Paukenschlag in Spanien: reale Einzelhandelsumsätze mit -12,6%

von am 29. Oktober 2012 in Allgemein

Heute berichtete das spanische Statistikamt INE die Daten zu den realen Einzelhandelsumsätzen für den Monat September 2012, unmittelbar nach der kräftigen Mehrwertsteuererhöhung von 18% auf 21%. Wie es nicht anders zu erwarten war, feuert diese Erhöhung der Mehrwertsteuer die Abwärtsbewegung prozyklisch an, weiter werden die volkswirtschaftlichen Schäden mit voller Kraft maximiert. Die realen Einzelhandelsumsätze brachen im September 2012 mit der monatlich höchsten Rate seit Beginn der Datenreihe im Januar 1995 ein, mit satten -12,6% zum Vorjahresmonat.

 

 

Der Einbruch im September 2012 bei den unbereinigten spanischen realen Einzelhandelsumsätze von -12,6% zum Vorjahresmonat, laut den Daten des spanischen Statistikamtes INE. Im September 2012 sanken die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze den 27. Monat in Folge, im Vergleich zum Vorjahresmonat! Auch der Einbruch an den Tankstellen bei den Kraftstoffen von realen -16,2% zum Vorjahresmonat spricht Bände und weist auf eine schwere Depression hin!

Ein Wahnsinn pur und dieselbe Rosskur wie in Griechenland, nur das die volkswirtschaftlichen Folgen der spanischen Brachialkur, das Grab für die Eurozone und für die gemeinsame Währung werden könnte, denn neben dem Einkommen, dem Konsum, stirbt auch die Investition und in Folge auch die erzielte Wertschöpfung. Arbeitslosigkeit und Kreditausfälle explodieren hingegen und die Kreditausfälle in ihrer angefeuerten Schärfe destabilisieren unnötig das gesamte spanische Bankensystem! Auf Grund der immensen Bilanzsumme des spanischen Bankensystems ist dieses unrettbar!

Die Entwicklung der realen Einzelhandelsumsätze in Prozent zum Vorjahresmonat seit Januar 1996 bis September 2012 im Chart. Im September 2012 ging es bei den unbereinigten Daten um eine Rekordrate von -12,6% abwärts! 

Die Entwicklung der realen und unbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel (Originaldaten von INE) jeweils im September seit 1995. Im September 2012 notierten die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze mit 73,33 Indexpunkten auf dem tiefsten Stand seit September 1996. Zum Hoch im September 2007 sank der reale Umsatz um -27,42%! Zu beachten gilt, hier handelt es sich um die realen Einzelhandelsumsätze bereinigt nur um die offiziellen Preissteigerungen und damit um ein sogar noch potentiell positiv verzerrtes Bild!

Die Entwicklung der realen und unbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel (Originaldaten von INE) seit 1995 im Chart. Im September 2012 notierten die unbereinigten realen Einzelhandelsumsätze bei 73,33 Indexpunkten! Mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21% und dem sich abzeichnenden Ende der Tourismussaison, kam wie hier erwartet der Absturz beim realen Umsatz!

Saisonbereinigt wurde das kleine positive Signal (vorgezogene Käufe) aus August, brachial im September umgedreht:

Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis September 2012, laut den Daten von Eurostat. Im September 2012 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -9,4% zum Vormonat, auf 75,58 Indexpunkte. Zum Hoch im März 2007 ging es um deftige -29,19% abwärts! Die saisonbereinigten Daten für September 2012 sind vorläufig von Querschuesse ermittelt und werden gegebenenfalls nach der Veröffentlichung der Daten durch Eurostat, hier noch leicht korrigiert.

Wie also bereits erwartet, leitet die prozyklisch krisenverstärkende Erhöhung der Mehrwertsteuer seit dem 01.09.2012 von 18% auf 21% eine neue Phase der Abwärtsbewegung ein. Fatal wirken sich seit Monaten, die in der hoch brisanten Situation beschlossenen Sparmaßnahmen des Staates aus, welche allesamt prozyklisch die Erstarrung der wirtschaftlichen Aktivität verstärken. Diese Art der “Krisenbewältigung” stellt ein volkswirtschaftliches Selbstmordkommando dar. Die sinkenden Ausgaben des Staates sind und bleiben die sinkenden Einnahmen (auch Einkommen) der privaten Haushalte und der Unternehmen. Zusammen mit den finanziellen Unternehmen (Banken) versuchen alle Sektoren der Volkswirtschaft gleichzeitig zu sparen, ein Irrsinn pur und unmöglich von Erfolg gekrönt, denn dem steht leider bereits die pure Arithmetik entgegen. Die Völker der Südperipherie lassen sich in die wirtschaftliche Depression führen und auch die scheinbar bisherigen Profiteure des Euro, die Kernländer der Eurozone, werden am Ende dieses Wahnsinns auf die Scherben dieser Wirtschafts- und Finanzpolitik schauen und auf hunderten und aber hunderten Milliarden Euro an Forderungen sitzen bleiben, nachdem die Südperipherie in Folge der Erstarrung der Wirtschaftsaktivität Schritt für Schritt in den Zahlungsausfall getrieben wird. Da diese Entwicklung offenkundig war und anhand offizieller Wirtschaftsdaten auch dokumentiert, bleibt es kaum nachvollziehbar, wie dieser Irrweg in den Niedergang unaufhaltsam und mit solcher Vehemenz bestritten wird.

Quelle Date: Ine.es/PDF reale Einzelhandelsumsätze in Spanien September 2012, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank Eurostat

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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43 KommentareKommentieren

  • TSTM - 29. Oktober 2012

    Ich habe aufgegeben, dies nach Kriterien meines Studiums oder der wirtschaftlichen Logik verstehen zu wollen. Hier mein Tip, wie es mir gelungen ist, endlich durch zu blicken:

    Aktuell ist Hopfen und Malz verloren. Am besten die eigene interne Festplatte löschen und Rebooten.

    Und sich dann der Wirklichkeit stellen: Es gibt nur ein Gesetz: Anleger- und Investorenschutz. Je gebündelter das Kapital und in je weniger Händen, desto grösser das Schutzbedürfnis. Nur das muss man wissen, um sich hier zurecht zu finden.

    Ganz einfach, wenn man alles störende Vor- und Detailwissen gelöscht hat, versteht man diese simple Wahrheit. Und diese merwürdigen Bücher, meist aus dem C.H. Beck – Verlag, haben nur noch Materialwert: Pürieren, trocknen und Dämmstoffe draus herstellen; heckseln, granulieren und pressen, schwupps hat man was für`n Kaminofen. Und warm anziehen müssen wir uns so-wie-so, nicht nur die Spanier und Kollegen.

  • Bubblegum - 29. Oktober 2012

    @Steffen,

    da bleibt einem dann nur noch die Abwandlung eines Bibelzitates: “Herr vergib diesen geistigen “Flachw…n, denn sie wissen nicht was sie tun!”

    Wobei mich allerdings der Verdacht beschleicht, dass diese Herren, Draghi, Rayoi, Monti etc. als Goldman Sachs Boys ganz genau wissen was sie da tun!
    Es geht um die komplette Zerstörung der wirtschaftlichen Substanz der Eurozone!
    Denn das haben die US Bankster schon ganz genau erkannt eingeklemmt in den Schraubstock zwischen den beiden Backen Europa und Asien(China, Korea, Japan und den kleinen asiatischen Tigern) ist die US- Wirtschaft zum Untergang verurteilt und die Weltherrschaft der US Finanzoligarchie beim Teufel!
    Wie gesagt die Ausschaltung Chiracs, Schröders gelang ja relativ reibungslos nachdem Putin
    im Reichstag 2003 jene legendäre Rede hielt, in der er eine mögliche Achse Paris, Berlin, Moskau skizzierte. Seitdem ist Putin in unserer Systempresse persona non grata!
    Nur die US- Umsturzversuche in der Ukraine und Georgien sind gescheitert! Die Wähler haben
    den Braten gerochen und die US- Morionetten Timoschenko und Shakashvilli in die Wüste geschickt

  • Roland - 29. Oktober 2012

    Desaströse Zahlen verleiten schreckhafte Gemüter gerne dazu, den Weltuntergang jetzt als unvermeidlich anzusehen. Wie wäre es mit Datum 21.12. ?
    Solange die herrschende Klasse die EZB besitzt, kann sie (schwupps) die faulen Papiere der Banken in die EZB-Bilanz nehmen und die Pleitebanken damit rekapitalisieren.

    In den USA, Japan und UK nennt man das vornehm: Quantitative Easing.

    • micdinger - 29. Oktober 2012

      Leicht OT:
      Die Welt geht am 21.12 ja nicht unter, es beginnt nur eine neue Zeit. Und Warren Buffet ist sich sicher dass die herrschende Klasse (zu der wahrscheinlich auch du gehörst, ohne dir dessen bewusst zu sein) überleben wird.

      Ich empfehle mal James Lovelock: http://de.wikipedia.org/wiki/Gaia-Hypothese

      • Skandinavienfan - 30. Oktober 2012

        Nach diesem letzten entscheidenden Börsentag des Jahres (“dreifacher Hexensabbath”) wäre ohnehin ein durchaus geeigneter Zeitpunkt für eine Währungsreform: an das 4. Adventswochenende schließt sich nahtlos Weihnachten an – die europäischen Banken sind dann sowieso für vier bis fünf Tage am Stück zu…;-)

    • Querschuss - 29. Oktober 2012

      Hallo Roland,
      die EZB hat bereits ordentlich Holz in die Bilanz übernommen, nur eine isolierte Geldpolitik nützt gar nichts, wenn notwendiges Wirtschaftswachstum durch Austerität, Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen konterkariert wird. Die Realwirtschaften der Südperipherie schmieren seit 2010 ab, da helfen auch die Liquiditätsflutung und Rekapitalisierungen der Banken nichts. Selbst wenn die EZB alle faulen Assets übernimmt, ändert das an der Arbeitslosenquote, den sinkenden Einkommen, dem schrumpfenden Konsum usw. wenig.

      Die unterentwickelten Volkswirtschaften der Südperipherie können mittels Rezession niemals ihre Kreditpyramiden stabilisieren, sondern mit schrumpfender Wirtschaftsaktivität werden diese maximal destabilisiert!

      • Roland - 29. Oktober 2012

        Hallo Steffen,
        logisch, der Fiskalpakt ist eine Katastrophe.

        Die Spanier sollten, anstatt sich mit sinnlosen Demos die Absätze abzulaufen, endlich mal richtig auf ihre Hinterbeine stellen, die Regierung zum Teufel jagen, ihre Reichen zur Kasse bitten – und eine Politik der Investitionen und Beschäftigung fahren.

        • Roland - 29. Oktober 2012

          Soeben werden die Abschläge durchgegeben, mit denen die spanischen Geschäftsbanken bis zu 60 Mrd. faule Hypotheken-Kredite an die ab Ende November eingerichtete Bad Bank Spaniens abladen können. Es sind 32,4% für fertiggestellte Projekte, 79,5% bei Krediten für unerschlossenes Land und 37% bei zwangsversteigerten Objekten. Im Durchschnitt 54%.

          Die Bereinigung der Bankbilanzen beginnt also. Sofortiger Weltuntergang des Bankensystems kann damit erstmal abgesagt werden.

          • Querschuss - 29. Oktober 2012

            Hallo Roland,
            die hohen Abschläge bestätigen doch den hier immer dokumentierten und angesprochenen miesen Zustand des spanischen Bankensystems, die Abschläge für die Banken müssen mit Rettungsgeldern kompensiert werden und ob nun die faulen Kredite bei den Geschäftsbanken oder bei der Bad Bank lagern, mag in Punkto Zeit schinden relevant sein, aber die faulen Kredite bleiben faul und mit jeder weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage werden sie noch fauler. Deine “Bereinigung” und den Optimismus kann ich nicht teilen, der Weltuntergang für das spanische Bankensystem ist solange abgesagt, solange mit Vehemenz der Politik in der Eurozone und via Druckerpressen der EZB und der europäische Steuerzahler (ungefragt) gegengehalten wird, etwas anderes habe ich nie geschrieben. Nur Druckerpressen und Steuerzahler hauchen den Krediten keine Qualität ein, sichern nur weitere Zeit für die Gläubiger, das Finanz- und Bankensystem und seine Verwerfungen. Na und – wird damit irgendein zu Grunde liegendes Problem gelöst – ich denke nein.

            PS: das Volumen der Bad Bank dürfte auch dem Problem nicht angemessen sein, unabhängig davon, dass auch ein höheres Volumen geparkt in der Bad Bank an faulen Assets aus diesen keine werthaltigeren macht.

            Gruß Steffen

          • Roland - 30. Oktober 2012

            Hallo Steffen,

            mit Deiner letzten Antwort bin ich völlig einverstanden.
            Mit Bad Bank und “Rettungsgelder” rettet sich die Bourgeoisie – und nur die – weiter über die Runden.
            Aber: Sie “rettet” sich erstmal und fällt nicht von alleine.

            Da müssen wir und die darbenden Völker schon noch ein wenig nachhelfen.

  • hunsrücker Bauer - 29. Oktober 2012

    @ kaugummi
    die wirtschaftlichen und politischen Führer der Nationen wissen was sie tun und sie wissen auch dass es weder recht noch gerecht ist, sie wissen, dass es Unrecht ist und sie wissen dass sie Täter sind, …, Diebe, Betrüger, Volksverräter – und sie hoffen darauf, dass sie nie gestellt werden um sich zu verantworten; wenn da die Hoffnung nicht zuletzt stirbt?

    Ich plädiere für die Einführung von Volkstribunalen zur Abstrafung.

  • Freiberufler - 29. Oktober 2012

    Zu den Tankstellenumsätzen: In Grenznähe zu Frankreich boomte früher der Tanktourismus wie in Luxemburg. Das war locker 20 – 30 Cent billiger als in Frankreich. Seit der neuesten Steuerrunde ist das Geschäft tot.

  • Stefan Wehmeier - 29. Oktober 2012

    Je mehr der Staat spart, desto schneller kommt es zu einer deflationären Abwärtsspirale (Rezession). Warum das so ist, ist trivial: Alles gesparte Geld muss über Kredite zurück in den Geldkreislauf gelangen, anderenfalls bricht die Volkswirtschaft zusammen (Liquiditätsfalle).

    Wird ein Tauschmittel mit Wertaufbewahrungs(un)funktion (Zinsgeld) verwendet, steigen die Geldvermögen, die sich bei nur wenigen Prozent der Bevölkerung konzentrieren, über die Verzinsung an, sodass auch die Verschuldung von Mittelstand und Staat exponentiell wachsen muss. Und wenn der mittelständischen Privatwirtschaft die Schulden bereits “Oberkante Unterlippe” stehen, muss sich der Staat weiter verschulden, um den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten.

    Selbstverständlich ist eine weitere Erhöhung der Verschuldung auch keine Lösung. Und was jetzt? Mit dem selbständigen Denken anfangen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

  • unglaublich - 29. Oktober 2012

    “Die Spanier sollten, anstatt sich mit sinnlosen Demos die Absätze abzulaufen, endlich mal richtig auf ihre Hinterbeine stellen, die Regierung zum Teufel jagen, ihre Reichen zur Kasse bitten – und eine Politik der Investitionen und Beschäftigung fahren.”

    Also was machen?
    Was heißt auf die Hinterbeine stellen und die Regierung zum Teufel jagen ?
    Gewaltfreie Demos lösen das Problem nicht.
    Umsturz durch Waffengewalt und potentiellen Bürgerkrieg?
    Dann bitte auch das Kind beim Namen nennen, nichts ist schlimmer als die Heuchler, die “einfache” Lösungen haben ohne die Konsequenzen durchzudenken.
    Der Befreiungsschlag kommt, der wird nicht durch Demos initialisiert, das wird diesmal ein spanischer Gemüsehändler sein, der sich verbrennt und die Euro-Dominosteine vom wanken ins Kippen bringt.
    Es fehlt nur noch eine einzige Initialzündung..

    • Roland - 30. Oktober 2012

      Nein, Gewalt lehne ich ab. Gewalttätige Revolutionen bringen, siehe Beispiel Libyen, doch oft nur die brutalsten Lumpen an die Macht.
      Ich wende mich lediglich gegen “Jammer-Demos”, die die Machtfrage nicht stellen. Es ist eine Sache des Kopfes: Die Spanier sind nicht so weit, die Machtfrage stellen zu wollen.

      Übrigens sagte schon Karl Marx:
      “In Gesellschaften mit allgemeinem und freiem Wahlrecht können die Revolutionen mit dem Stimmzettel stattfinden”.

  • Frank Bell - 29. Oktober 2012

    @ unglaublich

    Ach, wie bequem macht es sich doch mancher!

    Als ob NUR die jetzige Regierung Schuld an allem ist…

    Der Schumacher (Zapatero) hat den Karren in den DRECK gefahren. Warum sollten man diesen miesen Typen nicht ebenfalls zur Rechenschaft ziehen? Bloss weil er Sozialist ist?

  • Häschen - 29. Oktober 2012

    Die Monate zuvor waren eher jene die indirekt geschönt waren, deswegen vermutlich auch der Absturz so heftig. Gebe wohl recht, das Gesamtbild ist erschütternd. Wage mir gar nicht die auflaufenden Zahlen übers Jahr vorzustellen.

    Ist nicht eigentlich die Tatsache, dass wenn der Staat spart die Wirtschaft lahmt noch viel erschreckender?

    Wie hieß es noch vor Monaten – Unvorstellbar, wenn Spanien unter den Rettungsschirm muss.

  • Insider - 30. Oktober 2012

    Sobald eine Zinsgeldökonomie (die systembedingt exponentiell wachsen muss) anfängt zu schrumpfen, können die Kapitalkosten (Zinskosten) nicht mehr bedient werden.

    Die Folge ist ein Zusammenbruch des Geldkreislaufs (deflationäre Abwärtsspirale).

    Die Einzelhändelsumsätze sind einer der aussagekräftigsten Indikatoren einer Makroökonomie. Aus diesen Indikatoren lassen sich Folgeerscheinungen herleiten.

  • Hansi - 30. Oktober 2012

    Leider outen sich die Macher dieser guten Seite gerade als Keynesianer.
    Warum muss der Staat irgendwas steuern, was das Konsumverhalten betrifft?
    Die Leute wollten im Süden ihre Beamten- & Staatswirtschaft auf Pump nebst Immobilienblase, jetzt sollen sie gefälligst die Konsequenzen tragen in Form höherer Steuern, Staatspleite.

    Zeit für einen kräftigen Schluck österreichische Medizin von Dr. Mises.

    • SLGramann - 30. Oktober 2012

      Hansi, jede Wette, Sie haben zwar sicher ein paar ziemlich verzerrte Sachen über Keynes und Mises gelesen, aber nichts oder fast nichts von Keynes oder Mises.

    • Lothar - 30. Oktober 2012

      Ich bin voll deiner Meinung “höherer Steuern, Staatspleite” in Spanien. Dann waere naemlich der Kapitalismus am Ende, der Reihnische und der Libertaere.

      Die Probleme ueber globale Verflechtung, Hebelwirkungen und vieles mehr hast du naemlich noch nicht verstanden. Ich bin Apocaloptimist, du sicher nicht. Sei daher froh das gerettet wird.

    • Querschuss - 31. Oktober 2012

      Hallo Hansi,
      ich antworte mal so:
      „Maßstab und Richter über Gut und Böse der Wirtschaftspolitik sind nicht Dogmen oder Gruppenstandpunkte, sondern ist ausschließlich der Mensch, der Verbraucher, das Volk. Eine Wirtschaftspolitik ist nur dann und nur so lange für gut zu erachten, als sie den Menschen schlechthin zum Nutzen und Segen gereicht.“ Ludwig Erhard, aus „Wohlstand für Alle“

      Gruß Steffen

  • Bubblegum - 30. Oktober 2012

    @Hansi

    “Leider outen sich die Macher dieser guten Seite gerade als Keynesianer.
    Warum muss der Staat irgendwas steuern, was das Konsumverhalten betrifft?
    Die Leute wollten im Süden ihre Beamten- & Staatswirtschaft auf Pump nebst Immobilienblase, jetzt sollen sie gefälligst die Konsequenzen tragen in Form höherer Steuern, Staatspleite.Zeit für einen kräftigen Schluck österreichische Medizin von Dr. Mises”

    Wann werden die marktradikalen Patentschwätzer endlich dem Dogma abschwören, dass da heißt: Der Markt regelt alles!

    Er regelt so ziemlich gar nichts, das haben die Völker dieser Welt ganz bitter in den letzten hundert Jahren erfahren müssen! 2 Weltkriege in Europa und Asien, der eiserne Vorhang von dem Europa 40 Jahre lang zerschnitten war, die Ausbeutung der Entwicklungsländer in Asien, Afrika, Lateinamerika, unterfüttert mit einer Vielzahl von Stellvertreter- und Bürgerkriegen!
    Finanzkrisen ohne Zahl 1907 USA, 1923 Deutschland, 1929 die Weltwirtschaftskrise Nr.1 bis hin zur amerikanischen Bankenkrise 2008, die die ganze Weltwirtschaft infiziert hat!

    Wann werden die marktradikalen Patentschwätzer endlich akzeptieren, das angemessene Löhne die wichtigste Voraussetzung für Nachfrage sind? Bedürfnisse sind wertlos solange sie
    nicht per Geldeinsatz zu nachfragewirksamen Bedarf werden!

    Wann werden die marktradikalen Patentschwätzer endlich akzeptieren, dass den Vorhersagen
    von Marx über den sinkenden Fall der Profitraten und der sich beschleunigenden Expropriation der Expropriateure nur durch eine gerechte Einkommens- und Vermögens-verteilung entgegengewirkt werden kann, weil er nur mathematische Gesetzmäßigkeiten beschrieben hat?

    Eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung aber kann ein Markt nicht leisten, weil der Gewinn des einen Marktteilnehmers immer der Verlust des anderen sein muss! Der Markt damit zwangsläufig zur Oligopol – bzw. Monopolbildung neigt und damit den Fortschritt, insbesondere den technischen, zu hindern sucht.

    Wie viele brilliante Ideen von Erfindern sind auf der Strecke geblieben, konnten nicht verwirklicht werden, weil die Finanzmittel der Erfinder nicht vorhanden waren, diese Widerstände zu durchbrechen.

    Nur die staatlichen Organe eines starken Staates sind in der Lage für eine Durchbrechung dieses ewig negativen Kreislaufs zu sorgen, durch eine Zerschlagung der Monopole ( ist gerade 100 Jahre her, dass per Gesetz im Mutterland des Kapitalismus Rockefellers Ölimperium per Gesetz zerschlagen wurde, was sicherlich mit dazu beigetragen hat, dass neben Fords Geniestreich der Tin Lizzy, die USA so rasant schnell motorisiert wurden)
    für eine vernünftige wirtschaftliche und technische Entwicklung des Gemeinwesens zu sorgen!

    Es ist ja interessant, dass bereits die Juden im Alten Testament diese Problematik erkannten:
    In jedem siebten Jahr( =Sabbatjahr) hatte ein Schuldner Anspruch auf Aussetzung sämtlicher
    Zins- und Tilgungszahlungen und nach 7X7 Jahren wurden die Schulden gestrichen alles also zurück auf Los gesetzt!

    Es geht nicht nur den MACHERN dieses Blogs sondern auch der Vielzahl der Kommentatoren hier sicher nicht darum irgendwelche Wirtschaftsheorien zu verfechten oder zu verteidigen!
    Vielmehr dürfte die Mehrheit hier von der tiefen Sorge erfüllt sein, in welch einem desolaten Zustand sie ihren Kindern und Kindeskindern dereinst diese Welt hinterlassen!

    Marktradikales Patentgeschwätz in der Manier des CDU Wirtschaftsrates, der FDP eines Brüderle, des Seeheimer Kreises und und und ist Denken des 19. Jahrhunderts für das ein Ludwig von Mises exemplarisch steht!
    Wir aber befinden uns im 21. Jahhundert und versuchen im Rahmen einer kontroversen Diskussion Lösungswege aufzuzeigen!

    Viele Grüße Bubblegum

    • Stefan Wehmeier - 30. Oktober 2012

      Warum ist die Ausbeutungstheorie von Karl Marx ebenfalls als “Zinsentschuldigungstheorie” zu bezeichnen? Weil Marx den Zins gar nicht verantwortlich macht, sondern mit einem gigantischen Wortschwall, der an Unwissenschaftlichkeit und inneren Widersprüchen kaum zu überbieten ist, versucht, eine Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer aus deren Besitz an den Produktionsmitteln (Sachkapitalien) abzuleiten. Damit stellte Marx für alle, die bereit waren, an diesen Unsinn zu glauben, die Realität auf den Kopf. Die aus seinem grundlegenden Denkfehler abgeleitete Konsequenz, dass die Ausbeutung nur durch Verstaatlichung der Produktionsmittel und Planwirtschaft zu überwinden wäre, hat bis heute mehr Schaden angerichtet, als die Verwüstungen des Nationalsozialismus! Dabei ist letzterer ganz offensichtlich menschenverachtend, während viele Naive noch heute glauben, der marxistische Sozialismus sei eine “Alternative zum Kapitalismus”, wobei sie Marktwirtschaft und Privatkapitalismus verwechseln und nicht wissen, warum der “real existierende Sozialismus” niemals etwas anderes sein kann als Staatskapitalismus, die schlimmste Form der Ausbeutung und das Ende jeder persönlichen Freiheit.

      http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

      Es gibt nur zwei richtige Zinstheorien: Die Urzinstheorie von Silvio Gesell und die Liquiditätstheorie von John Maynard Keynes, die sich gegenseitig ergänzen.

      Solange Zinsgeld verwendet wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, kann die “hohe Politik” bzw. “der Staat” – bis zum Staatsbankrott durch Überschuldung – nichts anderes machen als das, was in “Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes” (Keynes, 1935) beschrieben ist:

      http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

      Sobald “Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld” (Gesell, 1916) verwirklicht ist, wird die “hohe Politik” überflüssig…

      http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/politik-und-religion.html

      …und “der Staat” ist nichts weiter als ein Währungsraum und eine Bodenverwaltung, in dem alles andere durch das freie Spiel der Marktkräfte eigendynamisch geregelt oder, sofern es viele oder alle Wirtschaftsteilnehmer betrifft, direkt basisdemokratisch entschieden wird.

      So einfach ist das. Alles andere ist Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern).

  • Insider - 30. Oktober 2012

    @ Bubblegum

    Otto Valentin “Überwindung des Totalitarismus” (1952)

    Aus dem bisher Gesagten geht hervor, daß wir seit jeher nicht in einer
    freien Wirtschaft, sondern ganz im Gegenteil in einer Wirtschaft der
    weitestgehenden Unfreiheit leben. Wohin man blickt, beherrscht das unvollständige
    Monopol — die Konkurrenzbeschränkung — das Bild der Wirtschaft.

    Zu den wichtigsten dieser unvollständigen Monopole, die unserer
    Wirtschaft geradezu den Stempel aufdrücken, gehören das bereits erwähnte
    Bodenmonopol und das Geldstreikmonopol, das ein Kapitalmonopol
    nach sich zieht. Diese Monopole wurden von den Berufsökonomen
    entweder überhaupt nicht oder nur teilweise erkannt.

    Man hatte angenommen, weil die Bodenbesitzer untereinander und die
    Kapitalbesitzer untereinander in Konkurrenz stehen, sei mit der Verwirklichung
    der Gewerbefreiheit und der Vertragsfreiheit auch die freie Wirtschaft
    verwirklicht. Das war ein schwerwiegender Irrtum. In Wahrheit besagt der Wettbewerb zwischen den Bodenbesitzern untereinander und den Kapitalbesitzern untereinander lediglich, daß der Wettbewerb auf einen gewissen Personenkreis beschränkt ist.

    Denn alle Nichtboden- und Nichtkapitalbesitzer sind vom Wettbewerb ausgeschlossen.
    Der Beweis dafür ist unschwer zu erbringen.

    Wir haben festgestellt, daß der Wettbewerb dann frei ist, wenn die Beteiligung daran jedermann zugänglich ist, und beschränkt, wenn ein Teil derer, die sich am
    Wettbewerb beteiligen wollen, aus Gründen der Außenwelt von der
    Beteiligung ausgeschlossen ist. Wenn nun jemand sich an einer Tätigkeit,
    die den Besitz von Boden und Kapital voraussetzt, beteiligen will, ohne
    diese Voraussetzungen erfüllen zu können, so ist er offenbar aus Gründen
    der Außenwelt vom Wettbewerb ausgeschlossen, der Wettbewerb also nicht frei.

    Daher nehmen auch der Grundbesitzer, der Kapitalbesitzer und der
    einfache Arbeiter, der weder Boden noch Kapital besitzt, im wirtschaftlichen
    Wettkampf nicht die gleichen Stellungen ein. Wohl kann der
    Kapitalbesitzer gegen Verkauf seines Besitzes Boden erwerben und den
    Beruf eines Landwirtes ausüben, ebenso wie umgekehrt der Bodenbesitzer
    gegen Verkauf seines Bodens das erforderliche Kapital zur Ausübung
    des Berufes als Kaufmann, Gewerbetreibender oder Industrieller erwerben
    kann. Dagegen ist der Arbeiter, der weder Boden noch Kapital
    besitzt, von diesen Berufen ausgeschlossen.

    Grundbesitzer, Kapitalist und Arbeiter nehmen also sehr verschiedene
    Stellungen im Wettbewerb ein. Die ersteren können wohl mit dem
    Arbeiter, dieser aber nicht mit ihnen konkurrieren. Von einem freien Wettbewerb kann also keine Rede sein!

    Es ist daher grundfalsch und irreführend, von einem freien Wettbewerb
    in Gegenwart oder Vergangenheit zu sprechen. Richtig ist vielmehr, daß
    es noch niemals und nirgend eine freie Wirtschaft gegeben hat.

    Was man fälschlich als eine freie Wirtschaft bezeichnet und teils zurückwünscht,
    teils für aufgetretene Mißstände verantwortlich macht, entpuppt sich bei
    näherem Zusehen als ausgesprochen unfreie, von zahlreichen Monopolen
    bedrängte Wirtschaft.

  • Delta120 - 31. Oktober 2012

    Marktwirtschaftlicht bekäme man dieses Land nur mit der Entlassung aus der Eurozone wieder zum laufen. Aber das ist hier nicht geplant und dieses Land wird sicher per EZB seine Bilanzprobleme lösen, wie in den USA. Ein Griechenland reicht.

    Das Problem ist eigentlich, was können wir mit den freigesetzten Arbeitnehmern anfangen?
    Welche Projekte können in Angriff genommen werden?
    Die EZB wird schon bald Geld zu Verfügung stellen aber für was?

    • Lothar - 31. Oktober 2012

      Die letzte Talkshow mit Bruederle und Co auf Phoenix meinte man muss nur Infrastruktur bauen, dann siedelt sich wieder Industrie an. Als ob die nichts aus der deindustrialisierung Osteutschlands gelernt haben. Denn das war ihre einzige Antwort ein “Geschaeftsmodell” und eine Begruendung warum konnten sie natuerlich nicht geben aber sie waren 100% sicher.

  • Bubblegum - 31. Oktober 2012

    @ Stefan Wehmeier,

    “Warum ist die Ausbeutungstheorie von Karl Marx ebenfalls als “Zinsentschuldigungstheorie” zu bezeichnen? Weil Marx den Zins gar nicht verantwortlich macht, sondern mit einem gigantischen Wortschwall, der an Unwissenschaftlichkeit und inneren Widersprüchen kaum zu überbieten ist, versucht, eine Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer aus deren Besitz an den Produktionsmitteln (Sachkapitalien) abzuleiten.”

    Schauen wir uns doch die Konsequenz dieser Argumentationskette einmal genauer an. Als Beispiel wähle ich Qmilch ein Startup, dessen Entwicklungsgeschichte einjeder bei FTD nachrecherchieren kann. Die junge, sehr engagierte Wissenschaftlerin, die dahinter steht, hat es geschafft, ein Verfahren zu entwickeln, aus proteinhaltigen Vorprodukten, insbesondere dem Kasein der Milch Fasern zu spinnen, die so viel Festigkeit besitzen, dass daraus Bekleidungsstoffe gewebt werden können!
    Will sie die Fasermenge vom Labormaßstab auf ein marktrelevantes Niveau heben, benötigt
    sie eine Spezialmaschine, deren Beschaffungskosten in die Millionen geht! Diese hat sie nicht! Es bleibt ihr also nur eine externe Finanzierung! Und damit fangen die Probleme für sie an existenzbedrohend zu werden. Wie zwischen den Zeilen der FTD-Berichterstattung zu lesen
    ist, verlangen die potentiellen Kapitalgeber für die Vergabe des Darlehens einen exorbitant hohen Zins und erheblichen Anteil an ihrem unternehmen, der den Wert ihrer Idee auf ein lächerlich niedriges Niveau drücken würde! Damit sind wir mit dem was Marx unter dem sinkenden Fall der Profitrate verstand, das ist eben nicht nur ein in Prozent ausgedrückter Verfall der Erträge/Ertragszuwächse, die sich allein schon aus den Gesetzmäßigkeiten der Prozentrechnung ergebn sondern auch ein Verfall der Vermögenswerte, insbesondere des Anlage- und Umlaufvermögens eines Unternehmens! Nur dieser Vorgang ermöglicht überhaupt die Expropriation anderer Expropriateure! Marx kannte mit Sicherheit nicht die Feinheiten einer Vorwärtskalkulation wie sie heute in den betriebswirtschaftlichen Seminaren
    präsentiert werden, aber er war mit Engels befreundet, einem Textilfabrikantensohn aus Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal), der zusätzlich sein ererbtes Vermögen mit erfolgreichen Börsenspekulationen mehrte. Damit waren Marx auch die Grundzüge einer simplen Vorwärtskalkulation geläufig! Deswegen braucht er den Zins auch nicht immer wieder explizit erwähnen! Er setzt einfach intelligenteLeser voraus, die wissen, dass der Zins eine wichtige Einflussgröße für seine These vom sinkenden Fall der Profitrate ist.

    Am Beispiel von Qmilch bedeutet das:
    Die junge Wissenschaftlerin wird, wenn sie ihre Idee am Markt durchsetzen will, akzetieren müssen, dass ihre Ideen/Patente einen vom internationalen Finanzkapital verortneten Wertverlust erleiden und sie Kapitalgeber als Partner viel zu billig ins Boot holen muss und dass sie einen viel zu hohen Kreditzins für das Darlehen akzeptieren muss. Das heißt,Leute die nichts geleistet haben, aber ausreichend Geldkapital besitzen, schöpfen einen
    erheblichen Teil des Rahms ab! Leistungsfeindlicher kann sich ein Wirtschaftsmodell gar nicht verhalten!
    Zweitens wird sie die völlig überhöhten Zinsbedingung in ihre eigene Kalkulation einbauen müssen. Da sie mit den anderen Faserproduzenten konkurriert, bleiben ihr als Stellschrauben: Preisdruck auf ihre Lieferanten auszuüben, was deren Profitrate verringert, Lohnkostendruck auf ihre Mitarbeiter auszuüben, will sie nicht ein Sinken ihrer eigenen Kapitalverzinsung akzeptieren. Lohnkostendruck wird aber bei diesem Hitec- Verfahren nicht viel bringen, da der Lohstückkostenanteil eh viel zu gering ist!
    Ansonsten kann sie nur hoffen, so große Mengen produzieren und abzusetzen zu können, dass das Gesetz der Massenproduktion greift! Dann aber muss sie ihren Abnehmern großzügige Rabatte gewähren. Gleichzeitig soll sie die Abschreibungen auf die Maschine erwirtschaften und weitere Forschungs- und Entwicklungskosten aus den Einnahmen finanzieren! Alles Größen, die die Verzinsung ihres geistigen Kapitals/ ihres Eigenkapitals verringern!

    Nach diesem Beispiel noch Zweifel Herr Wehmeier, dass aus dem Besitz von Produktionsmittlen bzw. dem fremdfinanzierten Versuch, Produktionsmittel zu schaffen,
    geradezu gesetzmäßig zwangsläufig die Ausbeutung von Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Umwelt oder Staatsleistungen (siehe Autobahnen, deren Benutzung vor der Maut kostenlos war) folgt, weil sich wegen der Zinsproblematik der Verfall der Profitrate zwar aufhalten aber nicht verhindern läßt!
    Und nur ein starker Staat kann über eine restriktive Vermögens-und Erbschaftssteuer für einen
    gewissen Ausgleich sorgen und verhindern, dass sich das Kapital in den Händen weniger
    konzentriert!
    Sieht übrigens die bayerische Landesverfassung, sehr zum Verdruss der CSU, auch so in Artikel 106 vor! Denn, wenn man das Leistungsprinzip als Wesensmerkmal einer dynamisch, modernen Gesellschaft in aller Konsequenz durchdenkt, müßte ein Erbschaftssteuersatz von 100% gelten.
    Und wie in einer Wirtschaftsdiskussion bei den Piraten mal jemand zu recht schrieb:
    “Die Leistung eines Erben besteht ausschließlich im Zufall seiner Geburt! Und den hat der
    Liebe Gott bewirkt, der dafür nichts nimmt!

    Viele Grüße Bubblegum

    • Freiberufler - 31. Oktober 2012

      “Und nur ein starker Staat kann über eine restriktive Vermögens-und Erbschaftssteuer für einen
      gewissen Ausgleich sorgen und verhindern, dass sich das Kapital in den Händen weniger
      konzentriert!”

      Ob sich die Finanzierungsbedingungen für Qmilch verbessern, wenn das Staatsziel im Verknappen und Enteignen des privaten (Investitions-)Kapitals besteht, ist doch sehr fraglich.

      • Freiberufler - 31. Oktober 2012

        Zudem könnte es sich bei den unverschämten Forderungen der Investoren auch “nur” um eine risikoadäquate Verzinsung handeln. Wenn das Startup scheitert, ist das Geld nämlich weg, mit dem Nebeneffekt einer Entreicherung der Investoren.

        Und wäre die Verzinsung risikoadäquat, zöge jede Manipulation des Zinses ein Fehlallokationen von Kapital sprich Fehlinvestitionen nach sich. In einer “Marktwirtschaft” führt das klassischerweise zu Blasen, in einer “Planwirtschaft” zu Versorgungslücken.

    • Stefan Wehmeier - 31. Oktober 2012

      Lesen müsste man können – oder wollen.

      Der Sachkapitalzins entsteht nicht aus dem Besitz an den Sachkapitalien (Produktionsmittel), sondern aus der strukturellen Knappheit der Sachkapitalien aufgrund der Rentabilitätshürde des Urzinses, die verhindert, dass unverdiente Knappheitsgewinne durch vollkommene marktwirtschaftliche Konkurrenz (monopolfreie Marktwirtschaft) auf Null geregelt werden können.

      Weil aber der Marxist mit dem gänzlich unwissenschaftlichen Begriff “Profit” zwischen Unternehmerlohn, verdientem Knappheitsgewinn aufgrund eigener, technologischer und kultureller Innovation (der eigentliche Antrieb unternehmerischen Handelns) und unverdientem Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Liquiditätsverzichtsprämien, Eigenkapitalrenditen und private Bodenrenten) gar nicht unterscheiden kann, wird er die wahre Ursache der Ausbeutung nie begreifen und will sie auch gar nicht begreifen, weil es ihm lediglich darum geht, sich eine “Position” im Politbüro des Staatskapitalismus zu erschleichen.

      Nur mit einem hatte Karl Marx recht: Die Religion ist das “Opium des Volkes”. Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in “dieser Welt” (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion. Doch der “Unglaube” ist gegenüber dieser schlimmsten aller Drogen wirkungslos, weil die eigentliche religiöse Verblendung (Programmierung des kollektiv Unbewussten) darin besteht, die Heilige Schrift NICHT zu verstehen! Unabhängig davon, ob man an den Unsinn glaubt, den die Priester darüber erzählen, oder nicht. Und für die originale Heilige Schrift (die Bibel bis Genesis_11,9 sowie ein wesentlicher Teil der Nag Hammadi Schriften) gilt: Unterschätze, solange du sie nicht verstehst, niemals ihre Weisheit.

      (Lutherbibel 1984 / Genesis_3,6) Und die Frau (Finanzkapital) sah, dass von dem Baum (Geldverleih) gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht (Urzins) und aß und gab ihrem Mann (Sachkapital), der bei ihr war, auch davon und er aß.

      Silvio Gesell: Die Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital
      http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/5_4.htm

  • Hansi - 31. Oktober 2012

    In der Theorie waren alle Pläne doch so gut (Europa stärkster Wirtschaftsraum binnen zehn Jahren, neue pompöse EU-Behörden, alles wird von Brüssel überwacht) – warum nur funktionieren sie in der Praxis nicht?
    Bubblegum sollte nach Kuba oder Nordkorea fahren, da kann er Pläne, Zentralpläne, Fünfjahrespläne und Marxsche Theorien in Aktion erleben.
    Traurig, wie hier in der Kommentarspalte die Zentralplaner das Ruder übernehmen.

    Ich für meinen Teil möchte jedenfalls Pläne der vielen, nicht die Pläne der wenigen an der Spitze.

    • Querschuss - 31. Oktober 2012

      Hallo Hansi,
      wovon redst du? Das Problem sollen die “Zentralplaner” gewesen sein? Ob Immobilienblase, unkontrollierte Kreditvergabe (Spanien, Irland), gravierend auseinanderlaufende Leistungsfähigkeiten der Wirtschaft, alles wurde in der Eurozone sich selbst überlassen und nicht mal in die offensichtlichsten Fehlentwicklungen wurde rechtzeitig korrigierend eingegriffen. Aufsicht, Kontrolle, Haftung, ihre Aufgabe wahrnehmende Institutionen, eine koordinierte Entwicklung vor allem der unterentwickelten Volkswirtschaften, der Blick auf das außenwirtschaftliche Gleichgewicht, auf Preise, Lohnstückkosten, in Folge rechzeitige Korrekturen bei den Leistungsbilanzen, bei Kreditausweitung, bei Immobilienblasen, fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und nun eben sinnvolles ergebnisorientiertes Krisenmanagement, usw. überall Fehlanzeige. Das Desaster der Eurozone ist alles, aber bestimmt nicht Folge von Fünfjahresplänen. Du verortest an der völlig falschen Stelle die Ursachen der Krise.

      “Traurig, wie hier in der Kommentarspalte die Zentralplaner das Ruder übernehmen.” Was die Kommentatoren oder auch ich hier meinen oder auch nicht und wie das Geschriebene von anderen Lesern interpretiert wird oder auch nicht, ist für die globale Entwicklung völlig irrelevant, nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein! Also wische mal deine Tränen weg, dann siehst du vielleicht auch wieder klare Bilder.

      Primär werden hier von mir vor allem Daten und Fakten präsentiert, wo es geht in Langfristcharts, die oft beeindruckend für sich selbst stehen und wenig Keynes, Mises oder andere Denkschulden gepampert. Für mich zählen zuerst immer die Fakten und Daten.

      Gruß Steffen

      • Hansi - 31. Oktober 2012

        Das Grundübel ist natürlich der Auswuchs an Fiat-Geld, also dass Banken Kredite nicht als Vermittler (Sparer->Bank->Kreditnehmer) vergeben, sondern selbst Kredite aus dem Nichts erschaffen. Jetzt wurde halt in Spanien enorm viel Kreditgeld erschaffen, landete als Guthaben auf dem Sparkonto des Immobilienentwicklers und als abzuzahlende Schuld auf der Kreidetafel des arbeitslosen Wohnungskäufers. Nun garantiert der spanische Staat diese Schuld, damit die Bankbilanz nicht absäuft und rennt damit selbst in die Überschuldung. Alle anderen Probleme entspringen aus diesem Urquell namens Kreditexpansion.
        Wenn hier immer davon fabuliert wird, die Massenkaufkraft zu erhalten und damit die Nachfrage nach Konsumgütern zumindest zu stabilisieren, so ist das an sich unter gesellschaftlich-sozialen Gesichtspunkten löblich, aber auch im Grunde dauerhaft unmöglich, da dies eine immer weiter fortschreitende Kreditexpansion bedingt.
        Man kann nicht mit Plänen und Staatswirtschaft von oben herab Prosperität verordnen oder an irgendwelchen Stellschrauben drehen, man muss das Geldsystem angehen, alles andere ist letztlich nur Homöopathie für die Krankheitssymptome.

        Ich wollte mit meinen, vielleicht etwas zu polemischen Kommentaren, darauf aufmerksam machen, dass auch hier in der “alternativen” Szene viele schnell wieder in altbekannte keynesianische Denkmuster des Mainstreams abgleiten, wenn es an Problemlösungen geht.

        • Querschuss - 31. Oktober 2012

          Hallo Hansi,
          die ersten drei Sätze gehe ich mit bzw. sehe es genauso. Nur eine Rezession, gespeist aus übergestülpten Einkommensschrumpfungen, in Folge die brachiale Kontraktion des Konsums, auf Grund mieser Geschäftsaussichten und des erschwerten Kreditzugangs – der Kontraktion der Investitionen, in Folge all dieser Prozesse letztlich auch die Kontraktion der Wertschöpfung mit vielen Arbeitslosen, in die Pleite getriebenen Unternehmen und Selbstständigen und einer Explosion der Kreditausfälle löst was?

          Mit deinen lockeren Sprüchen redest du nur dem Zusammenbruch das Wort, ohne das damit irgendein Problem gelöst wird. Jede Forderung und davon hat auch Deutschland genug, ist letztlich ein Anspruch auf eine künftig zu erbringende realwirtschaftliche Leistung. Schon aus diesem Sachverhalt ergibt sich klar, es ist wenig konstruktiv den Schuldner in die Leistungsunfähigkeit und in einen Zusammenbruch seiner Realwirtschaft zu treiben.

          Gruß Steffen

  • Häschen - 31. Oktober 2012

    @Bubblegum – Dass Geldvermögen am Ende weg sein sollte stimmt an sich bezogen auf das Individuum.

    Geld ist nichts anderes als eine Abstrakte Forderung im Ausmaße einer Zahl in der Zukunft Güter und Dienstleistungen aus der Realwirtschaft zu beziehen zu einem nicht festgesetzten Preis. Wir treiben enorm viel Aufwand diesen trivialen Sachverhalt

    Mit dem Lebensende verwirkt der Anspruch, die Frage ist auf welcher Ebene sieht man die kleinste Einheit – Individuum, Familie oder die gesamte Gesellschaft. Auf die fällt der Anspruch zurück.

    Ich habe den Verdacht dass wir einem Art Zustand verweilen den man als Liquiditätsfalle könnte Interpretieren.

  • Mompfred - 31. Oktober 2012

    >>>>die wirtschaftlichen und politischen Führer der Nationen wissen was sie tun und

    wo muss ich unterschreiben. Wer das versteht, fragt nicht mehr, wieso weshalb warum…. ABER: was soll man dann noch tun? Das Grundgesetz in die eigene Hand nehmen? Eine Lösung für sich selbst zu finden, ist DAS Problem, vor dem ich/wir stehe(n). Ich hoffe nicht, daß es auf Krisenbevorratung hinausläuft…..

    Viele Grüße

  • Insider - 31. Oktober 2012

    @ Hansi

    Banken erschaffen keine Kredite aus dem Nichts. Um hier eine gewisse Klarheit zu schaffen, muss mit klaren Begriffen gearbeitet werden!

    KREDIT = NICHTGELD

    Durch die Vergabe von Krediten wird kein neues Geld geschaffen. Kredite erhöhen nur die Umlauffrequenz des vorhandenen Geldes!

    http://www.helmut-creutz.de/pdf/grafiken/a/creutz_031.pdf

    Freundliche Grüße

    • Huthmann - 1. November 2012

      Stimmt nicht.

      Banken schaffen Geld aus dem Nichts durch Bilanzverlängerung:

      Per Forderung an Sichtguthaben.

  • H.Ewerth - 1. November 2012

    Was mich doch sehr verwundert, dass viele EU Bürger sich beschweren, dass man in Sachen EU nicht gefragt wird. Was würde passieren, wenn man alle EU Bürger zu den Problemen befragen würde und eine Art „EU-Volksentscheid“ durchführen würde? Mich graust es schon jetzt. An Hand der Propaganda, die in Europa tagtäglich zu hören und zu lösen ist, würde mit Sicherheit nichts Gutes dabei heraus kommen. In Europa fehlen Investitionen, für mehr Arbeitsplätze, einen Schuldenschnitt sowie einen langfristigen Plan die „Schulden“ zurück zu zahlen. Die Verantwortlichlichen endlich so wie in den USA anklagen, sowie die Banken zu hohen Geldstrafen verurteilen und endlich die Finanzmärkte massiv regulieren. Aber das höre und lese ich kaum in unserem europäischen Blätterwald.
    Dann sollte man, so wie man es auch Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg gewährt hat. Einen Schuldenschnitt, einen sog. Marshall Plan und viel mehr Zeit für die tilgung der Schulden geben. Sich kaputt sparen auf Teufel komm raus, wird nicht zielführend sein, da gab es und gibt es bereits genügend Beispiele aus anderen Länder und ich denke in diesem Zusammenhang auch einmal an das Brüningsche Sparpaket, was in Deutschland zu welcher Katastrophe führte, wissen wir doch noch oder? Warum will man nicht aus den Fehlern der Vergangenheit endlich einmal lernen?

  • Insider - 1. November 2012

    @ Huthmann

    Das ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Vielleicht wird es durch dieses Video deutlicher.

    http://www.youtube.com/watch?v=8utx9lT2xyE

    Freundliche Grüße

    • Huthmann - 3. November 2012

      Habe mir das Video angeschaut. Das, was da präsentiert wird ist nicht korrekt.

      Folgender Irrtum liegt vor:

      100 Euro werden von sogenanntem Wirtschaftssubjekt bar auf Konto einbezahlt:

      Buchungssatz der Bank: Per Kasse an Sichtguthaben

      Bank gibt Kredit in Höhe von 100 Euro an anderes Wirtschaftssubjekt:

      Buchungssatz der Bank: Per Forderung an Sichtguthaben

      Auf der Aktivseite stehen jetzt unter Vernächlässigung anderer Postitionen 200 Euro auf der Aktivseite und 200 Euro auf der Passivseite.

      Die Geldmenge (Giralgeld) hat sich jetzt um 100 Euro: Per Forderung an Sichtguthaben erhöht.

      MfG