sich auch nicht anders machen in einem Ansatz, der Märkte nicht als Selbstregulierungssysteme oder Automaten auffasst.

    Sehr schön formuliert

    [Die Marktwirtschaft] funktioniert nicht immer und nicht immer gleich gut – was auch eine Frage der Erwartungen ist.

    Das lässt sich sehr leicht missverstehen. Wenn wir mehr “erwarten” werden – weil etwa die Marktwirtschaft 50% Psychologie ist (!?) – wird die Marktwirtschaft besser funktionieren?

  • Querschuss - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Zykliker, hallo Franz,
    die Marktwirtschaft verteidige ich weniger als es scheint, nur ich bin Realistist und solange es nicht mal eine handelnde Mehrheit gibt, die offensichtlichen Verwerfungen und Fehlentwicklungen zu begradigen, sehe ich keine Chance die Marktwirtschaft zu ersetzen, durch was denn auch und vor allem durch wen? Einige wollen die Marktwirrtschaft abschaffen. Dafür bräuchte es nicht nur einen Plan, sondern viele hochmotivierte Tausende die vor Ort nicht nur in den Firmen mithelfen und den Plan umsetzen. Seht ihr dafür irgendwelche Anhaltspunkte oder Chancen? Ein wenig weit hergeholt oder?

    Ohne Plan und einen Funken Hoffnung das dieser funktioniert, einer freiwillig handelnder Mehrheit organisiert man Chaos, Anarchie und einen wirtschaftlichen Niedergang vom Feinsten, wo sich im Nachhinein die von Franz angesprochene Nachschuldnersuche noch als kleinstes Problem darstellt.

    Ansonsten Franz, Dein Kommentar ist unter der Gürtellinie und etwas abzuschaffen ohne es durch etwas funktionierenden zu ersetzenen zu können spricht von wenig Kompetenz in Richtung Problemlösung, auch wenn Du solche “Nebensächlichkeiten” mit Schlaumeiern abtust.

    Gruß Steffen

  • Russe - 7. Oktober 2011 Antworten

    @Ede Wolf
    >>Durch diese Fixierung auf sein Ego und die kurzfristige Befriedigung seiner egoistischen Gefühle, hat er ein System erschaffen, das in höchstem Maße kurzsichtig ist und energieverschwendend bis an die Grenzen des Absurden.<<

    Der "normale" Mensch hat sich lediglich dem System angepasst. Die Konsumgesellschaft wurde auch auf Propaganda und NLP aufgebaut damit das Wachstum nicht zusammenbricht.

  • Russe - 7. Oktober 2011 Antworten

    Querschuss – 6. Oktober 2011
    >>Ich meine das die Dominanz des Finanzsektor repressiv auf die Realwirtschaft wirkt. <<

    Die Dominanz des Finanzsektor ist die FOLGE des Untergans der Realwirtschaft. Die Realwirtschaft ist schon lange unrentabel. Mal abegesehen von der Überproduktion.

  • SLE - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Tourist,

    Du schreibst:

    “Hallo, ich habe schonverstanden, wo der Wind herweht bei dir, SLE^^!”

    Das bezweifle ich. Ich gehe nicht von der Empirie aus, sondern ich habe empirisch belegte Beispiele für meine Argumentation genannt und die basiert auf einer Theorie. Ich habe die Nachkriegspahse in Deutschland nicht nach meinen eigenen Bewertungsmaßstäben zum Wirtschaftswunder ernannt, also zieh ich mir auch den Schuh nicht an, was da alles nicht gemessen worden ist. Das war aber auch gar nicht mein Punkt.

    Ich habe das Beispiel genannt, weil diese Phase zweifellos unter gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten erfolgreicher war als etwa die aktuelle Phase – es gibt also sehr deutliche Unterschiede, was die Funktionsweise der Marktwirtschaft anbelangt – ganz gleich woran man den “Erfolg” im einzelnen bemisst. Und ich habe ja auch selbst betont, dass es mir nicht um die perfekte Welt geht – die es wohl auch nie geben wird -, sondern zunächst einmal – wie auch Steffen meint – darum, wie wir zu besseren Verhältnissen kommen.

    “Evolutorische Wettbewerb” ist keine Definition für “Erfolg”.

    “Kurz: Ich werfe dir vor, dass du vom emprischen Material zu sehr abstrahierst und zu redundant vorgehst, NUR um die Marktwirtschaft a posteriori zu retten!”

    Woher willst Du das denn wissen? Ich kann diesen Vorwurf nicht in Verbindung bringen mit dem, was ich mal irgendwann und irgendwo über meinen Ansatz geschrieben habe. Wenn Du Kritik üben möchtest, o.k. Aber dann bitte geerdet und sachlich und nicht aus der Luft gegriffene Vorwürfe, die lediglich erkennen lassen, dass Du meinen Erklärungsansatz gar nicht genau kennst – und die alternativen Ansätze auch nicht.

    Viele Grüße
    SLE

  • schnauzevoll - 7. Oktober 2011 Antworten

    Die Banken gehören verstaatlicht. Dann versiedet auch nicht der Geldfluß für den Mittelstand. auch wenn die Staatsverschuldung, die ja durch Bankenrettung entstand, nch weiter ansteigt, so ist doch gewährleistet, dass das ab sofort zur Verfügunf stehende Kapital in die richtigen Kanäle fließt, was wiederum eine Belebung der Wirtschaft zur Folge hat. Strenge Regulierung von Finanztransaktionen sorgen zudem für ein gesundes Risikoverhalten. Wenn das private Bankensystem kollabiert, dann ist das nur gut.Voraussetzung ist allerdings, dass die Politik dann konsequent die richtigen Maßnahmen ergreift. Leider sehe ich in den zur Verfügung stehenden Pappköpfen im Bundestag, höchsten eine Handvoll fähiger und gewillter Demokraten, die das zu tun vermögen.

    Verbaschiedet euch von dem Gefasel der Banker, die suggerieren wollen, das mit dem Fall der Privatbanken auch das Leben endet. Das ist Schwachsinn! wenn jetzt wieder Gelder fließen, – und das werden sie – und ohne strengste Auflagen, wird das Ziel der totalen Verarmung und Verelendung großer Bevölkerungsteile eher erreicht, als durch diese schwachsinnigen, unregulierten Rettungspakete, wer immer diesen Stußbegriff auch kreiert hat.

    Wir versündigen uns auf Generationen von Menschen, die mehr Krisen zu bewältigen haben werden, als wir ihnen zumuten dürfen. Denkt mal an eure Kinder und Kindeskinder und dann faselt denen mal was vor, von wegen Marktfreiheit, Wettbewerbsfähigkeit, Bankenrettung, Rettungspakete….wenn das Sozialsystem bis dahin komplett unterhöhlt und Privatisierung auch die letzte Chance auf ein faires Einkommen dahingerafft hat, Tagelöhner und Armutsrentner das Straßenbild zieren. DAS IST PERVERS UND GEHÖRT GESTOPPT!!

    @Bubblegum und franz
    So ist es!

  • schnauzevoll - 7. Oktober 2011 Antworten

    “wenn jetzt wieder Gelder fließen, – und das werden sie – und ohne strengste Auflagen, wird das Ziel der totalen Verarmung und Verelendung großer Bevölkerungsteile eher erreicht, als durch diese schwachsinnigen, unregulierten Rettungspakete, wer immer diesen Stußbegriff auch kreiert hat. ”

    Sorry, muß natürlich heißen: Eher als durch Verstaatlichung und Lenkung des Finanzsektors! Offenbar habe ich mich so in Rage geschrieben, dass ich den Kern der Aussage glatt überstolpert habe! :D

  • SLE - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Zykliker,

    danke für den Kommentar – schöne Problemskizze.

    “Der Satz “Was gut ist für General Motors, ist auch gut für Amerika” war, als er ausgesprochen wurde, nicht völlig falsch.”

    Das ist völlig richtig. Wenn man sich entwickelnde Märkte und Volkswirtschaften betrachtet – was die Mainstream-Ökonomie aber leider nicht tut -, dann ist das “Big Business” nicht grundsätzlich als das “Übel” zu betrachten. Auch Chrysler, IBM und Intel oder Microsoft waren mal klein und innovative Angreifer auf Märkten und ihre Erfolge wirkten sich gesamtwirtschaftlich positiv aus.

    Nachdem sie aber führende Großunternehmen geworden waren, sind sie aus der Rolle des innovativen Angreifers in die des Verteidigers gewechselt, der kein Interesse daran haben kann, dass neue Innovationen die Märkte wieder umkrempeln und dazu führen, dass sie ihre führende Marktstellung verlieren.

    Das Big Business wird erst dann zum volkswirtschaftlichen Problem, wenn es ihm gelingt, die eigenen Marktposition und damit die Marktverhältnisse zu zementieren. Das haben wir jetzt.

    Es ist deswegen besonders unglücklich, dass die führende ökonomische Theorie – insbesondere auch die führende Wettbewerbstheorie – nahelegt, das “Big Business” zum Marktideal zu erheben – was die Politik dann auch getan hat und das ist es, worauf ich hinweisen wollte.

    Wenn enge, oligopolistische Märkte mit wenigen, sehr großen Wettbewerbern in der Realität zum allzeit gültigen Marktideal erhoben werden, weil die führende ökonomische Schule dies mit ewigem Wirtschaftswachstum assoziiert, dann ist das ein krisenverursachendes Kernproblem. Denn es bedeutet ja de facto, die Entwicklung von Märkten und Volkswirtschaften auf einem bestimmten Entwicklungsstand einzufrieren und die Entwicklung somit auszubremsen oder in letzter Konsequenz sogar zu verhindern. Es gibt also bedingt dadurch kaum mehr reale Chancen für innovative “Angreifer”, Erfolg zu haben und die Märkte – letztlich erneut zum Wohle der Gesamtwirtschaft – aufzumischen bzw. weiterzuentwickeln.

    “Eine politische Kultur müsste also rechtzeitig für eine Zerschlagung zu großer wirtschaftlicher Einheiten sorgen.”

    Das ist m. E. eine zentrale Frage – es gibt natürlich noch andere. Besser wäre es sogar noch, es würde über Wege nachgedacht, wie Grundlagen (ökonomische Ansätze) und eine politische Kultur geschaffen werden können, um zu verhindern dass – vereinfacht ausgedrückt – “Größe” sich zu einem die Stabilität von Märkten und Volkswirtschaften bedrohenden Problem entwickeln kann. Von Seiten der Ökonomen muss dafür aber auch (endlich einmal) Bezug genommen werden auf die Entwicklung von Märkten. In diese Richtung zielt mein Erklärungsansatz.

    Viele Grüße
    SLE

  • SLE - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Systemfrager,

    ich habe mich missverständlich ausgedrückt, sorry. Was ich sagen wollte, ist, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was die Marktwirtschaft leisten kann. Ob sie gut oder weniger gut funktioniert, wird deswegen auch nach unterschiedlichen Mastäben bemessen. Die liberalen Vertreter, die sich auf Friedrich A. von Hayek (und Adam Smith) berufen, vertreten beispielsweise die Auffassung, dass es keine Ergebnisnorm gibt, an der man die Marktwirtschaft messen könnte (für Insider: d. h. es ist alles o.k., solange formal freie Märkte gegeben sind). Andere definieren indirekt gesamtwirtschaftliche Wachstumsziele (über die Realisierung von Anpassungsflexibilität und technischem Fortschritt) als Norm. Beide Sichtweisen haben Schwächen.

    Gruß
    SLE

  • Systemfrager - 7. Oktober 2011 Antworten

    @ SLE

    Bitte nicht. Nur das nicht. Nicht Hayek und Smith nebeneinander stellen. Wenn du wüsstest, wie mein Herz jetzt blutet
    ;-)
    Gruss

  • SLE - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo schnauzevoll,

    auch jeder einzelne muss sich die Frage stellen, inwieweit er nicht mit seinem Verhalten, seinen Entscheidungen dazu beiträgt, dass es so weiter geht. Es muss ja nicht immer gleich an Demonstrationen wie jetzt in den USA gedacht werden. In den USA gibt es beispielsweise auch eine Initiative namens “Move Your Money”, bei der die Bürger ihre Konten bei Großanken auflösen und ihre Geldgeschäfte kleinen und mittelgroßen Regionalbanken anvertrauen.

    Wie weit geht denn aber die Bereitschaft der Bürger, selbst bewusst etwas zu ändern oder im Kleinen, für sich, zu unternehmen? Ich fürchte, nicht sehr weit. Dann darf man sich aber genau genommen auch nicht beschweren, dass sich nichts ändert.

    Viele Grüße
    SLE

  • SLE - 7. Oktober 2011 Antworten

    @ Systemfrager

    Och, nicht doch. Leg´s bitte nicht auf die Goldwaaage – hier sind ja nicht nur Experten. Aber es ist schon so, dass sich Hayek und seine Nachfolger auf Smith berufen und die neoklassische ökonomische Theorie ablehnen.

    Gruß
    SLE

  • Comino - 7. Oktober 2011 Antworten

    Wenn das einzige Werkzeug, das Du besitzt, ein Hammer ist, dann bist Du geneigt, jedes Problem als Nagel anzusehen. [Abraham Harold Maslow, 1908-1970, amerik. Psychologe]

    Auch das zurückstutzen der Banken und der Finanzwirtschaft ist ja ein schrumpfen und damit schon einmal der richtige Weg, denke ich. Wenn man dann noch z.B. eine Begrenzung von Reichtum und Profit hinkriegen würde (wer braucht sinnvollerweise Milliarden?) – möchte da jetzt nicht die Grenze ziehen sondern nur die Idee in den Raum werfen – gleichzeitig auf notwendigen Bedarf (Lebensunterhalt/Nahrung/Energie/Unterkunft/Kleidung mit Prio 0) der zu ernährenden Menschheit umstellt, dies mit regionalen Versorgern (meinetwegen sogar staatlich um VERRSORGUNG und nicht PROFIT zu sichern) und unter Einpreisung von Ressourcenverbauch und ökologischer Nachhaltigkeit, dann hätte ich gegenüber einer sozialen Marktwirtschaft nicht einmal etwas einzuwenden.

    Aber wer (außer ein paar Idealisten) denkt denn bitte schön in dieser egomanischen und kurzsichtigen Welt an so etwas? Es geht nur noch um den Mammon, um einigen wenigen das Leben im Luxus zu ermöglichen und etliche Millionen darben am Existenzminimum (und dabei rede ich nicht von Hartzlern oder Europäern). DAS ist meine Kapitalismuskritik (die ja nicht neu ist) – dass das Kapital halt immer nach der höchsten Profitrate strebt wenn ein Markt (im Sinne der Neoliberalen Sicht) sich selbst regelt – und das weltweit.

    Noch mal: ich brauche keine 16 verschiedenen Ketchup-Sorten (ist sowieso die Frage ob ich Ketchup überhaupt benötige, aber das ist eine andere Diskussion) während andere nicht einmal ihre nächste Mahlzeit realisieren können. Auch der ganze sonstige Luxus den wir uns auf Kosten anderer erlauben (gerne genannt: Lebensstandard) ist schlicht und ergreifend maßlos…und dort muß man m.M.n. ansetzen (und es nicht der Globalisierung überlassen hier zu nivellieren). Dieser Ganzheitliche Ansatz als Menschheit – die einzige sinnvolle Lösung – ist schlichtweg nicht möglich, man sieht es an Kyoto-Protokollen oder Uno-Resolutionen…der Mensch bewegt sich nur mit Gewalt. In diesem Zusammenhang bekommen auch die Panzerlieferungen an Griechenland ein…Geschmäckle.

    Wir diskutieren und parlieren, lassen unsere Parlamente beraten – und in der Zwischenzeit fackelt der Planet langsam ab. Genauso sieht es aus – und ich sehe, tut mir leid, keine Umkehr oder Einsicht – eher noch den Süchtigen der seine Abstinenz durch Ersatzmittel oder Streckung hinauszuzögern versucht, solange es geht.

    Ich bin Weiss-Gott niemand der den Crash herbeisehnt (und die damit einhergehenden Unruhen und Umwälzungen) – da sich aber seit Rom nicht viel geändert hat (vielleicht sogar seit den ersten Stadtbildungen/Verstädterungen) wird es auch diesmal nur mit bewaffneten Konflikten (siehe Nordafrika) zu einer wirklichen Änderung kommen, schließlich gilt es den Lebensstandard (auf welcher Höhe auch immer) zu verteidigen…wir sind und bleiben wahnsinnig in unserem Tun. Es mag vereinzelt Menschen geben, die sich mit solchen Dingen auseinandersetzen und sogar Problemlösungen erarbeiten oder versuchen nach anderen Regeln zu leben, 99,99% der Spezies hat aber durchaus andere Dinge zu tun, als sich mit solchen Dingen zu belasten. Entweder im Kampf ums tägliche überleben oder aber im Kampf mit der Fernbedienung oder dem Markt – je nach Sicht.

    Und diese Kritiker gab es immer und zu allen Zeiten. Fakt ist: immer schneller, immer größer, immer waghalsiger. Anders kann es der Mensch nicht. Beweise liefert die Geschichte. Wir können froh sein, dass wir auf diesen Planeten (oder dieses Sonnensystem) begrenzt sind. Mag mir gar nicht ausmalen wohin es führen könnte wenn der Mensch tatsächlich einmal in der Lage wäre diesen Planeten zu verlassen und andere zu besiedeln.

    Kurzum: ich sehe keine Lösung die umsetzbar wäre, weil der Mensch halt in seinem Inneren zerstörerisch, eigensinnig und rücksichtslos ist. Einzig ein wirklich globaler Crash könnte evtl. noch zum umdenken ZWINGEN!!! Denn ohne Zwang wird das nix…Anreize (das Leben selbst ist so schön und die Natur so wundervoll) gibt es zur Genüge sich um diesen Planeten zu kümmern und allen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Solange sich aber die Gesellschaft nicht wirklich in ihrem Inneren neu ausrichtet zur Erhaltung und Pflege des Ökosystems und nicht der schonungslosen Ausbeutung für lackierten Sondermüll, solange wird sich NICHTS ändern. Reform…schon wieder ein Nagel…wo ist mein Hammer?

  • Systemfrager - 7. Oktober 2011 Antworten

    @ SLE
    Nein, nein … ich bin locker. (Und in den Kommentaren “ein bisschen patzig” – dass müsstes du schon merken.)
    Es stimmt natürlich, dass Mises, Hayek & Co. den neoklassischen “Konstruktivismus” ablehnen, also die neolklassischen Modelle und die ganze Mathe, sie sind mit denen Ergebnissen 100% einverstanden.

    Und diese Ergebnisse sind etwas, was ziemlich anders aussieht, als das, was Smith sich dachte.

  • mitwisser - 7. Oktober 2011 Antworten

    Letzlich gehört dem Finanzsektor der grösste Teil des Investmentbankings abgeschnitten, da dieser über die Jahre zu einer Zockerbude mutiert ist, mit einer enormen Umverteilung von Papiergeld zu Lasten der Steuerzahler, wie immer klarer wird.
    Wall Street, die Londoner City und noch ein paar kleinere Akteure werden aber auf die übelsten Ideen kommen, die Politik hiervon abzuhalten.

  • Tourist - 7. Oktober 2011 Antworten

    Nun ja SLE, meine kritischen Einwände umschiffst du ja gekonnt, als wären sie garnicht da!

    Und ich finde, so sollte man bei einer Auseinandersetzung auch auf den anderen bestmöglichst eingehen!

    Nochmals: Allein die Tatsache, dass du einer Marktwirtschaft Funktionsfähigeit unterstellst, setzt ein Optimum voraus!
    Und das hat die Marktwirtschaft nicht! Das ist gar nicht der Sinn, wenn Angebot und Nachfrage aufeinander treffen!

    Was ist das überhaupt für ne Argumentation! Du weisst, die Marktwirtschaft funzt nicht optimal praktisch, nur ab und zu ein bisschen, aber wir koennen es optimaler einrichten!

    Herrschaftszeiten! Ein Optimum, werter LSE ist eine Zielvorgabe! Und das ist mal wieder die alte heilsversprechende Rechtfertigungstrategie für die Marktwirtschaft!

    Früher war die Marktwirtschaft toll, weil der Sozialismus schlecht war! Heute ist die Marktwirtschaft toll, weil sie mal besserrererereerererere Zeiten gesehen hat!

    Und diesen Zustand könne man ja anstreben, also die Marktwirtschaft in diesen näherungsweisen Optimalzustand bringen! Nur bedarf dazu einer Elite, die das auch erkennt!

    SLE, du bist da ein Idealist! Netter immerwährender strategischer Rettungsversuch zur Ehrenrettung der Marktwirtschaft, aber faktisch und analytisch weit von der Realität und der Empirie, meint auch Praxis, entfernt!

    Die Marktwirtschaft strebt nach keinem Optimum! Punkt!
    Warum?
    Die Produzenten streben nach Absatz, mit Biegen und Brechen und das isses! Alles andere ist zweit- , dritt oder viertrangig oder noch weiter weg! Was ist denn daran optimal, vor allem makroökonomisch betrachtet, wenn man immer mehr und immer günstiger produziert, um genug Umsatz zu machen, um damit widerum Rechnungen zu bezahlen!? Nix! Das ist überhaupt nix dran optimal!

    Es kann nicht optimal sein, egal in welchen Zustand die Marktwirtschaft stehen würde, da die Bedürfnisse und deren Befriedigung mit einer entsprechenden Mengenanzahl von Produkten in gar keinem Verhältnis (!!!!!) steht!

    Es wird eben nicht für Bedürfnisse produziert, sondern für Gewinne! Der Konsument geht heute in eine Shoppinghalle und sucht aus zwischen den Waren, die da vor ihm liegen, schön marketingtechnisch mit Glücks- und Heilsversprechen aufbereitet! Der Konsument hofft, das in der Vielzahl des ganzen produzierten Unsinns etwas liegt, dass seinem Bedürfnis nahe kommt!

    “Hm was soll ich denn essen! Ich schlender mal durch die Regale!”

    “Hmm was soll denn für nen Auto fahren? Gehen wa mal in die Autohalle!”
    Hm, was soll ich denn anziehen. Ich weiss es nett, gehen wa mal shoppen.”

    Und die viel wichtigere Frage dabei für dei Produzenten: “Hm, können die Idioten, die gar nicht wissen, was sie befriedigt haben wollen, sich das überhaupt leisten!”

    Allein die Tatsache, dass die Unternehmen Mrd. ausgeben fürs Marketing, zeigt , dass die Unternehmen eben nicht für Bedürfnisse produzieren! Würden sie für Bedüfrnisse produzieren bräuchten sie kein Marketing, weil ja klar ist, dass die Sachen abgesetzt werden, wenn sie eben NOTWENDIG sind!

    Erst wird produziert auf halbswegs sicheren Umfragen, dann werden Mrd. in Werbekampagnen ausgegeben, um dann erst die Bedürfnisse in den Köpfen der Menschen zu pflanzen und hofentlich reift das Pflänzchen und der Konumdepp WILL dann ALLLESSS kaufen!

    Eine NOTWENDIGE Produktion von Gütern zur Befriedigung von Bedürfnisse bedarf gar keiner Werbung, eben da es ein notwendiges Bedürfnis ist und dieses Bedürfnis eine NOTWENDIGE Produktion braucht!

    NOTWENDIGE SÄTTIGUNG ist der Stillstand jeder Marktwirtschaft!!!!!!!!!

    Unterbevölkerung ist er STILLSTAND der Marktwirtschaft!

    Marktwirtschaft muss also immer mehr tun als eigentlich notwendig ist. Mehr Konsumenten züchten, überdimensional viele Güter produzieren! Auf Teufel komm raus, um Gewinne zu machen ! Denn ohne Gewinne kein marktwirtschaftliches überleben!”

    Das sind die Wesenszüge der Marktwirtschaft, egal in welchen Zustand sie sich befindet oder welches Adjektiv du da vor setzen willst. Eins nur ist klar, es geht hier nicht um ein Optimum zwischen Bedürfnis und Produktion, sondern um Absatz und Gewinn in Geldwerten gemessen!

    Es gibt die freie Marktwirtschaft, die soziale Marktwirtschaft, sogar die neue soziale Marktwirtschaft, die angelsächsische Marktwirtschaft, die chinesische Marktwirtschaft, die wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft, die oligolopolistische Marktwirtschaft, die innovative Marktwirtschaft, die schlechte Marktwirtschaft, die degenierende Marktwirtschaft und so fort und so fort! Es gibt sogar eine kubanische Marktwirtschaft!

    Bei aller Typisierung ist eines klar, ES HANDELT SICH IMMMER UM MARkTWIRTSCHAFT und die ist das Problem nicht ihre Adjektive davor! UND für diese ist eines kennzeichnend: Das streben anch steigendem Absatz, Gewinn, nicht notwendige Produktion und weiterhin ist für ie kennezeichnend, die lästige Arbeitskraft möglichst von der Produktion und vom Gewinn fernzuhalten! Auf der anderen Seite ist Lohn die einzige Möglichkeit für Haushalte Waren zu kaufen! Alle marktiwirtschaftlichen Unternhemen wollen kaum, am besten so wenig wie möglich Lohn zahlen, aber alle Unterehmen wollen sovile LOHNKaufkraft wie möglich auf sich vereinigen!

    Und in diesen Merkmalen der Marktwirtschaft gibts kein objektives (theoretisches) Optimum drin!

    @ Stephan

    Wenn jemand mich nach der Alternative fragt, gibt er meiner Kritik erstmal unwidersprochen recht! Und wenn ich dann keine Antwort habe, wird meine Kritik dadurch aber eben nicht falsch!! Das Porblem liegt darin,dass die Frage nach der Alternative nicht von einem einzelnen beantwortet werden kann, da die Alternative voraussetzt, zu wissen, nach was den Menschen bedarf!

    Dass könnte man ja bspw. für Ernährung ganz schnell statistisch “von unten nach oben” ermitteln! Und dann organsiert man ein Produktionsapparat, der diese Nahrungsmenge herstellt!

    Da muss überhaupt nichts dran marktwirtschaftlich organisiert werden!

    Zur Alternative: “http://stattkapitalismus.blogsport.de/”

  • Tourist - 7. Oktober 2011 Antworten

    “Da muss überhaupt nichts dran marktwirtschaftlich organisiert werden!”

    Schon falsch formuliert!

    Die Marktwirtschaft organisiert gar nichts, sondern begünstigt nur gewinnmmaximierende Produktion und nicht notwendige Produktion!

  • Stefan L. Eichner - 7. Oktober 2011 Antworten

    @ Tourist

    Ich habe nicht von Optimierung der Marktwirtschaft gesprochen – zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil habe ich darauf hingewiesen, dass es den perfekten Zustand nicht gibt. Funktionsfähig – und ich habe auch erklärt, dass er unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich dessen, was die Marktwirtschaft leistet, und wie das gemessen werden kann, gibt – ist etwas anderes als optimal.

    Ich weiche Deiner Kritik nicht aus, so lange Du damit das ansprichst, was auch wirklich von mir gesagt oder geschrieben bzw. erklärt worden ist. Was Du da alles hinein interpretierst, geht mir zu weit. Ansonsten vertritts Du sehr dezidiert Deine ganz spezifische Sicht der Dinge. Das ist Dein gutes Recht, das kannst Du tun. Mir persönlich bist Du dabei aber zu apodiktisch und nicht konstruktiv.

    Grüße
    SLE

  • Stefan L. Eichner - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo Comino,

    “Wenn das einzige Werkzeug, das Du besitzt, ein Hammer ist, dann bist Du geneigt, jedes Problem als Nagel anzusehen. [Abraham Harold Maslow, 1908-1970, amerik. Psychologe]”

    Ein wahres Wort. Aufklärung kann so gesehen nicht verkehrt sein. Hören, sehen und denken, muss allerdings schon jeder selbst.

    Viele Grüße
    SLE

  • Russe - 7. Oktober 2011 Antworten

    SLE
    >>Hören, sehen und denken, muss allerdings schon jeder selbst.<<

    Höret zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat, die da Augen haben, und sehen nicht, Ohren haben, und hören nicht! :-)

  • Z - 7. Oktober 2011 Antworten

    Hallo bubblegum,
    meinen Sie die Themenwoche “Sein und Haben”, die vor einiger Zeit auf 3Sat lief? Oder meinen Sie “Sein und Haben – Être et avoir”? ;)
    Das ein Zusammenbruch von grossen Banken den Zahlungsverkehr auch in Mitleidenschaft ziehen wird, vertrete ich nicht als These. Dies ist vielmehr eine Befuerchtung. Ich bin sogar strickt gegen eine Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler! Mir ist nur ein System bekannt, indem Unternehmen nie Pleite gingen: Der Kommunismus. Heute haben wir eine perverses Konstrukt von Kapitalismus und Sozialismus. Grosse Firmen (inkl. Banken) werden mit Steuergeldern gerettet und die KMUs schauen durch die Finger. Auch aus diesem Grund habe ich auf die Plaene der Austrians verwiesen, um unser Geldsystem zu revolutionieren.
    Beste Gruesse
    Z

  • Emotionen - 8. Oktober 2011 Antworten

    Ein paar emotionale Bilder, die gut in andere Länder passen würden:

    http://www.youtube.com/watch?v=v5zmzV5IxpQ

    Nur damit auch alle begreifen, wie ernst die Sache ist und um wie viel die Dinge ernster werden:

    http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/navidi/Man-wird-hart-durchgreifen-article4472636.html

  • Tourist - 8. Oktober 2011 Antworten

    Hallo SLE,

    du schreibst:
    “Funktionsfähig – und ich habe auch erklärt, dass er unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich dessen, was die Marktwirtschaft leistet, und wie das gemessen werden kann, gibt – ist etwas anderes als optimal.”
    Is es nicht!
    Nen bisschen optimal ist nen optimaler Zustand^^! Auch wenn du sags, den absoluten gibts nicht dann setzte ich halte den suboptimalen Zustand als optimalen Zustand, um das allerbeste aus der Marktwirtschaft zu queezen!

    Jacke wie Hose!

    gruss Tourist

  • Tourist - 8. Oktober 2011 Antworten

    Wer die Marktwirtschaft will , verspricht sich etwas von ihr, was sie “Leistet” und was ist das bitte schoen?

    “Mir persönlich bist Du dabei aber zu apodiktisch und nicht konstruktiv.” Und? Was ja nicht falsch bedeutet! Ich nehme das mal als Kompliment! Irgendeiner muss ja den Scheiss beim Namen nennen^^ und das konsequent^^! Die einzige Konstruktivität liegt darin zu erkennen, woher all der Schaden kommt, der uns um die Ohren wirbelt! Und wer das checkt, kann nur die Abschaffung der Marktwirtschaft fordern! Alles andere finde ich nicht konstruktiv!

    Aber nun ja! Durch Reibung wächst man und schärft seine Sicht! ^^

    Gruss Tourist

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