Politische Dimension der Schulden- und Finanzmarktkrise: Keine Lösung, aber es ruckt in der geopolitischen Hackordnung

von am 31. Januar 2013 in Allgemein

Hand aufs Herz: Wer von all jenen, die die Entwicklungen auf den Finanzmärkten, der Realwirtschaft und der Schuldenkrisen intensiv verfolgt, würde aktuell noch behaupten wollen, dass die Krisenpolitik sich dabei ökonomisch und fiskalpolitisch gesehen rational verhält und in Bezug auf das Ziel, die Krise zu überwinden, effektiv agiert?

Vermutlich wird das kaum ein in diesen Dingen Kundiger noch tun.

Was heißt das aber?

Es bedeutet, wenn man das Ausschlussprinzip beachtet und die Lage einmal mit der nötigen Distanz zum Tagesgeschehen nüchtern bewertet, im Grunde Folgendes:

Bei den (an die Öffentlichkeit gelangenden) politischen Äußerungen und Handlungen in Bezug auf die Schulden- und Finanzmarktkrise geht es inzwischen überwiegend, das heißt zu mehr als 50 Prozent, nicht mehr in erster Linie um deren effektive Bewältigung, sondern um politische Behauptung und um die nationale Positionierung in der geopolitischen Hackordnung.

Mit anderen Worten ist der Krisenverlauf, so wie er sich in finanzieller und ökonomischer Hinsicht ergibt und dokumentieren lässt, zu einem großen Teil Resultat politischer Gesichtspunkte und Zielsetzungen, die nicht unmittelbar mit finanziellen und ökonomischen Faktoren und Erfordernissen im Zusammenhang stehen. Es wird gezahlt und Geld gedruckt, koste es was es wolle. So könnte man es pointiert auf den Punkt bringen. Das bringt jeden ökonomisch versierten Menschen dazu, sich die Haare zu raufen.

Aus dem, was US-Präsident Barack Obama, der britische Premier David Cameron, Japans neuer Premier Shinzo Abe oder Xi Jinping, der im März offiziell zum neuen Präsidenten Chinas ernannt werden wird, sagen und an Maßnahmen ergreifen, kann man nicht mehr auf den finanziellen und ökonomischen Zustand der Volkswirtschaften schließen, für die sie stehen und verantwortlich sind. Das ist es, was man daraus wohl schließen muss.

Die heimische Wirtschaft aus dem Wachstumsloch zu holen, das wollen zwar alle genannten Herren. Sie und ihre Vorgänger haben es auch versucht und versuchen es weiter. Aber gelungen ist es bisher keinem und damit ist genau das auch für keinen mehr vordringlich. Jeder weiß, dass der andere auch keine Ahnung hat, wie die Probleme wirklich gelöst werden können – in einer Weise, die auch politisch als Erfolg ausgeschlachtet werden kann.

Vor diesem Hintergrund kämpfen die Politiker gegenwärtig in praktisch allen Industrieländern um ihren Einfluss oder ums politische Überleben. Angesichts der seit Jahren rund um den Globus im Hinblick auf eine effektive Krisenbewältigung anhaltend erfolglosen Politik und der infolgedessen überall negativen Wirtschaftsaussichten, ist das politische Schicksal aller betroffenen Politiker nunmehr jedoch hauptsächlich damit verbunden, die Position der eigenen Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb zumindest zu halten und in der geopolitischen Hackordnung nicht nach unten zu rutschen. Denn genau dies droht den führenden Volkswirtschaften angesichts der sich verdüsternden wirtschaftlichen Aussichten. Nationen, die marktwirtschaftlich organisiert sind – das darf man nicht vergessen – verdanken ihren weltpolitischen Einfluss hauptsächlich ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Bleibt der aus, geraten sie unter Druck und ganz besonders die Politiker, die das zu verantworten haben.

Das erklärt die politische Lähmung in den USA und das Hü und Hott in der Krisenpolitik vieler Länder bzw. das Hin- und herspringen zwischen eisernem Sparen und konjunkturpolitisch motivierter Stimulierung etwa in Japan und aktuell offensichtlich auch in Spanien, das nun ein Konjunkturpaket auflegen will (1). Mal ist das eine Konsequenz eines auf erfolglose Politik folgenden Regierungswechsels, wie jetzt beispielsweise in Japan. In anderen Fällen vollzieht ein und dieselbe Regierung solche Sprünge, so wie es jetzt die konservative Regierung des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy angesichts der desaströsen wirtschaftlichen Folgen ihres eisernen Sparkurses tut. Das Ganze ist noch dazu begleitet von zahlreichen Rücktritten von Ministern und Premierministern.

Japan

Mit Shinzo Abe hat Japan nun den siebten Premierminister innerhalb von gut fünf Jahren. Ein Gütesiegel für die japanische Krisenpolitik ist das gewiss nicht. Shinzo Abe war bereits von September 2006 bis Ende August 2007 Premier gewesen, bevor er aus Gesundheitsgründen zurücktrat. Ihm folgten Fukuda Yasuo (LDP) (Sept. 2007 bis Aug. 2008) und Aso Taro (LDP), der bei den Wahlen im September 2009 dem Spitzenkandidaten der DPJ, Yukio Hatoyama, unterlag. Hatoyama trat nach nur neun Monaten wegen drastisch gesunkener Umfragewerte und der Verwicklung in einen Parteispendenskandal als Premier zurück. (2) Seine beiden Nachfolger aus der DPJ, Yukio Hatoyama und Naoto Kann, waren nicht viel länger im Amt, weil sich die DPJ intern nicht auf einen klaren Krisenkurs einigen konnte. (3)

USA

Bereits im Sommer 2010 gab es bei Obamas Beratern eine erste Welle von Rücktritten. Peter Orszag, räumte den Posten des obersten Haushalts-Aufsehers im Weißen Haus, Prof. Christina Romer gab ihren Posten als Leiterin von Obamas Wirtschaftsrat auf, Prof. Lawrence Summers, der das Anti-Rezessionsprogramm der US-Regierung seit 2008 maßgeblich mitgeprägt hatte, trat als führender Wirtschaftsberater Obamas zurück, ebenso der Chef des Bankenrettungsfonds TARP, Herb Allison und später im Jahr auch Obamas Stabschef, Rahm Emanuel. (4) Das alles waren Zeichen dafür, dass die Einigkeit innerhalb der US-Regierung über den richtigen Krisenkurs bereits verloren gegangen war. Anfang Januar 2011 warf dann auch Paul Volcker, maßgeblicher Vordenker der US-Finanzmarktreform und Sonderberater Obamas in Wirtschaftsfragen hin. Bis dahin hatte er dem Economic Recovery Advisory Board vorgestanden, das der Regierung dabei helfen sollte, die US-Wirtschaft aus der Krise zu steuern. Auch David Axelrod, einer der bis dahin engsten Berater von Obama, kehrte dem Weißen Haus den Rücken. (5)

Unmittelbar nach Obamas Wiederwahl Anfang November letzten Jahres gab es eine neue Welle von Rücktritten. Schon zuvor war bekannt geworden, dass Hillary Clinton (Außenministerin), Leon Panetta (Verteidigungsminister) und Timothy Geithner (Finanzminister) nicht mehr weiter machen wollten. Ihren Rücktritt angekündigt haben zwischenzeitlich aber auch die Arbeitsministerin Hilda Solis (6) und Innenminister Ken Salazar (7) sowie der Verkehrsminister Ray LaHood (8). Aufgegeben haben des Weiteren auch führende Köpfe im Kampf um die Bändigung der Finanzmärkte. Ende November verkündete Mary Schapiro ihren Rücktritt als Chefin der Börsenaufsicht SEC (9), wenige Wochen später tat das auch der erfolgreiche Chefermittler der SEC, Robert Khuzami (10).

Seit vielen Monaten ist die US-Regierung in der Frage der Krisen- und Schuldenbekämpfung uneins und Demokraten und Republikaner völlig zerstritten. Die USA sind politisch seit Monaten paralysiert. Es gibt keinen Krisenkurs und ebenso wenig ein auch nur annähernd überzeugendes Konzept. Die US-Wirtschaft bleibt schwach, die Arbeitslosigkeit hoch, während das Schuldenproblem immer größer wird.

Gleichwohl ist die US-Politik bestrebt, Amerikas international führende wirtschaftliche und politische Rolle zu halten, die insbesondere China, das zwar selbst ernste Probleme hat, aber eben keine Demokratie und auch keine Marktwirtschaft im eigentlichen Sinne ist, aktiv und durchaus erfolgreich untergräbt und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.

China

Xi Jinping, der designierte neue chinesische Präsident ist schon jetzt, das heißt vor der offiziellen Amtseinführung, mächtiger als sein Vorgänger Hu Jintao es jemals war. Mehr noch hat er bereits begonnen, in der Kommunistischen Partei Chinas mit eisernem Besen Ordnung zu schaffen und damit zeichnet sich ab, dass er China und Chinas weltpolitische Rolle ähnlich markant prägen könnte, wie das einst Mao Zedong und Deng Xiaoping getan haben – vorausgesetzt er schafft es, seine politischen Gegner im Land auszuschalten oder unter Kontrolle zu bringen.

China ist politisch sehr wahrscheinlich in eine neue Ära eingetreten und das wird nicht ohne Konsequenzen für Chinas weltpolitische Rolle bleiben.

Zudem hat Xi Jinping im Streit um die japanischen Senkaku-Inseln, die China als eigenes Territorium reklamiert, nicht nur militärisch die Säbel rasseln lassen, sondern Japan auch wirtschaftlich schwer zugesetzt. Der wegen des Inselstreits in China aufgeflackerte Nationalismus und in der Bevölkerung tief verwurzelte Hass auf Japan, hat zu Protesten und Aggressionen gegen japanische Konzerne in China und gegen deren Produkte geführt, was Japan empfindliche Exporteinbußen beschert:

Im November 2012 brachen Japans Exporte nach China um 14,5 Prozent ein, im Dezember um 15,8 Prozent auf 906 Milliarden Yen. Am heftigsten betroffen waren der Automobilsektor (-47,5 Prozent) und der Maschinenbau (-22,2 Prozent). (11)

Eingebrochen sind aber auch Japans Exporte nach Europa und zwar um 20 Prozent im November und um 12,3 Prozent auf 561 Milliarden Yen im Dezember. (12)

Japans neuer, konservativer Premier Shinzo Abe hat aber gerade ein riesiges Konjunkturpaket im Volumen von umgerechnet 175 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, um die japanische Wirtschaft endlich in Schwung zu bringen und er hat die Bank of Japan dazu gezwungen, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen, um den Yen zwecks Exportförderung zu schwächen. Gegen den Nationalismus in China und die Rezession in den Krisenländern der Europäischen Union sind diese Maßnahmen jedoch wirkungslos und damit hat Abe eine immense finanzielle und politische Hypothek aufgenommen.

Das weiß wiederum auch der chinesische Präsident Xi Jinping. Bei einer militärischen Eskalation des Inselstreits wäre Japan zudem definitiv auf die Unterstützung der USA angewiesen und insofern sägt China mit weiteren Provokationen in dieser Angelegenheit auch an der weltpolitischen Autorität der USA, die sich neue, kostspielige militärische Abenteuer nicht mehr leisten können.

Großbritannien

David Cameron, der konservative britische Premier, sitzt hingegen politisch gesehen national und international zwischen allen Stühlen. Das austeritätspolitische Konzept hat die britische Wirtschaft entgegen seiner festen Überzeugung nicht auf Kurs gebracht. Im Gegenteil weist diese mittlerweile eindeutig rezessive Tendenzen auf, in der günstigsten Interpretation kann man von Stagnation sprechen. Zudem ist sie in hohem Maße von der Finanzindustrie abhängig und deren Geschäfte laufen zunehmend schlechter, nicht zuletzt aufgrund der schwachen Weltwirtschaft sowie der weltweit anziehenden Regulierung und zahlreicher laufender Untersuchungen und Prozesse im Finanzsektor. Die Luft für die Finanzindustrie wird dünner und das trifft Großbritannien hart.

Hinzu kommt, dass sich die beiden weltweit führenden Finanzstandorte, New York und London, beharken und diese Auseinandersetzung hat in der Wahrnehmung vieler eine politische Dimension angenommen. Wegen des Vorgehens und der Strafen US-amerikanischer Behörden gegen britische Banken (HSBC, Barclays, Standard Chartered) haben britische Parlamentarier und Investoren auch schon recht unverhüllt von einem Bankenkrieg zwischen den USA und Großbritannien gesprochen. (13)

Ob dies nun zutrifft oder nicht, Tatsache dürfte sein, dass die enge Partnerschaft zwischen den USA und Großbritannien, so wie sie noch in der Zeit von George W. Bush und Tony Blair und des Irak-Krieges existierte, der Geschichte angehört. Gerade diese enge Freundschaft mit den USA war aber immer auch die Basis für das Selbstbewusstsein der britischen Regierungen, mit dem sie in der Europäischen Union eigene Interessen vertrat und auch durchsetzte. Diesen Rückhalt bzw. diese Versicherungspolice für Verhandlungen mit der EU hat die Regierung Camerons nun nicht mehr.

David Cameron steht politisch und innerparteilich – nicht zuletzt auch wegen Europa – massiv unter Druck. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Unzufriedenheit mit der Rolle Großbritanniens in Europa in der britischen Bevölkerung anders als von Cameron behauptet, keineswegs dramatisch gewachsen ist. Das Thema Europa halten demnach nur 6 Prozent der Briten für eines der wichtigsten, mit denen sich die Regierung befassen muss. An erster Stelle steht hingegen mit großem Abstand die wirtschaftliche Entwicklung und an zweiter die Arbeitslosigkeit. (14)

Innerhalb von Camerons konservativer Partei, den Tories, ist das Thema Europa hingegen sehr wichtig, nicht zuletzt deswegen, weil die Tories dadurch auch massiv Stimmen an die UK Independence Party (Ukip) verloren haben. Ukip liegt gemäß einer neueren Umfrage bei 9 Prozent und hat damit die Liberal Democrats von Nick Clegg, Camerons Koalitionspartner, überholt. Die Tories liegen hingegen bei nur noch 30 Prozent und damit inzwischen 13 Prozentpunkte hinter Labour (43 Prozent) zurück. (15)

Die pro-europäischen Liberal Democrats haben zudem gerade im Parlament gegen die von den Tories geplante Reform der britischen Wahlbezirke gestimmt und sie damit scheitern lassen. Laut einem Pressebericht hätte sie Camerons konservativer Partei bei der nächsten Parlamentswahl bis zu 20 Sitze mehr bringen können. (16)

Die britische Regierungskoalition ist tief zerstritten, auch in der Frage Europa und in den Umfragen abgestürzt. David Cameron ist innerparteilich nicht mehr unumstritten. In Großbritannien wird inzwischen darüber spekuliert, ob er nicht im Laufe des Sommers und damit vorzeitig als Premier abgelöst wird. (17)

David Camerons Grundsatzrede zu Europa war so betrachtet wohl vor allem ein Manöver, mit dem er seine Position als Premier und Parteichef zu stabilisieren suchte. Eine echte Verhandlungsposition gegenüber Kontinentaleuropa hat er nicht.

Europa

Die Europäer haben von all diesen Entwicklungen und vor allem auch von der vorläufigen Beruhigung der Euro-Krise profitiert. Grundsätzlich haben aber auch sie dieselben ungelösten Kern-Probleme wie die USA, Japan und Großbritannien. Allerdings ist die Gefahr einer deutlichen Verschärfung der Krise für Europa aktuell und vorerst sicher nicht mehr größer als für die USA, Japan und Großbritannien. Im Fokus der Märkte werden deswegen ab jetzt sehr wahrscheinlich eher die USA, Japan und Großbritannien stehen.

Fazit

Was die weiteren Perspektiven in der Krisenbekämpfung und dem geopolitischen Positionspoker anbelangt, so wird viel davon abhängen, wie sich erstens Shinzo Abes´ hoch riskantes konjunktur- und geldpolitisches Manöver entwickelt, wobei die Chancen für einen signifikanten, noch dazu tragenden Aufschwung und damit Erfolg nicht wirklich gut stehen.

Zweitens hängt viel davon ab, wie sich der Schuldenstreit in Washington entwickelt. Bisher hat sich die US-Regierung immer nur durch Verschiebung der Entscheidung für ein Konzept über die Runden gerettet und dabei kräftig weiter Schulden gemacht. Eine Lösung zeichnet sich nicht ab. Sollte jedoch das Konjunkturpaket der japanischen Regierung kurzfristig Erfolg haben, könnte dies durchaus in den USA einen Ausschlag geben. Spaniens konservative Regierung ist – offenbar aus schierer Ratlosigkeit – bereits dabei, Japans Beispiel zu folgen. Einstweilen ist die britische Regierung offenbar hauptsächlich darum bemüht, Großbritannien aus den Negativ-Schlagzeilen herauszuhalten, man könnte auch sagen, einfach nicht aufzufallen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch Cameron zum Konjunkturprogramm greift – um sich zu retten.

Damit würde das Pendel wieder zurückschwingen von der wirtschaftsliberalen Austerität zur keynesianischen Stimulierung. Die Folge wäre eine neue Runde weltweit steigender Staatsverschuldung oder anders ausgedrückt teuer erkaufte Zeit. Das hatten wir schon einmal. Insofern ist zu vermuten, dass diese Zeit für die Lösung der Probleme sehr wahrscheinlich erneut nicht genutzt werden würde. Denn offensichtlich hat keine Regierung einen „Plan C“ bzw. etwas anderes als liberale Austerität und Konjunkturstimulierung in ihrem Instrumentenkasten.

Rosige Aussichten sind das nicht, vor allem, weil die politische Dimension die Krisenpolitik zu dominieren begonnen hat. Geopolitische Verschiebungen sind im Zuge der Krise indes nicht unwahrscheinlich. Es wird Gewinner und Verlierer geben.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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42 KommentareKommentieren

  • Roland - 31. Januar 2013

    Leider ein ziemlich oberflächlicher Artikel heute von SLE.

    Reden wir mal tacheles:
    Der neue Regierungschef Japans hat angekündigt, die seit 1946 gültige Verfassung Japans, die ein absolutes Kriegsverbot beinhaltet, ändern zu wollen.
    Die zunehmende Konkurrenz um Rohstoffe und Absatzmärkte unter allen kapitalistischen und immer imperialistischer agierenden Weltmächten verschärft sich dramatisch.
    Der laufende Währungskrieg ist dabei nur “soft-policy”. Der heisse Krieg läuft schon längst (offen und verdeckt) nicht nur in Afghanistan und Irak, sondern in Libyen, Syrien, Mali …und und und.

    DIES ist die “neue schöne Welt”.

    • Andres Müller - 31. Januar 2013

      @Roland, Herr Eichers Artikel beginnt mit “Bei den (an die Öffentlichkeit gelangenden) politischen Äußerungen”….

      Darauf baut sich danach eine Analyse auf die ohne detaillierte Kenntnisse verborgener Operationen und geheimer Ziele auskommen muss. So gesehen bewegt sie sich oberhalb eines nebulösen Sumpfes von vielen unbekannten weil geheimen Faktoren.

      Vor Kurzem habe ich vernommen dass das Pentagon (angeblich das erste mal in der Geschichte) führende Finanzindustrielle zu militärischen Übungsspielen “Wirtschaftskrieg” nach Washington geladen hatte. Interessant dabei ist nicht nur was dabei simuliert wurde, sondern auch wer den Wirtschaftskrieg in der Simulation angeblich gewonnen habe-nämlich China. Die Übungen selbst waren streng geheim, für mich als Schweizer ist aber nicht ganz überraschend durchgesickert -dass der Bankenkonzern UBS zum “Wirtschaftskrieg” zugeladen wurde. Aus meiner Sicht ist die Bildung von “unheiligen Allianzen” bereits voll im Gange -und wenn es zutrifft dass in einem rein wirtschaftlich geführten Krieg die VR China obsiegen würde -dann sind mir auch die nächsten Schitte ungefähr klar die nun folgen müssen (auf militärischer Ebene) um das zu ändern.

  • Willie - 31. Januar 2013

    “Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch Cameron zum Konjunkturprogramm greift – um sich zu retten. Damit würde das Pendel wieder zurückschwingen von der wirtschaftsliberalen Austerität zur keynesianischen Stimulierung.”

    Das ist nicht ganz richtig, wie ich finde. Ein Umschwenken von Austeritäts- auf Konjunkturprogramme hat nicht viel mit Kenyes zu tun.

    Japan hat gezeigt, dass auch eine Nullzinspolitik nicht gleich Keynespolitik ist. Japans Nullzinspolitik hat ja Jahrzehnte zu einer milden Deflationsphase geführt. Auch hier zu sagen, die Notenbankpolitik wäre lax oder expansiv ist nicht richtig . Expansiv wäre sie gewesen, wenn Japan eine moderate Inflation gehabt hätte. In so einem Umfeld hätten auch Konjukturmaßnahmen funktioniert. Taten sie aber nicht, eben wegen der Deflation. Das heißt die Schulden sind gestiegen und die Konjunkturprogramme sind verpufft.

    Das ist jetzt anders! Denn Japan greift zu beiden Maßnahmen. Lockere Notenbankpolitik und Konjunkturprogramme. Bezüglich der Austerität ist aus Japan nicht viel vernehmen, so dass Japan wahrscheinlich erfolgreich sein wird im Kampf gegen die Deflation.

    Im Bezug auf Groß Britanien heißt das:

    In einem Umfeld in dem weiter auf Austerität gesetzt wird, werden Konjunkturprogramme höchstwahrscheinlich ebenfalls nichts bringen.

    Keynes hatte sich das sicher ganz anders vorgestellt.

  • Willie - 31. Januar 2013

    Etwas wichtiges fehlt mir bei der ansich guten Analyse noch.

    In allen genannten Ländern (außer China) verfehlen es die demokratisch gewählten Regierungen die Bedürfnisse der Bürger zu befriedigen.

    Insbesondere in Europa, wo es ja noch mehr als nur wzei Parteien gibt, gibt es nichtmal mehr ein echtes linkes und ein echtes rechtes lager.
    Vielmehr haben sich die Parteien zu einem Einheitsbrei zusammengemausert, die mehr zusammen gemeinsam haben, als dass sie sich von einander unterscheiden würden.

    Man nehme Deutschland als Beispiel. Die SPD als sozialdemokratische Partei unterscheidet sich doch nur marginal von der CDU. Im englischen oder französischen aber auch spanischen Parteiensprektum sieht es nicht anders aus.

    Ob nun ein Machtwechsel stattfindet oder nicht, ist meist egal. Der Kurs der Vorgängerregierung wird meist fortgeführt. Auch die Finanzindustrie genießt weiter Narrenfreiheit obwohl das ja alle Regierungen in 2008 längst erledigt sehen wollten.

    Die hier so schön analysierte Wirtschaftskrise ist in Wahrheit auch eine Krise der Demokratie! Die Bürger erkennen, dass die Politik bzw. die Demokratie keine Antworten auf die vielen Fragen und Probleme hat, die uns bekümmern. Das ist eine durchaus wichtige Tatsache, die uns zu denken geben sollte insbesondere wenn wir nach China oder Singapur blicken.
    Dort gibt es keine Demokratie und die “Systeme” laufen scheinbar besser!

    Ich würde mir wünschen, wenn hierauf noch etwas mehr eingegangen werden könnte.

  • guthabenkrise - 31. Januar 2013

    mal sehen, wann endlich die “schwäbische Hausfrau” als Klassenfeind des Kapitalismus an den Pranger kommt….wäre die Alternative zu Krieg.

    http://guthabenkrise.wordpress.com/2013/01/11/die-schwabische-hausfrau-ist-der-klassenfeind-des-kapitalismus/

  • Alfred Casimir - 31. Januar 2013

    Sehr geehrter Herr Lechner,
    nachdem ich ihren Artikel gelesen hatte, wollte ich mich spontan über diese Zusammenfassung bedanken.
    Für interessierte Leser haben Sie in verständlichen Worten das Internationale Dilemma gut beschrieben.

    @Roland

    wenn man mehr weiß, die Lösung aber nicht kennt, bringt es nichts was zu sagen .

    @Andres Müller

    Es ist spannend sich mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Wenn diese sogenannten Verschwörer wirklich einen Plan „C“ hätten, würde er mit Sicherheit schon abgearbeitet.
    Diesen Plan haben diese sogenannten Experten aber nicht.

    @Willie

    Der Herr Cameron und seine Partei verfolgen nur ein Ziel, und den hat Herr Lechner sauber formuliert : David Camerons Grundsatzrede zu Europa war so betrachtet wohl vor allem ein Manöver, mit dem er seine Position als Premier und Parteichef zu stabilisieren suchte. Eine echte Verhandlungsposition gegenüber Kontinentaleuropa hat er nicht.

    Der Hinweis ,auf die Bedürfnisse der Bürger zu schauen, ist der Anfang für die Lösung.
    Leider ist -Politik – dafür nicht ausgebildet.
    Wenn wir mal für Deutschland sprechen erleben wir tagtäglich, wie Interessenspolitik betrieben wird.
    Das Denken und Handeln im kompletten politischen Raum ist geprägt von Machterhalt für politische Funktionäre . Das Paradoxe kommt dann noch bei der turnusmässigen Vorbereitungen zu den anstehenden Entscheidungen des Soverain. (Wahlen auf allen Ebenen).

    Mit Formulierungen ohne konkrete Inhalte versucht man die Stimmung der Wähler zu treffen.

    Und der Wähler spielt noch mit und macht das Kreuzchen Seiner Wahl.

    Solange dieses Spiel nicht beendet wird, warten wir zu, bis Verhältnisse wie in Griechenland auch bei Uns herrschen.
    Dann kommt es wie bereits heute schon auf der ganzen Welt. Der Clevere gewinnt. Der Rest verliert. Und jeder wundert sich.

    Jede in Umlauf gebrachte Zahlungseinheit ist mit mittler Weile mit 40 % Zinsanteil behaftet.

    Oder anders ausgedrückt : der Durchschnittspreis aller Produkte hat einen versteckten Zinsanteil von 40 %.
    Für das internationale Finanzsystem ist das ein tödlicher Schönheitsfehler.

    Alle ökonomischen Theorien, machen sich über den Zins keine Gedanken. Und dann wird in den Medien noch verbreitet, daß nur im Islam der Zins nicht üblich ist.

    So wird das nichts. Egal mit welchen guten Ratschlägen man dem Problem zu Leibe rückt.

    • Willie - 31. Januar 2013

      Es gibt

      1. keine alternative zum Zins, denn Risiko muss immer bezahlt werden, sonst würde niemand Geld verleihen.
      2. gibt es auch im Islam einen (nicht gleich offensichtlichen) Zins
      3. ist der Zins an nichts Schuld, denn auf den Zins fallen auch Inflation und Steuern an, womit sein angeblich desaströser Effekt gemindert wird.
      4. gibt es so etwas wie die Wertschöpfung.

      Heißt also der Zins ist lange nicht die Ursache allen Übels.

      • Holly01 - 31. Januar 2013

        Sie haben nicht Recht, zumindest nicht so umfassend, wie Sie es formuliere.
        zu 1 ) Staatliche Schulden müssen nicht verzinst werden. Staatliche Schulden müssen nicht einmal über das Geschäftsbankensystem laufen. Diese show, die wir seit 5 Jahren gesehen haben, diente ausschliesslich der Etablierung des ESM.
        Diese absolutistische Einrichtung mit ZUgriff auf alle Resourcen des Euroländer war (offensichtlich) nicht anders durchzusetzen, als mit Griechenlands Ruin und Druck auf die gesamte Südschiene.
        Firmenschulden und Schulden von Privatleuten sind explodiert, weil man Volumen braucht. Das Volumen ist aus vielen Gründen nötig.
        zu 2 ) Im Islam gibt es Gebühren. Diese Gebühren werden aber (nach meiner Kenntniss) mitgeschöpft oder vom Betrag bei Auszahlung einbehalten.
        zu 3) Exponentialfunktionen kann man etwas flacher oder steiler gestalten, aber am Ende überschlagen die sich immer.
        zu 4 ) Wertschöpfung ist ein gutes Stichwort. Der Preis wird am Markt gemacht, das heißt der gerechte Preis ist der erzielbare Preis.
        Das ist eine Diskussion aus dem Ethik- und Moralbereich ( und so alt wie die Menschheit).
        Grundsätzlich addieren sich Zinslasten immer im Endpreis zur Summe. Das diese Summe den effektiven Kaufkraftverlust bewirkt dürfte kaum strittig sein, das ist für mich Logik.

        • meisterkk - 1. Februar 2013

          Der Zins an sich ist nicht das kritische sondern der Zinseszinseffekt und die daraus resultierende Exponentialfunktion.
          Aber auch das wäre nicht so dramatisch, wenn die notwendige konstruktive Zerstörung in den Märkten zugelassen würde (z.B. im Bankenbereich) und Zinsen nicht von den Zentralbanken und Rettungsfonds manipuliert würden. Vieles würde sich selbst regulieren, wenn man die Märkte funktionieren dürften. Die Tatsache dass die Märkte aber seit über 10 Jahren dauermanipuliert werden haben das Problem in Form der Konsequenzen im Falle eines größeren Defaults so gross werden lassen, dass ich nicht an eine Lösbarkeit glaube.
          In den Finanzmärkten steuern wir wie 2006 auf die nächste Übertreibung zu – weil die Zeintralbanken die Marktteilnehmer mit ihrer Niedrigzinspolitik die Märkte dazu zwingen.
          Kicking the can down the road….

    • Andres Müller - 1. Februar 2013

      @Casimir Diese Wirtschafts-Krieg Übungen des Pentagon sind keine Verschwörungstheorie.

      http://www.politico.com/news/stories/0409/21053.html

  • Reffke - 31. Januar 2013

    Vielen Dank für die Einschätzung zur aktuellen Lage!
    Die Krise spitzt sich unaufhaltsam weiter zu, qweil siue systemimanent ist: wie bei Pyramidenspielen versucht man mit immer mehr Schulden nur Zeit zu gewinnen.
    Während man die OTC-Derrivate noch abschätzen kann,
    http://www.bis.org/publ/otc_hy1211.htm
    bleiben Daten der div. Shadowbanks und Zweckgesellschaften der “Global Pklayer”an Wall Street und City of London leider verborgen und sprengen vermutlich jegliche Vorstellungskraft.
    2009 hat Trace Mayer eine berühmte Grafik gemacht (viele werden sie kennen, aber ich poste hier mal die orig. Quelle):
    http://www.creditcontraction.com/images/affiliate/Great-Credit-Contraction-Liquidity-Pyramid-Large.jpg
    Entweder Inflation oder Reset.
    Durch den Verlust der nationalen Währung in der Eurozone der EU, ist vermutlich nichtmal mehr eine Nationalisierung der “Banken” möglich, weil sie durch die Deregulierung des DFinanzmarkts mit Investbanken und Versicherungen zu globalen Monstern gewuchert sind, die sich jeglicher nationaler oder “Eurozonaler” Kontrolle selbstverständlich entziehen…

    Zu Frankreich sollte man sich Interessierte über François Mitterrand informieren, der quasi als letzter Sozialist (abgesehn von Island) eine Verstaatlichung als letztes Mittel durchgesetzt hat:
    [quote]In seiner ersten Amtszeit berief er Pierre Mauroy zum Premierminister, der trotz absoluter Mehrheit der Sozialisten eine Koalition mit den Kommunisten bildete (Kabinett Mauroy). Sie stimulierten den Konsum durch die Festlegung von Mindestlöhnen, Rentenerhöhungen und Familienbeihilfen, ==> verstaatlichten Schlüsselindustrien und Banken und verkürzten die Arbeitszeit.[/quote]
    http://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Mitterrand
    „Ich war der letzte französische Präsident, nach mir werden nur noch von Europa dirigierte Administratoren und Finanziers kommen.“
    François Mitterrand

  • BigRed - 31. Januar 2013

    Angesichts von
    “Die Folge wäre eine neue Runde weltweit steigender Staatsverschuldung oder anders ausgedrückt teuer erkaufte Zeit.”
    wüsste ich doch eine etwas ausführlichere Diskussion zu schätzen – was ist denn das Problem steigender Staatsverschuldung in Japan, den USA, dem UK…abgesehen davon, dass sie den Austerians die Gelegenheit gibt, Panik zu machen?
    Bzw., was ist denn an Abes konjunkturpolitischem Programm “hochriskant”?

    Auch wäre es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich keine der pseudo-demokratischen Regierungen dazu durchgerungen hat, echte Konjunkturstimulation zu betreiben, im Unterschied zu den sehr konsequent betriebenen Austeritätsprogrammen.
    Der stimulus in den USA war zu klein und wurde spätestens mit dem Auslaufen des Payroll-Tax-Holiday abgewürgt, in Japan gab es ERST eine Einigung, Steuern zu erhöhen und damit Binnennachfrage zu schwächen, und dann ein Konjunkturprogramm und von Europa muss man gar nicht erst reden.

    D.h., es ist mitnichten so, dass alle Lösungsansätze gescheitert seien und nun nur noch jeder um den Platz in der Hackordnung kämpft. Es ist ausser konsequenter Austerität und inkonsequenter keneysianischer Stimulation nichts probiert worden, also kann’s den jeweiligen Regierungen so ernst mit der geopolitischen Positionierung ja nicht sein, China mal aussen vor gelassen.

    • SLE - 31. Januar 2013

      Hallo BigRed,

      die Industrieländer – und damit auch Japan – haben kein konjunkturelles Problem. Sie haben es mit wirtschafts- und marktsrukturellen Problemen und Verwerfungen zu tun, die sich WEDER durch Konjunkturprogramme NOCH durch wirtschaftsliberale Konzepte (u.a. Austerität) NOCH geldpolitisch lösen lassen. Und selbst wenn Japan nicht diese Art von Problem hätte, kann es mit Konjunkturprogrammen – wie ich im Aufsatz oben geschrieben habe – die Ursachen für die schwache Nachfrage in den für den Export wichtigen Regionen “Euro-Zone” (Rezession) und China (Boykott japanische Erzeugnisse) NICHT adressieren.

      Wenn Ihnen dies als Erklärung nicht ausreicht, möchte ich Sie bitten entweder die sehr anschauliche Erklärung in diesem Aufsatz von mir nachzulesen:

      http://www.querschuesse.de/schuldenkrise-state-of-the-art-der-krisenbewaltigung/

      oder die ausführlichere in diesem:

      http://www.querschuesse.de/einkommens-und-vermogenskonzentration-%E2%80%93-teil-6-das-bruchige-fundament-%E2%80%93-neuordnung-des-erklarungszusammenhangs-der-krise-und-implikationen/

      Im Übrigen wurden nach der Lehman-Pleite, das heißt vor allem 2009, rund um den Globus in nahezu allen Industriestaaten milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt, in Japan waren es – das neue von Shinzo Abe nicht eingerechnet – insgesamt sechs, wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe.

      Viele Grüße
      SLE

  • zykliker - 31. Januar 2013

    “… dass die Krisenpolitik sich dabei ökonomisch und fiskalpolitisch gesehen rational verhält und in Bezug auf das Ziel, die Krise zu überwinden, effektiv agiert?

    Es bedeutet … im Grunde Folgendes:
    ..geht es inzwischen überwiegend … nicht mehr in erster Linie um deren effektive Bewältigung, sondern um politische Behauptung und um die nationale Positionierung in der geopolitischen Hackordnung.”

    Sorry, aber in der Politik geht und ging es nie um etwas anderes als um die Behauptung der eigenen Machtposition und somit auch um die Selbstbehauptung in der (“geopolitischen) Hackordnung.”

    Gerade die demokratisch verfassten Staaten sind doch “Schönwetter-Veranstaltungen,” die beim erstbesten Windhauch in der Gefahr der hoffnungslosen Überforderung stehen; wirkliche Problemlösungen sind da keineswegs selbstverständlich. Ausnahmen wie Roosevelt ab 1933 sind glückliche Zufälle, für die man das amerikanische Volk nur beglückwünschen kann; vielleicht kann man auch den Briten zu Churchill gratulieren.

    Ich halte einigen der jetzigen “Leichtmatrosen” auf den Staatsschiffen zugute, dass sie ahnen, dass die Schuldenkrise Teil der systemischen Krise des derzeitigen Kapitalismus ist (Auseinanderdriften von Einkommen, Vermögen, Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft); für dieses Kaliber von Problemen gibt es mit den Mitteln der Politik, für die diese “Leichmatrosen” ausgebildet sind, überhaupt keine Lösung, also wird Lösungskompetenz nur vorgetäuscht und mittels Aktionismus die geistige Windstille überdeckt. Andere haben nicht mal das kapiert und verordnen weiter grob sachwidrig ihre “mittelalterlichen Austeritäts-Aderlässe.”

    Wenn schon in ruhigen relativ problemarmen Zeiten die Korruption als ständiges “maghrebinisches Parfum” die Politik bedroht – auch in Grimms Märchenland – wie groß ist erst das Hauen und Stechen, wenn es schwierig wird! Auch deshalb denken die meisten Politnasen gar nicht daran, wirkliche Lösungen zu suchen, weil sie damit ja einflussreichen amigos weh tun müssten.

    Nein, wirkliche Lösungen sind Neuanfänge nach totalen Zusammenbruchs-Katastrophen, das hat die Geschichte immer wieder gezeigt; wichtig ist nur, dass dann die “richtigen” Ideen von den “richtigen” Leuten aufgegriffen werden könnnen, denn falsche Weichenstellungen (wie z.B. die von 1933 in D) kommen leider auch vor.

  • JL - 31. Januar 2013

    Vorige Woche wurde ein Gipfeltreffen in Santiago de Chile abgehalten. Dort trafen sich Vertreter der EU (auch Merkel) mit Vertretern der CELAC- Staaten (Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten). Der EU ging es bei diesen Gesprächen um die Abschaffung protektionistischer Handelsbeschränkungen- und somit um einen frei zugänglichen liberalisierten Markt in dieser Region. Dies wurde aber mit Hinweis auf wirtschaftliche Ungleichheiten zwischen EU und CELAC- Staaten abgelehnt, da dies nachteilig für den CELAC- Raum währe.
    In Vietnam fand vor kurzem ein ASEAN-China-Gipfel statt. Dort wurde die Schaffung einer global-regionalen Wirtschaftspartnerschaft unter Ausschluss der USA beschlossen- ein Affront sondergleichen gegen die USA selbst.
    Seit ca. einem Jahr wird der Handel von sieben asiatischen Länder sowie Russland mit China ohne die Weltreservewährung Dollar durchgeführt.
    Der Iran akzeptiert bei Rohöllieferungen in die Türkei (die Türkei ist von amerikanischen Embargoverpflichtungen ausgenommen!) keine Dollar’ s mehr- sondern ausschließlich Gold.

    Die Welt ist also wohl im Wandel.

    Man nimmt wohl auch in der Politik doch sehr klar zur Kenntnis, daß sich auf dem eurasischen Kontinent ein neuer Wirtschafts- und Machtfaktor aufbaut, schließlich kommt Russland langsam aber stetig auf dem internationalen Parkett zurück und China strotzt vor Selbstvertrauen.

    Dabei hat man diese Entwicklung seitens der westlichen Welt selbst angeschoben- durch Lieberalisierung und Globalisierung. Man lagerte Produktionen aus und wunderte sich anschließend über steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Steuereinnahmen und steigende Haushaltsdefizite im eigenen Land. Und was tat man? Gab es im Finanz- oder Wirtschaftssektor ein Problem gab es auch frisches Geld. Wie wir alle wissen wurde damit zwar kein Problem gelöst, dafür aber Wiederwahlen gewonnen.

    Und was haben wir gegenwärtig?

    Wohl nur noch ratlose Politiker und Notenbankchefs in überschuldeten Staaten, deren zunehmende wirtschaftliche Eintrübung, Rezession oder auch Depression vor allem auf eklatante wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen beruhen und Seitens der Notenbanken mit immer neuen Geldern flankiert wurden.

    Und genau diese Ratlosigkeit artet zunehmend in Panik aus.

    Da will man z. B. in Spanien sparen aber gleichzeitig Konjunkturprogramme auflegen, obwohl die Steuereinnahmen gesunken sind seit man Steuererhöhungen eingeführt hat.

    Auch der Premierminister im Land der aufgehenden Sonne- Abe- möchte den Export anheizen. Vermutlich ist bei all seinen Aktionismus untergegangen das man dazu auch wachsende Märkte braucht, welche es aber bei weltweit überschuldeten Konsumenten gar nicht geben kann- Abgesehen davon, daß ein sinkender Yen auch Importe für die Industrie erheblich verteuert- vermutlich wird dies ein klassischer Schuß ins eigene Knie.

    Derweil jubelt man in Europa. Der Euro über der Marke von 1,35 Euro zum Dollar ist DAS Zeichen schlechthin. Jetzt ist die Krise also überwunden und der Markt dankt es mit steigendem Vertrauen in den Euro. Bis das Vertrauen 1,40 Euro erreicht haben wird. Spätestens dann ist man auch Währungskriegsteilnehmer- der Exporte wegen.

    Selbst in Großbritannien werden die „guten“ Geister knapp. Seit 2007 wurden etwa 100.000 Banker entlassen, weitere 13.000 sollen dieses Jahr folgen, der Rest möchte am liebsten in Singapur arbeiten- der deutlich geringeren Steuern wegen. Das Erwachen aus der Lethargie des britischen Empires erfolgt aber wohl erst dann, wenn englische Schafwolle der Exportschlager schlechthin wird.

    Ja und die USA? Dort verstreut man noch fröhlich und monatlich 85 Mrd. Dollar über die Welt- bis das Zeug keiner mehr haben will.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Holly01 - 31. Januar 2013

    Ich sehe 6 Handlungsstränge :
    1.) Die Industriestaaten hatten gegen Ende der 60er Jahre einen Mangel an Arbeitskräften und zeitgleich einen Mangel an billiger, unqualifizierter Arbeit.
    Wir haben diese Arbeit dann exportiert. Die Firmen waren vom Fremdkapital und von Fremdaufträgen abhängig.
    Die Kontrolle lag bei den Geld- und Auftragsgebern.
    Diese Kontrolle geht zusehens verloren, weil der Anteil der nicht abhängigen Hersteller stetig steigt.
    2.) Die Rohstoffpreise (insbesondere die Energiepreise) sind im Verhältniss zum Gesamtpreis relativ schneller gewachsen. Diese Entwicklung wurde via Produktivität und Innovation aufgefangen.
    Der Nachteil lag im immensen Kapitalbedarf. Dazu kam, daß Innovation und Produktivität einen Wettlauf beinhalten, bei dem Investoren und Nachahmer ein Hase und Igel Wettrennen laufen.
    Dazu kommt das Innovation Grenzwerte für Waren hat, wo Aufwand und Zugewinn/Erspartniss unverhältnissmäßig zum Warenwert werden.
    Produktivität wird dort unsinnig, wo sie den Konsum verdrängt, denn wozu produzieren wenn es keine Kunden gibt.
    3.) Die Staaten haben entschieden eine “Entwicklungspoltik” zu betreiben, die die örtlichen Erzeuger ruiniert hat ( geschenkte Waren kann niemand unterbieten) und eine Bevölkerungszunahme bewirkt hat, welche die nachwachsenden Ressourcen überfordert.
    Die Abhängigkeit von den “Geberländern” würde ich nicht Zufall nennen.
    Zudem werden Grundlagen verbraucht (Tiefenwasser z.B.) die unwiederbringlich und höchst endlich sind.
    4.) Die entwickelten Industriestaaten haben einen (Entwicklungs-) Ablauf vorgelebt, der mit Verbrauch von Rohstoffen, Umwelt und Biomasse verbunden war.
    Nachwachsenden Industrien ist dieser Weg unmöglich, da die Grundlagen dazu einfach nicht in ausreichender Menge vorhanden sind.
    5.) Die Welt hat das amerikanische Geldsystem übernommen. 200 Länder, 200 Geschichten, 200 Gründe, aber insgesamt ist das Geldsystem global relativ identisch (zumindest im Welthandel).
    Dieses Geldsystem hat seine Fallstricke und Tücken. Eine der Tücken liegt darin, daß dieses System auf Fluktuation aufbaut, von ständigen Wechseln der Schwerpunkte lebt und es ist nicht homogen, was Kosten und Vorteile angeht.
    Der Fallstrick ist das Verfallsdatum, welches sich aus der Schnittstelle von Gewinnmöglichkeit vs. Zinslast ergibt.
    Die Tatsache des globalen Geldsystems bedeutet aber nicht die Synchronität des Verfalldatums. China ist vom Verfallsdatum ungleich viel weiter entfernt, als die USA.
    Wer den “Reset” durchführen muss verliert aber absehbar für Jahre den Anschluß.
    6.) Die Demokratien im Hegemonialbereich der USA sind in Bezug auf Persönlichkeitsrechte, Verwertungsrechte, Rechtssicherheit, Vertragswesen und Gewaltenteilung auf dem Stand von Diktaturen.
    Es ist egal, ob die Willkür, Ausspitzelung oder Benachteiligung in China, Iran oder Deutschland stattfindet, so verschieden die Staaten und die Gründe, so identisch ist das Ergebniss.
    Ebenso identisch ist der Verlust an Intelligenz aus der Masse. Es etablieren sich nur noch Elitensysteme, mit alles Schwächen die diese recht willkürlichen Systeme mit sich bringen.
    Die Abhängigkeit von Einzelpersonen steigt, die Austauschbarkeit sinkt der Durchnitt fällt, die Anfälligkeit steigt. Puffer an Kompetenz in der Masse gehen verloren.

  • Alfred Casimir - 1. Februar 2013

    @holli 01

    zu 2 ) Im Islam gibt es Gebühren. Diese Gebühren werden aber (nach meiner Kenntniss) mitgeschöpft oder vom Betrag bei Auszahlung einbehalten.

    Genau so machten Die das im Islam.
    Der vergebene Kredit wird nur zum Teil ausgezahlt.
    Die Gebühren fallen nur einmal an.
    Das wichtigste aber war, dass im Islam nicht mit Giralgeld gearbeitet wurde, bevor Sie von den Christen eines Besseren belehrt wurden.
    Als Wertschöpfung galt hier nur der Mehrwert durch Arbeitsleistung.

    Das mit der Summe stimmt.
    Was aber verheimlicht, bzw. verschleiert wird ist die Art und Weise, wie die Summe zustande kommt.

    Beispiel: 4 = 1 + 1+ 1+ 1 (so kennen es die meisten Menschen)

    4 = (1 x X) + ( 1 x Y) + (1 x Z) + (1 x W)
    ( hoffentlich schlagen mich die Mathematiker nicht tot)

    und jetzt sagen Sie mir mal wo der Unternehmer seine Kreditkosten kalkuliert, damit er sein Produkt überhaupt herstellen kann.

    Bei Aldi ist das momentan sogar noch besser. Die Lieferanten aktzeptieren : Bester Preis, beste Qualität, Lieferung just in Time, Zahlungsziel 6 Monate.

    Die anderen Discounter machen es wahrscheinlich nicht besser.
    Und manchmal gibt es auch kein Geld. Dann werden die Anwälte bemüht.

    • Holly01 - 2. Februar 2013

      Nach meiner Kenntniss sind “Aldi Nord/Süd” die sichersten Zahler die es in Deutschland gibt.
      Das gilt für Pünktlichkeit und Summe.
      Die Verträge sind allerdings auch knallhart, wer Lieferverpflichtungen nicht einhält ist -sofort und unwiderruflich- raus. Da ist es Aldi dem vernehmen nach egal was die Gründe waren.
      .
      Den Teil mit den Faktoren inerhalb der Summe verstehe ich leider nicht, Entschuldigung.
      .

    • Thorsten Eckau - 4. Februar 2013

      Das mit der langen Zahlungsfrist muss stimmen. Ich habe mich mal mit jemandem unterhalten der sagte, ALDI würde bei der Elektronikware (Computer, Notebooks) gar keine Front-Marge verdienen. Die Gleichung geht anders: 180 Tage Zahlungsziel, aber ALDI weiß dass die komplette Lieferung vom Montag spätestens am Dienstagmorgen abverkauft sein wird. Die schieben das Zeug 1-1,5 Tage durch die Läden, kassieren “sofort” und erwirtschaften die Marge auf dem Geldmarkt in 6 Monaten.
      Schon kurios alles…

      P.S.: Man munkelt dass die meisten Supermärkte auch nicht mehr von den Frontmargen leben würden, die Regalmetermiete für die Platzierung von Marken in Augenhöhe bringt wohl das eigentliche Geld ein. Was ein Wahnsinn alles.

  • Traumschau - 1. Februar 2013

    Hallo,
    ich bin nach wie vor der Meinung die Krise ist gemacht! Europa ist ein Projekt des internationalen Finanz- und Wirtschaftskartells. Neue Infos dazu in einem Film, der just bei YT eingestellt wurde mit dem Titel “The Brussels Business – Wer regiert die EU?”
    http://www.youtube.com/watch?v=PBOFM2SEYvE

    LG Traumschau

  • Frank Bell - 1. Februar 2013

    Eins ist klar:

    Es gab keine Krise in dem Sinne, wie uns GEAB, Celente, Rogers etc. erzählt haben.

    Die Wirtschaft steht heute gut erholt da (satte Unternehmensgewinne), die Börsen sind gestiegen (vergleiche mit 2002/2003).

    Schon damals habe ich mich über Buffet gewundert, der auf Einkaufstour ging. Der wusste Bescheid. (Es ist keineswegs so, dass diese Herren nur findige Geschäftsleute sind. Die haben vor allem “connections” – und nutzen diese!)

    Es gibt in den USA eine Re-Industrialisierung und sehr billige Energie (fracking boom). Wer es nicht glaubt, schaue sich den Preis für Kohle an – der ist durch den Konkurrenzdruck massiv gesunken.

    Ledigliche die Staatshaushalte stehen vor grossen Problemen, was in Europa nicht verwundert, denn die Staaten sind zu unterschiedlich. (Und das Drohpotential des Grosskapitals ist seitdem immer stärker geworden.) Man wird es nutzen, um die schwachsinnige Privatisierung weiter voranzutreiben (jetzt Trinkwasser).

  • Andres Müller - 1. Februar 2013

    1972 beschlossen die USA unter Nixon den kalten Krieg mit erzwungenem Kredit zu finanzieren. Die geniale Idee war, der US$ sollte vollständig von Goldbindung entkoppelt werden. Der USA gelang es dass der IWF allen seinen Mitgliedern per Gesetz auferlegte, ihre Fiat Money Währungen nicht mehr an Gold zu binden. Im Jahr 2000 verkaufte sogar die Schweiz 1300 Tonnen Gold, um die Auflage des IWF erfüllen zu können. Nun Jahre später hat sich die grösste Kreditblase entwickelt welche die Welt je gesehen hat. Dieser Artikel benennt die mit Fiat Money geschaffene Welt völlig zu Recht als Urknall: http://www.zerohedge.com/news/2013-01-31/bill-gross-credit-supernova

    Das Problem dieses künstlich vom Menschen geschaffenen Universums ist nun die Abnahme der Innovationsfähigkeit des Westens. Es lohnt sich nicht mehr zu investieren, weil Geld vom Staat auch ohne realwirtschaftlich Wertschöpfungskette zu den Eliten hin generiert wird. Es sinken die Zinsen gegen Null und es kommt zu Deflation. Die Banken benötigen das Geld arbeitender Menschen nicht mehr, in Zukunft muss man sogar nur noch Depotgebühren bezahlen für Geld.
    Damit muss sich die Welt nun auseinander setzen, es geht um die Verlängerung der Lebensdauer dieses künstlichen Universums, ansonsten sich alles in Nichts auflöst. Der Papst hat derzeit sicher sich seine Freude an dieser Krise, da auch er sich mit dem Zerfall eines von Menschenhand geschaffenen Glaubenskostruktes beschäftigen muss. Es dürfte ihn interessieren wie das nun weiter geht. Für ein solches Universum gibt es keinen bestimmten Punkt an dem es zusammenfallen muss -es kommt darauf an wie in Zukunft die Gläubiger bei der Stange gehalten werden können. Die Uneinigkeit in der Welt spricht allerdings dagegen dass die Verlängerung der Kreditblase noch über Jahre gelingt und die militärische Stärke der USA sehe ich als jene dunkle Materie an welches diesen Fiat-Money -Kosmos bisher noch zusammen hält. sollte die USA hier einen starken Rückschlag erhalten, so endet die Lebendauer der (Glaubens-) Blase. Die Japaner kommen wohl zu spät mit dem Umbau ihrer Militärstrategie und die Europäer sind zerstritten. In dem Ausmass wie die westliche Allianz zerfällt -so wird auch Fiat Money zerfallen, denn da gibt es keine reale Grundlagen mehr dafür welche den aufgedruckten Wert der Papiere rechtfertigt.

    • Frank Bell - 1. Februar 2013

      Die EU und die Europäer sind nicht zerstritten. Sie sehen ledigleich eine Show, die für den “kleinen Mann” abgezogen wird.

      Brüssel, die eigentlichen Machthaber, haben das Heft FEST in der Hand.

    • Holly01 - 2. Februar 2013

      @ Andres Müller :
      Es gibt bei YT eine “Dokumentation zum Vietnamkrieg”, in der der Mann eine Rolle Spielt, der die entsprechenden Dokumente in die Zeitungen gegeben hat.
      Insgesamt eine Reminsizens an die Zeit, als die Presse sich noch einreden konnte frei zu sein.
      Beim Schauen kann man dann auch etwas aus der Vergangenheit erfahren.
      Insgesamt kann man sehr viel spekulieren, aber es ist ziemlich sicher, daß wir nichts, aber auch garnichts erfahren (können), was nicht handverlesen in den Medienkreisel eingespeist wird.
      Logik hilft eine Menge und man kann auch einiges von gestern nach heute weiterführen, aber wissen kann man es nie.
      Ich würde ja die Fragestellung etwas umstellen :
      Was kann/muss Deutschland tun, um auf einen Totalausfall des Hegemons vorbereitet zu sein?

      • Milo Minderbinder - 3. Februar 2013

        Holly01,

        Der Man ist Daniel Ellsberg, die Dokumente sind bekannt (und im Netz einsehbar als “Pentagon Papers”. Was ich dabei spannend finde, ist, daß ausgerechnet das Militär zu den härtesten Kritikern eines Vietnamkrieges gehörte – aber von der Politik und Technokraten (wie Robert McNamara, Erfinder des “Body-Count” und später Weltbankpräsident)) ignoriert wurde. Gelernt wurde nichts, eine ähnliche Konstellation gab es bei der Irak- Kriegs Entscheidung.
        Oh, und wenn man Spanien heute ansieht, werden die Parallelen zu Jugoslawien kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges immer bedrückender.

        Es braucht keine Verschwörungstheorien – die Dummheit der Menschen ist einfach unschlagbar, wenn es um das. vermeidliche, eigene Wohl geht.

  • BigRed - 1. Februar 2013

    Werter SLE, Sie schrieben:

    “Sie haben es mit wirtschafts- und marktsrukturellen Problemen und Verwerfungen zu tun, die sich …NOCH durch wirtschaftsliberale Konzepte (u.a. Austerität) NOCH geldpolitisch lösen lassen.”

    Dem kann man angesichts der Tatsachen der vergangenen Jahre nichts entgegensetzen. Allerdings habe ich ein Problem mit

    “WEDER durch Konjunkturprogramme ”

    denn das kommt stark darauf an, wie man das Konjunkturprogramm gestaltet. Wie Sie in http://www.querschuesse.de/schuldenkrise-state-of-the-art-der-krisenbewaltigung/ darlegten, ist ausser konsequenter Austerität und inkonsequenter keneysianischer Stimulation nichts probiert worden, um mich mal zu wiederholen.

    Und klar hat Japan (genauso wie Deutschland) ein Problem, wenn der Fokus vor allem auf dem Export liegt und deswegen “Wettbewerbsfähigkeit” über alles gestellt wird. Wenn’s dann den anderen schlechter geht und der Export fällt, gibt’s nicht genug Binnennachfrage, um das auszugleichen. Und klar kann
    ” Japan … mit Konjunkturprogrammen – wie ich im Aufsatz oben geschrieben habe – die Ursachen für die schwache Nachfrage in den für den Export wichtigen Regionen “Euro-Zone” (Rezession) und China (Boykott japanische Erzeugnisse) NICHT adressieren.”

    Was es allerdings adressieren kann, ist die Binnennachfrage, und auf diesem Wege seine wirtschaftliche Ausrichtung umbauen – so die Regierung das denn vor hat.

    Und was Sie in ihrer Antwort NICHT angesprochen haben, sind ihre Formulierung
    “Die Folge wäre eine neue Runde weltweit steigender Staatsverschuldung oder anders ausgedrückt teuer erkaufte Zeit.”
    denn nichts ist ja z.B. für Japan billiger als die eigene Währung und die Formulierung, Abes Politik sei “hochriskant”. Abes Politik kann, je nachdem wie sie ausgestaltet wird, dazu führen, dass es keine Lösung gibt, aber hochriskant?

    Zu guter Letzt:
    “Im Übrigen wurden nach der Lehman-Pleite, das heißt vor allem 2009, rund um den Globus in nahezu allen Industriestaaten milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt…”

    Milliardenschwer, hmm. Und wie sehen diese schweren Milliarden im Vergleich zu den Milliarden aus, die seitdem durch verschiedene Austeritätsmassnahmen wieder abgezogen wurden? Und was wurde in den Stimulus eingerechnet? Handelt es sich um Steuersenkungen, Geld für Banken, um Infrastrukturmassnahmen, um direkte Staatsausgaben (z.B. durch zusätzliche Stellen im öffentlichen Dienst)? Hat ganz unterschiedliche Auswirkungen, vor allem wenn Austerität vor allem an den letzten beiden Punkten ansetzt.

  • BigRed - 1. Februar 2013

    Kleiner Nachtrag, weil ich mir unfair vorkomme – ich erwarte von Ihnen, dass Sie eine Aussage von sich aus treffen, die ich für wichtig halte, und halte mich selbst dabei bedeckt:

    Ich stimme Ihrer Analyse i.W. zu. Ich bin nur ein bisschen beunruhigt, wenn Sie suggerieren, dass Staatsschulden ein Problem darstellen und staatliche finanzierte Konjunkturprogramme eh nichts bringen können, bzw. schon alles probiert worden sei. Jemand, der unbeleckt zu diesem Post kommt, könnte durchaus die falschen Schlüsse ziehen und wenn ich einen “gold-bug”-Kommentar wie Andres Müllers lese, mit der Behauptung, fiat money seit demotivierend bzgl. Innovation (was auch immer das konkret heissen soll) und Investitionen, dann sehe ich meine Befürchtungen direkt bestätigt.

    Wenn Kalecki (und Marx) nicht recht hatten, dann gibt es durchaus eine direkt umsetzbare Lösung, die in der Vergangenheit auch schon erfolgreich umgesetzt worden ist, z.B. in Argentinien oder Schweden, wie hier: http://rwer.wordpress.com/2013/02/01/responding-to-financial-crisis-are-austerity-and-suffering-inevitable/ beschrieben.
    Es braucht natürlich den politischen Willen dafür und den diagnostizieren Sie ja als fehlend, aber wenn eine Alternative schlicht geleugnet wird, dann gibt es auch keinen Grund, diesen zu einzufordern.

    • SLE - 2. Februar 2013

      Hallo BigRed,

      vielen Dank für die kritischen Anmerkungen. Zunächst möchte ich hervorheben, dass ich, was die die Möglichkeiten eines wirksamen Handelns bezüglich des angesprochenen Krisenzusammenhangs, weder pessimistisch noch defätistisch bin. Wie ich schon öfters hier in Posts und Diskussionen erläuterte, habe ich ja auch selbst einen anderen Erklärungs- und Handlungsansatz zur besseren Adressierung der Krisenursachen beigesteuert.

      Sie haben natürlich Recht, wenn Sie sagen, bei Konjunkturpaketen käme es darauf an, wie sie konzipiert sind und worauf sie zielen. Konjunkturstimulierung ist jedoch vom Ansatz her Globalsteuerung, das heißt, es wird nicht auf der meso- oder gar mikropolitischen Ebene differenziert.

      Nur ein wesentliches Beispiel dazu: Wir haben auf den globalen Märkten eine sehr starke Oligopolisierung, die sich durch die Dominanz weniger, sehr großer Konzerne auszeichnet. Etwasverständlicher ausgedrückt haben wir eine Wirtschaft, die sich als eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft darstelt, mit wenigen großen, zudem stark miteinander verflochtenen Konzernen, auf die sich die Politik im Schwerpunkt richtet und einer Masse an leinen und mittelständischen Unternehmen, die zu einem großen Teil von diesen Konzernen abhängig sind (z.B. Zulieferer).

      Wenn sie bei solchen Strukturen ein Konjunkturprogramm auflegen, dann sorgen diese dafür, dass diese Mittel und/oder die daraus resultierenden Gewinne in Richtung der Konzerne fließen. Das heißt, die Marktstrukturen kanalisieren die Gewinnströme und zementieren vorhandenen Marktgegebenheiten.

      Heute sind diese Gegebeneiten überwiegend durch Sättigungskennzeichen, Wachstumsschwäche, Überkapazitäten, Kostensenkungswettlauf und Beschäftigungsabbau gekennzeichnet. Das ist eine pointierte Skizze, wie ich gerne zugebe, aber ich hoffe, sie verdeutlicht das Problem.

      Konjunkturprogramme können an diesen Strukturen, die ja gerade als eine zentrale Ursache für Wachstumsschwäche und Beschäftigungsprobleme angesehen werden müssten – was allerdings nicht getan wird, denn überall stützt die Politik gerade die Großunternehmen und Großbanken – nichts ändern. Im Gegenteil tragen sie dazu bei, diese Strukturen zu erhalten und damit die Probleme.

      Wenn Sie nun in differenzierender Weise in Sektoren und auf Märkten intervenieren, dann ist das keine Globalsteuerung und man kann das dann auch nicht als Konjunkturstimulierung bezeichnen. Zudem hat man es ja auch nicht mit einem Konjunkturproblem zu tun. Es tut immer weh, dass in Presse und Medien im Zusammenhang mit der Wirtschaftsschwäche so oft von “Konjunktur” geredet wird.

      Eine solche Politik bezeichnet man als Wirtschaftsstruktur- oder auch Industriepolitik. Wie die konzipiert ist, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Aktuell wird tatsächlich auch “klassische” Industriepolitik betrieben. “Klassische” Industriepolitik adressiert jedoch gerade die “National Champions”, als die Großunternehmen und Großbanken und ist insofern Teil des Problems. Notwendig wäre eine andere industriepolitische Konzeption, die stärker die klein- und mittelständische Wirtschaft adressiert und auf eine innovative Dynamisierung von Märkten und Marktstrukturen abzielt.

      Im Resultat entspräche das einem sukzessiven Umbau der Wirtschaft. Ich denke, das ist für die Überwindung der Wirtschaftsschwäche und der Beschäftigungsprobleme nötig und machbar. Dass in der Politik diese Grudproblematik erkannt worden ist und der politische Wille zu einer konzeptionellen Neuausrichtung vorhanden wäre, sehe ich gegenwärtig nicht.

      Viele Grüße
      SLE

  • aquadraht - 2. Februar 2013

    Der China-Teil ist leider wieder einmal Mist (sorry to say that). Zunächst ist zu bezweifeln, dass Xi Jinping mehr Macht hat als Hu Jintao hatte, sieht man davon ab, dass Hu Jintao von sich aus den Vorsitz der Militärkommission an Xi übergeben hat (er selbst musste einen erheblichen Teil seiner Amtszeit darauf warten. Wie zuvor,widerspiegelt die Führungsspitze die verschiedenen Gruppierungen und Strömungen in der KPCh, die im übrigen mit einfachen Floskeln wie “Reformer vs. Hardliner”, “Prinzlinge” vs. JCL etc. nicht in den Griff zu bekommen sind. Generell hat keiner der Staats- und Parteichefs mehr die Machtfülle, wie sie Deng Xiaping oder gar Mao Zedong hatte. Das ist auch so gewollt.

    Die Darstellung des Konflikts um die Diaoyu-/Senkaku-Inseln ist auch extrem einseitig. Die Inseln wurden 1895 von Japan annektiert und später verwaltungstechnisch an Okinawa angeschlossen, obwohl sie sowohl geographisch/geologisch als auch vorher verwaltungstechnisch zu Taiwan (Formosa) gehörten. Erst 1911 bekamen die Inseln einen japanischen Namen, die Behauptung, sie seien zuvor “herrenlos” gewesen, ist durch historische Quellen (die sich in USA und Taiwan befinden), widerlegt.
    Die Kapitulation von 1945 enthält die Verpflichtung Japans, seine Raubbeute seit 1895 zurückzugeben. Darauf besteht nicht nur die VR China, sondern auch Taiwan und die nicht VR-China-freundlichen politischen Kreise in Hongkong. Auch Südkorea, das mit Japan ähnliche Probleme hat, unterstützt eher die chinesische Position.

    Einseitig vom chinesischen Nationalismus zu reden, verfehlt das Thema. Die japanische Regierung hat schon vor Jahren durch Belästigung und Verhaftung chinesischer Fischer den Konflikt aufgeheizt. Vor allem der rechtsextreme Gouverneur von Tokyo ist einer der Wortführer einer hysterisch nationalistischen Kampagne, zu der auch die Leugnung der japanischen Massenverbrechen im 2. Weltkrieg zählt. Etwas mehr Ausgewogenheit wäre daher nicht fehl am Platze.

    Völlig ausserhalb der Betrachtung bleibt im Übrigen die chinesische Wirtschaftspolitik. Diese hat es immerhin geschafft, die Probleme und Gefährdungen der letzten beiden Jahre recht gut in den Griff zu bekommen, trotz ungünstiger aussenwirtschaftlicher Bedingungen. Die üblichen Crashprophezeihungen wurden wieder einmal Lügen gestraft. Interessant wird, ob der von Hu Jintao und Wen Jiabao eingeleitete Umbau des Wirtschaftsmodells gelingt. Dies ist womöglich bedeutsamer als der Streit mit Japan.

    a^2

    • Frank Bell - 2. Februar 2013

      @ aquadraht

      Was wäre das lustig, wenn man in Europa sämtliche Staaten verpflichten würde, deren Raubbeute seit 1895 zurückzugeben!

      Eine lustige Landkarte wäre das…

      Insofern kann ich mich nur wundern, dass Dinge, die hier undenkbar sind, in der restlichen Welt frank und frei gefordert werden.

    • SLE - 2. Februar 2013

      Hallo aquadraht,

      vielen Dank für den Hintergrund zum Streit um die Sekaku-Inseln. Dessen Ursachen sind für das, was ich hier daran anknüpfend geschrieben habe, allerdings auch nicht ausschlaggebend. Der Konflikt mit gegenseitigen Provokationen existiert und China nutzt unter anderem diesen Konflikt, um seine Vormachtstellung in der Region zu unterstreichen.

      Mir ging es darum, dass und warum dieser Konflikt vor allem für Japan wirtschaftlich und in der Konsequenz für Abes´ Plan zur Stimulierung der japanischen Wirtschaft ein Problem darstellt.

      Xi Jinping hat jetzt schon mehr Macht als Hu Jintao. Zudem ist er dabei, mit seinem Kampf gegen die Korruption in der Partei andere Machtzentren auszuschalten, insbesondere git das für den politischen Einfluss von Jiang Zemin und seinen Getreuen. Das Political and Legislative Affairs Committee (PLAC), das bis zum Parteikongress von Zhou Yongkang, einem engen Vertrauten des Vorgängers von Hu Hinatao, Jiang Zemin, geleitet wurde, war bis dahin praktisch eine Regierung neben der Regierung. Es besaß eine große Machtfülle und Unabhängigkeit. Das hat sich bereits geändert. Erste, hochgestelt Vertraute von Zhou Yongkang sind bereits in den Fokus der Korruptionsermittlungen geraten und es gab auch erste indirekte Andeutungen in der Staatspresse, dass auch Jiang Zemin in den Fokus geraten könnte.

      Es wäre m.E. unrealistisch anzunehmen, der von Xi Jinping begonnene Kampf gegen die Korruption bis in die Parteispitze hinein würde von ihm nicht dazu genutzt werden, Gegner auszuschalten. Korruption ist in der CCP so weit verbreitet, dass es nahezu jeden treffen würde.

      Hu Jintao hatte die Öffnung Chinas sehr weitgehend vorangetrieben. Xi Jinping wir dies in dieser Form nicht mehr tun. Im neuen obersten Führungsgremium, dem siebenköpfigen Ständigen Ausschuss, sind die Reformer in der absoluten Minderheit. Gerade darum gab es im Vorfeld des Parteikongresses innerhalb der Partei einen heftigen Machtkampf. Den haben die Konservativen m.E. gewonnen. Xi Jinping ist zwar ein Kompromisskandidat der beiden primären Lager. Doch soweit ich es sehe, kristallisiert sich jetzt, nachdem er designierter neuer Staatspräsident geworden ist, immer stärker heraus, dass er einen eigenständigen Kurs zu fahren gedenkt. Wie der genau aussehen wird, ist noch unklar. Aber in jedem Fall unterscheidet ihn das von Hu Jintao und mithin auch von Jiang Zemin.

      Was ich im Aufsatz dargelegt habe ist freilich nur die Oberfläche all dessen und weiterem gewesen. Das heißt aber nicht, dass die von mir hier gemachten Aussagen und Einschätzungen zu jenen Aspekten betreffend China – die ich hier tatsächlich thematisiert habe! – wie Sie es ausdrücken, “wieder einmal Mist sind”. Das ist dann wohl doch eine ziemlich unqualifizierte Bewertung.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 2. Februar 2013

    Was wir sehen ist ein Wettrennen.
    Wer arm ist, fällt bodenlos, egal wo er/sie/es auf der Welt arm ist.
    Wer reich ist, geniesst jeden Komfort, egal wo er/sie/es auf der Welt reich ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=TxCTZTwZ_rQ
    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38490/1.html
    Unser Wirtschaftssystem kennt keine Nationalität, es kennt nur Kaufkraft.

  • Holly01 - 2. Februar 2013

    Wer 7/9 seines Einkommens am system verliert, ist ein Verlierer dieses Wettlaufs.
    Der Westen hat ein Zinseszinsproblem, weil der Zinseszins Kaufkraft frißt.
    Die Welt ist garnicht soooo kompliziert.

  • Holly01 - 2. Februar 2013

    In Gänze sehen wir nichts anderes als die Mechanismen, die wir schon seit 100 Jahren aktiv sehen.
    Es wird ein Boom angefeuert und es wird eine Infrastruktur geschaffen.
    Diese Infrastruktur wird das Kapital für die Erstellung nicht kurzfristig einbringen und mittelfristig wäre der Kapitaldienst zerstörerisch.
    Man erzeugt mit Startkapital den Boom, bis die breite Masse aufspringt und bekommt den Selbstläufer.
    Dann zieht man das Startkapital ab, mit Zinsen und Gebühren.
    Der Boom bricht ein und die Masse muss abschreiben.
    Die neuen Märkte sind nichts anderes. Man hat sich breiter aufgestellt.
    Die Wertschöpfungskette wurde optimiert.
    Die Verwertungswege die vom Kolonialismus zerstört und umgelenkt wurden, werden (je nach Nützlichkeit) wieder zugelassen oder ganz neu in Abhängigkeit und Kontrolle gebracht.
    Griechenland ist nur die Warnung an Europa.
    Entweder ihr zieht mit und ordnet euch unter oder ihr fallt aus dem Raster.
    Wir haben schön mitgespielt.
    Bittere Armut gibt es nun überall auf der Welt, unabhängig vom Weltstatus (1., 2. 3. Welt) genau wie es Reichtum überall auf der Welt gibt.
    Die Amis haben nur den Finanzmarkt mit den “modernen” Finanzprodukten übergestülpt.
    Die Frage ist nur :
    glaubt irgend jemand, daß die Amis auch auszahlen ?
    Ist die Antwort Ja, dann läuft das System.
    Ist die Antwort Nein, dann gibt es den krieg aller Kriege, denn die Amis haben alles auf eine Karte gesetzt. Wir werden wieder prächtig mitspielen.
    Also …. warten und schauen was die großen auf dem Spielbrett machen.
    Rein rechnerisch sind die Anglikaner plus Israel zum ersten mal seit 300 Jahren in einer Position, in der die Welt auch ohne sie könnte.

  • Alfred Casimir - 2. Februar 2013

    @holli 01

    Im Vertrag von Aldi steht bereits in der Anfrage an den Lieferanten : Zahlungsziel 6 Monate.
    Das gilt dann für den Lieferanten im Falle der Auftragsvergabe als bekannt.
    Deshalb kalkulieren alle Anbieter die Finanzierungslücke in den Preis ein. Und so werden die Zinsen versteckt.

    Zur Wertschöpfung und der blöden Formel;

    es gibt 4 Arten der Wertschöpfung : X = Löhne
    Y = Zinsen
    Z = Mieten
    W = Profite

    Diese Faktoren müssen bei der Kalkulation berücksichtigt werden.
    Sie enthalten versteckt zusätzliche Zinsanteile, die mit dem Produkt oder der Dienstleistung nichts zu tun haben, aber trotzdem im Preis enthalten sind.
    So schaukelt sich der Zinsanteil allmählich nach oben. Hier ist die Rede von 50 Jahren in einer Volkswirtschaft.

    Weil immer Neues Geld Schuldner sucht. So einfach ist das.

    Die Formel oben vergessen wir lieber wieder.

    @Andres Müller – 1. Februar 2013

    Dieser Querschuss ist Ihnen vorzüglich gelungen. Mit ganz einfachen Worten wird hier erklärt um was es geht.
    Für alle Menschen auf dieser Welt, die nicht begreifen können wie gemial es hier eigentlich wäre, wenn man sich den schönen Dingen im Leben zuwendet, müsste Ihr Text als Email zugestellt werden.

    Samstag 20.45 Uhr im Saarland: Der Orion steht senkrecht über uns.

  • klaus - 3. Februar 2013

    @ Herr Casimir

    Das könnte stimmen.

    Die Computerhardwarepreise sind in den letzten 3 Monaten um ca. 6 Prozent gestiegen.
    Der Euro ist von 1,29 auf 1,367 oder so grob vermutet gehüpft.
    Ich hab etwas darauf gewartet, das die Importe von Hardware sich
    verbilligen. Pffft.
    Gar nix ist passiert. Die Kaufkraft wurde mit steigendem Wert gegen
    den Dollar schätze mal um 10 Prozent Inflation durch die Abgabensteigerung
    beeinträchtigt.

    Grundsteuer, Oberflächen-Wasserabgaben, Versicherung/Haus,Friedhofsgebühren ( 25% ,
    die erpressen die Lebenden mit den Toten), Wasserpreis und

    Strom ( Es gibt Leute, die im Gegensatz zu unseren Politikern den Stromabschlag zahlen ! )
    und das Strom-Problem tritt nicht erst im August auf.
    Sondern mit der Ablese im Frühjahr, mit der Nachzahlung für Heizen.
    Nein, nicht wie Altpeter sagt und auch nicht der 25 Euro Bonus
    von Gabriel helfen da.

    Bisher kamen von den Abgeordneten nur weltfremde Beiträge.

    Um es schlicht zu sagen, Hardware ist ungefähr 10 Prozent teurer,
    trotz gestiegener Kaufkraft.
    Allein durch Abgaben !

    Nein, das nennt man nicht Steuern. Das funktioniert aber so.
    Das Bild wird nur neoliberal verzerrt auf Wunsch der FDP.

    Eigenimport umgeht dieses Prinzip.
    Aber der Normalo tut das in den meisten Fällen nicht, ausser
    im Grenzgebiet, wo dann Mutti meist in Gesprächen vom
    jeweiligen Land Entgegenkommen einfordert.

    In der 100er Bestellung aus Schenzhen ist das Hardwaregedöns
    rund 60 Prozent billiger, je nachdem.

    Und nicht zuletzt.
    Aufgrund der Kurs-Unterschiedes hat man wohl mehr
    Rentabillität, wenn man 1000 Euro jetzt in Dollar umtauscht
    und wartet, bis die Zypern-Hilfe 14-Tage raus ist.
    Im offiziellen Sinn.

    Das Geld ist ja bereits in Zypern.
    Das sieht man am Kurs des Euro.
    Und auch die DB ist froh darüber.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/trotz-kulturwandels-deutsche-bank-manager-duerfen-mehr-boni-sofort-kassieren-12047425.html

    Oder sollte ich sooo falsch liegen?

    Gruß klaus

  • klaus - 3. Februar 2013

    Und Zypern macht die Welle, weil die SPD den Bailout
    an Bedingungen knüpft.

    Man ist entrüstet über den Vorwurf der Geldwäsche und
    des Transits russischen Geldes.

    http://www.guardian.co.uk/world/2013/feb/03/cyprus-bailout-row-haircuts-investors-savers

    Steinbrücks Vorschlag, ein paar Banken zu zerschlagen kam wohl nicht gut.

    Hätten wir doch unser Steuergeld wieder. Dann würden die freiwillig zerschlagen.

    ;)

  • Holly01 - 3. Februar 2013

    @ klaus :
    Ist Mineralöl für den Endverbraucher günstiger geworden?
    Der Preis einer Ware wird nicht über Herstellungskosten berechnet, der Preis ist immer die Gewinnoptimierung.
    Es wird aus dem Kunden rausgeschlagen, was herauszuschlagen geht.
    Ist der Gewinn aus sicht des handels nicht groß genug, dann wird die Ware nicht mehr angeboten.
    Schauen sie sich das Filmprojekt “Der Hobbit” einmal genauer an.
    Der Filminhalt erinnert nur noch entfernt an das Buch, aber die Vermarktung ist optimiert.
    Das Potential der Werbung, die überall und immer gegenwärtig ihre “Inhalte” in die Köpfe verpresst ist schon sehr groß.
    Genau darum rechne ich auch damit, daß die FDP am Wahlsonntag wieder mit ganz überraschenden Prozentwerten dastehen wird und wieder “drin” sein wird.
    Aber egal, meine Partei gewinnt jede Wahl.
    In Niedersachen 21% CDU Wähler, aber 40% Nichtwähler. Das schaffen wir im Bund auch noch.

    • klaus - 3. Februar 2013

      @Holly01
      In Niedersachen 21% CDU Wähler, aber 40% Nichtwähler. Das schaffen wir im Bund auch noch.

      Tja, stimmt !

      Demokratie nennt man es, wenn einer von 5 rummacht,
      durch Lobbyarbeit glänzt und den Anderen befiehlt.

      Und dann noch das Grundgesetz abschaffen will.

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