Portugal folgt Griechenland

von am 21. Oktober 2011 in Allgemein

Griechenlands desaströse wirtschaftliche Entwicklung ist kein isolierter Weg, sondern Folge des Korsetts des Euro und schlussendlich der Rettungsversuche per Austeritätsmaßnahmen zum Erhalt des Euro und damit der Eurozone. Es ist kaum zu fassen, dass dieselben untauglichen Rezepte, die bereits Griechenlands endgültigen Abstieg besiegelten, in Portugal fast 1:1 vollzogen werden und zum wirtschaftlichen Kollaps auch in Portugal führen werden. Die portugiesische Regierung korrigierte gerade ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2012 auf eine Schrumpfung von -2,8%, nach vorherigen -1,8%. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2012 um -9,2% schrumpfen, der private Konsum um -4,8% und die Konsumausgaben des Staates um -6,2%. Selbst dieses Szenario könnte noch positivistisch getüncht sein!

Portugal muss im Gegenzug für die erhaltenen 78 Milliarden Euro aus dem ESM-Rettungsfond Sparziele einhalten. Das Staatshaushaltsdefizit von 9,8% im Jahr 2010 soll auf 5,4% in 2011 sinken und dieses Ziel wird wohl wie in Griechenland verfehlt. Für 2012 ist das Ziel noch ambitionierter das Defizit soll auf nur 4,5% sinken. Für dieses Ziel 2012 plant Portugal eine Radikalkur, Feiertage, Weihnachts- und Urlaubsgelder sollen gestrichen werden, die Mehrwertsteuer auf 23% angehoben und zusätzlich sollen die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlängert werden. Diese Maßnahmen treffen wie in Griechenland auf eine bereits geschwächte wirtschaftliche Aktivität und vor allem auf eine bereits sehr schwache Binnennachfrage. Zuletzt in Q2 2011 schrumpften die privaten Konsumausgaben um -3,4% zum Vorjahresquartal:

Die Entwicklung der realen privaten Konsumausgaben aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 im Chart. In Q2 2011 sanken die realen privaten Konsumausgaben um -3,4% und damit um die höchste Rate des verfügbaren Datensatzes.

In Portugal gibt es einen monatlichen Private Consumption Coincident Indicator, der sehr breit gefasst den privaten Konsum misst, so die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Verkäufe, den Umsatz bei Dienstleistungen, die Tourismus Übernachtungen von Inländern und den Umsatz von industriellen Konsumgütern. Aber auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung als wichtige Einflüsse des privaten Konsums und das Verbrauchervertrauen fließen in den Private Consumption Coincident mit ein. Ein Blick auf die Daten dieses Indicators für September 2011 verheißt bereits nichts Gutes:

Die Entwicklung des Private Consumption Coincident Indicators seit Januar 1978 bis September 2011 im Chart. Im September 2011 ging es auf -4,1 Indexpunkten abwärts, auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe seit Januar 1978.

Ausdruck der bevorstehenden Depression ist der rapide Absturz des portugiesischen Verbrauchervertrauens:

Die Entwicklung des portugiesischen Verbrauchervertrauens seit Juli 1986 im Chart. Im September 2011 sank das Verbrauchervertrauen auf -59 Indexpunkte und damit ebenfalls auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Juli 1986!

Auch die Neuzulassungen bei PKWs in Portugal sprechen Bände:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen von Januar 1990 bis September 2011. Im September 2011 sanken die zugelassenen neuen PKWs um satte -33,75% zum Vorjahresmonat auf 9’220 Fahrzeuge und auf die drittschwächsten Neuzulassungszahlen seit Januar 1990. Nur der Vormonat, August 2011 und der Januar 2009 waren noch etwas schlechter.

An diesen Daten lässt sich bereits erkennen, das Portugal dem verhängnisvollen Weg Griechenlands folgt, zumal wie in den anderen Südperipherieländern der private Konsum die wichtigste Stütze des BIPs darstellt und dessen Schrumpfung nichts an den strukturellen Hauptproblemen, wie der nicht leistungsfähigen Industrie ändert, sondern deren Niedergang auf Grund der sinkenden Nachfrage beschleunigt. Der größte Irrweg der Eurozone und ihrer handelnden Akteure besteht darin zu glauben, die Fehlentwicklungen vieler Jahre in der Südperipherie, ob die Kreditexzesse und damit die hohe Verschuldung, den niedrigen Wertschöpfungsgrad der Industrie und generell die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der Wirtschaften mit Sparen per Gießkanne zu lösen. Das Gegenteil ist der Fall, die Bruttoschulden des Staates wachsen in der Relation zur Wirtschaftskraft munter weiter und den geschwächten Realwirtschaften wird der Garaus gemacht:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des portugiesischen Staates in Prozent des nominalen BIPs seit Q1 2000 bis Q2 2011 im Chart. In Q2 2011 beschleunigt der Bruttoschuldenstand des Staates auf 106,6% des nominalen BIP, nach 94,4% im Vorquartal und nach 87,5% im Vorjahresquartal.

Quelle Daten: Bportugal.pt/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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11 KommentareKommentieren

  • SLGramann - 22. Oktober 2011

    @ExBanker, vielen Dank für den Link!

    Ein Zitat:

    “zeigt sich, dass das reichste Zehntel 2007 über mehr als 60 Prozent des gesamten Vermögens verfügte (Abbildung 1). Darunter hielten die obersten fünf Prozent 46 Prozent und das oberste Prozent etwa 23 Prozent des gesamten Vermögens.

    Mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung besaßen dagegen kein oder nur ein sehr geringes individuelles Nettovermögen.”

    Dazu kommt dann noch, dass in diesen Zahlen die Staatsverschuldung natürlich nicht gegen die Vermögensposition aufgerechnet wird, was man aber tun muss. Denn es bleibt dabei, dass ein jeder von uns für die Staatsverschuldung den Zins in Form seiner Steuern bezahlen muss. Der Staat wandelt die Steuereinnahmen, die er von seinen Bürgern eintreibt direkt in Zinszahlungen an diejenigen um, die die Staatsanleihen im Depot haben.

    Wenn man die Staatsschuld sehr vereinfachend einfach auf alle Köpfe der Bevölkerung verteilen würde, muss sich jeder von uns 25.000,00 Euro Schulden in seine persönliche Bilanz schreiben.

    So betrachtet sind netto wohl mindestens 70 bis 80% der Bevölkerung völlig vermögenslos bzw. Schuldner.

    Ein Großteil des Vermögens der gehobenen Mittelschicht besteht darüber hinaus in selbstgenutztem Immobilienbesitz und ist damit nicht unmittelbar zinstragend.

    Schuldenschnitte treffen letztlich nur die obersten 10% der Bevölkerung wirklich! Das Gerede von den Riester-Verträgen lenkt von der ökonomischen Tatsache ab, dass auch der dumm-fleißige Riestersparer faktisch vermögenslos bzw. sogar Nettoschuldner ist. Natürlich bildet sich jeder gerne ein, dass er selbst auf der Gewinnerseite des Systems steht, nur weil seinen popligen Sparvertrag und ein paar Kröten auf dem Konto hat. Auf diese Verblendung und Fehleinschätzung der eigenen Position in der Nahrungskette des Finanzkapitalismus können sich die Exekutoren des Systems und ihre journalistischen Helfer freilich verlassen.

  • Querschuss - 22. Oktober 2011

    Hallo Delta120,
    “Wie schön, also sparen soll nicht der Richtige weg sein…”…Staune das diese Frage überhaupt von einem Mitleser der Querschuesse gestellt wird! In den Griechenlandartikeln ist dies anhand der offiziellen Wirtschaftsdaten genau so dokumentiert. Das reale BIP brach um -7,3% in Q2 2011 zum Vorjahresquartal ein, die realen Arbeitnehmerentgelte, die realen Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion sogar jenseits der -10% usw., dies ist direkte Folge der Austerität, die zu einer beschleunigten Abwärtsbewegung der Wirtschaft führte. Wenn alle Bereiche einer Volkswirtschaft sparen, der Staat um die Zielvorgaben der Troika zu erfüllen, die privaten Haushalte, weil ihre Einkommen schrumpfen und die Unternehmen bei den Investitionen, weil sie sinkende Umsätze erwarten, löst dies in der Summe eine dramatische Abwärtsbewegung aus. Niemals kann ein BIP steigen wenn Alle ihre Ausgaben reduzieren und damit wird die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls durch die sinkende wirtschaftliche Aktivität noch gesteigert. Mir ein Rätsel, dass dies nicht nachvollziehbar sein soll. Das wenigste wäre, wenn man die mangelnde Leistungsfähigkeit und die zu geringe industrielle Wertschöpfung als Kernproblem der Südperipherie erkennt, trotz Sparen dafür zu sorgen, dass wenigstens in diese Schwachpunkte Investitionen fließen. Niemals wird der bisher eingeschlagene Weg Griechenland fit für den Wettbewerb machen, sondern er wird in den Kollaps der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie anderer Südperipherie-Länder münden, wie schon in den Artikeln vor über einem Jahr bei Querschuesse formuliert.

    Es stellt sich für mich nicht die Aufgabe oder gar der Auftrag Lösungen für das fortgeschrittene Stadium eines sich am Ende befindlichen Kreditzyklusses zu finden, für die Exzesse die seinen Akteure gerade auf die Füße fallen. Ich habe mir nur selber seit 2007 die Aufgabe gestellt Wirtschaftsdaten kritisch zu begleiten und auf die Fehlentwicklungen und Exzesse hinzuweisen. Übrigens 2007 und 2008 als einer der wenigen einsamen Rufer in der Wüste, umgeben von den sich in Oasen (Spekulationsblasen) lobhudelnden Systembeschönigern. Dies hat sich zum Glück geändert. Selbst im Mainstream gibt es eine Menge kritische Artikel.

    Trotzdem implizieren viele meine Analysen und Daten ja bereits Lösungsansätze, was sagt denn gleich der erste Satz im Artikel aus: “Griechenlands desaströse wirtschaftliche Entwicklung ist kein isolierter Weg, sondern Folge des Korsetts des Euro und schlussendlich der Rettungsversuche per Austeritätsmaßnahmen zum Erhalt des Euro und damit der Eurozone.” Für die Südperipherie gibt es unter dem Euro keine Lösung! Dies habe ich dutzende Male bereits genau so geschrieben und darauf hingewiesen, dass es gilt unverzüglich an Ausstiegsszenarien zu arbeiten, nur dieses Zeitfenster dürfte obsolet sein. Auch Deutschland kommt weder bei einem Weiter so, noch bei einem Austritt, oder des Austritts der schwächsten Länder aus dem Euroraum ungeschoren aus der Nummer heraus. Viel zu hoch sind die Summen aufgelaufen, die im Raume stehen und jeden Monat wird die Pyramide weiter erhöht.

    Mein Fokus liegt weiter auf dem kritischen Begleiten der Entwicklungen.

    Gruß Steffen

  • cmerk - 22. Oktober 2011

    Hallo Steffen,

    erstmal vielen Dank für die super Detailarbeit. Ich bin vor einigen Jahren nach Polen gezogen und bin doch mittlerweile ganz froh dass Polen sich mit dem Eurobeitritt viel Zeit gelassen hat. Momentan ist der Zloty recht schwach gegenüber den Hauptwaehrungen, was den vielen Immobilienkäufern mit Fremdwaehrungskrediten Probleme bereitet, aber der Exportwirtschaft Erleichterung bringt. Polens Verschuldung wächst leider auch deutlich, ich hoffe die neue alte Regierung wird denn Mumm haben da deutlich gegenzusteuern. Ansonsten läuft es hier eigentlich recht gut, die Mehrheit der Polen blickt (noch) optimistisch nach vorne. Deutschland ist größter Aussenhandelspartner – was beweist dass es nicht der Euro ist, der Deutschlands Export zu stark macht, denn der funktioniert ja auch mit dem nicht Euro-Land Polen. Eine große Bitte : Könntest Du mal einen Betrag zu Polen und den anderen neueren EU-Ländern bringen, mit detaillierten Zahlen ?

    MfG,
    Christian

  • o.ä. - 22. Oktober 2011

    Gibt es seriöse Szenarien, die Aufschluss darüber geben, wann ein Zusammenbruch des Systems wahrscheinlich ist? Mir ist klar, dass ein solches Szenario nicht den genauen Tag benennen kann, aber so ungefähr die Zeitspanne aufgrund mathematischer Berechnungen?

    Außerdem frage ich mich, wenn die Lage schon so brenzlig ist, warum wird dies auch in den Mainstreammedien kommuniziert? Ich dachte immer, wenn ein Zusammenbruch kurz bevor steht, würden solche Nachrichten eher unter dem Deckel gehalten. Oder wird nun für Verunsicherung gesorgt, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu animieren, härtere Einschnitte hinzunehmen?

  • Frank - 22. Oktober 2011

    Ein Lob an Steffen, für seine gute Arbeit.

    Er trägt mit dazu bei, das immer mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich ein genaueres Bild über deren Volksverkäufer zumachen. Es läßt sich wahrlich über alles diskutieren, analysieren und fachsimpeln. Doch über “Was” reden wir eigentlich? Es sind “Alle” pleite. Und solange das nicht die große Masse begreift, solange versuchen die Verantwortlichen sich bereichert aus dem Staube zu machen! Hart wird es, verdammt hart. Wir sollten uns vorbereiten, anstatt unsere Zeit “zu verschwenden”. Danke nochmals an Steffen.
    Gruß Der Silberfreund

  • M.E. - 22. Oktober 2011

    Genau auch meine Meinung, SLGramann.

    Ich sehe ja alles immer auch aus der Perspektive der nächsten 25 Jahre, weil ich in dieser Zeitspanne mein restliches Leben zu verbringen gedenke (sozusagen alternativlos). Und aus dieser Perspektive ist ohnehin ALLES subprime. Glücklicherweise auch die zusammengerafften Vermögen der Oligarchie oder Plutikratie oder Elite – egal, wie man die Gesellschaftschicht nennen mag.
    Mit Ausnahme der natürlichen Reichtümer, die sie sich gesichert haben.

    Übrigens Appaloosa,
    ich bin kein Kommunist. Habe diese Herrschaften, die sich so nannten, in ziemlich unangenehmer Erinnerung.
    Allerdings sehe ich auch, dass wir einen knallharten Neofeudalismus bekommen werden, wenn die Pluto- oder Oligarchen weiter lebensnotwendige Ressourcen dank ihrer noch formal werthaltigen Kapitalmassen zusammenraffen. Durch die Erosion der Ressourcen schon jetzt und erst recht in der Zukunft – bei gleichzeitig steigender Weltbevölkerung – wird die Oligarchie dann in noch stärkerem Maße Herr über Leben und Tod von Milliarden Menschen.
    Schon heute hat die Gesellschaft immer stärkere neofeudale Züge. Aber das, was kommen würde, wäre eine Mischung aus purem Feudalismus und Sklaverei. Deshalb führt an der Vergesllschaftung natürlicher Reichtümer nach dem Platzen der Finanzmarkt-Megablase kein Weg vorbei. Stärkere soziale Differenzierung mag ja in Zeiten sehr reichlicher Ressourcenverfügbarkeit noch mit Mühe zu rechtfertigen sein, so lange alle ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Global gesehen hat es aber diese Befriedigung der Grundbedürfnisse für hunderte Millionen Menschen nie in akzeptablem Maß gegeben. In der Zukunft dann für mehrere Milliarden Menschen. Da verbietet sich die Akkumulation insbesondere natürlicher Ressourcen in den Händen weniger Menschen.

    Zurück zur Euro-Krise: selbst ein Schuldenschnitt von 60% wäre für Griechenland nicht ausreichend:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,793372,00.html

    Langsam wachen die Herrschaften von der Troika anscheinend aus ihren Wohlfühlschlaf.

    Wieder außerhalb des Themas: auch die FDIC wird zur bad bank umgebaut:

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=13674

    Sag ich doch: ALLES subprime.

  • Systemfrager - 22. Oktober 2011

    @ExBanker
    vielen vielen vielen Dank für den Link!

    Also das mit Lieschen Müller und Otto Meier, dass man die Banken retten soll um ihre Ersparnisse zu retten, hat sich erledigt

  • anonym - 22. Oktober 2011

    Währenh hier noch fleissig “rumgeheult” wird (um Gr, Pg) denken andere schon weiter : (http://www.zerohedge.com/news/revised-troika-forecast-sees-total-greek-debt-gdp-peaking-186-here-what-happens-next)

    “…in fact we expect Ireland and Portugal, followed shortly by Italy and Spain, to pull a Greece and report worse economic data than actual, just to attract the bond vigilantes attention, have their spreads blow out, becoming the next Greece in the process and getting a “half off debt” blue light special. In fact, the faster the better, as there will likely not be enough firepower for the last of the 5 PIIGS. Of course, by then French banks will be thoroughly undercapitalized, needing well more than E100 billion of the allotted capital, and France will long have been downgraded from AAA, forcing the EFSF to be the sole burden of Germany, which will have to pledge anywhere between half and 133% of its GDP, to keep the EUR and Europe solvent. Good luck with that….”

    Tja, good luck with that…

  • micdinger - 22. Oktober 2011

    Hallo M.E.

    Hier eine interessante Betrachtung, wie hoch deine Einkünfte sein müssen, um zum Netto-Zinsempfänger zu werden.

    “Jeder, der weniger als eine halbe Million Euro
    Eigenkapital hat, ist ein Zinssklave, …”

    http://www.steuerboykott.org/index.php

  • Turon - 23. Oktober 2011

    @ alle die hier geschrieben haben – endlich mal eine sehr schöne Bestätigung meiner Ansichten. Ich kann dem ganzen eigentlich relativ wenig hinzufügen:

    Bis auf Summe:
    a) der Euro schützt an sich Niemandem vor irgendetwas, ganz im Gegenteil, so lange das Spiel funktionierte haben einige am Euro verdient. Die europäischen Südländer haben extreme Aufwertungen des Immobilienbesitzes dazu genutzt, um es als Sicherhheit bei Kreditvergabe anzubieten, es folgte eine Spekulationsblase die aktuell aus allen Nähten platzt.

    b) Europa hat nur solange Möglichkeiten Rettungsschirme aufzuspannen, solange die Leute den Euro noch überhaupt akzeptieren. Ich habe aber ernste Zweifel daran, das dieser Zug noch nicht abgefahren ist. Alle Staaten vermelden Probleme, einen Tiefgang in die Rezession, und Wachstumsfetischisten verkaufen uns das große Zahlenspiel als WACHSTUM. Es ist doch wohl klar, daß wenn die Geldmenge um 10% jährlich ansteigt, daß man alleine über Preiserhöhungen Wachstum von 2% erreicht. Schließlich zählt man bei den Wachstums-fetischisten keinesfalls die Anzahl, Kilos und Liter an erstellten Waren, sondern ausschließlich den Preis. Ich finde – selbst diese Daten sind gefälscht, denn wie soll den es im Einklang gehen, daß Europa immer mehr Marktanteile an China abgeben muß, die Arbeitslosenstatistiken immer wieder verfälscht werden, die Leute sich nichts bis auf einem Iphone leisten. Aber unterm Strich köme da angeblich Wachstum heraus.

    Ich behaupte: das Wachstum was uns die Regierung offenbart am Ende nicht existent ist, reine Augenwischerei. Und das was dann doch real erreicht worden ist, ist dank Kreditvergabebereitschaft der irischen, britischen, spanischen, italienischen und natürlich griechischen Banken erreicht worden.

    Diese Art von Ökonomie ist völliger absurd. Und ich habe keine Ahnung, warum unsere Wirtschaftswissenschaftler die im Amt sind – es partout nicht sehen wollen? Wohl wegen eigenem Verschuldungsgrad. Sie wissen ja was passiert, wenn der Zahltag kommt.

    Dass eine Vermögensumverteilung kommen MUSS, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, Doch es wird von oben nach unten erfolgen. Es werden die oberen das meiste verlieren, alle anderen alles. Und daran erkennt man auch warum Deutschland heute immer noch ein preußisches Staatsmonster ist. Die Regierung übergeht das eigene Volk, was seit Preußen Gang und Gäbe ist.

    @cmerk – ich bin Pole, lebe aber aus exakt diesen Gründen lieber in Deutschland. Warum? Den Zustand der polnischer Wirtschaft ist in Wahrheit keinen Deut besser als der den Portugiesen oder den Griechen. Polen haben aber einen gewissen Vorteil: Der Wohnungsbau in Polen ist erlahmt, (im Gegensatz zu Portugal/Spanien) es wird praktisch so gut wie nur privat gebaut und wenn ja dann nur in den reicheren Gegend (Pommern).

    Ich halte in übrigen überhaupt nichts davon, daß Polen dem Euro beitreten sollte. Das würde in allererster Linie etwa 60-70% der polnischer Bevölkerung treffen und erst die Verschuldungs-explosion in Polen anheizen. Polnische Banken finanzieren übrigens die Käufe von Wohnungen oder Häusern nicht, das tun die Österreicher, Schweizer und Engländer. Ich habe noch nie gehört, daß irgendein Pole eine Immobillie in Zloty finanziert hat – es sind entweder die Euros, die Pfunds oder der Franken.

    Polnische Banken VERMITTELN lediglich Kreditvergabe der Westbanken. Ob das gut ist? Mitnichten. Zwar sind dadurch die polnischen Banken noch relativ sicher, weil der Schuldner-Gläubiger Verhältnis sie gar nicht erst umfasst. Sie kassieren lediglich Prämien und an eventueller Mithaftung brummen Sie dem Kreditnehmer Extraversicherungen auf.

    Fakt aber ist – ungefähr genauso vollzog sich der “Aufschwung auch in der Slowakei, Tschechei und Ungarn, ganz zu schweigen von der Ukraine. Wie es um Ungarn bestellt ist – das wissen wir ja… da habe man private Rentenvorsorge verstaatlicht, was auch einer Enteignung gleichkommt.

    Ukraine ist per Definition bankrott, Weißrußland ebenso, Littauen und Lettland so wie Estonien in einer tiefer Depression. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise können Polen auch nicht mehr weltweit vagabundieren und ihren Lebensstill finanzieren, daher brachen sehr wohl ihre Einnahmen ein.

    Was Polen noch relativ ungeschoren oben hält sind die bilateralen Handelsbeziehungen mit Deutschland, aber: das Ding ist nicht auf immer und ewig haltbar.

    Europa in heutiger Form kann gar nicht überstehen. Der Zusammenbruch von Euro wird kommen (müssen). Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und ich kenne ja nur ein Rezept, was nachher halbwegs sozialen Frieden sichern kann. EU Grenzen zu, Löhne massivst runter, Preise für europäischen Binnenmarktprodukte rauf – und massive Importeinschränkungen gegenüber allen Ländern die aufgrund des Lohndumpings horrende Außenhandelüberschüsse erzielen.

    China ist sich dieser Gefahr gar nicht erst bewusst, daß die Globalisierung sie in eine Falle gebracht hat. Sobald die Chinesen das eben begreifen, werden sie aus US-Staatsanleihen Kapital abziehen müssen und sich langsam aber beständig an dem Rohstoffmarkt bedienen müssen.

    Ich denke die Brüsseler Machthaber wissen es genauso wie die Allmächtigen Obamas Anbeter… daher: wir werden nicht erst den Eisberg Rahmen, wir werden frontal auf den Eisberg auflaufen.

    Es besteht keine reale Chance diesem Szenario zu entkommen. Was die Regierung jetzt also sagt (der Euro ist so sicher wie seinerzeit die Berliner Mauer) das ist mir bereits vollkommen gleichgültig. Ich habe eher schon alles in Rohstoffe umgetauscht.

    Artur K.

  • Bobastro - 24. Oktober 2011

    Die Anleihen antizipieren bereits die Pleite bzw. den Haircut. Fälligkeit 2014 bei 73

    http://www.onvista.de/anleihen/snapshot.html?ID_INSTRUMENT=1635048&PERIOD=6&ID_NOTATION=8145236#chart

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