Plus 0,1% statt XXL

von am 16. August 2011 in Allgemein

Das deutsche saisonbereinigte reale BIP stieg nach Angaben der ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes im 2. Quartal 2011 nur noch um +0,1% zum Vorquartal. Dies war das schwächste BIP-Wachstum seit neun Quartalen. Ein enttäuschendes Ergebnis, denn erwartet wurde von Volkswirten im Vorfeld der Daten, ein Wachstum von +0,5%. Allerdings so wie die deutsche Wirtschaft aufgestellt ist, einseitig exportorientiert, war wiederum klar, dass sich Deutschland den schwächeren Wachstumsraten in der Welt nicht entziehen kann.

Die Entwicklung des saisonbereinigten realen (preisbereinigten) BIPs laut der revidierten Datenreihe von Destatis seit Q1 1992 bis Q2 2011 im Chart. In Q2 2011 kam das Wachstum faktisch mit nur +0,1% zum Vorquartal zum Erliegen, nach abwärtsrevidierten +1,3% (ursprünglich +1,5%) in Q1 2011. Zum Vorjahresquartal stieg das reale BIP der unbereinigten Datenreihe um +2,8% und nur kalenderbereinigt um +2,7%.

Leider enthält die erste Schätzung zum BIP noch keine detaillierte Daten, so dass man sich mit den Pauschalaussagen von Destatis begnügen muss: “Die Importe stiegen im zweiten Quartal 2011 allerdings kräftiger als die Exporte. Dieser starke Anstieg der Importe bewirkte einerseits einen vermehrten Vorratsaufbau. Andererseits führte dies dazu, dass sich der Außenbeitrag insgesamt negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirkte. Auch die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen bremsten die deutsche Wirtschaft im zweiten Vierteljahr 2011.”

Bemerkenswert, auch die privaten Konsumausgaben sanken zum Vorquartal, dies dürfte allerdings Querschuesse-Leser nicht überraschen, denn diverse Male wurde hier auf das Märchen des deutschen Konsumwunders verwiesen und anhand von Daten als Lüge entzaubert.

Neben der ersten Schätzung zum 2. Quartal 2011 wurden von Destatis die BIP-Daten seit 1991 einer Revision unterzogen, die Abweichungen zu den ursprünglichen saisonbereinigten Daten betrugen +/-0,7%. So sank das saisonbereinigte reale BIP während der Wirtschafts- und Finanzkrise noch kräftiger als bisher veranschlagt. Im 1. Quartal 2009 ging es mit der Rekordrate von -4,0% zum Vorquartal abwärts (ursprünglich um -3,7%) und im 2. Quartal 2009 ging es mit einer Rekordrate von -7,4% zum Vorjahresquartal abwärts, nach ursprünglich berichteten -6,8%!

Das schwache Wachstum dürfte auch signifikante Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt haben. Zeichnete sich bisher die Entwicklung durch eine überwiegenden Anteil an mieser Qualität des Stellenaufbaus aus, siehe Anstieg bei atypischer Beschäftigung, darin enthalten die Leiharbeit, dürfte nun der Aufbau der Beschäftigung komplett zum Erliegen kommen. Für Null-Wachstum braucht man keine zusätzlichen Arbeitskräfte, im Gegenteil, die weiter steigende Produktivität wird bei gleichem oder gar geringeren BIP deutlich weniger Arbeitskräfte verlangen. Vielmehr gibt es auf Grund der nicht vorhandenen detaillierten Daten zur 1. Schätzung des BIPs nicht zu sagen. Auch die deutsche Wachstumsrate schwindet und dies fügt sich ein, in weltweit schwache Daten, während gleichzeitig die Schuldenberge weiter wachsen und keine auch nur ansatzweise Lösungen, ob für die Eurozone insbesondere für die PIIGS-Staaten noch für die Schuldenkaskaden der angelsächsischen Blasenökonomien in Sicht sind.

Quelle Daten: Destatis.de/Pressemitteilung BIP Q2 2011, XLS: Ergebnisse der großen VGR-Revision 2011 für die Jahre und Quartale ab 1991

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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