Portugal folgt Griechenland
Griechenlands desaströse wirtschaftliche Entwicklung ist kein isolierter Weg, sondern Folge des Korsetts des Euro und schlussendlich der Rettungsversuche per Austeritätsmaßnahmen zum Erhalt des Euro und damit der Eurozone. Es ist kaum zu fassen, dass dieselben untauglichen Rezepte, die bereits Griechenlands endgültigen Abstieg besiegelten, in Portugal fast 1:1 vollzogen werden und zum wirtschaftlichen Kollaps auch in Portugal führen werden. Die portugiesische Regierung korrigierte gerade ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2012 auf eine Schrumpfung von -2,8%, nach vorherigen -1,8%. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2012 um -9,2% schrumpfen, der private Konsum um -4,8% und die Konsumausgaben des Staates um -6,2%. Selbst dieses Szenario könnte noch positivistisch getüncht sein!
Portugal muss im Gegenzug für die erhaltenen 78 Milliarden Euro aus dem ESM-Rettungsfond Sparziele einhalten. Das Staatshaushaltsdefizit von 9,8% im Jahr 2010 soll auf 5,4% in 2011 sinken und dieses Ziel wird wohl wie in Griechenland verfehlt. Für 2012 ist das Ziel noch ambitionierter das Defizit soll auf nur 4,5% sinken. Für dieses Ziel 2012 plant Portugal eine Radikalkur, Feiertage, Weihnachts- und Urlaubsgelder sollen gestrichen werden, die Mehrwertsteuer auf 23% angehoben und zusätzlich sollen die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlängert werden. Diese Maßnahmen treffen wie in Griechenland auf eine bereits geschwächte wirtschaftliche Aktivität und vor allem auf eine bereits sehr schwache Binnennachfrage. Zuletzt in Q2 2011 schrumpften die privaten Konsumausgaben um -3,4% zum Vorjahresquartal:
Die Entwicklung der realen privaten Konsumausgaben aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 im Chart. In Q2 2011 sanken die realen privaten Konsumausgaben um -3,4% und damit um die höchste Rate des verfügbaren Datensatzes.
In Portugal gibt es einen monatlichen Private Consumption Coincident Indicator, der sehr breit gefasst den privaten Konsum misst, so die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Verkäufe, den Umsatz bei Dienstleistungen, die Tourismus Übernachtungen von Inländern und den Umsatz von industriellen Konsumgütern. Aber auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung als wichtige Einflüsse des privaten Konsums und das Verbrauchervertrauen fließen in den Private Consumption Coincident mit ein. Ein Blick auf die Daten dieses Indicators für September 2011 verheißt bereits nichts Gutes:
Die Entwicklung des Private Consumption Coincident Indicators seit Januar 1978 bis September 2011 im Chart. Im September 2011 ging es auf -4,1 Indexpunkten abwärts, auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe seit Januar 1978.
Ausdruck der bevorstehenden Depression ist der rapide Absturz des portugiesischen Verbrauchervertrauens:
Die Entwicklung des portugiesischen Verbrauchervertrauens seit Juli 1986 im Chart. Im September 2011 sank das Verbrauchervertrauen auf -59 Indexpunkte und damit ebenfalls auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Juli 1986!
Auch die Neuzulassungen bei PKWs in Portugal sprechen Bände:
Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen von Januar 1990 bis September 2011. Im September 2011 sanken die zugelassenen neuen PKWs um satte -33,75% zum Vorjahresmonat auf 9’220 Fahrzeuge und auf die drittschwächsten Neuzulassungszahlen seit Januar 1990. Nur der Vormonat, August 2011 und der Januar 2009 waren noch etwas schlechter.
An diesen Daten lässt sich bereits erkennen, das Portugal dem verhängnisvollen Weg Griechenlands folgt, zumal wie in den anderen Südperipherieländern der private Konsum die wichtigste Stütze des BIPs darstellt und dessen Schrumpfung nichts an den strukturellen Hauptproblemen, wie der nicht leistungsfähigen Industrie ändert, sondern deren Niedergang auf Grund der sinkenden Nachfrage beschleunigt. Der größte Irrweg der Eurozone und ihrer handelnden Akteure besteht darin zu glauben, die Fehlentwicklungen vieler Jahre in der Südperipherie, ob die Kreditexzesse und damit die hohe Verschuldung, den niedrigen Wertschöpfungsgrad der Industrie und generell die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der Wirtschaften mit Sparen per Gießkanne zu lösen. Das Gegenteil ist der Fall, die Bruttoschulden des Staates wachsen in der Relation zur Wirtschaftskraft munter weiter und den geschwächten Realwirtschaften wird der Garaus gemacht:
Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des portugiesischen Staates in Prozent des nominalen BIPs seit Q1 2000 bis Q2 2011 im Chart. In Q2 2011 beschleunigt der Bruttoschuldenstand des Staates auf 106,6% des nominalen BIP, nach 94,4% im Vorquartal und nach 87,5% im Vorjahresquartal.
Quelle Daten: Bportugal.pt/Datenbank
Kontakt: info.querschuss@yahoo.de
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- 21. Jahrhundert » Blog Archiv » Portugal folgt Griechenland » Querschuesse - [...] viaPortugal folgt Griechenland » Querschuesse. Share| Oktober 22, 2011 at 10:04 am by admin Category: EU-Wahnsinn, Griechenland, ...
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Systemfrager - 22. Oktober 2011
Ja. Wie kann es zusammenpassen, dass man immer weniger konsumiert aber immer mehr produziert?
Es gibt nur eine Erklärung dafür:
Die europaischen Plutokraten wollen auf ihr Geld, das im Finanzsektor liegt – sie haben ganz bestimmt ihr Geld nciht als Banknoten begragen -, nicht verzichten, möge die Welt untergehen.
Michael - 22. Oktober 2011
Wie soll es sonst funktionieren, wenn man (in Größenordnungen) mehr ausgibt, als einnimmt ? Das seit vielen Jahren. Das liegt nicht an Plutokraten, sondern am “Geldsystem”, an seiner Funktionsweise. Früher konnten sich die Südländer auf Kosten ihrer Gläubiger durch Abwertung ihren Verpflichtungen entziehen. Im Korsett des Euro ist das nicht drin. Das ist auch der Unterschied zu den ebenfalls bankrotten Amis, die sich auch durch Abwertung finanzierten, ihre “Gläubiger” ebenso mit Zinsen unter realer Teuerungsrate, “bezahlten”.
Die Portugiesen könnten es noch schaffen, der Pleite zu entkommen. Bei den Griechen wäre ein Austritt aus der Eurozone der einzige gangbare Lösungsansatz, das wäre auch ein haircut für die “Plutokraten”, die wohl überwiegend von “Fonds” und “Versicherungen” verkörpert werden, weil deren Auftraggeber Erträge und Auszahlungen fordern. Diese Auftraggeber sind aber nicht irgendwelche “Plutokraten”, sondern Lieschen Müller und Otto Meier, die die entsprechenden Finanzprodukte kauften.
Also Systemfrager, wenn die Griechen und andere (einschließlich Italien) nicht ansatzweise in der Lage sind, Gegenleistungen für das Geld zu bieten, können sie dieses “Geld” (Euro) nicht haben. Portugal mag in % schlimm aussehen, in absoluten Beträgen nicht. Wohl aber Italien. Sogar Frankreich. Der Euro ist einfach eine Fehlkonstruktion. Es kann überhaupt nicht sein, dass deutsche Billigheimer, dafür, dass sie von der Schröder-Bande zu Sklaven gemacht wurden, jetzt auch noch die Zinsen für die Schulden anderer (Völker, die etwas über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit lebten,) bezahlen.
Das heutige Geldsystem kann mit asiatischem (und auch deutschem) Dumping einerseits und freien Märkten auf der anderen Seite nicht überleben. Wenn jemand Grund hätte, seine “Volksparteien” zu lynchen, wären das die Deutschen, nicht irgendwelche Südländer.
flo - 22. Oktober 2011
Die beste Lösung wäre mit Sicherheit ein sofortiger Bankrott der überschuldeten Länder mit nachfolgendem Austritt aus der Währungsunion. Die Nordländer müssten ihre “Investitionen” abschreiben, ihre Banken rekapitalisieren, und einsehen, dass eine Menge ihres Wohlstandes in nutzlosen spanischen Häusern, griechischen Kleptokratenhänden und in den Konsum der Südperipherie geflossen ist. Man könnte die Gelegenheit nutzen, Bankbesitzer (Aktionäre) und Anleihenhalter (Pensionskassen, Vrsicherungen etc.) mit der Realität ihrer Anlageentscheidungen zu konfrontieren und dabei gleich noch den Finanzsektor zurechtstutzen.
Sehr sehr schmerzhaft und potentiell desaströs für Europa, also wird es weiterhin “kick the can down the road” geben. Enden wird das ganze in Monetisierung eines grossen Teils des Schuldenüberhangs, weil das die “bequeme Lösung” ist….
Jede Wette!!
Systemfrager - 22. Oktober 2011
@ Michael
>>> Diese Auftraggeber sind aber nicht irgendwelche “Plutokraten”, sondern Lieschen Müller und Otto Meier, die die entsprechenden Finanzprodukte kauften.
Das war verdammt gut überlegt: Lieschen Müller und Otto Meier zum Mittäter zu machen. Ein Millionär nimmt auf das Boote ein Dutzend Kleinsparer die mit Taschengeld beteiligt sind, und schon hat er eine demokratische Unterstützung für seine kriminelle Machenschaften.
Du muss quantitativ denken, sonst liegst du daneben. Queschuss könnte uns vielleicht sagen, wie die Einlagen im Finanzsystem strukturiert sind.
Systemfrager - 22. Oktober 2011
Zusatz:
Die Plutokraten wissen serh gut, dass sie eine Minderheit sind, deshalb tun sie alles, bei jeder ihrer kriminellen Machenshcaft so viele wie möglich als Mittätern dabei zu haben. Das ist das Grundprinzip der plutokratischen Ordnung, die demokratische Elemente beinhaltet: der ordnud der westlichen Staaten.
Die Rieseter-Rente war der vErsuch, alle zu Mittäter zu machen.
SLGramann - 22. Oktober 2011
@Michael, stimme Dir in fast allem zu. Wichtig ist vor allem auch die Erkenntnis, dass es gerade die deutschen Exporterfolge sind, die zur Schieflage der Eurokonstruktion beitragen und letztlich den Euro zerstören werden.
Von wirklich vielen mit Halbwissen gut versorgten Journalisten wird ja die Propaganda von Regierung und Konzernbossen nachgeplappert, dass der Euro für Deutschland soll toll ist, weil wir dadurch so großartig exportieren können. Dabei sind ja eben diese Leistungsbilanzunterschiede das PROBLEM und die Exporterfolge sind Pyrrhussiege, die die Südländer zerstören, die Eurozone in ein unhaltbares Ungleichgewicht gebracht haben und deutsche Gläubiger am Ende auf uneinbringlichen Forderungen sitzen bleiben lassen.
Und für diese “Erfolge” mussten deutsche Arbeitnehmer seit ca. 20 Jahren auf Nettoreallohnsteigerungen verzichten, obwohl sie jedes Jahr mehr Werte geschaffen haben. Na ja, Kapitaleigner und Manager haben an dem System bisher fantastisch verdient.
Wie beschränkt muss man als Journalist eigentlich sein, um so einen simplen Zusammenhang nicht zu begreifen?
Das es die Portugiesen noch schaffen können, der Pleite zu entkommen, glaube ich indes ganz und gar nicht. Die strukturellen Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone, in der Deutschland die Rolle spielt, die China für die Weltwirtschaft einnimmt, werden ein Land nach dem anderen in die Pleite treiben. Das Schwächste zuerst – Griechenland, das Stärkste zuletzt – Frankreich.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Gift überall wirkt.
Letzter Satz: Es kommt dann von interessierten Kreisen gern das Argument, Deutschland müsse Lohndumping betreiben, denn schließlich müsse man sich mit den Produktionskosten Chinas messen.
Einen Scheiß müssen wir! Wir müssen uns keineswegs mit einem Land messen, das seine Währung manipuliert, keine Sozialstandards hat, keinen Umweltschutz kennt, keine Gewerkschaften zulässt usw., usf. Hier plädiere ich klar und eindeutig für ein deutliches Mehr an Protektionismus. Europa, Amerika und Japan zusammen könnten China immer noch so etwas wie eine eigene Meinung entgegensetzen, wenn man es nur wollte. Will man aber nicht, weil die chinesischen Standards für die Kapitaleigner als Drohkulisse gegenüber den hiesigen Arbeitern so wertvoll sind. Motto: Wenn Du das Maul aufmachst, kaufen wir in China, verlagern wir die Produktion nach China, übernimmt der Chinese den Markt usw.
Alles ist immer nur eine Frage der Interessen – und hier regiert die Plutokratie – da hat systemfrager schon recht.
Querschuss - 22. Oktober 2011
Hallo SLGramann,
sehr schön die Quintessenz vieler Querschuesse zum Thema deutscher Export, Euorozone und Euro auf den Punkt gebracht und leider wird Monat für Monat mit dem der Status Quo gehalten wird, die potentielle Fallhöhe noch höher. Portugal reißt es sicher mit nach unten, der richtige Abschwung wird mit den Sparmaßnahmen und der Mehrwertsteuererhöhung auf 23% ab 2012 doch erst organisiert, Original-Griechenland Style pur. Armes Europa und es ist beschämend das die Bevölkerungen eurozonenweit die Gefahr der allumfassenden Abwärtsspirale nicht erkennen bzw. wenn dann zu spät und die degenerierten Eurokraten und ihre Versagerstrategie weiter murkseln lassen.
Siehe hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793336,00.html
Genau darauf wurde hier immer hingewiesen, die Penetranz, die ein Weiter so impliziert und mit der versucht wird den Maximalschaden zu erzielen ist unglaublich.
Gruß Steffen
M.E. - 22. Oktober 2011
Ach Systemfrager,
wenn nur alles so einfach wäre. Jeder Inhaber einer Kapital-Lebensversicherung gehört zu den Anlegern, jeder Bausparer, jeder, der in einem Pensionsfond seine Altersvorsorge absichern will. Und natürlich jeder, der als Nicht-Plutokrat auch irgendwelche Anlageprodukte kauft.
Und alleine im Euro-Bereich umfassen diese Personengruppen weit mehr als hundert Millionen Menschen, Ganz normale Menschen, allerdings nicht des unteren Einkommensdrittels. Letztere haben schon längst nichts mehr anzulegen. Aber das mittlere Einkommensdrittel und Teile des oberen Einkommensdrittels (Ingenieure usw) die nicht der Plutokratie zuzurechnen sind, haben den prozentual größten Anteil an allen möglichen Anlageklassen. Leider delegieren sie meistens die Verwaltung ihrer Gelder an mächtige Fonds, Versicherungen und Banken, also Teile dessen, was man als Plutokratie in erweiteretem Sinne werten könnte. Die Mittäterschaft von zig Millionen Menschen aus der Mitte der Einkommenspyramide ist also völlig freiwillig. In Ermangelung des Blickes für die Zusammenhänge.
Das Problem bei Portugal und Griechenland ist, dass konsumwirksame Leistungen des einfachen Volkes reduziert werden, was einen sofortigen negativen realwirtschaftlichen Effekt hat.
Die griechische und portugiesische Plutokratie hat sich schon längst durch Kapitalflucht oder Erwerb von realen Assets aus der Haftungsgemeinschaft des gesamten Volkes verabschiedet.
So werden die großen Vermögen geschont und den weitaus größten Teil der Lasten haben die beiden unteren Einkommens- und Vermögensdrittel zu tragen.
Systemfrager - 22. Oktober 2011
Gut, du hast verstanden, was ich bei dir Vermisse. Ich sage dir, dass eine überwältigende Mehrheit der Sparer nur Kleinsparer sind und dass nur ein paar Prozent der Plutokraten deutlich mehr zu verlieren haben als der ganze Rest. Solange hier Zahlen auf dem Tisch nicht liegen, können wir nicht weiter. Also, wer sollte uns die Zahlen besorgen?
(Ohne Zahlen hat es keinen Sinn mehr daruüber zu diskutrieren.)
Systemfrager - 22. Oktober 2011
Eine Indiz, dass du in Unrecht bist.
Ein neu-booten des Finanzsektors könnte so aussehen, dass der Staat jedem einzelnen Sparer max bis zu 50.000€ auszahlt, der Rest sind seine Verluste.
Und warum wollen unsere Plutokraten nichts davon wissen? Weil sie danach nur sehr arme Plutokraten wären.
PS
Aber wie gesagt. Die Zahlen entscheiden, ob ich Recht habe.
bauagent - 22. Oktober 2011
Hier läuft, wie demnächst auch in Spanien, die sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Wer unsicher ist, ob er morgen noch einen Job hat, wer bereits keinen Job mehr hat und wer die maßlose weitere Verteilung von unten nach oben auch während der Austerizitätsmaßnahmen sieht, der dürfte vor lauter Angst alles an Anschaffungen zurückstellen, was irgendwie geht und das bischen ” Pulver ” das noch vorhanden ist trocken halten. Das verstärkt den o.e. Effekt noch.
So dreht sich die Spirale weiter, bis an die Grenze des existenziell Notwendigen. Dann erleben wir
griechische Verhältnisse bis in Bürgerkriege hinein. Unterdessen haben die Eliten das Kapital aus dem jeweiligen Land geschafft und es weitestgehend geplündert im Tandem mit der maoistisch-zentralistisch-kommunistischen Zentralregierung in der EUSSR, die sich schon jetzt über jedes Gesetz hinweg setzt.
Das ist auch der Punkt, an dem jede Statistik ( kommt ja auch von Statik ) versagen muss, weil man sich die Frage stellt, ob hier eine andere Idee der Unterjochung der Völker Europas durchgesetzt werden soll und hierzu ein bewusst inszeniertes Chaos genutzt werden soll.
Unter Chaos – Bedingungen lassen sich gesellschaftlich politische Veränderungen durch den Ruf nach ” Stärke ” viel leichter durchsetzen.
Die weiteren wirkungslosen angekündigten Maßnahmen wecken in mir den Verdacht, dass ein Heer von Wissenschaftlern und Beratern, die allesamt die vorgesehenen Maßnahmen ablehnen,
einfach ungehört übergangen werden, genauso wie die Völker Europas.
Am Ende steht ein maoistisch gelenktes Supergebilde, dass von einer Finanz-Oligarchie gelenkt wird. Ist das vielleicht gewollt?
SLGramann - 22. Oktober 2011
Hallo M.E., sicher ist es richtig, dass der Mittelstand noch über beträchtliche Vermögen verfügt, die in Fonds, Versicherungen usw. angelegt sind und so von einem Schuldenschnitt getroffen würde.
Dennoch gebe ich an dem Punkt eher systemfrager recht. Die Verteilung der Vermögen ist extrem ungleichmäßig. Die obersten 5% sind die, die das ganz große Geld haben, die nächsten 5% sind auch noch von Bedeutung. Danach kommen nur noch Peanuts. Selbst in der Masse der verbleibenden 90% ist der Peanutshaufen nicht sehr hoch.
Leider habe ich mir aber nie die konkreten Zahlen zur Vermögensverteilung aufgeschrieben, aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass die obersten 10% mindestens 50% des gesamten Volksvermögens besitzen.
Dann noch ein Punkt: Reden die Statistiken eigentlich von Brutto- oder Nettovermögen? Es gibt so viele Leute in der Mittelschicht mit mehr oder weniger schwachsinnigen Spar- und Riester-Verträgen, die gleichzeitig(!) ziemlich heftig verschuldet sind. Die Nettovermögensposition ist oft viel kleiner, als das sogenannte Sparguthaben der Leute. Bei nicht wenigen ist das Nettovermögen negativ.
Dann kommt noch dazu – und das ist sehr wichtig – dass jeder sich anteilig an der Finanzierung der Staatsschuld beteiligt und dafür Zinsen zahlt. So muss sich jeder – entsprechend seiner persönlichen Steuerkraft – “seinen” Anteil der Staatsschuld in die private Bilanz buchen.
Ich gehe daher wirklich davon aus, dass weit über 50% der Bevölkerung Nettoschuldner sind und Zinsdienst leisten müssen, wenn man die Staatsschuld umlegt.
Vielleicht 20 bis 30% kommen so plus minus null raus und ungefähr 10% sahnen ab und sind Nettogläubiger mich Anspruch auf Zinserträge.
Diese obersten 10% sind im Saldo deutlich im Plus und sind daher die Profiteure der gigantischen Umverteilung von Einkommen und Vermögen, die über der Zinsdienst realisiert wird!
M.E. - 22. Oktober 2011
Hallo Systemfrager,
es sind viele Millionen Menschen, die Anlagesummen von 10000 bis 50000 (um mal nicht-Plutokratenverdächtige Beispielsummen zu nennen) in Versicherungen, Bausparverträgen, Pensionsfonds oder individuell in Finanzmarktprodukten angelegt haben.
Und glaube mir, da kommen EU-weit schon mal etliche hundert Milliarden Euro zusammen. Völlig plutokratiefrei. Nur leider oft delegiert an die institutionelle Plutokratie.
Systemfrager - 22. Oktober 2011
Mit den Wiederholungen und “glaub mir” kommen wir nicht weiter
M.E. - 22. Oktober 2011
Gut, dann lassen wir´s.
dors venabili - 22. Oktober 2011
Ist es nicht so, dass in nur graduellen Unterschieden alle Wirtschaftssubjekte (Personen,Firmen,Institutionen,Staaten ) sich auf der gleichen Exponentialfunktion bewegen? Im flachen und ansteigenden Teil reden sich alle die Köpfe heiss über die optimale Strategie und Politik. Die einen suchen ihr Heil im Konsum, die anderen konzentrieren sich auf die Produktionseffektivität/-effizienz .Wieder andere schauen auf Kostensenkung.
Und alles geht in verschiedensten Abstufungen bis hin zur physischen Vernichtung von Menschen und habitatzerstörender Rohstoffgewinnung.
Im steilen Teil der Exponentialfunktion nimmt die Neigung zu den Gläubiger kurzerhand auszuschalten und der Gläubiger tendiert dazu die Schuldner in Abhängigkeitsverhältnisse zu zwingen.
Frage: Welche Strukturen gewährleisten, dass die Prozesse im steilen Teil der Exponentialfunktion nicht die konsentierten gesellschaftlichen Werte (Stichwort Grundgesetz z.B.) zerstören nur um die materielle Basis einer MInderheit zu erhalten?
M.E. - 22. Oktober 2011
Hallo SLGramann,
da gebe ich Dir völlig recht. Ich habe mal gelesen, dass man etliche hunderttausend Euro Vermögen haben muss, um zu den Nettogewinnern des Systems zu gehören. Für jemand, der 30000 Euro angelegt hat und eine Rendite von 3 bis 4% p.a. erzielt, sind seine Zinszahlungen, die er in Form seiner eigenen (eventuellen) Schulden, für die Staatsschulden und für die Firmenschulden (in Form eines Preisbestandteils) zu zahlen hat, um ein Mehrfaches größer. Otto Kleinsparer (selbst im Bereich von etwa 100000 Euro – was ja nicht mehr als Kleinsparer zu bezeichnen ist) ist definitiv Verlierer des Umverteilungssystems.
Ich bin ganz klar für eine prinzipielle Systemänderung. Nicht im Sinne eines bürokratischen Zentralismus, sondern im Sinne wirksamer Verhinderung von leistungsloser permanenter Kapitalakkumulation.
So gesehen freue ich mich schon trotz aller quälenden Begleiterscheinungen auf Peak anything, weil dann die faulen Kredite fällig werden, die die Menschheit insbesondere in den Hochverbrauchsländern von der Natur und dem Planeten genommen hat. Und diese fälligen Rechnungen, die uns dann unser Planet schreibt, hat dann auch und vor allem die globale Plutokratie zu bezahlen. Allerdings müssen dann die realen Vermögensgegenstände (zum Beispiel Großgrundbesitz, Wasserrechte, Rohstoffausbeutungsrechte usw.), die infolge der Kapitalakkumulation erworben wurden, vergesellschaftet werden.
M.E. - 22. Oktober 2011
Zwar völlig am Thema vorbei, aber sehr lesenswert:
http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=13663
ExBanker - 22. Oktober 2011
@ Systemfrager und andere
Die Daten bezüglich der Vermögensverteilung von 2009 sind hier zu finden.
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/93785/09-4-1.pdf
Evtl gibts auch schon neuere Daten. Schaut mal bei
bpb.de
Als Ex-Banker weiss ich, dass ca. 50% aller Kunden nix oder schulden haben, aber leicht auszubeuten sind.
die reichsten 5% haben uns das meiste eingebracht.
Gruß,
j
Till - 22. Oktober 2011
Der Sanierungsplan des IWF ist ja klar:
Kollaps der internen Wirtschaft (das sind nur unnütze Ausgaben für die Schmarotzer)
Umwandlung in eine Billig-Exportwerkbank mit Billigslöhnen.
Damit können dann auf Ewigkeiten Schuldn abgestottert werden (und nie zurückgezahlt). Jedes Land wird in ein Exportland verwandelt, mit abhängiger Vasallenregierung.
Nur wenige Länder dürfen importieren, die USA und demnächst auch China.
PS: Schmarotzer = Bevölkerung die nicht unmittelbar zum Vermögengsaufbau der internationalen Plutokraten beiträgt.
Appaloosa - 22. Oktober 2011
@M.E: “Allerdings müssen dann die realen Vermögensgegenstände (zum Beispiel Großgrundbesitz, Wasserrechte, Rohstoffausbeutungsrechte usw.), die infolge der Kapitalakkumulation erworben wurden, vergesellschaftet werden.”
Genau das wird nicht passieren, außer man wählt die Kommunisten.
Genau das ist der Punkt, weshalb die sogenannte “Elite” finanziell – im Vergleich der “Nichtplutokraten” – ungeschoren davonkommt.
Delta120 - 22. Oktober 2011
Wie schön, also sparen soll nicht der Richtige weg sein, weil ja dadurch das BIP, welches erst durch die Schuldenmacherei, das kaufen von Gütern auf Pump, aufgebläst wurde. Natürlich singt beim sparen das BIP und dadurch steigt automatisch die Staatsquote der Verschuldung. Dazu kommt, dass die Außenhandelsbilanz tief rot ist. Hätte dieses Land eine eigene Währung, dann würde die Währung einfach abgewertet. Hat es aber nicht und dadurch müssen die Löhne abgewertet werden und zwar in der gesamten Wirtschaft erstmal gleichmäßig. Die Steuererhöhungen der Mehrwertsteuer sind kontraproduktiv und bei einer steigenden Arbeitslosenzahl auch noch im gleichen Zuge die Arbeitsstunden gleichzeitig zu erhöhen, zeugt von absoluter Ahnungslosigkeit, denn dadurch wird j im gleichen Masse auch noch die Binnenkonjunktur getötet. Leider spricht der Artikel keine Lösung an. Die Lösung in dieser Not ist die Heraufsetzung der Abgaben für die “Reichen” die ihr über dem eigenem Verbrauch liegendes Einkommen in Aktien und andere Finanzprodukte stecken und in der Gefahr dann auch meist im Ausland.
Querschuss - 22. Oktober 2011
Hallo Delta120,
“Wie schön, also sparen soll nicht der Richtige weg sein…”…Staune das diese Frage überhaupt von einem Mitleser der Querschuesse gestellt wird! In den Griechenlandartikeln ist dies anhand der offiziellen Wirtschaftsdaten genau so dokumentiert. Das reale BIP brach um -7,3% in Q2 2011 zum Vorjahresquartal ein, die realen Arbeitnehmerentgelte, die realen Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion sogar jenseits der -10% usw., dies ist direkte Folge der Austerität, die zu einer beschleunigten Abwärtsbewegung der Wirtschaft führte. Wenn alle Bereiche einer Volkswirtschaft sparen, der Staat um die Zielvorgaben der Troika zu erfüllen, die privaten Haushalte, weil ihre Einkommen schrumpfen und die Unternehmen bei den Investitionen, weil sie sinkende Umsätze erwarten, löst dies in der Summe eine dramatische Abwärtsbewegung aus. Niemals kann ein BIP steigen wenn Alle ihre Ausgaben reduzieren und damit wird die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls durch die sinkende wirtschaftliche Aktivität noch gesteigert. Mir ein Rätsel, dass dies nicht nachvollziehbar sein soll. Das wenigste wäre, wenn man die mangelnde Leistungsfähigkeit und die zu geringe industrielle Wertschöpfung als Kernproblem der Südperipherie erkennt, trotz Sparen dafür zu sorgen, dass wenigstens in diese Schwachpunkte Investitionen fließen. Niemals wird der bisher eingeschlagene Weg Griechenland fit für den Wettbewerb machen, sondern er wird in den Kollaps der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie anderer Südperipherie-Länder münden, wie schon in den Artikeln vor über einem Jahr bei Querschuesse formuliert.
Es stellt sich für mich nicht die Aufgabe oder gar der Auftrag Lösungen für das fortgeschrittene Stadium eines sich am Ende befindlichen Kreditzyklusses zu finden, für die Exzesse die seinen Akteure gerade auf die Füße fallen. Ich habe mir nur selber seit 2007 die Aufgabe gestellt Wirtschaftsdaten kritisch zu begleiten und auf die Fehlentwicklungen und Exzesse hinzuweisen. Übrigens 2007 und 2008 als einer der wenigen einsamen Rufer in der Wüste, umgeben von den sich in Oasen (Spekulationsblasen) lobhudelnden Systembeschönigern. Dies hat sich zum Glück geändert. Selbst im Mainstream gibt es eine Menge kritische Artikel.
Trotzdem implizieren viele meine Analysen und Daten ja bereits Lösungsansätze, was sagt denn gleich der erste Satz im Artikel aus: “Griechenlands desaströse wirtschaftliche Entwicklung ist kein isolierter Weg, sondern Folge des Korsetts des Euro und schlussendlich der Rettungsversuche per Austeritätsmaßnahmen zum Erhalt des Euro und damit der Eurozone.” Für die Südperipherie gibt es unter dem Euro keine Lösung! Dies habe ich dutzende Male bereits genau so geschrieben und darauf hingewiesen, dass es gilt unverzüglich an Ausstiegsszenarien zu arbeiten, nur dieses Zeitfenster dürfte obsolet sein. Auch Deutschland kommt weder bei einem Weiter so, noch bei einem Austritt, oder des Austritts der schwächsten Länder aus dem Euroraum ungeschoren aus der Nummer heraus. Viel zu hoch sind die Summen aufgelaufen, die im Raume stehen und jeden Monat wird die Pyramide weiter erhöht.
Mein Fokus liegt weiter auf dem kritischen Begleiten der Entwicklungen.
Gruß Steffen
Grundsatzfrager - 22. Oktober 2011
Hallo zusammen!
Da hätte ich doch mal eine ganz naive Frage:
Warum halten “alle” wie süchtige daran fest, Geld mit Geld zu verdienen. Oder “unreales mit unrealem zu vergrössern, zu versprechen”…
Liegt nicht darin das Grundübel, dass WERTE mit WERTEN verglichen werden, die überhaupt nicht vergleichbar sind? Im Recht spricht man von gleichem mit gleichem zu vergleichen und ungleichem mit ungleichem….
Gäbe es da nicht sinvolle Alternativen?
Gruss
Grundsatzfrager
SLGramann - 22. Oktober 2011
@ExBanker, vielen Dank für den Link!
Ein Zitat:
“zeigt sich, dass das reichste Zehntel 2007 über mehr als 60 Prozent des gesamten Vermögens verfügte (Abbildung 1). Darunter hielten die obersten fünf Prozent 46 Prozent und das oberste Prozent etwa 23 Prozent des gesamten Vermögens.
…
Mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung besaßen dagegen kein oder nur ein sehr geringes individuelles Nettovermögen.”
Dazu kommt dann noch, dass in diesen Zahlen die Staatsverschuldung natürlich nicht gegen die Vermögensposition aufgerechnet wird, was man aber tun muss. Denn es bleibt dabei, dass ein jeder von uns für die Staatsverschuldung den Zins in Form seiner Steuern bezahlen muss. Der Staat wandelt die Steuereinnahmen, die er von seinen Bürgern eintreibt direkt in Zinszahlungen an diejenigen um, die die Staatsanleihen im Depot haben.
Wenn man die Staatsschuld sehr vereinfachend einfach auf alle Köpfe der Bevölkerung verteilen würde, muss sich jeder von uns 25.000,00 Euro Schulden in seine persönliche Bilanz schreiben.
So betrachtet sind netto wohl mindestens 70 bis 80% der Bevölkerung völlig vermögenslos bzw. Schuldner.
Ein Großteil des Vermögens der gehobenen Mittelschicht besteht darüber hinaus in selbstgenutztem Immobilienbesitz und ist damit nicht unmittelbar zinstragend.
Schuldenschnitte treffen letztlich nur die obersten 10% der Bevölkerung wirklich! Das Gerede von den Riester-Verträgen lenkt von der ökonomischen Tatsache ab, dass auch der dumm-fleißige Riestersparer faktisch vermögenslos bzw. sogar Nettoschuldner ist. Natürlich bildet sich jeder gerne ein, dass er selbst auf der Gewinnerseite des Systems steht, nur weil seinen popligen Sparvertrag und ein paar Kröten auf dem Konto hat. Auf diese Verblendung und Fehleinschätzung der eigenen Position in der Nahrungskette des Finanzkapitalismus können sich die Exekutoren des Systems und ihre journalistischen Helfer freilich verlassen.
cmerk - 22. Oktober 2011
Hallo Steffen,
erstmal vielen Dank für die super Detailarbeit. Ich bin vor einigen Jahren nach Polen gezogen und bin doch mittlerweile ganz froh dass Polen sich mit dem Eurobeitritt viel Zeit gelassen hat. Momentan ist der Zloty recht schwach gegenüber den Hauptwaehrungen, was den vielen Immobilienkäufern mit Fremdwaehrungskrediten Probleme bereitet, aber der Exportwirtschaft Erleichterung bringt. Polens Verschuldung wächst leider auch deutlich, ich hoffe die neue alte Regierung wird denn Mumm haben da deutlich gegenzusteuern. Ansonsten läuft es hier eigentlich recht gut, die Mehrheit der Polen blickt (noch) optimistisch nach vorne. Deutschland ist größter Aussenhandelspartner – was beweist dass es nicht der Euro ist, der Deutschlands Export zu stark macht, denn der funktioniert ja auch mit dem nicht Euro-Land Polen. Eine große Bitte : Könntest Du mal einen Betrag zu Polen und den anderen neueren EU-Ländern bringen, mit detaillierten Zahlen ?
MfG,
Christian
o.ä. - 22. Oktober 2011
Gibt es seriöse Szenarien, die Aufschluss darüber geben, wann ein Zusammenbruch des Systems wahrscheinlich ist? Mir ist klar, dass ein solches Szenario nicht den genauen Tag benennen kann, aber so ungefähr die Zeitspanne aufgrund mathematischer Berechnungen?
Außerdem frage ich mich, wenn die Lage schon so brenzlig ist, warum wird dies auch in den Mainstreammedien kommuniziert? Ich dachte immer, wenn ein Zusammenbruch kurz bevor steht, würden solche Nachrichten eher unter dem Deckel gehalten. Oder wird nun für Verunsicherung gesorgt, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu animieren, härtere Einschnitte hinzunehmen?
Frank - 22. Oktober 2011
Ein Lob an Steffen, für seine gute Arbeit.
Er trägt mit dazu bei, das immer mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich ein genaueres Bild über deren Volksverkäufer zumachen. Es läßt sich wahrlich über alles diskutieren, analysieren und fachsimpeln. Doch über “Was” reden wir eigentlich? Es sind “Alle” pleite. Und solange das nicht die große Masse begreift, solange versuchen die Verantwortlichen sich bereichert aus dem Staube zu machen! Hart wird es, verdammt hart. Wir sollten uns vorbereiten, anstatt unsere Zeit “zu verschwenden”. Danke nochmals an Steffen.
Gruß Der Silberfreund
M.E. - 22. Oktober 2011
Genau auch meine Meinung, SLGramann.
Ich sehe ja alles immer auch aus der Perspektive der nächsten 25 Jahre, weil ich in dieser Zeitspanne mein restliches Leben zu verbringen gedenke (sozusagen alternativlos). Und aus dieser Perspektive ist ohnehin ALLES subprime. Glücklicherweise auch die zusammengerafften Vermögen der Oligarchie oder Plutikratie oder Elite – egal, wie man die Gesellschaftschicht nennen mag.
Mit Ausnahme der natürlichen Reichtümer, die sie sich gesichert haben.
Übrigens Appaloosa,
ich bin kein Kommunist. Habe diese Herrschaften, die sich so nannten, in ziemlich unangenehmer Erinnerung.
Allerdings sehe ich auch, dass wir einen knallharten Neofeudalismus bekommen werden, wenn die Pluto- oder Oligarchen weiter lebensnotwendige Ressourcen dank ihrer noch formal werthaltigen Kapitalmassen zusammenraffen. Durch die Erosion der Ressourcen schon jetzt und erst recht in der Zukunft – bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung – wird die Oligarchie dann in noch stärkerem Maße Herr über Leben und Tod von Milliarden Menschen.
Schon heute hat die Gesellschaft immer stärkere neofeudale Züge. Aber das, was kommen würde, wäre eine Mischung aus purem Feudalismus und Sklaverei. Deshalb führt an der Vergesllschaftung natürlicher Reichtümer nach dem Platzen der Finanzmarkt-Megablase kein Weg vorbei. Stärkere soziale Differenzierung mag ja in Zeiten sehr reichlicher Ressourcenverfügbarkeit noch mit Mühe zu rechtfertigen sein, so lange alle ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Global gesehen hat es aber diese Befriedigung der Grundbedürfnisse für hunderte Millionen Menschen nie in akzeptablem Maß gegeben. In der Zukunft dann für mehrere Milliarden Menschen. Da verbietet sich die Akkumulation insbesondere natürlicher Ressourcen in den Händen weniger Menschen.
Zurück zur Euro-Krise: selbst ein Schuldenschnitt von 60% wäre für Griechenland nicht ausreichend:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793372,00.html
Langsam wachen die Herrschaften von der Troika anscheinend aus ihren Wohlfühlschlaf.
Wieder außerhalb des Themas: auch die FDIC wird zur bad bank umgebaut:
http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=13674
Sag ich doch: ALLES subprime.
Systemfrager - 22. Oktober 2011
@ExBanker
vielen vielen vielen Dank für den Link!
Also das mit Lieschen Müller und Otto Meier, dass man die Banken retten soll um ihre Ersparnisse zu retten, hat sich erledigt
anonym - 22. Oktober 2011
Währenh hier noch fleissig “rumgeheult” wird (um Gr, Pg) denken andere schon weiter : (http://www.zerohedge.com/news/revised-troika-forecast-sees-total-greek-debt-gdp-peaking-186-here-what-happens-next)
“…in fact we expect Ireland and Portugal, followed shortly by Italy and Spain, to pull a Greece and report worse economic data than actual, just to attract the bond vigilantes attention, have their spreads blow out, becoming the next Greece in the process and getting a “half off debt” blue light special. In fact, the faster the better, as there will likely not be enough firepower for the last of the 5 PIIGS. Of course, by then French banks will be thoroughly undercapitalized, needing well more than E100 billion of the allotted capital, and France will long have been downgraded from AAA, forcing the EFSF to be the sole burden of Germany, which will have to pledge anywhere between half and 133% of its GDP, to keep the EUR and Europe solvent. Good luck with that….”
Tja, good luck with that…
micdinger - 22. Oktober 2011
Hallo M.E.
Hier eine interessante Betrachtung, wie hoch deine Einkünfte sein müssen, um zum Netto-Zinsempfänger zu werden.
“Jeder, der weniger als eine halbe Million Euro
Eigenkapital hat, ist ein Zinssklave, …”
http://www.steuerboykott.org/index.php
Turon - 23. Oktober 2011
@ alle die hier geschrieben haben – endlich mal eine sehr schöne Bestätigung meiner Ansichten. Ich kann dem ganzen eigentlich relativ wenig hinzufügen:
Bis auf Summe:
a) der Euro schützt an sich Niemandem vor irgendetwas, ganz im Gegenteil, so lange das Spiel funktionierte haben einige am Euro verdient. Die europäischen Südländer haben extreme Aufwertungen des Immobilienbesitzes dazu genutzt, um es als Sicherhheit bei Kreditvergabe anzubieten, es folgte eine Spekulationsblase die aktuell aus allen Nähten platzt.
b) Europa hat nur solange Möglichkeiten Rettungsschirme aufzuspannen, solange die Leute den Euro noch überhaupt akzeptieren. Ich habe aber ernste Zweifel daran, das dieser Zug noch nicht abgefahren ist. Alle Staaten vermelden Probleme, einen Tiefgang in die Rezession, und Wachstumsfetischisten verkaufen uns das große Zahlenspiel als WACHSTUM. Es ist doch wohl klar, daß wenn die Geldmenge um 10% jährlich ansteigt, daß man alleine über Preiserhöhungen Wachstum von 2% erreicht. Schließlich zählt man bei den Wachstums-fetischisten keinesfalls die Anzahl, Kilos und Liter an erstellten Waren, sondern ausschließlich den Preis. Ich finde – selbst diese Daten sind gefälscht, denn wie soll den es im Einklang gehen, daß Europa immer mehr Marktanteile an China abgeben muß, die Arbeitslosenstatistiken immer wieder verfälscht werden, die Leute sich nichts bis auf einem Iphone leisten. Aber unterm Strich köme da angeblich Wachstum heraus.
Ich behaupte: das Wachstum was uns die Regierung offenbart am Ende nicht existent ist, reine Augenwischerei. Und das was dann doch real erreicht worden ist, ist dank Kreditvergabebereitschaft der irischen, britischen, spanischen, italienischen und natürlich griechischen Banken erreicht worden.
Diese Art von Ökonomie ist völliger absurd. Und ich habe keine Ahnung, warum unsere Wirtschaftswissenschaftler die im Amt sind – es partout nicht sehen wollen? Wohl wegen eigenem Verschuldungsgrad. Sie wissen ja was passiert, wenn der Zahltag kommt.
Dass eine Vermögensumverteilung kommen MUSS, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, Doch es wird von oben nach unten erfolgen. Es werden die oberen das meiste verlieren, alle anderen alles. Und daran erkennt man auch warum Deutschland heute immer noch ein preußisches Staatsmonster ist. Die Regierung übergeht das eigene Volk, was seit Preußen Gang und Gäbe ist.
@cmerk – ich bin Pole, lebe aber aus exakt diesen Gründen lieber in Deutschland. Warum? Den Zustand der polnischer Wirtschaft ist in Wahrheit keinen Deut besser als der den Portugiesen oder den Griechen. Polen haben aber einen gewissen Vorteil: Der Wohnungsbau in Polen ist erlahmt, (im Gegensatz zu Portugal/Spanien) es wird praktisch so gut wie nur privat gebaut und wenn ja dann nur in den reicheren Gegend (Pommern).
Ich halte in übrigen überhaupt nichts davon, daß Polen dem Euro beitreten sollte. Das würde in allererster Linie etwa 60-70% der polnischer Bevölkerung treffen und erst die Verschuldungs-explosion in Polen anheizen. Polnische Banken finanzieren übrigens die Käufe von Wohnungen oder Häusern nicht, das tun die Österreicher, Schweizer und Engländer. Ich habe noch nie gehört, daß irgendein Pole eine Immobillie in Zloty finanziert hat – es sind entweder die Euros, die Pfunds oder der Franken.
Polnische Banken VERMITTELN lediglich Kreditvergabe der Westbanken. Ob das gut ist? Mitnichten. Zwar sind dadurch die polnischen Banken noch relativ sicher, weil der Schuldner-Gläubiger Verhältnis sie gar nicht erst umfasst. Sie kassieren lediglich Prämien und an eventueller Mithaftung brummen Sie dem Kreditnehmer Extraversicherungen auf.
Fakt aber ist – ungefähr genauso vollzog sich der “Aufschwung auch in der Slowakei, Tschechei und Ungarn, ganz zu schweigen von der Ukraine. Wie es um Ungarn bestellt ist – das wissen wir ja… da habe man private Rentenvorsorge verstaatlicht, was auch einer Enteignung gleichkommt.
Ukraine ist per Definition bankrott, Weißrußland ebenso, Littauen und Lettland so wie Estonien in einer tiefer Depression. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise können Polen auch nicht mehr weltweit vagabundieren und ihren Lebensstill finanzieren, daher brachen sehr wohl ihre Einnahmen ein.
Was Polen noch relativ ungeschoren oben hält sind die bilateralen Handelsbeziehungen mit Deutschland, aber: das Ding ist nicht auf immer und ewig haltbar.
Europa in heutiger Form kann gar nicht überstehen. Der Zusammenbruch von Euro wird kommen (müssen). Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und ich kenne ja nur ein Rezept, was nachher halbwegs sozialen Frieden sichern kann. EU Grenzen zu, Löhne massivst runter, Preise für europäischen Binnenmarktprodukte rauf – und massive Importeinschränkungen gegenüber allen Ländern die aufgrund des Lohndumpings horrende Außenhandelüberschüsse erzielen.
China ist sich dieser Gefahr gar nicht erst bewusst, daß die Globalisierung sie in eine Falle gebracht hat. Sobald die Chinesen das eben begreifen, werden sie aus US-Staatsanleihen Kapital abziehen müssen und sich langsam aber beständig an dem Rohstoffmarkt bedienen müssen.
Ich denke die Brüsseler Machthaber wissen es genauso wie die Allmächtigen Obamas Anbeter… daher: wir werden nicht erst den Eisberg Rahmen, wir werden frontal auf den Eisberg auflaufen.
Es besteht keine reale Chance diesem Szenario zu entkommen. Was die Regierung jetzt also sagt (der Euro ist so sicher wie seinerzeit die Berliner Mauer) das ist mir bereits vollkommen gleichgültig. Ich habe eher schon alles in Rohstoffe umgetauscht.
Artur K.
Bobastro - 24. Oktober 2011
Die Anleihen antizipieren bereits die Pleite bzw. den Haircut. Fälligkeit 2014 bei 73
http://www.onvista.de/anleihen/snapshot.html?ID_INSTRUMENT=1635048&PERIOD=6&ID_NOTATION=8145236#chart