OTC-Derivate-Casino mit 707,569 Billionen Dollar an nominalen Volumen

von am 4. Dezember 2011 in Allgemein

Abseits wohlfeiler Absichtserklärungen in Punkto Finanzmarktregulierung seitens der Politik feiert das Finanzmarkt-Casino Urstände. Einen Beleg dafür lieferten die letzten Daten der Bank for International Settlements (BIS), welche als Bank der Zentralbanken fungiert, zum unregulierten Over-the-Counter-Derivatemarkt. Das ausstehende nominale Wettvolumen der Derivate explodierte im 1. Halbjahr 2011 um +18,0% bzw. um +105,523 Billionen Dollar, im Vergleich zu Ende 2010, auf 707,569 Billionen Dollar.

Die Entwicklung des ausstehenden nominalen außerbörslichen (Over-The-Counter) OTC-Derivate-Volumen seit dem 1. Hj. 1998 bis zum 1. Hj. 2011 im Chart. Im 1. Hj. 2011 stieg das ausstehende nominale Derivatevolumen mit 707,569 Billionen Dollar auf ein neues Allzeithoch.

Selbst beim Handel mit Credit Default Swaps (CDS), ob nun als Absicherung gegen potentielle Verluste aus Krediten, oder als Spekulation auf Zahlungsausfälle, kam es zu einem Anstieg des nominalen Wettvolumens, von +8,4% bzw. um +2,512 Billionen Dollar im Vergleich zum Ende. 2010. Die riskanten Kreditderivate (durch das Counterparty Risk – dem Ausfall einer Gegenpartei) stiegen nun erstmals wieder, auf ein ausstehendes nominales Volumen von 32,409 Billionen Dollar!

Die Entwicklung des nominalen Volumens der Kreditderivate seit dem 2. Hj. 2004 bis zum 1. Hj. 2011. Im 1. Hj. 2011 stieg das CDS-Volumen auf 32,409 Billionen Dollar, nach 29,898 Billionen Dollar Ende 2010. Das Hoch beim nominalen fiktiven CDS-Wettvolumen wurde im 2.Hj. 2007 mit 58,244 Billionen Dollar markiert.

Mit einem Volumen von nominalen 553,880 Billionen Dollar trugen die Zins-Derivate in der Gesamtbilanz des OTC-Marktes auch im 1. Hj. 2011 den größten Anteil und stiegen im Vergleich zu Ende 2010 um +19,05%.

Es folgen die Devisen-Derivate mit einem Volumen von 64,698 Billionen Dollar, ein Anstieg von +11,94% zu Ende 2010.

Die Rohstoff-Derivate stiegen um +9,41% zum Ende 2010, auf ein ausstehendes Volumen von 3,197 Billionen Dollar.

Die Aktien-Derivate kletterten auf ein Volumen von 6,841 Billionen Dollar, ein Anstieg von +21,4% gegenüber Ende 2010.

Der Bruttomarktwert (Gross Market Value) der OTC-Derivate, welcher den Wiederbeschaffungswert bzw. die Wertänderung aller bestehenden Verträge anzeigt, sank allerdings um -8,35% im Vergleich zu Ende 2010, auf 19,518 Billionen Dollar und ist vor allem auf den Rückgang des Marktwertes für Zinsderivate zurückzuführen.

Nach Logik der Derivate-Akteure überzeichnet das ausstehende nominale Volumen von 707,569 Billionen Dollar an OTC-Derivaten das Risiko, denn der Bruttomarktwert der Kontrakte betrug “nur” 19,518 Billionen Dollar. Die BIS liefert für das 1. Hj. 2011 zur Risikoabschätzung der Derivate noch ein Gross Credit Exposure von 2,971 Billionen Dollar, nach 3,480 Billionen Dollar Ende 2010. Das Gross Credit Exposure zeigt das Kontrahentenrisiko bzw. die Ausfallgefahr an und ergibt sich nach dem Netting, dem gegenseitigen Aufrechnen von derivativen Forderungen und Verbindlichkeiten und einem kleinen Zuschlagsfaktor für das potentiell zukünftige Kreditrisiko, welcher gestaffelt nach Restlaufzeiten der Kontraktverträge draufgeschlagen wird. Diese Sichtweise geht allerdings von optimal funktionierenden Märkten aus. Das Kontrahentenrisiko ist komplex und die Verflechtung der Verbindlichkeiten intransparent. Im Falle illiquider Märkte und dem Ausfall einer Gegenpartei, gerade bei den Kreditderivaten, ist diese Sicht nicht haltbar. Vor allem die Konzentration auf wenige Player im Derivate-Casino erhöht das Risiko. Dies dokumentiert auch der Herfindahl-Index der BIS, der das Maß für die Marktkonzentration anzeigt.

OTC-Derivate sind verbriefte Wetten zweier Kontraktparteien über die zukünftige Entwicklung von Zinsen, Währungen, Rohstoffen, Unternehmen, Anleihen, Kreditverbriefungen, Aktien und anderen handelbaren Finanzinstrumenten. Derivate, ursprünglich als Instrument zur Absicherung von Risiken geschaffen, sind das dynamischste Wachstumssegment an den globalen Finanzmärkten und zugleich ein großes Risiko für das gesamte Finanzsystem. Vor allem die Kreditderivate hatten ein effizienteres Verteilen von Risiken und damit auch die Reduzierung des aggregierten Risikos innerhalb einer Volkswirtschaft zum Ziel. Das Ergebnis war jedoch ein riesiger Kreditrisikenverschiebebahnhof, bis zur Unkenntlichkeit wurden Risiken verschoben und dienten vor allem denen, die die eingegangenen Risiken nicht tragen wollten! Derivate und ihre unzureichenden Bilanzzierungsregeln sind Hort von getunten Bilanzen und intransparenter Risiken der Banken! Derivate dokumentieren außerdem auch die ungehemmte Entkopplung des Finanzmarktes von der Realwirtschaft. Das exponentielle Wachstum dieser “Werte” birgt ein systemisches Risiko in sich. Die Explosion der Derivate-Wetten war zugleich Zeichen der Deregulierung und Liberalisierung an den Finanzmärkten.

Nun wird vermeintlich gegengesteuert. Bereits beim G20-Gipfel in Pittsburgh am 25.09.2009 wurde beschlossen bis Ende 2012 alle Derivatekontrakte weitgehend zu standardisieren und über Börsen bzw. über elektronische Handelsplattformen zu handeln und das Clearing ausschließlich über eine zentrale Gegenpartei erfolgen zu lassen. Geschäfte mit OTC-Derivaten sollen dann auch an ein Transaktionsregister gemeldet werden. Diese “Regulierung”, in erster Linie eine Standardisierung und zentrale Abwicklung der OTC-Derivate, könnte auf Grund der Vereinfachung und der vermeintlich höheren Sicherheit durch zentrales Clearing (Central Counterparties (CCPs) den Effekt haben, dass der Handel mit Derivaten für die spekulativen Akteure noch attraktiver wird, durch die Internalisierung der Risiken in die CCPs und den Effizienzvorteilen gegenüber der bisherigen bilateralen Abwicklung des Handels. Somit könnte sich ins Gegenteil verkehren, was eine ernst gemeinte Regulierung zur Eindämmung spekulativer Aktivitäten als Ansatz hätte, falls dies überhaupt je der Ansatz war. Weiterhin lassen die G-20 auch noch Ausnahmen vom zentralen Clearing zu, die nicht standardisierbaren, aber wirtschaftlich “sinnvollen” Derivaten können weiterhin bilateral abgewickelt werden. Spätestens hier wird klar, dass auch in Zukunft das Casino nicht beschränkt wird, sondern nur erweitert. Denn too big too fail wird auch für die künftig geschaffenen zentralen CCPs gelten, dreimal kann man raten, wer beim bereits systemimmanenten chronischen Moral Hazard im Finanzsystem im Notfall einspringen muss und die zentrale Clearingstelle und damit in Folge auch die Wettteilnehmer raushauen wird (Bailout). Auch die von der G-20 geplanten elektronischen Handelsplattformen dürften eine erhöhte Umschlagsgeschwindigkeit (Derivate-Trading) der Derivatekontrakte ermöglichen und dies könnte letztlich zu einer Quelle erhöhter Instabilität mutieren.

Der BIS-Bericht für das 1. Halbjahr 2011 verdeutlicht einmal mehr, nichts hat sich zum Besseren gewendet, dieselben Strukturen die zur Wirtschafts- und Finanzkrise führten sind komplett intakt und Dank Moral Hazard sind die Akteure weiterhin gewillt immense Risiken einzugehen, die potentielle Sozialisierung der Verluste über die Steuerzahler im Hinterkopf. Weiterhin harrt die Welt einer Finanzmarktreform, die den Namen verdient und die Risiken radikal durch ein Einschränken der spekulativen Aktivität minimiert. Seit Jahren wird in Punkto Finanzmarktkontrolle nur geschwafelt aber nicht geliefert.

Quelle Daten:  Bis.org/PDF: OTC derivatives market activity in the first half of 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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38 KommentareKommentieren

  • Thorsten Eckau - 4. Dezember 2011

    Erst einmal, ganz herzlichen Dank für diese Infos. Natürlich hat jeder “gefühlt” mitbekommen, dass sich nicht wirklich was geändert hat, reguliert wurde eh nicht, aber auch dass die Player von sich aus eingesehen hätten, dass es so nicht weiter gehen kann, war natürlich klar. Umso interessanter diesen Report hier zu lesen, danke!

    “Nach Logik der Derivate-Akteure überzeichnet das ausstehende nominale Volumen von 707,569 Billionen Dollar an OTC-Derivaten das Risiko, denn der Bruttomarktwert der Kontrakte betrug “nur” 19,518 Billionen Dollar. Die BIS liefert für das 1. Hj. 2011 zur Risikoabschätzung der Derivate noch ein Gross Credit Exposure von 2,971 Billionen Dollar, nach 3,480 Billionen Dollar Ende 2010.”

    Tja, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass das Welt-BIP bei ca. 60 Bio. USD liegt, dann wird klar dass selbst das kleinste der möglichen Risiken bei einem “Knall” immer noch ein Erdrutsch sondergleichen werden wird… Tendenz: Schneller schlimmer werdend bei weiter steigenden Casinoeinsätzen. Wie soll man da halbwegs optimistisch bleiben?

  • Lazarus09 - 4. Dezember 2011

    Besten Dank einmal an dieser Stelle für die großartige Datenaufbereitung und Analysen ..

    Ja was soll man zu diesen Zahlen sagen ..? Die Krise™ sind uneinbringbare aufgeblasene Schuld/Zinsforderungen die zu keiner Relation oder Gegenwert stehen .. Nach einem James Bond Thema :

    “Die Welt ist nicht genug “

    666

    • Russe - 5. Dezember 2011

      Warum kein Gegenwert? 7 Mlrd. Sklaven, die geopfert werden können.

  • der-oekonomiker - 4. Dezember 2011

    War irgendwie überfällig, dieser Bericht. Das Ausmass dieser Giftmüllmenge ist doch längst schon verdrängt oder gleich in Vergessenheit geraten. Es gibt sogar eine Schätzung in den USA, die geht von 1.000 Billionen USD aus (Hera Research Newsletter). Dieser Müll wäre doch so einfach zu entsorgen: Einfach alle Nullen wegstreichen, schon ist die Sache geritzt. Oder?

  • lenin - 4. Dezember 2011

    Lass platzen! Auch wenn es schwer wird, es muss ein “reset” geben. Ich glaube die ganzen Horrorszenarien über die zusammenbrechenden Finanzmärkte nicht. Das Leben geht weiter.

  • SLE - 4. Dezember 2011

    Danke für das Update der Zahlen zum Derivatemarkt. Mit einem solch drastischen Anstieg (+ 18%!) hätte ich nicht gerechnet.

    Ich habe gerade noch mal nachgeschaut: Der IWF geht für 2011 von einem Welt-BIP von 70,01 Billionen Dollar aus (gegenüber 62,91 Bio. USD in 2010). Das Derivatevolumen liegt jetzt also exakt beim zehnfachen des Welt-BIP (gegenüber dem 9,6-fachen Ende 2010).

    Ende Juni lag (laut OCC-Report) das in US-Bankbilanzen schlummernde nominale Derivatevolumen bei 249 Mrd. Dollar und 95 Prozent davon bei nur fünf Banken (bei insg. 1071 Derivate handelnden US-Banken). Die Holdings dieser fünf Banken kamen sogar auf knapp 320 Mrd. Dollar an Derivaten.

    Und wenn man sich dann vor Augen führt, dass alle Welt ein zweites Lehman fürchtet und wie viele Prozesse wegen solcher Papiere vor allem in den USA (jetzt auch forciert von der US-Staatsanwaltschaft) gegen Banken laufen, auch gegen die Deutsche Bank (Stichwort: Zins-Swap-Geschäfte), dann fragt man sich, was diese dazu treibt, das Wettvolumen noch zu erhöhen. Verstehen kann man es nicht.

    • SLE - 5. Dezember 2011

      Oups – es mus natürlich Billionen Dollar heißen.

  • markus - 4. Dezember 2011

    7*10^14
    verrückt.

    Bald lachen wir über den Sprung der Zahlwörter als Indikator der Krise des Finanzmarktcasinos von Mrd. nach Billionen. Bald denken wir dann also in Billarden, engl. quadrillion.

    Die zeitlichen Intervalle von einem Zahlwort zum nächsten werden immer kürzer. Ein klares Zeichen vom Ende einer exponentiellen Entwicklung = Ende der Fahnenstange.

  • M.E. - 4. Dezember 2011

    Jeder ist überschuldet (alle großen Staaten, eine Vielzahl von Bundesstaatlichen Gebietskörperschaften, eine Vielzahl von Kommunen, eine Vielzahl großer Banken, ein nicht unbeträchtlicher Teil der Firmen in verschiedensten Ländern, ein Großteil der Verbraucher in wichtigen Ländern), die Aufschuldung schreitet weiter ständig voran…
    Aber alle Gläubiger und ihre Forderungen sind gleich mehrfach abgesichert.

    Da KANN doch garnichts schief gehen.
    lol

    Hallo Lenin (Du hier?),
    Reset ist ein schönes Wort. Klingt so schön harmlos. Garnicht nach massenhaften Firmenzusammenbrüchen, nach noch viel größerer Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut, nach gewaltigen sozialen Explosionen, nach Zusammenbruch von Lieferketten…

    Ja, “Reset” hat irgendwie einen Wohlfühlfaktor.
    Also mir persönlich wäre ein Reset am Freitagabend am liebsten, damit Montagfrüh die Welt dann wieder in Ordnung ist.
    2 Tage sollten doch reichen für einen reset.

    • Lothar - 6. Dezember 2011

      Na ja in der Weimarer Republik hat der Reset 9 Monate gedauert. Das wuerde ich diesmal auch so als Zeithorizont sehen wenn wir nicht Merkel haetten, die braucht 9 Monate fuer jede einzelne Entscheidung.

  • Kistrof - 4. Dezember 2011

    Danke für die interessanten Statistiken! Neben dem schieren Volumen des OTC-Marktes ist es vor allem die Intransparenz, die Sorge macht.

    Grundsätzlich muss man festhalten, dass die Erfindung des Geldes und des Kredits eine enorme Erfolgsgeschichte ist. Mit Geld kann man effizient tauschen, mit Kredit kann man Kapital bündel und investieren. Ein gewisses Maß an Vitualität ist also nützlich. Geld schafft eine Enkopplung von Gegenstand und Eigentümer und erhöht damit die Effizienz des Systems. Auch Derivate können nützlich sein.

    Die entscheidende Frage ist: Wieviel Virtualtität und Komplexität verträgt das System? Wie weit kann man Gegenstand und Eigentümer entkoppeln? Meiner Meinung nach hat Komplexität einen Preis, folglich gibt es da Grenzen, eine Art “Peak Complexity”.

    Nach der klassischen Thorie der Märkte funktioniert ein Markt dann gut wenn alle Akteure perfektes Wissen über den Marktgegenstand haben. Das war schon immer ein frommer Wunsch aber zumindest war es näherungsweise plausibel. Im jetzigen Zustand der Finanzmärkte ist das völlig absurd. Letztlich weiß keiner mehr wer für welches Risiko einsteht, wer welche Ansprüche hat und was im Falle X passiert. Man versuche nur mal eine Bankbilanz zu verstehen. Mangelnde Transparenz untergräbt das Vertrauen und hemmt die Verantwortungsbereitschaft. Das kann nicht gut sein.

    Sehr bedauerlich ist daher, dass die Politik nicht eine REDUKTION der Komplexität anstrebt, sondern immer neue Schichten von Komplexität oben drauf sattelt! Die Rettungsschirme, die vermurksten Regulierungsversuche, die Notkredite – all das macht die Sache nur noch komplizierter. Anstatt Griechenland einfach pleite gehen zu lassen und dann zu helfen, verpulvert die EU ihre Energien in Rettungsmechanismen, die keiner mehr versteht und denen folglich keiner mehr vertraut. Kein Wunder, dass das nicht klappt.

    O.K. – es ist weit hergeholt aber mich erinnert der Finanzmark ein wenig an die katholische Kirche gegen Ende des Mittelalters. Der Klerus hatte längst den Kontakt zum normalen Leben verloren. Man beschäftigte sich mit Machterhalt und aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbaren religiösen Spezialfragen. Die Kirche hatte eine wichtige gesellschaftliche Funktion aus der sich dann ein völlig abgekoppelter Apparat entwickelte, der den Rest der Gesellschaft behinderte. Erstaunlicherweise gibt es den Apparat heute immer noch, verbreitet schwülstige Belehrungen und übt weiterhin Macht aus.

    Mal gucken wie das ausgeht.

    • Holly01 - 5. Dezember 2011

      Hallo Kistrof,
      “Der Bruttomarktwert (Gross Market Value) der OTC-Derivate, welcher den Wiederbeschaffungswert bzw. die Wertänderung aller bestehenden Verträge anzeigt, sank allerdings um -8,35% im Vergleich zu Ende 2010, auf 19,518 Billionen Dollar und ist vor allem auf den Rückgang des Marktwertes für Zinsderivate zurückzuführen” ist ja ein Zitat aus dem Text von Querschuss.
      Wenn ein Markt im Nominalvolumen um 18% steigt und gleichzeitig im Realwert um 8,35% sinkt, dann kann man schon einmal ins Grübeln kommen.
      Die welche am meisten Vorteil aus dem Markt ziehen, werden auch am meisten für diesen Markt tuen.
      Bankgewinne, Zinsgewinne und vieles mehr wird durch Volumenerhöhung und rollen in die Zukunft erzeugt.
      Realverluste sind dabei nicht ganz zu vermeiden.
      Bei den Summen kann man schon einmal überlegen, wo man das ganze Geld unterbringt. Das ist ja knapp das BIP der USA.

      • Lothar - 6. Dezember 2011

        Das ist viel einfacher (wenn ich nicht ganz daneben liege), die Versicherungssumme ist um 18% gestiegen aber die Praemien um 8,35% gefallen. Sagt uns das jetzt wirklich irgendwas? Wenn ich weiss das ich einen Zahlungsausfall soweiso nicht verkrafte weil ich bankrott bin kann ich auch noch versuchen per Discount noch ein paar Vertraege mehr abzuschliessen.

  • M.E. - 4. Dezember 2011

    Hallo Kistrof,
    brilliant, Dein Beitrag. Wobei der Vergleich mit der Kirche etwas hinkt – wie alle Vergleiche. Aber ich weiß, wie er gemeint ist. Loslösung von der realen Welt endet immer im Fiasko.

    Aber genau das ist es: extreme Virtualität, Komplexität und Intransparenz.
    Und die Intransparenz nicht etwa nur für die Außenstehenden, sondern auch für die Experten. Deshalb der Zusammenbruch des Vetrauens zwischen den Banken. Jeder rechnet inzwischen bei jedem mit eine plötzlichen Schieflage. Weil jeder Bankvorstand sein eigenes Kartenhaus kennt (zumindest ansatzweise) und vermutet, dass das Kartenhaus der anderen genau so oder noch mehr instabil ist, wie das eigene. Und weil jeder Bankvorstand weiß, dass Bilanzen heute nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

    Und das bezieht sich schon auf den sogenannten “regulierten Bankenmarkt” (kleiner Witz, das erste Wort) und nicht auf den völlig unregulierten, riesigen Bereich der Schattenbanken.
    Niemand auch von den allerschlauesten Experten kann heute noch abschätzen, welche Rückkopplungen der Fall auch nur eines größeren Dominosteines hat.
    Deshalb werden bei Auslösung eines Großereignisses alle furchtbar erstaunt sein, wie gewaltig und umfangreich die Schockwellen sind und wie schnell alles gehen wird.

    • M.U. - 5. Dezember 2011

      Hallo Kistrof, brilliant, Dein Beitrag.
      Jawohl, dem kann man nur vollumpfänglich zustimmen. Wir stehen vor dieser gewaltigen, selbsterbauten Maschinerie und blicken nicht mehr durch. Jeden Ökonom oder Experten der das Gegenteil behauptet kann man nur noch als verrückt bezeichnen.

    • Catweazle - 5. Dezember 2011

      “Deshalb werden bei Auslösung eines Großereignisses alle furchtbar erstaunt sein, wie gewaltig und umfangreich die Schockwellen sind und wie schnell alles gehen wird.”

      Da fällt mir dann nur noch ein Spruch ein:
      TOO BIG TO RESCUE!

  • bauagent - 4. Dezember 2011

    Im Sommer 2006 wurde bekannt, dass der Hedge – Fonds Amaranth Advisors LLC innerhalb weniger Tag mehr als die Hälfte seines fast 10 Mrd Euro grossen Vermögens durch verfehlte Spekulation in Erdgas-Futures verlor.

    Vielleicht erinnert sich jemand.

    Weil die meisten Kontrakte bilateral erfolgten, blieben die riskanten Geschäfte dem Markt und den Aufsichtsbehörden verborgen.

    Ich habe schon damals, trotz aufwendiger Recherche im Internet, nie einwandfrei nachvollziehen können, welche realen Akteure mit welchen Absichten diesen “Crash” ausgelöst haben.

    Undurchsichtig, verschleiert wie ein undurchdringbarer Nebel.

    Stelle ich mir im Verhältnis weltweit vor, was hier mit vielleicht 1000 Billionen passiert, wenn sie unkontrolliert in eine Kettenreaktion übergehen, dann wird mir zu später Stunde richtig übel!

  • Marcito - 4. Dezember 2011

    Lieber steffen,

    Danke für den hervorragenden Artikel und deine unermüdliche und wertvolle Arbeit!
    Ich habe heute meine Drohung wahr gemacht und den spenden Button gedrückt.
    Bitte weiter so!

    Lg
    Marcito

    • Querschuss - 5. Dezember 2011

      Hallo Marcito,
      die Drohung ist eingegangen, herzlichen Dank.

      Gruß Steffen

  • M.Gatzke - 4. Dezember 2011

    UIch bin nur noch entsetzt darüber, dass man sowas zulassen konnte.

    Eine Hand voll Aasgeier stürzt die Welt in den Abgrund , die Banken lassen sich vom Steuerzahler retten, der kleine Bürger haftet und die Großen saufen und fressen nach Herzenslust weiter.
    Was für eine verkommene Spezis Mensch.
    Lasst sie alle absaufen, dann ist erst mal das Handwerk gelegt. Kein normaler Mensch kann das noch verstehen, was da abgeht.
    Leute, raus aus allem, Verweigerung von allem, was nicht unbedingt zur täglichen Existenzbestreitung gebraucht wird.
    Machen wir uns nicht zu Mitspielern, zu Wohltätern von Finanzmillionären, indem wir unser Geld bei den Banken lassen, die damit ihr Unwesen treiben. Der kleine Mann ist immer der
    Dumme. Die Großen leben davon , die Mitspieler abzukassieren.
    Die Menschehit ist immer wieder an ihrer Dekadenz zugrunde gegangen, wir richten uns gerade ebenfalls zugrunde, wie schon viele Völker vor uns.

  • Holger Breit - 5. Dezember 2011

    Hallo!
    Schon oft habe ich mir auf dieser Seite die brillianten Analysen angesehen, aber noch nie einen Dank dafür in Kommentarform hinterlassen, was sich ab heute nun geändert hat! Vielen Dank dafür!
    Und, ja, Geld als Tauschmittel > gute Sache, aber nur mit Geld Geld verdienen,nee, das kanns nicht sein und was der Zins uns an Freuden bereitet, neben der Gier, das sieht man ja weltumspannend!

    Beste Grüße vom Holger

  • Benedikt - 5. Dezember 2011

    Das mit den Netting dürfte auch zum großen Teil einfach nur Bilanzbetrug, um die Bilanz zu verkürzen.
    Teilweise werden die Banken einfach Absicherungsderiate erschaffen, die aber nichts absicheren. Die können ohne weiteres ein Derivat erzeugen, das auf dem Papier ein Ereignis absichert, das aber bei Eintritt des Ereignisses keine Zahlung auslöst. Jedes Derivat wird mit individuellen Bedingungen konstruiert, da ist es ein leichtes, in der Überschrift absicherung vorzutäuschen, und diese dann im Kleingedruckten auszuschließen.
    Für die Bilanzprüfer ist es nur wichtig, das Absicherungsderivate exestieren, das Kleingedruckte wird sicherlich nicht gelesen.

  • philipp johannes - 5. Dezember 2011

    ja bauaugen. die erinnerung ist noch vorhanden.

    pleiten, auch große pleiten gibt es immer und wird es sicherlich auch immer geben.
    herstatt im jahr 74 war so eine pleite und wer daran verdiente steht im abschlußbericht. bcci war so eine pleite und noch etliche andere.

    dieser derivate ( mutmaßlich wahrscheinliche ) crash ist jedoch keine pleite und mit dem harmlosen wort reset nicht zu beschreiben.
    dazu noch die verharmlosung des resets, der unbestritten notwendig sein wird ( danach ).

    man mag und kann den banken vorhalten das sie sich von der realwirtschaft abgekoppelt haben.
    was aber haben die schattenbanken getan und tun sie augenscheinlich weiterhin ?
    sind sie auf einer ganz großen mission unterwegs ???

    mann wird mir übel wenn ich versuche abzuschätzen was da an welle auf uns alle zukommt.

  • Tourist - 5. Dezember 2011

    “Das Derivatevolumen liegt jetzt also exakt beim zehnfachen des Welt-BIP (gegenüber dem 9,6-fachen Ende 2010).”

    Und warum? Weil die Marktwirtschaft ihre einzige Reichtumsquelle untergräbt, die sie hat! Lohnarbeit!
    Man könnte auch so fragen!
    Warum will denn niemand mehr arbetisintensiv und realwirtschaftlich investieren und produzieren, unter geld- bzw. marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten? Weil es unrentabel geworden ist! Und warum ist es das geworden? Weil die Porduktivität in die Höhe schießt! UNd warum schießt sie in die Höhe? Weil es sein Wettberbsvorteil ist andere durch Produktivität vom Markt zu drängen! Wie macht man dann aber noch Geld ohne Realwitschaft? Man geht in die Finanzmärkte! Warum? Weil man da erstmal keine Realwirtschaft braucht um Kohle zu machen!

  • M.E. - 5. Dezember 2011

    Die Renditen verschiedener Länder, insbesondere von Italien und Spanien, fallen ja massiv und sind mittlerweile klar aus der Gefahrenzone raus.
    Ob das eine wirkliche Entspannung der Euro-Krise ist? Man wird sehen.
    Mir wär´s recht. Der nach meiner Meinung unausweichliche Kollaps soll lieber etwas später kommen und von USA und UK ausgehen.

    • Holly01 - 5. Dezember 2011

      Die Renditen und die CDS sind Werte, die von der Finanzwirtschaft massiv beeinflusst werden. Da nur etwa 50 Banken weltweit für über 50% des Finanzmarktes stehen, ist das alles kaum das Papier wert auf dem es steht.
      Bezeichnend finde ich den Punkt : Die nationalen Notenbanken, kaufen sich gegenseitig ihre Anleihen ab.
      Spätestens an dieser Stelle geht jede objektive Preisfindung den Bach hinunter. Wenn das ganze Krisengerede etwas gebracht hat, dann doch die Erkenntniss, dass man uns weitestgehenst alles erzählen und alles behaupten kann, so lange das Bild zu den gewünschten Ergebnissen führt.
      Die Statistiken hier sind ja öffendlich, aber sie werden doch praktisch nicht vermittelt.
      Konsumraum und Lohnzuwachs im Weihnachtsgeschäft bzw. 2012 werden gegen alle Zahlenwerte vermittelt.
      Die Wohlfühlmedien werden wieder zum kuscheln herausgeholt. Ist ja alles nicht so schlimm in Schland. Wird an uns vorübergehen der Kelch mit der bitteren Medizin.
      Unsere Politiker wollen ja wiedergewählt werden …… da wird dann der Krisenchannel auf den Dokukanal verdrängt. Iwie schon noch da, aber es betrifft uns ja nicht ….

  • hunsrückbäuerlein - 5. Dezember 2011

    das Kapital hat am Wochenende durch seinen Verweser Monti, der italienischen Arbeiterklasse den Krieg erklärt. Die italienische Arbeiterklasse soll wie die Grieschiche vernichtet werden.

    Arbeiten bis zum Tod für einen Hungerlohn unter Drohung von Arbeitsplatzentzug, Zwangsarbeit (Hartz4), stofflicher Verwertung (Organspende)…

    das Nächste von TINA ist die energetische Verwertung in Öfen der Marke Auschwitz, auf dass die reichen keinen kalten Arsch kriegen…

    • dank - 5. Dezember 2011

      Wenn schon, dann ist eine Verwertung ala “Soylent Green is people!” viel sinnvoller.

    • Oliver - 5. Dezember 2011

      Wer oder was ist TINA?

      • dank - 5. Dezember 2011

        Unser BundesMerkel – wenns um eine Person geht und im allgemeinen:
        http://de.wikipedia.org/wiki/TINA-Prinzip

      • Lazarus09 - 5. Dezember 2011

        there is no alternative, than erase all

        TINA TEA ;-)

        • Lazarus09 - 5. Dezember 2011

          Oh Scheiße da ist was mit dem hmtl schief gelaufen … da wäre nun ne edit -funktion gut ..
          Sellerie wie der Holländer sagt .. *duckunwech*

  • M.E. - 5. Dezember 2011

    Hallo Hunsrückbäuerlein, auch ich neige ja ab und zu zum Sarkasmus und lasse gallige Kommentare ab.
    Aber selbst für Sarkasmus gibt es Grenzen.

    Übrigens: da manche ja Medien wie SPON pauschal abqualifizieren (auch ich habe mitunter meine Probleme mit diesen Medien – aber eben nicht pauschal), hier mal ein Beispiel, dass die es auch besser können:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801730,00.html

    • Tourist - 5. Dezember 2011

      HAllo M.E. leider steckt in dem Kommentar von Hunsrücklein mehr historische Wahrheit als ausschließlicher Sarkasmus!

      Gruss

  • bauagent - 5. Dezember 2011

    @M.E.

    Natürlich gehört der Spiegel, Zeit, FAZ und ein paar andere nach wie vor zur Pflichtlektüre. Allerdings ist auch der Spiegel mit den Jahren nur noch politisches Propagandablatt und veröffentlicht ab und an weitestgehend “ungefärbte” Artikel, wie im vorliegenden Fall.

    Der vor 12 Tagen erschienene Artikel steht teilweise konträr zum erwähnten und wird witzigerweise parallel auf der Eingangsseite zur Vertiefung angeboten. Mit angeblichen
    Trenddurchbrüchen wird dem Leser suggeriert, dass es aufwärts geht und bereits in diesem
    Jahr reale Lohnzuwächse verzeichnet werden.

    Kritischer Journalismus geht sicher anders:

    Im unten angeführten Link schreibt der Spiegel u.a.

    “Da die Inflation im kommenden Jahr bei 1,9 Prozent liegen soll, bleibt nach den Einschätzungen der “Wirtschaftsweisen” also ein realer Lohnzuwachs von 0,8 Prozent. Auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld erwartet für dieses und nächstes Jahr Reallohn-Steigerungen. Nach seiner Einschätzung dürfte der Zuwachs 2012 sogar deutlich über einem Prozent liegen.

    Damit ist ein seit langem andauernder Trend durchbrochen: ………………….”

    HA HA!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,799377,00.html

    • philipp johannes - 5. Dezember 2011

      na dann stell ich doch nachher meinen schuh raus und glaub an den nikolaus ?!

  • Holly01 - 6. Dezember 2011

    Zum ersten Mal zeigt der anglikanische Block Nerven. S&P versucht panisch den EFSF zu verhindern, bzw. die Hebelung.
    Ist das der ganze Rest an Barreserve, die 18 Bill. im Derivatenirwana?
    Sind die Amis, Briten Kanadier, Neuseeländer und Israelis wirklich schon so weit abgebrannt, dass die 8,65% vom Kapitalstock in nur 12 Monaten verbrannt haben, nur um “überleben” und ist der Finanzmarkt wirklich so hohl, dass man um 18% aufblähen musste, nur um die mickerigen Gewinne ausweisen zu können?
    Nun, wenn die tatsächlich die Hosen unten haben, dann haben wir in 4-6 Wochen einen Krieg mit dem Iran.
    Da niemand größer sein darf, als die Amis, wird dieser Wirtschaftskrieg nun ausgesetzt und die Amis erpressen sich das benötigte Geld, oder es kommt zur “Entscheidung”.
    Aber der europäische Kapitalstock müsste um einiges höher sein als 18 Bill..
    Ich kauf mal Popcorn, scheint interessant zu werden ….

  • MikeSmith - 6. Dezember 2011

    Meines Wissens nach dienen Derivate in erster Linie zur Absicherung von Risiken und zum Handel von Risiken. Da jede long Position auch eine short Position benötigt, ist das Risiko im System doch nicht höher als ohne diese Papiere. Es verbessert die Effizienz der Risikoübernahme, weil diejenigen das Risiko nehmen, die es vertragen……Einzelfälle, die spekulative Motive haben, natürlich ausgenommen. Wie gross ist der Spekulationsanteil im Derivatemarkt? Gibt es dazu belegbare Zahlen?

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